Posts Tagged 'Manuel Neuer'

Die Manfred-Manglitz-Medaille und Riegel-Rudi

Die letzte Bundesliga-Saison ist zwar schon einige Zeit beendet, doch gute Ideen gehören verbreitet, zumal mit dieser Idee auch die Historie vom MSV Duisburg verbunden wird. Stadioncheck.de hat sich von der Ehrung des besten Torhüters der Saison in der spanischen Primera Division inspieren lassen und vermisst in Deutschland eine entsprechende Wertschätzung der Torwart-Leistung. Selbst ist das Sportmedium, und so verlieh Stadioncheck.de zum ersten Mal die  Manfred-Manglitz-Medaille für die beste Torhüter-Leistung in der Saison 2011/2012. Diese noch virtuelle Medaille geht an Manuel Neuer – basierend auf dem besten „Gegentore-Schnitt aller Torhüter, die mindestens ein Drittel aller Saisonspiele absolviert haben“.

Manfred Manglitz ist der Namensgeber der Auszeichnung, weil er in der ersten Bundesliga-Saison 1963/64 beim MSV Duisburg eben jenen besagten besten Gegentore-Schnitt erreichte. Die Grundlage der Auszeichnung soll nicht in Frage gestellt werden, dennoch ist gerade Manfred Manglitz ein hervorragendes Beispiel dafür, wie dieser Quotient auch abhängig ist von der Arbeit der Torwart-Vorderleute, der Verteidigung. Denn gerade die Mannschaft des MSV Duisburg dieser ersten Bundesliga-Saison war über Jahrzehnte die erfolgreichste Arbeitsprobe des Rudi Gutendorf, der fortan kaum mehr ohne zweiten Vornamen genannt wurde. „Riegel-Rudi“ hatte für die Zebras eine Taktik entwickelt, die durch diesen Spitznamen jahrelang als großes Missverständnis weiter erzählt wurde.

Wer „Riegel-Rudi“ hörte, dachte schnell an starke Abwehrwälle und eine defensiv ausgerichtete Mannschaft, die ihr Heil im Mauern suchte. Wer aber die heutige Spielweise mit geschlossenen Bewegungen ganzer Mannschaftsteile vor Augen hat, kommt der Taktik von damals schon näher. Günter Preuß erwähnt in seiner Biografie „Der Kapitän der Zebras“, wie modern das  Spielsystem des MSV Duisburg unter Rudi Gutendorf  war. Raumdeckung erhielt Vorrang vor Manndeckung. Die Abwehrreihe bewegte sich als geschlossene Einheit. Entstehende Lücken in der Defensive mussten durch viel Laufarbeit geschlossen werden. Außenverteidiger stießen als zusätzliche Offensivkräfte in die Sturmreihe, während die Stürmer sich in die Mitte bewegten. 60 Tore erzielte der MSV Duisburg mit dieser Spielweise und war damit die sechsterfolgreichste Mannschaft der Saison 1963/64. In dieser Spielweise muss viel Dynamik gewesen sein und wenig Hinten-drin-Stehen. Wie gesagt, der Spitzname „Riegel-Rudi“ legt ein Missverständnis nahe. Und ein guter Torwart war Manfred Manglitz obendrein.

Wieder großartig: Hermann Gerland im Bochumer Schauspielhaus

Wem von den Querelen im Vorstand des MSV Duisburg heute Morgen die Laune verdorben ist, der kann hier jetzt schnell weiterklicken zu diesem Mitschnitt von Hermann Gerlands Talk-Auftritt im Bochumer Schauspielhaus anlässlich von „100 Jahre anne Castroper“. Ich habe da gerade meine alte Liebe zu ihm aufgefrischt. Und ich garantiere euch mit Hermann Gerlands Erzählungen über Jungprofis in der Gegenwart und Gewichtsproblemen, die als „Weiberarsch“ erkennbar sind, wird euch der Tag schöner. Jeder halbwegs an Fußball interessierte Mensch sollte Hermann Gerland stundenlang zuhören können. Dieser Mann besitzt so viel Humor, Lebensklugheit und Fußballwissen. Er strahlt Herzenswärme aus bei gleichzeitiger Klarheit in seinen Urteilen über die Wirklichkeit. Und wer den Fußball tatsächlich nur aus Zebra-Perspektive im Blick hat, für den fallen auch zwei Nebensätze zum Duisburger Publikum ab.

Für Worte zu den Entwicklungen auf der Vorstandsebene fehlt mir heute die Zeit. Da müsste tiefer gebohrt werden, damit mehr bei rumkäme, als meine Hoffnung, dass diese Machtspiele inhaltliche Gründe haben, mit deren Weiterverfolgen der Verein vielleicht seine finanziellen Schwierigkeiten in den Griff bekommt. Gegenseitige Abneigung, Eitelkeiten und persönliche Interessen als Hintergrund dieses Konflikts wären ein Desaster.

