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Eine Saison rundet sich

Noch immer stütze  ich mich müde auf einen Wellenbrecher. Sinnbildlich versteht sich. Ich stehe natürlich nicht im Stadion. Ich habe mich da nicht einschließen lassen, um auf den Donnerstagabend zu warten. So viel Vorfreude macht mir das Spiel nun doch nicht. Scheiß auf Erste Liga, Champions League und so weiter. Klar, ganz schön, aber meine Stimmungslage ist durchaus gemischt. Die 0:1-Niederlage des MSV Duisburg gegen Preußen Münster passt dazu. Im Grunde bin ich dem SV Wehen-Wiesbaden dankbar, auch Arminia Bielefeld demnächst, der DFL sowieso. Alle Bedingungen als Voraussetzung für die Bedeutung eines Sieges des MSV Duisburg gegen Preußen Münster sind nicht eingetreten oder werden demnächst nicht eingetreten sein. So muss ich mich über die Niederlage nicht weiter ärgern, sie bleibt in gewisser Weise folgenlos. Nur meine Stimmung konnte nicht besser werden. Diese Niederlage passt zur Saison. Sie rundet sie ab. Wir habe alle eine eine emotionale Bewegung gemacht, von den Gefühlen der Sensation hin zu denen des alltäglichen Ärgers und der kleinen Freude.

Diese kleine Freude eines versöhnlichen Sieges im letzten Heimspiel der Drittligasaison war uns nicht vergönnt. Die Mannschaft spielte gut, gestaltete das Spiel überlegen, hätte aber eine Torchance gebraucht, bei der drei Spieler alleine mit dem Ball im Fünfmeter-Raum Münsters gestanden hätten. Namen sind hier austauschbar. Wahrscheinlich hätten dann noch zwei der drei fast zeitgleich schießen wollen. Der eine hätte dann gegen die Wade des anderen getreten, so dass dieser den Ball leicht verzogen hätte. Der dritte wäre sicherheitshalber hinzugeeilt, um locker einzuschieben. Da Spieler eins aber in die Schussbahn gefallen wäre, hätte er den Ball lupfen müssen und genau in dem Moment wäre doch noch Münsters Torwart Daniel Masuch irgendwoher geflogen gekommen, um mit einer schnellen Reaktion den Ball noch zur Ecke zu lenken.

Der MSV Duisburg hatte viele Chancen, vielfältig auch in ihrer Entstehung. Es gab Schüsse aus der zweiten Reihe. Es gab scharfe Flanken in den Strafraum. Es gab Kombinationen an den Strafraumrand und in den ersten Meter des Strafraums rein. Es gab nur keine Spieler beim MSV, die innerhalb des Strafraums wirklich torgefährlich waren, und für das andere darf ein Torwart sich auch mal verantwortlich fühlen. Ob Preußen Münster auch ohne Markus Bollmann ein Tor erzielt hätte? In der Spielszene, die zum entscheidenden Tor führte, warteten hinter Bollmann ja noch zwei Spieler von Preußen Münster einschussbereit. Sonst aber kam Münster kaum zu Torchancen. So führte das Selbsttor zum Sieg des Gegners. Auch das passt in meine graue Stimmungslage.

Ein wenig fühlte ich mich an den Anfang der Saison erinnert. Der MSV Duisburg spielt überraschend gut. Der Gegner gewinnt. Vielleicht war die Spielweise der Rückrunde genau diesem Wissen geschuldet? Wagt es der MSV Duisburg mit einer anspruchsvolleren Spielweise den Gegner zu bezwingen, können die Spieler den nötigen Ertrag für den großen Aufwand nicht garantieren. Das Risiko ist zu groß. Nicht nur das Risiko zu wenig Punkte zu holen, auch das Risiko der Frustration für die Spieler. Vielleicht waren die unansehlichen Spiele einfach nur der Vernunft geschuldet. Mit weniger Aufwand zumindest nicht zu verlieren, könnte ein sehr rationales Umgehen mit den Möglichkeiten der Mannschaft gewesen sein. Grauer Alltag eben. Vielleicht färbt meine eigene Stimmung aber auch nur auf die Wertung ab.

Mir kommt das Niederrheinpokalfinale gerade ein wenig wie ein Stimmungsaufheller aus Vernunft vor, eine Art gesunde Lebensbewältigungsstrategie. Ich lasse mich auf die mögliche bessere Laune ein, weil ich gerade plötzlich mit der Wirklichkeit in der 3. Liga nicht gut zurechtkomme. Das merke ich auch, wenn ich von den offenen Fragen rund um den Spielerkader der nächsten Saison bei WAZ/NRZ lese. Wenn ich ehrlich mit mir bin, bedauer ich bei keinem Spieler dieser Saison, wenn er nicht bleibt oder bliebe, nicht einmal bei Phil Ofosu-Ayeh. Bei jedem Spieler habe ich zuerst die Schwächen vor Augen, vor allem all das, was dazu führte, dass diese Mannschaft Schwierigkeit hatte, Tore zu erzielen. Das ist ungerecht, und ich weiß, wahrscheinlich wäre nach einem Sieg gegen Preußen Münster meine Stimmung nicht ganz so grau gewesen. Der Umgang mit der Wirklichkeit in der 3. Liga ist eine Aufgabe, die mich als Zuschauer gerade überfordert.

Wollen wir hoffen, dass mein medienvermitteltes Miterleben des Aufstiegs vom SC Paderborn tatsächlich eine Generalprobe für die nächste Saison in Duisburg gewesen ist. Die Freude in der angeheirateten Heimat ist zwar das eine, der für die nächste Saison erhoffte Aufstieg in der angestammten Heimat ist mir dann doch letztlich näher. Schon mal kurz: Herzlich Willkommen 2014/15! Ich  kümmer mich schon bald um Sie. Nebenan wartet vorher nur noch dieses Niederrheinpokalfinale. Danach dann!

 

Von Alltagsunentschieden, Buzzer Beater und dem Dreihasenfenster

Das Spiel des MSV Duisburg gegen den Halleschen FC endete am Samstag 1:1. Ergebnis und Verlauf des Spiels entsprachen der Normalität und dem Alltag dieser Saison. Mit so einem Alltag gehen wir Menschen ja sehr unterschiedlich um. Ich zum Beispiel suche mir bis zum Finale des Niederrheinpokals die aufregende Ablenkung vom Alltäglichen an anderen Orten, dem Basketball etwa, im dritten Spiel der NBA-Playoffs zwischen den Dallas Mavericks und den San Antonio Spurs. Es wurde in den letzten zwei Sekunden durch einen Dreipunkte-Wurf von Vince Carter entschieden. Was für eine Spannung, welch Verschwinden der Normalität. Ich empfehle allen Interessierten den  NBA-Clip bei spox.com, ein Spielbericht, der mehr zeigt als die unzähligen Youtube-Clips wie der unten verlinkte mit dem Siegeswurf. Dort wird die Atmospähre der letzten 20 Sekunden eingefangen, in denen sich die Spurs schon fast als Sieger fühlten.

