Posts Tagged 'Marcel Lenz'

Auch mal nur die Pflicht erfüllen

20170217_182041_burst01_resized_mIn Frühlingslaune hatte ich Mitte der Woche die Bahnkarte nach Mainz gebucht. Die Sonne schien, und draußen wärmte es sich auf 15 Grad auf. Am Freitag war es dann so frühlingshaft doch nicht mehr, weder den Tag über beim Spaziergang durch Mainz noch am Abend beim Spiel des MSV gegen die U23 von Mainz 05. Es ist eben Februar. Allerdings regnete es nicht an dem Tag trotz grauem Himmel. So war es nicht zu kalt. 20170217_174126_burst01_resized_mFür diesen Monat blieb immer noch gutes Ausflugswetter, auch wenn es einen nicht unbedingt in Hochstimmung versetzte. Insofern passte das Wetter perfekt zum Spiel des Abends. Schließlich sahen wir einen 2:0-Sieg beim Tabellenletzten; einen Sieg, dessen Grundlage in der ersten Halbzeit gelegt wurde; einen Sieg, der in der zweiten Halbzeit mehr recht als schlecht über die Zeit gebracht wurde.

Zufrieden fuhr ich nach Hause und wusste dabei eines, die Stimmung wird noch besser werden, wenn das Verfolgerduell zwischen Magdeburg und Osnabrück am nächsten Tag abgepfiffen ist. Jedes Ergebnis in diesem Spiel würde ein gutes Ergebnis für den MSV sein.

20170217_183613_burst01_resized_mWenn auf die 18.000 Plätze eines Stadions sich nur etwas mehr als 1.800 Zuschauer verteilen, kommt einem der Anblick aus dem Gästeblock heraus ins Stadionrechteck ziemlich trostlos vor. Gut, dass sich mindestens die Hälfte dieser Zuschauer um mich herum befand und lautstarke Heimspielatmosphäre die Normalität eines Fußballspiels in der 3. Liga wieder in Erinnerung brachte. Zu dieser Normalität gehören Trainerwarnungen wie die von Ilia Gruev vor dem trügerischen Bild einer Tabelle, damit eine Mannschaft auf dem letzten Platz dieser Tabelle nicht unterschätzt werden sollte.

Die ersten Minuten des Spiels zeigten, wie notwendig solche Warnungen sind. Die U23 von Mainz 05 spielte mutig nach vorne, wirkte aggressiv und entschlossen zum Abschluss. Ein Distanzschuss an die Latte war das Ergebnis, weil das Defensivverhalten des MSV in diesen ersten Minuten zu nachlässig war. Das änderte sich nach diesem Lattenschuss und die Zebras übernahmen die Spielkontrolle. Die Mainzer wurden in ihre Hälfte gedrängt. Angriff um Angriff wurde ruhig und kontrolliert vorgetragen. Der Druck auf die Mainzer Defensive war hoch. Die Mainzer machten immer häufiger Fehler.

Der Führungstreffer durch Dustin Bomheuer fiel nach einem Freistoß von rechts nahe der Strafraumgrenze. Andreas Wiegel schlug den Ball präzise in den Lauf von Dustin Bomheuer, der frei und wuchtig einköpfte. Lehrbuchmäßig. Besser geht es nicht. Nur drei Minuten später fiel das 2:0 durch ein sehr schönes Tor von Kingsley Onuegbu. Der Pass kam in seinen Lauf halbhoch in den Strafraum hinein. Wunderbar nahm er den Ball an, um ihn am Gegenspieler vorbeizulupfen. Dabei kam er vom direkten Weg aufs Tor ab, rechts Richtung Strafraumrand, was ihn nicht daran hinderte, den halbhohen Ball in feiner Drehung aufs Tor zu bringen. Auch dieses Tor war ein Lehrbuchbeitrag in Sachen Ballannahme und Schusstechnik. Trotz sicherer Führung gaben sich die Zebras nicht zufrieden. Sie wollten ein drittes Tor. Doch zwingende Chancen blieben bis zur Halbzeitpause aus.

Nach der Halbzeitpause blieben dann 45 Minuten, um sich an die Warnung von Ilia Gruev zu erinnern und gleichzeitig zu erkennen, warum die Mainzer am Tabellenende stehen. Von Spielkontrolle durch die Zebras konnte nun keine Rede mehr sein. Die Mainzer spielten offensiver und brachten nun ihrerseits immer wieder Angriffe bis in den Strafraum vom MSV oder dessen Nähe. Dennoch blieb die Mannschaft für diese Vielzahl von Angriffen zu harmlos. Pässe waren nicht präzise und Schüsse auf das Tor von Marcel Lenz waren mit einer Ausnahme leicht zu klären. Marcel Lenz spielte, weil Marc Flekken sich beim Training verletzt hatte.

20170217_205248_resized_mSo abgeklärt das nachträgliche Fazit auch wirken mag, leicht anzusehen war diese zweite Halbzeit bis etwa zur 80.Minute nicht. Es gab ja keine Garantie für erfolglose Mainzer Angriffe. Weil auch nicht erkennbar wurde, dass die Zebras die Spielkontrolle zurückgewinnen konnten, war diese zweite Halbzeit eine lästige Pflichtaufgabe mit zwischenzeitlichem Ärger, mancher Sorge und immer wieder bestätigter Erleichterung über eine Mainzer Mannschaft, die nur beim ersten Blick gefährlich wirkte. In den letzten zehn Minuten kehrte aber Ruhe ein. Die Mainzer resignierten ein wenig, die Zebras wirkten wieder sicher. Meine Zufriedenheit machte sich wieder bemerkbar.

