Posts Tagged 'Lukas Podolski'

Ob P oder D, die Welt sieht auf Zarbze

Ich werde nicht der einzige sein, den dieser Wechsel ob der Zukunftsaussichten begeistert. Lukas Podolski wechselt zu Gorkin Zarbze. Ich hoffe, irgendwann wird zusammenkommen, was zusammengehört. Lukas Podolski beim Gastauftritt der Popolskis. Ich werde dabei sein.

Davon ab, bombastischer Vorstellungsclip des Vereins und einmal mehr ein Hinweis darauf, dass wir Menschen ein bisschen mehr im Herzen tragen können als so eine einzige Nation oder ein Mensch oder ein Verein hergibt. Daran mal öfter laut erinnern. Wäre ein Versuch wert. So, fürs bessere Leben.

Sollte Lukas Podolski die Familie Popolski tatsächlich nicht kennen, wenn Pawel Popolski die Erfindung der Raps-Musik erzählt, wird er sofort verstehen, was für eine Chance ihm nach seiner Karriere als Fußballer bietet.

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„Männer – Ein Fußballliederabend“ im Schauspiel Köln

Schlager- und Popmusikrevuen im Theater sind in Sachen Unterhaltung eine sichere Bank. Denn längst  gibt es einen generationenübergreifenden Kanon der Popkultur, der persiflierend genutzt werden kann. Den Herz-Schmerz-Schlagererfolg der 1970er ironisch gebrochen, die Männerthemen Fußball, Mütter, Frauen im Popsong, mal mehr, mal weniger parodistisch dargeboten, da kann man nicht viel falsch machen. So sei bei allen Einwänden vorab gesagt:  „Männer – Ein Fußballliederabend“ verlässt man in vergnügter Stimmung. Die Schauspieler kitzeln mit großer Spiellaune immer wieder komische Momente aus den typisierten Männerfiguren heraus, die Musik der Millionenhits erweist sich noch in der Parodie als kraftvoll und ein paar choreografierte Szenen parodieren die Ensemblebewegung von Musicals. Dynamik auf der Bühne, Spektakel fürs Auge.

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© Sandra Then

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© Sandra Then

Dennoch habe ich im ersten Drittel des Abends gedacht, gerade in Köln hätten für diese Art Schlager- und Popmusikparodie bessere Vorlagen geschaffen werden können als die mit einigem „FC-Jeföhl“ bearbeitete Fassung des Liederabends von Franz Wittenbrink. In der Stunksitzung greifen Köbes Underground  den Schlager- und Popmusikkanon meist witziger auf, weil dort das Original  im parodistischen Zusammenhang pointierter genutzt wird, der innere Zusammenhang von Original und Parodie klarer herausgearbeitet wird. Denn das Fußballstadion als Ort für die klischierte Männerwirklichkeit geriet im Mittelteil etwas aus dem Blick. Die Vorlage wirkte also unausgegoren. „A propos“, hieß es deshalb öfter, ehe ein neues Lied angestimmt wurde. Das vom Titel des Abends versprochene thematisch konzentrierte Gesamtwerk erwies sich in Teilen als Nummernrevue, die offensichtliche Hilfskonstruktionen benötigte.

Dabei schien der Anfang auf dem Tribünenausschnitt als Bühnenbild die Richtung  vorzugeben. Zur Ouvertüre  von Don Giovanni durchlebten die Männer ein Fußballspiel mit all seinen Emotionen. Es folgten die per Schlager aufgegriffenen Männerstatements über die besonderen Frauen im Leben eines Mannes, über die großen Lieben, über die Mütter. Selbstbilder wurden mit  „Sex Mashine“ und „Ich brech die Herzen der stolzesten Frauen“ zum Thema. Die „Bohemian“ wurde zur „Barbecue Rapsody“ und somit das Grillen als Lebensideal des Mannes gefeiert.  Die Grönemeyer-Parodie fehlte nicht, bei der „Flugzeuge im Bauch“ kongenial mit „Alkohol“ geremixt wurde und in einem witzigen Grönemeyer-Zitatemix seiner Songs endete. Soli wechselten sich ab mit Chorgesang, und schließlich musste – wir sind in Köln – von Lukas Podolski Abschied genommen werden.  „Time to say goodbye“ hieß es, womit sogleich auch das Finale ankündigt war, in dem „Poldi“ per Monstranz gehuldigt wurde . In 27 Stücken wurde der Mann also als Klischee dargeboten, und trotz des Rückgriffs auf Don Giovannis Schicksal in diesem Finale darf so ein Abend nicht mit allzu viel Bedeutung überfrachtet werden. Zu fern ist das wirkliche Leben, trotz des Verweises auf den Fußball. Nah ist dagegen die Popkultur, und die will und soll vor allem Stimmung machen.

Weitere Vorstellungen im November 11. und  27. November.

