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Der Kommentar zum Kommentar nebst froher Botschaft vom Lokaljournalismus

Eigentlich hatte ich mich dank meiner Lokalzeitung des einen Stadtviertels entschlossen an die beste aller Welten zu glauben. Dies geschah nach längerem Nachdenken über die Bedeutung der gleichnishaften Geschichte von einem Kölner Kanarienvogel, der sich nicht zum Werkzeug eines Verbrechers machen lassen will. So kann sich jeder entscheiden, dachte ich, selbst wenn nur wenige Menschen über Flügel verfügen.

 

 

Kanarienvogel kein Komplize

Nun lässt mich aber die Lokalzeitung, die über das andere Viertel meiner Heimatstadt schreibt, schon wieder zweifeln, ob die beste aller Welten nicht vielleicht doch noch ein wenig besser sein könnte. Ich verstehe den sarkastischen Ton des Kollegen Ingo Blazejewski einfach nicht, mit dem er seinen WAZKommentar unterlegt zum „Wunder von der Wedau„, der Lizenzerteilung für den MSV Duisburg. Ich hatte ihn in der Berichterstattung über die Finanzlage als sachlichen, faktenorientierten Journalisten kennengelernt, und nun fasst er seine über ein Jahr gewonnenen Eindrücke in einem Satz zusammen, der der Realitität in keiner Weise gerecht wird: „Chapeau, MSV! Wer es schafft, so viel Geld zu verbrennen und sich gleichzeitig neues zu besorgen, den kann auch die Pflicht zum Aufstieg nicht schrecken.“

Es sollte dem Kollegen doch über dieses Jahr hinweg  deutlich geworden sein, dass er nicht von dem MSV schreiben kann, wenn die handelnden Personen völlig andere sind als jene, die zuvor mit unterschiedlichen Feuermitteln dem Geld zu nahe gekommen sind. Wie ist das in anderen Bereichen dieser Gesellschaft? Meinetwegen politischen Parteien. Wird nicht nach großem Versagen von Führungspolitikern immer von den Neuanfängen mit unverbrauchten Kräften gesprochen? Neue Frauen und Männer, die erstmal aufräumen müssen und wegen all der Fehler der Vergangenheit Schwierigkeiten haben, das große Schiff Partei auf Kurs zu halten. Kritik beim Aufräumen dieser Fehler ist natürlich erlaubt, aber niemand käme auf die Idee den neuen Führungskräften der Partei vorzuwerfen, dass sie bei der vorletzten Wahl die Partei haben schlecht aussehen lassen.

Oder die Kultur. Gerade eben beruhigt sich das Düsseldorfer Schauspielhaus nach der im November letzten Jahres offenbar gewordenen Finanzlücke im Etat.  Das Theater braucht Geld von Stadt und Land. Der neue Intendant als Hoffnungsträger ist ein alter, nämlich Gunter Beelitz, der nun mit knapperer Kasse ein Programm auf die Beine stellen muss, das mehr Zuschauer bringen soll. Im Grunde eine ähnliche Situation wie beim Sport in Duisburg. Wirft diesem Intendanten das jemand vor? Wird irgendwo geschrieben, Chapeau, Düsseldorfer Schauspielhaus! Erst das Theater leer spielen, dann Geld kassieren und nun mit konsolidiertem Etat ein populäres Programm auf die Beine stellen. Das soll mal einer nachmachen. Ich habe so etwas nirgendwo gelesen. Überall wird über die schwere Aufgabe von Gunter Beelitz geredet.

Nun ist mir klar, der MSV Duisburg als Fußballverein besitzt in Teilen nur jenen Kulturwert, der den etablierten Künsten in unserer Gesellschaft zugemessen werden kann. Zwar gab es Zeiten, da hätten es die Vereinsvorstände gerne so gehabt, dass sie mit Stadtttheatern und Opernhäusern gleichgestellt subventioniert werden, das ist aber mit Recht vorbei. So ein Fußballverein ist nämlich ein vielschichtiges Ding. Und der sarkastische Ton im Kommentar gilt ja vornehmlich dem Wirtschaftsunternehmen MSV Duisburg.

Doch auch in den Kommentaren der Wirtschaftsseiten einer Zeitung wird bei Unternehmskrisen zwischen dem Unternehmen und den handelnden Personen unterschieden. Als Heinrich Hiesinger den Vorstandsvorsitz von ThyssenKrupp übernimmt, wird das allerorten mit einem Wandel der Unternehmenskultur in Verbindung gebracht. Korruption, das war die Vergangenheit. So eine Differenzierung hätte ich mir in einem abschließenden Kommentar zur Finanzsituation beim MSV Duisburg auch gewünscht. Die Kosten der vergangenen Fehler für die Gesellschaft benennen und wahrnehmen, dass mit einem veränderten Personal beim MSV Duisburg auch eine veränderte Vereinskultur Einzug gehalten hat. So ist die Welt eben, sie kann immer überall auch noch ein bisschen besser werden.

