Posts Tagged 'Lokaljournalismus'

Den Tag beginnen mit einer guten Nachricht, in der es vordergründig nicht um Geld geht

Bei all den Sorgen der letzten zwei Tage zur Finanzlage des MSV Duisburg ist der Spielbetrieb und eine andere offene Frage völlig aus dem Blick geraten. Nach dem letzten Spiel des MSV gegen den SC Paderborn suchte die lokale Presse ja nach einer schönen Geschichte, um ihre am MSV interessierten Leser bei Laune und Zeitung zu halten. Diese Geschichte fand sie mit den Vereinen der Bundesliga und Zweiten Liga, die ihre Trainer für die kommende Saison suchten. In so einer Situation passte es gut, dass Kosta Runjaic als der entscheidende Mann für den Erfolg des MSV Duisburg in dieser Saison gilt. So einem Trainer darf man doch wohl auch andere Aufgaben zutrauen. Es war auch nicht weiter wichtig, ob das stimmte oder nicht. Wichtig war, ein bedrohliches Szenario ist allemal eine Geschichte für mehrere Tage. Mir fiel das vor allem beim letzten Satz des oben verlinkten WAZ/NRZ-Artikels auf. Die Geschicke des 1. FC Köln verfolge ich ja vor Ort, und in der hiesigen lokalen Presse habe ich nichts von Kosta Runjaic als möglichem Trainer-Kandidaten des FC gelesen. Ich glaube, ich habe überhaupt keinen Namen gelesen. Die Kontakte der Pott-Presse in die Domstadt müssen verdammt gut gewesen sein, um in diesem namenlosen Kandidatenkreis den Trainer des MSV Duisburg zu finden.

Auf einer Äußerung von Kosta Runjaic konnte sich die Lokalpresse allerdings berufen.Er hatte betont, dass er mit seinen Co-Trainern Ilja Gruev und Sven Beuckert unbedingt weiter arbeiten wollte. Was zunächst auch einfach Ausdruck seiner Wertschätzung hat sein können. Schließlich liefen die Verträge beider Co-Trainer aus. Aber so ein Ausdruck von Wertschätzung lässt sich natürlich in ein Bedrohungsszenario problemlos einbauen.  Doch dann kam die Finanzkrise des MSV Duisburg als die noch viel bessere Geschichte dazwischen. So geht das Happy End für das Bedrohungsszenario „Trainer geht“ unter am Morgen nach der wieder einmal hoffentlich gesicherten Zweitliga-Lizenz. „Ilja Gruev bleibt beim MSV Duisburg“, titelt die Rheinische Post. Was im Bedrohungsszenario eine entscheidende dramaturgische Funktion hatte. Entweder wollten andere Vereine den Co-Trainer verpflichten oder der MSV Duisburg wollte nicht auf seine Vertragsvorstellungen eingehen. Nun arbeitet er also beim MSV weiter, und wir können darauf zählen, Kosta Runjaic wird es zufrieden mitbekommen haben. Er wird beim MSV Duisburg bleiben. Bis sich die nächste Geschichte mit seiner Person anbietet.

So ignoriert Der Westen journalistische Grundsätze

Es geht hier nicht um starke Meinungen. Deshalb geht es auch nicht um ein Urteil zu dem Text eines Journalisten.  Es geht um das Arbeiten im WAZ-Konzern. Der Text eines WAZ-Journalisten über Florian Fromlowitz sorgte gestern nach seiner Veröffentlichung auf Der Westen unter MSV-Fans für Empörung. Betitelt wurde er mit Fromlowitz ist für den MSV keine Verstärkung“. Darüber steht in kleinerer Type „Contra“. Was dem Titel in anfänglich gönnerhaftem Ton folgt, verärgerte viele, die sich über die Verpflichtung von Florian Fromlowitz freuen. Der Ton macht bekanntermaßen die Musik.

Auch ich habe beim Lesen gestutzt, und das Ganze sofort abgehakt unter dem Motto, da nimmt sich einer aber ziemlich wichtig. So wichtig, dass er meint, MSV-Fans zurechtweisen zu können. Als ob da einer Meinungshoheit herstellen will. Wo kommt der her? Über den MSV Duisburg schreibt dieser Journalist ja normalerweise nicht. Wenigstens, so dachte ich, legt er ein Argument für seine starke Meinung vor. Ganz versunken im Sumpf der Journalisteneitelkeit ist er also noch nicht.

Nun finde ich heute morgen im MSVportal eine Erklärung für diesen Text, die den Journalisten zunächst frei spricht von Schuld am aufgekommenen Ärger und einmal mehr zeigt, wieso das Einhalten von Qualitätsstandards das einzige Mittel für die Lokalpresse ist, ihre Leser zu halten. Dieser Text über Florian Fromlowitz wurde eigentlich als Teil eines Pro und Contra für die Printausgabe des RevierSports geschrieben. Weil die RevierSport wie Der Westen zum WAZ-Konzern gehört, werden da gerne Texte hin- und hergeschoben. Je niedriger die Kosten für Inhalte eines Mediums desto besser. Warum nun der Pro-Text zur Fromlowitz-Verpflichtung nicht mitgeschoben wurde, weiß ich nicht. Ich weiß aber, ohne diesen Pro-Text verändert sich die Bedeutung des Contra-Textes.

Mancheiner wird das für eine Marginalie halten, für mich ist es ein Symptom des Qualitätsstandards, der im WAZ-Konzern bei journalistischen Produkten im Moment angelegt wird. Wir sehen, diese Qualitätsfrage kann der einzelne Journalist keineswegs für sich alleine entscheiden. Die Journalisten werden sicherlich versuchen, ihr Bestes zu tun. Der WAZ-Journalist hat auf Kommentare der Leser ebenfalls in den Kommentaren geantwortet. Und anscheinend ist er sich gar nicht darüber im Klaren, dass mit dem Mediumswechsel sich auch die Bedeutung seines Textes verschiebt. Vielleicht ist er ein junger Journalist, und es gehörte zu den Aufgaben der verantwortlichen Redakteure sich über solche Fragen Gedanken zu machen. Haben diese Redakteure Zeit dazu?

Die Auflagen der Zeitungen des WAZ-Konzerns sinken. Die Qualtität des Produkts ist vor allem anderen die Voraussetzung Verluste an Lesern aufzuhalten. Diese Qualität beweist sich eben auch dann, wenn es um das Wissen geht, wie journalistische Texte in welchen Zusammenhängen wirken. Wenn Texte beliebig hin- und hergeschoben werden, macht mich das skeptisch, ob in dem Konzern sich jemand über den Zusammenhang von Form und Inhalt in Zukunft noch Gedanken machen wird. Der Journalist kennt diesen Unterschied anscheinend nicht, vielleicht hat er aber auch von dem Hin- und Herschieben gar nichts mitbekommen. In seinem Kommentar zu den Leserkommentaren verweist er jedenfalls nur auf sein Recht auf Meinung. Ich denke, da lässt ihn seine Redaktion ins offene Messer laufen. Aber vielleicht findet dieses Verschieben der Texte im WAZ-Konzern auch niemand weiter problematisch. Ich möchte das nicht gerne glauben. Vielleicht hat auch niemand Zeit, sich um solche Fragen zu kümmern, und der Teufelskreis von Sparmaßnahme und Auswirkung auf das journalistische Produkt zeigt Wirkung. Für den Leser sind solche Überlegungen letztlich egal. Wenn das Wegbrechen der journalistischen Standards die Zukunft seiner Zeitung wäre, vergisst er sie zurecht.


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