Posts Tagged 'Krankheit'

Fokussiert sein

Je beschwerlicher das Leben, desto klarer gilt die Konzentration den wesentlichen Dingen. Fußballländerspiel gegen England: Weg damit. Ich habe geschlafen. Nachträglich auch noch über die Stimmung im Olympiastadion reden: Du meine Güte, dafür keine Energie. Länderspiel gegen Italien? Egal. Max Kruse und DFB-Doppelmoral, nächste Woche kommt die neue Sau für die Ethik-Diskussion. Viktoria Köln besiegt RWE, Fußballberichterstattung überhaupt. Null Aufmerksamkeit.

An den Freitag denke ich. Das ist das einzige, was zählt. Ich denke an eine Mannschaft mit gestreiften Trikots. Ich denke an den MSV, sehe all die Spielergesichter, ohne dass ich an Namen denke. Ich sehe nur diese Mannschaft in den Zebratrikots auf dem Rasen. Nach und nach gesellen sich Spieler vom FC Heidenheim dazu. Die sehen alle gleich aus und versuchen offensiv zu spielen. Ihr seht, mein erstes Bild vom Freitag ist eines der Bedrohung. Doch dieser Angriff trifft auf eine konzentrierte Defensive. Ich sehe Licht. Ich sehe die Gegenbewegung. Ich sehe einen Torwart, der wie der Spieler aussieht, der gerade so kläglich beim Dribbling am linken Flügel scheiterte. Ich sehe einen Torwart, der mit derselben enttäuschten Miene den Ball aus dem Netz holt. Einmal, zum zweiten Mal. Zum dritten Mal. Freitag, so heißt der Tag, der wichtig ist in dieser Woche. Der einzig wichtige Tag ist der Freitag.

Schrieb ich schon, dass ich noch immer wieder Fieber habe? Ich meine ja nur, einfach zur Einordung zu all dem, was mir durch den Kopf geht zurzeit. Meine kleinen Freunde des Immunsystems, diese klitzekleinen Virenfresszellen, die scheinen sich in Paderborn den MSV zum Vorbild genommen zu haben. Bislang meinen die tatsächlich, so ein Unentschieden gegen die Viren könne reichen. Das reicht Freitag nicht, damit ich dabei sein kann. Ich hoffe, die wissen das genauso gut wie die Mannschaft vom MSV. Denn die Spieler wissen das sicher, dass so ein Unentschieden nicht reicht.

Michael Tönnies im Interview bei 11 Freunde

Nicht oft verdichtet sich eine Fußballerkarriere an einem Spieltag so, dass ein einziges Spiel wie ein hochkonzentrierter Extrakt der Fähigkeiten eines Fußballers wirkt. Gibt es dafür ein besseres Beispiel als der Auftritt von Michael Tönnies im Heimspiel des MSV Duisburg gegen den Karlsruher SC am 27. August 1991? Ihm gelangen an dem Tag fünf Tore, drei davon als Hattrick zwischen der 10. und 15. Minute. Das ist immer noch der schnellste Hattrick der Bundesligageschichte.

Michael Tönnies war während der letzten Saison zur Legenden-Vorstellung im Stadion. Er konnte nicht auf das Spielfeld kommen und blieb auf der Tribüne sitzen. Zu anstrengend wäre der Gang runter wegen seiner Lungen-Erkrankung gewesen. Im Interview mit 11 Freunde erzählt Michael Tönnies nun von dieser Erkrankung und wie es ihm im Moment geht. Nachdem ich seine unprätentiösen und wahrhaftigen Worte über Ängste und Hoffnungen gelesen hatte, war es erneut schwierig für mich, Worte zu finden. Wir können ihm nur Kraft wünschen für den weiteren Weg mit seiner Erkrankung. Manchmal wirken selbst Worte aus einer etwas entfernteren Ecke. Die Bilder zu diesem Tag des Tönnies-Extrakts finden sich im Netz als damaliger Spielbericht von RTL.


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