Als nun am Wochenende die Ergebnisse der Mannschaften auf Platz 2 bis 4 den Spieltag komplettierten, wurde meine Laune, wie erwartet, noch besser. Dieses Tabellenbild mit neun Punkten Vorsprung des MSV auf Platz 3 stimmt doch sehr zuversichtlich. Wie passend, dass am nächsten Spieltag nun der FC Magdeburg zum Heimspiel kommt. Den MSV in seinem Lauf hält nicht der Letzte noch der Zweite der Tabelle auf. Ich suche schon mal vorsichtig nach passenden Schlagzeilen für das kommende Wochenende.

20170217_142023_resized_mFür die Zeit, bis ich wirklich an Schlagzeile und Spielbericht arbeiten kann, beschäftige ich mich vielleicht mit einem Bildungsangebot, auf das ich in Mainz bei meinem Spaziergang gestoßen bin. In diesem traditionsreichen Mainzer Lehrinstitut wird seit Jahren gute Arbeit in einer Nische unseres Bildungskanons geleistet. Wer dort Kurse buchen möchte, wende sich vertrauensvoll an mich. Ich leite die Anfrage dann weiter.

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Die nächste Legendenweg-Etappe für Fans und Mannschaft

Je größer das Glück, desto weniger brauchen wir die Worte. Es genügt ein kurzer Moment, der Anlass zur Erinnerung gibt und schon ist alles wieder da. Das Foto vom Torjubel Giorgi Chanturias mit seinem nackten Oberkörper taucht im Info-Strom des Netzes auf und sofort sehe ich seinen Antritt parallel zur Strafraumgrenze, umringt von roten Trikots, ich sehe seine enge Ballführung, den Durchbruch in den Strafraum hinein, diese plötzliche Lücke, die sich auftut, den freien Weg auf den Torwart. Hart wird Chanturia von der Seite angegangen, kommt einmal kurz ins Straucheln und läuft weiter.

Er ist wieder da, der bange Moment, in dem die Zeit still stand, der Bruchteil einer Sekunde, in der die Wirklichkeit für mich ein psychodelisches Bildergemisch wurde. In diesem Bildergemisch strauchelt sich ein Chanturia schon zu Boden, während ein anderer Chanturia weiterläuft, allerdings mit Kingsley Onuegbus Gesicht und dessen Hautfarbe. Den Schuss vom Onuegbu-Chanturia pariert der Leipziger Torwart wie die Großchance von Onuegbu selbst in der ersten Halbzeit. Den Elfmeterpfiff sehe ich als Folge und spüre Tränen der Enttäuschung schon brennen, während der Jubelschrei in tiefer Kehle aus mir herausdrängen will. Aller angehaltene Atem will raus. Unsere Oberkörper beugen sich nach vorne. Nun schieß! Und tatsächlich bringt Giorgi Chanturia den Ball rechts am Leipziger Torwart vorbei. Das so ersehnte Tor zur Führung ist wirklich geworden.

Den nackten Oberkörper von Giorgi Chanturia habe ich erst heute morgen gesehen. In unserem kaum enden wollenden Jubel verloren wir das Spielfeld völlig aus dem Blick. Alles tobte durcheinander. Drei, vier Stufen rauf und runter wogten wir, mit jedem feiernd, der in der Nähe war. Jubel. Freude. Reines Glück. Das ersehnte Zwischenziel, der Relegationsplatz, so nah. Nun war es egal, welche Ergebnisse die anderen Mannschaften erzielten. Doch noch waren 15 Minuten zu spielen.

Die Führung war verdient, und sie war zudem gegen eine Leipziger Mannschaft herausgespielt worden, die in diesem Spiel noch ein Ziel hatte. Wie angekündigt wollte diese Mannschaft in Duisburg gewinnen. Doch der MSV hielt von Anpfiff an dagegen. Sorgen bereitete uns das schnelle Leipziger Kurzpassspiel und die technischen Qualitäten fast aller Leipziger Spieler. Doch in der ersten Halbzeit ließ der MSV diese mannschaftlichen und individuellen Qualitäten nicht zur Entfaltung kommen. Die Leipziger Spieler waren sichtlich genervt von den früh angreifenden Duisburger Spielern. Sie wurden nicht in Ruhe gelassen. Eine wirkliche Torchance erspielten sie sich nur in der 3. Minute. Es war die einzige brenzlige Situation für Marcel Lenz, die er souverän löste.

Überhaupt strahlte Marcel Lenz eine beeindruckende Ruhe aus. Das ist nicht selbstverständlich, wie wir alle wissen. In so einem bedeutsamen Spiel überhaupt zum ersten Mal in der Saison eingesetzt zu werden, kann eine Belastung sein. Marcel Lenz hat sofort zu seinem Rhythmus gefunden und bot der Mannschaft Rückhalt durch seine Ausstrahlung.

Die großen Chancen zur Führung hatte der MSV in dieser ersten Halbzeit. Nach wunderbarem schnellen Passpiel über drei Stationen, das Kingsley Onuegbu selbst eingeleitet hatte, lief er frei auf den Leipziger Torwart zu. Der parierte seinen Schuss in die rechte untere Ecke mit einem großartigen Reflex. Diesen Reflex packte er nach einem freien Schuss von Stanislav Iljutcenko im Strafraum noch einmal aus. Aufschrei der Enttäuschung, zum zweitern. Zetern, Hadern. Beschwören des Fußballgotts.

