Posts Tagged 'Miroslav Klose'

Meine drei Momente für die deutsche Fußballewigkeit

Wenn die deutsche Fußballnationalmannschaft zu einem gelungenen Geburtstagsfest meiner Frau beitragen kann, weiß sie, was sich gehört und tut alles, um nach der fröhlichen und beschwingten Stimmung im Garten auch das Erleben von begeisterter Freude möglich zu machen.

Darin ist sich Fußball-Deutschland einig, dieser Sieg der deutschen gegen die englische Nationalmannschaft trägt alle Züge jener Spiele, nach denen man in Jahrzehnten noch das Google entsprechende Informations-Orientierungssystem  befragt: Ein erspielter, deutlicher Sieg, der für einige Zeit gefährdet schien. Er war aber auch nur in dem Maß gefährdet, dass es einen angenehm schauerte. Es gab mit dem nicht gegebenen Tor eine für England tragische, falsche Schiedsrichterentscheidung, die sich auch noch an die Geschichte des Wembley-Tores der 66er WM-Begegnung anschließen lässt. Und last but not least, die Mannschaften sind sehr fair miteinander umgegangen.

Für mich besitzt dieses Spiel auf hohem Niveau drei magische Momente, die sich in mein Gedächtnis gebrannt haben. Das ist als erstes dieser präzise, weite Abschlag von Manuel Neuer zu Miroslav Klose, der diesen Abschlag perfekt aufnimmt, der sich durchsetzt und dann zum 1:0 einschießt. Das war nicht nur das idealtypische Zusammenspiel von Torwart und Stürmer, auch die jeweilige Einzelleistung verdient das Prädikat.

Mein zweiter Moment ist jene Szene im deutschen Strafraum, als Arne Friedrich in einer bedrohlichen Angriffssituation halb grätschend klärt und im Wiederaufrichten den Ball kontrolliert, um ihn danach mit technisch brillanter Ballbehandlung dribblend aus dem Strafraum herauszuspielen. Das geschieht alles in einer einzigen fließenden Bewegung, vom Grätschen bis zum Herausspielen. Großartig oder in den Worten Günter Netzers, brasilianisch!

Und als dritten Moment sehe ich die Ballannahme Mesut Özils in der Nähe der Mittellinie vor dem vierten Tor, als Özil und sein Gegenspieler auf nahezu gleicher Höhe beim gepassten Ball ankommen. Im nächsten Moment hat Özil durch seine präzise Ballaufnahme im Sprint fast zwei Meter Vorsprung.

Schwer zu ertragende Niederlagen

Wie Niederlagen zustande kommen, bestimmt die Gefühle nach dem Spiel. Am schwersten sind Niederlagen für mich hinzunehmen, wenn sie meinem Eindruck nach auf wenige, klar erkennbare Entscheidungen im Spiel zurück zu führen sind. Das Spiel der deutschen Nationalmannschaft vorgestern gegen Serbien ist so eine Niederlage für mich. Natürlich lässt sich trefflich beim Schimpfen über den Schiedsrichter des Spiels der Gefühlshaushalt in Ordnung bringen, doch Alberto Undiano Mallenco hat seine kleinliche Spielführung von Anfang an gezeigt, um nicht zu sagen in Szene gesetzt. Aus seiner Auslegung der Regeln hat er nie ein Hehl gemacht, und Miroslav Klose hätte den mit dem Ball davon sprintenden Serben erst attackieren dürfen, wenn er mit ihm auf gleicher Höhe gewesen wäre. Die erste falsche Entscheidung.