Aber zurück zum MSV. In der Rheinischen Post sehen wir einen anderen Weg mit dem unspektakulären Alltag zurecht zu kommen. Übertreibung ist das Stichwort. Ich verstehe das, weil so ein traditionelles Medium wie die RP in einem Spielbericht über den MSV Duisburg ja nicht die Freiheit hat wie der Zebrastreifenblog und bei anderen Ereignissen dieser Sportwelt wildern kann. So peppen die Journalisten dort den langweiligen Alltag mit Worten auf. Dann heißt es über das Allerweltsunentschieden, das den MSV Duisburg vom sechsten auf den fünften Tabellenplatz hievt, „MSV kassiert bitteren Rückschlag„.

Wer diese Drittliga-Saison  verfolgt hat, sollte nach dem drittletzten Spieltag diese Standardformel des Sportjournalismus nicht ernst nehmen. „Bitter“ ist zum Ende dieser Saison vielleicht die unfassbar schwere Verletzung eines Spielers, fehlendes Geld sowieso, aber ein Spielergebnis? Bitter wäre  nur die Niederlage im Finale des Niederrheinpokals. Realistischerweise ist in jedem Spiel des MSV und seiner Mitkonkurrenten um Platz 4 jeder Spielausgang möglich. Deshalb besitzt dieses Unentschieden keinen bitteren Nachgeschmack. Der vierte Platz ist weiter erreichbar. Denn was für den MSV Duisburg gilt, gilt auch für den SV Wehen Wiesbaden. Jedes Ergebnis ist immer möglich.

Ich habe inzwischen auch eingesehen, dass die gern benutzte Kurzformel „unnötig“ als griffige Wertung für  Spielergebnisse in der 3. Liga wenig geeignet ist. Dazu geschehen in dieser Liga zu viele individuelle Fehler. Diese Fehler machen jeden ersten Eindruck von überlegenem oder unterlegenem Spiel und daraus sich ergebenden Ergebnissen hinfällig. Natürlich kann eine Mannschaft wie der MSV in Halle in einer Halbzeit besser spielen als der Gegner; wenn dabei aber nur ein Tor erzielt wird, ergibt sich daraus keine Prognose für das Ergebnis nach 90 Minuten. Was wiederum zurückweist auf Offensivschwächen in den meisten Vereinen. Es war abzusehen, dass die Zebras in der zweiten Halbzeit nicht nahtlos an die Leistung der ersten Halbzeit würden anknüpfen können.

Halle investierte nach der Pause zunächst mehr, und um den Ausgleich verhindern zu können, hätten die Zebras in der eigenen Offensive mehr Glück gebraucht. So war ich gleichzeitig schon zufrieden damit, dass sich die Mannschaft nach dem Ausgleichstreffer wieder auf das zuvor verloren gegangene Leistungsniveaus zurückarbeitete. Der Siegtreffer hätte fallen können. Bei mehr Glück und gleichzeitigen Fehlern in der Hallenser Defensive. Bei überlegterem Abspielen statt Schüssen, wenn sich Kevin Wolze etwa durchs Mittelfeld gewuselt hatte. Bei präziseren Flanken. Bei vielen Dingen, die als Einzelfall möglich sind aber nicht als konstante Leistung über eine längere Dauer.

Übrigens hätte mich auch ein Sieg des MSV nicht aus dem Alltagsgefühl herausgeholt. Das schaffte für den Fußball am Sonntag dann der SC Paderborn. Dem Verein der angeheirateten Heimat gilt meine Sympathie schon länger, und angesichts der fahrlässig herbeigeführten Drittligazugehörigkeit meines Herzensvereins fällt es mir nun zudem leicht, dieser Zweitliga-Sympathie in dieser Saison vollends nachzugeben. Ich mache jetzt die letzten drei Spiele der Saison hoffentlich eine Art Probedurchlauf für das kommende Jahr mit dem MSV.

Eingebetteter Bild-Link

Foto: Christian Trommler; Twitter: @CTrommler

Um die letztens eingeforderte Moral von der Fürther Ausgleichsgeschichte, hatte sich am Freitagabend bereits der TSV 1860 München mit einem Sieg über die SpVgg Greuther Fürth gekümmert. Wie man sieht, gilt Dankbarkeit in Paderborn noch als selbstverständliche Tugend. So konnte der SC Paderborn mit dem sicher herausgespielten 2:0-Sieg gegen den SV Sandhausen den direkten Aufstiegsplatz zurückerobern. Die Aussicht auf Familljenbesuch samt Erstligafußball gefällt mir. Und eines war mir schon vor den touristischen Hinweisen des Sky-Kommentators für zukünftige Auswärtsfahrer der Erstligisten gewiss, sollte alles klappen, wird das  Dreihasenfenster in keinem Aufsteigerporträt fehlen.

 

Schon im ersten Jahrhundert muss Epiktek MSV-Fan gewesen sein

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Foto: Hajo Schneider

Nichts da! Wer sich auf Karnevalsfeiern gar von Rabaue-Stücken nicht aus der Bahn werfen lässt, dessen Laune wird auch von Fußballspielen wie dem des MSV Duisburg gegen den SV Wehen Wiesbaden mit seinem 0:0 als Ergebnis nur kurz beeinträchtigt. Allenfalls für einen Moment stand gestern kurz vor vier die Qual des Zuschauens mir noch ins Gesicht geschrieben. Dann aber begann ich schon, das Spiel zu drehen und zu wenden. Das Gute im Schlechten sehen! Wer, wenn nicht wir in Duisburg, kann Kalendersprüchen zur ewigen Gültigkeit verhelfen? Nicht die Dinge selbst sind es, die uns berunruhigen, sondern die Meinungen, die wir uns von den Dingen machen. Hättet ihr gedacht, dass es schon in der Antike MSV-Fans gab? So viel Tradition beim Traditionsverein könnte den ein oder anderen potentiellen Sponsor vielleicht beeindrucken. Brauchen nicht irgendwelche Unternehmen, geführt von Dale-Carnegie-Jüngern, ideologiekonforme Aufmerksamkeit?

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Fotos von kostümierten Fans heben übrigens auch die Stimmung. Und Plaudern – so merke ich gerade – hilft, über das hinwegzukommen, was gestern zu sehen war. Vielmehr was nicht zu sehen war. Bewegung etwa im Spiel des MSV, Kombinationen von mehr als nur zwei Spielern. Tore! Aber gerade bei den Toren sehen wir auch das Gute des Spiels. Trotz einer unglaublich schlechten Mannschaftsleistung in der ersten Halbzeit geriet der MSV Duisburg nicht in Rückstand. Schließlich hat es die Zebras in dieser Saison noch nicht davon abgehalten, ein Tor hinzunehmen, obwohl der Gegner aus dem Spiel heraus keine Torgefahr entwickelte. Es gibt ja noch Freistöße und Ecken. Wenn wir uns das also einmal ganz bewusst machen, sollte sich allmählich etwas Entspannung in euch ausbreiten.

