Posts Tagged 'Marketing'

Dass mich mein MSV so überrascht

Ab mit diesem Clip zu Marketing-Wettbewerben. Was weiß ich, was es da alles gibt. Was für ein starkes Stück ist dieser Clip geworden. Diese Mischung aus Selbstironie und Bewahren der grundlegenden Emotion, die uns alle an diesen Verein bindet. Das ist ganz, ganz stark und macht Hoffnung, dass sich die Lücke durch den Weggang von Thomas Schöneberg gerade schon füllt. Wenn die Mannschaft in der nächsten Saison an dieser Leistung anschließt, heißt das Durchmarsch und gesicherter Aufstieg ab ungefähr dem 24. Spieltag. Auf keinen Fall verpassen! Clip ab!

Zu welchem Saisonerfolg führen 1:0-Siege

Vorab, mit diesem Text trage ich zum Marketing für einen Wettanbieter bei, aber gute Arbeit muss auch einmal belohnt werden, und die Mail vom Mitarbeiter des Wettanbieters an den Zebrastreifenblog war definitiv gute Arbeit. Mit dieser Mail hat der Mitarbeiter mich auf einen Text auf der Seite des Wettanbieters aufmerksam gemacht. Der Bezug des Textes zum MSV mitsamt des Marketingeffekts für den Wettanbieter ergab sich aber nur für jemanden, der sowohl das Fußballgeschehen in Deutschland aufmerksam beobachtete, als auch den Zebrastreifenblog auf dem Schirm hatte. Jemand hatte sich Gedanken gemacht. Aber vielleicht ist der verantwortliche Mitarbeiter auch MSV-Fan, wer weiß?

Sollte mir jemand Illusionen rauben wollen und auf eine Massenversendung über die Mailingliste Fußballblogs des Wettanbieters verweisen, mache ich mir heute Morgen trotzdem die Welt so, wie sie mir gefällt. Denn das muss ich mit Blick auf das Erreichen des Saisonziels vom MSV ohnehin machen, wenn ich die Statistik des Wettanbieters als Prognoseinstrument benutze. Mit Hilfe des Wettanbieters erfahren wir nämlich eine unangenehme Wahrheit über 1:0-Siege in der Bundesliga während der letzten zehn Jahre. Nur einmal ist die Mannschaft mit den meisten 1:0-Siegen in einer Saison auch Meister der Saison geworden. Das war Borussia Dortmund in der Saison 2008/2009. Gut, einmal ist die betreffende Mannschaft mit den meisten 1:0-Siegen der Saison Zweiter geworden. Das würde dem MSV für den direkten Aufstieg ja auch noch reichen. Aber ansonsten, Pustekuchen. In Deutschland führen 1:0-Siege in der Summe nicht zum ganz großen Erfolg.

Wenn ich an die 1:0-Siege des MSV in dieser Saison denke, macht mir allerdings der Gedanke Hoffnung, dass die Wettbewerbsbedingungen in Liga 3 ganz andere sind als in der Bundesliga. Von dieser Liga wird ja immer wieder gerne gesagt, jeder könne jeden schlagen. Dann sind 1:0-Siege vermutlich wahrscheinlicher als in einer Liga, in der die Leistungsunterschiede groß sind und die Mannschaften der oberen Tabellenregion mit der Ausnahme des einen Überraschungsteams schon vor der Saison feststehen. Also, im Grunde spricht die Statistik für den MSV, man muss sie nur richtig zu deuten wissen.

Beim Wettanbieter findet sich die Statistik für alle großen europäischen Ligen. Auch da gibt es Unterschiede bei den Erfolgsaussichten der Minimalisten. Wer sich das ansehen will, weiter mit einem Klick.

Der VfL Wolfsburg kommuniziert ne Menge Bekleidungsstücke

Fußballvereine stehen heute vor der Notwendigkeit, ihre Anhänger mit allen möglichen Medieninhalten zu versorgen. Die reine Information reicht nicht mehr. Unterhaltendes ist gefragt. Das Ganze wird dann zum Marketingmix, worüber das Fachmagazin W & V einen Artikel schreiben kann – zum Beispiel wenn der VfL Wolfsburg vor dem Auswärtsspiel in Mailand die erste Folge einer Webserie auf mehreren Abspielkanälen platziert hat.

Für mich liest sich der Artikel so, als sei der VfL an diese erste Folge günstig gekommen, weil die Produktionsfirma sich einen Auftrag erhofft. Amüsant ist bei solchen Testballons ja immer das Wortgeklingel Werbesprech drumherum. W & V zitiert den  Leiter Markenmanagement vom VfL, German Schulz, grundsätzlich sei der VfL immer auf der Suche nach „neuen, innovativen und sympathischen Kommunikationsformen, um mit bestehenden und potenziellen Fans zu kommunizieren“.

