Posts Tagged 'Meidericher Vizemeister'

Wohnen daheim für Werner Lotz

Wer die Dokumentation über die Meidericher Vizemeister gesehen hat, wird sich nicht nur über die Erinnerung an eine große Zeit des MSV gefreut haben. Jeder hatte auch großen Spaß an Witz und Komik beim Erzählen von „Hennes“ Sabath und Werner „Lölle“ Lotz. Der Schalk in den Augen von Werner Lotz kündigte die nächste Pointe an.

Nun war Werner Lotz schon zur Premiere vor zwei Jahren gesundheitlich sehr angeschlagen. Auch sein Sohn Ulrich war schwer erkrankt. Zusammen mit der Familie wohnen beide in einem Haus, das für die von den Krankheiten verursachten Behinderungen nicht mehr geeignet ist. Damit für die Familie ein „Wohnen daheim“ möglich bleibt, hat Nathalie Lotz, die Enkelin von Werner Lotz, ein Crowdfunding gestartet.

Der MSV Duisburg unterstützt diese Aktion mit einem eigenen Aufruf.  Im MSVPortal gibt es einen Aufruf und einen eigenen Thread zum Thema. Weiterer Austausch ist dort möglich.

Alle Informationen zur Situation der Familie und zum Crowdfunding selbst gibt es mit einem Klick zu leetchi.com.

 

 

 

 

 

Alles Gute für 2015 mit Big Data von 2014!

Der Zebrastreifenblog mit all seinen nunmehr zwei Mitarbeitern wünscht euch alles Gute für dieses Jahr! Der Stig ist gerade ein paar Tage in Aarhus bei alten Freunden. Er grüßt euch herzlich, was aus seinem mürrischen Mund am Telefon vorhin ganz komisch klang. Unsere Wünsche sind nicht uneigennützig. Sollen sie doch dazu beitragen, dass wir Anhänger des MSV Duisburg das Unaussprechliche in diesem neuen Jahr ungefähr Ende April bis Mitte Mai erleben werden. Die Wünsche fliegen deshalb auch rüber zur Mannschaft und den Verantwortlichen beim MSV Duisburg. Hoffen wir also auf ein besonderes Jahr für den MSV und für uns.

Bislang sieht es gut aus mit dem Gelingen, habe ich stellvertretend für uns alle doch die erste große Prüfung dieses Jahres mit Erfolg geschafft. In der Nacht habe ich nach Hause gefunden, obwohl ich in diesem grauweißen Gemisch aus Bodennebel und Pulverdampf über Kilometer nur etwa zwei Meter weit habe sehen können. Im Schritttempo fahrend verlor ich die Orientierung auf einer Straße, die ich seit dreizehn Jahre nahezu täglich befahre. Ich kenne das aus Filmen. Wer in den ersten Minuten der Handlung solche kleinen Abenteuer wie so eine undurchsichtige Nachtfahrt bewältigt, der wird im weiteren Verlauf der Geschichte noch Größeres erleben. Gelobt sei die Zuversicht! Gelobt seien Filme, die gut ausgehen.

Mich beschäftigt das Ende der Saison schon sehr. Regelmäßig tauchen seit einiger Zeit in meinem Kopf Sätze der Freude auf. Ich sehe für Bruchteile von Sekunden Erfolgsschlagszeilen, und ich kann mich nicht dagegen wehren. Hätte die Geschichte des MSV Duisburg nicht die zunächst so bedrohliche Wendung im Jahr 2013 genommen, schwiege ich darüber. Doch seitdem nehme ich den Alltag des MSV immer noch wieder als Ausnahmezustand wahr, in dem alles noch nach Normalität strebt. Ich selbst bin in diesem Ausnahmezustand und schmecke die Hybris.

Beruhigend könnte ich deshalb den Rückblick auf die fünf meist gelesenen Beiträge des letzten Jahres auf mich wirken lassen. Zeitlos sind drei dieser Texte. Abseits aller Aufregung des wöchendlichen Ringens um Sieg oder Niederlage strömen sie die wohltuende Ruhe sinnlichen Genießens aus. Sie sind die ewig gültigen Tröstungen aller verzweifelnden Vereinsanhänger. Ginge es nach den Klickzahlen stellte ich das Schreiben weitgehend ein und veröffentlichte Fotos von Backwaren mit Unterzeilen. Doch die Zukunft als Superspecial-Special-Interest-Blogger klingt für mich nicht ausfüllend, auch wenn mir hin und wieder der Blick auf Fußballtorten Spaß macht.

Zwar lässt die sportliche Lage von Borussia Dortmund sehr zu wünschen übrig, in diesen Räumen hier aber rüttelt kein anderer Verein an der Spitzenposition der Borussia. Auf Platz 1 der meistgelesenen Texte im Zebrastreifenblog  steht wie im Vorjahr „Die schönsten Fußballtorten der Welt Folge VI – Borussia Dortmund“. Im Laufe des Jahres konnte ich das schon ahnen. Überraschend für mich sind aber der 3. Platz für „Die schönsten Fußballtorten der Welt – XI: Eintracht Braunschweig – Anlässlich des Aufstiegs“ und Platz 5 für „Die schönsten Fußballtorten der Welt III – MSV Duisburg“. Stetige Klickzahlen, knapp unterhalb meiner Wahrnehmung – bei so was wird schnell einsichtig, warum jemand auf den Long Tail als Theorie der Internet-Ökonomie gekommen ist.