Wer solche Chancen vergibt. Den Satz vollendeten wir in der Halbzeitpause lieber nicht. Dennoch schwebte die leise Sorge über uns, das Vergeben könne sich rächen. Die Sorge wurde größer, als in den ersten Minuten der zweiten Halbzeit der MSV noch nicht wieder so ins Spiel fand, wie es für die Kontrolle der Leipziger fußballerischen Qualität nötig war. Die Spieler wurden nicht mehr früh genug angegangen und schon fand das Spiel vor allem in der Duisburger Hälfte statt. Die Mannschaft kam nicht mehr für längere Zeit an den Ball. Eigene Angriffe fanden nicht mehr statt.

Nun geschah etwas, was in Duisburg nicht oft passiert. Das gesamte Publikum spürte, diese Mannschaft braucht Unterstützung und zwar nicht nur die Unterstützung des Stimmungsblocks. Diese Manschaft braucht das ganze Stadion, und das Stadion war da. Das Anfeuern aus der Nord wurde auf den Geraden aufgegriffen, und es wurde laut. Pausen bei diesem Anfeuern gab es nicht mehr. Ununterbrochen wurde nun die Mannschaft zu jener Stärke getrieben, die sie in der ersten Halbzeit gezeigt hatte. Die Spieler rannten wieder jenen Meter mehr, der nötig war, um den Leipzigern unangenehm zu werden. Das Spiel verlagerte sich wieder raus aus der Hälfte der Duisburger und um die 60 Minute herum, war die zuvor gesehene Stärke wieder da.

Selten ist es so klar erkennbar gewesen, dass ein Sieg des MSV Duisburg auch ein Sieg des Publikums gewesen ist. Wenn die Geschichte dieser Saison tatsächlich mit einem guten Ausgang zu erzählen ist, dann wird dieser Sieg auch als ein Sieg des Zusammenhalts von Zuschauern und Mannschaft zu erzählen sein. Noch ist dieser Sieg erst eine Zwischenetappe auf dem Weg zum Klassenerhalt. Noch sind zwei Spiele zu spielen. Es ist schon viel erreicht worden mit diesem Sieg gegen Leipzig, etwas was vor wenigen Wochen kaum einer für möglich gehalten hat. Doch dieser Sieg ist Zwischenetappe; ein Sieg der zudem notwendig war, weil der TSV 1860 München wie befürchtet gegen den FSV Frankfurt verloren hat.

Um die 87. Minute herum machte die Nachricht von der Frankfurter Führung bei uns die Runde. Noch einmal zitterten wir, noch einmal erinnerten wir uns kurz an all die späten Ausgleichs- und Niederlagentore, die wir je in diesem Stadion gesehen hatten. Doch hielt sich das Zittern in Grenzen. Der MSV behielt die Spielkontrolle bis zum Schlusspfiff. Die nächste Etappe wartet nun. Auf gehts Zebras, lasst uns das Wunder Klassenerhalt vollenden.

 

Loblied auf ereignisarme Zeiten

Der Kontrast zur Gegenwart könnte nicht größer sein. Momentan tauche ich tief in die Nachrichtenlage der Zeit vor dem Schuldenschnitt ein. Ich lese von all der Unsicherheit, von Sorgen und Mutmaßungen, wer welche Motive für sein Handeln hat. Ich spüre wieder den Zorn von MSV-Fans. Ich erkenne die große Hoffnung auf eine Zukunft mit sportlicher Perspektive wieder. Ich lese vom Unverständnis, warum der Schuldenschnitt doch nicht so gelang, wie er im Moment der Lizenzerteilung für die 3. Liga angekündigt worden war. Wir wissen, es dauerte nur länger als erhofft.

All das steht so sehr im Gegensatz zur Konzentration der Aufmerksamkeit auf sportliche Fragen in dieser Zeit, dass ich mich gerade über den MSV der Gegenwart sehr freue. Trotz der gemischten Gefühle, die die Bewegtbilder vom Testspiel gegen Standard Lüttich mal wieder in mir wecken. Natürlich erhalten wir durch den kurzen Clip überhaupt keinen Eindruck von der Leistung der Mannschaft, und es ist auch nicht die Niederlage, die das verursacht. Es ist eher so, dass ich trotz der zu sehenden gelungenen Offensivaktionen nach den Gegentoren zwei und drei den „individuellen Fehler“ einfach nicht mehr aus dem Kopf bekomme. Der verfolgt mich seit dem ersten Spiel. Fehler, Gegentor. Einer macht ihn gerade immer. Und wenn´s dann noch beide Torhüter sind …

Prüfung Halbfinale bewältigt – Cottbus wartet

Das Leben hält für einen manchmal sogar schöne Prüfungen bereit. Schön sind Prüfungen genau dann, wenn sie dich fordern und du dennoch mit spielerischer Leichtigkeit die nötigen Fähigkeiten zeigen kannst. Das Halbfinalspiel im Niederrheinpokal zwischen Rot-Weiß Oberhausen und dem MSV Duisburg war so eine Prüfung. Nicht für beide Mannschaften. Für mich. Am Morgen hatte ich noch geschrieben, eine Niederlage betrachtete ich nicht einmal mit Bedauern, weil meine ganze Aufmerksamkeit dem Aufstieg gilt. Doch ich wusste auch, ich kann mir keinen Mannschaftssport ansehen, um nicht über kurz oder lang für eine der beiden Mannschaften eines Spiels Partei zu ergreifen und mitzufiebern. Wie oft war ich schon enttäuscht, weil irgendeine Zweitligabasketballlmannschaft meine Sympathie gewann und ihr Spiel verlor.