Die Hoffnung mit dem Clip bei irgendjemandem Sympathien für den VfL zu wecken, der nicht schon Fan des VfL ist, scheint mir doch sehr optimistisch zu sein. Es macht mir definitiv keine Freude, fast fünf Minuten Product Placement zu sehen, bei kaum vorhandener Dramaturgie eines pointenarmen Gesprächs dreier unterschiedlicher Fan-Charaktere. Aber momentan hat der VfL ja Fans genug, die das Gefühl haben werden, der Verein kümmert sich um sie.

Ein weiterer Schlag mit dem Schmetterlingsflügel

Mit Blick auf das DFB-Pokalfinale schwäche ich den FC Schalke 04, wannimmer ich kann. Schmetterlingsflügelschlage stärken nämlich nicht nur meinen Verein, sie wirken beim Gegner auch umgekehrt. Wenn es sein muss stelle ich hier sogar einen Clip ein, in dem Adidas als Hersteller der neuen Auswärtstrikots vom FC Schalke 04 die eigene unglaublich kreative Leistung und Schalkes einstige Größe mit entsprechend gewichtigen Worten in die Welt bringen will.

So ein neues Trikot ist nicht nur eine Sportbekleidung. Die Menschen, die sowas entwerfen, denken sich ja allerlei beim „Design“, und zu Marketingzwecken erzählen sie das danach in schönstem Deutungssgeschwurbel mit bombastischer Musik unterlegt in eine Werbefilmchenkamera. O-Ton:  „Das Besondere am Design ist die Nadelstreifenoptik.  Sie erinnert an eins der beliebtesten Trikots aus den frühen achtziger Jahren. Spieler und Fans sollen dadurch auch motiviert werden, an alte Erfolge von früher anzuknüpfen.“

Die für uns so wichtige und feine Pointe hat der Spielbeobachter bereits vermerkt. Ihm gilt auch der Dank für den Fund dieses Clips. Wenn er in seinem Kommentar zum Clip an Schalkes Bundesligaabstiege in den 80ern erinnert, spottet er über die „Marketingfuzzis von Adidas“. Wir aber erkennen sofort die magische Wirkung dieser Trikots und sehen eine Kraft wirken, die Niederlagen herbeiführt. Schalke spielt im Pokalfinale zwar noch nicht in diesem Trikot, aber in einem ebenfalls neu entworfenen AUSWÄRTStrikot. Ich müsste mich doch sehr täuschen, wenn nicht auch darin Schalkes „Erfolge“ der 80er Jahre hingewebt wurden. Ich glaube bis auf weiteres an die magischen Wirkung von Oberbekleidung und halte weiter Ausschau nach mehr schmetterlingshaften Flügelschlägen.

Zuschauerzahlen – Daten und ein lang gewordener Text

11.249 Zuschauer waren am Samstag, dem 6. November, ab 13 Uhr im Stadion, als der MSV Duisburg sein Heimspiel gegen die SpVgg Greuther Fürth bestritt. Angesichts der Bedeutung des Spiels und der in dieser Saison gezeigten Leistung der Duisburger Mannschaft war das eine enttäuschende Zahl für viele MSV-Fans. Etwas zurückhaltender bewertet man auf Vereinsseite die Zuschauerzahl, gleichwohl natürlich der Wunsch nach einem gefüllteren Stadion besteht. Diese Haltung hebt sich wohltuend ab von den Zeiten, als ein Peter Neururer noch Mindestzuschauerzahlen verkündete, die seine Mannschaft im März letzten Jahres verdient haben sollte. Schon damals war es unter anderem auch in diesen Räumen zum Nachdenken über das Publikum des MSV Duisburg gekommen. Damals ging es mir vor allem um die Mentalität des Duisburger Publikums.

In diesen Tagen ist das Nachdenken umfassender angelegt. Fans des MSV Duisburg haben so viel Freude am Spiel ihrer Mannschaft, dass sie dieser Mannschaft ein volleres Stadion gönnen.  So begann im MSVportal eine Diskussion über die Frage: „Warum kommen, trotz Heimstärke, so wenig zu den Heimspielen?“ Wenige Tage später hat Der Westen das Thema aufgegriffen, und schnell wuchs die Zahl der Kommentare unter dem Artikel. Dort erklärten dann auch ehemalige MSV-Zuschauer, warum sie nicht mehr ins Stadion gehen. Zu lesen ist also inzwischen ein vielfältiger Chor von Erklärungen für das Fernbleiben, von Spekulationen über das Fernbleiben oder das Gar-Nicht-Erst-Kommen und von Überlegungen, wie der Zustand zu ändern ist. All das reiht sich gleichgewichtig aneinander, und es wäre Aufgabe des MSV Duisburg das auszuwerten. Gleichzeitig erinnert mich diese Vielzahl der Stimmen aber auch an ein Bonmot von Kurt Tucholsky,  nämlich alles sei richtig, auch das Gegenteil.

