Posts Tagged 'Kölner Stadt-Anzeiger'

Klickhinweise: Meinungen von Bernard Dietz und Thomas Bröker, sowie eine TOP 10 vom King

Auf dem Fußballportal für Westfalen Westline.de findet sich ein Interview mit Bernard Dietz zum Fußball der Gegenwart, in dem er über Sponsoren, „Kommerzvereine“ und Bedingungen für Erfolg, aber auch den MSV Duisburg spricht.

Ich schließe auch nicht aus, dass in Zukunft „kleinere“ Traditionsvereine von großen Sponsoren gefördert werden. Man muss sich dann nur über den Grad der Einmischung einig werden. Würde z.B. ein Unternehmen mit 20 Millionen auf den MSV zukommen, wäre ich auch gesprächsbereit.

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Der Kölner Stadt-Anzeiger sprach mit Thomas Bröker vor dem Pokalspiel des 1. FC Köln gegen den SV Meppen, weil Thomas Bröker beim SV Meppen seine Karriere begann und bekanntermaßen lange für den FC gespielt hat. Um den MSV geht es nur am Rande, nachdem sein „Verletzungspech“ zur Sprache gekommen ist:

Ja, und ich bin überzeugt davon, dass wenn ich fit geblieben wäre, ich eine Zukunft beim FC hätte haben können. Aber man soll nicht mit der Vergangenheit hadern, ich habe es mit Duisburg gut getroffen

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Und dann war da noch Kingsley Onuegbu, der auf der Internetseite Proomio!Magazin mit einer TOP 10  von Musikstücken zum klickanregenden Vorzeige-Promi wurde.

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In der Parallelwelt kam die Entscheidung in der Nachspielzeit

Für uns Duisburger bringt das Pokalspiel nachträglich einen Beweis dafür, dass wir nicht zu jeder Zeit in der besten aller Welten leben. Irgendwo und irgendwie gab es am Dienstagabend eine Parallelwelt, zu der der Kölner Stadt-Anzeiger den Zugang gefunden hatte.

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Der Dank fürs Finden gilt dem Kölner Andreas Peters bei Twitter.

Die Mitarbeiter des Kölner Stadt-Anzeigers wollen übrigens anscheinend keine Unruhe in Physik, Philosophie und DFB. Sie erklären den Blick in die Parallelwelt mit den Mitteln dieser Welt. Ein Produktionsfehler bei wenigen Ausgaben sei diese Schlagzeile gewesen. Doch wenn dort schon in dieser Welt geblieben wird, fehlt mir noch der Grund für diesen Fehler: die große Sorge der Kölner Sportjournalisten vor dem Siegtor des MSV.

Halle fragt – Kees Jaratz antwortet

Der MSV Duisburg spielt am Samstag beim Halleschen FC. Hört man die Pressekonferenz dort in Halle,  hat die Bedeutung dieses Spiels für das Umfeld des Vereins anscheinend gegenüber dem Blick auf die kommende Spielzeit verloren. Der Hallesche FC hat mit dem Abstieg nichts zu tun. Das war das wichtige Ziel, nun schaut man mal, wie die Saison mit möglichst guter Laune zu Ende gespielt wird. Trainer Sven Köhler will, wie es sich für den Wettkampfsport gehört, immer noch gewinnen, muss sich aber vor allem mit den Fragen zur Zusammensetzung des zukünftigen Kaders herumschlagen. Prognosen über den Spielausgang lassen sich aus bekannten Gründen nur mit groben Tendenzen machen.

Ich hoffe auf den andauernden Ehrgeiz der Mannschaft, den vierten Platz noch zu erreichen und damit auf den Auswärtsieg. Das habe ich vorgestern neben einigem anderem auch dem Journalisten der Mitteldeutschen Zeitung, Oliver Leiste, am Telefon gesagt. Die Mitteldeutsche Zeitung verantwortet den Lokaljournalismus in Halle und zur Vorberichterstattung jedes Heimspiels gehört der Blick auf den Gegner mit Hilfe eines Fans vom Gegner.

