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Halbzeitpausengespräch: Spelunkenspektakel-Energie im Lokal Harmonie

Welch Geschenk für die Stadt, für das westliche Ruhrgebiet, dass es das Spelunken-Spektakel gibt. Eine Konzert-Reihe geht in ihr zweites Jahr, mit der Folk- und Weltmusik nach Ruhrort gebracht wird. Folk- und Weltmusik, wie farblos klingen diese Wörter nach dem Samstagabend im Ruhrorter Lokal Harmonie mit dem Doppelkonzert vom Horst Hansen Trio und dem Pulsar Trio. 

Wie soll ich über eine Veranstaltung schreiben, die schon jetzt so gut besucht wird, dass die Räume zu eng werden? Könnten die Initiatoren der Reihe, Jons Heiner und Folkert Küpers, zu viel Erfolg mit ihrer Konzertreihe haben? Jons Heiner hat die zwei Bands für diesen Samstag eingeladen zu spielen und es waren großartige, kraftvolle, energiegeladene Konzerte.

Den Abend eröffnete das Horst Hansen Trio, das wie immer sich als Quintett entpuppte und bei dem Horst Hansen wie immer was anderes zu tun hatte. Jazz beginnt hier mit ironischem Spiel, und so kommt es zum Crossover mit Klezmer-Klängen durch das Saxofon. So kommt es zum treibenden Rhythmus, der gemeinhin als Weltmusik wahrgenommen wird, dem aber für den Anspruch Welt die Disharmonien des Jazz fehlen. Das Horst Hansen Trio fügt sie kurz hinzu und weiter geht es mit dem treibenden Klang.

Diese energiegeladene Atmosphäre wurde ohne Bruch vom Pulsar Trio gehalten. Was für eine Spielfreude sprühte von der Bühne. Die spannungsgeladene Bewegung zwischen Klavier und Schlagzeug, das gegenseitige Lauern von Beate Wein und Aaron Christ auf das Zusammenfinden, um dem etwas fremderen Klang des Sitarspiels von Matyas Wolter den rhythmischen Rückhalt zu geben. Der Raum füllte sich mit der Energie des Spiels, mit der Freude und dem Spaß am Auftritt, mit der Erfahrung von etwas Neuem, Unbekannten, was sich als bereichernd erwies.

Wären die Räume der jeweiligen Konzerte nicht schon jetzt fast zu klein, würde ich schreiben, geht hin, seht euch das an, was das Spelunken-Spektakel zu bieten hat. Muss ich dann immer früher kommen, um noch einen Platz zu finden. Was für Fragen, aber was großartig ist, muss großartig genannt werden. Wie hieß die Reihe nochmal?  Spelunken-Spektakel! (Der Link führt zwar zur Domain der Reihe, momentan wird sie aber auf die Facebook-Seite umgeleitet.)

Und noch etwas: Die Initiatoren der Reihe Jons Heiner und Folkert Küpers verbinden mit den Konzerten kulturelles und soziales Engagement. In einer Stadt mit einer Sozialstruktur wie Duisburg soll freier Eintritt jedem den Konzertbesuch ermöglichen. Der Hut geht an den Abenden herum, so dass die Gäste so viel Eintritt bezahlen, wie sie entbehren können. Das Spelunken-Spektakel kann eigentlich nicht laut genug gelobt und gefeiert werden. Auch auf die Gefahr hin, dass ich demnächst zwei Stunden vor Konzertbeginn in einer Schlange auf den Eintritt warte.

Wer Kostproben der Künstler hören möchte, bitte schön. Das Horst Hansen Trio:

Und das Pulsar Trio live fürs Netzmedium:

Alles muss raus, und einer nur muss rein!

Heute Morgen bin ich Marktschreier, der vom Lkw runter Themen und Worte unter die Leute bringt. Es hat sich einiges angesammelt, und alles soll vor dem Pokalspiel des MSV Duisburg in Köln noch raus. Schnell, kurz und weg damit. Für den einen Klick gibt es nicht nur Worte über Walter Hellmich, nein, heute packe ich auch noch Afrobeat dazu. Und Dirk Lottner! Und aus der anderen Ecke des Lagers noch was zu Zuschauerzahlen beim MSV Duisburg und die Pokalsieg-Hoffnung kriegt ihr auch noch mit dabei.

„Retter geht als Buhmann„, hieß es in der Süddeutschen Zeitung, als der Rücktritt von Walter Hellmich verkündet war. Im April schon hatte er diesen Schritt auf der Jahreshauptversammlung des MSV Duisburg angekündigt, und dass es bis zum Vollzug so lange gedauert hat, ist ein weiteres Kapitel in der Verwandlungsgeschichte der öffentlichen Meinung. Eigentlich sind genügend Worte zu Walter Hellmich geschrieben worden und nach seiner Verabschiedung beim Spiel gegen den VfL Bochum sind nun vor allem kritische Fans froh, endlich nur noch nach vorne sehen zu dürfen. Davon ab, im Verein selbst wird sicher auch Erleichterung darüber bestehen, sich nun ganz der Zukunft widmen zu können. Mir geht es aber noch um einen Gedanken, den ich neulich schon anlässlich des Bochumers Interesse am MSV andeutete. Nicht oft erleben wir öffentlich in dieser Deutlichkeit, wie dieselben Eigenschaften, die einem Menschen zum Erfolg verhelfen, verhindern, dass er diesen Erfolg stabilisiert. Mir geht es also nicht um die Bewertung, ob er bei seiner Arbeit für den MSV Duisburg mehr an den eigenen wirtschaftlichen Erfolg als an den des Vereins gedacht hat. Bei Der Westen können wir lesen, dass die Bezeichnung „Patriarch“ Walter Hellmich  sauer aufgestoßen sei. Er wird mit den Worten zitiert: „Patriarch? Einer muss halt den Kopf hinhalten, das habe ich getan. Was wir aufgebaut haben, das haben wir gemeinschaftlich getan.“ Selbst in diesen wenigen Worten klingt der altbekannte Widerspruch seiner gesamten Amtszeit an.