Mich beschlich beim Lesen dieser vielen Meinungen zudem ein komisches Gefühl. Irgendetwas gefiel mir nicht an dem Ton, der vorherrschte. Richtig greifen konnte ich das nicht, weil da Fans, vor allem im MSVportal, meist doch sehr konstruktive Vorschläge zur Veränderung der Situation machten. Erst allmählich konnte ich fassen, was ich da als Überbau dieses Redens wahrnahm. Dieser Überbau versteckt sich schon in der Frage. Diese Frage und auch der Artikel in Der Westen behaupten einen Mangel, von dem wir gar nicht wissen, ob es ihn überhaupt gibt.

Ich will das genauer erklären. Der Maßstab für die Erkenntnis von Mangel ist das ausverkaufte Stadion. Aber es macht einen Unterschied, ob ich den Wunsch habe, mehr Zuschauer für das Fußballspiel des MSV Duisburg zu begeistern,  und ich versuche das mit neuen Mitteln zu erreichen, oder ob ich davon ausgehe, es kommen einfach zu wenig Zuschauer dafür, wie es eigentlich sein könnte. Der Unterschied leuchtet vielleicht manchem nicht ein, doch ich glaube die jeweiligen Problembeschreibungen unterscheiden sich sehr in ihren Folgen für die psychische Dynamik, die sie bei denen entfalten können, die sich um mehr Zuschauer kümmern. Im ersten Fall handel ich aus eigener Stärke heraus und versuche andere Menschen, von dem, was ich mache, zu überzeugen. Im zweiten Fall kann sich bald ein Vorwurf einschleichen und dieser Vorwurf  richtet sich an alle, die nicht kommen, obwohl man doch schon alles Mögliche für dieses Kommen getan hat.

Außerdem stellt sich mir die Frage, ist es wirklich so, dass so wenig Zuschauer kommen? So wenig heißt, zu wenig für das, was möglich wäre. Vielleicht findet sich in der Historie eine Perspektive für die Bewertung der gegenwärtigen Zuschauerzahlen. Vielleicht halten wir uns noch einmal an Fakten, und schauen stichprobenartig, wie groß der Zuschauerzuspruch in Duisburg über die Jahre hinweg war. Die Daten stammen aus dem Netz von weltfussball.de. Einzelne Zahlen habe ich bei transfermarkt.de gegengeprüft. Die Zahlen unterscheiden sich nur geringfügig. Weil ich den Zuschauerschnitt für die  90er Jahre nicht glauben konnte, habe ich sogar mit den Zuschauerzahlen aus dem Kicker die Saison 1997/98 nachgerechnet. Diese Rechnung bestätigte die Zahlen der beiden anderen Seiten.

Aber beginnen wir in der Gegenwart: In der  laufenden Saison hatte der MSV Duisburg bislang durchschnittlich 13.670 Zuschauer. Damit befindet er sich auf Rang 8 der Zuschauertabelle vor dem VfL Bochum auf Rang 11 mit durchschnittlich 12.151 Zuschauern. Ich stelle den VfL Bochum bewusst im Vergleich dazu, weil dieser Verein in Deutschland in Struktur und Lage dem MSV Duisburg am ähnlichsten ist. Jedes Schielen auf andere Vereine halte ich für wenig erhellend. Für das Ruhrgebiet liegt das beim FC Schalke 04 und Borussia Dortmund auf der Hand. Am Niederrhein aber wirkt der Blick ins Landesinnere nach Mönchengladbach oder den Rhein abwärts nach Düsseldorf auf manchen MSV-Fan allzu verführerisch.

Nun denn, wie war das also mit den Zuschauerzahlen?

2. Liga, 2009/2010: 14.070; Rang 10

2. Liga, 2008/2009: 14.747;  Rang 10

1. Liga, 2007/2008: 25.041; Rang 12 vor dem VfL Bochum auf Rang 14 mit 24.399 Zuschauern im Schnitt

2. Liga 2006/2007: 18.028; Rang 6

1. Liga, 2005/2006: 25.183; Rang 14

2. Liga  2004/2005: 16.819; Rang 5

2. Liga 2003/2004: 9.464; Rang 9

Machen wir einen Sprung über die Zeiten von etwa 7.500 Zuschauern im Schnitt hinweg in die 90er.

