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Saisonvorbereitung – Fragen aus der 11FREUNDE-Redaktion beantworten

Mitte Juni plingte eine Mail aus der 11-Freunde-Redaktion ins Haus. Die wollten noch ein paar Seiten ihres Quasi-Sonderheftes für die neue Saison füllen, und unversehens stand ich vor der Aufgabe „möglichst rasch“ einen Fragebogen zu beantworten. In Teilen bietet der Fragebogen Vorlagen für Humor bei den Antworten, was die 11-Freunde-Redaktion wohl als Anreiz für den Arbeitsauftrag Wunsch „unterhaltsam sein“ verstanden wissen wollte. Doch natürlich geht es bei solchen Fragen zum Verein der eigenen Zuneigung eigentlich um verdammt ernste Dinge. Den Spagat musste ich erstmal hinkriegen.

Für uns, die wir ab Sonntag das Wort Saisonvorbereitung für knapp ein Jahr wieder vergessen, kommt die Veröffentlichung des Hefts Ende Juli zu spät. Ich vermute jedenfalls, dass dieser Saisonausblick als August-Nummer veröffentlicht wird. Wo sich doch überall zeigt, dass dieser vorgezogene Zweitliga-Start keine sonderlich gute Idee gewesen ist. Ich will euch meine Antworten nicht vorenthalten. Mein Gefühl sagt mir nämlich, in diesem Haus hier kämen sie zeitgleich mit der Veröffentlichung im Print-Magazin viel zu spät. Da ist es längst schon wieder ganz ernst geworden in Duisburg und manch launiger Ton besäße vielleicht Fettnapf-Potential. Alles zu seiner Zeit.

Betretet also ohne Scheu den roten Teppich und kneift die Augen zu, wenn der Wander-Spot euch blendet. Lest unbekümmert weiter. Heute präsentiert der Zebrastreifenblog ohne die freundliche Unterstützung von irgendjemand die exklusive Preview von „11FREUNDE fragt – Kees Jaratz antwortet„.

11FREUNDE: Die neue Saison wird unvergesslich, weil…

Kees Jaratz: … alles so aussieht, als gebe es beim MSV Duisburg nach langer Zeit wieder eine Vorstellung davon, dass im Fußball zwar Siege das Ziel sind, darüber hinaus aber ein Bild innerhalb des Vereins davon vorhanden sein muss, was ihn auch in erfolglosen Zeiten ausmacht. Die souverän herausgespielten Auswärtssiege gegen Fortuna Düsseldorf, Eintracht Frankfurt und den VfL Bochum, sowie die unglaubliche Heimserie von 17 Spielen mit nur einer Niederlage, empfinde ich dagegen als eher nebensächlich.

11FREUNDE: An die alte Saison werde ich mich lange erinnern. Warum?

Kees Jaratz: Siehe oben, erster Satz. Hinzu kommt, es wurde immer wieder schön anzusehender Fußball gespielt. Da waren wir in Duisburg sehr entwöhnt. Zwar konnte dieser Fußball nicht über die gesamte Saison in der Liga gezeigt werden, doch durch die Erfolge im Pokalwettbewerb entstand ein wunderbarer Rhythmus von wechselhaftem Liga-Alltag und Erfolg. Und selbst das  DFB-Pokalfinale endete mit solch einem traumhaften Erfolg, wenn auch den Rest von Fußballdeutschland das wahrscheinlich überraschen wird. Immer wieder wurde ich nämlich von Freunden auf die „hohe Niederlage“ angesprochen, doch mir ging es gut. Der Grund dafür waren die letzten zehn Minuten dieses Finales, in dem der ununterbrochene Gesang von 20.000 Anhängern des MSV Duisburg zu hören war. Zehn Minuten, die die Niederlage vergessen machten. In diesen zehn Minuten drückte sich Identität, Zusammengehörigkeit und ein Bewusstsein von Stärke aus; Stärke, die aus den Menschen selbst kam und zu der kein Gegner notwendig war, der als Feind die Masse einte und niedergemacht werden musste. Das war ein utopischer Moment.

