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Gastbeitrag: Klaus Hansen mit einer WM-Prognose

Gestern noch schrieb ich davon, wie belanglos die Weltmeisterschaft für mich ist. Ein satirisches nederslandse liedje war der Soundtrack dazu. Wenig später las ich eine E-Mail von Klaus Hansen. Schon mehrere Male waren in diesen Räumen Beiträge von ihm zu lesen. Der 1948 geborene Sozialwissenschaftler Klaus Hansen besucht seit der ersten Bundesliga-Saison bis heute die Spiele des MSV. Der Fußball ist ihm immer wieder Anlass zu Essays und literarischer Kunst, so auch in dem Fall die Weltmeisterschaft. Klaus Hansen nimmt in seinem Text den Fußball ernst. Wertende Worte zu Katar fehlen dabei nicht. Für einen empirischen Sozialwissenschaftler bedeutet das auch seine Prognose mit von Daten gestützten Argumenten zu belegen. Bei allem Wissen um ihre Fehlbarkeit. Bitte schön!

Wer wird‘ s denn?
Eine Spekulation von Klaus Hansen

Es sind nur noch wenige Tage bis zum Beginn der Fußball-WM. Aber kaum einer fragt, wie sie ausgehen wird. Alle fragen, und das schon seit 12 Jahren, wie konnte es nur Katar werden? Und es ist und bleibt ein Skandal, dass es Katar geworden ist.

Wir aber wollen fragen: Gibt es eine seriöse Methode für eine seriöse Prognose?
Wer wird Fußballweltmeister 2022?
Dass die Frage die Menschen weniger bewegt als noch vor vier, acht oder 16 Jahren, liegt an Katar. Und ist zugleich ein erster Erfolg von Katar: Fußball mag die schönste Nebensache der Welt sein, eine Hauptsache ist er nicht.

Wir Fußballfreunde schauen seit Jahrzehnten dem Fußballspiel zu und lesen die einschlägige Presse. Wir treten selbst gegen die Kugel und wissen, wie es ist, wenn der Ball seine eigenen Wege geht. Es muss sich doch ein Erfahrungswissen angesammelt haben, aus dem man etwas Vernünftiges machen kann, zum Beispiel eine Vorhersage mit Hand und Fuß zu treffen. Versuchen wir es also, Fußballliebhaber, die wir sind, „Amateure“ im Wortsinne.

Und was steht schon auf dem Spiel für uns? Wir haben nichts weiter zu verlieren als den Verdacht der Kennerschaft. Für den Laien ein Malheurchen, für Experten der Tod.

Die Lage
Das Teilnehmerfeld der diesjährigen WM besteht aus 32 Mannschaften.
Betrachtet man die WM-Turniere seit ihrem Anfang, 1930 in Uruguay, müssen wir feststellen, dass 19 von 21 bislang vergebenen WM-Titeln an sechs Länder gegangen sind, drei aus Südamerika und drei aus Europa: Brasilien, Argentinien und Uruguay; Deutschland, Italien und Frankreich.
Da bei der 22. WM in Katar Italien nicht dabei ist, reduziert sich der „geborene“ Favoritenkreis auf 5. Also fügen wir die die Einmal-Weltmeister von 1966 und 2010 noch hinzu, dann kommen wir mit England und Spanien auf einen Favoriten-Kreis von 7 Ländern.

Erfahrungswissen
Jetzt ziehen wir eine Erfahrungsregel hinzu, die besagt: „Spiele werden vorne gewonnen, Meisterschaften hinten.“ Auf eine lange Meisterschaftsperiode wie die Bundesligasaison mit 34 Spielen bezogen, trifft das sehr häufig zu: In der Endabrechnung hat der Meister in jedem Fall die wenigsten Tore kassiert, aber nur selten die meisten Tore geschossen.

Trifft die Regel auch auf ein kurzes Turnier mit maximal nur 7 Partien zu, wie es die WM ist? Als Deutschland 2014 Weltmeister wurde, hatte man ein Torverhältnis von 18:4; der Drittplatzierte, Holland, kam auf 21:11, drei Tore mehr geschossen als der Champion, aber fast dreimal so viele kassiert. Bei der WM 2010 in Südafrika genügten dem Sieger Spanien 8 Tore in 7 Spielen zum Sieg; der Dritte, Deutschland, kam auf fast doppelt so viele, auf 15 Treffer. Aber Spanien hatte nur 2 Gegentore bekommen, Deutschland hingegen 6. – Die Regel „Spiele werden vorne gewonnen, Meisterschaften hinten“ scheint also auch für kurze Turniere zu gelten.

Hinten dicht
Wenn es so ist, entscheidet sich WM 2022 in der Abwehr, nicht im Sturm. Wer von den 7 Mannschaften des Favoritenkreises hat die vermutlich beste Abwehr? Konzentrieren wir uns in der Bewertung auf die Positionen: Torwart, Innenverteidigung, Außenverteidigung und defensives Mittelfeld. Das Ergebnis fällt eindeutig aus:

1 Brasilien
Acht von 14 Spielern des Kaders für die genannten Positionen seien aufgezählt: Alisson – Telles, Marquinhos, Militao, Danilo – Guimares, Fabinho, Casemiro. – Größere individuelle Qualität hat in diesem Bereich keine andere Mannschaft.

2 Frankreich
3 England
4 Argentinien
5 Deutschland
Einzig auf der Torwartposition ist Deutschland besser besetzt als alle anderen Favoriten. Von den Defensivkräften erreichen allenfalls Rüdiger und Kimmich ein internationales Niveau. Von Süle, Schlotterbeck und Co. bleibt zu hoffen, dass sie „überraschen“.

