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Die Frühjahrskollektion der Tore in letzter Sekunde

Wenn Spielenden mit Toren in letzter Sekunde gerade in Mode sind, möchte ein Verein wie der MSV Duisburg bei der entsprechenden Frühjahrsmesse für Tore in letzter Sekunde nicht fehlen. Die Vorstellung seiner Kollektion entspricht natürlich den momentanen Möglichkeiten des Vereins. Beim MSV Duisburg sind keine Star-Designer am Werk, sondern ehrbare Handwerker, deren Kreativität sehr von der Tagesform abhängt. Gestern Abend im Spiel gegen den 1. FC Köln war wenig originelles Arbeiten für die Kollektion zu sehen und dafür viel aus Stoffresten Zurechtgeschneidertes und einiges von der Stange. Das wirkte solide, war aber zunächst zu wenig, um den Erfolg der  Konkurrenten aus Köln zu gefährden. Diese hatten in der laufenden Saison schon eine beachtliche Auswahl der Last-Minute-Fashion vorgelegt. Das letzte Mal sogar noch im Spiel zuvor gegen den VfR Aalen.

Hinzu kam eine ungewohnte Nervosität der Duisburger Handwerker in den ersten fünfzehn Minuten. Viele Lücken waren in der Defensive zu sehen. In der Zweiten Liga gibt es allerdings mit Hertha BSC nur eine Mannschaft, die solche Lücken auf jeden Fall bestraft. Viele Zuspiele misslangen auch noch in der weiteren ersten Halbzeit. Die Ballannahme funktionierte nicht oft und die Kölner Konkurrenten standen enger am Mann als die Zebras umgekehrt. Als sich die Nervosität endlich legte, blieben noch etwa fünf Minuten, in denen sich das Spiel im Gleichgewicht befand. Dann fiel das Führungstor des 1. FC Köln. Daniel Brosinski misslang es, eine Abwehraktion spielerisch zu lösen. Sein Gegenspieler Thomas Bröker nahm ihm den Ball ab und wurde von Daniel Brosinski bei seinem Schlenzer nicht entschieden genug gestört.

Nach dieser Führung entstand ein nur selten aufregendes Spiel. Der MSV Duisburg mühte sich ohne wirkliche Ideen und Möglichkeiten zu haben, die gut aufgestellte Defensive der Kölner zu überspielen. Zu Beginn der zweiten Halbzeit stellten sich der FC sogar noch tiefer auf.  Es blieb kaum Raum, um in die Nähe des Tores zu kommen, während der Raum auf der anderen Seite sich verführerisch leer für Konter anbot. Der MSV kam an seine Grenzen. Druck entstand nicht, und man musste auf jede einzelne Spielsituation hoffen, die durch eine Aneinanderreihung von Zufällen vielleicht doch noch Torgefahr gebracht hätte. Zudem machte es sich der MSV in der Vorwärtsbewegung manchmal unnötig schwer, weil die Mannschaft keinen vernünftigen Rhythmus fand zwischen Einzelaktionen und Zusammenspiel. Das war Ranisav Jovanović, der seine Mitspieler auf dem Flügel nicht mehr sah und selbst dorthin bei seinen Sprints vor der engen Mitte des Spielfelds auswich. So standen sie sich dann zu zweit im Weg. Das war aber auch Jürgen Gjasula, der nahc seiner Einwechslung keinen guten Tag erwischte und wie niedergedrückt wirkte. Seine Pässe kamen nicht an, seine Dribblings blieben erfolglos. Tanju Öztürk hatte sich zwar ins Spiel gekämpft, deutlich war aber auch, dass er noch einiges Entwicklungspotenzial ausschöpfen muss, um irgendwelche Gerüchte-Geschichten über Vereinswechsel auch nur annähernd zu rechtfertigen.

So plätscherte das Spiel in der zweiten Halbzeit dahin, unterbrochen nur von der Aufregung durch einige Konter des FC, die der MSV Duisburg durch eine Kombination von guten Reaktionen Felix Wiedwalds, der Abschlussschwäche des FC und etwas Glück ohne Gegentor überstand.  Gefährlich für den FC wurde es nur einmal in dieser Halbzeit durch einen Distanzschuss von Timo Perthel. Bis dann die letzte Spielminute der Nachspielzeit anbrach und ein Freistoß für den MSV Duisburg im Halbfeld gepfiffen wurde. Felix Wiedwald verließ sein Tor und kam an den Fünfmeterraum des FC. Gab es an dieser Linie überhaupt noch freie Bodenfläche. Was war das für ein Gedränge. Der Ball flog hoch hinein, Spieler sprangen und als Dustin Bomheuer köpfen konnte war der erfolgreiche Verlauf der Flugbahn sofort zu erkennen. So nah war er am Tor. So präzise nahm der Ball seine Richtung. Schon zuvor war nicht nur sein Kopfballspiel in der Defensive gegen Stefan Maierhofer sehr gut gewesen. Selbst früh pressende Kölner konnten ihn beim Ballvortrag nicht irritieren. Es ist sehr zu hoffen, dass er zumindest in der nahen Zukunft noch beim MSV spielen wird.

Wenn eine Mannschaft wie der FC dem Sieg so nah war und sie diesen Sieg für das Fortbestehen von Hoffnungen so braucht, bringt ein Ausgleich in fast der letzten Sekunde das intensivste Erleben von Enttäuschung. Auf den Rängen war das Spiel schon als gewonnen gefeiert worden. Auf der Bank des FC hatte sich mit Sicherheit ebenfalls schon die Vorfreude auf den Punkteeinstand mit dem FC Kaiserslautern breit gemacht. Alles verloren und vergeben. Nicht nur weil der Ausgleich für den MSV Duisburg wie ein Sieg war, fühlte er sich für den FC wie eine Niederlage an. Schon im Hinspiel haben wir das torlose Unentschieden wie einen Sieg gefeiert. Mit einem Tor aus der Last-Minute-Kollektion fühlt sich so ein Unentschieden aber nochmal so gut an.