Ein wenig mulmig war mir also, als ich das Stadion betrat. Schon die erwartungsvolle Atmosphäre im Stadion Niederrhein ließ mir das Herz aufgehen. Das war Sport abseits der Unterhaltungsbranche Fußball, auch wenn der MSV Duisburg sich genau auf der Grenze zu dieser Sphäre des Fußballs bewegt. Ich begann, nicht mehr ganz so offen für eine Niederlage zu werden. Mir gefiel es allmählich doch sehr viel besser, wenn der Verein meiner Zuneigung siegte. Und dieser Verein war der MSV Duisburg. Doch Gino Lettieri half mir mit der Aufstellung, mich an meine Worte des Morgens zu erinnern.

2015-04_rwo_msv1Egal, was auch immer er nach dem Spiel zu der Aufstellung sagte, er ließ eine B-Elf beginnen, zum einen wie im Fall Martin Dausch, war das der Schonung nach leichter Verletzung geschuldet. Was vielleicht auch für Steffen Bohl und Branimir Bajic galt, die nicht im Kader waren. Nico Klotz, Zlatko Janjic, Kingsley Onuegbu und Thomas Meißner blieben auf der Bank, genauso wie Michael Ratajczak, den Marcel Lenz sinnvoller Weise ersetzte, um sich für den Samstag Spielpraxis zu holen. Diese Aufstellung war Risikominimierung und -maximierung zugleich. Stammspieler blieben für den Ligabetrieb unversehrt, was man von den Siegchancen nicht sagen konnte.

Diese Aufstellung verhalf mir zurück zur Gelassenheit. Denn eines war klar, Rot-Weiß Oberhausen spielte seit ein paar Wochen in sehr guter Form eine Liga tiefer, bewegte sich im oberen Tabellenviertel, und wir wissen, die Unterschiede der Spielstärke können sich in einem einzigen Spiel sehr schnell verlieren, selbst wenn eine eingespielte höherklassige Mannschaft auf einen klassenniederigeren Gegner trifft.

2015-04_rwo_msv4Die Mannschaft des MSV hingegen war keineswegs eingespielt. Sie war zudem besetzt mit vielen Spielern, die vielleicht sogar nicht ganz frei aufspielen können. Ich kann mir gut vorstellen, dass etwa Pierre De Wit mit seiner momentanen Stellung im Kader nicht ganz zufrieden ist. Es waren Spieler wie Dennis Grote und Sascha Dum, die auf dem Spielfeld manchmal so wirken, als käme etwas ihrem Spielrhythmus quer. Und es waren Spieler wie Fabian Schnellhardt oder Kevin Scheidhauer, die ehrgeizig sind, sich zeigen wollen und bei denen die Gefahr besteht, dass sie gerade deshalb sich selbst im Weg stehen. Dazu kam eine Abwehrreihe, die völlig neu zusammengestellt war und in der ich niemanden erkannte, der das Offensivspiel nach gewonnenen Bällen hätte einleiten können. Ich war bereit für Überraschungen.

2015-04_rwo_msv6Vielleicht vier, fünf Minuten waren gespielt, und ich fand vollends zu meiner morgendlichen Grundentspannung zurück. Schnell war zu erkennen, die Oberhausener hatten mehr als nur den Kampf zu bieten. Ihr Zusammenspiel funktionierte gut, Laufwege waren erkennbar und ein Steilpass in eine Schnittstelle der Defensivreihe war auch schon fast  torgefährlich geworden. Rot-Weiß Oberhausen zeigte sich sofort als gleichwertiger Gegner, der hervorragend verteidigte und blitzschnell umschaltete.

In der 11. Minute fiel das Führungstor für RWO. Nach einem Eckstoß gab es im Strafraum ähnlich viel Platz für die Oberhausener Spieler wie zuvor beim schnellen Steilpass in die Spitze. Aus dem gleichwertigen Gegner war schnell ein überlegener Gegner geworden. Der MSV mühte sich zwar. Das Angriffsspiel blieb aber zu einfallslos, um die gut gestaffelte Defensive der Oberhausener zu überwinden. Einmal gab es die Chance zum Ausgleich. Nach schnellem Kurzpassspiel kam Fabian Schnellhardt an der Strafraumgrenze zum Abschluss und traf die Latte. Die Oberhausener blieben gefährlicher, weil ihrem Spiel mehr Raum gelassen wurde. Das 2:0 fiel kurz vor der Pause, und sein Entstehen bahnte sich ebenfalls durch einen präzise vorgetragenen Angriff an.

Für einen kurzen Moment spürte ich in der Halbzeitpause so etwas wie einen Phantomschmerz über diesen Rückstand. Das Gegenmittel war kurz aufflackernde Hoffnung, es könne noch der Ausgleich fallen, weil die Oberhausener Mannschaft  mehr in das Spiel investiert hatte. Vielleicht wären die Spieler nicht lange genug so konzentriert wie nötig, weil sie zu früh müde wurden. Dem war nicht so. RWO spielte auf dem Niveau weiter, und auch wenn der MSV nun deutlich mehr Ballbesitz hatte, klare Chancen konnte sich die Mannschaft nicht erspielen. Für mich war das Spiel entschieden, und als in der 71. Minute Kingsley Onuegbu, Zlatko Janjic und Nico Klotz eingewechselt wurden, hoffte ich vor allem auf deren Unversehtheit und glaubte nicht eine Minute, sie könnten an diesem Abend durch Einzelleistungen noch irgendetwas an der Niederlage ändern.