Update 17.30 Uhr: Lé Rummel hat im Kommentar unten schon drauf hingewiesen und es gibt weitere Leser des Artikels von Ingo Blazejewski, die ihn als Beifall und Zuspruch für den MSV verstanden haben. Ich kann die andere Lesart  durchaus nachvollziehen, und sie passte auch besser zum Bild, das ich mir durch Ingo Blazejewskis bisherigere Artikeln über den MSV gemacht habe. Doch bin ich mit meinem Verständnis nicht allein. Wenn ich allerdings nur Sprachkritik an dem Artikel üben müsste, wüsste ich die Welt sofort ein bisschen besser. Eins ist für mich sicher, der negative Beiklang des Geld verbrennens ist nicht aus der Welt und wenn er damit den Schuldenschnitt gemeint haben sollte, hat er sich in der Wortwahl vergriffen. Das Geld verbrannt haben andere Verantwortungsträger als die jetzigen.

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Sehr spezielle Fußballliteratur und die fast vergessene Ente vom neuen Trainer

_978-3-7069-0771-2 Die großen Sammler dieser Welt treibt der Wunsch nach Vollständigkeit ihrer Sammlung an. Ein unerreichbares Ideal, das sie in Bewegung hält. Nicht wenige Anhänger des Fußballs gehören zu solchen Sammlern. Trikots, Vereinsabzeichen, Stadionbesuche können gesammelt werden, und mancheiner ist auf der ständigen Suche nach Fußballliteratur. Letzteren wird das Buch von Katherina Prochazka große Freude bereiten, wandern doch die Solitäre oft in die Ausstellungsvitrinen  eines jeden Sammlers. „Genusdetermination bei Fußballvereinsnamen im österreichischen Deutsch“ heißt ihr Buch. Welch sehr spezieller Blick auf einen sehr speziellen Aspekt des Fußballs.

Katherina Prochazka ist Fußballanhängerin und studierte Linguistik in Österreich. Ob es langweilige torlose Unentschieden waren, die ihre Gedanken im Stadion zu ihrer anstehenden Magisterarbeit abschweifen ließen, weiß ich nicht. Vielleicht brachten solche abschweifenden Gedanken dieses die Universität zufriedenstellende Ergebnis. Ein Verlag fand sich zudem, so dass jede Sammlung von Fußballliteratur von nun an ohne ihr Buch unvollständig sein wird. Mit einem Klick weiter geht es zur Seite des Verlags mit kurzer inhaltlicher Darstellung.

Warum dieser sehr spezielle Fall des österreichischen Deutschs mich noch einmal an den einen anderen speziellen Fall des deutschen Deutschs erinnerte, kann ich nicht sagen. Wahrscheinlich einfach, weil plötzlich Zeit da war. Eigentlich hatte ich sofort etwas zur Meldung in der Rheinischen Post schreiben wollen, Gino Litterie werde neuer Trainer beim MSV Duisburg. Das Geschehen um den Präsidentenwechsel kam mir dazwischen. Das Dementi dieser Trainerverpflichtung folgte ja schnell.

Mir geht es nicht um die Behauptung, einer werde irgendwo Trainer und dann wird er es doch nicht. Das gehört zur unterhaltenden Endlos-Soap als medialer Begleitung des Fußballs. Das Problem steckt in der Behauptung, Gino Letterie sei an der Westender Straße gewesen und von einem Fan begrüßt worden. Gino Letterie sagt darauf, das stimme nicht, er sei bei seiner Familie in Bayreuth gewesen. Früher hätten das die wenigsten Leser einer Zeitung mitbekommen. Heute stehen beide Aussagen – zumindest in der Netzwelt – nebeneinander und beschädigt wird nicht unbedingt das Vertrauen in die Aussage des Trainers sondern das in den Journalisten und damit in die Berichterstattung seiner Zeitung. Vielleicht war dieser Familienbesuch eine Ausflucht, vielleicht auch nicht.

Es wäre gar nicht nötig gewesen, in der Print-Version auf die unvereinbaren Aussagen hinzuweisen. Die sind ohnehin nur in der Netz-Welt aufgefallen. Mir hätte es gefallen, Gorg Amend hätte sich zu dem Sachverhalt noch einmal im Netz geäußert und erklärt, wie es zu der Tatsachenbehauptung des Letterie-Besuchs kam. Gerade weil sich die Rheinische Post in den letzten Monaten die Glaubwürdigkeit ihrer Berichterstattung über den MSV Duisburg gut erarbeitet hatte. Zukunft des Journalismus ist das dazu gehörige Stichwort.

Die WAZ/NRZ-Zentrale meint mal wieder was zum MSV

Wenn es um die grundsätzlichen Urteile über die Welt geht, muss die Zentrale ran. Die Zentrale interessiert keine Details. Die Zentrale kümmert sich um das große Ganze. Deshalb weiß die Zentrale immer alles und das natürlich besser. Keine Zentrale dieser Welt darf einmal für einen Moment keine Meinung haben. Sonst wäre sie nicht die Zentrale. Denn Zentralen sind dazu da, um in jeder Hinsicht zu führen, gerne auch mal die öffentliche Meinung, besonders dann, wenn es sich um die Zentrale eines Medienunternehmens handelt.