Mit: Yorck Dippe / Robert Dölle / Jennifer Frank / Andreas Grötzinger / Jan-Peter Kampwirth / Carlo Ljubek / Martin Reinke / Torsten Peter Schnick / Julia Wieninger / Michael Wittenborn

Piano: Andreas Hirschmann
Musikalische Leitung: Klaus Lothar Peters
Einrichtung: Schauspiel Köln nach Franz Wittenbrink
Kostüme: Swantje Karschunke

Das Schauspiel Köln hat einen Clip zum Stück ins Netz gestellt. Voilà!

Auftaktspielschwäche und die Bedeutung eines Scherbenhaufens

Wenn die Sommerferien in Nordrhein-Westfalen noch nicht einmal begonnen haben, können Fußballspiele keine Meisterschaftsspiele sein.  Für den 3:2-Sieg des Karlsruher SC gegen den MSV Duisburg gibt es doch keine drei Punkte.  Das muss ein Irrtum sein. Das war kein Meisterschaftsspiel. Dafür war es zu früh. Für beide Mannschaften. Das war ein Vorbereitungsspiel für die Saison, in dem in der ersten Halbzeit ein großes Spektakel geboten wurde und in dem während der zweiten Halbzeit Spieler sich den Trainern beweisen wollten.

Da passte nicht viel zusammen in der Mannschaft des MSV Duisburg. Darüber sind wir uns alle einig. Als verteidigende Mannschaft war der MSV jederzeit für Fehler gut. Wahrscheinlich wäre mit Branimir Bajic zumindest die Abstimmung in der Abwehrreihe besser gewesen. Hätten die Außenverteidiger dann auch den Zweikampf besser aufnehmen können? Fußball ist ein komplexes Spiel, da dreht man an einem Rädchen, und Auswirkungen gibt es drei Stationen weiter. Ich habe das Spiel am PC gesehen und hatte den Eindruck, jederzeit ist alles möglich. Nach vorne wie nach hinten. Ein Ausgleich hätte ebenso fallen können wie das vierte Tor der Karlsruher.

Der Sieg des KSC war aber verdient. Die Mannschaft zerstörte das Aufbauspiel des MSV Duisburg besser, als es den Zebras umgekehrt gelang. Zudem wirkten Klemen Lavric und Alexander Iashvilli immer etwas torgefährlicher als die Angreifer des MSV Duisburg. Deutlich wurde aber auch, diese Mannschaft des MSV Duisburg brennt vor Ehrgeiz. Sie scheint große Ziele zu haben. Es wird in den nächsten Spielen interessant, wie dieser große Ehrgeiz mit dem anscheinend ebenso großen Verbesserungsbedarf des Zusammenspiels harmoniert. Was einerseits gut für die Zukunft ist, birgt Gefahr von großer Unzufriedenheit, solange es nicht halbwegs rund läuft.

Ein Anschlusstor ist für diese Mannschaft jedenfalls kein Grund zur Freude. Das gefällt mir. Nur-Zum-Ausgleich-Jubeln-Wollen Wolze kriegte nach seinem Tor zum 2:3 fast noch Ärger mit den Karlsruhern. Deren Verteider lag zappelnd über dem Ball mit im Tor. Kevin schob und zog ein wenig an dem Mann, um besser an den Ball zu kommen. Schon eilten andere Karlsruher herbei. Dabei versuchte Kevin Wolze nur, diesen Ball schnellstmöglich zum Anstoßpunkt zu bringen. Er kannte die besondere Regel dieses Spiels, auf die sich die Vereine geeinigt hatten. Tore sind nur vor der Halbzeitpause erlaubt.

So richtig warm bin ich mit dem Spiel nicht geworden. Aber es gibt ja auch noch ein Randthema, das mich sehr beschäftigt. Vasileios Pliatsikas, Billy genannt, gab der Sportredaktion von Der Westen nach seiner gelb-roten Karte noch eine Steilvorlage zu einer überdramatisierenden Schlagzeile. „MSV Duisburg steht zum  Start vor einem Scherbenhaufen“. Da hat sich jemand in der Redaktion allzu sehr verführen lassen von den Scherben, die Vasileios Pliatsikas  mit dem Tritt gegen eine Tür des Kabinentrakts hinterlassen hat. Zweimal muss ich nun ausholen und sagen: So nicht!

Liebe Der Westen-Redaktion, manchmal dürfen beste Pointen-Chancen nur die Zuschauer auf den Rängen nutzen. Journalisten haben leider die Sorgfaltspflicht, der Wirklichkeit bei diesen Pointen Rechnung zu tragen. Die Mannschaft des MSV Duisburg hat schlecht gespielt, keine Frage. Ein „Scherbenhaufen“ ist da dennoch, außer in seiner tatsächlichen Bedeutung, nirgendwo zu erkennen. Doch dieser „Scherbenhaufen“ in der Artikelüberschrift wird unweigerlich auch bildhaft verstanden und damit als Charakterisierung der Mannschaft. Zu einem“Scherbenhaufen“ kann aber erst etwas werden, was vorher als Ganzes vorhanden war. Dazu hatte die Mannschaft bislang keine Gelegenheit. Auch wer Artikelüberschriften so verführerisch und raffiniert wie möglich machen möchte, darf die Wirklichkeit nicht vergessen.