Beruhigend könnte dieser Blick auf die drei Platzierungen wirken, doch angesichts des großen überdauernden Fußballtorten-Interesses gebe ich gerne zu, dass mich erst der Platz 2  für „Chaos, Platzsturm und Skandalspiel – Wörter schaffen Wirklichkeit“ sehr zufrieden macht. Bestätigt mir diese Platzierung doch ein Interesse der Leser an Themen rund um den Fußball, die über das Bunte hinausgehen. In dem Text habe ich mir die sensationsheischende Berichterstattung zum Fanverhalten im Halbfinale des Niederrheinpokal vorgenommen. Platz 4 belegt meine Besprechung des Dokumentarfilms über die Zebras der ersten Bundesligasaison „Von Anfang bis Westende – Ein wunderbarer Dokumentarfilm über die ‚Meidericher Vizemeister’”.

Was mich zurückbringt an den Anfang. Eigentlich wollte ich mich mit dem Rückblick ja ablenken von den plötzlich auftauchenden Erfolgsschlagzeilen. Doch kaum tauchen Erfolge der Vergangenheit auf, denke ich, wenn im Rückblick des nächsten Jahres ein Text aus dem Mai bestplatziert wäre, ließe sich mit 2015 wahrscheinlich ganz zufrieden sein. Wir werden sehen!

Wikipedia-Paradoxien: Löschkandidat Meidericher Vizemeister

Natürlich benutze ich Wikipedia, und ebenso selbstverständlich weiß ich von Fallstricken, notwendigen Gegenrecherchen, habe ich schon den ein und anderen kritischen Artikel zu Wikipedia gelesen. Kritik, die im übrigen bei Wikipedia selbst nachzulesen ist. Bislang war die Kritik an der Kanonbildung bei Wikipedia für mich Wissen aus zweiter Hand. Nun kann ich in diesen Räumen hier mit dem Dokumentarfilm „Meidericher Vizemeister“  über ein Fallbeispiel reden. Der Wikipedia-Eintrag zum Dokumentarfilm wurde als Löschkandidat gemeldet. Die Begründung: „Kein Verleih, kein Festival, keine Rezensionen in der überregionalen Presse. Relevanz zumindest nicht dargestellt.“ Das entspricht der Anwendung der Relevanz-Kriterien Wikipedias für Filme zu jenem Zeitpunkt, als die Dokumentation gerade einmal als Premiere gezeigt worden war und es noch keine weiteren Vorstellungen gegeben hatte. So wie ich es verstehe, wären sogar die Verkaufszahlen der DVDs nicht unbedingt ein Argument in der Diskussion der Formalien, da der Vertrieb nur über die Geschäftsstelle des MSV geschieht und die Filmemacher die Herausgeber sind. Formale Kriterien werden dadurch nicht erfüllt, wie gesagt.

In der aus dem Löschvorschlag sich ergebenden  Diskussion sind eigentlich alle Argumente ausgetauscht. Wahrscheinlich ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis der Banner über dem eigentlichen lexikalischen Eintrag entfernt wird. Alles andere könnte ich nicht nachvollziehen. Es gilt also den Administratoren zu vertrauen. Ich möchte einfach nur auf dieses Geschehen verweisen, weil auch die Kanonbildung bei Wikipedia  nicht ohne Entscheidungshierarchien geschehen kann. Am Beispiel von  „Meidericher Vizemeister“ lässt sich nun an der Basis nachvollziehen, wie Wikipedia-Wissen entsteht. Deshalb weise ich auf diesen Vorgang hin, auch auf das, was in der Diskussion fehlt. Es gibt keine inhaltlichen Kriterien zum Film, Fragen der Qualität spielen keine Rolle. Sie sind erst gar nicht zugelassen. Qualitätsfragen sind nicht immer per Diskussion entscheidbar.

Zum Auftakt der Löschdiskussion wäre dieses Qualitätskriterium aber das unbedingt einzubringende Argument für die Aufnahme des Films ins Lexikon gewesen. In Abhängigkeit von der Relevanz des lexikalischen Eintrags „MSV Duisburg“ ist der Film ein eigenständiges kulturelles Werk mit Substanz. Selbst wenn es keine großen DVD-Verkäufe gegeben hätte, wäre für mich ein lexikalischer Eintrag zwingend gewesen. Gegenüber der Schwarmintelligenz mit dem Bestehen auf formalen Kriterien hätte ich als Einzelstimme aber wenig Durchsetzungskraft gehabt. Darüber hinaus sind die Relevanzkriterien eng mit Fragen der Vermarktung verbunden. Sie hinken den Entwicklungen von künstlerischen Produkten hinsichtlich Distribution und Finanzierung hinterher. Viel freiere Formen der Produktion sind ja inzwischen möglich. Diese freieren Formen bedingen dann Bedeutung in regional begrenzteren Sinnzusammenhängen. Also gilt auch das Relevanzkriterium überregionale Bedeutung nicht unbedingt.

Ich empfinde die anfängliche Unsicherheit bei Wikipedia über die Relevanz von „Meidericher Vizemeister“ als schöne Paradoxie. Das Online-Lexikon entstand ja nicht anders als der Dokumentarfilm. Unabhängig von bestehenden Strukturen schaffen Menschen ohne den sozialen Status eines berufsverbürgten Experten etwas mit kulturellem Wert. Und nun ist Wikipedia so groß, dass es diesen Entstehenszusammenhang mit seinen Entscheidungskriterien für Relevanz vergessen kann.


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