6 Spanien
7 Uruguay

Geld gewinnt“
Nun sagt man in den nationalen Fußballligen zurecht: „Geld schießt Tore“. Man müsste ergänzen: „Geld verhindert auch Tore.“ Die Schlusstabelle einer Bundesliga-Saison ist immer auch eine Geldrangliste: Oben stehen die reichsten Vereine, unten die ärmsten.
Ausnahmen bestätigen die Regel.
Was lässt sich über die Geldrangliste der Nationalmannschaften sagen? Dazu nehmen wir die Spieler der einzelnen WM-Kader und addieren ihre Werte auf dem Transfermarkt. Dann ergibt sich folgendes Bild aus dem Gesindemarkt des Profifußballs:

1 England 1,3 Milliarden
2 Brasilien 1,2 MRD
3 Frankreich 1,1 MRD
4 Spanien 900 Millionen
5 Deutschland 885 MIO
6 Argentinien 633 MIO
7 Uruguay 451 MIO

Ergebnisse zählen
Die Fifa-Weltrangliste bewertet die Leistungen der Nationalmannschaften nach den Ergebnissen in der jüngeren Vergangenheit. In der aktuellen Rangliste (Stand: Oktober 2022) stehen die „geborenen“ WM-Favoriten in folgendem Verhältnis zueinander:

1 Brasilien 1841 Punkte
2 Argentinien 1774 Pkte
3 Frankreich 1760 Pkte
4 England 1728 Pkte
5 Spanien 1715 Pkte
6 Deutschland 1650 Pkte
7 Uruguay 1639 Pkte

Fazit
Berücksichtigt man alle Daten aus den Ranglisten, hat Brasilien die größten Chancen, Weltmeister zu werden, zumal, wenn man bedenkt, dass es die stärkste Defensive (und auch teuerste) besitzt. Aber Vorsicht! Der stille Vorbehalt des Waisen aus Kurpfalz, Josef Herberger, gilt auch hier: „Die besten 11 bilden noch nicht die beste Elf.“
Zugleich muss man sagen, dass für Deutschland spätestens im Viertelfinale Schluss sein wird. Am 11. Dezember fliegt die deutsche Nationalmannschaft nach Hause.
Da wir von den „geborenen“ Favoriten ausgegangen sind, tauchen zwei Mannschaften nicht auf, eben weil sie noch nie einen WM-Titel gewonnen haben, die aber in den genannten Ranglisten weit oben platziert sind: Portugal und Belgien. Sie dürfen darum als „Geheimfavoriten“ gelten, insbesondere Portugal wegen seiner Defensivstärke.

Alles in allem: Der Weltmeister 2022 spricht vermutlich Portugiesisch.

Katar
Gibt es den Bonus des Heimvorteils für das Ausrichterland? Denn immerhin haben 6 der 7 Favoriten einen Titel zu Hause gewonnen. Wie sieht es also für Katar aus? In den Ranglisten steht man weit hinten. Aber immerhin ist Katar amtierender Asienmeister. Die Mannschaft wird unter Verschluss gehalten. Als Ausrichter war man „gesetzt“ und musste keine Qualifikation bestreiten. Der Kader befindet sich seit langem in Klausur. Nur wenige Vorbereitungsspiele lassen nicht tief blicken. Aber der Vorbereitungsmodus selbst spricht dagegen, dass Katar eine große Rolle spielen kann: Ohne ernsthafte Wettkampfpraxis in den letzten 3 Jahren gewinnt man ein solches Turnier nicht.

Über Katar hinaus
Katar ist unter allen Staaten dieser Erde das Land der „Überfremdung“ schlechthin. Nur 10 Prozent der Einwohner sind auch Staatsbürger. 90 Prozent sind Fremde, eingewanderte „Gastarbeiter“. Der prognostizierte Sieger Brasilien macht aus den Verhältnissen in Katar ein Erfolgsmodell: 90 Prozent der Spieler des Kaders spielen im Ausland, vor allem in Europa, nur 10 Prozent in Brasilien. „Geht hinaus in die Welt und erobert diese“, so könnte das Fanal lauten, das von Katar ausgeht, „das wird die Euren zu Hause stolz machen!“ – Freilich werden nepalesische Gastarbeiter in Katar, die vom Kafala-System vielfach wie Sklaven gehalten werden, das anders hören als millionenschwere Brasilianer in Europa.
Einen „infrastrukturellen Schub“, wie ihn die WM 2010 für Südafrika gebracht hat – Ausbau von Straßen- und Schienennetzen, Modernisierung von Flughäfen – hat Katar nicht nötig.
Eine nachhaltige Veränderung des autoritären Herrschaftssystems, wie sie das Land aus westlicher Perspektive nötig hätte, wird die Fußball-WM nicht bewirken. Das war weder in der argentinischen Militärdiktatur so, 1978, noch in Russland 2018. Warum sollte es diesmal anders sein? Es fehlen die Anzeichen.
Katar wird zu einem Beweis der Widerstandskraft werden, die dem Fußballspiel innewohnt. Auch bestechliche Funktionäre werden diese Resilienz nicht korrumpieren können.
Dazu folgende Erinnerung: 2015 trug Katar die Weltmeisterschaft im Handball aus. Bis dahin war man über den 16. Platz bei einer WM (2003) nicht hinausgekommen; meistens war man jenseits der 20 gelandet. Durch Einbürgerung fremder (Alt-)Stars kaufte man sich eine Mannschaft zusammen, die es bis ins Endspiel schaffte und 2015 Vizeweltmeister wurde.
Aus dem Nichts zum Vize- oder gar Weltmeister, das wird es im Fußball nicht geben. Allein deshalb, weil der Ball etwas dagegen hat. Der Handballer spielt den Ball, aber der Fußballer spielt mit dem Ball. Das ist ein Unterschied ums Ganze. Ihn ausführlich zu erklären, würde hier zu weit führen, mitten hinein ins Herz des Fußballspiels.
Dem Staat Katar, eine islamistische Monarchie, genügt es, das Turnier auszurichten; es zu gewinnen, steht nicht auf dem Plan des Emirs. Fußball ist ein Instrument des „Nation Branding“. Katar will weltbekannt und in aller Munde sein, weil darin ein Schutz der eigenen Souveränität vor nicht allzu wohlmeinenden Nachbarn gesehen wird. Das „größte Sportereignis der Welt“ (Fifa über Fifa-WM) als Existenzsicherung für ein Ländchen, halb so groß wie Hessen! – Dieser Coup ist dem autoritären Zwergstaat gelungen. Und die Fifa hat es mit sich machen lassen. Der Verlierer dieser WM ist der Weltfußballverband.