Und nun zu Vasileios Pliatsikas Tritt in eine Glastür und Milan Sasics Reaktion darauf. Ich hoffe sehr, diesen ersten im Artikel zitierten Worten von Milan Sasic auf Pliatsikas Wutausbruch folgen morgen weitere. Was Milan Sasic sagt, hört sich für mich so an, als müsse das hingenommen werden, wenn einer randalierend durch die Welt läuft: „‚Die Emotionen waren nicht zu viel, das ist Fußball‘, nahm der Kroate den Neuzugang in Schutz: ‚Billy ist ein heißblütiger Grieche. Wenn wir Leute mit solcher Mentalität holen, dann müssen wir uns darauf einstellen. Der Junge weiß, was er getan hat. Ich finde ihn super. Er ist charaktervoll und hat sich unter Tränen bei der Mannschaft entschuldigt.‘ Hoffentlich denkt Milan Sasic bei seinen Worten nur an das Verhalten des Spielers auf dem Spielfeld.

Letzte Saison hat mich schon einmal eine beschwichtigende Haltung zu randalierendem Unfug geärgert. Da war es Lukas Podolski, der in Leverkusen für Scherben sorgte. Ein Verhalten verstehen, bedeutet nicht zugleich, dieses Verhalten auch gut zu heißen. Es gibt so etwas wie Verantwortung für Fehler. Die Zerstörung fremden Eigentums wird in unserer Gesellschaft gemeinhin nicht gerne gesehen. Was lernen jugendliche Fußballanhänger in Duisburg aber, wenn sie den Spielbericht lesen. Sie lernen, ich darf jederzeit die Sau raus lassen, ich bin doch nur wütend.

Weiß Milan Sasic, dass Lehrern und Erziehern diese Standardantwort von Kindern aus den Ohren heraus hängt? Wie kannst du den Stuhl durch Klasse schmeißen? – Aber ich war wütend, der xy will mich nicht mitspielen lassen. Nocheinmal: Verstehen heißt nicht, akzeptieren. Milan Sasic kann seinen Spieler in Schutz nehmen, und dennoch dessen Verantwortung einfordern. Selbstverständlich müsste Vasileios Pliatsikas die Kosten für die Reparatur der Tür übernehmen, und das muss in der Öffentlichkeit auch gesagt werden. Das ist keine moralische Frage, sondern eine des bürgerlichen Rechts. Schutz des Eigentums nennt sich das. Sonst funktioniert Zusammenleben nicht. Wenn Fans sich entsprechend verhalten, wird das auch nicht akzeptiert. Was war das Geschrei groß, als Ende der letzten Saison die 600.000 Euro teure Spezialkamera in Frankfurt von einem Fan der Eintracht zerstört wurde. Aber der Fan gibt alles für seinen Verein. Er hat nur überreagiert, weil seine Eintracht absteigen wird. So Fans braucht der Verein. Hat Heribert Bruchhagen das irgendwo so gesagt ? Ich glaube nicht.

Zurück zum Kerngeschäft des MSV Duisburg, dem Fußball. Wir werden nun im Spiel gegen den FC Energie Cottbus sehen, ob die Art und Weise der Auftaktniederlage noch viel Trainingsarbeit bedeutet oder ob das Spiel der Mannschft nur eine vorübergehende Auftaktsspielschwäche war. Für die erste Variante habe ich als Trost übrigens schon den Verlauf der letzten Saison für den VfL Bochum parat.

Das Foto für das lachende Stadion: Podolskis Härtetest

Vielleicht teilt ja einer von euch da draußen meinen Humor. Dieses Foto von Lukas Podolski und Frank Schaefer im Express mitsamt der erklärenden Bildunterschrift finde ich doch sehr komisch. Da werde ich bestimmt noch morgen Abend im Stadion drüber lachen.

Meinolf Sprink und Frank Schaefer halten Verantwortung für völlig überbewertet

Ausschreitungen beim Derby zwischen dem 1. FC Köln und Bayer 04 Leverkusen werden keine Folgen haben. Der Trainer des 1. FC Köln Frank Schaefer äußert Verständnis für Wutausbrüche und Ärger nach dem nicht gegebenen regulären Tor von Lukas Podolski. Er sagte, wenn da einer dann einen Gegenstand von Bayer 04 Leverkusen beschädige, werde er denjenigen nicht verurteilen. Da war er sich ganz einig mit dem Leiter Kommunikation und Marketing von Bayer 04 Leverkusen Meinolf Sprink: Bayer 04 Leverkusen werde die Täter nicht weiter behelligen und schon gar nicht Schadensersatzansprüche angesichts der Zerstörungen stellen.