11FREUNDE: Drei Wünsche frei:

Kees Jaratz: Erstens: Ich hätte nichts dagegen, wenn der Dreijahresplan innerhalb von zwei Jahren verwirklicht werden könnte. Muss ich hinzufügen, dass ich meine nebensächliche Vision von oben dazu für eine gute Grundlage halte? Zweitens: Möglichst wenig Samstagsspiele, die sind einfach zu früh für Markteinkauf, zweites Frühstück und so einen Kram. Und wenn, drittens, dann noch der MSV Duisburg sein Auswärtsspiel gegen den FC St. Pauli am Montag bestreiten könnte, dann wird das auch was mit der Saison inklusive der Auswärtsfahrt nach Hamburg.

11FREUNDE: Dein größter Albtraum:

Kees Jaratz: Seitdem Ailton Spieler und Peter Neururer Trainer beim MSV Duisburg waren, kann mich nichts mehr schrecken.

11FREUNDE: Lieblingsspieler im aktuellen Team:

Kees Jaratz: Für Anhänger von ambitionierten Zweitliga-Vereinen mit Dreijahresplänen meist eine schwierige Frage, weil es im Kader nach jeder Saison doch sehr viel Austausch gibt und gerade Lieblingsspieler häufig auch Lieblingsspieler von Fans anderer Vereine werden wollen oder müssen. Lieblingsspieler können also für mich grundsätzlich nur Spieler sein, die ich bei meinem Verein schon mehr als ein Spiel spielen gesehen habe. Bleiben mir bei einem Kader von bislang 27 Spielern 10 zur Auswahl, und da sage ich heute Branimir Bajic, weil er in unaufgeregter Weise eine eindrucksvolle Präsenz auf dem Spielfeld zeigt. Morgen könnte es übrigens auch Benjamin Kern sein.

11FREUNDE: Dein Lieblingsspieler aller Zeiten:

Kees Jaratz: Da komme ich an Kees Bregmann nicht vorbei. Für mich als Jugendlichen, der Amsterdam in den 70ern als ein Versprechen auf Freiheit und cooles Leben ansah, war er der lebendige Beweis, dass an diesem Versprechen etwas dran sein musste. Ein Libero aus Holland, der im eigenen Strafraum die Nerven hat, den Ball mit dem Hintern zu stoppen. Ein technisch perfekter Spieler, der in eben diesem eigenen Strafraum auch mal erst zwei, drei Gegenspieler ausspielt, ehe er den Ball in die sichereren Gefilde des Spielfelds passt. Morgen könnte mein Lieblingsspieler übrigens auch Kurt Jara oder Bernard Dietz sein.

11FREUNDE: Lustigster Fanchoral/Spruch der letzten Saison:

Kees Jaratz: Humor war in Duisburg während der letzten Saison nicht unbedingt nötig. Zu sehr bestimmte die Erleichterung über den sich ändernden Verein die Stimmung. Da wurde zudem weniger mit Worten als mit Bildern gearbeitet, sprich: in die eindrucksvollen Choreografien floss die kreative Energie. Dass die Fans in Duisburg sehr wohl witzig sein können, hatten sie in der Saison zuvor bewiesen, die nur mit Witz und Humor ertragbar war. Wer´s versteht: „Außer Ente könnt´ihr alle gehen!“

11FREUNDE: Das schau ich mir nicht mehr an!  Was müsste passieren, damit Du nicht mehr ins Stadion gehst?

Kees Jaratz: Rückenbeschwerden? Ich kann mir Fußballspiele so schlecht im Sitzen ansehen. Ich brauche ein wenig Raum zur Bewegung, um den Ball notfalls mit ins Tor zu schießen und in Gefahrensituationen dazu beizutragen, dass unsere Verteidiger den Ball im letzten Moment wegspitzeln.

11FREUNDE: Auf dieses Auswärtsspiel freue ich mich besonders, weil :

Kees Jaratz: Auf das Spiel beim SC Paderborn. Da geht es in die angeheiratete Heimat.

11FREUNDE: Unser aktuelles Trikot…

Kees Jaratz: Ich bin nicht so sehr der Mann für modische Details und Applikationen. Hauptsache das Heimtrikot hat blau-weiße Streifen und das Auswärtstrikot ist nicht rosa oder Müllmann-orange. Dann ist alles gut.

