Posts Tagged 'Marco Röhling'

Trauerworte

Gestern war „zuletzt„. Die Hoffnung ist tot, und wie es sich bei einem Todesfall gehört, erlebe ich seit gestern Abend immer wieder kurze Momente, in denen etwas in mir sich sträubt, das Geschehene als wirklich anzuerkennen. Dann erweist sich die menschliche Vorstellungskraft als leer laufender Motor zur Rettung des ewigen Lebens. In diesen Momenten scheint die auf das Leben ausgerichtete Energie in uns jeglichen Tod verhindern zu können. Die menschliche Vorstellungskraft ist dann der Wirklichkeit überlegen. Dann spüre ich mit aller Deutlichkeit den völlig offenen Ausgang der Saison. Dann habe ich Frühlingsduft meiner Kindheit in der Nase von all jenen Spieltagen, an denen ich erwartungsfroh auf das Wedau-Stadion zugelaufen bin. Dann sehe ich mich auf den Stehplätzen der heutigen MSV-Arena, wie ich eine Mannschaft beobachte, die sich aufwärmt und aufsteigen kann. Bilder von jubelnden Spielern habe ich plötzlich im Kopf und der eigene Torjubel, in unterschiedlicher Intensität, durchfährt für andere nicht sichtbar meinen Körper. Das zufriedene Hochreißen der Arme bei einem Tor, wenn die Mannschaft überlegen spielt und schon geführt hat. Die ekstatische Begeisterung, wenn in einem ausgeglichenen Spiel der ersehnte Treffer fällt. Ich sehe in freudige Gesichter von Menschen, deren Namen ich nicht kenne, denen ich aber seit Jahren auf dem Stehplatz im Stadion um mich herum begegne. Das alles geschieht innerhalb von Sekunden. Ich trauere, und der der Abschied tröpfelt sich derweil in mein Leben.

Beim Spiel selbst gab es für mich ausschließlich bedrückte Gefühle. Ich hatte vor der Frage gestanden, wie bringe ich Geburtstagsfeier in Duisburg, Anfahrt aus Köln und das Spiel sehen zusammen? Es kam zur Anfahrt während der ersten Halbzeit und bis zum Breitscheider Kreuz kannte ich das Spielergebnis nicht. Dort kamen wir schließlich in die Reichweite von Radio Duisburg und zwischen Knacken und Knistern konnte ich mit großer Anstrengung einen Halbsatz von Marco Röhling zu einem Angriff des MSV Duisburg hören, ehe für Minuten das Radio wieder nur noch rauschte. Erkenne den Spielstand am Tonfall von Marco Röhling, hieß das Rätsel und ohne unbescheiden sein zu wollen, kann ich sagen, darin bin ich gut. Denn augenblicklich hatte ich ein flaues Gefühl im Bauch und beim Zetern und Katastrophen-Aushalten Glück, dass der Autobahnwechsel Richtung Krefeld nicht allzu viel Aufmerksamkeit benötigte.

Ich war mir sicher, der MSV liegt zurück, und als wir auf die A59 auffuhren, war der Empfang von Radio Duisburg nicht mehr gestört und das Popsong-Gedudel beendete Guido Jansen mit dem Aussprechen des befürchteten Spielstands. Ich wollte es nicht wahr haben, doch im Grunde war ich mir sicher, die Niederlage stand fest. Dafür sprach die psychische Dynamik des Geschehens: Die immer wieder kehrende Chance wurde nicht selbst erarbeitet, sondern war Geschenk. Zudem fehlte es in diesem gesamten Bedeutungsraum MSV Duisburg an Geschlossenheit. An zu vielen Stellen brach die Einheit dieses Vereins immer wieder auf. Ob das nun zwischen Trainer und irgendwem war, ob das nun zwischen Spieler und Fans oder Fans und Vereinsverantwortlichen war. All diese Brüche haben Auswirkungen, und das hat nichts Esoterisches, sondern das sind komplexe psychische Prozesse. Geschlossenheit ist aber nötig, einen mindestens gleichwertigen, wenn nicht besseren Gegner zu bezwingen.

