Posts Tagged 'Moral'

Hoffentlich weiß Markus Babbel, wie er seine Kinder erzieht

Nach einem gewonnenen Spiel lässt sich natürlich erst recht ganz entspannt die Verwirrung beim unterlegenen Gegner betrachten. Doch schon beim Lesen der Vorberichterstattung zum Spiel von Hertha BSC Berlin gegen den MSV Duisburg hatte ich den Eindruck, in Berlin waren die Maßstäbe zur Bewertung von Charaktereigenschaften etwas durcheinander geraten. Ich hatte nur keine Zeit, dazu etwas zu schreiben.

Der Niederlage gegen den MSV Duisburg gingen ja schon andere schlechte Spiele von Herha BSC Berlin voraus, und Markus Babbel wurde in vielen Medien mit den Worten zitiert: „Wir wollen zu Hause wieder unser gutes Gesicht zeigen und dominant auftreten. Ich will die Gier sehen, die Punkte zu holen. Wenn wir das tun, dann werden wir auch gewinnen!“ Ich las das Wort Gier und zuckte kurz zusammen. Nun gut, dachte ich, das ist Fußball, und manchmal vergreift sich einer im Ton, wenn er meint, besonders energisch sein zu müssen. Doch nach der Niederlage haut Markus Babbel nun in dieselbe Kerbe: „Da war keine Gier, kein Engagement, keine Laufbereitschaft“, so wird er im Tagesspiegel zitiert.

Ich will für Markus Babbel hoffen, dass er das Wort Gier auf eine sehr eigene Weise versteht, wenn nicht würde ich mir als Anhänger von Hertha BSC Berlin ein wenig Sorgen um den sportlichen Erfolg meiner Mannschaft machen. Ich bin zwar nicht ganz so beckmesserisch beim Umgang mit Sprache wie so mancher Kollege, wer aber tatsächlich meint, Gier sei eine zu fördernde Eigenschaft im Menschen, dem möchte ich zu ein wenig Kindheitserinnerung raten. Herr Babbel, haben Ihre Eltern Sie etwa immer dazu ermuntert, sich den Teller noch voller zu machen als er schon war? Hieß es bei Ihnen zu Hause, Markus, jetzt sei doch mal etwas gieriger, du hast ja den Gästen noch etwas zu essen übrig gelassen? Das geht doch nicht, Markus, reiß dich mal am Riemen, und nimm Ihnen endlich alles weg. Klingt komisch, oder? Auch dann noch, wenn man die Gier später dann von erwachsenen Fußballspielern einfordert.

Ich hab´da mal ´ne Frage zur Moral: Der Kouemaha-Wechsel

Die Saison hat längst begonnen und immer noch wechseln die Spieler ihre Vereine. Das ist möglich, weil erst nach dem 31. August der Transfer eines unter Vertrag stehenden Spielers nicht mehr erlaubt ist. In diesem Jahr wurde vom MSV Duisburg am 30. August verkündet, Dorge Kouemaha, einer von drei Stürmern des Vereins und Stammspieler, verlässt den MSV Richtung Brügge. Was danach zur Linderung der Fan-Sorgen folgte, interessiert hier heute nicht.

Mir führt der Weggang von Dorge Kouemaha nämlich etwas vor Augen. Wäre Kouemaha in der Sommerpause gewechselt, hätte das meine Aufmerksamkeit sicher berührt, doch die Angelegenheit wäre in die sachliche Frage nach entsprechendem Ersatz gemündet. Sein Weggang kurz vor Ende des Transferschlusses weckte so etwas wie Trauer über einen Verlust. Und das hatte nichts mit der Spielstärke Kouemahas zu tun oder meinen schwindenden Hoffnungen auf den Aufstieg.

Vielmehr machten sich da Enttäuschung bemerkbar und ein Aufbegehren gegen ein unter den Gegebenheiten des gegenwärtigen Fußballs rationales Handeln, dessen Kosten eine Gruppe, in diesem Fall die Mannschaft, tragen muss. Sprich, hier geht es anhand eines Beispiels an vielleicht überraschender Stelle um Gesellschaftskritik. Das, obwohl der Transfer von Kouemaha im Rückblick als Erfolg gewertet wird. Ich mache da keine Ausnahme und kann dennoch die Bedingungen, die zu ihm führten, kritisieren.