11FREUNDE: Als Nachfolger für Udo Lattek schlage ich aus meinem Verein vor:

Kees Jaratz: Vor zwei Jahren hätte ich den damaligen Torwart-Trainer Manfred Gloger vorgeschlagen, der mit seiner rustikalen Art noch sehr im Fußball alter Tage verwurzelt ist. Heute ist er bei Fortuna Düsseldorf angestellt. Milan Sasic könnte den Job sicher auch gut übernehmen. Sein bildhaftes und von der kroatischen Muttersprache eingefärbtes Deutsch macht den Fußball dieser Tage immer sehr anschaulich. Zudem besitzt er trockenen Humor und ein gutes Gespür für Timing. Aber der hat keine Zeit, der muss im Moment auch noch Sportdirektor sein.

11FREUNDE: Im Stadion brauche ich nur Wurst, Bier und…

Kees Jaratz: … keinen Schreihals im Rücken, der bei seinem Ärger über das Spiel immer glaubt und das dann auch in die Welt rausbrüllt, schlechte Leistung habe irgendwas mit der Herkunft von Spielern zu tun.

11FREUNDE: Was unserem Stadion / Klub fehlt ist …

Kees Jaratz: … zur Zeit nur noch ein zweiter linker Verteidiger. Da gibt es zwar noch etwas mehr, aber ich müsste länger ausholen und dazu fehlt jetzt die Zeit.

11FREUNDE: Die Zweite Liga verlässt nach oben  ….

Kees Jaratz: … wahrscheinlich doch erstmal nur eine Mannschaft. Und das ist wahrscheinlich bei allem Favoritenstraucheln in diesem Jahr doch wieder der starke Erstliga-Absteiger Eintracht Frankfurt. Sollte ich eine zweite Mannschaft definitiv nennen, müsste ich doch meinem Herzen folgen und da will ich alten Gepflogenheit gemäß, für den MSV Duisburg nicht das Unaussprechliche nennen. Natürlich werden es die Fürther auch mal wieder versuchen und nicht schaffen. Ob der FC St. Pauli als Wundertüte oben dauerhaft dabei sein wird? Der VfL Bochum auf jeden Fall. Es ist wie immer in der 2. Liga, die Vergabe von Platz zwei und drei sind nicht sonderlich vorhersehbar. Schließlich sehen sich bis auf wenige Ausnahmen die meisten Vereine der 2. Liga mittelfristig auf dem Weg in die Bundesliga. Da kann sich der ein oder andere immer auch überraschend kurzfristig Hoffnung machen.

11FREUNDE: Und nach unten:

Kees Jaratz: Dieses Jahr glauben auch die griesgrämigsten Unken in Duisburg nicht, dass der MSV dabei sein wird. Das war im letzten Jahr noch anders. Der Rest interessiert mich heute erstmal nicht.

11FREUNDE: Relegationsspiele sind super, …

Kees Jaratz: … weil wir alle von der Abstiegsangst gebeutelten noch immer das Entsetzen spüren, wenn am letzten Spieltag in der 90. Minute irgendwo auf einem anderen Platz doch noch so ein blödes Kopfballtor zum Ausgleich fällt und da irgendein Schlunzverein gerettet ist, während der hart umkämpfte Auswärtssieg meines Heldenvereins seinen Sturz auf Platz 16 nun doch nicht aufhält. Dank der Relegationsspiele gibt es aber heute unter den Spielern ein allgemeines Durchschütteln, weil das die Sportdirektoren in den Interviews nach dem Spiel so vorgeben, während wir auf den Rängen unser Schweigen nach einem tiefen Atemzug beenden und mit dem hilfreichen Satz weiter hoffen: „Dann gewinnen wir eben die Relegation.“ Was für den Erstligisten dann ja auch sehr wahrscheinlich ist.