Die Funke-Mediengruppe, die in Duisburg einmal WAZ und NRZ hieß, ist so ein Unternehmen, und ihre Zentrale befindet sich in Essen. Der Weg von dort nach Duisburg ist weit genug, um mit Abstand zum lokalen Geschehen starke Meinungen ohne Berücksichtigung störender Fakten zu äußern. Das ist das Recht der Zentrale, denn siehe oben, die Zentrale weiß immer alles besser als die Menschen vor Ort, denen der Blick für das große Ganze fehlt. Auch das große Ganze beim MSV Duisburg wird  von der zentralen Sportredaktion der Funke-Mediengruppe hin und wieder beobachtet. Als der MSV nun die Lizenzunterlagen für die kommende Saison einreichte, erkannte Ralf Birkhan mit seinem meinungsfördernden Abstand zum Geschehen, eine Geschichte wiederholt sich. Solch Einsichten mit weltendeutenden Konsequenzen bleiben in Zentralen nie ohne mahnende Worte. Denn, sagte ich es schon?, Zentralen sind dazu da, Meinungen zu haben.

Deshalb ist das Leben in der Zentrale auch sehr schön. In der Zentrale ist Meinung zu alles und jedem erlaubt. Dabei berechtigt der Blick aufs große Ganze, Tatsachen mit gutem Gewissen zu ignorieren. Ob Ralf Birkhan sich mit dem Kollegen Retzlaff über die zum Vorjahr so anderen Schwierigkeiten beim MSV Duisburg mal ausgetauscht hat? Aber eigentlich hat er ja recht. Schuldenschnitt, was für ein Detail! Das war doch Anfang letzten Jahres nicht mal wichtig genug, um es anzugehen.  Die Zentrale hat recht. Wenn sie dazu die Wirklichkeit drastisch vereinfacht, um so mehr. Dafür ist man ja die Zentrale.

Alles Gute für 2014 mit Big Data von 2013!

Der Zebrastreifenblog mit all seinem Mitarbeiter wünscht euch alles Gute für dieses Jahr, nicht nur deshalb, weil ihr dann hier einfach entspannter mitlesen könnt. Für andere Belange sind so Wünsche ebenfalls gut brauchbar. In dem Zusammenhang fällt mir ein, dem Verein unserer Zuneigung und seinen Verantwortlichen auf allen Ebenen sollte ich besser auch alles Gute wünschen. Es steht ja noch die Antwort auf eine überlebenswichtige Frage aus. In Sachen Finanzen kann jede zusätzliche, selbst esoterisch angehaute Energie nicht schaden.  Auch wenn wir es als hoffnungsfrohes Zeichen für die Geschicke des MSV Duisburg in diesem Jahr ansehen sollten, dass über Nacht dem Männerfußball der Erstligafrauenfußball zugeflogen kam.

Schauen wir also nach vorne, indem wir erst einmal zurückblicken. Denn mit dem Wissen über das alte Jahr lässt sich oft die ein und andere Einsicht gewinnen. Pläne für die Zukunft werden ja besser mit einiger Bindung an die Realität gemacht. Wenn ich für den Zebrastreifenblog aber überlege, womit hier Leser besonders erfreut werden können, zählt das Jahr 2013 als Maßstab nur in eingeschränkter Hinsicht.  Ohne Blick auf  Statistiken hätte ich schon sagen können, die meist gelesenen Artikel des letzten Jahres im Zebrastreifenblog kommentierten die Entwicklungen rund um den MSV Duisburg im Juni und Juli. Einmal mehr galt die alte Weisheit, Krisenzeiten sind journalistisch gute Zeiten. Brauche ich nicht unbedingt wieder. Nach meinem Geschmack kämen noch bessere journalistische Zeiten für den Zebrastreifenblog etwa mit einer überraschenden  Übernahme des  Drittliga-Aufstiegsmandats. Auch die Feierlichkeiten rund um die Thronbesteigung des Torschützenkönigs aus der Zebra-Dynastie stelle ich mir schön vor, wenn ich zusammen mit Rolf Seelmann-Eggebrecht per Live-Ticker berichte.

Trotzdem gucken wir nun mal, was es da gab. Auf Platz 5 der meistgelesenen Texte des letzten Jahres steht mit „Darauf kann Duisburg stolz sein – Überregional erzählt“ ein Interview, das ich der Süddeutschen Zeitung über die Bedeutung der Fanaktionen gegeben habe. Das geschah in der Absicht, Duisburg in all seiner Bodenständigkeit etwas mehr von dem zu geben, was in Köln über die Maßen vorhanden ist: Selbstbewusstsein.

Der Text auf Platz 4 zeigt noch einmal, wie zerrissen die Gefühle im Sommer auf allen Seiten manchmal waren. Maurice Exslager war trotz Treuebekenntnis zum 1. FC Köln gewechselt. Mir gefiel, wie er sich im Kölner Stadt-Anzeiger über Vergangenheit und Zukunft äußerte. Daraus wurde „Zurück und nach vorne sehen„.  Dieser Text ist durch den Lauf der Zeit überholt. So gute Spiele machte Exe bei der U23 des FC in der Regionaliga, so viel Patrick Helmes, Anthony Ujah sah er in Liga 2. Welche Liga kommt noch mal nach der Regionalliga?

Zum Genre Medienkritik gehört auf Platz 3 „Nun dürfen auch schlechte Nachrichten über Walter Hellmich verbreitet werden“. Dass der Text so oft gelesen wurde, überrascht nicht angesichts der Unzufriedenheit von so vielen MSV-Interessierten über die lokale Hintergrundberichterstattung beim MSV Duisburg abseits des Sports.