Die Mitteldeutsche Zeitung wurde mir übrigens schon kurz  nach der Wende zum Begriff, weil der Kölner Stadt-Anzeiger auf seinen Seiten natürlich gerne auch ausführlich über die Entwicklungen im eigenen Medienhaus berichtet. Damals wetteiferten die Verlagshäuser des Westens, wer wo welche SED-Bezirkszeitungen erwerben konnte. Das Verlagshaus M.Dumont Schauberg expandierte nach Halle – wie man im Spiegel lesen konnte, wegen der guten Kontakte des Verlegers Alfred Neven DuMont.

Oliver Leiste hat das, was ich ihm über Duisburg und den MSV erzählte, zusammengefasst und ein paar Informationen beigefügt, so dass die Hallenser sich über  die komplizierte Geschichte des MSV Duisburg der letzten Jahre auf die notwendigste Weise informieren können. Dazu gibt es Sätze zu Duisburg im Allgemeinen. Als Einstieg für die Beschäftigung mit Stadt und Verein kein schlechter Anfang, zu dem es hier mit einem Klick weiter geht.

Außerdem möchte ich euch den Blick auf den Clip der Pressekonferenz vom Halleschen FC empfehlen. Hier begegnen sich auf wunderbare Weise in Vor- und Abspann die hochgezüchtete Jingleanimationswelt des Fußball-TV-Angebots der Gegenwart mit der Vereinsheimatmosphäre während der PK. Vor allem der Pressemann des Halleschen FC hat wenig gemein mit dem Typus jener meist doch dann Männer, die momentan für diese Positionen im Fußball gefragt sind. Zudem die dialektale Einfärbung der Köhler-Sprache und schon sind wir trotz seiner sachlichen, informativen Art fern ab von den genormten Unterhaltungswelten des TV-Fußballs. Sehr sympathisch!

Kölner Sportjournalisten verfolgen welche Interessen?

Wer hier immer mal wieder mitliest, weiß, dass ich in Köln wohne und auch dort durchaus zu Heimatgefühlen neige. Die gehen nicht ganz so weit, dass mich Siege und Niederlagen des 1. FC Köln berühren, doch das Geschehen beim FC nehme ich als eine Art teilnehmender Beobachter durchaus wahr. Zumal das Auskosten von Siegen meines MSV gegenüber den FC-Fans unter meinen Freunden versüßt wird, wenn ich mich beim FC ein wenig auskenne.

In den letzten Wochen erhielt ich durch mein Interesse für den FC immer mehr Anlass für eine weitere Warnung vor dem Glauben, allen Sportjournalisten ginge es bei ihrer Berichterstattung um so etwas wie die vorgefundene Wirklichkeit. Einmal mehr hatte ich den Eindruck, die Sportjournalisten, in diesem Fall die des Kölner Stadt-Anzeiger, empfinden große Lust daran, die Wirklichkeit ihres Sujets mitzugestalten. Aus meinem recht nüchternen Abstand zum FC habe ich in den letzten Wochen nämlich mit immer größerer Verwunderung die Berichterstattung im Kölner Stadt-Anzeiger über den Verein gelesen. Immer heftiger wurde da eine Vertragsverlängerung mit dem FC-Trainer Frank Schaefer eingefordert, obwohl sämtliche Beteiligten, sich darauf geeinigt hatten, nach der hoffentlich erfolgreichen Verhinderung des Abstiegs über genau diesen Tatbestand erst zu reden. Niemand hatte diese Vertragsverlängerung zum Thema gemacht. Sie wurde zum Thema, als im Kölner Stadt-Anzeiger dessen Sportjournalist Karl-Heinz Wagner darüber schrieb. Karl-Heinz Wagner deutete ein sehr sachliches Interview mit dem Geschäftsführer des 1. FC Köln Claus Horstmann als mangelnde Unterstützung des erfolgreichen Trainers. Ich konnte diese mangelnde Unterstützung in dem Interview nicht erkennen, und dachte mir nichts weiter dabei. Schließlich habe ich Karl-Heinz Wagner schon häufiger über den 1. FC Köln eher polemisch schreiben gesehen als abwägend und nachdenklich.