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Nachtrag des Jubels in der Buchhandlung

Am dritten Tag nach dem Spiel des MSV Duisburg gegen den FSV Frankfurt brauche ich nicht mehr viel zum Spiel zu sagen. Es geht auch mehr darum, beim Schreiben zumindest etwas vom Gefühl der Zufriedenheit über das 1:1-Unentschieden zu spüren, für das ich am Wochenende so gut wie keine Zeit gehabt habe. Vom Spiel selbst bekam ich genau vier Schlaglichter mit, eines davon war allerdings von exklusiver Besonderheit. Niemals zuvor habe ich beim Blick auf den Bestellcomputer einer Buchhandlung so gejubelt wie am Samstag. Verwunderte Kundenblicke ignorierte ich souverän. Vielleicht geht Kultur in einer literarischen Buchhandlung ja so? Auch mal bei erfolgreich durchgeführter Bestellung einer Heine-Gesamtausgabe die Fäuste vor Begeisterung ballen und wenigstens warmen Beifall klatschen für einen frühen Krimi von Joy Fielding?

Zum Vorbild für das Eventerlebnis Buchkauf wurde ich durch den Live-Ticker der Sportschau, den Lisa Evertz von der Buchhandlung Scheuermann gerade aufgerufen hatte. In der Duisburger Buchhandlung  war ich während der ersten Halbzeit anlässlich einer Signierstunde. Gerade noch den Namen in ein Exemplar der „111 Fussballorte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben muss“ geschrieben, schon führte der MSV Duisburg in Frankfurt, und die Sportschau-Tickerer orakelten irgendetwas vom Aufstieg. Die wollten witzig sein. Ich aber nehme so etwas sofort für winzige Momente ernst.  Ich rief mich zur Ordnung und hoffte auf den Fortbestand der frühen Führung. Das Halbzeitergebnis war deshalb eine leise Enttäuschung.

Insgesamt nun bin ich zufrieden. Was ja auch der Stimmung aller entspricht, die das Spiel gesehen haben. Da gibt es keinerlei Meinungsverschiedenheit über die entscheidenden Szenen und die Leistung der Spieler. Vor allem Julian Koch ist seit Samstag endgültig in den Fokus gerückt. Schon vor seiner Gelbsperre war zu merken, wie seine Formkurve abfiel.  Nun war er zudem mitverantworltlich für den Ausgleichstreffer. Mir fällt das schwer zu schreiben: Mit solchen Leistungen wird er sich in der Bundesliga nicht durchsetzen. Dennoch denke ich, das stimmt. Wahrscheinlich gönnen ihm die meisten aus der Zebraherde den Platz in einer Bundesliga-Startelf. Wollen wir mit und für ihn hoffen, dass er noch in dieser Saison ein paar Mal zumindest die Leistungen der Hinrunde wieder zeigt. Um nach der Sommerpause dann – wo auch immer – an das erste eine Jahr beim MSV Duisburg anzuknüpfen.

Das 1000. Zweitliga-Tor des MSV Duisburg ist nun auch gefallen. Für mich persönlich uninteressant, mehr was für die Saure-Gurken-Zeiten der Zukunft, in der man dann auch mal was über die Torschützen der Jubiläumstore des MSV Duisburg schreiben kann. Daniel Brosinskis Verweis auf das Big-Mac-Menü als fälliges Mannschaftsessen ist schon mal im Archiv abgelegt. Wer sich den Brosinski-Humor ansehen möchte, nebst Pressekonferenz und weiterem O-Ton von Ranisav Jovanović, bitte schön:

Jagdszenen in Frankfurt? FSV verstößt mit Stolz gegen Straßenverkehrsordnung

Vorsicht! So möchte man Fußgängern im Frankfurter Raum zurufen. Der FSV Frankfurt hat es auf euch abgesehen. Noch ist es nur im halböffentlichen Raum von Facebook zu lesen. Auf der vereinseigenen Seite im Netz gibt es nur die üblichen Meldungen, Nach- oder Vorberichte zu Spielen wie eben dem am kommenden Samstag gegen den MSV Duisburg. Doch bei Facebook lautet die stolze Botschaft im Titelbild der Seite: „Zebrastreifen halten uns nicht auf!“.

Das Verhalten von Verkehrsteilnehmern an denen im Volksmund Zebrastreifen genannten Fußgängerüberwegen regelt § 26 der Straßenverkehrsordnung. Weil wahrscheinlich nicht jeder noch sein Wissen aus der Führerscheinprüfung parat hat, will ich den ersten Absatz  dieses Paragrafen zitieren: „An Fußgängerüberwegen haben Fahrzeuge mit Ausnahme von Schienenfahrzeugen den Fußgängern sowie Fahrern von Krankenfahrstühlen oder Rollstühlen, welche den Überweg erkennbar benutzen wollen, das Überqueren der Fahrbahn zu ermöglichen. Dann dürfen sie nur mit mäßiger Geschwindigkeit heranfahren; wenn nötig, müssen sie warten.“ Das ist unmissverständlich, lieber FSV Frankfurt. Wer gegen diese Vorschrift verstößt, begeht zumindest eine Ordnungswidrigkeit. Kommen bei dem Vergehen sogar Menschen zu Schaden, hat das strafrechtliche Folgen.