Vorhersagerei
Natürlich wissen wir nicht, wer sich während des Turniers verletzt und ob ein unbekannter Youngster dabei ist, dessen Stern in der Wüste aufgehen wird, so wie der des 17jährigen Pelé 1958 in Schweden. Natürlich spielt die Tagesform des einzelnen Spielers und das Funktionieren des Kollektivs die größte Rolle. Natürlich kann eine Unebenheit im ach so gepflegten Rasen dazu beitragen, dass der Ball verspringt und im Tor landet. Wie sind die Schiedsrichter in Form? Sie bilden inzwischen ein technologiebewehrtes Konsortium in Mannschaftsstärke. – Die Unwägbarkeiten sind zahllos. Keine Expertise der Welt kann sie alle berücksichtigen. Eine Unwägbarkeit fällt allerdings weg: das Wetter. Es wird die erste Fußball-WM sein, bei der das Wetter für alle gleich ist, gleich sonnig, trocken und klimatisiert, an allen Tagen, an allen Orten. Der Beitrag zum Ökozid, der damit geleistet wird, ist bekannt.
Fußball ist der Sport, der am häufigsten alle Prognosen über den Haufen wirft. Das macht seine besondere Faszination aus. Darum sollte es uns nicht wundern, wenn am Ende unsere ganze Vorhersagerei das Papier nicht wert war, auf der sie stand. – Und die Söhne Nippons sich feiern lassen.

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Gastbeitrag: Klaus Hansen mit einem Gedenkblatt für Uwe Seeler

Seit der ersten Bundesliga-Saison kommt der 1948 geborene Sozialwissenschaftler Klaus Hansen zu den Spielen des MSV. Er reiste aus der Eifel an und kommt inzwischen aus Pulheim. Schon mehrere Male war er in diesen Räumen  zu Gast.

In einem Teil seiner künstlerischen Arbeit beschäftigt er sich mit Konkreter Poesie. Wenige Tage nachdem Uwe Seeler am 21. Juli verstorben war, schickte er mir ein Gedenkblatt für „Uns Uwe“. Klaus Hansen wie der große Teil einer ganzen Generation hatte durch Uwe Seeler das Fußballspiel lieben gelernt.

Erst jetzt komme ich dazu, dieses poetische Gedenkblatt von Klaus Hansen zu veröffentlichen.

Gastbeitrag: Klaus Hansen hat den Meiderich-Blues

Seit der ersten Bundesliga-Saison kommt der 1948 geborene Sozialwissenschaftler Klaus Hansen zu den Spielen des MSV. Er reiste aus der Eifel an und kommt inzwischen aus Pulheim. Schon mehrere Male war er in diesen Räumen  zu Gast. In seinen Beiträgen erinnerte er an „Spitzenereignisse vom MSV“, er machte sich Gedanken über das WM-Endspiel 1966 und den Fußball der Gegenwart oder die postsaisonale Melancholie hatte ihn überfallen.

Gestern erreichte mich eine E-Mail von Klaus Hansen. Die 0:5-Niederlage gegen den 1. FC Magdeburg war auch für ihn nur schwer zu ertragen gewessen. Er hatte den „Meiderich-Blues“, und er versuchte ihn mit einem Text zu ergründen.

Mein Meiderich-Blues
Von Klaus Hansen

Ich will, dass es aufhört. Aber es hört nicht auf. Meine Nervosität, meine Dünnhäutigkeit, meine zum Glück nur verbale Aggressivität. Für die Dauer, wenn mein Verein spielt, bin ich für nichts zu gebrauchen.

Obwohl ich die 70 überschritten habe, verfolge ich die Spiele meines Vereins mit dem Herzen eines Elfjährigen. Davon will ich weg. Ich will kein Sklave mehr sein. Aber es gelingt nicht. Erst dachte ich, es genügt, die Spiele meines meines Vereins nicht mehr zu besuchen, wie ich es seit Jahrzehnten mit größter Regelmäßigkeit tue. Die Corona-Epidemie kam mir entgegen. Plötzlich war das Stadion geschlossen. Niemand durfte mehr rein. Auch ich nicht. Das entlastete mein Gewissen. Aber mein Verein spielte ja trotzdem. Es folgten zwei furchtbare Stunden des kalten Entzugs. Waren sie um, musste ich allen Mut zusammen nehmen, um mit viel Herzklopfen und zitternden Fingern im Internet nach dem Ergebnis zu suchen. Hatte ich es gefunden, war ich für meine Umgebung schwer auszuhalten, sei es, dass ich die Kontrolle über mich verlor, nach einem Sieg, oder, bei einer Niederlage, depressiv erschlaffte. Und immer wieder fand sich ein wohlmeinender Geist, der mir den Rest gab: “Aber es ist doch nur ein Spiel, Klaus.”

So viel steht fest: An Tagen, an denen mein Verein spielt, werde ich zum Asozialen. Davon habe ich die Nase voll. Zumal mein Verein, dem ich 1962 nach vierjährigem Verlöbnis mein Ja-Wort gab und den ich 1964 zur deutschen Vizemeisterschaft führte, in letzter Zeit nur noch Scheiße baut. Man sitzt als geborener Erstligist im Tabellenkeller der dritten Liga fest. Und nach einer Niederlage folgt eine noch höhere Niederlage.

Dem Siebzigjährigen reicht es, aber der Elfjährige lässt nicht locker.

Wie krieg ich bloß den unreifen Halbwüchsigen aus mir raus? Gut, mein Verein könnte mir entgegenkommen und sich anlässlich seines bevorstehenden 120. Geburtstages auflösen. “Genug ist genug.” Aber das tut er ja nicht.

Ich muss mich wohl damit abfinden, bis zu meinem Tod ein Elfjähriger zu sein, wenn es um den Meidericher Spielverein geht.

Auf andere mag das lächerlich wirken. Für mich ist das alles andere als lächerlich.

