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Großstadtfußball im Podcast – Duisburg, Köln, München

Neulich habe ich schon einmal auf interessante Podcasts hingewiesen, die sich der Fußballhistorie widmen. Nick Kaßner mit seinem Podcast Hörfehler gehörte dazu. Nun sprach er in der letzten Folge seines Podcasts, der Nummer 90, mit seinen drei Gästen aus Duisburg, Köln und München allerdings nur kurz über die Fußballhistorie. Vor allem ging es um die Situation des Amateurfußballs in den drei unterschiedlichen Städten.

Den Duisburger Christian Lenke kenne ich durch sympathische Begegnungen im Stadion. Als gebürtiger Thüringer, der nun auch schon lange in Duisburg lebt, geht er regelmäßig zu den Zebras. Auch wenn er in frühen Jahren sein Herz an den jüngst stark gebeutelten Rot-Weiß Erfurt hängte. Er ist Jugendtrainer beim SV Duissern 1923 und arbeitet zudem auf Verwaltungsebene seines Vereins mit. Er beschreibt den Duisburger Amateurfußball.

Der Autor und Journalist Holger Hoeck gibt die Einblicke in die Kölner Amateurfußballszene. Tim Frohwein lebt in München und arbeitet am Projekt Mikrokosmos Amateurfußball mit, das die gesellschaftliche Perspektive des Amateurfußballs beleuchtet. Unschwer war auch im Gespräch seine soziologische Perspektive beim Blick auf den Amateurfuball Münchens erkennbar.

Alle drei arbeiten an dem von Hardy Grüne ins Leben gerufene Fußballmagazin Zeitspiel mit, der journalistische Ort für einen Fußball abseits der Unterhaltungsindustrie.

In der Folge entwickelte sich schnell ein interessantes Gespräch, das zu einer Bestandsaufnahme des Breitensports Fußball in der Großstadt wurde. Grundlegende Erfahrungen auf dem Bolzplatz wurden beleuchtet. Gemeinsamkeiten und Unterschiede des Fußballs in den so unterschiedlichen Städten wurden deutlich. Schwierigkeiten und Entwicklungen des Amateurfußballs kamen zu Sprache. Der Stadt-Land-Gegensatz war immer wieder Thema. Die Folge macht Lust, sich intensiver mit dem Thema Großstadt-Fußball zu beschäftigen.

shit.cologne, Konkrete Poesie und Stadionsprecher Günter Stork

Lesung_netzEine Lesung brachte mich neulich zur Mainzer Straße in die Kölner Südstadt. Der MSV Duisburg spielte dabei eine Rolle, weil ich sowohl im passenden Bekenntnis-Shirt dezent auf die Bedeutung des Meidericher SV in den Räumen der Galerie Smend hinwies, als auch die Zebras dem dort dort lesenden Klaus Hansen ebenso sehr am Herzen liegen wie mir und den meisten Besuchern des Zebrastreifenblogs.

hansen_leporello Inhaltlich ging es an dem Abend nicht um den Fußball sonderen um einige der 100 Texte aus „shit.COLOGNE„, mit denen Klaus Hansen vor allem das kulturelle Leben Kölns amüsiert und machmal spöttisch betrachtet. Dennoch ist das Schreiben von Klaus Hansen ohne den Bezug zum Fußball  nicht vorstellbar. Mit einem Teil von seinem Werk steht er in der literarischen Tradition von Dadaismus und Konkreter Poesie. So entstand unlängst mit dem „11erpack“ ein „fußball leporello“. 11 Textbilder und 12 Minutengeschichten umfasst das Werk, das in einem Couvert aus Butterbrotpapier aufbewahrt wird, verschlossen durch einen Aluminium-Stollen eines Fußballschuhs. So wirkt das Ganze wie ein vom Fußball geprägtes Gesamtkunstwerk, eine Art Objektkunst.

Wenn zudem eine der Miniaturen mit „Klaus Thies über Fußball gesprochen“ heißt, klingeln bei uns Älteren natürlich sofort die Ohren. Thies selbst kommt in dem Text nicht zu Worte, vielmehr ist Klaus Hansen auch hier mit Hilfe des Fußballs den grundsätzlichen Haltungen zu Leben und Welt auf der Spur. Hilft es weiter, wenn jemandem die Bedeutung des 31. August bekannt ist? Für Klaus Hansen heißt die Antwort eindeutig, ja.

Es überrascht nicht, wenn Klaus Hansen einen Großen der MSV-Geschichte auf besondere Weise in Erinnerung hält, jemanden, der nicht einmal Fußball gespielt hat, einen Mann der Worte, den sämtliche MSV-Anhänger, die schon Mitte der 1990er ins Stadion gingen, kennen: den 2008 verstorbenen, ehemaligen Stadionsprecher Günter Stork. Kurz nach der Lesung schickte er mir ein Interview aus dem Jahr 1996 mit Günter Stork. Ungefähr ab dieser Zeit begann Günter Storks Stimme manchmal ganz kurz zittrig zu werden. Die Ansagen bestritt er auch nicht mehr alleine.

Mit dieser Stimme aber waren wir aufgewachsen. Seine Ansagen rhythmisierten einen Spieltag. Denn damals kamen Werbebotschaften nicht über die Anzeigetafel sondern über das Mikrofon, und diese Werbeansagen waren wie der Zebra-Twist im Bundesliga-Deutschland einmalig.  Ich hoffe, ich kann demnächst das gesamte Interview hier online stellen. Für heute kann ich erstmal nur zitieren.