Danach aber wurde die Geschichte weiter befeuert. Da wurde eine Finke-Äußerung zum Verhältnis von Trainer-Dasein und Religiösität im Leben von Frank Schaefer aufgegriffen und kritisiert. Kurz darauf druckte der Kölner Stadt-Anzeiger ein Interview mit Frank Schaefer ab, das auf diese Weise angetitelt wurde:

Frank Schaefer ist tief enttäuscht

FC-Trainer Frank Schaefer hat sein Bedauern darüber geäußert, dass eine öffentliche Diskussion über seinen christlichen Glauben entstanden ist. Er bezeichnete das von FC-Sportdirektor Volker Finke zitierte Thema als „menschlich schon nicht einfach“.

Wer nur diese Überschrift liest, wird einen großen Konflikt zwischen Frank Schaefer und Volker Finke vermuten. Allerdings weist  das Interview selbst mit keinem Wort Schaefers darauf hin.  „Tief enttäuscht“ ist er über Spieler seiner Mannschaft und darüber hinaus, empfindet er die öffentliche Diskussion über seinen Glauben als „menschlich schon nicht einfach“. Die Sportredaktion gibt durch Titel und Untertitel eine Deutung vor, und wer die Zeitung nur überfliegt, wird mit dieser Deutung seine Meinung bilden. Das ist ohne Frage unlauterer Journalismus.

Volker Finke mag ja sein eigenes Spiel gespielt haben, leider trägt die Sportredaktion des Kölner Stadt-Anzeigers nicht an einem Tag ihrer Berichterstattung dazu bei, dieses Spiel klarer zu umreißen. Vielmehr weckt sie beim unvoreingenommenen Leser Misstrauen gegenüber den Grundlagen der journalistischen Sportberichterstattung beim Kölner Stadt-Anzeiger.

Denn wenn ich mir nur die berichteten Fakten über den 1. FC Köln ansehe, erkenne ich die von Karl-Heinz Wagner zugespitzte Deutung des Geschehens nicht. Ich muss also zu dem Schluss kommen, entweder weiß er etwas, was er nicht schreibt, oder er verfolgt ein eigenes Interesse, zu dem er sich nicht bekennt.  Dieses banalste Interesse der Sportredaktion wäre natürlich die eine auflagensteigernde, erzählenswerte Geschichte. Unbestritten bleibt, ohne weitere Fakten gibt es keine widerspruchsfreie Geschichte des Geschehens beim 1. FC Köln. Es ist unlauterer Journalimus die Geschichte des Geschehens als widerspruchsfrei darzustellen. Das ist Meinungsmache. Das erwarte ich in einer Boulevardzeitung und nicht in einer sich seriös gebenden Lokalzeitung wie dem Kölner Stadt-Anzeiger.

Wer es mit der Leidenschaft eines Kölner Anhängers und dennoch vorhandener sachlicher Analyse noch detaillierter aufbereitet haben möchte, der lese „Geschichte wird gemacht: Die Causa Finke“ beim Spielbeobachter.

Begeistertes Köln feiert Duisburgs Pokalsieg

In Duisburg, der Stadt, wo man sich notorisch selbst unterschätzt, wird der  Einzug des MSV ins DFB-Pokalendspiel beim Halbfinale gegen den FC Energie Cottbus, wenn überhaupt wahrscheinlich nur noch leise gefeiert. Das ist in Köln, der Stadt, wo man sich notorisch selbst überschätzt, natürlich ganz anders. Dort führt  der Einzug des Nachbarstadtteils der imaginären Kees-Jaratz-Stadt-am-Rhein dem Selbstbild der Kölner gemäß noch heute zu überbordender Begeisterung. Das Feiern, so habe ich den Eindruck, wird von Stunde zu Stunde maßloser. Der Kölner, der sonst immer glaubt, alles was es gibt auf der Welt, „dat-jibbet-so-nur-nur-nur-in-Kölle“, sah am Dienstagabend nach Duisburg, erinnerte sich an ein Gebot des Rheinländers und dachte, man muss och jönne könne. Da fiere mer ewe met, und dabei hätt uns noch keiner wat vürjemaacht. Die lokalpatriotischen Kölner können aber ihre sie selbst überraschende Freude über den Sieg des MSV Duisburg natürlich nicht offen zeigen. Was für ein Glück, dass heute mit Weiberfastnacht der Straßenkarneval beginnt. So können sie sich hinter der Maske des Frohsinns verstecken und behaupten, sie ständen bei diesem sonnigen Wetter doch nur „wegen dem Brauchtum“ auf der Straße.