Einen Lichtblick hatte dieser Abend auch auf Seiten des MSV für mich. Dieser Lichtblick war trotz der beiden Gegentore Marcel Lenz. Er wirkte sicher im Strafraum, zeigte einmal auf der Linie einen großartigen Reflex und seine weiten Bälle auf die Flügel waren präzise Vorlagen. Er schießt dorthin, wo er den Ball auf dem Spielfeld platzieren möchte. Fast wäre ich nach dem zweiten dieser Pässe auf Dennis Grote aufgesprungen, um Marcel Lenz begeistert zu feiern. Das wäre aber des Guten etwas zu viel gewesen, auch wenn für uns in Duisburg solche Pässe seltene Schmuckstücke sind.

2015-04_rwo_msvx4Der nochmalige Einzug ins Finale des Niederrheinpokals wäre schön gewesen. Eine bessere Leistung der Mannschaft wäre ebenfalls schön gewesen. Doch ich halte es für völlig unrealistisch zu glauben, dass eine derart aufgestellte Mannschaft des MSV eine gute Viertligamannschaft mal eben besiegen kann. Insofern gefallen mir auch Gino Lettieris „harte Worte“ nicht gut, wie sie Im Reviersport zu lesen sind. Das eine ist die schlechte Leistung der eigenen Spieler, das andere ist der realistische Blick auf die Qualität des Gegners, den wohl der Trainer selbst zu verantworten hat. So ist es vor allem schön gewesen, dass ich meine persönliche Prüfung in diesem Spiel bewältigt habe. Tatsächlich kann ich von mir sagen, ich bedauere diese Niederlage des MSV Duisburg kaum. Allerdings befürchte ich, diese Gelassenheit setzt auf die Zukunft. Sie setzt darauf, dass Samstag das Spiel gegen den FC Energie Cottbus so ausgeht, wie wir es uns wünschen.

Vielleicht stimmt mich außerdem die besondere Atmosphäre im Stadion Niederrhein nachsichtiger mit dem MSV Duisburg,  dieser Charme des Ortes, der sich durch die besondere Mischung von Tradition und Moderne dort ergibt. Wenn der MSV schon ausscheiden muss, dann soll es wenigstens dort gewesen sein. Rot-Weiss Oberhausen hat den Einzug ins Finale verdient. Wie sagt der Kölner, man muss auch jönne könne. Und wo er recht hat, hat er recht.

Ein paar Impressionen vom gestrigen Abend habe ich auch noch.

Ein Sieg zeigt Gründe für den Tabellenplatz

Fußballspiele des MSV Duisburg wie das beim FC Hansa Rostock kann ich mir eigentlich nicht an heimischen Bildschirmen ansehen, ohne den Familienfrieden zu gefährden. Zwangsläufig schreie ich schließlich immer wieder einmal so bedrohlich bangend auf, dass meine Frau regelmäßig besorgt ins Zimmer eilt. Diese Mischung aus Aufschrei und Stöhnen muss sich nach schwerem körperlichen Unwohlsein anhören. Sollte ich einmal tatsächlich etwa nachts gesundheitliche Probleme haben, wird sich meine Frau nur noch über die ungewöhnlichen Anstoßzeiten beim MSV wundern.

Ich bangte so sehr um den 1:0-Sieg, weil die Fallhöhe in diesem Spiel so hoch war. Der MSV Duisburg gestaltete in der ersten Halbzeit und zu Beginn der zweiten Hälfte das Spiel so überlegen, dass  die Hoffnung auf einen sicheren Sieg übermächtig war. Gleichzeitig war aber auch eins klar, diese Überlegenheit verdankte sich großer Laufbereitschaft und sehr viel Einsatz. Bis zum Ende des Spiels war diese Intensität nicht beizubehalten. Zum Ende des Spiels würde der FC Hansa Rostock zu Chancen kommen. Der MSV Duisburg brauchte ein zweites Tor, und dieses Tor fiel nicht.

Meine Sorge speiste sich aus einem vorweggenommenen Mitleiden. Denn die Mannschaft vom MSV Duisburg ist sich ihrer selbst nicht sicher genung, um einfach wegzustecken, dass sie nicht belohnt wird, obwohl sie so viel in ein Spiel investiert.  Die Enttäuschung der Mannschaft fürchtete ich genauso wie die Enttäuschung vieler Anhänger, die die Stimmung rund um den MSV noch ungemütlicher gemacht hätte. Das zweite Tor, das nicht fallen wollte, gibt aber auch die Antwort auf die Frage, warum die Mannschaft nicht immer so spielt. Die eine schnelle Antwort ist banal. Die Spieler können es nicht.

Die andere etwas ausführlichere Antwort habe ich in den letzten Wochen schon öfter geschrieben. Die Entwicklung des Spiels bestimmt mit, zu welchen Leistungen die einzelnen Spieler fähig sind und wie groß ihr Einsatz werden kann. Marcel Lenz und Matthias Kühne betonten beide nach dem Spiel, wie sehr jeder alles für die Mannschaft gegeben habe. Man könnte nun vermuten, das habe mit Karsten Baumanns wechselnden Motavitationkünsten zu tun. Sehr viel wahrscheinlicher ist etwas anderes. Dieser Einsatz wurde möglich, weil Michael Gardawski schon früh, in der 11. Minute, ein Tor erzielte, das im Übrigen durch ganz feine  Schusstechnik möglich wurde. Diese frühe Führung gab nicht nur der eigenen Mannschaft Sicherheit, gleichzeitig reduzierte dieses Tor die Risikobereitschaft der Rostocker. So konnte das frühe Pressing so erfolgreich werden.