Man muss dann natürlich  darüber hinwegsehen, dass durch das Unentschieden zur Halbzeitpause viele von uns sogar für einige Zeit auf einen Sieg hofften. Wir dachten schließlich, unsere Zebras zu kennen. Eine Halbzeit spielen sie schlecht bis sehr schlecht, die andere Halbzeit aber zeigen die Spieler, was sie können. Gestern strengten sie sich dann nur noch mehr an. Das erinnerte an das Spiel gegen Dortmund. Die Mannschaft bemühte sich und erreichte nicht viel. Wenn dann keine der wenigen ungefähren Chancen zum Tor führt, stellt sich irgendwann dieses lähmende Gefühl ein, sich vergeblich anzustrengen. Es ist mit eines der unangenehmsten Gefühle im Mannschaftssport. Jeder denkt, er gibt alles und versteht nicht, warum die eigene Mannschaft dennoch schlecht spielt. Man sah die Hilflosigkeit den Spielern zuweilen an. Pierre De Wit schien bei manchem Fehlpass und -schuss erst einmal im Rasen einsinken zu wollen. Markus Bollmans hob immer wieder ratlos die Arme. Kevin Wolze suchte gerne das Gespräch mit dem Gegner. Jeder hat eben seine eigene Methode mit dem Frust umzugehen.

2013-03-01_Msv-wiesbaden_karneval 008webEine Szene des Spiels wurde für mich zum Sinnbild der 90 Minuten. Hat man sie gesehen, hat man das ganze Spiel gesehen. Ich weiß nicht mal mehr, ob es in der ersten oder zweiten Halbzeit war, ob ich also Defensiv- oder Offensivaktion sah. Von der KöPi-Tribüne aus gesehen bewegte sich das Spielgeschehen komplett in der linken Hälfte des Spielfelds. Ein Spieler des MSV schlug den Ball an allen Spielern vorbei in die rechte Ecke. Nahezu gleichzeitig sprinteten Phil Ofosu-Ayeh und ein Wiesbadener Spieler dem Ball hinterher. 2013-03-01_Msv-wiesbaden_karneval 003webOb der Duisburger den Ball vor dem Toraus erreicht, war fraglich. Im letzten Moment grätschte er dann den Ball vor Toraus und Gegenspieler ab. Der Ball rollte parallel zur Außenlinie. Doch nur Gerrit Wegkamp hatte die Spielbewegung mitgemacht. Er alleine war zur Außenlinie gelaufen, um anspielbereit zu sein. Und erst kurz bevor er den Ball annahm, bewegte sich der Rest der Mannschaft, um die immense Lücke zwischen linker und rechter Spielhälfte zu füllen.

Das war das Spiel des MSV Duisburg zu einem großen Teil der Zeit: Neun Spieler warten darauf, was der Spieler mit dem Ball gerade anstellt. Bleibt noch einer, der versucht, sich frei zu laufen. Das reichte nicht, um eine eng stehende Defensive zu überwinden. Immer wieder zeigte sich, dass die Spieler oft gedanklich nicht schnell genug sind. Sogar Michael Ratajczak schien bei einem Rückpass oft einen Moment zu lang zu warten, bis er das machte, wozu er sich längst entschlossen hatte, den Ball weit nach vorne zu schlagen.

Alles wird gut Foto: Hajo Schneider

Alles wird gut
Foto: Hajo Schneider

Ihr merkt, beim Drehen und Wenden des Spiels bleiben nur wenige Meinungen über Dinge, die uns zu guter Laune verhelfen. Die Spielweise von Gerrit Wegkamp gehörte für mich noch einmal dazu. Vielleicht hat das aber auch damit zu tun, dass sie noch immer neu und frisch für mich ist und ich sie deshalb unabhängig von der Mannschaftsleistung schätzen kann. In der Summe haben sich meine wenigen guten Meinungen von dem Ding „MSV Duisburg gegen den SV Wehen Wiesbaden“ aber gelohnt. Sonst hätte ich nicht schon vor dem Stadion wieder zuversichtlich in die Zukunft blicken können. Eine gewisse Grundentspannung war auch nötig, weil im Zug zurück nach Köln eine Gruppe Dortmunder Bienen mittleren Alters einige Aufmerksamkeit des Großraumwagens in Anspruch nahm. Dann kann man auch problemlos helfen und schnell antworten, wenn verirrte Bienen laut nach ihrem Schwarm fragen. In dem Sinne, weiter schöne Karnevalstage. Alaaf und helau!

Die Pressekonferenz nach dem Spiel sowie die Stimmen von Kevin Wolze und Sascha Dum.

Und wer es sich unbedingt noch einmal antun möchte, der Spielbericht. Ich habe ihn mir noch nicht angesehen.

Zweikampf-Expertenrat soll Heimspiel-Komplex beseitigen

Beim MSV Duisburg herrscht unter Fans und sportlich Verantwortlichen vor dem heutigen Heimspiel gegen die SSpVgg Unterhaching angespannte Stimmung. Werden die Zebras ihre in dieser Saison so ausgeprägte Heimspielschwäche überwinden? Erst zwei Siege stehen zu Buche, und auf der Pressekonferenz vor dem Spiel kam Karsten Baumann zum Ende hin indirekt auch auf eine der dafür verantwortlichen Schwierigkeiten seiner Mannschaft zu sprechen. Wenn die andere Mannschaft den Ball gut laufen lässt, wird es für seine Spieler schwierig aus ihrer raumorientierten taktischen Grundordnung schnell genug in die Nähe des Ball führenden Gegners zu gelangen.  Kurz und mit einem Standard der Spielbeschreibung gesagt, die Spieler kommen nicht in die Zweikämpfe. Das sieht  blöd aus und bereitet sowohl auf dem Platz als auch auf den Rängen großen Unmut.

Auf der Pressekonferenz wollte Karsten Baumann die nun vorgenommenen kreativen Gegenmaßnahmen beim Training nicht besonders erwähnen. Dabei muss sich der MSV Duisburg dafür gar nicht schämen. Die meisten erfolgreichen Fußballvereine Europas machen es vor und suchen Rat bei Trainern anderer Sportarten und fachfremden Experten. So war Ivica Grlic der Call-of-Duty-Experte KaNaKaN bei spieletipps.de aufgefallen, weil er ratsuchenden Spielern häufig konstruktive Kommentare gab. Schon Donnerstag sah man KaNaKaN auf dem Trainingsgelände an der Westender Straße, wie er mit Markus Bollmann zusammen stand.   Trainings-Kiebietze erzählen, dass folgender Rat von ihm zu hören war:

…mach taktik-steuerung und leg dich hin,wenn du in einen zweikampf kommst.so gewinnst du mindestens 60% deiner zweikämpfe

Markus Bollmann blieb zunächst skeptisch. 60 Prozent, das sei zu wenig, meinte er. KaNaKaN ließ sich davon nicht beirren und erwiderte, er wisse, normalerweise bräuchten Fußballer bessere Zweikampfwerte, aber wenn sie die entscheidenden Zweikämpfe gewönnen, sei das auch egal.

