Posts Tagged 'Lizenzentzug'

Der TSV 1860 München als Gegenbild vom MSV

Die Entwicklung beim TSV 1860 München ließ sich über die Jahre gut in der Berichterstattung durch die Süddeutsche Zeitung mitverfolgen. Der Verein war auf Gedeih und Verderb seinem Investor Hasan Ismaik ausgeliefert. Der Grundkonflikt war über die Zeit seines Investements hin immer derselbe. Er wollte die absolute Macht in Verein und Wirtschaftsunternehmen. Wahrscheinlich ist ihm zu Beginn seines Investements überhaupt nicht klar gewesen, dass in Deutschland gerade diese Machtübernahme durch die 50+1-Regelung wirklich verhindert werden soll. Anders kann man sich nicht erklären, wieviel Energie in anwaltliche Arbeit gegangen ist, um auf Entscheidungsprozesse in dem Verein und in der KGaA Einfluss zu nehmen. Vorstände sind zurück getreten, weil nur dieser Rücktritt das Überleben des Vereins ermöglichte. Denn immer ging es beim Geldfluss auch um die Frage, wie kann Ismaik oder seine Bevollmächtigten das operative Geschäft kontrollieren.

In der Süddeutschen Zeitung ist heute zu lesen, wie Hasan Ismaik vor dem Relegationsspiel erneut die absolute Macht einforderte und nur dann bereit war, das für die Zweitligalizenz nötige Geld zu überweisen. Kurios wirkt das Ganze im ersten Moment auf mich, weil seit Jahren beim TSV 1860 München die leitenden Positionen der KGaA nur mit Hilfe und Einverständnis des Investors besetzt sind. Bei näherer Betrachtung ist das sehr interessant, weil diese Angestellten des Wirtschaftsunternehmens schließlich immer auch anderen Interessen als denen des Investores haben folgen müssen. Sie gerieten also in Konflikt mit dem Mann, dem sie ihre Anstellung verdankten. Zwangsläufig wendete sich Ismaik dann jeweils wieder von seinen „Männern“ ab. So kommt es mir jedenfalls vor.

Im selben Artikel erfahre ich, der Verein muss bis Freitag 11 Millionen Euro vorweisen, um die Lizenz für die 3. Liga zu erhalten. Ob Ismaik zahlt, steht in den Sternen. Wie aber soll in dieser kurzen Zeit anderweitig Geld aufgetrieben werden? Diese Frage habe ich sofort vor Augen und da ich diese Frage vor Augen habe, erinnere ich mich endgültig an den MSV im Sommer 2013. Das Geschehen beim TSV 1860 München verdeutlicht noch einmal, welch grandiose Leistung von allen beteiligten Menschen die Rettung des MSV Duisburg gewesen ist.

Es verdeutlicht zum einen, wieviel Arbeit schon vor dem Lizenzentzug zur Verbesserung des Binnenklimas beim MSV Duisburg etwa ab 2012 hatte geschehen müssen. Davon bekam die Öffentlichkeit nichts mit. Nur weil es diese Vorarbeit gab, konnte diese aussichtslos scheinende Situation nach dem Lizenzentzug im Sommer 2013 bewältigt werden. Zum anderen lässt sich im Kontrast zum Geschehen beim TSV 1860 München noch einmal würdigen, welch Kraftakt es war, das benötigte Geld für die Drittligalizenz zusammen zu bekommen und dann in dieser 3. Liga zwei Jahre zu überleben, nur ein Jahr Atempause in Liga 2 zu nehmen und dann erneut mit den finanziellen Bedingungen in Liga 3 den Wiederaufstieg anzustreben. Was für ein Hochseilakt ist das gewesen. Das Gegenbild in München erinnert uns, es war und ist nicht selbstverständlich, dass der MSV Duisburg in der nächsten Saison in der 2. Bundesliga spielt. Ich bin gerade wieder sehr dankbar für die Rettung des MSV im Sommer 2013 und für die Arbeit im Verein in den Jahren danach.

Was mir nun die Gelegenheit bietet, noch einmal darauf hinzuweisen: Wer nachlesen will, wie diese Rettung geschehen ist und wie es zum Aufstieg zwei Jahre später kam, der findet in „Mehr als Fußball“ diese Geschichte über den MSV als Geschichte für Duisburg. Denn Duisburg braucht gute Geschichten über sich selbst, Geschichten zum weitererzählen.

 

 

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In eigener Sache: VHS-Vortrag zum Sommer 2013 in Duisburg und der Rettung des MSV

Zwei Unterrichtseinheiten lang ist diese Veranstaltung, ein Vortrag mit anschließendem Publikumsgespräch – wenn man das liest, reden wir über eine Veranstaltung der VHS Duisburg. Am Montag, den 30. Januar, halte ich in der VHS im Stadtfenster, Steinsche Gasse 26, einen Vortrag über die Rettung des MSV im Sommer 2013. Um 20 Uhr beginnt die Veranstaltung, sie endet um 21.30. Zur Ankündigung im Programm der VHS geht es mit einem Klick. Mir geht es nicht nur um die Fakten selbst, sondern auch um die Frage, wie die komplizierte Rettung des MSV Duisburg nach dem Entzug der Zweitligalizenz als starke Geschichte in dem Buch „Mehr als Fußball“ erzählt werden konnte? Und was solch eine Geschichte für Duisburgs Stadtidentität bedeutet.

