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Adventskalender meiner kurzen Nebensächlichkeiten – 15. Türchen

Sicher bin ich mir nicht, ob Merchandising in den 1970er Jahren „irgendwas mit Fanartikeln“ genannt wurde. Was ich sicher weiß, mein Zimmer schmückte dieses runde Kissen unten. Es war zu nichts zu gebrauchen, es lag oft im Weg und trug gerade durch seine Sinnlosigkeit nichts anderes als die Botschaft in die Welt, mein Verein ist der MSV Duisburg.

 

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Kartenlegen statt Recherche und ein Jugendzimmerfundstück

Gestern habe ich bei meiner Mutter einen Blick in die Printausgabe der NRZ werfen können und tatsächlich nimmt dieser unsägliche Kartenlegerin-Artikel über den MSV Duisburg, den ich zuvor schon online gesehen hatte, auch in der Printausgabe ein Viertel der zweiten Seite im Lokalteil ein. Ich hatte gehofft, dem sei nicht so, und ich bedauer nun die ernsthaften Journalisten der Redaktion für die Aussicht auf die Zukunft dieser Zeitung. Und komme mir keiner aus der Redaktion mit der alten Leier, die Leser wollten auch mal bunte Themen.

Mit diesem Artikel werden sämtliche journalistischen Standards unterboten, auch der für „Bunte-Themen-für-die-Leser“. Denn selbst wenn ich zähneknirschend so etwas unter dem Motto „vermutetes Unterhaltungsbedürfnis“ hinnehmen soll, der Zeitpunkt für das Erscheinen passt überhaupt nicht. Der MSV Duisburg befindet sich erneut in einer bedrohlichen Finanzsituation und den Lesern der Zeitung wird als zusätzliche Hintergrundinformation das Fachwissen einer Kartenlegerin geboten, die ihr umfängliches Wissen aus der Quersumme des Gründungsdatums vom MSV Duisburg entnimmt. Werden demnächst im Hauptteil, Sparte Politik, auch die Meinungen von Wünschelrutengängern und Druiden zu Koalitionverhandlungen und Staatsschulden nachgefragt?

Heute, einen Tag nach Erscheinen dieses Artikels trifft sich eine Delegation des MSV Duisburg mit Walter Hellmich. Das Weiterbestehen des MSV Duisburg hängt davon ab, ob Walter Hellmich dem Schuldenschnitt zustimmt oder nicht. Und kein Medium nimmt das zum Anlass, noch einmal sämtliche Fakten zusammen zu stellen, die dieses Treffen so brisant machen. Ein Dossier hätte erstellt werden können, um die überaus komplizierte Geschichte von Walter Hellmich mit dem MSV Duisburg verständlicher zu machen.

Man hätte die gemeinsame Interessenlage von Walter Hellmich und dem MSV Duisburg zu Beginn seines Engagements aufzeigen können. Diese Zeit schuf die Grundlage für Walter Hellmichs unerschütterbaren Glauben, der MSV Duisburg habe ihm mehr zu verdanken als er dem MSV Duisburg. Man hätte auf die damals so nahe liegende Allmachtkonstruktion hinweisen können, die selbstverständlich zu Schwierigkeiten führt, wenn die Interessenlagen von Person und Verein sich voneinander entfernen. Man hätte dann versuchen können, genauer zu benennen, was Walter Hellmich auch dem MSV Duisburg zu verdanken hat und umgekehrt. All das hätte zu der von allen Beteiligten immer wieder geforderten Transparenz beigetragen. Stattdessen erfahren wir, die Gründungsdatum-Quersumme steht laut Kartenlegerin für „Doppelte Sonne“. Klingt irgenwie gut. Wie man es von Kartenlegerinnen erwarten darf.

Was WAZ/NRZ kann, kann ich übrigens besser. Wenn schon Leserbindung, dann mit den richtigen Mitteln, die nicht zum Thema gehören. Deshalb nun zu etwas ganz anderem: Neulich habe ich eine Umzugskiste mit altem Kram von meinem Vater zu mir geholt und was finde ich? Ein Original-Jugendzimmer-Schlafcouch-Dekokissen der 1970er Jahre. Bitte schön!

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