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So weit liegen Konkrete Poesie und volkstümliche Gebrauchslyrik nicht auseinander. Spielerischer Umgang mit Sprache ist hier das Stichwort, und das alles im Zeichen von Fußball und MSV. An so etwas hat zu Günter Storks großen Zeiten in den 70ern wahrscheinlich kein Besucher des Wedau-Stadions gedacht.

11erpack – fußball leporello. 25 Euro. Bestellung direkt bei Klaus Hansen kphansen[at]gmx.de

Halbzeitpausengespräch: Erstligafans zur Mithilfe bei Magisterarbeit gesucht – Belohnung möglich

Neulich erreichte mich eine E-Mail mit einer Bitte um Hilfe. Auch wenn es für uns mit dem eigentlich einzigen Fußballverein von besonderem Interesse als aktive Teilnehmer noch etwas dauern wird, um direkt dabei zu sein, will ich der jungen Wissenschaftlerin auf der Suche nach Fans von Erstliga-Vereinen helfen. Die Psychologin möchte ihre Masterarbeit schreiben, in der sie sich mit den Auswirkungen von Spielergebnissen auf die Stimmung von Fans der beteiligten Vereine beschäftigt.
Der Einfachheit halber zitiere ich ihren Aufruf samt zugehörigem Link. Chance auf Belohnung gibt es auch.

Lust, zwei Tickets für ein Heimspiel der deutschen Nationalmannschaft im Wert von ca. 200 € oder direkt 100 € oder 50 € in bar zu gewinnen? Dann nehmt teil an der Kölner Fanstudie 2015! In dieser Studie werden die Auswirkungen von Spielen der 1. Fußball-Bundesliga auf die Stimmung der Fußballfans untersucht.

Ihr müsst dabei lediglich 10 Tage vor Saisonbeginn einen einmaligen Online-Fragebogen (ca. 15 Min.) ausfüllen und an den ersten 10 Spieltagen jeweils drei kurze Fragebögen (ca. 3 Min.), was ihr nach Erhalt einer SMS bequem am Smartphone erledigen könnt.

Wenn ihr einmal ein Spiel verpasst, ist das kein Problem, ihr müsst nur über 18 Jahre alt sein und ein Smartphone besitzen.
Interesse bekommen?

Dann meldet euch direkt nach einem weiteren Klick an.

Eigentlich kann sie froh sein, dass der MSV noch kein Bundesligist ist. So viel, wie wir im Moment erzählen können, von dem Fansein zwischen Himmel hoch jauchzend und vom neuen Alltag frustriert, sie würde im Leben nicht vor dem Abgabetermin ihrer Arbeit fertig.

Halbzeitpausengespräch: Birlikte 2015 – Auch Duisburg steht mit Köln zusammen

2015-06_keupstr_BirlikteIn meiner ganz eigenen Heimatstadt grenzt das rechtsrheinische Köln direkt an Duisburg. Der Weg von einem Viertel ins andere ist kurz für mich. Ich bin ein kölscher Duisburger, ein Duisburger Kölner. Ich bewege mich in zwei Vierteln, deren Lebensweisen in vielen Dingen von unterschiedlicher Kultur geprägt sind. Weil dieses Duisburg und das Ruhrgebiet mir viel bedeuten, sieht jeder der mich näher kennenlernt, aber vor allem den Duisburger in mir. In Köln frozzeln mich Freunde an, wenn es um den Pott geht und um Duisburg im Speziellen. Ich stehe als Mensch für die Region. Wenn Duisburg überregional  Schlagzeilen macht, bin ich sofort angesprochen und meine Meinung ist gefragt. Wenn der MSV Duisburg verliert, bekomme ich milden Spott ab. Wenn die Loveparade immer noch nicht juristisch aufbereitet ist, wird von mir weitergehende Information erwartet.

Den türkischstämmigen Deutschen wird so etwas bekannt vorkommen. Sie stehen als Deutsche auch noch für etwas anderes. Dabei kommt es mir beim Blick auf mein eigenes Umfeld – auf Freunde, Nachbarn und Bekannte – so vor, trotz aller Probleme geht es vielen Deutschen mit türkischen Wurzeln längst schon so wie mir in Köln. Vielleicht verlagern sich Schwierigkeiten seit einiger Zeit auf Menschen anderer Herkunftsländer, dennoch halte ich es für wichtig, den Blick auch auf dieses Gelingen von Zusammenleben zu werfen bei allem Bewahren von Unterschiedlichkeit.

Gestern gehörte für mich die Neuauflage von Birlikte – Zusammenstehen, Zusammenleben zu solch einem gelingenden Zusammenleben. Im letzten Jahr war das Kunst- und Kulturfest zum 10. Jahrestag des Nagelbomben-Attentat in der Kölner Keupstraße zunächst als einmalige Veranstaltung geplant gewesen. Doch angesichts von Pegida und extremistischem Terror aller Ideologien im letzten Jahr gab es nun eine Wiederholung des Kunst- und Kulturfestes, um gegen „Intoleranz und Fremdenhass, gegen religiösen und nationalistischen Terror jedweder Couleur“ ein Zeichen zu setzen und gemeinsam einzustehen „für eine offene und friedliche Stadtgesellschaft“.

Gemeinsamkeit ist nicht einfach da. Sie wird von uns geschaffen in Momenten zufriedenen Beisammenseins. Wer viele solcher Momente erlebt, wird Konflikte besser aushalten. Er wird wissen, warum es sich lohnt, im Streit unangenehme Gefühle zu erleben, die Menschen für einige Zeit auseinander bringen. Deshalb sind solche Feiern der Gemeinsamkeit für eine Stadtgesellschaft so wichtig. Gestern war diese Gemeinsamkeit auf und vor den vielen Bühnen zu erleben. Es war gut, dort gewesen zu sein. Als Duisburger Kölner unterschied sich mein Vergnügen nicht von dem anderer Kölner, die Wurzeln in so vielen unterschiedlichen Kulturen und Nationen haben.