1. Liga 1999/2000: 15.115; Rang 17

1. Liga 1998/1999: 17.318; Rang 16 nach dem VfL Bochum auf Rang 13 mit 23.734 Zuschauern im Schnitt.

1. Liga 1997/1998: 16.623; Rang 18 nach dem VfL Bochum auf Rang 13 mit 26.698 Zuschauern im Schnitt.

1. Liga 1996/1997: 19.417; Rang 17 nach dem VfL Bochum auf Rang 10 mit 28.404 Zuschauern im Schnitt.

2. Liga 1995/1996: 11.545; Rang 4 nach dem VfL Bochum auf Rang 2 mit 15.573 Zuschauern im Schnitt.

1.Liga 1994/1995: 21.103; Rang 15 nach dem VfL Bochum auf Rang 13 mit 24.585 Zuschauern im Schnitt.

1. Liga 1993/1994: 23.299; Rang 12

2. Liga 1992/1993: 11.947; Rang 2

1. Liga 1991/1992: 21.654; Rang 10 vor dem VfL Bochum auf Rang 11 mit 18.737 Zuschauern im Schnitt

2. Liga 1990/1991: 12.905; Rang 2

Überspringen wir die Jahre in der Amateurliga und gönnen wir uns noch den Blick in die glorreichen 70er Jahre:

1. Liga 1979/80: 16.882; Rang 15 nach dem VfL Bochum auf Rang 11 mit 21,471 Zuschauern im Schnitt.

1. Liga 1978/79: 15.835; Rang 18 nach dem VfL Bochum auf Rang 10 mit 26.235 Zuschauern im Schnitt.

1. Liga 1978/77: 18.529; Rang 17 nach dem VfL Bochum auf Rang 12 mit  23.888 Zuschauern im Schnitt.

1. Liga 1977/76: 19.800; Rang 14 vor dem VfL Bochum auf Rang 17 mit 16.059 Zuschauern im Schnitt.

1. Liga 1975/76: 13.824; Rang 18 nach dem VfL Bochum auf Rang 12 mit 20.000 Zuschauern im Schnitt.

Für den MSV Duisburg gab es in dieser frühen Zeit der Bundesliga nur in den ersten drei Jahren einen Zuschauerschnitt über 20.000. Die meisten Zuschauer kamen im ersten und sportlich erfolgreichsten Jahr der Bundesligazugehörigkeit: im Schnitt 28.400.  Danach gingen Jahr für Jahr die Zuschauerzahlen zurück, um sich Ende der 60er Jahre auf etwa 17.500 einzupendeln. Mit Beginn der 70er Jahre sank der Schnitt noch einmal auf etwa 15.000 um die nächsten Jahre stark zu schwanken zwischen etwa 19.000, 17.000 und den oben angeführten 13.824 Zuschauern im Schnitt.

Eigentlich sind diese Durchschnittszahlen nun nur der Anfang einer Datenbestandsaufnahme. Um diese Durchsschnittszahlen zu deuten, müssten sie in Relation gesetzt werden zum sportlichen Erfolg, zu Entwicklungen im Fußball und rund um den Verein sowie letztlich den Entwicklungen in der Stadt Duisburg selbst. Diese notwendige exakte Analyse überlasse ich den Angestellten des Vereins.

Ich belasse es bei einigen Anmerkungen; Sätze, meistens Fragen, die mir beim Auflisten der Daten durch den Kopf gingen. Betrachte ich die Zuschauerzahlen des MSV Duisburg über die Jahre, so habe ich den Eindruck, die gegenwärtigen Zuschauerzahlen sind gar nicht so schlecht, wie es den Anschein hat. Dabei ist mir klar, die absoluten Zahlen müssen heute höher sein als in der Zweitliga-Vergangenheit. Mir geht es aber um die Tatsache, dass das Stammpublikum in dieser Vergangenheit im Vergleich mit anderen, ähnlich erfolgreichen Vereinen nie wirklich groß gewesen ist. Ich habe aber den Eindruck, das gegenwärtige Stammpublikum wird trotz zweier schlechter Spielzeiten erreicht und das auf einem Niveau von etwa 14.000 Zuschauern im Schnitt. Das Spiel gegen Fürth werte ich als Ausreißer durch die ungünstige und viel zu frühe Anstoßzeit am Samstag.

