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Der FCM bringt Quote, während Zebras siegen

Wenn Fußballspiele uns die Welt erklären, freut sich der Sportsfreund. Denn eines hat uns dieser Spieltag gezeigt, der MDR berücksichtigt bei einer Konferenzübertragung die Popularitätswerte der beteiligten Ostvereine bei der Entscheidung, welches Spiel gerade gezeigt wird. Nicht die Spannung des Spiels gab der Senderegie das Signal zum Umschalten. Gerade in der zweiten Halbzeit war die hohe Führung des 1. FC Magdeburg in Wiesbaden von größerer Bedeutung als der knappe Rückstand von Rot-Weiß Erfurt gegen den MSV. Entsprechend wenig war vom Spiel der Zebras zu sehen. Erst zum Spielende hin konnten wir an den Bildschirmen uns einmal mehr die Gewissheit verschaffen, bei knapper Führung mal ein Tor nachzulegen, davon halten die Zebras nicht viel. Ein Urteil über die Spielqualität lässt sich aus dieser Übertragung aber kaum gewinnen.

2016-09-25_webradio_erfurtZumal ich sehr widersprüchliche Reportermeinungen zu hören bekam. Denn neben dem TV-Kommentar mit zunächst beruhigendem Fazit für die Zebras gönnte ich mir in den FCM-Auszeiten der TV-Konferenz das aufgeregt-fatalistische Reporter-Duo vom RWE-Radio. Was zwischenzeitlich sehr an meinen Nerven zerrte, weil die Hoffnung auf den Ausgleich sämtliche Andeutungen einer entstehenden RWE-Chance vor allem den Jüngeren der beiden jeweils in kurzzeitigen Optimismus-Überschwang versetzte. Wieviel Großchancen ich im Entstehen dachte, weil ein RWE-Offensivpass auf den Flügel ankam, weiß ich gar nicht mehr. Aber ich tappte jedes Mal aufs Neue in die Falle. Kurz nach dem dann missratenen Angriff sackte der Kollege in sich zusammen und beklagte die drohende Niederlage mit leisem Wehgesang. Sehr sympathisch, aber für uns in Duisburg gesundheitsgefährdend.

Wer sich vom gesamten Spiel ein Bild machen konnte, kann von keiner überzeugenden Leistung des MSV berichten. Unverdient war der Sieg aber wohl auch nicht. Für uns TV-Zuschauer begann der MSV jedenfalls mit dem deutlichen Willen, das Spiel zu gewinnen. Die Mannschaft übernahm die Spielkontrolle, ohne sich klare Torchancen zu erarbeiten. Wie sich das Spiel dann weiter entwickelte, konnten wir an den Spielzügen des 1. FC Magdeburg leider nicht ablesen. Die Webradio-Reporter waren in dieser ersten Halbzeit mehr um drohende Verletzungsausfälle ihrer RWE-Elf besorgt und dachten fatalistisch an mögliche Niederlagen. Was einen Anhänger des MSV natürlich erst einmal entspannte.

Das Führungstor durch Simon Brandstetter erinnerte uns daran, wie erfolgreich auch Stürmer des MSV im Strafraum sein können. Diese Spielaktion war fürs Fußball-Lehrbuch gemacht. Ein wunderbarer Pass in den Strafraum auf Simon Brandstetter, der, mit dem Rücken zum Tor stehend, den Ball in der Drehung technisch perfekt mitnimmt und dann frei vor dem Torwart steht. Erneut musste ich mich danach den Webradio-Reportern anvertrauen, die mit ihrer Hoffnung auf den Ausgleich meinen Blutdruck in die Höhe trieben.

Als endlich wieder TV-Bilder zu sehen waren, konnte ich die Aufgeregtheit in Erfurt einordnen. Zwar hatte es zuvor einmal einen Pfostenschuss der Erfurter gegeben, doch sah ich nun, die Reporter-Stimmen erhoben sich inzwischen schon bei jedem Steilpass der Erfurter über die Mittellinie. Wirklich gefährdet wurde der MSV nicht mehr. Der Glücksausgleich kann natürlich immer fallen. Deshalb wäre einmal mehr das zweite Tor für die Zebras schön gewesen. Es fiel nicht, selbst als Tim Albutat etwa fünf Minuten vor dem Schlusspfiff noch die Luft hatte, um nach einem Rückpass der Erfurter deren Torwart anzulaufen und ihn unter Druck zu setzen. Der Torwart-Versuch eines Passes missriet, und der Ball landete bei Stanislav Iljutcenko etwa 25-30 Meter vom Tor entfernt. Das Tor war leer, doch der sofortige Schuss von Iljutcenko ging über das Tor. Das Zittern in den letzten Minuten wäre uns erspart geblieben. Davon ab sind wir zurück im Favoriten-Leben.