Motivationshilfe für das Spiel in Paderborn

Das Auswärtsspiel beim SC Paderborn kommt mir wie ein Pokalspiel vor. Den direkten Gegner im Abstiegskampf zu bezwingen kann bei dem einen zusätzliche Kraft entfalten und den anderen endgültig in den Abgrund stürzen. Auswärtssieg, so heißt die Parole. Als zusätzliche Motivationshilfe möchte ich an den Zusammenhalt des Sommers 2013 erinnern, weil ich gerade für mein Buch über die zwei Drittligajahre mein Interview mit Andreas Kuklinski transkipiert habe. Seine Worte machen jenen Zusammenhalt wieder sehr lebendig. Vor allem aber erinnern sie auch daran, welch ungewöhnlichen Dinge jemand in kurzer Zeit schaffen kann.

Andreas Kuklinski ist jener Anhänger des MSV Duisburg, der den Fanmarsch am 4. Juni 2013 hauptverantwortlich organisierte. Für ihn ist es in der Rückschau eine Aufgabe gewesen, die es zu erledigen galt und bei der ihn andere Anhänger des MSV unterstützten. Es war nichts Besonderes. Allerdings muss man wissesn, dass Andreas Kuklinski nie zuvor eine größere, gar öffentliche Veranstaltung organisiert hatte. Entscheidet also selbst, wie ungewöhnlich dieses Geschehen gewesen ist.

Die Idee zum Fanmarsch gab es in einer der MSV-Gruppen bei Facebook kurz nach der Nachricht, der MSV habe die Lizenz nicht erhalten. Andreas Kuklinski fackelte nicht lange und sagte, dann frage ich mal bei der Polizei nach, was wir brauchen, um so was durchzuführen. Als erstes brauchte die Polizei jemanden, der den Kopf hinhielt, wenn was schief läuft. Wenn er schon anruft, so dachte Andreas Kuklinski, dann ist es am einfachsten, wenn ich das bin. Zack, eine Unterschrift und schon war er in Haftung für in dem Moment unüberschaubare mögliche Schäden, ein Mann, der den Lebensunthalt für sich und seine Familie als LKW-Fahrer verdiente.

Wenn zu der nun manchmal aufscheinenden Spielkultur des MSV noch der in Duisburg spürbare Geist jener Monate im Jahr 2013 morgen seine Kraft entfaltet, jener Mut, jener Glaube an das schier Unmögliche und jener dazu nötige Zusammenhalt, dann ist mir vor dem Spiel in Paderborn nicht bange. Lesen wir also, wie sich Andreas Kuklinski an den am Stadion ankommenden Fanmarsch erinnert.

Dann kommste an…anne Arena, anner Glaswand…und drehst dich um und siehst praktisch so ne Welle auf dich zukommen, nur Leute in verschiedensten Trikots, und, und…und dat hört gar nicht mehr auf. Und du stehst da unten und du denks, wat is hier los. Ich hätte den Marsch machen können, et hätten zehn Leute sein können, zwanzig, ich hätt auch allein sein können, aber datte sonne Menge dann zusammenkriss, da fällt auch von dir wat ab, weile weiß, der Marsch an sich, der iss jetzt beendet, den hasse geschafft, aber den hasse richtig geil gewuppt….Auch wenn mich danach noch Leute angesprochen haben, dat hasse gut gemacht. Aber ich hab dat nur in die Wege geleitet. Jeder einzelne, der da mitgegangen iss, der hat dafür gesorgt, dat dat so’n Ding geworden ist. Ich hätt auch mittem Ralf* Hand in Hand den Weg ablaufen können, hätt keine Sau interessiert. Aber die, die alle mitgelaufen sind, die gesagt haben, da gehen wir mit, da zeigen wir Flagge, die haben den Marsch zu dem gemacht, wat er geworden ist. Et gab keine Abteilung VIP, Abteilung Vorstand, et gab nur Abteilung Attacke. Alle sind mitgelaufen. Alle sind marschiert und haben für dat Bild gesorgt

*Ralf Gilles hat als notwendiger zweiter Mann die Verantwortung gegenüber der Polizei für den Marsch übernommen und war für Andreas Kuklinski unverzichtbare Stütze.

21 Monate nach dem Juni 2013 – Zeitgefühl

Da Kosta Runjaic als Trainer des 1. FC Kaiserslautern heute Abend im Stadion am Spielfeldrand sitzt, fällt mir auf, wie fern mir die Zeit vorkommt, in der er Trainer des MSV Duisburg gewesen ist. Es müssen Jahre her sein. Eigentlich.

In Wahrheit hat er vor gerade einmal 21 Monaten erklärt, dem MSV als Trainer nicht mehr zur Verfügung zu stehen. Knapp zwei Jahre sind jene Wochen der Ungewissheit her, als zunächst die kaum vorhandene Hoffnung auf einen stattgegebenen Einspruch gegen den Lizenzentzug endgültig enttäuscht werden musste, ehe überhaupt erst die Lizenz für die 3. Liga beantragt werden konnte. Während dieses Lizenzverfahrens für die 3. Liga war der Zeitpunkt gekommen, an dem für Kosta Runjaic die Grundlagen seiner Arbeit beim MSV Duisburg hätten geklärt sein müssen. Diese Grundlagen gab es erst später. Mit einem neuen Trainer, mit neuen Fußballern ging es weiter. Schnell folgte wieder Spiel auf Spiel.

Auch deshalb ist der Fußball in dieser Gesellschaft so populär. Mit jedem neuen Spiel verhilft er zum Gefühl, etwas ganz von vorne anzufangen und die Vergangenheit weit hinter sich zu lassen. Jedes neue Spiel ist wie ein neues Leben. Alles scheint dann möglich zu sein. Ganz wie es uns allen immer wieder erzählt wird in dieser Welt. Manchmal stimmt das tatsächlich.


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