Das entbindet den MSV Duisburg natürlich nicht von der Verantwortung, Maßnahmen zu ergreifen, die Zuschauerzahl zu steigern. Diese Einsicht könnte aber helfen, den Blick weg vom Mangel zu rücken hin zu einem realistischen Selbstbewusstsein, mit dem das Stadion weiter gefüllt werden könnte. Es gab höhere Zuschauerzahlen vor allem nach dem Bau der MSV-Arena. Aus meiner Sicht war das neue Stadion zusammen mit der nach einigen Jahren der Entbehrung wieder sportlich erfolgreichen Mannschaft ein besondere Grund für den Zuspruch der Zuschauer. Aber Erfolg ist ein wankelmütiges Ding und als Grundlage für den Stadionbesuch ganz schnell nicht mehr vorhanden.

Ich glaube nicht an ein vorhandenes Zuschauerpotential, das unerschöpft ist und durch die richtigen Instrumente modernen Marketings und einer vernünftigen Öffentlichkeitsarbeit schnell erreicht werden kann. Betrachte ich die Vergangenheit, so deute ich die Zahlen so: Es gibt statt eines großen Anhangs des MSV Duisburg viele Duisburger, die immer mal wieder für einen Stadionbesuch zu begeistern sind. Es gibt also kein großes MSV-Publikum, das zurückgewonnen werden kann.

Ein weiterer Gedanke zu den 90er Jahren, in einer Phase des sportlichen Erfolgs gab es dennoch keinen Sprung der Zuschauerzahlen über den 20.000er-Schnitt. Vielleicht ist das ein Hinweis darauf, dass Erfolg alleine auch nicht ausreicht, um Fußballzuschauer in Duisburg an den Verein zu binden. Vielleicht hat der Duisburger auch ein gespaltenes Verhältnis zu seiner Identität? Ein Quergedanke, der etwas zu weit führt. Aber der MSV Duisburg hat keine überregional wirksame Geschichte über sich selbst zu erzählen. Er ist ein Verein, der seine Anhänger mit ganz wenigen Ausnahmen in der Region finden muss. Deshalb gehören Überlegungen zur Identität der Menschen in dieser Region mit zu den Überlegungen, die ein Verein auf der Suche nach seinen Zuschauern anstellen muss.

Diese merkwürdige und widersprüchliche Mischung von Kultur, Sport und Geschäft macht es einem Verein wie dem MSV Duisburg mit viel Konkurrenz drumherum besonders schwer, Zuschauer langfristig an sich zu binden.  Wenn eins aus dem bisherigen Verlauf der Saison zu lernen ist, dann das: für den Erfolg braucht es als allererstes es eine Idee, eine Vorstellung davon, was der Verein erreichen will. Die Aussage, es sollen mehr Zuschauer ins Stadion kommen, ist nur eine scheinbare Antwort. Dieser quantitativen Antwort fehlt die inhaltliche Begründung. Und für diese inhaltliche Begründung langt guter Fußball oder sportlicher Erfolg nun einmal nur begrenzt. Unstreitbar ist das Spektakel in Gelsenkirchen oder Dortmund zurzeit größer. Wer das Event sucht, wird dorthin gehen. Wer den erstklassigen Fußball sucht, wird ebenfalls dorthin gehen und nicht in die zweite Liga. Wobei ich mir die Bemerkung natürlich nicht verkneifen kann, dass diese Gelsenkirchen-Fahrer vielleicht in der nächsten Saison sich dann doch nach anderen Angebote umschauen könnten – das aber nur am Rande. Wegen dieser nicht ausreichenden Bindungskraft des MSV Duisburg durch den Fußball alleine ist es so wichtig, dass zum einen auch andere Bereiche des Vereins als erfolgreich arbeitend wahrgenommen werden. Die Jugendabteilung ist da gerade ein großes Vorbild. Darüber hinaus aber braucht es ein lebendiges Umfeld des Vereins. Und auch da sehe ich große Energie und Kraft, viel kreatives Potential und Entwicklung. Vielleicht lässt sich in zehn Jahren eine Geschichte über den MSV Duisburg erzählen, die über die Stadtgrenzen hinaus attraktiv wirkt und so die Bindungskraft innerhalb der Region erhöht. Das ist dem FC St. Pauli gelungen, und das gelang nur, weil es um den Verein herum Zuschauer gab, die machten, was sie machten. Eines ist aber gewiss, so eine Entwicklung geschieht nicht innerhalb einer Saison und deshalb sollten wir nicht jedes Mal aufs Neue enttäuscht über Zuschauerzahlen sein. Wir können für diese Saison zufrieden sein. Und das erzähle ich gerne jedem weiter.

Familien- statt Legendentreffen

Die Termine für das Familientreffen werden ein Jahr im Voraus festgelegt, und für die Minderheit der angeheirateten MSV-Anhänger in der aus dem ostwestfälischen stammenden Großfamilie ist es dann immer ein Glücksspiel, ob ein Stadionbesuch am ausgewählten Wochenende möglich ist. Als alleiniger Vertreter dieser Minderheit bedauere ich es in diesem Jahr besonders, beim ersten Heimspiel vom MSV Duisburg der Saison 2010/2011 gegen den FC Ingolstadt nicht in der Schauinsland-Reisen-Arena dabei sein zu können.