Radioreporter macht MSV-Aufstieg dringend nötig

Seit gestern weiß ich,  dass ich den MSV Duisburg lieber gestern als heute wieder in der 2. Liga sehen möchte. Vergesst das Geld, was für eine Nebensache gegen die Medienlage. Sehen will ich den MSV, auch wenn ich nicht ins Stadion komme! Dann wäre so eine Radioreportage, wie wir sie uns beim Spiel vom MSV in Chemnitz haben anhören müssen, nur noch der Anlass zur unterhaltsamen Anekdote über eine dunkle Vergangenheit. Wahrscheinlich haben sich die Kollegen vom MDR angesichts akuten Sportjournalistenmangels einfach breit schlagen lassen, auch mal ein Fußballspiel zu kommentieren. Wahrscheinlich sollten wir deshalb mit den gelernten Brauchtumsreportern viel nachsichtiger sein.

Wahrscheinlich sitzen Ronny Maiwald und Alexander Schubert sonst beim „Tag der Sachsen“ in ihrer Sprecherkabine und kommentieren stundenlang vorbeiziehende Fußgruppen in lustigen historischen Verkleidungen. Wahrscheinlich trinken sie sonst beim jährlichen Verbandstreffen der Brauchtumsreporter ihr Bier mit Wicky „De Zoch is ming Ding“ Junggeburth und den SWR-Fassnachtsfachleuten und prahlen damit, wie sie jüngst wieder einen ganzen Tag lang die Zeit kaputtkommentiert haben.  Die haben einfach nicht gewusst, dass selbst ein torloses Fußballspiel eine eigene Spannung mit sich bringt. Wahrscheinlich empfanden sie das Fußballspiel einfach als Brauchtumsumzug ohne festgelegte Wegstrecke und hauten deshalb bei dem Durcheinander vorsichtshalber mal ein paar Dönekes und launige Belanglosigkeiten mehr raus.

Ich habe in diesem dahinplätschernden Dauergeplauder meist nicht mitbekommen, wenn vom Fußballspiel selbst die Rede war. Vorsichtshalber habe ich darum einen Live-Ticker aufgerufen, damit mir wenigstens der aktuelle Spielstand klar war. Als ich die Aufstellung las, kitzelte die Hoffnung auf den Auswärtssieg mächtig. Karsten Baumann wollte der Mannschaft mehr Offensivkraft geben und ließ Gerrit Wegkamp von Anbeginn spielen. Wenn ich nun über das Spiel bei unterschiedlichen Quellen lese, Karsten Baumann auf der Pressekonferenz höre und den dann doch vorhandenen Spielbericht vom MDR sehe, war es mit den Möglichkeiten zum Sieg recht bald schon vorbei. Wir können froh über das Unentschieden sein, und dürfen Michael Ratajcak danken, der einige große Chancen der Chemnitzer zunichte machte. Viel mehr kann ich über das Spiel selbst nicht schreiben.

Es zeigt sich aber einmal mehr, die Mannschaft vom MSV Duisburg kann ihre Leistungen nicht stabil abrufen. Sie spielt nicht sicher genug, um ein Spiel dauerhaft zu gestalten. Darin gleicht sie den meisten Mannschaften der 3. Liga – Heidenheim und Leipzig ausgenommen -, deren spielerische Möglichkeiten vom Spielverlauf abhängig sind.  Tagesform und auch der Zufall entscheiden, welchen Ausgang ein Spiel jeweils nimmt. Deshalb können wir mit diesem Unentschieden zufrieden sein. Zu hoffen ist, dass Christian Eichner sich nicht schwerer verletzt hat. Zu hoffen ist aber auch, dass sich eine Erkenntnis des MDR-Reporters dauerhaft bewahrheitet. Leitmotivisch erkärte er uns ja den entscheidenden Unterschied zwischen der Regensburger und der Duisburger Mannschaft: „Duisburg ist von der Kompaktheit her ein anderes Kaliber.“ Gewonnen hat Regensburg gegen Chemnitz trotzdem, was mich wiederum rätseln lässt, ob wir mit diesem Kaliber nur auf weitere ausbleibende Niederlagen hoffen dürfen oder auf mehr.


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