Auch wenn der Text auf Platz 2 ein Standardbeispiel für virale Verbreitung im Netz ist und die Klickzahlen innerhalb von Stunden boomten, noch einmal möchte ich mich nicht wehren müssen gegen Opfer-Rollen, die uns Fans zugedacht wurden. Ganz zu Beginn dieser Sommerwochen traf ich mit „Die Fanaktionen nützen! Anders als zunächst gedacht“ offensichtlich einen Nerv, als mich der mitleidsvolle Ton in einem Kommentar der WAZ-Hauptredaktion – na, was? – natürlich nervte.

Klickzahlen gehören ja als eine Quelle zu den Big Data, die uns manchmal verblüffende Einsichten über die Wirklichkeit bringen.  Platz 1 birgt so eine Überraschung. Über das Jahr hinweg brachten regelmäßige wenige Aufrufe  diesen Erfolg, der uns zudem die Einsicht bringt: Die Fans von Borussia Dortmund sind Deutschlands eifrigste Fußballkuchenbackkünstler. Schon im September 2012 hatte ich „Die schönsten Fußballtorten der Welt Folge VI – Borussia Dortmund“ veröffentlicht und auch 2013 wurde der Beitrag regelmäßig aufgerufen. Kein anderer Fußballverein hat derart viele Anhänger, die anscheinend nicht nur Bier und Bratwurst mögen, sondern auch Süßes für sich entdeckt haben. Selber Machen heißt die Devise, Rezepte suchen und Vorbildern nachahmen. Dieser Angriff von Borussia Dortmund auf die Vormachtstellung vom FC Bayern München war erfolgreich. Der Vorsprung zu den Aufrufen für die Bayern-Folge der schönsten Fußballtorten ist auf Jahre uneinholbar.

Wenn eine solche Nachricht über das Ruhrgebiet am Anfang des Jahres steht, wird 2014 für mich noch vielversprechender. Wir werden sehen.

Kartenlegen statt Recherche und ein Jugendzimmerfundstück

Gestern habe ich bei meiner Mutter einen Blick in die Printausgabe der NRZ werfen können und tatsächlich nimmt dieser unsägliche Kartenlegerin-Artikel über den MSV Duisburg, den ich zuvor schon online gesehen hatte, auch in der Printausgabe ein Viertel der zweiten Seite im Lokalteil ein. Ich hatte gehofft, dem sei nicht so, und ich bedauer nun die ernsthaften Journalisten der Redaktion für die Aussicht auf die Zukunft dieser Zeitung. Und komme mir keiner aus der Redaktion mit der alten Leier, die Leser wollten auch mal bunte Themen.

Mit diesem Artikel werden sämtliche journalistischen Standards unterboten, auch der für „Bunte-Themen-für-die-Leser“. Denn selbst wenn ich zähneknirschend so etwas unter dem Motto „vermutetes Unterhaltungsbedürfnis“ hinnehmen soll, der Zeitpunkt für das Erscheinen passt überhaupt nicht. Der MSV Duisburg befindet sich erneut in einer bedrohlichen Finanzsituation und den Lesern der Zeitung wird als zusätzliche Hintergrundinformation das Fachwissen einer Kartenlegerin geboten, die ihr umfängliches Wissen aus der Quersumme des Gründungsdatums vom MSV Duisburg entnimmt. Werden demnächst im Hauptteil, Sparte Politik, auch die Meinungen von Wünschelrutengängern und Druiden zu Koalitionverhandlungen und Staatsschulden nachgefragt?

Heute, einen Tag nach Erscheinen dieses Artikels trifft sich eine Delegation des MSV Duisburg mit Walter Hellmich. Das Weiterbestehen des MSV Duisburg hängt davon ab, ob Walter Hellmich dem Schuldenschnitt zustimmt oder nicht. Und kein Medium nimmt das zum Anlass, noch einmal sämtliche Fakten zusammen zu stellen, die dieses Treffen so brisant machen. Ein Dossier hätte erstellt werden können, um die überaus komplizierte Geschichte von Walter Hellmich mit dem MSV Duisburg verständlicher zu machen.

Man hätte die gemeinsame Interessenlage von Walter Hellmich und dem MSV Duisburg zu Beginn seines Engagements aufzeigen können. Diese Zeit schuf die Grundlage für Walter Hellmichs unerschütterbaren Glauben, der MSV Duisburg habe ihm mehr zu verdanken als er dem MSV Duisburg. Man hätte auf die damals so nahe liegende Allmachtkonstruktion hinweisen können, die selbstverständlich zu Schwierigkeiten führt, wenn die Interessenlagen von Person und Verein sich voneinander entfernen. Man hätte dann versuchen können, genauer zu benennen, was Walter Hellmich auch dem MSV Duisburg zu verdanken hat und umgekehrt. All das hätte zu der von allen Beteiligten immer wieder geforderten Transparenz beigetragen. Stattdessen erfahren wir, die Gründungsdatum-Quersumme steht laut Kartenlegerin für „Doppelte Sonne“. Klingt irgenwie gut. Wie man es von Kartenlegerinnen erwarten darf.