Weggelesen – Klaus Hansen: soccer

Seit der ersten Bundesliga-Saison kommt der 1948 geborene Sozialwissenschaftler Klaus Hansen zu den Spielen des MSV. Er reiste aus der Eifel an und kommt inzwischen aus Pulheim. Schon mehrere Male war er in diesen Räumen  zu Gast. In seinen Beiträgen erinnerte er an „Spitzenereignisse vom MSV“, er machte sich Gedanken über das WM-Endspiel 1966 und den Fußball der Gegenwart oder die postsaisonale Melancholie hatte ihn überfallen.   

Einen Teil der verlinkten Essays gibt es nun wiederum als Teil des neuen Buches von Klaus Hansen in gedruckter Form. „Soccer“ heißt dieses Buch, in dem eben nicht nur Essayistisches zu finden ist. Denn Klaus Hansen schreibt auch Lyrik und Prosa. Mit seinen lyrischen Texten steht er in der Tradition von Dadaismus und Konkreter Poesie. Und mit seiner Kürzestprosa gewinnt er dem gewöhnlichen Ereignis im Fußball eine im ersten Moment sinnfreie Pointe ab. Dann wirken die Texte nach und das Rätselhafte, Skurrile bringt die Gedanken in Bewegung.

Ob in den „Soccer stories“, in den „soccer lyrics“ und in den „soccer essays“ findet sich als Grundhaltung von Klaus Hansen eine gewisse Skepsis gegenüber dem Fußball der Gegenwart wieder. Demgegenüber steht aber nicht eine Verklärung der Vergangenheit, wie es vielleicht erwartet werden könnte bei einem MSV-Fan, der schon bei den Vizemeistern um Siege gebangt hatte. Vielmehr kann Klaus Hansen nicht nur mit den Auswüchsen des Unterhaltungsbetriebs der Gegenwart wenig anfangen, er betrachtet auch die kulturelle Überhöhung des Fußballs mit ironischer Distanz. Anekdotisches Erzählen über die Heldentaten im Fußball wird bei ihm formal und inhaltlich immer wieder gebrochen.

Wie passend, dass Klaus Hansen als Anhänger des MSV Duisburg durch sein Leben geht. Ein Verein, bei dem der sportliche Erfolg recht überschaubar ist, bietet in seiner Geschichte wenig Projektionsfläche, um die Standarderzählungen des Fußballs zu bedienen. Die Skepsis des Klaus Hansen ist gleichsam die gelebte Geschichte seines Vereins.

Vielleicht noch ein Beispiel aus dem Buch für die Konkrete Poesie, weil sich darunter wahrscheinlich nicht viele der Leser hier etwas vorstellen können.

 

 

 

Klaus Hansen: soccer
Roland Reischl Verlag
148 Seiten
€ 15,00
ISBN 978-3-943580-25-9

Gastbeitrag: Klaus Hansen überfällt die „Postsaisonale Melancholie“

In gewisser Weise geht es heute schon wieder um eine Debatte – nämlich die, wie sich der Fußball als Unterhaltungsbranche entwickelt und was dabei verloren geht. Nachdem sich Klaus Hansen über den Aufstieg des MSV gefreut hatte, wurde er wehmütig und hat die Gründe dafür im Fußball der Gegenwart gefunden. Dabei hatte er zunächst nur über die Spielweise des MSV nachgedacht. Allerdings muss ich hinzufügen, Klaus Hansen hatte das letzte versöhnliche Spiel gegen Zwickau noch nicht gesehen, als er den Text geschrieben hatte. Der Sozialwissenschaftler Klaus Hansen kommt seit der ersten Bundesliga-Saison zu den Spielen des MSV. Mehrmals waren in diesen Räumen hier schon Gastbeiträge von ihm zu lesen.

Postsaisonale Melancholie

Paul Auster sagt, dass es im Sport „Gewinner und Verlierer gibt“; aber das ist banal. Nicht banal und geradezu tiefgründig ist seine Feststellung: Im Sport gibt es „viel mehr Verlierer als Sieger“. Eine Erkenntnis, die selbst auf höchster Erfolgsstufe gilt: Bayern München hat 27mal die die Deutsche Fußballmeisterschaft errungen – 83mal aber nicht. Real Madrid hat 11mal das europäische Championat gewonnen – 51mal aber nicht. Brasilien ist 5mal Weltmeister geworden – 15mal aber nicht.

Was Paul Auster nicht wissen kann, weil er Amerikaner ist und die großen amerikanischen Sportarten kein Unentschieden kennen, ist die Tatsache, dass nicht verloren haben muss, wer nicht gewonnen hat. Der genossenschaftlichen Punkteteilung sei Dank! (Leider durch die 3-Punkte-Regelung verwässert.) Das Remis erlaubt es sogar, dem Nichtverlieren Priorität vor dem Gewinnen einzuräumen.  Dazu passt natürlich die Zielsetzung für die kommende Saison in der 2. Liga: nicht absteigen!

Ans Gewinnen denkt in Meiderich schon lange keiner mehr. – Wie kann ein Verein ohne Titel, dem der Glauben abhanden gekommen ist, je auch nur einen Titel von Belang erringen zu können, vor seinen Fans, zumal den nachkommenden, bestehen? Indem er ohne Unterlassung für Spannung sorgt. Schon seit Jahren ist der Abstiegskampf in der Bundesliga spannender als der Meisterschaftskampf, und darum interessanter.

Sorgt für Spannung, Zebras, und überwindet den „Beamtenfußball“ dieser Saison, geht Risiko ein, macht Dinge, für die euch der liebe Gott nicht vorgesehen hat! Und wenn es nach unten geht, aber spannend, bleiben auch die Fans bei der Stange. Denn mit eben dieser Spannung kann es auch wieder nach oben gehen. – Dies schreibt ein Herzensfan, der alle ökonomischen Belange des modernen Fußballs hier einmal außen vor lässt.