Auch wenn ich es mir nicht zur Regel machen will, heute nenne ich das Stadion einmal bewusst bei seinem neuen Namen in ganzer Länge, weil es der Sponsor Schauinsland Reisen verdient hat. Wirklich gut funktioniert das ja nicht immer mit der größeren Aufmerksamkeit für Unternehmen, die Fußballvereinen Geld geben, um auf Trikots oder im Stadionnamen präsent zu sein. Ich erinnere mich da an eine von IFM durchgeführte Studie, deren Ergebnisse im September letzten Jahres veröffentlicht wurden. Da hieß es, der Effekt von Sponsoring im Fußball sei höchst ungewiss. Aber „Gib Geld“ und komme ins Gespräch, kann mit Sicherheit besser gelingen, wenn wie bei Schauinsland Reisen, das „Tue Gutes“ noch hinzu kommt. Schauinsland Reisen belässt es nicht beim Geld überweisen, sondern beackerte gleich nach Bekanntgabe der Sponsoringvereinbarung Felder, die beim MSV Duisburg lange Zeit brach lagen: der Kontakt zu den Fans und die Identität des Vereins. So wurde zur Wahl von 24 „MSV-„Legenden“ aufgerufen, und nun kommen viele dieser für den MSV Duisburg wichtigen Spieler zum ersten Heimspiel.

Solche weit gehenden Aktivitäten eines Sponsors sind nicht selbstverständlich, sondern sie verweisen zum einen auf den im Umfeld des MSV Duisburg vorhandenen Willen den Mangel der Vergangenheit zu beheben, zum anderen zeigt sich darin die besondere Verbindung mit dem MSV Duisburg von Verantwortlichen des Duisburger Reiseunternehmens. Da scheint beim Sponsoring viel Herzblut auf Unternehmensseite mit dabei zu sein, wenn sogar das Gespräch mit Fans im MSVportal gesucht wird.

Diese vom Sponsor verantwortete Arbeit wirkt zusammen mit der schon zum Ende der letzten Saison festzustellenden verbesserten Arbeit auf der Verwaltungesebene des Vereins. Seitdem Roland Kentsch Geschäftsführer des MSV Duisburg ist, erhält der Verein deutlichere Konturen in der Öffentlichkeit. Das hat mit dem Bewusstsein dafür zu tun, dass neben den sportlichen Belangen und der Frage der Finanzierung dieser sportlichen Belange noch andere Arbeit zu leisten ist in der Unterhaltungsbranche Fußball. Die Zuschauer müssen ernst genommen werden. Die Grundstimmung rund um den MSV Duisburg hat sich also gewandelt. Aufbruch will ich das nicht nennen. Es ist eher ein Ankommen in der Wirklichkeit, ein sich Besinnen auf das, was an Wert vorhanden ist – in sportlicher Hinsicht als spielerisches Vermögen der Mannschaft aber auch in ideeller Form als Suche nach der Tradition des Vereins.

Wenn mir ich mir zudem den neu zusammengestellten Kader ansehe, bin ich angesichts der wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Vereins sehr zufrieden. Diese wirtschaftlichen Schwierigkeiten sind letzte Woche noch einmal drastisch in Erinnerung gerufen worden: „Gläubiger bewahrten 2009 MSV Duisburg vor der Insolvenz„. Da durfte nun auch bei der Der Westen stehen, was im MSVportal seit langer Zeit immer wieder als bedrohliche Entwicklung Thema war. Auf die letzte Personalie der Hinrunde warten wir noch. In diesem Jahr gab es bei der Vorberichterstattung zu den anderen Spielerverpflichtungen nicht eine einzige als wahrscheinlich verkündete Vollzugsmeldung, die sich nicht erfüllte. Deshalb sollte die Verpflichtung von Goran Sukalo bald offiziell verkündet werden, wenn Reviersport sein „Kommen“ schon meldet.

Zurück zum morgigen Spiel, ein wenig staune ich über den Optimismus, der in Ingolstadt anscheinend vorhanden ist. Die auswärtsstärkste Mannschaft der letzten Drittliga-Saison tritt mit Siegeswillen beim, so höret nur den Donaukurier, „Aufstiegsanwärter“ MSV Duisburg an. Im Süden hat sich unser Ankommen in der Wirklichkeit also noch nicht rumgesprochen. Ich möchte deshalb darauf hinweisen, wenn der MSV Duisburg morgen gewinnt, dann nur als Überraschungsmannschaft in spe. Das ist die Wirklichkeit, in der sich mit guter Laune leben lässt. Einen Vorbericht zum morgigen Spiel aus Ingolstädter Sicht gibt es blogwärts übrigens bei Der Lautsprecher.