Das zweite Tor fiel nun deshalb nicht nur, weil klare Chancen vergeben wurden. Hinzu kam, viele Spielaktionen nach dem jeweiligen Ballerobern waren nicht präzise genug oder es fehlte dem Ballführenden der Blick für die Mitspieler. Auch in dem Fall kann Michael Gardawski genannt werden, beispielhaft für die gesamte Mannschaft. Um die 30. Minute herum spielte er den nötigen Steilpass eben nicht, der Kingsley Onuegbu im Strafraum alleine vor dem Torwart hätte auftauchen lassen. Oder in einer anderen Spielsituation dribbelte er im eins gegen eins den Ball zwar am Gegner vorbei, aber dafür auch knapp ins Aus. Auf demselben Niveau bewegten sich seine Mitspieler. Die Mannschaft brauchte stets mehrere Anläufe, um den Ball einmal gefährlich vor das Rostocker Tor zu bringen. Aus der Feldüberlegenheit ergaben sich deshalb zwar weitere Chancen, doch entfaltete sich durch sie kein zwingender Druck aufs gegnerische Tor. Die Chancen ragten aus dem Spielfluss heraus. Dass sie nicht genutzt wurden, verweist ebenfalls auf die Antwort zur oben gestellte Frage.

Wenn eine Mannschaft diese Überlegenheit in keine deutliche Führung verwandelt, braucht sie zum Spielende hin neben dem aufopfernden Kampf in der Defensive einen starken Torwart. Musste Marcel Lenz im Heimspiel gegen Holstein Kiel noch seine Stabilität finden, so war er dieses Mal von Anfang an präsent. Erste Fernschüsse der Rostocker nahm er gelassen auf, und als es ab der 70. Miute herum ein paar Mal wirklich heikel wurde, zeigte er sowohl beeindruckende Reflexe auf der Linie als auch ein starkes Stellungsspiel, das die gegnerischen Stürmer zu Schüssen aus ungünstigen Positionen zwang. Wahrscheinlich langt der Auswärtssieg noch nicht, um die Stimmung rund um den MSV Duisburg zu stabilisieren. Erst nach einem weiteren Erfolg im Heimspiel gegen Elversberg wird die Saison ruhig zu Ende gespielt werden können. Hoffen wir darauf.

Die Pressekonferenz nach dem Spiel sowie die Stimmen von Marcel Kühne und Marcel Lenz.

Der MDR-Spielbericht:

Großer Einsatz für punktlose Überlegenheit

So eine Zugfahrt durch das Mittelrheintal stimmt zuversichtlich. Bewaldete Hänge, Rheininseln und Burgruinen bieten trotz gewachsener Uferorte noch immer oft genug idyllische Momente. Für mich als Ruhrorter Hafenkind gehört sogar die Rheinschifffahrt mit ihren  Dieselmotoren in diese Idylle. Über die vielen Bahnhöfe mit ihren Zeichen des Verfalls habe ich hinweggesehen. Schönes wollte ich sehen, was auch die Mannschaft vom MSV Duisburg mir zunächst im Wiesbadener Stadion ermöglichte. Nicht nur wir auf den Rängen machten dieses Auswärts- zu einem Heimspiel, auch die Mannschaft wollte sofort zeigen, dass sie das Heft in der Hand hält. Auch sie trat mit aller Macht einer Heimmannschaft auf.

Der SV Wehen Wiesbaden schien einen Spieler weniger auf dem Platz zu haben. Mit großem läuferischen Einsatz unterbanden die Zebras nahezu jeden Ballbesitz des Gegnern kurz hinter der Mittellinie. Ein Spiel nach vorne gab es vom SV Wehen Wiesbaden deshalb nicht. Hilflos wirkte der SV Wehen Wiesbaden, wenn ein Spieler den Ball führte. Der MSV Duisburg hingegen zeigte wieder sein schnelles Umschaltspiel, die variablen Angriffszüge, ob über Außen oder in schnellem Kombinationsspiel durch das Mittelfeld. Es gab nur ein Problem. Der letzte öffnende Pass in den Strafraum gelang nicht, und an eine einzige gefährliche Flanke kann ich mich erinnern. Das auch in der Offensive laufintensive Spiel für den MSV Duisburg blieb ohne Torgefahr. Das beunruhigte mich. Wenn trotz dieser deutlichen Überlegenheit des MSV Duisburg keine klaren Torchancen entstanden, konnte ein einmalig immer möglicher Vorstoß des SV Wehen Wiesbaden das Spiel zufällig entscheiden. Zudem war es absehbar, dass in der zweiten Halbzeit diese Intensität nicht aufrecht gehalten werden könnte.