Etwas gemeinschaftlich erschaffen, für das einer gerade steht und seinen Schutz bietet. Wenn das nicht patriarchalische Züge hat, was dann? Dass so ein Verhältnis auf die Arbeit der vielen zurückwirkt, braucht wohl nicht besonders betont zu werden. Das Patriarchalische ist aber gar nicht das Problem, sondern zu wenig Einsicht in die eigenen Stärken und Schwächen. Die Persönlichkeit Walter Hellmichs wurde erst dann strittig, als der Erfolg sich nicht bestätigte. Erst dann boten diese patriarchalischen Züge Reibungsfläche in der Öffentlichkeit.

Seit der Entlassung von Zvonimir Soldo beim 1. FC Köln steht Dirk Lottner als Co-Trainer von Frank Schaefer wieder mehr im Blick der Öffentlichkeit. Dieses Interview im Kölner Stadt-Anzeiger mit Dirk Lottner liegt nun schon über zwei Wochen zurück. Mir haben Dirk Lottners Worte sehr gefallen. Er wirkt so, als wisse er noch genau, wo seine Wurzeln sind. Ihm gelingt anscheinend dieser Spagat zwischen der Glitzer-Fußballwelt und dem Aschenplatz seiner Kindheit und Jugend. Seine Worte erinnern zum einen daran, dass Berufsfußballer wie jeder Arbeitnehmer ein besonderes Arbeitsklima als Grundlage für die eigene Leistung zu schätzen weiß. Zum anderen gibt es auch für Berufsfußballer Lieblingsarbeitsplätze.

Würden Sie rückblickend sagen, dass Sie ein paar Erstligajahre haben liegen lassen?

LOTTNER: Das kann schon sein. Ich habe aber dann auch in Leverkusen bemerkt, dass die Identifikation mit dem Verein für mich sehr wichtig war. Neunzig Prozent waren da nicht genug. Ich musste ja schon ziemlich viel dafür tun, um zumindest relativ fit zu sein. Und wenn du dann nicht hundert Prozent dahinterstehst, wird es doppelt schwierig.

Relativ fit?

LOTTNER: Ich will es ja jetzt nicht zu negativ ausdrücken.

Sie meinen, Sie waren körperlich eher schlecht veranlagt?

LOTTNER: Ich musste immer viel dafür tun, um meine körperliche Fitness, von der dann trotzdem immer noch viele sagten, dass sie nicht ausreichte, zu erhalten. Und wenn ich dann Vereine hatte, in denen ich nicht spielte, war es noch schwieriger als bei einem Verein, für den man sich mehr begeistert.

Zur Einstimmung auf den Pokalabend hier kurz der Hinweis auf Femi Kuti and the Positive Force. Diese Musik ist pure Energie. Vorletzten Donnerstag habe ich Femi Kuti und seine Band bei einem Konzert in Köln etwas über zwei Stunden live erlebt, und dieser Mann lebt auf der Bühne für Afrika. Seine Musik und er selbst ist durchdrungen von dem Wunsch, das Leben auf dem Kontinent seines Herkunftslands Nigeria besser zu machen. Diese immense Kraft seines Wunsches ist in den treibenden Rhythmen, den peitschenden Sätzen und seinem eindringlichen Gesang jederzeit zu hören. Der Mann kam auf die Bühne und zwei Minuten später wogte der Saal. Einen wirklich vernünftigen Clip habe ich nicht gefunden, deshalb als Vorgeschmack das hier.

Wenn der MSV Duisburg mit solcher Energie heute Abend in Müngersdorf auf dem Platz steht, wird er seine Außenseiterchance nutzen. Auch wenn es vom Verstand her natürlich richtig ist, ich habe überhaupt nicht das Gefühl, dass die Mannschaft dort heute als Außenseiter auftreten wird. Andererseits lassen die erwarteten zehntausend Anhänger des MSV Duisburg dennoch das Wort Außenseiter aufscheinen. So viele Zuschauer kommen natürlich auch deshalb, weil sie eine berechtigte Chance sehen, große Gefühle zu erleben. Der Außenseiter schlägt die Erstliga-Mannschaft. Hilft das weiter bei den Überlegungen zu den Zuschauerzahlen beim MSV Duisburg. Es gibt ein sehr treues Stammpublikum, das ist wohl deutlich. Der Plan für die großen Gefühle: kein Tor gegen David Yelldell und ein Baljak-Schuss muss auf der anderen Seite rein als nachträgliches Abschiedsgeschenk für Faryd  Mondragón.


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