So ähnlich hatte ich heute morgen einen Artikel im Kölner Stadt-Anzeiger verstanden, konnte es aber im Nachhinein nicht mehr recht glauben. Vorhin erst fand ich Zeit, den Nachbericht zum Spiel von Bayer 04 Leverkusen gegen den 1. FC Köln noch einmal in Ruhe zu lesen. Ich hatte alles missverstanden. Es ging in dem Artikel gar nicht um Fans. Es ging um Lukas Podolski. Der hat nach dem Spiel am Sonntag aus Ärger über sein nicht gegebenes reguläres Tor die Plexiglasscheibe einer Tür eingetreten. Allerdings stimmt die launige Einigkeit in beiden Vereinen, dass alles nicht so schlimm sei. Frank Schaefer sagte tatsächlich:  „Wenn er [Lukas Podolski] nach dem Spiel hört, dass das Tor kein Abseits war und er daraufhin einen Gegenstand von Bayer 04 Leverkusen beschädigt, dann werde ich als FC-Trainer darüber bestimmt nicht mit ihm sprechen“. Und auch der Leiter Kommunikation und Marketing bei Bayer 04 Leverkusen Meinolf Sprink wird ihm „keine Rechnung schicken“.

Komisch, warum eigentlich nicht? Manchmal lese ich etwas, was mich so ärgert, dass ich kaum wohl klingende Worte finde, sondern in einem fort nur noch schimpfen könnte. Was glauben Meinolf Sprink und Frank Schaefer eigentlich, wie ihre Worte in der Öffentlichkeit auf Jugendliche wirken? Dass Lukas Podolski da eine Scheibe eintritt, geschenkt,  aber wieso soll das als normal durchgehen? Was sind das für hohle Worte, wenn es um den Nutzen des Fußballs für unsere Gesellschaft geht und diese Worte von Offiziellen des Fußballs gesprochen werden? In solchen Momenten des Alltags könnte es sich zeigen, ob im Fußball  Verantwortung für diese Gesellschaft wirklich gelebt werden soll. Im Alltag müsste sich das beweisen und nicht bei der nächsten Rede auf einer offiziellen Feier.

Der Vorfall muss gar nicht hochgespielt werden, aber er muss doch so behandelt werden, wie es in so vielen anderen Zusammenhängen von den Bewohnern dieses Landes immer wieder gefordert wird. Bitte schön, tragt Verantwortung für euer Handeln. Und das bedeutet sehr wohl, Herr Sprink, eine Rechnung auszustellen über die Reparatur einer Tür und das bedeutet sehr wohl, Herr Schaefer, ihrem Spieler zu sagen, ich verstehe deinen Ärger, doch das geht nicht, was du da machst.

Was nun den Fußballinteressierten und vor allem den für diese Art Aggressionsbewältigung doch sehr empfänglichen jungen, männlichen Jugendlichen als normal hingestellt wird, ist ein Angriff auf jedwedes zivilisiertes Zusammenleben. Vielleicht versteht ihr meinen Ärger besser, wenn ihr wisst, dass ich seit über zwanzig Jahren im Berufsalltag meiner Frau mitbekomme, welch schwieriges Geschäft es ist, Jugendlichen zu verdeutlichen, dass sie Verantwortung für all ihr Verhalten tragen und es nicht auf den nächstbesten abladen können. Vielleicht versteht ihr meinen Ärger besser, wenn ihr zudem wisst, dass auch ich seit ein paar Jahren in Schreibprojekten immer wieder jenen Kindern und Jugendlichen begegne, deren Eltern sich genauso wie Meinolf Sprink und Frank Schaefer verhalten. Mal verhätscheln Sie ihre Kinder, wenn die gerade dem Mitschüler das Nasenbein gebrochen haben; dann hat der andere bestimmt irgendwas gemacht, warum er zurecht die Faust ins Gesicht bekam. Mal strafen sie ihre Kinder wegen nichtigster Anlässe und wollen nichts mit ihnen zu tun haben. Sie verhalten sich unberechenbar und inkonsequent, und ihre Kinder beginnen viel zu früh, sich nur auf sich selbst zu verlassen. Denn von den eigenen Gefühle wissen sie wenigstens, dass sie echt sind; und jedes dieser eigenen Gefühle wollen sie alleine deshalb ausleben. Mit den Folgen dieses Auslebens haben dann Lehrer, Sozialarbeiter, Polizisten und Richter zu tun. Und vielleicht versteht ihr meinen Ärger besser, wenn ihr wisst, dass mir diese Zeigefinger- und Abgrenzungsrhetorik abseits dieser prekären sozialen Lagen ungemein auf die Nerven geht. Es ist so einfach, was schiefläuft dort, in den sozialen Brennpunkten unserer Gesellschaft zu erkennen und jene Verantwortung nur dort einzufordern, wo es einem selbst nicht weh tut.

All das haben Frank Schaefer und Meinolf Sprink sicher nicht bedacht. Sie haben sich verhalten, wie man sich eben so verhält, wenn man keinen zusätzlichen Ärger will und nachbarschaftliche Beziehungen nicht übermäßig strapazieren möchte. Wie gesagt, Verantwortung verbal einfordern lässt sich leicht. Verantwortung tatsächlich zu tragen, das ist anstrengend, weil oft konfliktvoll. Beide sollten sich daran erinnern, dass Verständnis zu haben nicht gleichzeitig bedeutet, jede Regelübertretung zu tolerieren.