Aber wir alten Fans, die wir zwischen 60 und 70 sind, kommen alle aus dem Amateurfußball, der uns geprägt hat. Vielleicht ist es gut, dass wir aussterben. Denn der Berufsfußball kann mit uns und wir mit ihm wenig anfangen. Die neuen Fußballfans sind von ESC-Fans nicht mehr zu unterscheiden. Die neuen Stadion-Sprecher – siehe RB Leipzig – sind von glamourösen Show-Moderatoren des Unterhaltungsfernsehens auch nicht mehr zu unterschieden. Das geht alles in eine Richtung, die nicht mehr meine Richtung ist. Das Schlimme ist die Ausweglosigkeit. Ich gehe zu einem Spiel letzten Kreisklasse Rhein-Erft, wo man nicht mehr absteigen kann, weil es darunter nichts mehr gibt. Aber auch da tragen die Spieler Trikots mit Sponsoren-Namen auf der Brust; selbst da bedankt man sich vor dem Anpfiff über Megaphon beim edlen Spender, „der für das heutige Spiel den Ball zur Verfügung gestellt hat.“ Der Fußball als Werberahmenprogramm ist nicht mehr mein Fußball.

Gastbeitrag: Klaus Hansen über das Wembley-Tor, den Fußball damals und den der Gegenwart

Egal ob Wedaustadion, MSV-Arena oder Schauinsland-Reisen-Arena, der Sozialwissenschaftler Klaus Hansen kommt seit der ersten Bundesliga-Saison zu den Spielen des MSV. Mehrmals waren in diesen Räumen hier schon Gastbeiträge von ihm zu lesen. Mit drei Tagen Verspätung kann ich heute von ihm ein Zeitzeichen online stellen. Er erinnert an das Wembley-Tor vor 50 Jahren und nimmt das zum Anlass, sich an das Wesen des Fußballs jener Zeit zu erinnern. Den Fußball der Gegenwart stellt er ihm kritisch gegenüber. Bitte schön!

30. Juli 2016 – ein Zeitzeichen zum Tage

Von Klaus Hansen

Heute wird an den 30. Juli 1966 erinnert. 50 Jahre ist es her. In London findet das Endspiel der 8. Fußball-Weltmeisterschaft statt, England gegen Deutschland. Dank eines 2:2-Unentschiedens nach 90 Minuten geht das Spiel in die Verlängerung. In der 11. Minute der Zusatzzeit fällt das 3:2 für England, das “Wembley-Tor”. Bis heute ist es umstritten; bis heute weiß man nicht mit Sicherheit, ob der Ball im Tor war oder nicht; bis heute wird darüber debattiert – und erst recht am heutigen Jubiläumstag. Die englischen Spieler sahen den Ball damals “drin”, die deutschen nicht. So tun sie es noch heute. Auch der Schweizer Schiedsrichter wusste damals nicht, was Sache war und befragte darum seinen sowjetischen Linienrichter. Der habe mit dem Kopf genickt und “Goal” gesagt, woraufhin der Schiri den Treffer gab. Viele Jahre später und kurz vor seinem Tod soll der sowjetische Linienrichter auf die Frage, warum er auf Tor entschieden habe, nur mit einem Wort geantwortet haben: “Stalingrad”.

Die Schlacht um Stalingrad war 1942/43, das Wembley-Tor fiel 1966, der, der es verifizierte, ein sowjetisierter Aserbaidschaner vom Jahrgang 1925, starb 1993. Und heute, 2016, wird uns das ganze Geschehen zu einem Symbol für das “Jahrhundert der Extreme”, wie Eric Hobsbawm das 20. Jahrhundert genannt hat: Dem Widerspiel von Stalinismus und Hitlerismus ist auch noch 20 Jahre nach dessen Ende das “dritte Tor” zu verdanken, wie wir heute, 50 Jahre später, erkennen müssen. – Das ist doch die spannende Frage aller “Fußballkritik”: Wie wirkt die Zeitgeschichte auf den Fußball ein, wie spiegeln sich die Zeitläufte im Fußballspiel wider?  Worin entsprechen sich die “Adenauer-Zeit” in der Nachkriegspolitik mit der “Herberger-Zeit” im Nachkriegsfußball? Hat der “Libero” der 70er-Jahre mit dem libertinären 68er-Geist zu tun, so wie heute das von der “Ballbesitz-Ideologie” abgeleitete “Gegenpressing” mit dem modernen Börsenkapitalismus, der “Gewinnwarnungen” ausgibt, wenn er auf Verluste spekuliert?

Aus subjektiver Perspektive ergibt sich ein wiederum anderes Bild.

Zum Zeitpunkt des Endspiels 1966 war ich gerade 18 geworden. Ich befand mich zusammen mit meinen Pfadfinderkameraden auf dem Weg zum großen Sommerlager im Fichtelgebirge, ein Zeltlager mit Selbstversorgung für drei Wochen. Erstmals durften auch Pfadfinderinnen mitfahren. Für sie war eine in der Nähe unserer Lagers gelegene Jugendherberge vorgesehen. Auch Marion war dabei, auf die ich ein Auge geworfen hatte. Wir saßen alle zusammen, 48 Jungen und Mädchen, in einem Reisebus vom Ruhrgebiet ins Frankenland. Im Autoradio lief in miserabler Akustik und mit vielen Unterbrechungen die Reportage vom Endspiel in London, aber das kümmerte uns nicht besonders. Obwohl wir alle sportlich interessiert und aktiv waren. Viele Fußballer waren unter uns, zwei gute Leichtathleten und ein Ausnahme-Schwimmer, der später Deutscher Meister im Wasserball werden sollte. Ich selbst war gerade mit der A-Jugend meines Vereins Niederrhein-Meister im Handball gworden. Der Fußball hatte für uns eine gewisse Bedeutung, aber keinen alle anderen Sportarten deklassierenden Stellenwert. Die Bundesliga war noch jung, die Profis waren noch halbe Amateure und der WM-Erfolg der Nationalelf von 1954 hatte es noch nicht zum allseits verklärten “Wunder von Bern” in den allgemeinen Sprachgebrauch geschafft.

Wir nahmen das Geschehen in London also gelassen hin. Auch in den Tagen danach, während unserer Zeltlagers, war das “dritte Tor”, das noch nicht “Wembley-Tor” hieß, kein Thema. Heute aber ist es ein Thema, immer noch! Vielleicht auch deshalb, weil wir ahnen, dass uns so etwas heute fehlt? Weil unsere Unterdrückungswut auf den “subjektiven Faktor” solche Themen heute gar nicht mehr aufkommen lässt? Aus dem “Spiel mit Fehlern”, das der Fußball nun einmal ist, möchte man auf Teufel komm raus alle Fehler eliminieren – und den Zufall obendrein. Wir fürchten, dass der Fußball an einem Mangel an Mängeln und einem Übermaß an Vorhersehbarkeit zugrunde gehen könnte.