11FREUNDE: Oder doch nicht so super, …

Kees Jaratz: … weil  sich der Verein meiner Zuneigung in einer höllenlangen Zweitligasaison nach einer desaströsen Hinrunde in einer nie da gesehenen Aufholjagd  am letzten Spieltag  durch einen 7:1-Kantersieg gegen den schon lange aufgestiegenen Zufallsabsteiger der letzten Erstligasaison souverän auf Platz 3 schwingt und  wir wissen, dass das alles doch nichts genützt haben wird. Die Relegationsspiele werden entweder ohnehin vom Erstligisten gewonnen, und wenn der unwahrscheinliche Fall einträte, dass unser Verein siegreich aus den Spielen hervorginge, bliebe einfach viel zu wenig Zeit, um einen ausreichend starken Kader für die Erstliga-Saison zusammen zu stellen. 2. Liga, unser Verein käme wieder.

Erfahren neben jung und hungrig auf allen Ebenen

Anhängern anderer Vereine muss das komisch vorkommen, wenn die Verpflichtung eines Pressesprechers mich hinsichtlich der sportlichen Perspektiven des MSV Duisburg zuversichtlich stimmt. So ein Pressesprecher schießt schließlich weder Tore noch verhindert er welche. Ich will das kurz erklären. Seitdem Roland Kentsch als Geschäftsführer beim MSV Duisburg tätig ist, gibt es Anzeichen für eine veränderte Vorstellung von der Verwaltungsarbeit beim MSV Duisburg. Wir Manager sagen ja zu Vorstellung wie die WM-Kahns gerne auch Philosophie. Diese Philosophie hieß bislang, wir haben immer große Ziele und geben dafür Gas. Bei Mitarbeiterverpflichtungen ist nun eine fußballspezifische Perspektive des Berufslebens als Antriebsstoff für das Gasgeben erkennbar, die wahrscheinlich den Kontakten von Roland Kentsch zu verdanken ist. Alleine durch die Ausrichtung auf den Fußball als Geschäft verändert sich die Grundlage für das Arbeiten im gesamten Verein.

Mit Martin Haltermann kommt nun der langjährige Pressesprecher des 1. FC Nürnberg zum MSV Duisburg und bringt seine Erfahrung mit nach Duisburg. Bei seinem Abschied in Nürberg werden Martin Haltermann lobende Abschiedsworte des Geschäftsführers und Vizepräsidenten des 1. FC Nürnberg Ralf Woy hinterhergerufen. Wenn ich in der Nürnberger Zeitung also lese, Martin Haltermann habe den FC Nürnberg „mit seiner Arbeit hervorragend begleitet“, dann freut es mich, so einen Mann in den Reihen meines Vereins zu wissen. Wenn ich mir zudem noch den Online-Auftritt vom 1. FC Nürnberg ansehe, erkenne ich, da hat jemand bis vor kurzem etwas mitverantwortet, was einen deutlich größeren Klassenunterschied aufweist als die eine Liga, die den 1. FC Nürnberg vom MSV Duisburg im sportlichen Bereich trennt.

Ich kenne natürlich die Beharrungskraft des Bestehenden, aber mit Martin Haltermann wird ein Pressesprecher in den Verein geholt, der genügend berufliches Selbstbewusstsein entwickelt haben müsste, eigene Vorstellungen seiner Arbeit in die bestehenden MSV-Machtverhältnisse der Verwaltung einbringen zu können und so die Außendarstellung des MSV Duisburg damit wettbewerbstauglich zu machen.  Als Stellvertreterin wird Ina Bräutigam ihren Dienst antreten, die einen BA-Studienabschluss in Public Relations vorweist und den MSV Duisburg durch ein Praktikum kennt. Diese Personalkonstellation in der Presseabteilung erinnert mit der Kombination von Erfahrung und Jugend an die Mannschaft des MSV Duisburg der nächsten Saison.

Es kommt also ein Pressesprecher mit Renomée aus einem Verein mit einem vergleichbaren Niveau in sportlicher Hinsicht aber mit einem besseren Umfeld. Deshalb berührt in meinen Augen diese Personalfrage auch die sportliche Zukunft des MSV Duisburg. Es zeichnet sich ein höhere Anspruch an die Kompetenzen der Mitarbeiter im Verwaltungsbereich ab. Man kann das als Versuch deuten, den Verein auf der Verwaltungsebene für den Wettbewerb zu stärken. So eine Stärkung auf Verwaltungsebene bleibt aber sinnlos, wenn die sportliche Perspektive nicht stimmt. Deshalb wirken solche Personalfragen auf der Verwaltungsebene auch auf meine Hoffnung, wenn ich an die sportlichen Möglichkeiten der Zukunft denke. Womöglich kristallisiert sich bei allen sonstigen Beweggründen für den Personalwechsel mit solchen Personalentscheidungen der Ehrgeiz von Roland Kentsch heraus. Mir gefiele das.