Wenn es für den FSV Frankfurt am Samstag nicht gegen den MSV Duisburg ginge, interessierte mich ja gar nicht, wie die sich in Frankfurt im Straßenverkehr benehmen. Aber wir hoffen doch auf einen Gegner, der möglichst vollzählig antreten wird und dessen Spieler nicht durch irgendwelche Rechtsstreitigkeiten von ihrer eigentlichen Aufgabe abgelenkt sind. Nicht dass man uns hinterher nachsagt, wir hätten das Spiel nur gewonnen, weil meinetwegen Yannick Stark gerade mal wieder seinen Führerschein abgeben musste. Auch Kosta Runjaic würde ihn nämlich gerne wiedersehen. Yannick Starks Karriereverlauf ist doch sehr typisch für den gegenwärtigen Fußball. Er war ja mal Spieler des MSV Duisburg. Zumindest die  Büroräume des Vereins kennt er von der Vertragsunterzeichnung her. Er war gewissermaßen ein Spekulationsobjekt des MSV, das seinen großen Ertrag erst nach dem Weiterverkauf erzielte. Er wurde ja nach der Verpflichtung sofort wieder ausgeliehen, damit er sich mit Spielpraxis in einer unteren Liga weiter entwickeln konnte. Kurioserweise war der ausleihende Verein Darmstadt 98, und so entwickelte er sich unter Kosta Runjaic weiter, der seine Entwicklung weiter im Auge behält. So ist es der Frankfurter Rundschau zu entnehmen, dass Gratulationen zu Toren per SMS verschickt werden. Mich erfreut so eine SMS aus leicht einsehbaren, wenn auch etwas selbstsüchtigen Gründen. Gute Kontakte zu ehemaligen guten Spielern des Trainers können die Möglichkeiten von Ivica Grlic vergrößern.

Was den MSV am Samstag angeht, so hoffe ich – nach Info durch WAZ/NRZ  – auf Jürgen Gjasula in der Startelf. Ich frage mich übrigens inzwischen, ob ich bei der Schreibweise seines Vornamens der Gewohnheit in Medien und Öffentlichkeit folgen soll, die den Umlaut vorzieht? Oder ob der MSV und auch er selbst nicht die maßgeblicheren Instanzen sind? Jurgen heißt der Mann. Sind zwei Punkte entscheidend für die Fragen der Identität? Drei Punkte auf jeden Fall, so es um den MSV Duisburg geht.  Denn der Fußball der Gegenwart behält bis zum Ende der Spielzeit für jeden Verein auch in der mittleren Tabellenregion ein Ziel bereit. Dabei geht es auch um die Frage, wie sieht die Mannschaft der nächsten Saison aus? Bessere Tabellenplätze bedeuten ja einen höheren Anteil am ausgezahlten TV-Geld. Ich weiß deshalb im Moment nicht, ob ich als Romantiker der Fußballs froh bin, dass dieses für die Spieler eher abstrakte Ziel nicht ganz so viel Wirkkraft hat wie der Kampf gegen den Abstieg oder um Platz 3, also etwas sehr Konkretes. Der Jubel um ein Mehr an 500.000 Euro wird sich in Grenzen halten, auch wenn die Zukunft des Vereins auf diese Weise noch einmal etwas besser aussähe. Da sind sie wieder die Widersprüche dieses Fußballs der Gegenwart, in denen auch wir als Anhänger uns bewegen.

Die einen planen für sechs Spiele, die anderen für die nächste Saison

Im September letzten Jahres holte der MSV Duisburg im zweiten Spiel unter Kosta Runjaic gegen den VfL Bochum  mit einem torlosen Unentschieden seinen ersten Punkt der Saison. Der MSV blieb dennoch erst einmal Letzter, und der VfL Bochum stand auf dem zehnten Tabellenplatz. Am Sonntag besiegte der MSV Duisburg den SV Sandhausen nach einem wenig ansehlichen Spiel mit 2:1. Der einstellige Tabellenplatz zum Saisonende ist als Ziel ausgerufen. Den Abstieg des VfL Bochum dagegen soll seit Montag nach dem zweiten Trainerwechsel der Saison Peter Neururer verhindern.

Für mich klingt das nach dem Anreiß-Text zu einem Drama, in dem der MSV die langweilige Nebenrolle des alten Kumpels mit intakter Familie spielt. Ich bin ein großer Anhänger von langweiligen Nebenrollen. An ihnen lässt sich oft fürs Leben etwas lernen. Dort verstecken sich die Hinweise darauf, was im wirklichen Leben funktioniert und was nicht. Denn auch wenn ein Happy End in diesem Drama noch möglich ist, wie das Leben danach weitergeht, ist im Drama nicht unbedingt angelegt. Da wissen wir Anhänger des Langweilers längst mehr. Allmählich beginnt sogar Kosta Runjaic an die mittelfristige Zukunft zu denken und nicht nur an das nächste Spiel. Es bereitet mir große Freude, seine zarten Visionen während der Pressekonferenz nach dem 2:1-Sieg gegen den SV Sandhausen zu hören, ganz im typischen Runjaic-Ton der Bodenhaftung. Wenn er von der Zukunft spricht, sind das keine schönen Bilder und populäre Parolen, sondern Kosta Runjaic formuliert Aufgaben.

Vorerst bestanden diese Aufgaben darin, das nächste Spiel zu gewinnen. Gegen den SV Sandhausen wurde diese Aufgabe erledigt. Mehr nicht. Vielleicht braucht ein Gegner, der so defensiv eingestellt ist, doch von Anfang an einen Spieler wie Jürgen Gjasula auf dem Platz, der auf engstem Raum noch die Sicherheit und das Selbstbewusstheit hat, den Ball kontrollieren zu wollen. Zudem erlauben ihm seine Technik und Übersicht die überraschenden und beim Mitspieler ankommenden Pässe in den Rücken der Defensive. Nachdem er in der 54. Minute eingewechselt wurde,  begann die Mannschaft aus dem Spiel heraus torgefährlicher zu werden. Es brauchte also gegen Sandhausen nicht unbedingt Standards wie in der ersten Halbzeit für die Chance auf ein Tor. Maurice Exslager konnte gegen die enge  Defensive der Sandhausener seine Grundschnelligkeit nicht ausnutzen. Wenn er einmal an seinem Gegenspieler vorbeikam, stand der nächste Sandhausener Spieler schon im Weg.