Heute wäre das Geheimnis um das “Wembley-Tor” schon nach Sekunden keines mehr. Wenn der vollsynthetische Fußball des Jahres 2016, der fälschlicherweise noch “Leder” heißt, von der Querstange aus Aluminium, die fälschlicherweise noch “Latte” heißt, auf den Boden prallt, der noch – aber nicht mehr lange – “Rasen” heißt, dann schickt die Software des mit sieben Torkameras munitionierten “Hawk-Eye”-Systems das Signal direkt auf die Armbanduhr des Schiedsrichter-Technokraten: Ob Tor oder Nicht-Tor, hinter der Linie oder nicht, ist dann binnen Sekunden definitiv. Weder die Ratlosigkeit Schweizer Schiedsrichter noch das Ressentiment weltkriegsgeschädigter Linienrichter hätten heute noch eine Chance.

Warum überhaupt noch organische Mängelwesen bei der Regelüberwachung einsetzen, wenn selbst der Fußball inzwischen von gewissenlosen Robotern mit humanoidem Antlitz gespielt wird? – Bitte antworten Sie selbst, nostalgischer Freund der fußerzeugten Kunst!

Gastbeitrag: Klaus Hansen erinnert an Spitzenereignisse vom MSV – V – „Eia“ Krämer und Ennatz

Egal ob Wedaustadion, MSV-Arena oder Schauinsland-Reisen-Arena, der Sozialwissenschaftler Klaus Hansen kommt seit der ersten Bundesliga-Saison zu den Spielen des MSV. Letztens schickte er mir noch ein Interview, das er in den 1990ern mit dem legendären Stadionsprecher des Wedaustadions, Gunter Stork, geführt hatte. Nun landete vor ein paar Tagen eine Mail in meinem Posteingang mit einem weiteren seiner Texte.

“Ein verbales Lokalderby mit einseitigem Ausgang – Das große Problem von Oberhausen heißt Duisburg”, hieß der Text. Für das von Sebastian Scharte herausgegebene Buch „Wer ist die Macht vom Niederrhein und vom Ruhrpott sowieso?“ über Rot Weiß Oberhausen hatte Klaus Hansen ihn geschrieben. Die Gelegenheit nutzte er, um mit einer Sammlung von 25 bemerkenswerten Ereignissen rund um den MSV augenzwinkernd darauf hinzuweisen, welcher Verein in der Ruhrstadt im Grunde die einzig wahren Spitzenleistungen aufweisen kann. Ihr könnt euch denken, welcher Verein als unangefochtener Sieger aus dem Buch herauskommt, wenn ein MSV-Anhänger ihn schreibt.

Das waren nun die letzten Erinnerungssplitter, die ich aus seinem Text herausgegriffen habe. Noch einmal wunderbares Nostalgie-Futter. Noch einmal: Bitte schön! Noch einmal: Danke schön, Klaus Hansen.

 

Werner Krämer, das Ausnahme-Talent, genoss die unglaublichsten Sonderrechte im deutschen Fußball.
Im 61. Jahr seines Bestehens brachte der MSV mit Werner „Eia“ Krämer seinen ersten A-Nationalspieler hervor. Krämer, Vizeweltmeister 1966, wird wegen seiner eleganten Spielweise heute mit Arjen Robben verglichen. Eia Krämer genoss ein Privileg, das keinem anderen Fußballer je zuteil wurde. Auf Krämers Platz in der Umkleidekabine lag immer ein Päckchen Zigaretten („Ernte 23“) und eine Flasche Bier („König Pilsener“). Eia durfte als einziger Spieler vor dem Spiel und in der Halbzeitpause rauchen und Alkohol trinken. Trainer Eppenhoff rechtfertigte das so: „Nimmsu dem Eia die Fluppen un nimmsu dem Eia datt Pilsken, dann nimmsu dem Eia datt Können!“ – Kein anderer Club zwischen Oberhausen und Dortmund hat je so viel Nachsicht bewiesen.

Als Verteidiger in einem Meisterschaftsspiel 4 Tore zu schießen, das gelang in der langen Geschichte der Bundesliga nur einem einzigen Fußballer, natürlich einem MSV-Spieler.
Es war Linksverteidiger Bernard Dietz. Beim 6:3 über Maier, Beckenbauer, Müller und Co. (Bayern München) am 5. November 1977 gelangen ihm 4 Tore. Bald darauf wurde der MSV Duisburg von der Boulevardpresse in MSV Dietzburg umgetauft. – Auch da können die Nachbarstädte nicht mithalten.

MSV-Spieler wird als Kapitän der Nationalmannschaft Europameister.
1980 war’s, in Italien. Bernard Dietz empfängt in Rom den Coupe Henri Delaunay nach dem 2:1-Finalsieg der Deutschen gegen Belgien.

Lothar Matthäus’ Karriere ist ohne den MSV nicht zu denken.
Der Name Lothar Matthäus taucht 1980 zum erstenmal auf der ganz großen internationalen Bühne auf. Bei der Europameisterschaft in Italien gehört der 19jährige zum Kader der DFB-Auswahl und brennt auf seinen ersten Einsatz im Nationaltrikot. Als die deutsche Mannschaft dann im Spiel gegen Holland mit 3:0 führt, täuscht Kapitän Bernard Dietz eine Leistenzerrung vor, um dem Youngster zu seiner Premiere zu verhelfen und lässt sich gegen Matthäus austauschen. Bernard Dietz: „Ich kann stolz behaupten, für Lothars erstes Länderspiel gesorgt zu haben.“

„Niederlagen machen uns stark“ – Eine weitere außergewöhnliche Tabellenführung durch den MSV
Ein MSV-Spieler führt die Tabelle der Bundesliga-Spieler mit den meisten Niederlagen an. Bernard Dietz steht an erster Stelle mit 221 Niederlagen, gefolgt von Karl-Heinz Körbel (Eintracht Frankfurt) mit 220. Auch im Verlieren ist der MSV absolute Spitze! Auch Niederlagen wollen „errungen“ sein, wie Helmut Kohl (FSV Oggersheim) treffend festgestellt hat.