Dem folgte Lukas Podolski in Absprache mit Bastian Schweinsteiger. Von Joachim Löw haben wir jedenfalls inzwischen erfahren, die zwei bestimmen untereinander, wer einen gegebenen Elfmeter schießt. Podolski hat in kurzer Folge vor dem Elfmeter mit mehreren deutlich neben das Tor platzierten Fehlschüssen gezeigt, dass ihm an den Tag nicht alles gelingt. Dieses Abhaken und Vergessen des Versagens mag ihm meist möglich sein. So eine Eigenschaft gehört ja zur Grundausstatttung des Berufssportlers. Unsere Psyche lässt sich aber nicht mit völliger Sicherheit so kontrollieren, wie wir  Menschen es zur Bewältigung unseres Lebens gerne hätten. Und je bedeutungsvoller das Geschehen, desto schwieriger wird das Ausblenden des Zusammenhangs einer Handlung. Auch dieses Risiko war also abzusehen. Das geringere Risiko wäre ein Elfmeterschütze Bastian Schweinsteiger gewesen. Denn Schweinsteiger hatte bis dahin ein souveränes Spiel gezeigt. Sein Selbstbewusstsein war so stark, dass ihn selbst zwei, drei Gegner beim Dribbling nur unwesentlich in Bedrängnis brachten und er solche Spielsituationen kontrolliert auflöste. Er hätte den Elfmeter schießen müssen.

Klinsmann für Klose und Bajic für Fahrenhorst

„Klinsmann für Klose“ las ich heute morgen als Überschrift einer kurzen Meldung im Kölner Stadt-Anzeiger. Seufzend bedauerte ich Mario Gomez, und dachte, nun wird es noch mehr Ärger mit den Engländern geben. Wenn Jürgen Klinsmann statt Miroslav Klose gegen Serbien stürmt, muss die FIFA dem DFB die Sondererlaubnis gegeben haben, einen Spieler nachzunominieren. Dieser gute Draht des DFB zur FIFA gibt den Engländern zwar einen ganzen Stall voll Sündenböcke für ihr Ausscheiden, aber Mario Gomez wird auf seinem Zimmer heimlich fluchen, wenn Jürgen Joachim Löw ihm so einen Michael Schumacher des Fußballs vorzieht. Was haben wir überlegt, wieviel der so herrlich anzusehende und überlegen erspielte Sieg gegen Australien Wert ist. Nach der Meldung von Klinsmanns Aufstellung wissen wir es immer noch ebenso wenig wie die Antwort auf die Frage, warum Miroslav Klose nicht spielen kann. Im ersten Moment erschreckt man vielleicht, wenn Löws Kumpel aus alten Sommermärchen-Tagen der Mannschaft weiterhelfen soll. Aber vielleicht ist es genau andersrum, die Mannschaft spielt so gut, dass sie als eine Art Jungbrunnen dem Kumpel aus alten Tagen durch seine Schaffenskrise als Trainer bringen wird. Im Fußball ist es Gott sei Dank häufig entweder so oder doch ganz anders, wahrscheinlich nur deshalb, damit wir immer was zu reden haben.

In Duisburg bietet dazu eine Spielerverpflichtung die Gelegenheit. Branimir Bajic scheint so eine Art Frank Fahrenhorst von Milan Sasic zu sein, auch wenn er ihn in Koblenz nicht mehr trainiert hat. Da verlasse ich mich mal auf die statistischen Daten bei fussballdaten.de. Wir wissen aber, in der Region seines ehemaligen Arbeitgebers kennt sich Milan Sasic noch immer bestens aus. Wie viel besser muss es also früher gewesen sein, als er die meiste Zeit seines Tages noch im direkten Einzugsgebiet verbracht hat. So wirkt diese Spielerverpflichtung wie eine Maßnahme zur Basissicherung. Grundnahrungsmittel müssen eben auch im Haus sein. Wenn man am Supermarkt mit der einen Buttermarke nicht mehr vorbeikommt, geht man zu dem anderen, der nun auf dem Weg liegt und greift zur anderen Buttermarke.

Die Planungen für die Abwehr sind nach der RevierSport-Kürzestmeldung jedenfalls abgeschlossen, bleibt die offene Frage, wie lange noch sich Fahrenhorst und Schlicke demnächst auf Meidericher Nebenplätzen fit halten werden. Überraschend wäre die Entwicklung nur noch dann, wenn wenigstens einer von beiden plötzlich doch wieder im regulären Vereinsbetrieb auftauchen würde. Bis dahin unterhalten wir uns über die Perspektiven von Bruno Soares.


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