So charakterisierte das Spiel zunächst vor allem die Kopfballstaffette um die Mittellinie herum, bei der sich beide Mannschaften darauf einigten gemeinsam den Ball so lange wie möglich den Boden nicht berühren zu lassen. In dieser Zeit machte ich mir dennoch keine Sorgen um den MSV. Dazu waren die Sandhausener an diesem Tag in der Offensive zu offensichtlich völlig überfordert. Nach vorne gelang ihnen gar nichts, hingegen der MSV zumindest immer wieder in Strafraumnähe kam. So blieb mir die Muße, mich mit dem Sandhausener David Ulm, in Aussehen und Spielweise ein wenig an Olcay Sahan zu erinnern. Ich konnte mich zudem mit dem Rest des Publikums über den offensichtlich etwas übermotivierten Nicky Adler wundern und manchmal auch aufregen. Man konnte den Eindruck gewinnen, so richtig abgeschlossen hat er mit dem MSV Duisburg noch nicht. Felix Wiedwald am Anfang des Spiels als eine Art Teppichstange zu nutzen, um mit Schwung in die Gegenrichtung wieder zurück laufen zu können. Da muss einer erstmal drauf kommen.

Das Führungstor fiel nach einer Eckenvariante, die einen Tag später dem Print-Kollegen vom Reviersport eine eigene Geschichte wert war. Co-Trainer Ilia Gruev ließ die Zebras eine Eckstoß-Ausführung des FC Barcelona trainieren. Und natürlich hat die Geschichte eine besondere Pointe, weil Timo Perthel im Gegensatz zu Lionel Messi das Tor bei der Ausführung gelang. Der schnelle Ausgleichstreffer fiel auch deshalb, weil im Spiel der Zebras von Anfang an eine leichte Nachlässigkeit zu spüren war. Vielleicht ergab sich das aus dem Gefühl der Stärke heraus. Es war deutlich zu sehen, wie selbstbewusst die Mannschaft auf dem Platz stand. Was ihr von Seiten der Sandhausener begegnete, konnte sie in diesem Gefühl nur bekräftigen. Dennoch war der MSV nicht so überlegen, um die Sandhausener Mannschaft an die Wand zu spielen. Da können dann Momente der Unachtsamkeit unangenehme Folgen haben. Unachtsam war aber nicht Timo Perthel, der den Kopfball seines Gegenspielers nicht verhindern konnte. Unachtsam war der Befreiungsschlag beim Angriff zuvor, der sofort wieder beim Gegner im zentrallen Mittelfeld landete. Wer da den Ball unbedrängt einfach wegschlug, weiß ich nicht mehr. Damit bahnte sich der Ausgleichstreffer aber an, weil nur deshalb der Ball sofort wieder in den Strafraum geflankt werden konnte.

Branimir Bajic ist inzwischen als Elfmeterschütze gesetzt. Er verwandelte in der zweiten Halbzeit zum erneuten Führungstreffer. Mit einem Steilpass hatte Jürgen Gjasula zuvor Ranisav Jovanović frei gespielt, der alleine von halblinks in den Strafraum zog und dort vom Sandhausener Torwart Danniel Ischdonat von den Beinen geholt wurde. Es wäre schön gewesen, der MSV hätte ein weiteres Tor nachgelegt. Doch das schlechte Torverhältnis ist nicht nur noch die Folge der hohen Niederlagen zu Beginn der Saison. Da bleibt noch weitere Trainingsarbeit beim Torschuss, damit die Zebras nicht im Zusammenschnitt der größten vergebenen Torchancen der Saison immer mit dabei sind. Andererseits besaß die dreistufige Chance in der Abfolge Jovanovic, Brosinski und Brandy mit der jeweils größer werdenden Wahrscheinlichkeit des Tores auch eine wunderbare Dramaturgie. Auf so etwas müssten wir dann verzichten. Aber was tut man nicht alles für den Erfolg.

Die Pressekonferenz mit dem Ausblick auf die Zukunft durch Kosta Runjaic, sowie die Stimmen nach dem Spiel von Goran Sukalo und Ranisav Jovanović:

Der Spielbericht bei Sky heute mal rüber geholt – leider ohne die Dreifach-Chance mit dem Moment, als Sören Brandy nur hätte einschieben müssen.

Die Leidenschafts-Hochrüstungsspirale

Eigentlich hätten Spieler und Verantwortliche vom MSV Duisburg gestern zu Hause bleiben können. Es ist ja tatsächlich eine längere Busfahrt nach Ingolstadt, und wenn schon vorher klar ist, wie das Spiel heute ausgehen wird, warum dann nicht alles einfacher haben und zusätzlich auch noch Geld sparen. Das käme dann in den Pott für die Neuverpflichtungen, und alles wäre schön. Der FC Ingolstadt müsste natürlich mitmachen. Aber wenn schon beide Trainer das Spiel mit denselben Mitteln angehen wollen, wären sich die Vereine vielleicht schnell einig, dass ein Unentschieden das leicht vorhersehbare Ergebnis sein wird.

Kosta Runjaic setzt laut WAZ/NRZ auf „Vorsprung durch Leidenschaft“ und zeigt sich damit über den Markenclaim des Hauptsponsors gut informiert. Allerdings möchte Tomas Oral laut Donaukurier, dass seine Spieler „Leidenschaft auf den Platz bringen“. Da sollen die Spieler also mit denselben Mitteln erfolgreich sein. Schon sehe ich alle Spieler, wie sie mit dem ersten Betreten des Rasens beim Warmmachen den Rüstungswettlauf in Sachen Leidenschaft beginnen. Da gehen dann herausfordernde Blicke auf die jeweils andere Seite, während unauffällig im Hintergrund auf beiden Seiten das Leidenschaftslevel unentwegt abgeglichen wird. Jeder Ausfallschritt beim Dehnen kann dann die Androhung einer Grätsche sein. In jedem freundlichen Winken zu einem Zuschauer verbirgt sich der zum Stoß im Getümmel erhobene Arm. Und jeder nicht deutlich hörbare Satz des Gegners wird zur einpeitschenden Beschwörungsformel des Sieges. Überall lauert auf der anderen Seite ein Mehr an Leidenschaft, das die Intensivierung der eigenen Leidenschaft unbedingt nötig macht.