Nachtrag 13:00 Uhr: Und da kommt sie auch schon die Pressemitteilung vom MSV Duisburg, in der die Verpflichtung von Goran Sukalo bestätigt wird.

Ein Bild sagt etwas anderes als zwei Worte – Die Dauerkarten-Mailingaktion

Wo ich mir gestern ohnehin über die Veränderungen auf der Verwaltungsebene beim MSV Duisburg ein paar Gedanken gemacht habe, kann ich heute noch einen Hinweis anschließen, weil die Dauerkartenbesitzer Post erhalten haben. Da fische ich also ein Werbebrieflein aus dem Briefkasten und denke kurz, was tun denn „echte Zebras“ so in Irland?

Beim Umdrehen des Umschlags sehe  ich, der Fußballverein meines Vertrauens denkt an mich als Kunden. Diese Zebras sind also gemeint. Also öffnen, und sie tun es dann anscheinend doch nicht alle, denn da werden „echte Zebras“ aufgefordert: „Lasst uns Gras fressen!“.

Wir Fans sollen also mit diesem Aufruf bei einer unserer tiefsten Sehnsüchte gepackt werden. Aber warum sollen auch wir Fans Gras fressen? Als Zeichen unserer tiefen Verbundenheit mit dem Verein? Unsinn. Selbst damals im Wedaustadion wäre ich nie auf die Idee gekommen, die Pionierpflanzen auf den Steintreppen herauszukratzen, um sie in den Mund zu nehmen. Im Beton der Arena-Stufen gibt es solche Pflanzen nicht mal mehr. Um das Gras fressen, darum können sich nur die Spieler kümmern, und wenn ich die Aufbauarbeit des Kaders beobachte, werden es die Spieler demnächst hoffentlich auch wieder tun.

Sicher, es wird keine Dauerkarte weniger verkauft wegen solcher Lappalien. Dieser Brief ist aber ein Symptom für die Qualität der Marketingarbeit des Vereins. Die Grundidee des Briefs hält nicht einmal für einen kurzen Moment dem Nachdenken stand. Sämtliche beabsichtigten Botschaften zur Identität des MSV Duisburg fallen in sich zusammen.

Denn der verpatzte Appell wird durch die bildhafte Aufnahme des Motivs „Gras fressen“ geradezu in sein Gegenteil verkehrt. Gras fressen. Etwa so friedlich und ungestört, wie es ein einzelnes (!) Zebra normalerweise tut.  Soll ich nochmals schreiben? In Irland? Aber vielleicht erkennt ihr ja auch andere Landstriche. Eins ist aber sicher, keine Fressfeinde sind vor Ort. Da lebt es sich ganz angenehm als Zebra in Irland. Ist vielleicht ein bisschen einsam und düster bei so einem heran ziehenden Dauerregen, aber dafür gibt es dann ja auch immer saftig-grünes Gras. Eine Wellnesserfahrung scheint dieses Gras Fressen für so ein Zebra zu sein.

Wahrscheinlich gibt es dafür sogar irgendein Marketing-Fachbegriff, wenn Bildaussagen Wortbedeutungen unterlaufen. „Gras fressen“ als fußballspezifischer, bildhafter Ausdruck für „sich anstrengen“ passt eben nicht zu einem realen Gras fressenden Zebra. Da müsste sich einer schon mal Gedanken über eine Pointe für das Zebrabild bei aufgeklapptem Umschlag gemacht haben.

Solche Verwirrung entsteht gerne, wenn man zu viele bildhafte Ausdrücke miteinander kombiniert. Wenn es nur um Sprache ginge, würden wir jetzt über Stilblüten und unfreiwillige Komik reden. Also, nicht, dass Sie diese Baustelle vergessen, Herr Kentsch, solche Marketing-Aktionen, meist in der Verantwortung von eigens beauftragten Agenturen, brauchen mehr fußballspezifische Kompetenz, so ist mein Eindruck. Schließlich ist mit den Aktionen rund um den Dauerkarten-Verkauf der richtige Weg bereits eingeschlagen.

Davon ab, ich kaufe mir natürlich eine Dauerkarte. Trotz der Mailingaktion.

Der Umbruch bis ins Marketing hinein?