Auf einem anderen Blatt stehen die spielerischen Möglichkeiten der Mannschaft. Ein Sieg hätte nur glücken können, wenn die Mannschaft das Spiel erfolgreich zerstört hätte. Ich hatte vor dem Spiel nie an ein Tor aus kontinuierlichem Spielaufbau heraus gedacht. Ein Konter. Ja! Ein Tor nach einer Ecke. Ja! Ein Schuss, abgefälscht und mit sehr viel Glück ins Tor trudelnd! Ja. Aber zwei solcher Tore? Nein. Mit keiner der drei nun oben platzierten Mannschaften hatte der MSV im direkten Vergleich über längere Zeit spielerisch mithalten können. Deshalb war ich mir sicher, das war das Ende der Aufstiegshoffnungen. Natürlich habe ich dennoch in der zweiten Halbzeit vor dem Bildschirm bei jeder Bewegung in die Hälfte der Augsburger gehofft, ein Glückstor könne fallen und dann vielleicht noch eins. Aber es war so deutlich, dass der MSV Duisburg keine spielerischen Mittel fand, gefährlich vor das Tor der Augsburger zu kommen.

Inzwischen ist die Trauer milder geworden. Manchmal kommt mir der Gedanke an die nächste Saison, dann beginnen Sorgen und ich denke lieber erst einmal an etwas anderes. Manchmal erinnere ich mich auch an die Jahreshauptversammlung am letzten Mittwoch und mache mir immer noch Gedanken, was Dr. Gerd Görtz mit seinem Verhalten zu den Fragen der Beteiligung der MSV KGaA am „Seehaus“ verhüllen wollte. Dann wiederum rücke ich ab vom sportlichen Tagesgeschehen und mache mir ablenkende Gedanken zur Neuorientierung des mittelständischen Unternehmens MSV Duisburg in der Unterhaltungsbranche Fußball, an der dieser Verein nicht vorbei kommt. Die neu zusammengestellte Mannschaft ist nur ein Teil dieser Neuorientierung. Diese Neuorientierung aber ist einen eigenen Text wert.

Tue Gutes für die zebrakids – Ersteiger was! 2. Auktion

Der Besuch von Fußballspielen des MSV Duisburg kostet Eintritt. Das Geld dazu fehlt vielen Kindern und Jugendlichen. Um diesem sozial benachteiligten Nachwuchs den Besuch von Spielen des MSV  zu ermöglichen, haben MSV-Fans im letzten Jahr den Verein zebrakids e.V. gegründet. Auf Spenden ist so ein Verein angewiesen, und um dieses Spendenaufkommen zu erhöhen, ist zurzeit bei Ebay eine Versteigerung gelistet. Sie läuft noch bis Montag, den 22. Februar 2010, 19:06:02 Uhr.  Laut zebrakids e.V. werden weitere Versteigerungen folgen:

Im Rahmen einer großen Versteigerungsserie bei Ebay versteigern wir ab sofort mit freundlicher Unterstützung der Stifter der Auktionsgegenstände, Radio Duisburg und DuisburgFans.de, die Gegenstände eines Prominenten!

Diesmal lautet des Motto:
Den MSV hautnah mit Radio Duisburg erleben!

Marco Röhling, der MSV-Kult-Radiokommentator, und Radio Duisburg versteigern zugunsten der zebrakids ein ganz besonderes Erlebnis! Der Gewinner der Auktion begleitet Marco Röhling beim Spiel der Zebras am 26.02.2010 gegen Rot-Weiss Oberhausen in die MSV-Arena, sitzt während der gesamten Reportage neben ihm und begleitet ihn nach dem Lokal-Derby in die „Mixed-Zone“ und in die Pressekonferenz des MSV.

Zur Versteigerung geht es hier lang!

Der Sieg wird eine Familie zusammenführen

Erst verbreitet sich ungläubiges Staunen über die Gesichter, dann ist ein unbändiges Rufen der Freude zu vernehmen, fünf Menschen fallen sich in die Arme und über sämtlich vorhandene Wangen rinnen die Tränen des Glücks. So toll ist es gestern hier noch nicht zugegangen, aber eine Geschichte voll von solchen emotionalen Momenten könnte ich vielleicht erfinden und damit passend zur Vorweihnachtszeit dem MSV Duisburg einen herzenserwärmenden  Auftritt in den menschelnden Ressorts der deutschen Medienlandschaft schenken, eine Geschichte, die diesen Verein in ganz Deutschland in strahlend hellem Licht erscheinen lässt.