So haben sich das beide Trainer wahrscheinlich nicht gedacht. Die lachenden Dritten werden zukünftige Gegner sein, wenn sich in diesem einen Spiel sowohl der MSV Duisburg als auch der FC Ingolstadt für ihre Leidenschafts-Bereitschaft völlig verausgaben. Deshalb wäre das vorab vereinbarte Unentschieden ein die Zukunft unseres MSV sicherndes Leidenschafts-Friedensabkommen. Es sei denn, wir haben da noch was in der Hinterhand. Jürgen Gjasula etwa als eine Art Freiheitsversprechen in der Spielanlage. So ähnlich wurde ja schon mal ein vermeintliches Gleichgewicht der Kräfte  ausgehebelt. Das Wohlstandsversprechen lassen wir beim MSV Duisburg mal außer Acht.

Was Fans angeht, haben die auch Leidenschaft, schwarzrot in dem Fall und wir sehen, junge Frauen als Identifikationsfiguren geben dem Fußball sofort ein freundliches Image. Von Fans für Fans, so heißt es.

Die Klatschkolumnen der Sportpresse

Mit der einstigen Fan-Freundschaft zwischen Duisburgern und Frankfurtern wird die lang erwartete Nachricht aus dem Eintracht-Haus nichts zu tun gehabt haben. Armin Veh verlängerte seinen Vertrag bei Eintracht Frankfurt. Sämtliche Sätze über Kosta Runjaic und seine wie-auch-immer-Beziehung zu Bruno Hübner mit Ablösesummen fordernden Folgen für den MSV Duisburg  wurden zu jener heißen Luft, die einem von Anfang an um die Ohren wehte, als in der  Frankfurter Rundschau in einem abschließenden Absatz zum Veh-Vertragspoker mal kurz überlegt wurde, wer denn so als Nachfolger in Frage käme.

Aus dieser Überlegung wurde dann fast schon die Verpflichtung. Was für ein Wahnsinn! Der Zug fährt los und jeder will mit, obwohl keiner weiß, wohin er überhaupt fährt. Hauptsache Bewegung.  Kosta Runjaic muss also irgendwas dementieren, während eigentlich ganz andere Dinge seine Zeit erfordern, wie noch ein Tag zuvor breit berichtet wird. Die neue Saison will vorbereitet werden. Als ich von diesen durchdachten Vorbereitungen las, war ich begeistert. Was mich mich hingegen nicht interessiert, sind  Spekulationen. Unterschriften unter Verträge zählen, alles andere nervt. Solche Pseudo-Meldungen wie die zu Runjaic und Frankfurt kommen mir inzwischen vor wie die Sport-Entsprechung zum Yellow-Press-Celebrity-Klatsch. Wer wurde neulich mit wem gerade hinter dem Rücken seines Partners beim Knutschen gesichtet oder kam es etwa schon zum Äußersten? Von den einen lässt sich dann später die gerettete Ehe erzählen. Die anderen sind mehr der Typ one-night-stand mit der Endlosgeschichte von der heißen neuen nächsten Liebe. Da wird das Melodrama gegeben – mit den Standardzutaten großes Gefühl und  Geld. Aus einer etwas anderen Perspektive stellte Fokus Fußball den Informationsgehalt von Sportnachrichten in Frage. Es gibt keine verlässlichen Informationen mehr.  Da bleibt als Konsequenz doch nur, konzentrieren wir uns auf den Sport.

Doch selbstverständlich gibt es auch Graubereiche des Interesses, wenn es um die Zusammenstellung des Spielerkaders in der neuen Saison geht. Da gibt es ja Fakten durch bestehende Verträge. Allerdings muss auch  im Fall Julian Koch erst einmal die marktschreierische Beklemmung beiseite geschoben werden. Wenn ein Spieler einen Leihvertrag für ein Jahr besitzt, kann es schon mal sein, dass er in der nächsten Saison bei einem anderen Verein spielt. Auch wenn Zeitungsseiten gefüllt werden müssen, es gibt keine Geschichte zu erzählen über Julian Koch. Es geschieht das, was erwartet werden konnte. Die Geschichte wäre zu erzählen, wenn Julian Koch auch in der nächsten Saison für einen MSV Duisburg spielt, dessen Liga-Budget im unteren Drittel der Zweiten Liga angesiedelt ist. Dagegegen ist Dustin Bomheuer tatsächlich eine kleine Geschichte wert. Aber auch in dem Fall fehlt mir jeglicher Sinn für Spekulationen. Es gibt alleine die Geschichte vom schnellen Aufstieg, und ob da jetzt tatsächlich Bundesligavereine Interesse an der Verpflichtung haben, gehört bereits zur Vertragsverhandlung. Der Rahmen der Zukunft ist in meinen Augen klar gesteckt. Ein vernünftiger Spielerberater würde ihm einen Vertrag mit dem MSV Duisburg aushandeln, der einen Ausstieg mit festgelegter Ablösesumme beinhaltet. Er würde Kosta Runjaics Worte vom zu früh kommenden Wechsel in Liga 1  ernst nehmen. Bleiben Dustin Bomheuers Leistungen stabil, könnte er in der nächsten Saison den André Hoffmann geben. Und dann ist da noch Jürgen Gjasula, für den der MSV Duisburg auch mal eine recht attraktive Braut abgibt. Über seine Zukunft wird noch gar nicht spekuliert. Man sieht, Geschichten sind auch ohne große Gerüchte zu erzählen.

Und nun zu etwas ganz anderem: Etwas unverbunden und leicht verspätet komme ich nochmals auf den Geburtstag von Bernard Dietz zu sprechen. Maurice Exslager wurde von den Medienleuten des MSV ein Mikro in die Hand gedrückt, um mit Bernard Dietz ein Gespräch zu führen. So entspannt wie Ennatz wirkt er zwar nicht, aber wer auch immer den Clip noch nicht gesehen hat, sollte ihn sich ansehen. Selten habe ich Ennatz bei einem öffentlichen Auftritt vor einer Kamera derart unbeschwert gesehen. Da ist eine halbprivate Atmosphäre entstanden. Sehr, sehr schön!