Teil dieses Vergnügens war die nicht erwartete Begegnung mit der Duisburger Heimat in Person von Peter Bursch und seiner Frau Marita, die als „Fründe“ der drei Bläck Fööss, Bömmel Lückerath, Hartmut Priess und Peter Schütten, auf der Bühne standen.

Das Fööss-Lied „Unser Stammbaum“ hätte gleichsam Motto-Lied des Kulturfestes sein können – zumal es nach der Fassung auf Kölsch auch noch auf türkisch gesungen wurde. Im Netz findet sich dieser Mitschnitt von der kölschen Fassung:

Vorsichtshalber gibt es für alle, die nicht nur beim Türkischen wenig verstehen, auch noch den kölschen Original-Text mit Übersetzung an den schwierigeren Stellen. Bei weiteren Verständnisschwierigkeiten, kläre ich gerne weiter auf.

Ich wor ne stolze Römer, kom met Caesars Legion,
un ich ben ne Franzus, ich kom mem Napoleon.
Ich ben Buur, Schreiner, Fescher, Bettler un Edelmann,
Sänger un Gaukler, su fing alles aan.

Refrain:

Su simmer all he hinjekumme,
mir sprechen hück (heute) all dieselve Sproch.
Mir han dodurch su vill jewonne.
Mir sin wie mer sin, mir Jecke am Rhing (Rhein).
Dat es jet (etwas), wo mer stolz drop sin.

Ich ben us Palermo, braat (brachte) Spaghettis für üch met.
Un ich wor ne Pimock (Flüchtling aus Ostgebieten nach 2. WK),
hück laach ich met üch met.
Ich ben Grieche, Türke, Jude, Moslem un Buddhist,
mir all, mir sin nur Minsche, vür‘m Herjott simmer glich

Su simmer all he hinjekumme,
mir sprechen hück all dieselve Sproch.
Mir han dodurch su vill jewonne.
Mir sin wie mer sin, mir Jecke am Rhing.
Dat es jet, wo mer stolz drop sin.

De janze Welt, su süht (sieht) et us,
es bei uns he zo Besök.
Minsche us alle Länder
ston bei uns hück an de Thek.
M‘r gläuv, m‘r es en Ankara, Tokio oder Madrid,
doch se schwade (sprechen) all wie mir
un söke (suchen) he ihr Glöck.

Su simmer all he hinjekumme,
mir sprechen hück all dieselve Sproch.
Mir han dodurch su vill jewonne.
Mir sin wie mer sin, mir Jecke am Rhing.
Dat es jet, wo mer stolz drop sin.

Su simmer all he hinjekumme,
mir sprechen hück all dieselve Sproch.
Mir han dodurch su vill jewonne.
Mir sin wie mer sin, mir Jecke am Rhing.
Dat es jet, wo mer stolz drop sin.

Die türkische Fassung und auf der Saz gespielt gibt es im Netz (noch) nicht in voller Länge. Zudem habe ich den Namen des Interpreten vergessen. Wer nachreichen kann, gerne!

Der türkische Text kann außerdem gerne unten vervollständigt werden. Und ein paar Fotos habe ich auch noch.

Dänen lügen nicht – DFB vertreibt Kölner Südtribünen-Fan nach Holland

„Stig“, sagt Kees gestern zu mir, „hast du das gelesen?“ Natürlich hatte ich es gelesen. Meine Meinung dazu: Muss der der DFB in Zukunft auch mal mit Kriminalwissenschaftlern sprechen. Die kennen sich mit so was aus. Kees verstand erstmal gar nichts. Manchmal will er nach meinem Geschmack zu viele Fakten für das Offensichtliche. Also habe ich es ihm erklärt.

Bekannterweise muss der 1. FC Köln wegen des idiotischen Verhaltens von einigen wenigen seiner Fans während der nächsten drei Heimspiele zwei Blöcke der Südtribüne sperren. 2800 Plätze werden unbesetzt bleiben. 2800 Fans wissen nicht wohin. Und unter den 2800 Kölnern hast du nun mal den ein oder anderen Durchgedrehten. Kriminalwissenschaftler aber kennen das Risiko in so einem Fall genau. Guckt die Polizei zum Beispiel mal ein bisschen öfter auf so  ’ne Drogenszenen in der Innenstadt, stören die Junkies vielleicht beim Shopping nicht mehr, dafür stehen sie eben in den ärmeren Teilen der Stadt auf irgend’nem Platz herum.

Wenn du also auf der niederländischen Online-Platform The Post online diese Nachricht aus Zeeland liest: „Duitser (48) mishandelt jochie (11) na potje campingvoetbal„, dann muss du nur eins und eins zusammenzählen. Niederländisch ist ja wie Dänisch für Anfänger. Ihr habt das doch verstanden? Ein Fußballspiel. Und so was wie ne Prügelei. Zwischen erwachsenem Deutschen und niederländischem Jungen. Der Ort: ein Campingplatz in Zeeland. Das sind die Fakten. So! Und wo kommen nochmal am Wochenende einige dieser Durchgedrehten nicht ins Stadion? Seid ihr so begriffsstutzig wie Kees? Muss ich es wirklich aussprechen? Das war nicht irgendein erwachsener Mann, der in Zeeland ausgerastet ist. Ich sage nur:  „Uit Keulen!“.  Irgendwohin geht so ein Kölner ja hin, wenn er nicht ins Stadion kommt. Keine Medizin ohne Nebenwirkungen. Auch Strafen vom DFB nicht.