Was WAZ/NRZ kann, kann ich übrigens besser. Wenn schon Leserbindung, dann mit den richtigen Mitteln, die nicht zum Thema gehören. Deshalb nun zu etwas ganz anderem: Neulich habe ich eine Umzugskiste mit altem Kram von meinem Vater zu mir geholt und was finde ich? Ein Original-Jugendzimmer-Schlafcouch-Dekokissen der 1970er Jahre. Bitte schön!

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Die Stimmung nach Darmstadt und ein Lob für die Rheinische Post

Die so deutliche wie verdiente Niederlage des MSV Duisburg gegen den SV Darmstadt 98 hat bei einigen Anhängern des MSV Duisburg noch im Stadion harsche Reaktionen ausgelöst. Mit der Leistung der Mannschaft war nicht einfach umzugehen.  Ein bissiger Kommentar lag so nahe, dass er nicht nur in unserer Runde zu hören war: Das war wieder wie in der Zweiten Liga. Noch passten nur die Zuschauerzahlen nicht. Am Anfang der Saison hätte so eine Leistung jeder im Stadion hingenommen und auf Entwicklung gehofft. Nun aber waren von der Mannschaft schon gute Spiele zu sehen gewesen. Dass der Unmut im Stadion so groß wurde, war auch durch  gewachsene Erwartungen verursacht. Die Pfiffe auf den Rängen sind das Ergebnis des guten Saisonbeginns. Wir wissen, wie diese Mannschaft manchmal spielen kann.

Dieser hohen Niederlage kommt selbstverständlich eine besondere Bedeutung zu, sobald man an die nächsten Spiele denkt. In der Nachbetrachtung ging es überall schnell nicht mehr um Fehler einzelner Spieler. Die Diskussion über das Spiel wendete sich in Fankreisen schnell grundsätzlichen taktischen Fragen zu. In welchem System werden die Schwächen der Spieler vor allem in der Defensive am besten kompensiert? Und natürlich stellte sich auch die Frage, die Schwächen welcher Spieler? Wie soll die erste Elf aussehen? Braucht es etwa in der Innenverteidigung einen Wechsel? Kühne für Bollmann? Für Bajic gar? Wie kann das Umschaltspiel gelingen, wenn sowohl Feisthammel als auch Öztürk zum einen Schwächen beim Pressing zeigen, zum anderen im Spiel nach vorne unsicher sind? De Wit mehr nach hinten ziehen? Viele Frage sind da etwa im MSVPortal aufgetaucht.

So kommt  der öffentlichen Aufarbeitung dieser Niederlage ebenfalls eine besondere Deutung zu. Denn diese Niederlage muss nicht nur die Mannschaft verarbeiten. Auch die Stimmung rund um den Verein wurde von dieser Niederlage beeinträchtigt. Zu den ersten Heimspielen kamen mehr Zuschauer als in den Zweitligaspielen mit ähnlichen Gegnern. Wer im Stadion war, den interessiert, welche Schlüsse im Verein aus solch einer deutlichen Niederlage gezogen werden. Es ist die Aufgabe des lokalen Sportjournalismus darüber zu berichten. Und auch in diesem Fall erweist sich die Rheinische Post als vorbildhaft. Nur dort ist eine umfangreichere Nachberichterstattung zu finden, in der Karsten Baumann die Fehler einzelner Spieler in einen Gesamtzusammenhang stellt. Da geht es letztlich nicht um tiefere Diskussionen von Spielweisen. Aber es geht darum, der Gefahr zu begegnen, dass einzelne Spieler auf den Rängen zu Sündenböcken werden. Der Artikel wirkt in Teilen so, als seien Gedanken aus Fankreisen argumentativ aufgegriffen worden.  Ich hoffe darauf, dass der MSV Duisburg ebenfalls Anteil an so einer Berichterstattung hat, indem die Presseabteilung offensiv mit der bedrohten Stimmung rund um die Mannschaft umging und den Kontakt zum Journalisten suchte. Die Rheinische Post hat schon in den Sommermonaten wohltuend sachlich über das Geschehen rund um den MSV Duisburg berichtet. So kann kritische Begleitung im Lokaljournalismus auch geschehen. Mehr davon.

Versprechen kann ich genauso brechen wie Ranisav Jovanović

Eigentlich versprach ich, zu Ranisav Jovanović nichts mehr zu sagen. Denn schnell nervte mich dieser Epilog zu seinem Abgang, der gestern im Netz allerorten zu bemerken war, als das Reviersport-Interview mit ihm die Runde machte. Ich will mich nicht mit der Vergangenheit beschäftigen. Ich blicke nach vorne. Samstag beginnt die neue Saison. Ich will mich mit dem großartigen Niederrheinpokal beschäftigen, der, wie ich gestern erfuhr, ein zukunftsträchtiger Wettbewerb für die Zebras ist und ganz andere Sachen beschäftigen mich auch noch. Jovanović ist so was von vorbei und gehört zum Gestern. Soll er in Sandhausen doch absteigen und sich an dem auch für die 3. Liga gültigen Vertrag freuen.