Doch nicht nur auf Verwaltungsebene geht der Personalwechsel weiter. Auch in Reihen der sportlich Verantwortlichen kommt mit Oliver Reck ein neuer Mann und ersetzt Torwart-Trainer Manfred Gloger. Interessant wäre die Antwort auf die Frage, ob Roland Kentsch mit dieser Entscheidung mehr zu tun hatte, als die finanziellen Modalitäten abzusichern. Das werden wir nicht erfahren, das gäbe aber einen Hinweis darauf, wie die Zusammenarbeit der Führungsebene funktioniert.

Ob Oliver Reck bessere Arbeit leisten wird, als es Manfred Gloger bislang gemacht hat, weiß ich nicht zu beurteilen. Dennoch lässt sich auch diese Personalie mit dem Anspruch auf mittelfristigen Erfolg verbinden. Eins ist nämlich gewiss, Oliver Reck hat einen größeren Namen in diesem Geschäft als Manfred Gloger. Er kennt andere Personen und hat deshalb andere Möglichkeiten zu agieren.

Wenn wir demnächst allerdings hören, einer der erfahrensten Gefahrguttransporter-Fahrer Deutschlands werde den MSV-Bus in der nächsten Saison fahren, werden ich zu zweifeln beginnen. Vielleicht steht eigentlich Milan Sasic hinter sämtlichen Personalentscheidungen dieses Vereins? Träfe das zu, bewiese Milan Sasic einen langen Atem und zeigte sich beim Bohren dicker Konfliktbretter als sehr hartnäckig. Was mich andererseits trotz meines Bedauerns über diese Art Konfliktlösung ebenfalls zuversichtlich stimmen würde. Das könnte heißen, stimmen erst einmal alle Bedingungen für Milan Sasic, und das wären nach Entwicklung der Dinge vor allem die zu seiner Persönlichkeit passenden Menschen, dann könnte er sich auf die sportlichen Ziele konzentrieren und nichts würde seine Energie mehr ablenken. Das Leben ist schon ganz schön kompliziert, nicht nur wenn es ans Hoffen geht.

Weiterbildung Arbeitsrecht

Wie soll das Kind denn nun heißen? Bruno Hübner sagte gestern im RevierSport, es sei definitiv keine Abmahnung gewesen, die Manfred Gloger da erhalten habe. Heute in der NRZ wird die „Abmahnung“ wieder aus der Wörterkiste hervorgeholt, allerdings ist sie keine im „arbeitsrechtlichen Sinn“, und es wird nicht ganz deutlich, ob Walter Hellmich da salopp mit dem Begriff hantiert oder die Journalisten noch einmal etwas so nennen wollen, was sie schon einmal ganz exklusiv so genannt haben und deshalb nicht Abstand davon nehmen können. Die indirekte Rede lässt da Interpretationsspielraum: „Hellmich stellte dabei heraus, dass es sich bei der Abmahnung gegen Torwarttrainer Manfred Gloger nicht um eine Maßnahme im arbeitsrechtlichen Sinne gehandelt habe“.

Zweifellos aber erweisen sich Walter Hellmich und die NRZ-Journalisten Dirk Retzlaff und Thomas Tartemann im kongenialen Zusammenspiel sprachschöpferisch und schlagen einen Pfad in den bislang noch für mich völlig unerschlossenen Bedeutungsraum des Wortes Abmahnung abseits der Rechtssprache. Um diesen Bedeutungsraum dauerhaft zu gewinnnen, müsste aber konkretisiert werden, welches Verhalten mit so einer bislang noch unbekannten Abmahnung verbunden ist. Verständlicher wird man für seine Umwelt durch solche Bedeutungsvarianten nicht, aber individueller, künstlerischer. Bis dieses mit der Begriffserweiterung verbundene Verhalten von den NRZ-Journalisten und Walter Hellmich geklärt ist, betreiben wir hier ein wenig Weiterbildung in Sachen Abmahnung im Allgemeinen und Abmahnung im Arbeitsrecht im Speziellen.