Kees Jaratz, Zufallspaparazzo, bietet Bayern München wohlfeil an

Kaum willst du einmal am Rheinufer entlang zum Deutzer Bahnhof laufen, schon begegnest du der Unterhaltungsbranche Fußball und kannst dir ein paar schöne Symbolfotos für diese Unterhaltungsbranche sichern. Der Tross von Bayern München war im Kölner Hyatt abgestiegen. Anscheinend hatten sie gestern in der Region einen Auftritt. Wäre es ein wichtiges Spiel gewesen, hätte ich es natürlich mitbekommen. Solche Spiele vom MSV geschehen nicht ohne mich. Die Fotos zeige ich euch dennoch gerne, zumal ich mir große Mühe mit dem künstlerischen Anstrich gegeben habe.

 

 

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Zum persönlichen Heimatstadtderby das Heimatlied – Sektion Ruhrstadt – Folge 16: Sebel

Für mich sind Spiele zwischen Kölner Vereinen und dem MSV ja immer auch Derbys zwischen Stadtteilvereinen meiner imaginären heimatlichen Großstadt. Immer spielt dann Nord- gegen Südstadtverein, und all meine Hoffnung gilt dem Norden. Gleichzeitig wird diese Hoffnung von großer Vertrautheit mit beiden Stadtteilen getragen: Heimat. Eine Facette davon besingt Sebel, der sich zwar vom Ruhrstadt-Stadtteil Wanne-Eickel inspirieren lässt, dessen Lied „Heimat“ aber mit Sicherheit in der gesamten Ruhrstadt auf ein Wiedererkennen von Gefühlen trifft.

Anlässlich einer kurzen Klub-Tournee erzählt er im Interview bei den Ruhrbaronen mehr von seinem Verhältnis zur Heimat in der Ruhrstadt. Tourdaten gibt´s oben drauf. Also: Heimat! Und dann ab zum Nordstadtverein, auf dass die Südstadt mal wieder was auf den Boden geholt wird. Kann Köln immer mal zwischendurch vertragen.

 

Hinweise auf weitere online zu findende Ruhrstadt-Lieder nehme ich gern entgegen. Helft mit die Sammlung wachsen zu lassen.

Mit einem Klick weiter findet ihr Heimatlied – Sektion Ruhrstadt – Alle Folgen

19 Jahre sieglos ist mindestens ein Jahr zu wenig

Bereits letzten Montagabend war ich auf der Bielefelder Straße unterwegs. Nicht im übertragenen Sinn. Ich war wirklich da. Allerdings führt in Köln-Longerich die Bielefelder Straße nicht weit, schon gar nicht nach Ostwestfalen. Du kommst gerade mal auf etwa 300 Metern von der Altonaer Straße zur Oldenburger Straße. Cuxhavener Straße liegt übrigens auch um die Ecke. Brunsbütteler Straße habe ich noch gesehen. Die Norddeicher Straße. Sieht für mich sehr nach recht grober geografischer Orientierung der Kölner Straßennamensverleiher aus. Wat bruchen mer? Norddeutsche Städte? Wat iss met Billefeld? Die han doch och kein Fastelovend. Dat muss doch Norddeutschland sin.

Norbert Meier erzählt mir allerdings im Vorbericht von Arminia Bielefeld zum Spiel, im Grunde hatten die Straßennamensgeber damals recht: „Norddeutschland und Ostwestfalen sind von der Art zu leben, beziehungsweise von der Einstellung her,  da ist der Unterschied nicht ganz so groß“ – ab 4.15′. Vorbericht zum Spiel nenne ich das Ganze vielleicht auch irrtümlich. Eigentlich ist dieser Clip ein Norbert-Meier-Feature, in dem der MSV nur am Rande vorkommt. Mindestens ebenso wichtig ist in Bielefeld momentan das Befinden des Trainers. Ich vermute, die 3:0-Niederlage gegen Fortuna Köln hat weitere Spuren im Selbstbewusstsein der ganzen Region hinterlassen. Irgendwoher müssen sie gerade ihre Zuversicht nehmen und klauben sich mühsam was zusammen. Wenn es dem Trainer gut geht, er nicht mehr im Hotel wohnt und das Fitnessstudio klasse findet, dann könnten drei Punkte drin sein gegen den MSV Duisburg.

Zurück zur Bielefelder Straße und einem kleinen weiteren Vorzeichen für das Spiel des MSV am Sonntag. Dort, auf der Bielefelder Straße, war ich sofort bereit, den Siegesgöttern des Sports in einem ihrer Schulsporthallentempel den Erfolg meiner in die Jahre gekommenen Basketballmannschaft zugunsten eines Auswärtssieg des MSV Duisburg zu opfern. Um unsere mannschaftliche Geschlossenheit beim Niederlagenbier nicht zu gefährden, habe ich von meinem Opfer zwar nichts erzählt, doch der sehr junge, sehr ehrgeizige Gegner hat alles weitere für mich erledigt.