Gleichzeitig denke ich, das darf doch nicht wahr sein und muss mein Versprechen brechen. Da möchte Thorsten Richter im Reviersport mal wieder mit ein bisschen Krawall die Leser anlocken und schon gibt es Verständnis für  Jovanović unter einigen Anhängern des MSV Duisburg nach dem Motto, wenn er die Chance hat in Liga 2… Aber darum ging es gar nicht. Das ist nämlich unstrittig, dass er wechseln kann, wenn er meint, einen besseren Arbeitsplatz gefunden zu haben. Auch für Andreas Rüttgers war das keine Frage. Es ging um die Art und Weise seines Wechsels. Andreas Rüttgers aber hat nun den schwarzen Peter beim MSV Duisburg. Er hat ihn für Udo Kirmse übernommen, weil er ihn nach seiner Ankündigung, Jovanović bliebe, nicht im Regen stehen lassen wollte. Das ist das eigentlich wichtige Thema für den MSV Duisburg, wie kommunizieren Verantwortliche des MSV Duisburg mit der Öffentlichkeit. Dazu später mehr.

Erst aber die Fakten: Denn falls jemand in einiger Zeit „Andreas Rüttgers“ googelt und diese Jovanović-Worte liest, weiß keiner mehr, wie was zu werten ist. Dann steht das Interview mit den verstümmelten Rüttgers-Zitaten neben den bei WAZ/NRZ aufgegriffenen Worten der Enttäuschung von Rüttgers, die er im MSVPortal schrieb. Der Original-Beitrag im MSVPortal wird wahrscheinlich nicht schnell zu finden sein. So ist das Internet. Das erleben wir gerade beim neuen Geschäftsführer vom MSV Duisburg. Über Bernd Maas ist manches im Netz zu lesen, und einiges davon gefällt einem auf Anhieb nicht gut. Andererseits gibt es entlastende Erklärungen, wie unangenehme Nachrichten, etwa die über seine Zeit in Dresden, zustande kamen. Alles steht plötzlich nebeneinander und niemand kann beurteilen, was von all dem zu halten ist, wenn er sich nicht intensiv mit diesen Gegebenheiten auseinandersetzt. Mit Bernd Maas habe ich das noch nicht gemacht. Mache ich das überhaupt? Vielleicht vertraue ich einem Gewährsmann? Was ist also mit der Wahrheit geworden?

Deshalb als Notiz für die zukünftig googelnden Interessenten Folgendes im Falle des Wechsels von  Ranisav Jovanović: Udo Kirmse verkündete am Tag der Lizenerteilung für die 3. Liga , er sei sehr, sehr sicher Ranisav Jovanović werde in der nächsten Saison beim MSV Duisburg spielen. Der Spieler habe ihm gesagt, er fühle sich in Duisburg sehr wohl. Die Botschaft war: „Rani“ bleibt. Zwei Tage später wurde die Nachricht verkündet, „Rani“ wechselt nach Sandhausen. Wie das? Von Seiten des MSV gab es nur  formelhafte Sätze zum Abschied ohne Bezug auf die nun voreilig wirkenden Worte von Udo Kirmse. Andreas Rüttgers machte noch einen Tag später im MSVPortal nachvollziehbar, wie es zu den Kirmse-Worten hat kommen können. Die wichtige Information lautet, es gab eine Zusage von Jovanović, dass er seinen Vertrag unterschriebe. Die Rüttgers-Worte sind der Anlass für das Reviersport-Interview. Später verdeutlicht Rüttgers nach Kritik an seinem Beitrag im MSVPortal in einem weiteren Beitrag seine Meinung.

Exkurs: Wie kam es zum Interview im Reviersport? Diese Frage möchte ich aufwerfen, weil in diesem Interview nichts, absolut nichts zum einzig wichtigen Thema des Jovanović-Wechsels steht. Die erste und allerwichtigste Frage an Ranisav Jovanović hätte lauten müssen, können Sie sich erklären, wie Udo Kirmse zu seiner Meinung kam, sie blieben in Duisburg? Dann wäre der Spieler gezwungen gewesen, sich mit Anstand zu bekennen oder rumzueiern oder seine Sicht genauer zu erklären. Alles andere interessiert nicht. Udo Kirmse bleibt aber völlig ausgeklammert. Denn es geht nicht um Aufklärung einer verworrenen Situation. Es geht mal wieder alleine um Emotionen und Krawall. Wie also ist das Interview zustande gekommen? Ob Jovanović Thorsten Richter angerufen hat mit der Bitte ihn  zu interviewen, um  Andreas Rüttgers abzuledern? Oder war es umgekehrt? Thorsten Richter ruft Jovanović an und wirft ihm einzelne Rüttgers-Sätze zum Anfüttern des Ärgers hin? Wir wissen das nicht. Wir wissen nur, die Rüttgers-Sätze in den Fragen sind verkürzt, und Jovanović hat keine Lust ein bad guy zu sein. Wieso kümmert er sich überhaupt noch um seinen Ruf in Duisburg? Ich vermute, wenn ihn einer mit der Nase drauf stößt. Bühne frei für den Krawall.