Gestern sprach ich ja schon nebenbei von der Psychologie eines Geschehens. Das lässt sich heute nahtlos fortsetzen. Marcel Herzog, Kevin Grund, Daniel Reiche, das sind drei Vertragsabschlüsse, die  an einem Tag verkündet werden. Das klingt gut, auch weil die Vertragsverhandlungen mit den einzelnen Spielern sehr unterschiedliche Voraussetzungen hatten. Marcel Herzog sprach sich am deutlichsten für den MSV Duisburg aus und kein anderer Verein war für die Öffentlichkeit im Gespräch. Das war bei Kevin Grund anders. Zwar war auch für ihn der MSV Duisburg erster Ansprechpartner, doch das Interesse von weiteren Vereinen wurde vertragsgesprächsbegleitend vermeldet. Von Daniel Reiche las ich nur einen Artikel über ein anfängliches Interesse des MSV Duisburg. Danach war nichts mehr zu lesen, wie es dort weiterging.

Drei Vertragsabschlüsse, die an einem Tag verkündet werden. Wie anders klingt das als die Meldungen von fehlgeschlagenen Vertragsabschlüssen vor der letzten Saison. Da geht es nicht um die zu erwartende Leistung der Spieler, sondern um die Stimmung, die sich im und um den Verein herum verfestigt. Es entsteht ein anderes Selbstbewusstsein im und um den Verein herum, wenn ein Spieler lieber beim MSV Duisburg bleibt als zu wechseln. Deshalb hat diese Meldung von drei Vertragsabschlüssen an einem Tag einen Wert über die reine Information hinaus. So eine Meldung schafft Stimmung.

Dazu passt die gestrige Pressemeldung vom Beginn des Dauerkartenverkaufs, die auch auf der MSV-Seite zu finden ist. Da hat sich jemand Gedanken gemacht, das lässt sich anerkennend feststellen. Nicht nur, dass ein Dauerkartenkauf bis zum ersten Heimspiel mit einer Verlosung von3 x 10 Logenkarten verbunden ist:

Dem Gewinner, wie bis zu neun weiteren MSV Fans seiner Wahl (Personen mit Stadionverbot ausgeschlossen), winkt der Besuch einer Loge, mit den damit verbundenen Vorteilen wie ausreichende Bewirtung vor und nach dem Spiel.

Diese Marketing-Aktion verbuche ich noch unter der Rubrik beliebiges Schrottschuss-Instrumentarium – ein Aktionismus, der in allen Branchen immer wieder gerne gezeigt wird, wenn „wir mal wieder was besonderes für unsere Kunden brauchen“. Es ist eine symbolische Geste für die Bestandskunden, die für Neukunden keine Relevanz hat. Ich jedenfalls kenne niemanden, den solch eine Verlosung in seiner Entscheidung für den Dauerkartenkauf beeinflusst. Dennoch halte ich solch eine symbolische Geste für notwendig!

Es muss nur etwas hinzukommen, und das geschieht in der nächsten Saison:

Neben den bereits bekannten Vorteilen beim Kauf einer Dauerkarte erhält jeder Dauerkartenkunde den exklusiven Schal „DAUERZEBRA“. Dieser Schal ist nicht käuflich zu erwerben, sondern wird nur an echte DAUERZEBRAS ausgegeben.

Ich hätte zwar ein anderes Wort gesucht, um die Dauerkartenkäufer zu benennen, doch halte ich diese Aktion für ein sehr gutes Vorhaben, das mehr als eine symbolische Geste ist. Der Dauerkartenkauf erhält auf diese Weise einen emotionalen Moment, der über die rein geschäftliche Transaktion hinaus geht. Darüber denken im Fußball der Gegenwart alle nach, wie passen das Geschäft und die Fußballwerte der Anhänger zusammen. Mit dem Schal, der sich nicht kaufen lässt, und der eine besondere Zugehörigkeit zum MSV Duisburg ausdrückt, gelingt diese so schwer herzustellende Einheit von Geschäft und Fußballwerten der Anhänger vorbildlich. Vielleicht wirkt sich der Umbruch der Mannschaft in allen Bereichen aus? Vielleicht deutet sich hier ein neuer Geist im Verein an? Die Finanzlage zwang zu einem Umbruch. Bislang war immer nur von der Mannschaft die Rede, vielleicht erleben wir den Umbruch nun auch auf anderen Ebenen des Vereins.

Allerdings muss ich auch noch erwähnen, all diese Zukunftsmusik wird nun angestimmt, obwohl es noch immer keine offizielle Bestätigung gibt, dass die Lizenz-Auflagen erfüllt wurden. Wir sehen, alles geschieht gleichzeitig und manches, was hinter den Kulissen geschehen ist, muss später nachgereicht werden, weil es Statuten und Regeln so vorschreiben. So will ich das mal deuten.


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