Bruno Hübner hatte  die Situation übrigens souverän geklärt.  Nicht nur gegenüber der RevierSport sondern auch, wie im MSVPortal zu lesen ist, am Mittwochabend vor den Fans. Da hätte Walter Hellmich gar nicht erst in Süddeutschland ausfindig gemacht werden müssen. Wenn Bruno Hübner nun noch in Zukunft dabei nicht mehr Einzelkämpfer des Vereins bleibt, könnte was daraus werden aus der von mir so erhofften Kommunikation nach außen.

So kann man sich täuschen

Das sind meine Worte von gestern:

„Heftige Differenzen“. Sind diese Worte wohl gewählt, wird Uwe Speidel wohl nicht mehr allzu lange dem Trainerteam angehören. Zwischen wem sonst als ihm und dem neuen Trainergespann soll es heftige Differenzen gegeben haben? Etwa mit Manfred Gloger, der Tom Starke den Ball anders zuwerfen soll als früher? Wohl kaum.

So kann man sich täuschen. Bei Der Westen lese ich also, Manfred Gloger wurde abgemahnt. Nun kann ich also von einem Bild dieser heftigen Differenzen erzählen, das ich gestern beim Schreiben ständig im Kopf hatte. Gestern schien es mir nur unpassend, dieses Bild öffentlich zu machen. Dieses Bild schien mir wie ein billiger Gag auf Kosten von Manfred Gloger, ein Gag, der nur der Unterhaltung der Leser diente und nicht einem Erkenntnis fördernden Interesse. Das glich mir viel zu sehr jener personenkonzentrierten, stimmungsmachenden und faktenlosen  Berichterstattung des Sportjournalismus, die mir überhaupt nicht gefällt.

Ich sah also gestern beim Stichwort „heftig“, Manfred Gloger mit wüstestem Schimpfen einen Ball in Richtung Milan Sasic schießen. Manchmal kommen solche Gags also der Wirklichkeit nahe. Zunächst aber dachte ich, Uwe Speidel müsse als Co-Trainer mit den größeren Kompetenzen unter den verbliebenen zwei Trainern derjenige sein, der sich am ehesten mit den offensichtlich unterschiedlichen Vorstellungen der neuen Trainer auseinandersetzt. Doch dann kam mir ständig jener Manfred Gloger aus der 10. Folge von „Mitten in Meiderich“ in die Quere. Ihn konnte man dort als einen Menschen erleben, der eine deutliche und, vorsichtig formuliert, rustikale Sprache spricht. Man konnte vermuten, so eine Sprache bringt einen Menschen in Schwierigkeiten, wenn er sie in Konflikten benutzt. Nirgendwo sonst gab es eine Person beim MSV Duisburg, die ich eigentlich mit dieser Sprachformel des Journalismus für ein grundsätzliches Zerwürfnis, den „heftige Differenzen“, in Verbindung bringen konnte.

Ob es nun für diese heftigen Differenzen Meinungsunterschiede inhaltlicher Art gibt, wissen wir noch immer nicht. Bislang wirkt das Ganze eher so, als ob Milan Sasic seit seinem Engagement in Kaiserslautern seine sozialen Fertigkeiten nicht viel verändert hat. Was zu lesen ist, gleicht jenen Streitgeschichten, die die Fans dort in ihrem Forum erzählten. Was mir Sorge bereitet, ist aber außerdem folgende Formulierung im NRZ-Artikel, die die eigentliche Nachricht einleitet: „Wie die Redaktion aus informierten Kreisen des Vereins erfuhr“.