Damit war das auch durch, und ich erlebte während der Woche weiter an mir selbst, was es bedeutet einem Spiel unbelastet entgegen zu gehen. Ich erlebte, wie sehr die Spielweise beim Sieg gegen den Chemnitzer FC mein Vertrauen in die Mannschaft gestärkt hat. Steffen Bohl hatte gefehlt, Tim Albutat, ein Mann der in dieser Saison für das Spiel des MSV so wichtig gewesen war. Dennoch erfuhr  die Mannschaft zum ersten Mal in dieser Saison, was es heißt ein Spiel zu bestimmen und dabei ungefährdet erfolgreich zu sein. Frei im Kopf und ohne psychische Belastung fährt diese Mannschaft nun nach Bielefeld. Dieser besondere Sieg gegen Chemnitz kam zur rechten Zeit. Zudem lese ich in den Westfälischen Nachrichten, den letzten Heimsieg erlebte die Arminia vor 19 Jahren. Der Mensch aber, auch der in Bielefeld, strebt nach der Ganzheit der Gestalt. Wieviel geschlossener wirkt die 20 in einer Schlagzeile vor einem nächsten Spiel des MSV in Ostwestfalen. Das wäre die reine Schönheit einer Zahlenreihe. Ich bin sehr zuversichtlich für den Sonntag.

Warum es MSV-Fans gerade besser geht als Carles Puyol, dem Handball-Fan

Carles Puyol war gestern Abend mit Sicherheit enttäuschter als ich. Jetzt, da er nach dem Ende seiner aktiven Zeit beim FC Barcelona ein wenig mehr Zeit hat, zeigte er sich nämlich gestern in Köln als Handball-Fan. Er sah das Champions League-Halbfinale seines Vereins gegen die SG Flensburg-Handewitt, auf das ich gleich noch zu sprechen komme, während ich den Tag über hin und wieder an den 5. oder 6. Juni dachte. Schließlich stimmen die Nachrichten aus der DFB-Zentrale die Verantwortlichen des MSV Duisburg und damit auch uns an dem Verein sehr Interessierten optimistisch.

Einmal mehr gefällt mir zudem der Umgang der Verantwortlichen mit dem Geschehen. Die erste Stellungnahme des DFB wird sofort nach Auftauchen der ersten Gerüchte im Netz nicht nur sachlich eingeordnet, deutlich wird auch, wie nah diese Verantwortlichen inzwischen an der einen Basis ihres Geschäfts sind, den Fans. Sie nehmen die unter ihnen kursierenden Gerüchte ernst, wenn nötig. Damit lassen sie ihr Wissen um die Bedeutung dieser Fans erkennnen. Wir warten also weiter auf die nächste Woche und lünkern schon mal ganz vorsichtig in die nächste Saison. Zum Beispiel hoffe ich zumindest auf ein Unentschieden von Fortuna Köln, heute um 14 Uhr gegen den FC Bayern München II. Dann hätten wir Kölner Exil-Duisburber demnächst mal wieder ein Auswärtsspiel als Heimspiel.

Außerdem vertreibe ich mir die Zeit mit dem Blick auf anderen Sport, den Basketball der NBA-Play-Offs etwa, wo es im Finale der Western Conference ein sehr spannendes sechstes Spiel gab, in dem die San Antonio Spurs die Oklahoma Thunder in der Overtime knapp besiegten.

Top-5-Moves des Spiels nach NBA-Geschmack als vierter Clip in der Play-List, bitte schön:

Dieses Basketballspiel war schon spannend. Spannend und zudem mit dramatischem Verlauf war dagegen jenes Spiel, wegen dem Carles Puyol nach Köln kam und dessen Ergebnis ihn letztlich enttäuschte. Der FC Barcelona sah in der zweiten Halbzeit allmählich wie der Sieger des Spiels aus, als eine Flensburger Aufholjagd begann, die mit einem Ausgleichsstor von Holger Glandorf zwei Sekunden kurz vor dem Schlusspfiff endete. Was für ein Jubel:

In diesem pathetischen Clip sind ein paar mehr Szenen des Spiels zu sehen, inklusive des prominenten und verzweifelnden Handballfans Carles Puyol bei Minute 1.54.

Zum Trost für alle mitleidenden Fans des Fans gibt es hier nun noch das wunderbare Abschiedsvideo des FC Barcelona für diesen so großen Fußballer.

Sendelizenz für Ishiaku-Soap nach Belgien verkauft

Schon beim MSV Duisburg wurde Manesseh Ishiaku immer mehr zum Darsteller einer vorabendseriengleichen Geschichte des immerselben Inhalts. Wir konnten froh sein, ihn dennoch manchmal noch im Hauptprogramm eines abendfüllenden Spiels zu sehen. Nach seinem Wechsel zum 1. FC Köln war er aber als Fußballdarsteller auf die Endlosserie „Im Sturm des Knöchels“ festgelegt. Dieses Engagement in Köln endete ohne eine richtige Perspektive mit der Vertragsauflösung 2011. Gestern aber berichtete das belgische Medienfachmagazin Voetbalnieuws, die Endlosserie mit Manesseh Ishiaku habe nun beim viertklassigen Sporting Aalst auch im Programm des belgischen Fußballs einen festen Sendeplatz erhalten.  „Het was een grote verrassing toen de Limburgse club de transfer bekendmaakte. Veel plezier beleefden ze echter nog niet aan de Nigeriaanse aanvaller.“ Die Auftaktfolge scheint also wieder die übliche zu sein. Verein freut sich über Verpflichtung eines guten Spielers. Spieler kann nicht spielen wegen Verletzung. Spieler kämpft gegen Sportinvalidität und um Rückkehr in die Mannschaft.