Aber vielleicht unterschätze ich Frank Schaefer und Meinolf Sprink auch. Vielleicht denken beide sehr intensiv über unsere Gesellschaft nach und möchten die BayArena zu einem Zentrum des Aggressionsabbaus machen. Dann lautet die Botschaft ihrer Worte: Besucht die Heimspiele von Bayer Leverkusen, wenn ihr euch über irgendetwas geärgert habt. Reißt Sitzplätze aus der Verankerung, tretet Türen ein und schmeißt Bierbecher in die grün gewordene Imbissbude. Danach geht es euch besser, und die entstehenden Kosten teilen sich Bayer-Stiftung, Bayer AG und Bayer Leverkusen. Deutschland dankt für dieses einzigartige Anti-Gewalt-Projekt!

Schwer zu ertragende Niederlagen

Wie Niederlagen zustande kommen, bestimmt die Gefühle nach dem Spiel. Am schwersten sind Niederlagen für mich hinzunehmen, wenn sie meinem Eindruck nach auf wenige, klar erkennbare Entscheidungen im Spiel zurück zu führen sind. Das Spiel der deutschen Nationalmannschaft vorgestern gegen Serbien ist so eine Niederlage für mich. Natürlich lässt sich trefflich beim Schimpfen über den Schiedsrichter des Spiels der Gefühlshaushalt in Ordnung bringen, doch Alberto Undiano Mallenco hat seine kleinliche Spielführung von Anfang an gezeigt, um nicht zu sagen in Szene gesetzt. Aus seiner Auslegung der Regeln hat er nie ein Hehl gemacht, und Miroslav Klose hätte den mit dem Ball davon sprintenden Serben erst attackieren dürfen, wenn er mit ihm auf gleicher Höhe gewesen wäre. Die erste falsche Entscheidung.

Dem folgte Lukas Podolski in Absprache mit Bastian Schweinsteiger. Von Joachim Löw haben wir jedenfalls inzwischen erfahren, die zwei bestimmen untereinander, wer einen gegebenen Elfmeter schießt. Podolski hat in kurzer Folge vor dem Elfmeter mit mehreren deutlich neben das Tor platzierten Fehlschüssen gezeigt, dass ihm an den Tag nicht alles gelingt. Dieses Abhaken und Vergessen des Versagens mag ihm meist möglich sein. So eine Eigenschaft gehört ja zur Grundausstatttung des Berufssportlers. Unsere Psyche lässt sich aber nicht mit völliger Sicherheit so kontrollieren, wie wir  Menschen es zur Bewältigung unseres Lebens gerne hätten. Und je bedeutungsvoller das Geschehen, desto schwieriger wird das Ausblenden des Zusammenhangs einer Handlung. Auch dieses Risiko war also abzusehen. Das geringere Risiko wäre ein Elfmeterschütze Bastian Schweinsteiger gewesen. Denn Schweinsteiger hatte bis dahin ein souveränes Spiel gezeigt. Sein Selbstbewusstsein war so stark, dass ihn selbst zwei, drei Gegner beim Dribbling nur unwesentlich in Bedrängnis brachten und er solche Spielsituationen kontrolliert auflöste. Er hätte den Elfmeter schießen müssen.

Gefühlter Heimspielverzicht vom MSV Duisburg bei veränderter Taktik?

Ihr kennt noch eine der Anfangsszenen aus „Das Wunder von Bern„? Mattes, der Sohn des Kriegsgefangenen Richard, schickt zusammen mit seinen Freunden eine Brieftaube los, um das Ergebnis eines Fußballspiels zu übermitteln. So eine Brieftaube im Anflug hätte mich gestern sehr gefreut. Bei einer Geburtstagsfeier war ich nämlich abgetrennt von jeglichen modernen Kommunikationsmitteln. Wie es zu dieser Selbsterfahrung kommen konnte, ist eine andere Geschichte. Aber trotz des intensiven Verdrängens aller Aufstiegsgedanken wurde ich ab 13 Uhr zunehmend nervös. Den Tischgesprächen konnte ich von da an nur noch unzulänglich folgen, geschweige denn dass ich selbst viel zu den Themen hätte beitragen können.

In so einem Fall hält man sich am besten an eine der Grundregeln gelingender Kommunikation: Störung zuerst. Wenn ich dann aber halb im Scherz seufzend mein Leid klagen wollte, blieb mir für Sätze über den MSV Duisburg nicht allzu viel Zeit. Wenn mein Tischnachbar neben dem geseufzten „Ergebnisse der Fußballspiele heute“ noch „Zweite Liga“ hörte, lauerte er bereits nur noch auf ein passendes Überleitungswort in meinem Reden zum eigenen Herzensthema des Wochenendes: die zwei Tore von Lukas Podolski. „Was für eine Befreiung beim ersten Tor“; und: „Hätte Podolski beim zweiten Mal doch nur nicht selbst geschossen und den Ball Freis überlassen. Der stand nicht im Abseits“. Wir lernen also daraus, Störung zuerst, schön und gut. Wenn ein Gespräch aber aus nichts mehr als Störung besteht, wird es ganz schön kompliziert.