Doch schon im Anschluss des Spiel am Dienstag waren in der Sportredaktion des Kölner Stadt-Anzeiger die Sportjournalisten aus dem Häuschen. Anscheinend waren sie so begeistert über den Einzug des MSV Duisburg ins Pokalendspiel, dass in ihnen der Wunsch entbrannt sein muss, dieses Endspiel mit Duisburger Beteiligung unbedingt in Köln sehen zu wollen. Oder wie soll der Untertitel für den Vorbericht zum Frauenpokalfinale zwischen Turbine Potsdam und dem FFC Frankfurt gedeutet werden, das ja bekanntermaßen am 26. März in Köln stattfindet? Etwa, dass an ein Frauenpokalfinale ohne den FCR 2001 Duisburg nicht zu denken ist?

Am Nachmittag werde ich mich als Duisburgstämmiger Kölner oder Duisburger mit Kölner Wohnsitz oder Kölner mit Duisburger Wurzeln oder auch als Imi unter die feiernden Menschen begeben und vorbildhaft für ein gelungenes integriertes Leben mit beiden Kulturen und in beiden Städten werben. Ich werde die Freude über den Finaleinzug keinesfalls hinter der Maske des rheinischen Frohsinn verstecken, dennoch allerlei kölsches Liedgut lauthals mitsingen und dabei auch in diesem Jahr sämtliche FC-Jubelgesänge allerhöchstens nachsichtig summen.

Nachtrag: Ich bemerke gerade, dass der Kölner in mir manchmal ein wenig übermütig wird und ich die Duisburger Bodenhaftung verliere. „Pokalsieg“ hört sich in der Überschrift einfach gut an, selbst wenn es nur ein Halbfinal- oder Pokalspielsieg. Ich lasse das stehen und betrachte es als Aufmunterung. Diese Überschrift hat überhaupt nichts mit möglichen Folgen von verfrühten Glückwünschen zu tun.

Das Duisburger Fußballgesetz: Doppelpack von Spielern über 1,90m Körpergröße

Ich kann mir gut vorstellen, dass die Verleger von Deutschlands Tageszeitungen aus Sorge um die verkaufte Auflage ihrer Zeitung allmählich zu ungewöhnlichen Marketing-Maßnahmen greifen, um die weiterhin vorhandene Relevanz ihres Mediums der Öffentlichkeit zu  verdeutlichen. Möglicherweise hat Alfred Neven DuMont, Verleger des Kölner Stadt-Anzeiger, selbst dafür gesorgt, dass die A3 hinter dem Hildener Kreuz wegen Bauarbeiten am Samstagmittag nur einspurig befahrbar war.  Schließlich widmete sich seine Zeitung am selben Tag als Aufmacherthema dem Verkehrskollaps in NRW. Samstagmittag, ein zehn Kilometer langer Stau, völliger Stillstand auf der A3 anderthalb Stunden vor dem Anpfiff des Spiels vom MSV Duisburg gegen die SpVgg Fürth kurz hinter der Ausfahrt Langenfeld, und die Zukunft der Regionalzeitung scheint wieder etwas gesicherter, denn der Kölner Stadt-Anzeiger berichtet „kritisch“ und kennt die Hintergründe. Wir aber kennen die Ausweichstrecken und kommen etwa drei Minuten nach dem Anpfiff im Stadion an.

So brauchte ich mich nicht vor dem Fürther Abseitstor erschrecken, sondern konnte mich in Ruhe erst einmal orientieren. Erwartungsgemäß spielte Branimir Bajic wieder für Daniel Reiche. Dass Manuel Schäffler nicht spielte, war ebenfalls möglich gewesen, wenn auch der ihn ersetzende Filip Trojan sich offensichtlich auf einer anderen Position wohler fühlt als als Stürmer. Aber wieso spielte Benjamin Kern als rechter Außenverteidiger und Julian Koch im Mittelfeld für Ivica Grlic? Die Frage ging an den Nebenmann, und ich erfuhr, dass Grlic keineswegs verletzt war, sondern aus taktischen Gründen auf der Bank saß. Wenn das klappte, so dachte ich, war es ein Beweis mehr für die Qualität des MSV Duisburg in dieser Saison. Die Mannschaft erwiese sich als  variabler in der Spielanlage, wenn sie auf einen  Spieler verzichten könnte, der zu den ersten Erfolgen dieser Saison entscheidend beigetragen hat. Was von Milan Sasic geplant war, gelang tatsächlich, allerdings nur in der ersten Halbzeit.