Die belgische Format-Übernahme gibt mir Gelegenheit zur Wiederholung der deutschen Original-Soap, die ich mir seinerzeit in Köln ansehen konnte und die ich mit einigen Verbesserungsvorschlägen für mein damals noch kleineres Publikum zusammenfasste. In unserer schnelllebigen Zeit wirkt dieser Rückgriff auf frühe Worte fast schon wie ein Blick auf das TV-Programm in schwarz-weiß. Und wie das mit solch nostalgischem Wiederbegegnen immer ist, man braucht etwas Zeit, um sich sämtliche Folgen des damals auf Tage verteilten Serienprogramms im Ganzen anzusehen.

Im Sturm des Knöchels – Folge 1

Fortsetzungsgeschichten haben ja immer eine ähnliche Dramaturgie. Ein Serienheld erlebt immer neue Abenteuer bei immer gleicher Persönlichkeit. Allerdings braucht es in jeder weiteren Folge auch immer einen neuen Ausschnitt der Welt, in der sich unser Held umschaut. Insofern folgt die Geschichte um den verletzten Knöchel von Manesseh Ishiaku alten erzählerischen Regeln. Letzte Woche hatte er nach längerer Verletzung während der Saisonvorbereitung das Training wieder begonnen. Schon schmerzte der Knöchel erneut, und nun bricht der Held  auf in seine alte Heimat, um dort zu finden, was er in der Fremde so lange vergeblich gesucht hat. In diesem Fall ist es ein für den Profi-Fußball geeignetes Sprunggelenk. Ishiaku befindet sich in Belgien bei einem Arzt seines Vertrauens, so lässt der FC verlauten. Am letzten Donnerstag war es, als ich lesen konnte, noch vier Wochen wird es dauern, bis alles gut wird. Als Freunde von Fortsetzungsgeschichten wissen wir aber, wenn erstmal alles gut ist, bedeutet das das Ende jeder Geschichte.

Im Sturm des Knöchels – Folge 2

Allmählich wurde ich schon nervös und habe daran gedacht, die nächste Folge unserer kleinen Abenteuerserie um den ehrgeizigen und talentierten Fußballer Ishiaku selbst zu schreiben. Nun hat mir das richtige Leben die  Arbeit abgenommen und ich erzähle nur, wie es tatsächlich geschehen ist, genauer, wie es tatsächlich geschehen sein soll. Schließlich habe ich meine Informationen aus der Kölner Lokalpresse. Im übrigen zeigt dieser kleine Artikel im Stadtanzeiger einmal mehr, nicht immer schreibt das Leben die besten Geschichten. Manchmal ist so ein Leben auch verdammt langweilig.

So lese ich zwar zunächst leicht gerührt, wie der Trainer, gespielt von Christoph Daum, den lange vermissten hoffnungsvollen Stürmer mit einer zeremoniellen Begrüßung bei seinen Mannschaftskameraden einführt. Der Trainer hat die Kameraden nämlich aufgefordert, einen Kreis um Ishiaku zu bilden, so wie er es immer mit völlig neuen Spielern bei ihrem ersten Training macht. Ganz stark, wie symbolhaft hier alles Alte abgestreift werden sollte, wie die üble Vergangenheit voller Verletzungssorgen sich in der liebevollen Freundschaft der in den letzten Spielen so überaus erfolgreichen Sturmkollegen auflösen sollte. All das ist wunderbares Serienformat. Respekt, mein Leben!

Aber dann, was für ein einfaltsloses Ende dieser Folge. Eine Stunde lang trainiert Ishiaku und plötzlich, er stoppt im vollen Lauf  – so muss es gewesen sein. Ein erfahrerener Geschichtenschreiber hätte nun aber eine andere Auflösung gewählt. Er hätte die in Antwerpen wieder getroffene alte Liebe hervorgeholt, eine wunderschöne Frau, die leider gerade eine schwere Zeit zu durchleben hat, weil sie ihren Mann bei einem Verkehrsunfall verlor und nun mitsamt ihrer drei kleinen Kinder erfahren muss, dass dieser Mann das gesamte Familienvermögen beim Pokern verloren hat. So eine Frau hätte der Fortsetzungsgeschichte gut getan. Vielleicht hätte sie sogar kurz zuvor eine mittelschwere Krankheit diagnostiziert bekommmen, eine Krankheit, die ganz selten sogar tödlich verlaufen kann. So eine Frau hätte ihre große Liebe der Jugend, Ishiaku, schweren Herzens wieder nach Köln ziehen lassen. Sie hätte es aber gemacht, denn sie weiß, der Fußballer muss tun, was ein Fußballer tun muss. Tore schießen für den FC. Und in Köln hätte Ishiaku im Trainingspiel nach drei grandios erzielten Toren angesichts der eigenen Gefühlslosigkeit trotz seines so überragenden Trainingsauftakts dann gemerkt, was seine wahre Bestimmung ist. Er hätte für seine wahre Liebe da sein wollen, zumal ihm die Kinder nicht aus dem Kopf gingen, womöglich Waisen … Ach, was steckte nicht alles in solcher einer Wendung. All das hat das Leben aber in dieser Fortsetzungsserie verschenkt. Ishiaku musste, ganz wie wir es schon kennen, nach einer Stunde Training aufhören – Schmerzen! –  und ging mit dem Reha-Trainer, gespielt von Cem Bagci, auf eine Laufrunde in den Grüngürtel. “Ishiakus Rückkehr gescheitert” titelt der Kölner Stadtanzeiger, und ich überlege nun, ob ich mir nicht abwechslungsreichere Fortsetzungsgeschichten angucken soll.