Dann reden wir im besten Fall halbherzig über Dinge, die uns nur am Rande interessieren und freuen uns darauf, wieder zu Hause zu sein. Dort erfuhr ich es dann endlich. Auswärtssieg! Wieder! Ich kenne den 1:0-Sieg gegen den 1. FC Union Berlin also nur aus zweiter Hand. Einstimmig wird von Presse und Fans Tom Starke als Garant für den Sieg gefeiert. Auch er selbst schätzt das im Interview nach dem Spiel mit Sky so ein (Der Spielbericht ist übrigens ab heute nur eine Woche online). Die Überraschung des Spiels war die Aufstellung von Björn Schlicke als rechtem Außenverteidiger. Dass er zudem das Siegtor schoss, hob seine Laune sicher noch mehr. Nicht nur als ich vorhin die Großchance von Srjdan Baljak in der ersten Halbzeit sah, war ich im Nachhinein froh diese Bilder nicht live gesehen zu haben. Auch die Chancen vom 1. FC Union Berlin zum Ende des Spiels hätten meine Nerven beim Zuschauen am Fernsehen oder PC-Bildschirm überfordert.

Wenn ich sämtliche Stimmen und die Bilder der Sky-Zusammenfassung resümiere, komme ich zum Schluss, die Auswärtssiege des MSV Duisburg gleichen sich sehr. Die kompakte Abwehr lässt wenig zu. Die Konter werden aber nicht genau genug ausgespielt, um das Spiel sicher zu gewinnen. Abschlussschwäche kommt hinzu. Deshalb braucht die Mannschaft für ihre Siege einen Torwart wie Tom Starke in der derzeitigen Form.

Ich denke nicht an Aufstieg. Zumal ich den Eindruck habe, dass bei allem Reden unter Fans über Platz 3 zwar alle die Ausscheidungsspiele gegen den Erstligisten irgendwie schon im Kopf haben, aber es längst noch nicht wirklich fühlen. Gewonnen ist auf Platz 3 noch nichts. Platz 3 ist nur das Andauern der Möglichkeit zum Aufstieg. Während ich nicht an den Aufstieg denke, mache ich mir natürlich über den Aufstieg dennoch Gedanken. So balanciere ich mühsam meine Gefühle aus. Denn ich gehöre nicht zu den Anhängern des MSV Duisburg, die die Mannschaft lieber in der 2. Liga sehen als chancenlos in der Bundesliga.

Eine Prüfung für den Aufstiegswillen der Fans könnte eine veränderte Heimspieltaktik sein. Milan Sasic deutet sie an. Wenn die Mannschaft zu Hause versucht, ähnlich kompakt wie bei Auswärtsspielen zu verteidigen und der Gegner ebenso defensiv spielt, wird das nicht sehr ansehlich werden. Dann müssen Fans sich geduldig zeigen. Dann muss so ein Heimspiel vielleicht von Seiten des Verein im Vorfeld erklärt werden. Ansonsten höre ich schon jetzt die lauter werdende Unzufriedenheit. Heimspielverzicht sehen die Statuten des DFB ja nicht vor. Was tun?

Nein, noch kein Urlaub …

Im Stadionbus herrscht keine Urlaubsstimmung, auch wenn es in den letzten Tagen vielleicht so aussah. Der Urlaub wird demnächst kommen, das ist sicher. Doch zurzeit fliegen Fakten und Gerüchte weiter durch die Luft, nur muss ich zeitgleich die Voraussetzungen für besagten Urlaub schaffen. Deshalb nehme ich Fakten und Gerüchte nur an der Oberfläche wahr und nehme die Wirklichkeit einmal so, wie sie zu sein vorgibt. Ich habe keine Zeit sie zu deuten.

Allerdings braucht es auch keine weitere Information als diese: „MSV hat noch Lücken in Kader und auf der Brust„? Sonst im Leben halte ich mich ja auch an Tatsachen und verschwende meine Energie nicht an Unwägbarkeiten. Wenn selbst jene Spieler nicht den Weg nach Duisburg finden, die bereits Verträge unterzeichnet haben, habe ich einfach keine Lust mehr, mir bis zum Saisonanfang weitere Gedanken über den Kader zu machen.