Gestern ist nämlich die Entscheidung gefallen. Nach diesem Sieg gegen die SpVgg Greuther Fürth werde ich mir das Auswärtsspiel in Paderborn ansehen. Dort werde ich Schwager und Schwägerin nebst Kindern treffen, die ich zuletzt im Sommer gesehen habe. Was ich aber für die medienwirksame Geschichte tunlichst verschweige. Stattdessen werde ich erzählen, wie uns vor Jahren ein entsetztlicher Stau auf der A2 bei der Rückfahrt von einem Familientreffen in Wolfenbüttel getrennt hat. Das letzte, was ich von dieser Familie damals sah, war das verzweifelte Winken kleiner Kinderhände aus den hinteren Fenstern des Autos, als ich von der A2 abfuhr, um die Umleitungsstrecke zu nehmen, während meine Schwägerin, auf der Mittelspur, abgeschottet von zwei langsam rollenden Lkws neben ihr, nicht mehr die Spur wecheln konnte.

Ich werde Anfang Dezember erzählen, wie dieses Wiedersehen nur deshalb geschah, weil zwei Wochen zuvor, der MSV Duisburg ein Spiel zeigte, wie es in dieser Form nicht zu erwarten gewesen war. So viele Verletzte hatte es gegeben, und ich werde im Nachhinein noch einmal diesem „letzten Aufgebot“ dankbar sein. Ich werde erzählen, dass ich mit einem Unentschieden zufrieden gewesen wäre, auch wenn ich natürlich auf einen Sieg getippt hatte, um die Götter zum Beistand zu zwingen.

Ich werde erzählen, wie meine Fahrt nach Paderborn am seidenen Faden gehangen hat, als ich fassungslos hören musste, dass ein Elfmeter für Fürth gepfiffen wurde – zehn Minuten vor Spielende. Dann dieser erleicherte, freudige Ausruf von Marco Röhling. Über das Tor geschossen! Ja! Und ebenso könnte ich erzählen, wieder einmal schafft es der MSV Duisburg nicht bei all seinen Kontern ein zweites, beruhigendes Tor zu erzielen. Im Gegenteil, eine letzte Fürther Großchance bahnte sich an, so deutlich war es an Marco Röhlings immer hektischerem Sprechen erkennbar. Doch auch dabei erwies sich der Fürther Spieler als Chancentod.

Nach dem Schlusspfiff schließlich wusste ich, dieser Weg nach Paderborn ist mir nicht zu weit. Ich könnte dann von meiner Hoffnung erzählen, neben dem nächsten Auswärtssieg vielleicht auch noch Hinweise auf den Verbleib der so lange vermissten Familienmitglieder zu finden. Was für eine rührende Geschichte! Flankierende Maßnahme wird so etwas  in den Sprachformeln der Politik gerne genannt. Denn Bruno Hübner möchte tatsächlich sehr intensiv an der Außendarstellung des Vereins aller Vereine arbeiten. Auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen SpVgg Greuther Fürth fand er grundsätzliche Worte zum Umgang des Vereins mit den Medien und den Fans. Es bestätigt sich mein Eindruck, der Mann weiß um die Bedeutung von Öffentlichkeitsarbeit. Er braucht Unterstützung!

Etwas Futter für anhaltende Glückseligkeit

Kurz der Hinweis auf zwei Dokumente fürs Medienarchiv der wunderbaren Fan-Momente.  Zum einen ist da der Podcast bei Radio DU mit Marco Röhlings extatischen anderthalb Minuten nach dem Tor. Leider ohne das Tor selbst. Das will ich aber auch und vor allem hören! Hat da jemand in der weiten Welt zufällig was mitgeschnitten?

Und dann ist da versteckt im ersten  Kommentar zu diesem Blogeintrag von Tina ein You-Tube-Clip von Caly. Vom Fanblock aus aufgenommen zeigt er die Einwechselung von Ivo Grlic, das  Tor und alle Begeisterung in der maximalen Jubelwackligkeit, die alles sehr lebendig werden lässt. Vor allem wenn man selbst herumgewackelt hat. Danke Caly! Hier gibt es die abgespeckte Version, bei YouTube gibt´s das Ganze in HD.

Als MSV-Fan zu „Wetten dass, …“?