Die Mannschaft des MSV Duisburg wirkte schnell leicht überlegen und schien das Spiel im Griff zu haben. Torgefahr ergab sich einmal recht früh durch Stefan Maierhofer und schließlich nach einem von Benjamin Kern geschossenen Freistoß durch einen Kopfball von Goran Sukalo. Den Ball hatte ich schon im Tor gesehen, doch der Fürther Torwart Max Grün zeigte einen glänzenden Reflex und lenkte den Ball noch über die Latte. Während ich noch zum Freund sagte, allmählich schießen sie sich ein, flog der von Filip Trojan getretene Eckball schon in den Strafraum und erneut kam Goran Sukalo zum Kopfball. Dieses Mal hatte Max Grün keine Chance zur Abwehr. Der MSV Duisburg führte 1:0. Ich konnte mich immer wieder an gelungenen Einzelaktionen freuen, sah den erneut beeindruckenden Auftritt von Julian Koch und zwei weitere große Chancen, ein Kopfball durch Koch knapp über das Tor und ein ungemein harter Schuss aus etwa achtzehn Metern durch Olcay Sahan. Erneut zeigte Max Grün seine Klasse und verhinderte ein weiteres Tor des MSV.

Kurz vor der Halbzeitpause blitzte mit einem Mal die Torgefahr der Fürther auf. Die MSV-Abwehr wurde mit einem steilen Pass überspielt, doch David Yeldell konnte den schwachen Schuss des Fürther Stürmers aufnehmen. Dieser Angriff war eine Art Vorausblick auf die zweite Halbzeit. Dass der MSV Duisburg die Führung in dieser zweiten Halbzeit behaupten konnte, war weniger der guten Abwehrleistung zu verdanken als der Abschlussschwäche der Fürther. Zwei sehr, sehr große Fürther Chancen endeten als Schüsse über das Tor. Neben diesen sehr, sehr großen Chancen gab es noch eine Reihe von großen Chancen. Die Mannschaft des MSV Duisburg hatte sich zu weit zurückgezogen und konnte keinen Gegendruck entwickeln, als die Fürther Angriffe erst einmal ins Rollen gekommen waren. Auch David Yelldell erwies sich in dieser Phase als Torwart der guten Reflexe.

Die Spieler des MSV Duisburg kämpften zwar aufopferungsvoll, doch ich fürchtete immer mehr, es könnte nicht reichen, die Führung über die Zeit zu bringen. Eine einzige Chance gab es in diesem Spielabschnitt für den MSV Duisburg. Doch Filip Trojan ist nicht der schussstarke Strafraumstürmer, den es in dieser Situation brauchte. Ab der fünfundsiebzigsten Minute herum keimte meine Hoffnung auf den Sieg wieder auf. Olcay Sahan verhinderte auf seiner Seite kurz nacheinander nicht nur mit eindrucksvollem Einsatz Angriffe der Fürther, sondern die gewonnenen Bälle konnten nun wieder durch kontrollierte Angriffe in die Fürther Hälfte gebracht werden. Schließlich die Erlösung: Goran Sukalo köpfte nach einer Ecke von Benjamin Kern sein zweites Tor. Was für eine Erleichterung! Im Bericht der Sportschau war stellvertretend für unser aller erleichtertes Seufzen nach dem Jubel Milan Sasic bei der gemeinsamen Freude mit Bruno Hübner zu sehen. Auch er seufzte erleichtert aus, auch er hatte offensichtlich um diese Führung gebangt.

