Posts Tagged 'Klaus Allofs'

Fundstücke: Wenn ein Interview zu VW und Fußball mit Lebensweisheit endet

In der ZEIT vom 1. Oktober gibt es ein Interview von Moritz Müller-Wirth mit Klaus Allofs, dem Geschäftsführer Sport beim VfL Wolfsburg. Vielleicht war das Interview schon länger verabredet, der Aufhänger für dieses Interview ist aber nun die Frage, ob die finanziellen Folgen für VW nach dem Skandal um die manipulierten Abgaswerte der Dieselfahrzeuge Auswirkungen auf das Sponsoring des Konzerns beim VfL Wolfsburg haben könnten. Routiniert und entschieden verneint Klaus Allofs solch eine Vermutung. Ein paar Argumente dafür hat er sofort bei der Hand. Zugleich klingen seine Sätze deshalb nach politischer Botschaft an die Adresse der Konzernleitung. Ob er sich also tatsächlich so sicher ist, wie er vorgibt?

Danach beginnt der interessante Teil des Interviews, in dem Klaus Allofs nicht nur am Beispiel „Kevin De Bruyne“ über Grundprinzipien seines Arbeitens erzählt, sondern auch persönliche Erfahrungen im Umgang mit Leid zur Sprache kommen.

ZEIT: Hat Ihnen die eigene Erfahrung im Umgang mit dem Tod in dieser Situation [dem Umgang der Spieler des VfL Wolfsburg mit der Nachricht vom Unfalltod von Junior Mandala, K. J.] geholfen?

Allofs: Ganz sicher. Aber jeder Fall ist anders. Man kann nicht sagen, so ist es richtig, so habe ich es durchgestanden. Was für den einen gut ist, kann für den anderen total falsch sein. Aber es ist einfach die durch Lebens- und Leiderfahrung gestützte Betrachtungsweise, die sich abhebt von der Perspektive jüngerer Menschen mit weniger Erfahrung. Das hat mich auch im Umgang mit den Folgen von weniger gravierenden Einschnitten geprägt, deshalb sage ich: Man darf keine Angst vor Fehlern haben.

Und wenn man in der letzten Frage sowie der Antwort Fußball durch Leben ersetzt, kann man noch ein wenig über die Leistungsideologie unserer Gesellschaft nachdenken.

ZEIT: Im Verhältnis von Chancen und Risiken: Inwieweit ist Erfolg im Fußball planbar?

Allofs: Man kann schon Voraussetzungen schaffen, in denen Erfolg wahrscheinlicher wird, aber klar, letztlich bist du ausgeliefert, auch die größten Perfektionisten. […]

Tosic kommt nicht zum MSV – Und das ist gut so!

Mal ehrlich, der MSV Duisburg kann froh sein, dass Dusco Tosic lieber in England unterkommen möchte als in Duisburg. Alles, was ich seit gestern Mittag über ihn erfahren habe, lässt mich doch stark vermuten, seine Vorstellungen von Professionalität und gutem Fußballer-Leben hätten weder in die wenig glamouröse Stadt Duisburg gepasst noch zu Milan Sasic, den ich als sehr bodenständig erlebe.

Auch das gehört zu den Vorüberlegungen bei einer Verpflichtung: Welchen Einfluss hat es auf das Gefüge der Mannschaft und das sportliche Umfeld, wenn ich über den zu verpflichtenden Fußballer nicht nur im Sportteil etwas zu lesen bekomme sondern auch auf den Glamourseiten der Boulevard-Blätter? So ist es für mich ebenso ein verwegener Gedanke, seine Frau Jelena Karleusa in der VIP-Lounge der MSV-Arena Schnittchen essen und ein Wasser trinken zu sehen wie ein Foto von ihr mit neuester Frisur und gewagtem Oberteil im Duisburger Lokalteil von WAZ oder NRZ.

Dennoch will ich Bruno Hübners Aktivitäten beim Tosic-Teil des Ausleihgeschäftes nicht bewerten, weil es gerade bei solchen Paketgeschäften wie dem Wagner-Transfer auf die Details ankommt. Die kennen wir aber nicht. Womöglich war es bei diesem Geschäft so wie in der Politik, wenn einzelne Fragen zu Teilen einer mit dem Koalitionspartner mühsam ausgehandelten Gesetzesvorlage werden. Der Abgeordnete muss sich also überlegen, ob er wegen des ihm ungleich wichtiger scheinenden einen Gesetzes in dem anderen Fall  Zweifel vernachlässigt oder sich gar gegen seine innere Überzeugung wendet. All das kann auch bei dem Wagner-Paket-Transfer möglich gewesen sein.

Was wir jetzt sowohl aus Bremen als auch aus Duisburg zu lesen bekommen, rückt natürlich das Verhalten Dusco Tosics in den Blick. Klaus Allofs wird nach der Bremer Vertragsauflösung mit Tosic überall – und hier nur ein Beispiel – l mit diesem Satz zitiert: „Nach seinem erneuten Fehlverhalten in den vergangenen Tagen sind wir froh, dass dieses Kapitel nun abgeschlossen ist. Dass sich ein Spieler so verhält, haben wir noch nicht erlebt“. Und Bruno Hübner legt Wert darauf, dass der MSV Duisburg sich nichts hat zu Schulden kommen lassen.

Zu meiner großen Beruhigung war man beim MSV Duisburg schon gestern Abend in der Lage, eine Pressemitteilung mit der Stellungnahme Bruno Hübners herauszugeben. Vor der Saison waren offizielle Worte des MSV Duisburg doch immer mit einiger Verspätung verkündet worden. Manchmal möchte ich bei solch ungewöhnlichen Paket-Geschäften ein stiller Beobachter sein, um einmal genau zu erfahren, wie es zu dem kommt, was der Öffentlichkeit präsentiert wird. Für heute weiß ich nur, der Tosic-Teil des Geschäfts zwischen dem MSV Duisburg und Werder Bremen ist gescheitert. Und das ist gut so!


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