Im Sturm des Knöchels – Folge 3

Wir haben anhand der Erzählungen vom ehrgeizigen und talentierten Fußballspieler Manasseh Ishiaku ja schon einige Gesetzmäßigkeiten von Fortsetzungsgeschichten kennengelernt. Nun weist das nächste Kapitel dieser Fortsetzungsgeschichte darauf hin, dass die Macher der Serie sich allmählich sorgen und dem erzählerischen Potential ihrer Hauptfigur Ishiaku nur noch eingeschränkt vertrauen.

Denn wenn die Figurenkonstellation der Serie grundsätzlich überdacht wird, um den Publikumserfolg zu sichern, ist fast immer auch ein Ende der Fortsetzungserie möglich. Was im Hochgefühl von Stärke und Sicherheit umsatzträchtig zwei Absatzmärkte vereint, wird in Zeiten der Auflagennot zum vermeintlichen Hoffnungsschimmer: Zwei Super-Helden begegnen sich in ein- und derselben Geschichte. So gibt es weiterhin Hinweise darauf, dass der Fortsetzungsserie um Ishiaku durch eine Begegnung mit Super-Lukas neues Leben eingehaucht werden soll. Zwar reagiert der den FC-Trainer spielende Christoph Daum genervt über diese ewig gleiche Idee mit dem Superhelden Lukas Podolski, doch Michael Meier, der den FC-Manager spielt, will sich diese erzählerischen Möglichkeiten nicht verbauen. “Im Winter sind keine Änderungen geplant,” wird er zunächst im Kölner Stadt-Anzeiger zitiert und hat dann hinzugefügt: “Es sei denn verletzungsbedingt, also gezwungenermaßen.” Es hat den Anschein, als ob Meier bei den Autoren der Fortsetzungsgeschichte um Ishiaku keine kreative Kraft mehr erkennt. Man kann seine Äußerungen so deuten, dass er vom Schlimmsten ausgeht. Auch in den nächsten zwei Monaten keine zündende Idee mehr aus der Autorenwerkstatt.

Der Herausgeber einer Fortsetzungserie muss dann vorbauen. Natürlich darf die erfolgreichere Serie nicht von jener in der Kreativkrise in Mitleidenschaft gezogen werden. Möglicherweise kommt es deshalb auch gar nicht zur dauerhaften Vereinigung der Super-Helden, sondern Meier muss sich mit einem Cameo-Auftritt von Super-Lukas bei der Weihnachtsfeier des 1. FC Kölns zufrieden geben. Dennoch besäße selbst solch ein Auftritt großes Entwicklungspotential. Super-Lukas könnte zum Beispiel zufällig neben Ishiaku zu sitzen kommen und nach den ersten gewechselten Worten spüren, hier geschieht gerade eine einzigartige Begegnung. Der Beginn einer langen Freundschaft könnte sich dann abzeichnen. Zwei junge Männer, die endlich bei jemandem völliges Verstehen für enttäuschte Hoffnungen finden. Ein reger Mail- und SMS-Austausch zwischen Super-Lukas in München und Ishiaku in Köln könnte der Serie den Weg in ein neues Medium eröffnen. Eine Handy-Soap statt Print. Vorstellbar ist vieles. Man sollte drüber nachdenken. Das Training dauerhaft aufnehmen, das bleibt selbstverständlich als weitere überraschende Wendung im erzählerischen Repertoire der Serie. Doch vielleicht kommt diese Wendung für deren Fortbestand zu spät. Schließlich enttäuscht man die Zuschauererwartungen nicht ungestraft.

Im Sturm des Knöchels – Folge 4

Endlich haben sich die Macher der Fortsetzungserie um den talentierten und ehrgeizigen Fußballspieler Manasseh Ishiaku an die handwerklichen Grundlagen aller Fortsetzungesserien erinnert. Vielleicht hatten da die kritischen Worte Michael Meiers von neulich ihren Anteil. Endlich wissen sie wieder, jede neue Folge braucht einen eigenen Höhepunkt und der darf sich nicht allzu bald wiederholen. Deshalb gibt es kein Geplänkel mehr um das Training, um Ärzte in Belgien und Waldläufe durch den Grüngürtel. Jetzt wird das Tempo angezogen, und die nächste Folge zeigt Ishiaku endlich dort, wo ihn die Leser schon seit Monaten sehen wollen. Der Held spielt Fußball – in einem richtigen Spiel. Das war ein großer Wurf für die weitere Zukunft der Serie. Respekt! Alles richtig gemacht, mein Leben. Und nicht nur dass die Macher das Tempo endlich anziehen, nein, sie beweisen auch, dass sie sich mit grundlegenden handwerklichen Techniken der Literatur auskennen. Sie greifen zu den Mitteln der Hochliteratur und nutzen ein Leitmotiv, um diese Folge der Serie in jeder Hinsicht stark zu machen. Zwei Tore hat Ishiaku nämlich geschossen, und schon in den frühen Folgen am Handlungsort Duisburg waren es meist zwei Tore, die er schoss, wenn er denn in einem Spiel traf. Mit solchen Details erfreut man den kundigen Leser und gewinnt ihn als dauerhaften Interessenten für die Serie. Außerdem deutet auch die Wahl des ersten Spiels von Ishiaku darauf hin, dass man sich endlich wieder auf alte Qualitäten der Serie besinnt. Es war nicht irgendein Spiel, in dem Ishiaku seinen ersten Auftritt für den 1. FC Köln hatte. Es war das Freundschaftspiel gegen Fortuna Köln, gleichsam ein Benefizspiel, ohne dass es ausdrücklich so heißt. Unterstützt der 1. FC Köln doch mit diesem jährlich stattfindenden Spiel seit längerem den arm gewordenen Südstadt-Verein und einstigen kleinen Rivalen um die Gunst der Leser. Damit spiegelt sich das persönliche Schicksal unseres Helden in der wechselvollen Geschichte einer Gemeinschaft. Und so warten wir Leser nach diesem Spiel auf die hoffnungsfrohe nahe Zukunft von Ishiaku und der Fortuna.

