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Von Machtverhältnissen und einem Zitat

Obwohl ich während dreier Tage in Berlin trotz Pokal-Achtefinale nicht dazu kam, an Fußball zu denken, ist mir beim nachträglichen Blättern durch die Nachrichtenlage das aktuelle Geschehen ein wenig aus dem Blick geraten. Als erstes stieß ich nämlich auf einen Vorbericht zum Rückrundenauftakt vom MSV im RevierSport und statt mich endlich dem Fußball wieder hinzugeben, ging mir sofort ein eher zeitloser Gedanke über das Wesen von Sprache durch den Kopf. Stellte ich doch einmal mehr fest, das Schöne an der Sprache ist ihre Eigenständigkeit, die der Absicht des Sprechers nur allzuoft entgegensteht und so manchen unverhofften und deshalb enthüllenden Einblick in Denkweisen des Sprechers bewirkt.

In besagtem Artikel geht es zwar um die mögliche Startelf in Rostock, doch wird er angesichts der gewichtigen Entscheidung mit der Feststellung eingeleitet, dass das interne Spiel um die letzten vier Plätze der Startelf auch vom Manager und Vorstandsvorsitzenden gesehen wurde. Wo Walter Hellmich schon mal da, warum soll er da nicht auch zu Wort kommen? Weder ein Journalist noch Walter Hellmich lassen sich solche Gelegenheiten der öffentlichen Stellungnahme entgehen.

Wir werden uns am heutigen Donnerstag sicherlich zusammensetzen und darüber sprechen, aber die Trainer haben bei mir immer freie Wahl. Peter entscheidet und ich bin genauso gespannt wie alle anderen auch.

Das also sagt Walter Hellmich über die von Trainer, Manager und Vorstandsvorsitzenden gemeinsame Nachbetrachtung des internen Testspiels, und eindrucksvoll ist dabei zu beobachten, wie seine Sprache die  Verhältnisse im Verein wiederspiegelt. Betont der Vorstandsvorsitzende doch eine Selbstverständlichkeit und möchte sie anscheinend als besondere Qualität seines Führungsstils verstanden wissen. Gerade weil er aber darauf hinweist, wirkt diese Selbstverständlichkeit als gönnerhafte Geste des Machthabers und nicht als Ausdruck einer überlegten Strategie. Hier setzt sich das unternehmerische Denken des Bauunternehmers fort in einem Bereich, wo es nicht hingehört. Er ist sich bewusst, dass er delegieren muss, tut das aber mit dem Gestus desjenigen, der notfalls selbst eingreift, weil er sich auskennt mit dem, womit sich seine leitenden Angestellten beschäftigen. Das ist bei allem Verdienst von Walter Hellmich die Krux des Vereins aller Vereine, seit es nicht mehr nur ums Geld geht, sondern auch um die Organisation der zu leistenden Arbeit. Das wirkt Atmosphärisch. Ohne sich dessen bewusst zu sein, entlässt Walter Hellmich durch seine patriarchalische Haltung auch seinen Trainern gegenüber sie zum Teil aus der Verantwortung für ihre Arbeit. Gunst fällt mir dazu ein, wenn ich dieses Verhältnis Vorstandsvorsitzender und Trainer näher betrachte. Was ja von Walter Hellmich als dauerhafter Vertrauensbeweis eigentlich positiv gemeint ist, was aber den Günstling gegenüber dem Gunst Gebenden wenig selbstbewusst erscheinen lässt. Ich glaube nicht, dass Walter Hellmich damit bewusst agiert, doch ich glaube, solange sich die klar formulierten Kompetenzen nicht grundsätzlich aus der Struktur ableiten, wird die Arbeit eines Trainers erschwert.


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