Mit diesem Satz wird wieder deutlich, zum einen gibt es innerhalb des Vereins nicht nur informierte Kreise sondern auch interessierte Kreise und zwar mit einem Interesse, das nicht ganz auf der gegenwärtigen vorgegebenen Linie liegt. Damit zusammen hängt der erneute Eindruck, die Verantwortlichen im Verein ergreifen nicht sämtliche notwendigen Maßnahmen, um eine Einheit im Verein selbst herzustellen und eine Einheit mit allen am Verein interessierten Menschen. So eine Einheit, und zwar nicht nur die der Mannschaft, ist erfolgsfördernd! Ich mag naiv sein, aber dennoch sei gesagt, eine Einheit, die dauerhaft sein soll und nicht von jedem kleinen Rückschlag wieder in Frage gestellt wird, so eine Einheit ist nur durch Kommunikation herstellbar. Intern und nach außen! So eine disziplinarische Maßnahme darf nicht als informelle Mitteilung durch irgendwelche nicht genannten Quellen der Redaktion zugespielt werden. So etwas muss von Vereinsseite offensiv vertreten und erklärt werden. Erst dann kann Einheit stehen. In jedem anderem Fall hilft nur dauerhafter Erfolg.

Nachtrag: Gerade erst komme ich zum Lesen dieses Artikels im RevierSport, in dem Bruno Hübner versucht, dem Geschehen die Dramatik zu nehmen. Was er erzählt, klingt tatsächlich weniger spektakulär als die NRZ-Geschichte. So eine Stellungnahme erhoffe ich mir demnächst früher, dann kommt es gar nicht erst zum Wirken von „informierten Kreisen“.

Mitten in Meiderich – Folge 10

Was bisher geschah … „Mitten in Meiderich“ ist die Mini-Doku über den MSV Duisburg. In der ersten Folge hieß es noch, wir begleiten den MSV bei dem Versuch, doch noch aufzusteigen. Die einzelnen Folgen aber sind bislang nicht mehr auf diese starke Grundidee hin ausgerichtet. Einen längeren Erzählfaden gibt es nicht. Das Serielle der Doku baut fast ausschließlich auf die äußere Form der Präsentation und dem unkonkreten Thema „MSV Duisburg“. Deshalb braucht eine jede Folge eigentlich eine einzelne starke Geschichte mit Anfang und Ende.  Wirklich gefunden werden diese Geschichten bislang nur im Ansatz. Deshalb bieten die Folgen ein kunterbuntes Allerlei, das manchmal etwas beliebig wirkt. In diesen Grenzen gewährt „Mitten in Meiderich“ in den besseren Momenten den Blick aufs Tagesgeschäft, der angesichts des Formats natürlich immer etwas flüchtig ist …

Vielleicht denkt sich hier mancher Mitlesende längst schon, kann der Mann denn nicht einmal zufrieden sein? Da zieht er die Grenzen für das Mögliche schon recht eng und hat trotzdem an jeder Folge etwas auszusetzen. Das war bislang so – ich erinner aber auch an die Ausnahme nach Folge  3 – und ich hoffe, ich habe meine Unzufriedenheit immer nachvollziehbar machen können. Nun aber die Folge 10 und natürlich ahnt Ihr schon längst, der Mann kann auch zufrieden sein. Rundum gelungen ist nämlich diese Folge, und ich möchte daher noch einmal auch auf die Produktionsbedingungen hinweisen. Es hat schon Vorteile, wenn nicht ein Spieltag vom Wochenende unbedingt hinein muss bis Dienstag in die nächste Folge. Es hätte schon große Vorteile, wenn der Clip erst Donnerstag erschiene und etwas mehr Zeit bliebe für die Produktion.

Dann könnten vielleicht öfter kleine Geschichten gefunden werden wie die um Tom Starke und die Besetzung der Torwartposition der Mannschaft. Marcel Herzog kommt dabei auch zu Wort, aber kein anderer Spieler stört die Einheit dieser Folge. Dass nach und nach die einzelnen Spieler des Kaders in den Mittelpunkt einer Folge gerückt werden, zeichnet sich ja längst ab. Doch das bietet sich nur dann an, wenn es gelingt, die Persönlichkeit dieser Spieler etwas zu zeigen. Oder aber der Spieler hat eine interessante Geschichte aus seiner Laufbahn zu erzählen. Im besten Fall kommt beides zusammen.