In den letzten Minuten wurde deutlich, wie viel Kraft die Spieler des MSV Duisburg in diesem Spiel gelassen hatten. Diese Spieler gingen an ihre Reserven. Dennoch gab es Chancen auf ein drittes Tor. Olcay Sahan war in diesen Minuten weiter unermüdlich in seinem Vorwärtsdrang und in seinem Willen den verlorenen Ball zurück zu erobern. Eigentlich müssten allesamt erwähnt werden. Der eingewechselte Maurice Exslager etwa zeigte ein paar gelungene Aktionen und konnte nach einem Anspiel fast immer etwas Sinnvolles mit dem Ball anfangen.

Stefan Maierhofer will ich trotzdem noch gesondert erwähnen. Einen Spieler dieser Persönlichkeit habe ich beim MSV Duisburg lange vermisst. Dieser Mann verkörpert auf dem Spielfeld den bedingungslosen Siegeswillen. Er braucht anscheinend Reibereien und Aufregung für sein Spiel, ob das nun die Gegenspieler sind oder Balljungen, die den Ball zu schnell dem Gegner geben. So meine ich jedenfalls den leichten Rüffel verstanden zu haben, der da hinter die Bande ging. Eine Mannschaft braucht in solchen Spielen der Bedrängnis solche Typen. Mit seiner Präsenz auf dem Spielfeld entwickelt er nicht nur psychische Energie für das eigene Spiel, sondern die psychische Energie der Mannschaft wächst ebenfalls, was wiederum auf die Zuschauerränge überschlägt und von dort erneut zurückgegeben werden kann.

Dann tragen auch wir Zuschauer zur mannschaftlichen Stärke bei. Als die Führung des MSV Duisburg am gefährdesten schien, war von den Rängen dieses unterstützende „EM-ES-VAU-EM-ES-VAU“ zu hören. Wenn dieser Schlachtruf im ganzen Stadion laut wird, spüren wir, in dem Moment geht es um alles. Mit diesem Rufen soll  in Duisburg seit jeher den Spielern zu allerletzter Kraft verholfen werden. Mit diesem Rufen lösen wir Zuschauer die Grenze zwischen uns und den Spielern auf. Wir verschmelzen mit ihnen und werden zu einem Körper. Das sind die Momente, in denen das Gefühl von uns vollends Besitz ergreift, ein Teil von Sieg oder Niederlage zu sein. Das sind die Momente, in denen wir unsere Mannschaft größer machen können und uns selbst natürlich auch, wenn wir aufgehen in diesem großen Ganzen MSV Duisburg. Deshalb ist Fußball mehr als ein Geschäft. Deshalb überlege ich, ob ich es nicht doch am nächsten Sonntag nach Aachen schaffe.

Und für die Zukunft noch der kurze Hinweis an alle autofernreisenden MSV-Fans: eine erste Orientierung zur Verkehrslag bietet im Netz die Seite Verkehrsinfo.nrw. Und wo wurde die Technik dieser Seite entwickelt? An der Universität Duisburg! Auch wenn ich das aus lokalpatriotischen Überlegungen für eine erwähnenswerte Sache halte, will ich nicht so weit gehen und behaupten, die regelmäßige Anreise von Zuschauern des MSV Duisburg über die A3 war der hauptsächliche Anlass für die Entwicklung dieser Software.

Veränderungen deuten

Da hat sich am Wochenende ja einiges in NRW nicht getan, worüber dennoch schon vorher mit eindrucksvollen Worten im tagesaktuellen Medienauswurf berichtet wurde. Wann soll man eigentlich glauben, was in diesen Medien erzählt wird? Was ist sachliche Information über ein mögliches Geschehen, und wann verkleidet sich das aufgeregte Gefühl von Journalisten einem sensationellen und den Alltag durchbrechenden Ereignis möglicherweise beiwohnen zu dürfen in der vermeintlich zur umfassenden Information notwendigen Frage nach den zu erwartenden Gefahren?