Ein weiteres fremdes Gesicht war nur kurz zu sehen. Zum großen Ärger der sportlich Verantwortlichen erwies sich der  Call of Duty-Experte Koesti nämlich  als unbedingter Verfechter  eines schmutzige Spiels:

Einfach mal defensiv spielen nicht immer den Zweikampf, das Waffenduell suchen. Und wenn du einen Zweikampf willst, dann mach ihn so unfair wie es geht: Jump/Dropshot, Headglitch, Prefire wenn du ihn schon um die Ecke hörst, OP-Waffen benutzen. Das hört sich zwar noobig an aber das machen die meisten Gegner.

Karsten Baumann war entsetzt, als er diese Worte hörte. „Derartige Äußerungen, die dem Geist des Fairplay widersprechen, habe ich nicht von einem solch renommierten Experten erwartet“, sagte er und verwies Koesti augenblicklich vom Trainingsgelände, während Tanju Öztürk und Pierre De Wit noch sichtlich geschockt flüsternd beieinander standen. So wollen die Zebras keinesfalls Fußball spielen. Alle Spieler waren sich einig, gegen Unterhaching werde der Heimsieg mit fairen Mitteln errungen.

Dass nicht jeder fachfremde Experte dem MSV Duisburg weiterhelfen kann, zeigte sich schließlich beim World-of-Warcraft-Fachmann, der sich auf die besonderen Anfordernisse des Fußballs als Mannschaftssport nicht einlassen konnte. „Es gilt als äußerst unehrenhaft, sich während eines Duells von seinen Freunden heilen zu lassen“. Viel mehr ließ ihn das Trainer-Team dann nicht mehr sagen, ehe er freundlich verabschiedet wurde. Nach einem Sieg gegen Unterhaching werden Ivica Grlic und Karsten Baumann analysieren, ob der Expertenrat hilfreich war und  auch in Zukunft genutzt werden kann.

Stabilität der Defensive sorgt für stabile gute Stimmung

Karsten Baumann ging also vor dem Spiel mit der ersten Elf in die Kurve und machte gute Figur als Aufsichtspersonal des Aufwärmprogramms seiner Mannschaft.  Wenn das nicht mal eine Spielplakatsunterzeile wert ist: Hier leitet der Chef selbst das Aufwärmen an. Vielleicht kommen dann sogar noch hundert Zuschauer mehr, die jetzt leider den 2:0-Sieg des MSV gegen den FC Hansa Rostock verpasst haben. Wobei über die Zuschauerzahl dieses Abends überhaupt nicht zu meckern ist. Trotz der Ungewissheit, welche Leistung die Mannschaft zeigen würde, blieb das Interesse am MSV Duisburg höher als in Zweitliga-Zeiten. Der erarbeitete Auswärtssieg bei Holstein Kiel hatte offensichtlich die ersten ärgerlichen Gemüter unter den Zuschauern wieder beruhigt.

Zudem wollte der MSV Duisburg die Zuschauer nicht unvorbereitet ins Spiel gehen lassen. Ich kann mich nicht daran erinnnern, jemals den Pressesprecher eines Vereins vor einem Spiel auf dem Spielfeld über die taktische Aufstellung der Mannschaft reden gehört zu haben. Vielleicht war es nur die einmalige Reaktion auf die vielfältige Kritik an der Defensive der Mannschaft. Branimir Bajic wird vor die Abwehrreihe gezogen und uns Zuschauer wird deutlich gesagt, der Trainer tut was. Eine konzertierte Aktion zur Stabilität in Sachen Defensive und Stimmung auf den Rängen. womöglich wird irgendwann diese kurze Mitteilung auf dem Spielfeld in den Geschichtsbüchern des Fußballs als weiterer Schritt auf dem Weg dieses Sports hin zur endgültigen Etablierung im Kulturbetrieb gedeutet werden. Vielleicht sehen wir irgendwann wie in den Opern- und Schauspielhäusern dieser Republik als Service für das Publikum halbstündige Einführungen in das gegebene Werk, vulgo Mannschaftsaufstellung und Spielhistorie?

Davon ab war die Umstellung erfolgreich, wenn es um die Offensive der Rostocker aus dem Spiel heraus ging. Durch Spielaufbau und Zusammenspiel gelangten die Rostocker nicht in den Strafraum des MSV. Sie hatten aber ein anderes geeignetes Mittel, weil die Spieler des MSV Duisburg im Halbfeld gerne foulten. So brauchten die Rostocker sich spielerisch nicht sehr anzustrengen, sondern schlugen hohe Bälle in den Strafraum und von denen wissen wir, dass sie die Defensive des MSV immer wieder in Verlegenheit bringen können. Deshalb waren wir bei uns auf dem Stehplatz trotz der spielerischen Überlegenheit des MSV Duisburg einmal mehr nicht sonderlich entspannt bis endlich das zweite Tor für die Zebras fiel. Der Kopfball eines Rostocker Spielers gegen die Latte in der zweiten Halbzeit etwa war so ein Spielmoment, der uns zusammenzucken ließ. Was aber nie und nimmer zu einer Spielwertung hätte führen können, wie sie der MDR-Kommentator in seinem kurzen Spielbericht vornahm. Wenn er meint, die Rostocker hätten das Spiel zunächst im Griff gehabt, hat er ein anderes Spiel gesehen als ich.

Dagegen empfinde ich den NDR-Kommentator geradezu als neutral.

Von Anfang an bemühte sich der MSV nämlich um die spielerischen Momente, auch wenn dauerhafte Torgefahr in diesem Spiel wieder nicht entstand. Dennoch war die Laufbereitschaft zurückgekehrt. Früh wurden die Rostocker angegriffen. Schnell gelang das Umschaltspiel. Die Flügel wurden kontinuierlich gut besetzt, sowohl Phil Ofosu-Ayeh mit seiner so beeindruckenden Schnelligkeit als auch Sascha Dum mit seinem Antritt gingen weite Wege. Ein Problem waren weiterhin die zweiten Bälle nach misslungenen Spielaktionen der Rostocker.  Eigentlich geklärte Spielsituationen entwickelten auf diese Weise noch einmal Gefahr. Am eindrücklichsten zu sehen war das als Quasi-Zeitlupe vor dem Pfostenschuss der Rostocker. Der Ball war abgefangen. Dem Pressing der Rostocker sollte spielerisch begegnet werden, dazu wurde hintenrum gespielt, bis zu Michael Ratajczak, dessen weiter Ball allerdings beim Gegner landete, der sich um so schneller  wieder Richtung Duisburger Tor aufmachte. Was in dem Fall auf dem Spielfeld weit auseinander gezogen und in einer Quasi-Zeitlupe zu sehen war, gab es auf engem Raum in ähnlicher Form häufiger. Klassische Bajic-Abspielfehler waren das ebenso wie Kopfballabwehraktionen verschiedener Spieler ins Zentrum. Zum guten Glück waren die Rostocker mit der Ausnahme des Pfostenschusses nicht gut genug, die geschenkten Bälle gefährlich zu verwerten.