In dieser Folge ist das so, weil es mit der Auseinandersetzung um die Besetzung des Stammtorwarts während der Hinrunde einen konfliktträchtigen Hintergrund für das Starke-Portrait gibt. Wir sehen also, wie Tom Starke als der wahrscheinlich stärkste Zweitliga-Torwart vorgestellt wird. Peter Neururer sagt das, der Kommentator auch. Man scheut aber keinesfalls den Blick auf den Konflikt und lässt Marcel Herzog zu Wort kommen, nachdem seine Qualitäten von Peter Neururer ebenfalls in höchsten Tönen gelobt wurden. Durch sein Statement zeigt Marcel Herzog erneut, dass er nicht nur ein sehr guter Torwart ist, sondern auch auf beeindruckende Weise für seine Angelegenheiten eintreten kann. Es zeugt von großer persönlicher Reife, wie sachlich er seine Unzufriedenheit mit der Situation ausdrückt und gleichzeitig die eigene Leistung mit in Erinnerung ruft. Was für eine professionelle Einstellung steht dahinter! Sie macht verstehbar, wieso die Verantwortlichen im Verein auch Marcel Herzog so sehr loben.

Wenn „Mitten in Meiderich“ erst einmal abgedreht ist, kann man übrigens ein Special zusammenschneiden. Das heißt dann, „Auto fahrende Fußballprofis“.  Denn auch Tom Starke sehen wir im Interview auf dem Weg irgendwohin. Das kommt wahrscheinlich daher, dass nicht allzu viel zusätzliche Zeit der Profis für die Produktion aufgewendet werden soll. Sehr schön ist dann auf dieser Fahrt zu hören, wie das Spiel gegen Mainz einerseits sehr wichtig ist, dann aber kein Endspiel und schließlich könnte es vielleicht doch den Charakter eines K.o.-Spiels annehmen. Was zeigt uns das? Ein Fußballprofi braucht bei der Vorbereitung auf ein Spiel auch große geistige Beweglichkeit, um die Wertung der Dinge kontinuierlich seiner aktuellen Befindlichkeit anzupassen. Das ist ein ständiges Schwanken zwischen Verdrängung und Steigerung des Ehrgeizes. Eine wahrscheinlich sehr schwierige Leistung der Psyche und je perfekter ein Profi das Ausbalancieren hinbekommt, desto konzentrierter wird er im Spiel sein. Folgt man den Aussagen Tom Starkes, sehe ich deshalb seiner Leistung gegen Mainz mit sehr großer Zuversicht entgegen.

Wir sehen Tom Starke und Marcel Herzog auch beim Torwart-Training, was uns nicht nur das Wissen zu ein paar Übungseinheiten bescherrt, sondern auch beweist, im Fußball haben traditionelle Männerbilder unserer Gesellschaft weiterhin ihren Platz. Torwart-Trainer Manfred Gloger bevorzugt jedenfalls die derbe Ansprache und auch seine O-Töne zur Leistung von Tom Starke machen ihn zu einer sehr originellen Person dieses Vereins. Schon immer fiel uns Manfred Gloger durch seinen sehr individuellen Laufstil auf, wenn er vor den Spielen den Torwart eintrainiert. Nun hat er zudem eine Stimme bekommen, und ich weiß, in welchen Worten er über den Fußball spricht. Ich erkenne da eine Unverwechselbarkeit, die an einen Fußball anderer Tage erinnert, an einen Fußball ohne Interviewtraining für Profis. Ich wage zu behaupten, Manfred Gloger ist ein unentdeckter Schatz des Vereins aller Vereine. Im Hinblick auf die Öffentlichkeitsarbeit sollten sich die Verantwortlichen einmal Gedanken über Manfred Gloger machen. Und ich weiß natürlich von der Paradoxie dieses Vorschlags und dem möglichen Zynismus, der sich daraus ergibt, die authentische Haltung eines Menschen zu instrumentalisieren. Da geraten wir jetzt ganz schnell zu einem anderen Thema, über das sich das Nachdenken immer auch lohnt. Das aber soll erst dann geschehen, wenn es nötig ist und ich sehe nun lieber voller Vorfreude dem Freitag entgegen, wenn Manfred Gloger in seiner unnachahmlichen Art auf unsere Plätze hinter dem Tor zutraben wird, um dort Tom Starke für einen hoffentlich grandios heraus gepielten Heimsieg warm zu spielen.


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