Zu den anderen Folgen des Gastbeitrags von Klaus Hansen mit einem Klick.

Gastbeitrag: Klaus Hansen erinnert an Spitzenereignisse vom MSV – IV – Rahn und Rekordmeister

Egal ob Wedaustadion, MSV-Arena oder Schauinsland-Reisen-Arena, der Sozialwissenschaftler Klaus Hansen kommt seit der ersten Bundesliga-Saison zu den Spielen des MSV. Letztens schickte er mir noch ein Interview, das er in den 1990ern mit dem legendären Stadionsprecher des Wedaustadions, Gunter Stork, geführt hatte. Nun landete vor ein paar Tagen eine Mail in meinem Posteingang mit einem weiteren seiner Texte.

“Ein verbales Lokalderby mit einseitigem Ausgang – Das große Problem von Oberhausen heißt Duisburg”, hieß der Text. Für das von Sebastian Scharte herausgegebene Buch „Wer ist die Macht vom Niederrhein und vom Ruhrpott sowieso?“ über Rot Weiß Oberhausen hatte Klaus Hansen ihn geschrieben. Die Gelegenheit nutzte er, um mit einer Sammlung von 25 bemerkenswerten Ereignissen rund um den MSV augenzwinkernd darauf hinzuweisen, welcher Verein in der Ruhrstadt im Grunde die einzig wahren Spitzenleistungen aufweisen kann. Ihr könnt euch denken, welcher Verein als unangefochtener Sieger aus dem Buch herauskommt, wenn ein MSV-Anhänger ihn schreibt.

Ich greife mal ein paar Erinnerungssplitter aus seinem Text heraus und stelle sie mit der Zeit online. Wunderbares Nostalgie-Futter. Deshalb bleibt manch Bekanntes dabei. Bitte schön! Und Danke schön, Klaus Hansen.

 

Fußballgeschichte wurde oft in Duisburg oft geschrieben. Hier ist es der allererste Platzverweis in der Bundesliga-Historie, an den wir erinnern möchten.
Wedau-Stadion, 14. September 1963. In der 77. Minute des Spiels MSV gegen Hertha BSC erlebt man in Deutschland eine Premiere: den ersten Platzverweis in der neuen Liga. Der Hertha-Linksaußen Beyer hatte den MSV-Rechtsaußen Rahn gefoult. Als Beyer scheinheilig Rahn die Hand zur Versöhnung anbot, schlug Rahn die Judas-Pfote aus und traf Beyer mit einer unwirschen Kopfbewegung im Gesicht. Das war’s. Eine Rote Karte gab es damals noch nicht, also musste die unerbittliche Geste des Schiedsrichters reichen.
Es war nicht irgendwer, der da als erster des Feldes verwiesen wurde. Es war einer der Gründungsväter der Bundesrepublik Deutschland, der in Duisburg vorzeitig unter die Dusche musste. FAZ-Herausgeber Joachim Fest rechnete neben Konrad Adenauer, zuständig für die Politik, und Ludwig Erhard, zuständig für die Wirtschaft, Helmut Rahn zum dritten Gründungsvater der jungen Bundesrepublik. Denn Rahn habe mit seinem Siegtor beim 54er WM-Triumph in Bern für ein neues Selbstbewusstsein der Deutschen gesorgt. Er ist der Gründungsvater einer neuen deutschen „Wir-sind-wieder-wer“-Mentalität. Helmut Rahn, der „Boss“, also war es, der damals das Zebra-Trikot trug und 9 Jahre nach Bern erneut Geschichte schrieb. Nicht zu vergessen: Auch Toni Turek, Torhüter beim „Wunder von Bern“, ist gebürtiger Duisburger und erlernte hier das Fußballspielen.

Der MSV ist der „deutsche Rekordmeister“ der 1970er Jahre.
So schrieb man in der Fachpresse zu Beginn der 80er Jahre. Die A-Jugend, heute: U 19, des MSV war 1972, 1977 und 1978 Deutscher Meister geworden, so häufig wie kein anderer Verein bis dahin.

 

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Gastbeitrag: Klaus Hansen erinnert an Spitzenereignisse vom MSV – III – Gutendorf, Krämer und Auswärtssiegrekord

Egal ob Wedaustadion, MSV-Arena oder Schauinsland-Reisen-Arena, der Sozialwissenschaftler Klaus Hansen kommt seit der ersten Bundesliga-Saison zu den Spielen des MSV. Letztens schickte er mir noch ein Interview, das er in den 1990ern mit dem legendären Stadionsprecher des Wedaustadions, Gunter Stork, geführt hatte. Nun landete vor ein paar Tagen eine Mail in meinem Posteingang mit einem weiteren seiner Texte.

“Ein verbales Lokalderby mit einseitigem Ausgang – Das große Problem von Oberhausen heißt Duisburg”, hieß der Text. Für das von Sebastian Scharte herausgegebene Buch „Wer ist die Macht vom Niederrhein und vom Ruhrpott sowieso?“ über Rot Weiß Oberhausen hatte Klaus Hansen ihn geschrieben. Die Gelegenheit nutzte er, um mit einer Sammlung von 25 bemerkenswerten Ereignissen rund um den MSV augenzwinkernd darauf hinzuweisen, welcher Verein in der Ruhrstadt im Grunde die einzig wahren Spitzenleistungen aufweisen kann. Ihr könnt euch denken, welcher Verein als unangefochtener Sieger aus dem Buch herauskommt, wenn ein MSV-Anhänger ihn schreibt.

Ich greife mal ein paar Erinnerungssplitter aus seinem Text heraus und stelle sie mit der Zeit online. Wunderbares Nostalgie-Futter. Deshalb bleibt manch Bekanntes dabei. Bitte schön! Und Danke schön, Klaus Hansen.