Das Führungstor des MSV Duisburg war Lohn des frühen Attackierens und schnellen Umschaltens. Der Ball wurde erobert, steil auf Kevin Wolze gespielt, der in leichter Rückwärtsbewegung den Ball annahm. Dessen Gegenspieler wollte diese leichte Rückwärtsbewegung zum Anlass nehmen, den Schiedsrichter zum Foulpfiff zu bewegen. Vergeblich. Während er sich also angesichts des erwartungsvollen Zuschauerlärms immer dramatischer auf dem Boden wälzte, nutzte Wolze in der Zeit den freien Raum und spielte steil in die Spitze zum frei durchbrechenden Kingsley Onuegbu. Der Abschluss war nur noch Formsache. Schließlich hatten wir schon lange keinen Stürmer mehr, der in solchen Strafraumsituationen derart sicher zum Torschuss ansetzt. Nach Gegentoren scheint übrigens expressives Schmerzschauspielen fehlerhaftes Abwehrverhalten  teilweise vergessen zu machen.

In der zweiten Halbzeit änderte sich nicht viel. Freistöße aus dem Halbfeld blieben das einzige Rostocker Offensivmittel. Zur Sicherung der drei Punkte wünschten wir uns dennoch ein zweites Tor. Und was Rostock kann, kann der MSV schon lange und besser. Der Freistoß der Zebras aus dem Halbfeld ging nämlich nicht direkt vor das Tor in Rostocker Manier, sondern in den Strafraum neben den Pfosten, wo Branimir Bajic mit mehr Platz frei zum Kopfball kam. Er gab den Ball zurück ins Zentrum und der aus Rückfeld hineinlaufende Markus Bollmann köpfte ein. Die Präzision dieser Ausführung braucht ohne Frage Training. Das war sehr gelungen.

Dieser Sieg hat mir den Glauben an die Mannschaft zurück gegeben. Es bleibt die Aufgabe, die Schwankungsbreite der Leistungen dieser Mannschaft zu reduzieren. Auch das wird dem Chef selbst hoffentlich gelingen. Wenn auch ein wenig Unterstützung bei der Arbeit in absehbarer Zeit nicht schaden wird.

Die Pressekonferenz nach dem Spiel mit den O-Tönen von Markus Bollmann und Phil Ofosu-Ayeh

Michael und Michael retten meine Zufriedenheit

Michael & Michael, das klingt nach Musikantenstadl und einem fröhlich Beifall klatschenden Publikum. Tatsächlich haben diese Meidericher Herzbuben zwar wenig gesungen, aber um so mehr gesprochen nach dem 1:0-Auswärtssieg des MSV Duisburg bei Holstein Kiel und erst ihre Worte hellten mein trübes Gefühlsgrau auf. Ich wusste, dieser Sieg vom MSV Duisburg gegen Holstein Kiel war sehr wichtig, und trotzdem fühlte ich mich nach dem Schlusspifff fast wie nach einer Niederlage. Dieses Gefühl verging zunächst nicht, weil ich mir nach der Leistung der Mannschaft nicht mehr habe vorstellen können, wie die Spieler in dieser Saison jemals wieder zu Spielfreude und der Stärke aus den ersten Spielen finden sollten.

Dann aber wurde die Stimmen nach dem Spiel online gestellt, und ich konnte den einen Michael sagen hören: „Heute zählte für uns nur der Sieg, egal, auf welche Weise“. Das klang noch nach bekannten Fußballvolksmusikweisheiten.  Die variierte Refrainzeile des anderen Michaels aber verriet mir mehr: „Uns war klar, wir müssen irgendwas holen hier, egal wie.“ In dieser Variation drückte sich der Vorsatz der Mannschaft nachdrücklicher aus. Der Druck auf jeden einzelnen wurde deutlicher. Wir wissen aber, mit dem „etwas tun müssen“ ist es nicht so einfach im Leben. So ein unbedingter Wille kann es unmöglich machen, das zu tun, was man eigentlich kann. Ganz zu schweigen von der Dynamik, die das Umsetzen eines Vorsatzes als Gruppe nach sich zieht. Keiner möchte dann einen Fehler machen; besonders wenn diese Gruppe schon die Erfahrung gemacht hat, selbst wenn sich jeder seiner Fähigkeiten sicher ist, geschehen Fehler. Als einziger würde man verantwortlich dafür, die Wünsche und Hoffnungen aller zu enttäuschen. Kein gutes Gefühl. Der Gedanke eines jeden wurde für mich greifbar, besser ist es, wenig zu riskieren.

Diese Last der Verantwortung zeigt sich vor allem als ein Problem der Aktion, und so haben wir eine Mannschaft gesehen, deren Leistung in der ersten Halbzeit wenn auch nicht gut, doch zumindest noch ansehbar war. In der zweiten Halbzeit aber wurde diese Mannschaft nahezu reglos bei Ballbesitz. Im Schritttempo begannen viele Angriffe und natürlich gerät in diesem Schritttempo nur der lange Ball zur Option. Je näher der Abpfiff rückte, desto größer wurde die Last, jemand könne verantwortlich sein, den möglichen Sieg noch zu verspielen. Selbst die wenigen Konter in Überzahl wurden nicht konsequent ausgespielt. Sicher fehlte die Abstimmung der Laufwege nach mangelndem Training. Mehr noch aber machte es den Eindruck, als sei die Angst vor dem Fehlpass so groß gewesen, dass der entscheidende Zeitpunkt verpasst wurde. Einfacher ist es in solchen Momenten, den freien Raum vor sich zu nutzen, bis es nicht mehr geht und der Abwehrspieler stochernd dazwischenkommt.

Doch auch wenn der MSV Duisburg nur reagieren musste, ließ die Leistung der Mannschaft zu wünschen übrig. Schon in den ersten zehn Minuten hatten die Kieler zwei große Torchancen, und Michael Ratajczak verhinderte den frühen Rückstand. Wenn Karsten Neitzel  in der Pressekonferenz nach dem Spiel davon sprach, seine Mannschaft könne wegen der großen Innenverteidiger des MSV nicht einfach nur hohe Bälle in den Strafraum schlagen, sondern müsse sich ihre Chancen erspielen, so hatte er anscheinend die erste große Chance seiner Mannschaft nicht mehr im Blick. Diese Innenverteidigung wirkte wieder anfällig bei hohen Bällen und vielleicht wären die Kieler mit diesen einfach in den Strafraum geschlagenen hohen Bälle doch einmal erfolgreich gewesen. Denn eines wird auch immer wieder offenbar. Die hohen Bälle in den Strafraum können lange unterwegs sein, die gegnerischen Stürmer kommen dennoch zum Kopfball. Da braucht es kaum schnelles Angriffsspiel beim Gegner, Torchancen erarbeiten sich die Gegner trotzdem.