So beschlich mich zur Halbzeitpause eine böse Vorstellung, die ich konsequent verdrängte, die aber in den letzten Minuten des Spiels zur Wirklichkeit wurde. Zuvor aber war ich nach dem Anpfiff der zweiten Halbzeit sogar eher erleichtert. Es schien nämlich, als ob die Wiesbadener  nun tatsächlich auch das Spiel mitgestalten wollten. Sie wollten agieren und mitspielen. Für eine kurze Zeit stand die Mannschaft höher, griffen die Wiesbadener die ballbesitzenden Duisburger schon in deren Hälfte an und schufen so in der eigenen Hälfte mehr Raum für das schnelle Umschaltspiel der Zebras. Trotz des höheren Risikos für ein Gegentor hoffte ich, die zuvor gesehenen spielerischen Qualitäten würden sich durchsetzen. Doch dieses frühe Angreifen blieb ein Strohfeuer. Dem MSV Duisburg gelang es sehr schnell, die Wiesbadener erneut in ihre eigene Hälfte zurück zu drängen – mit der aus der ersten Halbzeit bekannten Folge. Es ergab sich in dem engen Raum vor dem Wiesbadener Tor keine klare Torchance. Zudem misslangen sowohl Ecken als auch Freistöße. Glück musste her, zumal die Kräfte der Zebras zum Ende des Spiels hin deutlich nachließen.

Fehlende Kraft begünstigt Fehler, und so reihten sich  gleich zwei Fehler aneinander, Glück kam für die Wiesbadener hinzu und schon war der Führungstreffer für den SV Wehen Wiesbaden gefallen. Pierre De Wit misslang, was von ihm im Spiel unzählige Male schon gefordert war und was ihm vorher immer gelang. Er wurde angespielt, versuchte sich einen Freiraum zu erdribbeln, um in den freien Raum zu passen. Der Raum war nicht mehr frei. Der Ball wurde abgefangen und dieses Mal schnell steil gespielt. Die MSV-Abwehr war in der Vorwärtsbewegung und dennoch gelang es Sascha Dum, sich den Ball zu ergrätschen, verlor ihn aber sofort wieder, so dass der Wehener Spieler am herauseilenden Marcel Lenz vorbei aufs Tor schießen konnte. Der Ball ging zunächst an den Pfosten, doch auch dann stand noch ein Wehener Spieler bereit, den abprallenden Ball problemlos einzuschieben. Mit diesem Tor war das Spiel entschieden. Zu viel hatte der MSV Duisburg investiert. Zu groß war die Enttäuschung nach diesem Tor. Aus dieser Enttäuschung heraus noch einmal Kraft entwickeln schien mir kaum möglich. Natürlich blieb die leise Hoffnung auf Glück und lange Spieler, von deren Köpfen der Ball irgendwie zum Ausgleich ins Tor ginge. Das zweite Tor für Wehen machte auch diese Hoffnung zunichte. Phil Ofusu-Ayeh sollte sich nicht allzu sehr grämen. Es war ein schwieriger Ball, der da weit nach vorne geschlagen kam. Wenn so ein Ball erst einmal aufspringt, wird er unberechenbar. Dann sieht man als Spieler, der so einen Ball nicht kontrolliert bekommt einfach dumm aus. So groß war dieser Fehler jedenfalls nicht.

Es sieht so aus, als ob der MSV Duisburg in der 3. Liga eine der spielstärksten Mannschaften ist. All diese Aufstiegsaspiraten waren keinen Deut besser als die Zebras, eher weitaus schlechter. Dennoch verliert die Mannschaft Spiele, weil trotz dieser Spielstärke nicht genügend Druck entsteht und weil diese Spielstärke gleichzeitig verhindert, dass ganz einfache Lösungen in Spielsituationen versucht werden. Wenn wir die Weiterentwicklung dieser Mannschaft wollen, müssen wir mit solchen Niederlagen leben.

Nachtrag: Der Wiesbadener Blick mit einem Klick weiter.

Von Grenzen, überdrehenden Borussen und orientierungslosen Unparteiischen

Dieses Spiel des MSV Duisburg gegen Borussia Dortmund II hatte etwas vom gemeinsamen Wochenende mancher Fernbeziehungspaare nach dem ersten Verliebtsein. Voller Vorfreude ist ein romantischer Freitagabend mit gemeinsamen Kochen geplant. Doch über die Woche ist die Sahne für die „Sauce“ sauer geworden, das notwendige Geschirr ist noch nicht gespült und nach der Magenverstimmung vom Vortag hat einer von beiden ohnehin nicht den rechten Appetit auf die vom anderen eingekauften Meeresfrüchte. Schön soll es dennoch werden. Unser Paar bemüht sich redlich über alles hinwegzugehen. Doch ohne genau zu wissen, woran es nun liegt, kriegt keiner von beiden mehr so richtig die Kurve. Am Sonntag geht man mit gemischten Gefühlen wieder auseinander. Die Leichtigkeit war der Anstrengung um Leichtigkeit gewichen. Unser Paar, der MSV Duisburg, kam zum Sieg entschlossen auf das Spielfeld. Deutlich war das in den ersten Minuten zu erkennen. Die Enttäuschung nach der 2:1-Niederlage ist dementsprechend groß, nicht zuletzt Karsten Baumann steht sie während der Pressekonferenz nach dem Spiel ins Gesicht geschrieben. Selbstkritisch merkt er an, das Augenmerk der Mannschaft vielleicht zu sehr auf die Offensive gebracht zu haben.