 

Der Welttrainer Nummer eins, der Fußballlehrer mit den meisten Trainerstationen weltweit, begann einst beim MSV Duisburg seine Karriere im Profifußball.
Es war, wie man in der Welt des Sports natürlich weiß, Rudi Gutendorf, Trainer im ersten Bundesligajahr und Deutscher Vizemeister mit dem Meidericher Spielverein, wo er zum „Riegel-Rudi“ wurde. Gutendorf brachte es auf 54 Trainerstationen in aller Welt. Das Zebra-Trikot seiner MSV-Mannschaft interpretierte er folgendermaßen: „Das Zebra ist das Symbol für den Abbau rassistisch geprägter Überheblichkeit, denn unter der schwarzen und weißen Haut dieses Tieres schlägt nur ein Herz.“ – Damit gab er dem Verein seine Vereinsphilosophie, die noch heute gilt.

Wo ging Beckenbauers Stern auf? Natürlich in Duisburg!
Anlässlich der Einweihung der neuen Tribüne im Wedau-Stadion, nicht irgendeiner Tribüne, sondern der „größten frei austragenden Tribüne Europas“, spielte am 13. Februar 1965 eine Auswahlmannschaft des DFB gegen Chelsea London. Dabei trug zum erstenmal ein gewisser Franz Beckenbauer vom Regionalligisten Bayern München, 19 Jahre alt, das Trikot der A-Nationalmannschaft. Sein erstes „offizielles“ Länderspiel bestritt er am 26. 9. 1965 in der WM-Qualifikation gegen Schweden. In diesem Spiel erzielte MSV-Star Werner Krämer beim 2:1-Sieg das wichtigste seiner insgesamt drei Länderspieltore. Das heißt auch: Eia Krämer schoss uns zur WM nach England. Also: Ohne Eia Krämer kein Wembley-Tor! Ohne Eia Krämer keine bis heute andauernde Debatte: drin oder nicht drin?

Der höchste Auswärtssieg in der nunmehr bald 50jährigen Geschichte der Bundesliga wurde vom MSV errungen.
Von wem denn sonst, möchte man nach all den bereits berichteten Heldentaten fragen. Am 26. März 1966 war’s, bei Tasmania Berlin: 9:0. – Von Borussia Dortmund weiß man wohl, dass man am 29. April 1978 bei Borussia Mönchengladbach mit 0:12 unter die Räder gekommen ist. Solches ist dem MSV nie unterlaufen!

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Gastbeitrag: Klaus Hansen erinnert an Spitzenereignisse vom MSV – II – Wohlfahrt, Worm und Tagliari

Egal ob Wedaustadion, MSV-Arena oder Schauinsland-Reisen-Arena, der Sozialwissenschaftler Klaus Hansen kommt seit der ersten Bundesliga-Saison zu den Spielen des MSV. Letztens schickte er mir noch ein Interview, das er in den 1990ern mit dem legendären Stadionsprecher des Wedaustadions, Gunter Stork, geführt hatte. Nun landete vor ein paar Tagen eine Mail in meinem Posteingang mit einem weiteren seiner Texte.

“Ein verbales Lokalderby mit einseitigem Ausgang – Das große Problem von Oberhausen heißt Duisburg”, hieß der Text. Für das von Sebastian Scharte herausgegebene Buch „Wer ist die Macht vom Niederrhein und vom Ruhrpott sowieso?“ über Rot Weiß Oberhausen hatte Klaus Hansen ihn geschrieben. Die Gelegenheit nutzte er, um mit einer Sammlung von 25 bemerkenswerten Ereignissen rund um den MSV augenzwinkernd darauf hinzuweisen, welcher Verein in der Ruhrstadt im Grunde die einzig wahren Spitzenleistungen aufweisen kann. Ihr könnt euch denken, welcher Verein als unangefochtener Sieger aus dem Buch herauskommt, wenn ein MSV-Anhänger ihn schreibt.

Ich greife mal ein paar Erinnerungssplitter aus seinem Text heraus und stelle sie mit der Zeit online. Wunderbares Nostalgie-Futter. Deshalb bleibt manch Bekanntes dabei. Bitte schön! Und Danke schön, Klaus Hansen.

 

Der allererste brasilianische Bundesliga-Torschütze kommt aus Duisburg. Duisburg ist die Wiege der Brasilianer in der Bundesliga.
Der Brasilianer Raoul Tagliari schoss für den MSV am 21. 11. 1964 in der 34. Minute das zweite Tor beim 2:0-Sieg über den 1. FC Nürnberg. Dies war die Geburtsstunde der brasilianischen Torjäger in der Liga. – Wenn man wissen will, wo alles angefangen hat, muss man, wie so oft, auch in diesem Fall nach Duisburg schauen!

MSV-Spieler wird als Kapitän der Nationalmannschaft Weltmeister.
Bei der Fußball-Militärweltmeisterschaft 1975 holte MSV-Stürmer Ronald Worm als Kapitän der Mannschaft den Titel. Statt einer Medaille gab es noch auf dem Platz die Beförderung zum Hauptgefreiten der Luftwaffe. – Weiß man ähnliche Heldentaten zwischen Oberhausen und Dortmund zu berichten?

Deutscher Rekord-Nationalspieler kommt vom MSV.
Von 1951 bis 1986 gab es neben der A-Nationalmannschaft auch eine B-Nationalmannschaft. Was die Einsätze in der B-Elf angeht, ist MSV-Stürmer Ronald Worm mit 12 Berufungen der deutsche Rekord-Nationalspieler.

MSV-Spieler wird Weltmeister in Australien.
MSV-Stürmer Roland Wohlfarth, wegen seiner Neigung zum Übergewicht gelegentlich „Prima Tonna“ genannt, wird 1981 mit der U-20-Nationalelf Weltmeister in Australien. Im Endspiel gegen Katar schoss er beim 4:0 der Deutschen ein Tor. Insgesamt war er mit 4 Toren der erfolgreichste deutsche Schütze.

Bundesliga-Torschützenkönige aus den Reihen des MSV.
1984 wurde Roland Wohlfarth mit 30 Toren, 1991 Michael Tönnies mit 29 Toren Torschützenkönig der Zweiten Bundesliga. – Da nehmen sich die 24 Treffer, mit denen Lothar Kobluhn (RWO) 1971 Schützenkönig der ersten Liga wurde, doch recht bescheiden aus.


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