Im Sturm des Knöchels – Folge 5

In einem Drama kann so etwas ein retardierendes Moment sein. Wenn in einer Fortsetzungserie aber der gesamte neu erschienene Teil der Serie so genannt werden muss, ist das Ende der Serie nah. Endlich steht unser talentierter und ehrgeiziger Manasseh Ishiaku in einem Punktespiel auf dem Feld und nichts weiter ist darüber zu berichten. Er wurde ohne große Inszenierung in der 74. Minute im Auswärtsspiel des 1. FC Kölns gegen Hertha BSC eingewechselt. Manche Kölner Fans, die ihn noch nie leibhaftig gesehen hatten, waren über die Größe seines Körpers erstaunt und wurden dennoch nicht zu Tränen gerührt. Was haben sich die Macher der Serie nur dabei gedacht. Wieso um alles in der Welt hat man für diesen Auftritt so einen langen Anlauf gebraucht, wenn diese Leidensgeschichte des Fußballspielers in nichts anderem mündet als Herumgerenne und eine Niederlage seines Vereins? Oder sollte das die allerletzte Prüfung sein? Das wiederum ist völlig ungestaltet geblieben. Wenn es so beabsichtigt war, machte die Lustlosigkeit der Serienmacher alles zunichte. Irgendwann demnächst werden sie ihn in einem Heimspiel zwei Tore schießen lassen. Und ich weiß jetzt schon, das war es dann, ein vorhersehbares Happy End, das nicht mehr ist als der bemühte Versuch ein paar lose Erzählfäden mit heißer Nadel zusammenzustricken.

Im Sturm des Knöchels – Folge 6  Das Ende einer Fortsetzungsserie

Nun haben die Macher der Fortsetzungserie um den talentierten und ehrgeizigen Fußballspieler Manasseh Ishiaku  gerade noch einmal die Kurve gekriegt. Zwei Folgen der Serie sind nahezu unter Ausschluss der Öffentlichkeit auf den Markt gekommen. Das war keine Überraschung, mangelte es den Produzenten doch am Einfallsreichtum, um ansprechende Geschichten für diese Folgen zu finden. Die erste Einwechslung in einem Bundesligaspiel ohne wirklichen Höhepunkt. Dazu hatte man das Auswärtspiel des 1. FC Kölns  gegen Hertha BSC Berlin ausgewählt. Die Einwechslung geschah in der 74. Minute, und natürlich strahlte Ishiaku sofort Gefahr im Angriffsspiel der Kölner aus. Das war soweit vorhersehbar und konnte noch als Anlauf für den wahren Höhepunkt in der nächsten Folge durchgehen. Doch welch vergebene Chance in dieser nächsten Folge, in der man Ishiaku sogar für eine ganze Halbzeit auf den Platz schickte. Im Heimspiel der Kölner gegen Hamburg kam er in der 46. Minute und wieder ging von ihm Gefahr aus. Das war wiederum nicht überraschend, das kannte man und weil nichts anderes erzählt wurde, verpuffte diese Folge im Nichts der Langeweile. Ishiaku änderte nichts an den zwei Niederlagen, obgleich auf den persönlichen Erfolg Ishiakus alle Fans der Serie seit Wochen warten.

Erst in dieser dritten Folge seit seiner Gesundung haben es die Macher der Serie endlich begriffen. Zuschauererwartungen darf man nur dann enttäuschen, wenn kurze Zeit später ein sehr viel imposanterer und beeindruckenderer Einfall der Geschichte eine dann auch wirklich überraschende Wendung gibt. Diese Regel von Fortsetzungsgeschichten missachtet man nicht ungestraft. Nur die treuesten Fans halten dann einer Serie noch die Stange. So sind zwar die Kölner unter den Fans unserer Serie ganz begeistert über die letzte Folge. Wir Zuschauer ohne “kölsches Hätz” aber müssen sagen, das war es nun. Die letzte Anstrengung der Macher erfüllt nur noch die mindesten Anforderungen an Spannung und Wohlgefühl der Show. Im Auswärtsspiel gegen den VfL Bochum wurde Ishiaku in der 82. Minute eingewechselt. Die Macher hatten sogar den Blick auf die Zuschauer geworfen und ließen diese vehement nach ihm rufen. So war es mehr als vorhersehbar, dass er in diesem Spiel tatsächlich den Siegtreffer nach 5 Minuten Spielzeit erzielen konnte. Auch das Freudenmotiv seines Saltos wurde wieder hervorgeholt. Aber die Vorarbeit zum Tor lieferte ein ganz anderer. Ishiaku brauchte nur einzuschieben. Welch müheloses Tor wurde ihm da auf den Leib geschrieben. Das hätte uns vor zwei, drei Wochen vielleicht noch mitgerissen, am letzten Wochenende aber kam diese letzte Anstrengung der Serienmacher für ein Happy End zu spät. Mein Rat: Beschränkt euch auf das Absatzgebiet um Köln. Dort hat die Serie vielleicht noch Chancen. Der Kölner kauft ja alles, sobald da nur irgendwas entfernt an den Dom erinnert, selbst wenn es nur ein imaginärer Dom im Herzen einer Serienfigur wie Ishiaku sein sollte.  Überlassen wir also Manasseh Ishiaku endgültig dem Kölner Publikum und wünschen den Machern der Serie viel Glück.


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