Ein Schiedsrichter als Spielgestalter

Es war ein anstrengendes Spiel zwischen dem MSV Duisburg und dem 1. FC Kaiserslautern. Es war anstrengend für die Mannschaften, die sich im Kampf um den Ball verausgabten. Es war aber auch anstrengend für uns Zuschauer. Ein Grund war der Schiedsrichter mit seinen wirren Versuchen das Spiel zu regeln und der damit zu einem so nicht vorgesehenen Spielgestalter dieser Begegnung wurde.

Normalerweise halte ich mich mit den Schiedsrichtern nicht auf. Einzelne Fehlentscheidungen geschehen und sie gehören zum Spiel. Aber es passiert selten, dass ein Schiedsrichter wie Herr Schriever mit seinen Pfiffen das Spiel so konsequent auf die gesamten 90 Minuten bezogen mitbestimmt.  Der Mann war derart überfordert und verunsichert, dass wir in der Halbzeitpause vorhersagten, ein Kaiserslauterner Spieler werde ebenfalls noch vom Platz gehen. Ich hatte den Eindruck, die zwei falschen Entscheidungen kurz nacheinander gegen den MSV Duisburg im ersten Spieldrittel haben ihn völlig aus der Bahn geworfen. Zunächst zog er die gelbe Karte gegen Ranisav Jovanović wegen einer vermeintlichen Schwalbe, entscheidend war aber vermutlich der nicht gegebene Elfmeter nach dem Foul an Sören Brandy. Auf mich machte er den Eindruck, als sei er sich seines Fehlers bewusst und versuchte danach verzweifelt mit möglichst einfachen Pfiffen bei möglichst jedem Körperkontakt, das Spiel nicht vollends aus der Hand zu geben. Dummerweise kam ihm Goran Sukalo durch seine unbedachte Rangelei mit Alexander Baumjohann in die Quere. Da musste er erneut eine schwierige Entscheidung treffen, und schon lag er wieder, dieses Mal nur knapp, daneben. Gelb für beide Spieler wäre richtig gewesen. Was nebenbei gesagt, für Sukalo gelb-rot bedeutet hätte. Es gibt also von meiner Seite keine Absolution für Goran Sukalo.

Vergessen wir den Schiedsrichter, wenden wir uns der Mannschaft zu und das war der zweite Grund für die Anstrengung auch auf den Rängen. Wieder gab es gegen eine Mannschaft aus dem oberen Tabellenviertel die Aussicht auf den Sieg. Diese Kaiserslauterner waren nicht gut genug, die kompakte Defensive des MSV Duisburg zu überwinden. Sie hatten einen anderen Plan als der TSV 1860 München mit seinem schnellen Kombinationsspiel in der letzten Woche. Sie wollten mit schnellen Bällen über die Flügel agieren und suchten natürlich immer wieder mit langen Bällen auch Mo Idrissiou. Doch dieser Plan scheiterte.

Das wollte auf der Pressekonferenz nach dem Spiel der Kaiserslauterner Trainer Franco Foda nicht wahrhaben. Für mich sieht er das Spiel der Kaiserslauterner zu rosig. In der ersten Halbzeit hätte seine Mannschaft das Spiel bestimmt. Wenn man den Ballbesitz als einzigen Maßstab nimmt, mag das stimmen. Dabei vergisst er allerdings, seiner Mannschaft fehlten die außerdem noch notwendigen spielerischen Mittel, um mit dem Ball in den eigenen Reihen etwas zu machen, was das Tor des MSV Duisburg wirklich bedroht hätte. Das Spiel über die Flügel blieb harmlos und die einzige große Chance der Kaiserslauterner ergab sich alleine aus einem altbekannten Fehler des MSV Duisburg. Einige Spieler waren noch damit beschäftigt, vom heftigen Protestieren gegen einen Schiedsrichterentscheidung umzuschalten auf notwendiges Verteidigen, während die Kaiserslauterner den Ball schon nach vorne trieben.

Das wird hoffentlich Kosta Runjaic auch immer wieder sehen, damit er im nächsten Sommer viel Arbeit drauf verwendet, seinen Spielern klar zu machen, dass nur nach Schiedsrichterpfiffen das Spiel unterbrochen ist und sie sonst permanent präsent sein sollten.

Dem MSV Duisburg wurde nicht nur ein Elfmeter versagt.  Die Mannschaft hatte danach sogar noch eine große Torchance nach einem Eckball. Wann kamen in der letzten Zeit schon einmal drei Mann gleichzeitig frei zum Kopfball? Und den nach dem Strafraumgestocher abgewehrten Ball nahm auf Höhe der Strafraumgrenze Maurice Exslager auf, der leider nicht die exquisite Schusstechnik besitzt, um diesen für einen kurzen Moment freien Ball im rechten Torwinkel zu versenken. Sein Schuss ging deutlich über das Tor.

Nach der roten Karte für Goran Sukalo blieb die Defensive bis zur Halbzeitpause stabil, und wir richteten uns auf die Abwehrschlacht in der zweiten Halbzeit ein, mit der Hoffnung auf besagte rote Karte für die Kaiserslauterner. So kam es dann auch, und kurioserweise schien es so, als hätten beide Mannschaften in der letzten Viertelstunde des Spiel nicht mehr so recht gewusst, wie risikoreich sie nun noch spielen sollten. Kosta Runjaic hatte in der 63. Minute die Defensive mit der Hereinnahme von Tanju Öztürk für verstärkt, in der 64. Minute  wechselte Franco Foda  zwei neue Offensivspieler ein und in der 65. Minute ging Mo Idrissou mit gelb-rot vom Feld. Die durch die Auswechslungen angedeutete Taktiken waren durch das wiederhergestellte Kräfteverhältnis in Frage gestellt. Beide Mannschaften agierten nun immer vorsichtiger und dachten weniger an den Sieg als die drohende Niederlage.