Weiterhin gute Stimmung

„Wir müssen jetzt einen Neustart machen, um es im Pokalfinale besser hinzukriegen. Aber automatisch gewinnen wir das nicht.“
Ralf Rangnick, Trainer, FC Schalke 04

Zitiert nach Der Westen, 8.5.2011

„Insgesamt befinden wir uns in einer schwierigen Situation, nachdem wir jetzt das fünfte Spiel in Folge verloren haben. Eigentlich haben wir gesagt, dass wir die beiden Bundesliga-Partien gegen Mainz und in Köln unbedingt gewinnen wollen, um mit Selbstvertrauen nach Berlin zu fahren. Leider ist uns das heute nicht gelungen, so dass wir nächste Woche in Köln auf jeden Fall ein Erfolgserlebnis brauchen.“
Manuel Neuer, Torwart, FC Schalke 04

www.schalke04.de – 7.5.2011

„Natürlich muss man sich Gedanken machen, wenn man fünfmal hintereinander verliert. Klar, es waren auch starke Gegner dabei. Aber heute hatte es in den entscheidenden Situationen mit Willen zu tun. Die Mannschaft hat ja bereits gezeigt, dass sie es besser kann – bis der Klassenerhalt unter Dach und Fach war und auch gegen Inter Mailand. Aber sie hat es nicht im Naturell, das immer zu tun. Deswegen müssen wir es in der verbleibenden Zeit bis zum Pokalfinale schaffen, da wieder hinzukommen. “
Ralf Rangnick, Trainer, FC Schalke 04

www.schalke04.de – 7.5.2011

„Aber ein Sieg [gegen den 1.FC Köln, K.J.] bedeutet nicht gleichzeitig, dass wir dann auch das Spiel in Berlin gegen den MSV Duisburg gewinnen.“
Horst Heldt, Vorstand Sport/Spielbetrieb/Kommunikation, FC Schalke 04

www.schalke04.de – 7.5.2011

Meine drei Momente für die deutsche Fußballewigkeit

Wenn die deutsche Fußballnationalmannschaft zu einem gelungenen Geburtstagsfest meiner Frau beitragen kann, weiß sie, was sich gehört und tut alles, um nach der fröhlichen und beschwingten Stimmung im Garten auch das Erleben von begeisterter Freude möglich zu machen.

Darin ist sich Fußball-Deutschland einig, dieser Sieg der deutschen gegen die englische Nationalmannschaft trägt alle Züge jener Spiele, nach denen man in Jahrzehnten noch das Google entsprechende Informations-Orientierungssystem  befragt: Ein erspielter, deutlicher Sieg, der für einige Zeit gefährdet schien. Er war aber auch nur in dem Maß gefährdet, dass es einen angenehm schauerte. Es gab mit dem nicht gegebenen Tor eine für England tragische, falsche Schiedsrichterentscheidung, die sich auch noch an die Geschichte des Wembley-Tores der 66er WM-Begegnung anschließen lässt. Und last but not least, die Mannschaften sind sehr fair miteinander umgegangen.

Für mich besitzt dieses Spiel auf hohem Niveau drei magische Momente, die sich in mein Gedächtnis gebrannt haben. Das ist als erstes dieser präzise, weite Abschlag von Manuel Neuer zu Miroslav Klose, der diesen Abschlag perfekt aufnimmt, der sich durchsetzt und dann zum 1:0 einschießt. Das war nicht nur das idealtypische Zusammenspiel von Torwart und Stürmer, auch die jeweilige Einzelleistung verdient das Prädikat.

Mein zweiter Moment ist jene Szene im deutschen Strafraum, als Arne Friedrich in einer bedrohlichen Angriffssituation halb grätschend klärt und im Wiederaufrichten den Ball kontrolliert, um ihn danach mit technisch brillanter Ballbehandlung dribblend aus dem Strafraum herauszuspielen. Das geschieht alles in einer einzigen fließenden Bewegung, vom Grätschen bis zum Herausspielen. Großartig oder in den Worten Günter Netzers, brasilianisch!

Und als dritten Moment sehe ich die Ballannahme Mesut Özils in der Nähe der Mittellinie vor dem vierten Tor, als Özil und sein Gegenspieler auf nahezu gleicher Höhe beim gepassten Ball ankommen. Im nächsten Moment hat Özil durch seine präzise Ballaufnahme im Sprint fast zwei Meter Vorsprung.


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