Die zwei Tore der Dortmunder fielen allerdings keineswegs wegen der zu offensiven Ausrichtung und der dann entblößten Defensive. Die Abwehrreihe hatte bei diesen zwei Toren jeweils genügend Zeit sich auszurichten. Was bislang aber immer schon als Schwachstelle der Mannschaft erkennbar war, verschärfte sich dieses Mal durch eine schnell vorhandene Zagheit und dem mangelnden Biss in der Defensive. Beim ersten Tor der Borussen stimmte die Zuordnung in der Abwehrreihe nicht. Zu langsam fanden die Spieler ihre Gegenspieler. Beim zweiten Tor schienen eigentlich alle Defensivspieler an ihrem Platz zu sein, um die Abwehrarbeit aufzunehmen. Sie taten es nur nicht. Dem ballbesitzenden Dortmunder wurde der Raum gelassen, um seine Mitspieler dorthin zu dirgirieren, wohin er sie haben wollte. Er stand, wurde nicht bedrängt, seine außen laufenden Mitspieler zogen die Abwehr auseinander, und so konnte er in Ruhe losmarschieren und schießen.

Auch wenn das Spiel in der Offensive besser war, an die guten Leistungen der letzten Wochen konnten die Spieler vom MSV Duisburg dennoch nicht anknüpfen. Es lief nicht rund. Immer wieder versprang der Ball. Pässe in den freien Raum kamen nicht präzise genug. Selbst wenn Bälle dann behauptet wurden, Torgefahr konnte so nicht entstehen, weil Sprints abgebrochen werden mussten. Der Anschlusstreffer fiel dennoch, denn die Mannschaft bemühte sich, und Kingsley Onuegbu besitzt eine sehr feine Schusstechnik. Er hatte sich fast bis zur Torauslinie durchgetankt und schoss aus sehr spitzem Winkel ein. Dieses Tor war wieder beeindruckend. Es reichte nicht.

Die Grenzen der Mannschaft machten sich in der zweiten Halbzeit vor allem als fehlende Kraft bemerkbar, auch wenn das Zusammenspiel in der Offensive besser wurde und die Defensive nicht mehr ganz so viel zu tun bekam. Denn auch auf Dortmunder Seite schwanden die Kräfte sehr früh, so dass ab der 70. Minute die Spieler Wadenkrämpfe bekamen und das Zeitspiel dieser Mannschaft ein unerträgliches Ausmaß annahm. Auf Duisburger Seite schwand die Kraft vielleicht auch deshalb, weil mit viel Einsatz und schnellem Spiel drei, vier Mal die Defensive der Dortmunder überwunden und die Ahnung einer Chance greifbar wurde, die dann der Abseitspfiff zunichte machte. Natürlich lassen sich von unserem Stehplatz hinter dem Tor solche Situtationen nicht klar erkennen. Doch unser Misstrauen in die Schiedsrichterleistung hat gute Gründe. Neben den Abseitsentscheidungen gab es einige nicht unterbrochene beiderseitige Foulstaffetten, gefolgt von den zwei Höhepunkten: zwölf Borussenspieler auf dem Platz und jener Foulpfiff nach der Laien-Stunteinlage eines Borussenspielers, der eine so offensichtliche, sehr spezielle Kombination von Standhochsprung und Bauchplatscher war.

Ich kann mich übrigens nicht daran erinnern, nach einer Niederlage aus dem Stadion gegangen zu sein mit dem Gefühl, die siegreiche gegnerische Mannschaft ist mir durchweg unsympathisch. Normalerweise denke ich beim Sport nicht in solchen Kategorien. Aber liebe Borussen-Zweitmannschaftsspieler, dieses Gefühl in mir zu wecken habt ihr tatsächlich geschafft. Eine noch viel stärkere Leistung als der Sieg, einfach ist das nämlich nicht! Vielleicht kann mir ja ein zufällig mitlesender Borussen-Fan erklären, was gestern in diese Mannschaft gefahren ist. Hat man denen was ins Erfrischungsgetränk getan? Oder habe ich irgendwas nicht mitbekommen von der besonderen Abneigung, die der Borussia aus Duisburg entgegengeschlagen ist? Ich habe keinen Grund für diese überdrehenden Torjubelposen vor der Duisburger Kurve bemerkt, weder vorher, geschweige denn im Spiel. Soll ich diese Art aggressive Provokation, die ja später auch zwei-, dreimal gegenüber den Spielern vom MSV gezeigt wurde, wegen des Alters der Spieler nachsehen? Da gebe ich doch lieber dem Trainer der Schwarzgelben, David Wagner, einen Erziehungsauftrag mit auf den Weg. Mäßigung heißt das Gebot nach diesem Spiel und Respekt vor dem Gegner.

Was reden wir vorher schöne Worte über Gewaltfreiheit und Anti-Rassismus, wenn auf dem Spielfeld eine andere Stimmung aus dem Nichts heraus vorgeben wird. Man darf sich über Tore freuen. keine Frage. Man darf Ärger loswerden, wenn die Stimmung hochgekocht ist. Eine feindselige Stimmung selbst hervorzurufen ist aber etwas völlig anderes. Das zeugt doch mehr von einem Minderwertigkeitskomplex als von solidem Selbstbewusstsein.

Bleibt noch die Pressekonferenz nach dem Spiel sowie die Kommentare von Phil Ofosu-Ayeh, Tanju Öztürk und Marcel Lenz. Was mir die Gelegenheit gibt, darauf hinzuweisen, dass gerade Phil Ofosu-Ayeh mehrmals stark in der Defensive in höchster Not den Ball klärte und Marcel Lenz mehrmals mit spektakulären Paraden weitere Tore der Borussen verhindert hat. Da entwickelt sich zweifellos ein sehr guter Torwart.

Nachtrag: Im Pottblog finden sich die gesammelten Dortmunder Blicke  auf das gestrige Spiel.


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