Der Schlusspfiff brachte dann einerseits für mich die Erleichterung, den beim MSV Duisburg immer auch aus heiterem Himmel möglichen Gegentreffer nicht gesehen zu haben. Andererseits machte sich aber auch ein wenig Enttäuschung bemerkbar, die Chancen nicht genutzt zu haben, den Elfmeter nicht zugesprochen bekommen zu haben und auch nicht das dusel-glückliche Siegtor in der Nachspielzeit geschafft zu haben. Wie gesagt, ein in jeder Hinsicht anstrengendes Spiel.

Die Pressekonferenz und nach dem Spiel die O-Töne von Felix Wiedwald, Maurice Exslager, Goran Sukalo und Julian Koch.

Der Spielbericht bei Sky mit einem Klick weiter.

Der Elfmeter – Ein Tutorial aus gegebenem Anlass

Extratraining heißt ein youtube-Kanal, auf dem  ein Fußballer namens Stojo kurze Clips mit Fußball-Tutorials veröffentlicht. Stojo ist anscheinend im Stuttgarter Raum aufgewachsen, besitzt die kroatische Staatsangehörigkeit und ein großes fußballpädagogisches Herz. In seinem  Lehrfilmarchiv hat er mit der Zeit Clips über sämtliche Basics des Fußballs gesammelt, und weil Stojo seine pädagogische Mission voller Enthusiasmus verfolgt und er trotz ein paar fremdsprachlicher Klippen auf Englisch für den internationalen Markt produziert, erhalten seine Fortbildungen eine unterhaltsame Note. So mag es Daniel Brosinski verzeihen, wenn ich seinen verschossenen Elfmeter zum Anlass nehme, auf Stojos Unterrichtsmaterial hinzuweisen. Kosta Runjaic wird es vielleicht mit Wohlwollen sehen. Mit Humor lassen sich gerade „dämliche“ Niederlagen besser ertragen.

Zunächst zeigt Stojo Daniel Brosinski, wie man hart schießt. Einige seiner Mannschaftskollegen dürfen sich ruhig ebenfalls vor den Bildschirm setzen.

Im zweiten Schritt kommt Stojo nun zum speziellen Schuss beim Elfmeter. Es überrascht nicht, wie nachdrücklich und ausdrucksstark er über die mentale Vorbereitung spricht.

Nun also wieder Fußball oder besser: Peter Pacult

Morgen nimmt die Zweite Liga ihren Spielbetrieb wieder auf. Noch bleibt der heutige Tag, um den Kader mit einem neuen Stürmer zu vergrößern. Kosta Runjaic gibt die Hoffnung zwar noch nicht auf, doch die Chance auf eine Neuverpflichtung scheint mir wohl eher gering. Aber warten wir ab. Für mich ist es dennoch ein gutes Zeichen, dass trotz des Risikos einer dünnen Personaldecke nicht einfach jemand aus Aktionismus nach Duisburg geholt wird. Ich bin sicher, bleiben alle gesund, ist die Mannschaft stark genug, die Distanz zu den Abstiegsrängen weiter zu wahren. Fürchten müssen wir tatsächlich Verletzungen, egal von welchem Spieler.

Ein Unentschieden morgen in Dresden wäre für den Auftakt nicht schlecht.  Andererseits mache ich mir einige Sorgen, die Dresdner Mannschaft könnte aus Angst vor Peter Pacult zu übermenschlichen Kräften finden. Zumindest wenn man in der WAZ so liest, wie er nach seiner Verpflichtung mit der aus Funk und Fernsehen bekannten vollen Unterstützung der „Vereinsspitze“ den Spielern erstmal gezeigt hat, was richtiges Training bedeutet. Vielleicht geht die neue Stimmung in Dresden aber ja nach hinten los. Wir wissen doch, zu viel Druck ist manchmal sehr hinderlich.

Die weiteren Spiele sollen die Dresdner ruhig Erfolg haben. Dann bleibt der Liga ein Trainer mit besonderem Unterhaltungswert erhalten. Er gehört in der Typenkomödie Fußball zur nur selten besetzten Sparte der „Grollenden Grantler“. Übrigens braucht er nicht zu fürchten, dass seine Fähigkeiten einmal nicht mehr gefragt sind. Der „Grollende Grantler“ dient immer wieder dem Nostalgiebedürfnis des Publikums. Ohne ihn geht es nicht im Unterhaltungsbetrieb, einfach um die Erinnerung wach zu halten, wo der Fußball mal herkam.

Bühne frei für Peter Pacult. In den Nebenrollen Journalisten aus verschiedenen Medien. In Dresden können die Organe der lokalen Berichterstattung, allen voran  der Mitteldeutsche Rundfunk, diese Clips gerne zu Weiterbildungszwecken nutzen.

Ein Horrorroman wird zur heiteren Vorweihnachtsgeschichte

So ist das im Horrorroman: Wir erleben unseren Helden MSV Duisburg in einer idyllisch anmutenden Schauinsland-Reisen-Arena mit all seiner Hoffnung auf einen gut verlaufenden Tag.  Wir alle in dieser Idylle wissen, welch schwierige Zeit hinter unserem Helden lag. Doch in den letzten Wochen hatte das Böse keine Macht mehr über sein Leben. Wenn dieses Böse wieder einem Spieler in den Oberschenkel fuhr und er von Schmerz gebeugt danach nur noch am Spielfeldrand zusehen konnte, trat ein anderer Spieler an seine Stelle und erfüllte die Aufgaben mit ähnlicher Qualität. Verbündete sich das Böse mit den Naturgewalten und machte aus Rasen eine glatte Schneebahn, so verwandelten sich Stollen je nach Bedürfnis in Spikes oder Kufen. Das Gute war ins Leben des MSV Duisburg zurückgekehrt.