In der 13. Minute erhielt der Kieler Abwehrspieler Marcel Gebers die rote Karte wegen einer Notbremse gegen Kingsley Onuegbu. Mit der Enttäuschung über die Niederlage sollte bei den Kielern auch das Unverständnis über die Entscheidung vergehen. Diese rote Karte war keine krasse Fehlentscheidung. Vielleicht hätte es ein anderer Schiedsrichter bei gelb belassen, trotzdem verhinderte der Abwehrspieler per Foul den Durchbruch von Onuegbu zum freien Abschluss im Strafraum. Der von Pierre De Wit geschossene Freistoß gehörte neben den Paraden von Michael Ratajczak zu den sehr guten Aktionen vom MSV Duisburg. In der Folge hielt der MSV während der ersten Halbzeit die Kieler vom Strafraum fern, ohne das Spiel selbst bestimmen zu können. Sascha Dum erarbeitete mit einem Flankenlauf kurz vor der Halbzeitpause noch eine weitere Torchance. Hätte Michael Gardawski den Ball zum 2:0 verwandelt, wäre die Last vielleicht geringer geworden. So aber kam es zu einer zweiten Halbzeit, in der niemand mehr etwas falsch machen wollte und gerade deshalb der Sieg jederzeit gefährdet schien.

Bleibt die Pressekonferenz nach dem Spiel sowie die Stimmen von Pierre De Wit, Michael Garadawski und Michael Ratajczak.

Wem das Geschehen rund ums Siegtor genügt, klickt einmal weiter zum NDR. Dort können sich die Hartgesottenen unter euch sogar das ganze Spiel noch einmal zu Gemüte führen. Folgend der Spielbericht der Sportschau.

Wenn Überlegenheit nicht mal durch Schwächen gemindert wird

Solch ein 3:1-Auswärtsieg vom MSV Duisburg gegen Rot-Weiß Erfurt lässt sich auch am zweiten Tag nach dem Spiel noch einmal mit Schlaglichtern in Erinnerung rufen. Was für ein überlegen geführtes Spiel! Welch schöne Tore! Welch schnelles, beeindruckendes Kombinationsspiel war in Erfurt vom MSV Duisburg zu sehen. Kein ruckelnder Livestream hat mir das alles vorenthalten. Dafür wuchs mit jeder Spielminute mein Bedauern nicht vor Ort sein zu können.

Noch entsprach der Verlauf dieses Spiels nicht vollends dem, was sich Kevin Wolze in der letzten Woche gewünscht hatte, mehrere Schritte in die erhoffte Richtung wurden aber genommen. Eine klare Führung hatte sich Kevin Wolze ausgemalt, um so „ein Ding“ einfach mal runterspielen zu können und Kräfte zu sparen.  Die klare Führung hatte es zur Halbzeitpause ebenso gegeben wie das überlegene Spiel der Mannschaft. Dennoch ließen sich die Kräfte nicht ganz wie gewünscht sparen, weil die Zebras ab der 33. Minute nur zu zehnt spielten. Markus Bollmann hatte wegen einer Notbremse die rote Karte erhalten. Für diese Überlegenheit musste also etwas mehr getan werden, als es sonst der Fall gewesen wäre.

Diese rote Karte wirkt im Nachhinein wie ein riesiger Hinweispfeil auf Schwächen der Mannschaft, die es bei aller spielerischen Überlegenheit dennoch gegeben hat. Was für ein Luxus, wenn wir uns diesen Schwächen in entspannter Stimmung widmen können. Noch wirkt die Abwehrreihe nicht stabil. wir wissen, Markus Bollmann und Branimir Bajic sind nicht die Schnellsten. Hat der lange Ball erst einmal den sprintenden Stürmer erreicht, ist aber Sprintstärke gefordert.  Das gute Stellungsspiel war dann einen Moment lang wohl doch nicht so gut. Schwierigkeiten sind immer wieder auch dann zu erkennen, wenn gefährliche Angriffssituationen des Gegners eigentlich schon geklärt sind. Ein Defensivspieler erobert den Ball in Strafraumnähe oder ein Querschläger wird vom MSV kontrolliert. Dann ist das Vorhaben deutlich erkennbar, die eroberten Bälle nicht planlos nach vorne zu schlagen. Gleichzeitig ist das Zusammenspiel in Strafraumnähe nicht immer sicher genug, um die dann vielen Gegenspieler in Strafraumnähe ohne erneuten Ballverlust zu überspielen. Manchmal bleibt wohl nur das Abwägen, riskiere ich den Ballverlust in Strafraumnähe oder im gegnerischen Halbfeld. Was ist da nur beruhigender für die Nerven von uns Zuschauern?

Andererseits – und nun lassen wir die Schwächen endlich ganz und gar hinter uns – andererseits wartet da vorne Kingsley Onuegbu. Wahrscheinlich ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis Physiker bei ihm eine neue Form des Magnetismus entdecken. Der starke Onuegbumagnet zieht auch immer wieder weit geschlagene Bälle mit einiger Streubreite in seinen Wirkungsbereich. Solche Bälle blieben aber die Ausnahme im Spiel. Es überwog die planvolle Ballsicherheit. Aber egal, welcher Pass ihn da erreichte, es war wieder fantastisch anzusehen, wie er diese Pässe behauptete. Zudem wird er immer torgefährlicher. Kingsley Onuegbu war aber nur Teil eines sehr überzeugenden Zusammenspiels in der Offensive. Wie lange spielen diese Spieler schon zusammen?  Laufwege werden mit einer Sicherheit erahnt, die sprachlos macht. Die ersten beiden Tore konnten nur deshalb fallen, weil sowohl Pierre De Wit als auch Kingsley Onuegbu darauf vertrauen können, ihre Mitspieler nutzen den freien Raum für ihre Spielideen. Das zweite Tor von Kevin Wolze offenbart zudem seine sehr gute  Schusstechnik. Was will man mehr? Vielleicht den glänzend aufspielenden Michael Gardawski, der am Flügel engste Räume im Zusammenspiel mit Phil Ofosu-Ayeh zu nutzen wusste, um den Ball Richtung Erfurter Tor voranzutreiben? Oder einen eingewechselten Patrick Zoundi, dessen Flügelläufe ihm hoffentlch Selbstvertrauen für die nächsten Spiele geben?