So weit der Vorgang als solcher, der uns eines zeigt. Die Verantwortlichen beim MSV Duisburg können nicht davon ausgehen, dass ihr idealistischer Ansatz für die Zukunft ausreicht, um die öffentliche Meinung auf ihrer Seite zu behalten. Denn Andreas Rüttgers ist in dem Fall ja nur der Strohmann für die MSV-Geschichte. So ist noch einmal alles gut gegangen. Dieses Mal wurde Udo Kirmse von keinem Journalisten der Vorwurf gemacht, er habe unprofessionell gehandelt. Was aber auffällt, offiziell erkärt der MSV Duisburg die Fehlinformation von Udo Kirmse nicht. Das ist eine offene Flanke für jeden Journalisten, der sich eine Geschichte zurecht basteln will. Thorsten Richter macht das dieses Mal eben nur auf indirekte Weise, weil er durch Andreas Rüttgers Worte die Gelegenheit dazu erhält. Er weiß, die öffentliche Stimmung um Udo Kirmse lässt eine Geschichte über ihn nicht zu. Andreas Rüttgers ist  umstrittener, da geht er kein Risiko ein.

Dennoch müssen der MSV und Udo Kirmse selbst das entstehende öffentliche Bild des Vereinsvorsitzenden Kirmse im Blick behalten. Mir geht es gar nicht darum, dass Udo Kirmse vorsichtiger mit seinen Worten wird. Mir geht es darum, dass der Fußball wie jedes Gesellschaftsegment oder Berufsfeld eigene Regeln und Normen hat, die niemand ignorieren kann. Das System ist auf Dauer stärker als der Einzelne. Zu diesem System Fußball gehören die Spielerwechsel trotz mündlicher Versprechen im allerletzten Moment, zu diesem System gehört aber auch die gern hervor geholte Deutung von Unvorhergesehenem als amateurhaftes Arbeiten gegenüber dem professionellen. Wie gesagt, es ist nicht dazu gekommen. Ich hoffe aber sehr, demnächst übernimmt der Verein selbst das, wozu sich Andreas Rüttgers aufgefordert fühlte. Dann wäre mir wohler.

Muss man BILD-Nachrichten über den MSV wichtig nehmen?

Seit heute Morgen brodelt es immer wieder in mir. Doch erst jetzt finde ich Zeit für die Worte, die dieses Brodeln lindern. Grundsätzlich versuche ich, die Berichterstattung und Kommentare dieser Tage über den MSV als willkommenes Spielmaterial für eigene Texte zu nehmen. Das ist der Versuch, aus den Gegebenheiten des Journalismus das Beste zu machen, und ich kann mich nicht beklagen. Die letzten Tage lierferte mir diese Berichterstattung Steilvorlagen für eigene Texte. Da gab es sowohl den oberflächlichen Kommentar mit meiner Reaktion als auch den Kommentar ohne Argument mit denselben Folgen von meiner Seite.

Heute morgen aber fehlten mir solche selbsttherapierenden Möglichkeiten, als ich dem Facebook-Link zur BILD folgte. Diese wenigen Worte ärgerten mich mehr, als ich es zulassen wollte. Warum? Der Schreiber dieser Worte  in der BILD versucht, die in der Fan-Szene unabhängig geschehene Meinungsbildung als Ergebnis eines taktischen Handelns einer im Verein um Macht ringenden Partei darzustellen. Das ist schlichtweg der Versuch, die Wirklichkeit zu verfälschen. Das ist schlichtweg der Versuch, in der Öffentlichkeit die Aktivitäten von Fans des MSV Duisburg in ein schlechtes Licht zu rücken. „Geschickte Aktionen“ von Andreas Rüttgers und Markus Räuber hätten die Fans auf deren Seite gebracht. Von welchen Fans spricht der Schreiber dieser Worte? Von den Fans, die schon vor 2009 das Handeln von Walter Hellmich kritisch hinterfragten? Das war Jahre bevor Andreas Rüttgers überhaupt zunächst nur als Vertreter des Sponsors Schauinsland Reisen im MSVPortal in Erscheinung trat.  Andreas Rüttgers hat über lange Zeit heftige Kritik dafür hinnehmen müssen, dass er den Ausgleich mit Walter Hellmich suchte. Was für eine Verdrehung der Tatsachen!

Muss uns das interessieren? Ja! Das  muss uns interessieren, solange beim MSV Duisburg dieser Schreiber der Worte ernst genommen wird aus dem Gedanken heraus, der Schreiber dieser Worte erreicht mit seinem Medium sehr viele Leser. Dieses Argument gilt es im Blick zu behalten. Der Schreiber dieser Worte wirkt mit seinen Worten. Deshalb ist es weiterhin unsere Aufgabe im Gespräch, genau diese Worte als Lüge zu entlarven. Es ist das alte Spiel der BILD, auf das meine Generation in jungen Jahren niemals einen ironischen Blick hat werfen können. Das hat sich geändert. Es war in den letzten Jahren Mode geworden, mit diesem Worte-Produkt spielerisch  umzugehen. Aber nein! Haltet die Maßstäbe der Vergangenheit. Denn die Schreiber der BILD wollen den Ernst, wenn sie die Wirklichkeit so zurecht biegen, wie sie es kraft ihrer Marktposition glauben tun zu können.