Was soll man glauben, wenn Bernd Bemmann in der Rheinischen Post die Veränderungen beim MSV Duisburg kurz vor und in der Winterpause als Vorboten von Unheil zu deuten beginnt und seinen Artikel mit der bedeutungsschwangeren Frage beendet: „Was kommt wohl noch?“ In der Summe und ohne einordnende Worte beschleicht einen beim Anblick der Veränderungen vielleicht ein komisches Gefühl. Doch für jede einzelne der von Bernd Bemmann aufgelisteten Veränderungen gibt es zufrieden stellende Erklärungen. Das wäre Alltag. Man kann aber sogar den Wechsel des Pressesprechers als ein Zeichen für Irgendwas deuten. Für Bernd Bemmann mag dieser Wechsel ein schlechtes Omen sein, mir gibt dieser Wechsel allerdings die Hoffnung auf eine Erreichbarkeit und erste Antwortbereitschaft der Presseabteilung, die in anderen Vereinen selbstverständlich ist. Oder man kann Chinedu Edes Weggang nach Berlin als Zeichen für Ungemach deuten, obwohl von Vereinsseite vorher bereits an ein Ausleihgeschäft gedacht wurde.

Ist Bernd Bemmanns Artikel  nun nur der Versuch einer feinsinnigeren Variante der Holzhammer-Bild-Worte? Dort  wird ja gemunkelt, unter Sasic verlieren die Spieler des MSV Duisburg den Spaß am Fußball. Gibt es für diese Angstlust vor der nahenden Katastrophe wirklich Gründe in der Gegenwart? Chavdar Yankovs Meinung zum Trainer einzuholen scheint mir ebenso erhellend zu sein wie den Ex-Frauen von Lothar Matthäus beim Erzählen über dessen wahren Charakter zuzuhören. Schließlich berichten auch diese ins Trainingslager nach Belek mitgereisten Fans im MSVportal von der gelösten Stimmung beim dortigen Training, andererseits wiederum passt der Kommentar Nr. 10 dieses Augenzeugens unter dem Artikel von Dirk Retzlaff bei Der Westen wiederum mehr zu dem, was von den Journalisten ausgemacht wurde.

In besagtem Artikel wirkt Dirk Retzlaff zudem sorgenvoll, wenn er von Björn Schlickes Abwahl als Mannschaftskapitän berichtet. In dem Fall, so glaube ich, sorgt er sich an falscher Stelle. Für Milan Sasic hat sich mit der Wahl Tom Starkes zum Mannschaftskapitän das Problem entschäft, den Mannschaftskapitän möglicherweise nicht spielen lassen zu können. Björn Schlicke spielte in dieser Saison nicht so viel besser als seine Konkurrenten um den Platz in der Innenverteidigung, und es ist eine offene Frage, wie diese Innenverteidigung besetzt sein wird, wenn alle verletzten Abwehrspieler wieder gesund sind.

So wird man als Zeitungsleser schnell ratlos angesichts der angeführten Belege für den sorgenvoll Blick in die Zukunft. Das reicht mir nicht für Sorgen, und dennoch gelingt es mir nicht, mich darauf zu verlassen, dass die Stimmung in der Mannschaft schon in Ordnung ist. Das hat mit der Persönlichkeit von Milan Sasic zu tun. Denn wenn das Geschehen in der Mannschaft gedeutet werden soll, dann müsste über die Art und Weise geredet werden, wie Milan Sasic diese Veränderungen moderiert. Ich muss zugeben, was von seiner Art Konflikte zu lösen nach draußen dringt, stimmt mich unruhig. Denn ich vermute, ein Trainer wie er braucht den Erfolg zum Überleben mehr als ein Trainer mit anderen Konfliktlösungsstrategien. Natürlich bewege auch ich mich nun längst nicht mehr auf dem Boden von Fakten, sondern erzähle von Stimmungen und Gefühlen. Mit dem Unterschied gegenüber den Journalisten, dass ich das benenne. Aber vielleicht ist diese von mir vermutete besondere Notwendigkeit des Erfolgs zugleich ja Milan Sasics Schlüssel zum selben.

Und da ich jetzt die ganze Zeit über Deutungen geschrieben habe: Der Gegner vom nächsten Sonntag, der FSV Frankfurt, deutet das 1:1-Unentschieden im Freundschaftsspiel gegen Hertha BSC Berlin als gelungenen Test, und im Kölner Stadt-Anzeiger wird von der Sportredaktion das Interesse der Leser am Unterhaltungskünstler Ailton als noch vorhanden gedeutet. In einer Kurzmeldung wird dessen pünktliches Erscheinen zum Trainingsauftakt des KFC Uerdingen angemerkt. Dass er im Moment aber überhaupt nicht Fußball spielen kann, interessierte dabei schon nicht mehr.


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