Am Ende dieser Saison werde ich mich bei „Wetten dass, …“ bewerben. Dann kann ich nämlich typische Spielsituationen des Vereins aller Vereine allein an der Tonlage von Marco Röhlings Stimme erkennen. Gestern war es so, dass beim Geburtstagskaffee im Nebenzimmer ein Uralt-Transistorradio vor sich hin blecherte und ich am Kaffeetisch sitzend natürlich nichts anderes verstehen konnte als eine Montage von Melodien, Geräuschen und Stimme, was in Konzertsälen auch als Moderne Musik durchgegangen wäre. Die Stimme sprach einen Text, den ich nur verstehen konnte, wenn ich aufsprang und in die Küche hastete. So blieb mir nichts anderes übrig als ein wenig Bewegung und auf den Tonfall von Marco Röhlings Stimme zu achten. Und da bahnte sich in der ersten Halbzeit ja kurz das alte Spiel an. Ein guter Beginn ohne Tor mit allmählichem Gegenhalten der gegnerischen Mannschaft bis diese Mannschaft dann zum Leidwesen … Aber dann wurde ja alles anderes. Meine Hoffnung gestern, etwas müsse hinzugekommen sein zur „harten Arbeit“ während der Winterpause, hat sich erfüllt. Oder auch: die „harte Arbeit“ war nicht Selbstzweck sondern hatte ein Ergebnis.

Denn in der zweiten Halbzeit fand der MSV zur anfänglichen Überlegenheit zurück. Das war unverkennbar an Marco Röhlings Stimme festzustellen. Die besorgte Aufgeregtheit war einer erwartungsvollen Aufgeregtheit gewichen. Das mündete zunächst immer wieder in einen enttäuschten Ton. Was mich schließlich auch mal auf halbem Wege zurückkehren ließ. Die vergebene Chance  brauchte ich nicht nocheinmal beschrieben zu haben. Doch als sich dann zum Ende hin der immer dramatischer werdende Klang der Stimme in einem Aufschrei des Jubels entlud, rannte ich, mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht, in die Küche und ließ mir noch einmal erzählen, wie es zu dem Tor gekommen war. Großartig! Nach Jahren drei Punkte in Rostock. Einen Angstgegner besiegt, auch wenn überall von der schwachen Heimmannschaft zu lesen ist. Das ist beim Verein aller Vereine nämlich kein Grund zu gewinnen, dass so ein Gegner schwach ist. Wir haben in der Hinrunde gegen so viele schwache Mannschaften verloren, dass ich jetzt und heute in diesem Sieg  eine Wende sehen will. Der Spannungsbogen für „Mitten in Meiderich“ trägt. Erstmal bis zur nächsten Woche. Denn auch ich denke nur von Spiel zu Spiel.

„Herzog hält!“ ruft Marco Röhling

Ein Unentschieden in Mainz, das nach übereinstimmenden Meinungen in allen Medien doch einen Sieger aus Duisburg gesehen hat: Marcel Herzog. Ob Zeitung, ob Blog hier oder Blog da, ob Radio, ob Mainz-Trainer Jörn Andersen, alle sagen es, Herzog hat das Unentschieden mit glänzenden Paraden in den letzten Minuten gerettet. Gesehen habe ich das nicht, nur gehört am Laptop übers Webradio von Radio Duisburg. Was mir nebenbei die Gelegenheit gibt, auf die belebende Worte einer Live-Berichterstattung durch Marco Röhling hinzuweisen. Wem das Leben als MSV-Fan ein wenig zu fade schmeckt, höre Marco Röhling bei einer seiner Reportagen. Da schlägt das Herz schneller, Bilder entstehen und eine nachvollziehbare Wertung erhält man obendrein. Diese Wertung von gestern wird in der Nachberichterstattung bestätigt. Das Spiel nach vorne klappte nicht so wie erhofft. Zur Abwehr gibt´s gemischte Meinungen mit dem Schwergewicht auf, sie steht recht sicher. Das kennt man aus den anderen Auswärtsspielen bislang auch. Kampfbereitschaft kam dieses Mal neben dem sehr guten Marcel Herzog hinzu. Nun gehe ich eigentlich ganz zufrieden in die Woche, um Mittwoch nach Duisburg zu kommen und einen Heimsieg gegen St. Pauli zu sehen. Am Angriffsspiel auswärts wird zudem ganz sicher so was von heftig gearbeitet. Will ich doch hoffen. Und noch eins, am Spielbericht auf der Mainzer Vereinsseite fällt der objektive Blick auf das Geschehen doch sehr angenehm auf. Leisten sich nicht viele Vereine, nicht wahr?


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