Dieser Wechsel berührt für mich eine Frage der Moral. Erinnern wir uns doch mal an Prüfungen unserer Loyalität als Kinder. Wann fühlte es sich richtig an, wie wir uns verhielten? Stellen wir uns etwa die Einladung zum Geburtstag von einem der besten Freunde vor. Du hast schon zugesagt. Ihr habt euch bereits überlegt, wie toll das alles wird und welche Spiele es nach dem Kuchen essen gibt. Nichts Spektakuläres, was ihr halt immer so macht. Einen Tag vor der Geburtstagsfeier flattert eine zweite Einladung ins Haus. Ein nicht ganz so guter Freund lädt zum spontanen Geburtstagsausflug ein. Es soll in einen Abenteuerpark gehen, und du weißt, mit deinen Eltern kommst du da demnächst nicht hin. Schwierige Entscheidung. Aber bester Freund ist bester Freund und zugesagt ist zugesagt, oder?

Nun erinnert das Fußballgeschäft nur ganz entfernt an schwierige Loyalitätsfragen für Kinder, und die meisten können sicher Dorge Kouemaha heute verstehen, dass er die sich bietende Chance ergreift. Wenn schon die UEFA-Statuten den Vereinswechsel nach Saisonanfang erlauben, warum sollen wir uns dann mit Fragen der Moral beschäftigen? Die Antwort lautet, weil das Nachdenken über solche moralischen Fragen und die daraus entstehenden Werturteile die Statuten kritisierbar machen. Die Wechselperiode müsste meiner Meinung nach vor Saisonbeginn enden.

Bei „11 Freunden“ lese ich gestern zufällig, dass Manni Breuckmann die Wechselmöglichkeit nach Saisonanfang mit einer leicht anderen Begründung ebenfalls für falsch hält. Übrigens spielt „Söldner-Mentalität“ bei dem Thema Wechsel nach Saisonanfang, wenn überhaupt, nur eine kleine Rolle – bei Dorge Kouemaha mit Sicherheit gar keine.

Wer wie Fredi Bobic Arbeit sucht, braucht ein dickes Fell

Als Fredi Bobic erfolgreich war, hatte ich mich als aktiver Sportler schon seit Jahren dem Basketball zugewendet und Fußball hieß für mich, die Gegengerade im Wedau-Stadion aufzusuchen. Deshalb lag es mir nicht nur als MSV-Fan völlig fern, davon zu träumen, wie Fredi Bobic vor dem gegnerischen Torwart aufzutauchen und als ein Eckpunkt des Stuttgarter „Magischen Dreiecks“ den Ball ins Tor zu zaubern. Heute nun aber denke ich: mal wie Fredi Bobic sein, und dann nämlich auf den Tisch hauen, das ist bestimmt nicht schlecht. Wann sonst wird einem Arbeitssuchenden schon mal so zugehört, wenn er beginnt, von seinen schlechten Erfahrungen mit all den ignoranten Arbeitgebern zu erzählen. Schließlich gibt es nicht wenige, die wie der Chef bei Hannover 96, Martin Kind, auf eine Bewerbung nicht mal mit einem kurzen Standardbrief reagieren. Viele Arbeitgeber sitzen eben nun doch schon seit einiger Zeit am längeren Hebel. Doch wenn man als Fredi Bobic einmal ein berühmter Fußballer war, gibt es zumindest immer einen Journalisten beim Sportinformationsdienst, der seine Meldungen schreiben muss und ein offenes Ohr für den Ärger über solches Verhalten von Arbeitgebern hat. Doch! Das sorgt für eine ausgeglichene Psyche, so ein Dampfablassen, und man weiß es nicht, ob diese öffentliche Stellungnahme nicht doch auch ein ganz kleines Bisschen dazu beiträgt, an grundlegende Regeln der Höflichkeit zu erinnern. Auch oder eher gerade auf einem rauhen Arbeitsmarkt bedarf es zivilisierter Umgangsformen. Fredi Bobic hat natürlich einen weiteren Vorteil, zuguterletzt weiß der Mann, wohin er sich wenden muss. Schließlich hat man irgendwann auch einfach die Nase voll von all der Ignoranz in dieser Welt und dann ist es wunderbar, wenn es da den guten Kumpel aus alten Zeiten gibt. So einen kann man unverblümt fragen, ob er nicht was weiß … von einem Job, und wenn er mal was hören sollte, dann … Und manchmal sagt der Kumpel sogar sofort: „Du kommst gerade richtig!“


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