Das Gute schien stark genug auch im Heimspiel des MSV Duisburg gegen den SSV Jahn Regensburg. Nie habe ich einen schwächeren Gegner in einem Zweitligaspiel beim MSV Duisburg gesehen, so dachte ich schon früh, wenn ich etwa sah, wie überfordert die Regensburger waren, sobald sie den Ball in den eigenen Reihen hatten. Mit stocherndem Stückwerk irgendwie  in die Nähe des Strafraums vom MSV zu kommen, um dort die Chance auf einen ruhenden Ball zu erhalten. Das schien die Taktik gewesen zu sein: Nicht auf das Tor von Roland Müller zu spielen, sondern auf die Ecke oder den Einwurf im gegnerischen Feld.  Kaum einmal kam es im eins gegen eins zum Zweikampf, damit die Regensburger wenigstens den Freistoß provozieren konnten. So bestätigten sich meine Erwartungen, das Heimspiel werde schwerer zu bestreiten sein als die beiden Auswärtsspiele der letzten Wochen. Wir kennen schließlich die Schwierigkeiten der Zebras, torgefährlich zu werden gegen tief stehende Mannschaften, die auf nichts anderes  warten als auf den Fehler des Gegners. Wenn aber zudem etwa gegnerische Flügelspieler nicht einmal im Ansatz den Anschein machen, als besäßen sie das Selbstvertrauen beide Außenverteidiger vom MSV überspielen zu können, kann schon mal die Hoffnung auf das Gute wachsen, selbst wenn das ein zähes Belauern vom Tor der Regensburger bedeuten sollte.

Bis in der 11. Minute sich das Böse daran erinnerte, was es in einem Horrorroman nun einmal zu tun hat. Es muss die heile Welt kurz und klein schlagen. Eine Ecke der Regensburger, perfekt aufs kurze Ecke geschlagen, der Ball verlängert und vom nächsten Regensburger Spieler zur Führung eingenickt. Der Himmel verfinsterte sich noch nicht ganz, aber ich wusste, mein unheimliches Gefühl vor der Ecke hatte seine Berechtigung.

Der MSV Duisburg aber wollte dem Horror entkommen. Die Mannschaft bemühte sich. Doch zwingende Chancen erspielte sie sich erstmal keine. Ging der Ball zweimal einigermaßen gefährlich am Tor vorbei? Ich weiß es nicht mehr genau. Und dann war da noch der harte Schuss von Zvonko Pamic über das Tor. Das war´s. Und ich begann zu zweifeln, ob die Regensburger Defensive genügend Fehler machen würden, damit unserem Helden MSV Duisburg wenigstens das Glück gegen das Böse zur Seiten stehen würde. Denn diese Fehler passierten. Die Regensburger Defensive schenkte Bälle her, schlug Kerzen im Strafraum  und klärte Spielsituationen immer und immer wieder direkt in die Füße eines MSV-Spielers. Doch mit diesen zweiten Bällen konnten die Zebras  nichts anfangen.

Und dann war da noch das Böse, das sich dieses Mal des Schiedsrichtergespanns ermächtigte. Endlich auch mal ein Freistoß für Regensburg, nicht einmal in besonders aussichtsreicher Position. Der Ball wird auf den langen Pfosten geschlagen, wo der Regensburger Spieler unbedrängt zum Kopfball kommen kann. Ein wenig hatte es das Böse also auch auf die MSV-Defensive abgesehen. Danach aber standen drei Regensburger Spieler im Abseits. Das Böse unterband die notwendige Schiedsrichteraktion und schon führte Regensburg mit zwei Toren Vorsprung. Wie sollte diese Mannschaft des MSV Duisburg solch einen Rückstand je aufholen? Der Horrorroman nahm Form an. Wir befanden uns im Mittelteil, und nur die Schwäche von Regensburg gab mir die Hoffnung, im zweiten Teil könnte sich das Ganze vielleicht noch in eine Geschichte des Ausgleichs verwandeln.

Doch weit gefehlt, ich hatte das Gute unterschätzt. Was in der zweiten Halbzeit passierte machte die Geschichte unseres Helden zu einem selten gelingenden Genre-Mix. Dazu brauchte es Mut, sehr viel Energie und einen unbändigen Siegeswillen. Srjdan Baljak wurde eingewechselt und er bereicherte dieses Mal zweifellos das Angriffsspiel des MSV Duisburg. Die Regensburger wurden bei Ballbesitz stärker unter Druck gesetzt, noch hilfloser wirkten ihre Aktionen, kaum mehr Zeit blieb ihnen, den Ball auch nur annähernd kontrolliert weiter zu spielen. Umso präziser und schneller wurde das Offensivspiel des MSV Duisburg. Nun brachte die Mannschaft den Ball in den Strafraum. Nun gab es bei nahezu jeder Balleroberung die schnelle Anschlusshandlung mit einem Zuspiel Richtung gegnerisches Tor. Diese Mannschaft wollte das Spiel noch drehen, und uns Zuschauern die heitere Vorweihnachtsgeschichte gönnen. Das Tor von Goran Sukalo wurde wunderbar herausgespielt. Beim Tor von Ranisav Jovanović wurde ein zunächst abgewehrter Ball endlich klug verwertet. Auch an diesem Tor hatte Goran Sukalo durch eine schöne Ballannahme seinen Anteil. Und dem Kopfballtor von Sören Brandy ging wiederum eine schnelle und schöne Kombination über den linken Flügel voran. Das vierte Tor hätte für die Genreklarheit etwas früher fallen können. Wer weiß, ob nicht so was wie das Schicksal doch nicht Geschmack daran finden kann, einen Horrorroman von vorne bis hinten zu gestalten. Doch Daniel Brosinski erlief sich einen leichtsinnigen Querpass und besaß Energie und Nervenstärke, alleine auf den Torwart zuzulaufen, ihn auszuspielen und den Ball einzuschießen.  Die heitere Vorweihnachtsgeschichte fand für uns Duisburger Zuschauer ein glückselig machendes Happy-End. Was für ein Feiern, was für ein Jubeln. Deshalb liebe Zebra-Fans machen wir die Vorweihnachtsgeschichte ganz rund und nutzen schon mal den passenden Gesang als Übung für die nächste Woche:

Wer nach dem Jauchzen und Frohlocken sich noch erinnern möchte, findet  den Spielbericht von Sky dieses Mal sogar hier eingebunden:


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