Niemand braucht Andreas Rüttgers und Markus Räuber, um sich über das Wirtschaften von Walter Hellmich im MSV Duisburg eine Meinung zu bilden. Niemand! Momentan stehen MSV-Fans hinter dem Verein MSV Duisburg. Sie stehen hinter keinen Personen. Nicht nur diese Wahrheit muss weiter erzählt werden, sondern die grundsätzliche Skepsis in das, was von vielen Menschen noch immer als Zeitung verstanden wird. In dem Fall geht es darum, den Glauben an das Wissen der BILD vom Tisch zu fegen. Ihr seid Teil in diesem Spiel, wenn ihr diesem Wort-Produkt nur einen kleinsten Zugriff auf die Wirklichkeit des MSV Duisburg erlaubt. Es geht nicht diesem Wort-Produkt zuzubilligen, es sei immer gut informiert und gleichzeitig die Haltung dieses Wort-Produkts zu verachten. Ihr müsst ein grundsätzliches Urteil fällen. Und das heißt: dieses Wort-Produkt erzählt mir nichts, aber auch gar nichts über die Wirklichkeit. Und genau das werde ich immer und immer wieder jedem erzählen, der mit mir über den MSV Duisburg ins Gespräch kommt. Vielleicht werden dann die Verantwortlichen im Verein irgendwann einmal weniger Sorge um die Worte in diesem Worte-Produkt haben.

Jetzt ist auch Zeit für billige Worte

Bis zur endgültigen Entscheidung über die Zukunft vergeht noch viel Zeit. In dieser Zeit versuche ich mich von sämtlichen Spekulationen fern zu halten. Das ist mein Naturell. Mir geht es wie einem Schwerkranken, der versucht möglichst gelassen zu bleiben. Dennoch werden Menschen zu ihm kommen, die versuchen ihn aufzumuntern mit Geschichten von anderen Patienten, die es geschafft haben. Diese Geschichten haben aber oft Aspekte, die zu der eigenen Geschichte nicht passen und die bei genauerem Hinsehen manchmal sogar die eigenen Aussichten in schlechterem Licht erscheinen lassen. Deshalb bevorzuge ich Fakten. Mit nichts anderem möchte ich mich beschäftigten. Ich bin sehr dünnhäutig geworden in Sachen MSV Duisburg.

Heute morgen habe ich das wieder gemerkt, als ich dann doch wieder einen Kommentar  in der WAZ überflogen habe. So sind sie, diese Kommentare, habe ich gedacht. Billige Worte. Es war nicht der erste Kommentar dieser Art. Jeder kann ihnen zustimmen, doch konkret werden sie nicht. So viele Journalisten drücken nun ihr Mitgefühl für die Fans des MSV Duisburg aus. Denn seit der Verkündung der DFL, der MSV Duisburg erhalte keine Lizenz für die zweite Liga, gelingt es diesen Fans, in immer wieder neuen, zum Teil aufwendigen Aktionen ihre Verbundenheit mit dem Verein zu zeigen. Leicht fällt da das Mitgefühl. Doch genauso leicht fällt jedes Wort in Richtung eines namenlosen Vorstands. Als ob die Aussage irgendetwas bedeutet, die Fans hätten eine kompetente Vereinsführung verdient gehabt. Artur vom Stein schreibt über die Fan-Aktion: „Ob der Protest allerdings in die richtige Richtung geht, ist eine völlig andere Geschichte.“ Ersetzte Artur vom Stein  „Protest“ durch „Kommentar“ würde er seine eigene Haltung beschreiben.

Ich merke meine Dünnhäutigkeit daran, dass ich unwillig bin, in solchen Kommentaren irgendetwas anderes als Populismus zu sehen. Man könnte  mit gutem Willen die Worte auch so verstehen, dass tatsächlich irgendwer mitgemeint ist bei diesem Pauschalurteil über Verantwortliche beim MSV Duisburg. Vielleicht Walter Hellmich? Vielleicht Andreas Rüttgers? Vielleicht Dieter Steffen? Vielleicht Roland Kentsch? Ich weiß es nicht, ich kann mich aber gut fühlen, wenn ich wütend über alle bin. Gerechte Urteile sind Feines.

Man kann diesen guten Willen aber auch lassen. Ich möchte solche Worte eigentlich nicht lesen, weil sie auch Unmut gegenüber dem derzeitigen Vorstand rechtfertigen. Solche pauschalierenden Worte bedienen jene Stimmung unter Fans, die souveränes Handeln von einem Vorstand erwarteten, der von den Ereignissen überrollt wurde. Denn dieser so ungerechtfertigte Unmut gegenüber Udo Kirmse und seinen Vorstandskollegen blitzte einen Tag nach dem Verkünden der Nachricht über die Lizenzverweigerung vor dem Stadion auch einmal auf. Schon damals habe ich das nicht verstanden. Schon damals habe ich gedacht, was für ein Unsinn!

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Ein Klick- und Lesehinweis: Fragen und Antworten zum MSV Duisburg bei der Rheinischen Post

Heute ergreift mich das Leben neben dem MSV Duisburg umfassend. Deshalb empfehle ich euch fürs erste  einen Blick in die Rheinische Post. Die Kollegen dort haben die Flut der Informationen kanalisiert und diese Flut in viele kleine Überflutungsbecken geleitet. So entstehen beruhigte, überschaubare Informationshochwassergebiete, mit denen man die jeweiligen Zusammenhänge sehr gut in den Blick nehmen kann. Überblick durch vorbildhaften Journalist. Beifall!


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