Dieses Spiel war bestens geeignet für das Profi-Debut von Fabian Lenz im Tor. Er konnte sich mit der Spielsituation im Ligabetrieb vertraut machen und Sicherheit gewinnen. Bessere Bedingungen fürs learning by doing lassen sich nicht vorstellen. Wenn Tobias Feisthammel, Branimir Bajic, Sascha Dum, Tanju Öztürk und der kurz vor Spielende eingewechselte Matthias Kühne nicht gesondert erwähnt werden, ist das kein Hinweis auf ihre Leistung. Diese Mannschaft bestach durch ihre Geschlossenheit. Diese Mannschaft zwang Rot-Weiß Erfurt in der zweiten Halbzeit zu haarsträubenden Fehlern. Diese Mannschaft hatte ihren Gegner derart verunsichert, dass Rot-Weiß Erfurt nicht einmal mehr die einfachsten Zuspiele gelangen. Die Spieler von Rot-Weiß Erfurt waren frustriert, weil sie keine Mittel fanden, diesem MSV Duisburg stand zu halten. Allenfalls in den allerletzten Minuten war es diesem Gegner möglich, sich daran  zu erinnern, wie Fußball eigentlich gespielt wird. Mein Beifall für diesen Auftritt vom MSV Duisburg will gar nicht enden.

Bleibt noch ein Klickhinweis: Ludger Conrad war in Erfurt und erzählt, bei Nostras Passionem, wie es war. Die Pressekonferenz nach dem Spiel gibt es auch noch, sowie die Kommentare von Kevin Wolze, Tobias Feisthammel und Sascha Dum, dem Ilia Gruevs bei Rot-Weiß Erfurt spielender Sohn mental zur Seite steht.

Bewegtbilder plus ansprechendem Reporterkommentargibt es im Spielbericht vom MDR:

Und wer überhaupt nicht genug bekommen kann, für den gibt es auch noch das gesamte Spiel: die erste Halbzeit mit einem Klick weiter zum MDR.

Und die zweite Halbzeit gibt es natürlich ebenfalls mit einem Klick weiter.

Pokalsieg sehen, ohne da gewesen zu sein – Bilder vom Spiel

Einen Vorteil, den der Zwangsabstieg mit sich brachte, erleben ich und wahrscheinlich noch ein paar andere Anhänger des MSV nun nach dem Spiel im Niederrheinpokal vom MSV gegen den TSV Bockum. Obwohl sowohl wir als auch TV-Kameras nicht im Stadion waren, können wir können uns Bilder vom Spiel ansehen. Wenn nicht für jedes Spiel des MSV Duisburg die Bildrechte verkauft sind, können mit privaten Kameras nicht nur Bilder vom Spiel selbst eingefangen, sondern sogar online gestellt werden. Dirk Schales betreibt mit Zebras Welt einen Blog, in dem er sich eigentlich vor allem unanbhängig vom Fußball um Duisburger Themen kümmert, zum MSV aber hin und wieder Video-Clips postet. Schon bei den Fanaktionen war er regelmäßig filmend dabei – so nun auch gestern im Pokalspiel.

Vor dem Spiel hat Dirk Schales die Stimmung eingefangen.

Ausschnitte aus der 1. Halbzeit mit dem Führungstor durch Markus Bollmann als beendendem Vorgeschmack für die Bilder aus der 2. Halbzeit.

Ausschnitte aus der 2. Halbzeit mit den Toren von Kingsley Onuegbu und Filip Orsula

Gefeiert wurden Pflichtsieg und der Gegner TSV Bockum auch noch.

Ein Punktespiel verwandelt sich

Am Samstag spielte der MSV Duisburg gegen den SSV Jahn Regensburg. Es war das dritte Punktespiel dieser Saison. Doch irgendwann ging es in diesem Fußballspiel um sehr viel mehr als um drei Punkte. Irgendwann, spätestens Mitte der zweiten Halbzeit, wurde aus diesem Spiel etwas Größeres, etwas Bedeutsameres. Es nahm den Charakter eines Pokalspiels an. Vielleicht war es auch das entscheidende Spiel um die Meisterschaft? Auf jeden Fall ging es für die Spieler und für uns auf den Rängen um alles in diesem einen Spiel. Es schien, als böte ein Sieg gegen den SSV Jahn Regensburg eine Chance auf umfassendes Lebensglück. Die Welt außerhalb des Stadions hatte aufgehört zu existieren. Jede Erfüllung hing alleine davon ab, ob der unermüdliche Sturmlauf des MSV Duisburg auf das Tor des SSV Jahn Regensburg den Ball über die Torlinie bringen würde.

In den Zeitungen ist von der emotionalen Wucht dieses Spiels nicht  viel zu lesen. Der TV-Bericht konzentriert sich auf den Spielverlauf. Es war aber ein Spiel, in dem der 2:1-Sieg-Treffer durch Athanasios Tsourakis in der 86. Minute mir und vielen Menschen um mich herum Freudentränen in die Augen trieb. Es war ein Punktespiel, das dritte der Saison, mehr nicht. Es war das Spiel, während dessen Verlauf zwei Zuschauer einen Herzinfarkt erlitten und verstarben. Für Angehörige und Freunde verwandelte sich die Freude über das Siegtor in Trauer und Fassungslosigkeit. Es fällt schwer,  angemessene Worte für dieses Spiel zu finden. Solch ein Punktespiel zu Beginn einer Saison habe ich in meinen langen Jahren mit dem MSV Duisburg noch nie erlebt.

Natürlich lässt sich so ein Spiel auch über die sportlichen Ereignisse erzählen, und gäbe es die Fernsehbilder nicht, ich wüsste immer noch nicht, wieso der MSV Duisburg so schnell in Rückstand geriet. Auch damit war ich nicht allein. Niemand um mich herum hatte den Fehler von Markus Bollmann gesehen. Wir alle wähnten den MSV Duisburg in sicherem Ballbesitz und begannen uns im Spiel zu orientieren. Unsere Blicke gingen über das Spielfeld, um zu sehen, wer sich wohin bewegt und plötzlich stürmte ein Regensburger Spieler alleine auf das Tor des MSV Duisburg zu. Er schoss sicher zur Führung ein. Diese Szene hatte es so schon im Spiel gegen den SC Paderborn gegeben. Dieses Mal war der Passgeber, Markus Bollmann, weitaus mehr verantwortlich für diesen Gegentreffer als im Spiel gegen Paderborn Branimir Bajic. Dennoch zeigt auch dieser Fehler erneut, das Spiel des MSV Duisburg ist im Moment immer mal wieder von Anspielfehlern durchsetzt. Geschieht das in der eigenen Hälfte, werden die Gegner gefährlich

Was dann aber geschah, entschärfte das Problem der Anspielfehler auf eine begeisternde Weise. Wenn es Anspielfehler gab, geschahen sie in der Hälfte des Gegners. Gleichzeitig wurden sie durch sofortiges Pressing sofort wieder bereinigt. Um die 23. Minute herum war der SSV Jahn Regensburg zum ersten Mal überhaupt etwas länger  in Ballbesitz. Diese Mannschaft des MSV Duisburg drängte mit einer Entschlossenheit auf den Ausgleich, die Staunen machte. Wieder wurde variabel kombiniert. Das schnelle Spiel über den Flügel wurde ebenso gesucht wie der halblange Ball in die Sturmmitte auf Kingsley Onuegbu. Manche Pässe kamen dann nicht an. Doch zum Spielaufbau wurde den Regensburgern kein Raum gelassen. Damit das gelingt, braucht es mannschaftliche Geschlossenheit, und man muss sich noch einmal in Erinnerung rufen, in welch kurzer Zeit es Karsten Baumann gelungen ist, die Bewegungen dieser Spieler aufeinander abzustimmen.