Da muss ich dann feststellen, die sportliche Leitung arbeitet nun mal in einem Segment unserer Volkswirtschaft, in dem Verträge nicht ganz so viel wert sind wie in anderen Bereichen unseres Wirtschaftssystems. Man befindet sich in diesem Segment inzwischen nicht weit weg von jenen Kulturen des Wirtschaftens, wo neben dem offiziellen Preis noch allerlei andere geldwerte Vorteile beim Geschäft eine Rolle spielen. Notfalls darf so was Geldwertes dann auch schon mal in kleinen Scheinen rübergereicht werden, also bleibt so ein Strihavka dann doch bei dem einen Verein, für den er nächste Saison so gerne spielen wollte. Beim anderen Verein, auf den sich der Spieler ebenfalls sehr freute, ist das Thema laut Peter Neururer ja durch. Ich hätte gerne ungebrochenes Mitleid mit der sportlichen Leitung. Das wäre ein Ausdruck meines Vertrauens in sie. Ihr könnt euch aber denken, dass ich mich zur Ordnung rufe, wenn dieses Mitleid aufkommt? Ungebrochenes Mitleid lasse ich erst zu, wenn ich über einen längeren Zeitraum hinweg erkennen konnte, das planvolle Arbeiten wird in Geschlossenheit versucht.

Solches Kritisieren stellt sich einfach ein. Ich will das nicht und würde gerne über all diese mich störenden Dinge hinwegsehen. Das gelingt mir aber nur im Stadion selbst. Vorher muss ich mich damit auseinandersetzen, ob die Unwägbarkeiten der Spieltagplanung in mein Leben hineinpassen und ich die Dauerkarte in diesem Jahr dann doch besser sein lasse. Dann denke ich, wie geht man mit mir doch kaufbereiten Kunden eigentlich um? Bin ich so viel weniger wert als der potentielle Fernsehzuschauer? Anscheinend schon. Da konkurriere ich also beim Ringen um die Gunst der DFL als Kunde im Stadion mit den Kunden am Fernseher. Wenn ich noch länger darüber nachdenke, bekomme ich so schlechte Laune. Dann fühle ich mich zum unbezahlten Statisten degradiert. Meine Anwesenheit im Stadion ist für die Inszenierung des Unterhaltungsprogramms notwendig. Und für meine Statistenrolle werde ich nicht einmal bezahlt. Dieses Nachdenken über meine Rolle als Zuschauer des professionellen Fußballs schmeißt mich hin und her und führt hier mal wieder viel zu weit. Auch das kennt ihr inzwischen. Da müssen grundsätzliche Texte her. Ob die dann geschrieben werden? Bald beginnt die Saison. Vorher der Urlaub.

Vorher aber auch noch die Meldung vom Samstag im Kölner Stadt-Anzeiger zu Lukas Podolski. Ein Lehrstück darüber, wie eine Sportredaktion eine mögliche, lang laufende Geschichte vorbereitet. Titel des Artikels: „Podolski muss weiter warten“. Der 1. FC köln hat nämlich das zweite Testspiel absolviert und Lukas Podolski hat in den jeweils zwei Halbzeiten, die er spielte, kein Tor geschossen. Die nicht vorhandene Nachricht wird selbst in Köln auch durch den Namen Lukas Podolski nicht berichtenswerter. Das weiß  auch der namenlose Journalist oder die Redaktion und es wird zu den wenigen Sätzen über den 7:0-Sieg des FC gegen eine Rhein-Erft-Auswahl  ein entscheidender Satz hinzugefügt, der je nach Lage der Dinge zum Spielball der zukünftigen Berichterstattung werden kann: „Es gibt bereits Leute, die die Minuten zählen, denn die Gegner werden ja nicht leichter.“

Wenn einer von über 20.000 Menschen bei seinem ersten Training beobachtet wird, können Texte über diesen Mann viele Seiten füllen und entsprechend viele Menschen zum Kauf einer Zeitung anregen. Der Keimling für die tragische Geschichte um den so erfolglosen Heimkehrer Lukas Podolski ist jedenfalls gesetzt.

Fortsetzung Ishiaku – Teil 4

Wir haben anhand der Erzählungen vom ehrgeizigen und talentierten Fußballspieler Manasseh Ishiaku ja schon einige Gesetzmäßigkeiten von Fortsetzungsgeschichten kennengelernt. Nun weist das nächste Kapitel dieser Fortsetzungsgeschichte darauf hin, dass die Macher der Serie sich allmählich sorgen und dem erzählerischen Potential ihrer Hauptfigur Ishiaku nur noch eingeschränkt vertrauen.

Denn wenn die Figurenkonstellation der Serie grundsätzlich überdacht wird, um den Publikumserfolg zu sichern, ist fast immer auch ein Ende der Fortsetzungserie möglich. Was im Hochgefühl von Stärke und Sicherheit umsatzträchtig zwei Absatzmärkte vereint, wird in Zeiten der Auflagennot zum vermeintlichen Hoffnungsschimmer: Zwei Super-Helden begegnen sich in ein- und derselben Geschichte. So gibt es weiterhin Hinweise darauf, dass der Fortsetzungsserie um Ishiaku durch eine Begegnung mit Super-Lukas neues Leben eingehaucht werden soll. Zwar reagiert der den FC-Trainer spielende Christoph Daum genervt über diese ewig gleiche Idee mit dem Superhelden Lukas Podolski, doch Michael Meier, der den FC-Manager spielt, will sich diese erzählerischen Möglichkeiten nicht verbauen. „Im Winter sind keine Änderungen geplant,“ wird er zunächst im Kölner Stadt-Anzeiger zitiert und hat dann hinzugefügt: „Es sei denn verletzungsbedingt, also gezwungenermaßen.“ Es hat den Anschein, als ob Meier bei den Autoren der Fortsetzungsgeschichte um Ishiaku keine kreative Kraft mehr erkennt. Man kann seine Äußerungen so deuten, dass er vom Schlimmsten ausgeht. Auch in den nächsten zwei Monaten keine zündende Idee mehr aus der Autorenwerkstatt.