Die Defensive wirkt weiterhin nicht ganz sicher. Schafft es der Gegner schnell in die Hälfte der Zebras, wirkt die Ballorientierung zwischen Spielern der Abwehrreihe und des defensiven Mittelfelds manchmal noch sehr improvisiert. So erhalten Gegenspieler zu viel Raum in Tornähe. Die wenigen Momente im gesamten Spiel haben die Regensburger nicht nutzen können. Nach dem kurzen Nachlassen des Drucks nahm das Spiel der Zebras wieder Fahrt auf. Klare Chancen gab es trotz der großen Überlegenheit zunächst nur wenige. Michael Gardawski beeindruckte mit einem Schuss im Strafraum, nachdem er drei Regensburger auf engstem Raum ausgespielt hatte. Und der erneut sehr stark spielende Pierre De Wit versuchte die Raum öffnenden Pässe in den Strafraum, von denen kurz vor der Pause Kingsley Onuegbu einen aufnehmen konnte. Aus spitzem Winkel erzielte er den so verdienten Ausgleich.

Kurz nur wurde es nach Anpfiff der zweiten Halbzeit für den MSV bei einem Angriff der Regensburger gefährlich. Dann stellte sich dasselbe Spiel wie zuvor wieder ein. Immer entschlossener kämpften die Zebras für den Sieg. Sascha Dum grätschte im gegnerischen Strafraum dreimal hintereinander am Boden liegend nach dem Ball. Die Regensburger erhielten kaum eine Gelegenheit,  Pässe ruhig zu verarbeiten. Diesem immensen Einsatz folgten nun auch große Torchancen. Beim Doppelpassspiel zwischen Tobias Feisthammel und Kingsley Onuegbu im Strafraum waren wir zum Jubeln bereit. Dennoch war immer wieder das Bein eines Regensburger Defensivspielers dazwischen oder der Torwart, Patrick Wiegers, hechtete in die Ecken, um die Schüsse aus unterschiedlichen Entfernungen abzuwehren.

Je länger das Spiel dauerte, desto unerbittlicher schob sich für mich der Gedanke in den Kopf, all dieser Einsatz bliebe vergeblich. Die Sehnsucht über das Siegtor zu jubeln machte sich als bohrender Schmerz bemerkbar. Die Hoffnung auf ein Happy End blieb immer noch, doch die schwindenden Kräfte der Zebras waren zu offensichtlich, als dass diese Hoffnung ungetrübt blieb. Mit dem Blick auf die Spielzeituhr begann das Abgleichen, wie oft noch der Ball vor das Regensburger Tor getrieben werden könnte. Und dann fand Tanju Öztürk noch einmal Kraft für einen Antritt. Er lief durch in der Mitte auf den Strafraum zu, wurde nicht angegriffen und nutzte die Gelegenheit zum Schuss. Das sah nicht sehr gefährlich aus, zu wenig Kraft schien er für diesen Schuss noch zu haben. Doch er zielte knapp neben den Pfosten, so dass Patrick Wiegers wie schon zuvor nur abklatschen konnte. In dem Moment war Athanasios Tsourakis zur Stelle. Wieder war der Winkel spitz. Doch sicher schoss Tsourakis ein. Was für ein Jubel über dieses so gerechte Tor. In diesem Jubel steckte der Glaube an alles Gute auf dieser Welt. Auf dem Spielfeld aber wurde die Angst greifbar, dass Regensburg in den wenigen verbleibenden Minuten noch ein Tor gelingen könnte. Jede Balleroberung wurde zum weiten Schlag nach vorne, zweimaliges Abseits wurde dankend angenommen bis endlich der ersehnte Schlusspfiff kam.

Es war nur das dritte Spiel der Saison, doch es fühlte sich an, als sei ein großer Traum in Erfüllung gegangen. Da wussten wir noch nicht, dass für Angehörige und Freunde von zwei Anhängern des MSV Duisburg mit einem Mal die Zeit still zu stehen scheint. Für den MSV Duisburg und für uns andere Zuschauer geht die Saison nächste Woche weiter. Ich bin sicher, mit dem MSV Duisburg wünschen auch alle auf den Rängen den jetzt Trauernden Kraft und Beistand, damit sie irgendwann wieder allmählich das Leben zu spüren beginnen.

Bleibt noch die Pressekonferenz nach dem Spiel sowie die O-Töne von Markus Bollmann, Michael Ratajczak, Sascha Dum und Pierre De Wit.

Vorbildhafter SC Paderborn – Der DFB-Pokal 2004/2005

Wenn der MSV Duisburg heute Abend im DFB-Pokal gegen den SC Paderborn antritt, wiederholt sich eine DFB-Pokalbegegnung dieser Mannschaften unter umgekehrten Vorzeichen. In der Saison 2004/2005 spielte der MSV als Zweitligist beim damaligen Nord-Regionaligisten SC Paderborn. Die Paderborner kamen durch einen 2:1-Sieg eine Runde weiter. Die Daten zum Spiel findet ihr mit einem Klick weiter beim Transfermarkt. Die Begegnung gehörte übrigens zu jenem Pokalwettbewerb, in dem der SC Paderborn in der ersten Runde dank der Hilfe des von Wettbetrügern bestochenen Schiedsrichters Robert Hoyzer den Hamburger SV besiegen konnte. Auf Paderborner Seite spielte damals Markus Bollmann, den ihr – so meine ich – in einem zweiten ebenfalls im Clip unten gezeigten Spiel bei einer Verteidigungsaktion und im Ärger über die anschließende  Schiedsrichterentscheidung bei Minute 5.21 etwa sehen könnt. Der Anfang des Clips aus Paderborner Landen gehört aber dem Pokalspiel. Wenn wir mal davon absehen, dass jede Niederlage des Vereins unserer Zuneigung einen Stich versetzt und uns auf die Konstellation des Pokalspiels der Saison 2004/2005 konzentrieren, könnte der SC Paderborn von damals tatsächlich dem MSV Duisburg von heute ein schönes Vorbild sein. Markus Bollmann sollte deshalb seinen Mannschaftskameraden noch einiges von diesem Spiel  erzählen. Dieser Pokalspielsieger steht jedenfalls heute Abend schon mal auf der Zebra-Seite. Nur der Vollständigkeit halber: Statt des Original-Tons ist dem Clip Musik unterlegt.


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