Der Herausgeber einer Fortsetzungserie muss dann vorbauen. Natürlich darf die erfolgreichere Serie nicht von jener in der Kreativkrise in Mitleidenschaft gezogen werden. Möglicherweise kommt es deshalb auch gar nicht zur dauerhaften Vereinigung der Super-Helden, sondern Meier muss sich mit einem Cameo-Auftritt von Super-Lukas bei der Weihnachtsfeier des 1. FC Kölns zufrieden geben. Dennoch besäße selbst solch ein Auftritt großes Entwicklungspotential. Super-Lukas könnte zum Beispiel zufällig neben Ishiaku zu sitzen kommen und nach den ersten gewechselten Worten spüren, hier geschieht gerade eine einzigartige Begegnung. Der Beginn einer langen Freundschaft könnte sich dann abzeichnen. Zwei junge Männer, die endlich bei jemandem völliges Verstehen für enttäuschte Hoffnungen finden. Ein reger Mail- und SMS-Austausch zwischen Super-Lukas in München und Ishiaku in Köln könnte der Serie den Weg in ein neues Medium eröffnen. Eine Handy-Soap statt Print. Vorstellbar ist vieles. Man sollte drüber nachdenken. Das Training dauerhaft aufnehmen, das bleibt selbstverständlich als weitere überraschende Wendung im erzählerischen Repertoire der Serie. Doch vielleicht kommt diese Wendung für deren Fortbestand zu spät. Schließlich enttäuscht man die Zuschauererwartungen nicht ungestraft.

Heute in Heimatkunde: Die Kölner Mentalität

Manchmal erheitert mich selbst die flüchtige Lektüre von Zeitungen am Morgen so sehr, dass ich schon zu dieser frühen Stunde weiß, heute ist ein guter Tag.  Werden im Sportteil des Kölner Stadt-Anzeigers doch durch die Spieler-Kurzkritiken zum gestrigen Länderspiel ganz subtil, durch ein einziges Wort, die Erinnerungen an für Köln bedeutsame historische Ereignisse wachgehalten. Gleichzeitig erlebt man durch dieses einzige Wort, dass Geschichte keineswegs etwas ist, was einmal geschehen ist und von dem dann nur noch erzählt werden muss. Auch in der Sportvergangenheit geht es, je länger die Ereignisse zurückliegen, immer auch um Deutung. Natürlich handelt es sich in diesem Fall um das Schicksal von Lukas Podolski. Aus Kölner Perspektive, und nur diese zählt meist in Köln, kann man dieses Schicksal nur noch tragisch nennen, und allmählich kristallisiert sich heraus, wer an diesem Schicksal Schuld hat:

„Die deutsche Mannschaft in der Einzelkrititik

….
Lukas Podolski:
Der Zwangs-Münchner zeigte viel Einsatz, aber auch ungewohnte Ballfehler.“

Kölner Stadt-Anzeiger, Nr 242, 16. Oktober 2008

Ich muss gestehen, inzwischen hat die kontinuierliche Berichterstattung aus Kölner Perspektive über Lukas Podolski allmählich auch bei mir eine Wirkung. Ich sehe inzwischen auch, wie sich dieser Münchner Stoßtrupp in Lederhosen-Kampfanzug und mit Seppl-Sturmhauben an das Vereinsgelände des 1. FC Kölns angeschlichen hat. Und ich bin mir auch sicher, dass ein Mann dieses Stoßtrupps das Gespräch mit dem kleinen Lukas suchte und ihm ein paar Bonbons versprach, wenn er nur mitkomme. Doch Lukas wusste, er durfte von fremden Männern nichts annehmen und wollte wegrennen. Da sind dann alle anderen Männer aus dem Dickicht hervorgestürzt und haben sich auf ihn geschmissen. Die lauten Schreie von Lukas haben zwar noch seine Kölner Freunde alarmiert. Doch gegen die Übermacht konnten sie nichts machen. Unter Tränen mussten sie zusehen, wie der verzweifelte Lukas am Militärring in einen Mannschaftsbus geschleppt wurde. Seitdem muss er nun Dienst unter dieser so entseztlichen Münchner Herrschaft leisten. Damit ihr es auch im Ruhrgebiet endlich begreift: ER HAT ES NICHT GEWOLLT, DER LUKAS. DAT ISS NE KÖLSCHE JONG! So viel historische Wahrheit muss sein, damit wenigstens das Verhältnis zwischen Duisburg und Köln nicht so vor die Hunde geht wie das zwischen diesem Zwangssystem im Süden und der freien Welt am Rhein.


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