Posts Tagged 'Moritz Stoppelkamp'

Erst dachte ich, es sind 10 unvergessliche Anmerkungen zum MSV und zu Aue. Doch dann geschah das

1. Hei..eimsieg…Hei..eimsieg….Hei…eimsieg….Oh, wie ist das schön…oh, wie ist das schön, so was hat man lange nicht gesehen…so schön, so schön.

2. So einen Sieg wie gegen den FC Erzgebirge Aue haben wir tatsächlich schon lange nicht mehr gesehen. 3:0 hat der MSV gewonnen. Der Sieg in dieser Höhe ist verdient. Souverän hat der MSV diesen ersten Heimsieg der Saison erspielt.

3. Vom Anpfiff an sah es so aus, als spielten zwei Mannschaften von deutlich unterscheidbarem Spielvermögen gegeneinander. Wenn Aue etwas anderes als ein torloses Unentschieden hat erreichen wollen, verheimlichte das die Mannschaft perfekt. In Zeitungsberichten lese ich von einer Chance Aues. Das war ein geschlenzter Ball, der über die Latte strich. Wenn ich mich nicht aufrege und ich kein Gegentor fürchte, gibt es keine Chance. Das wollen wir mal ein für allemal festhalten. Sollte ich jemals Beruhigungmittel brauchen, werde ich mir Spiele vom FC Erzgebirge Aue gegen den MSV in Dauerschleife ansehen. Ich bin in diesem Spiel völlig entspannt gewesen. Ich fürchtete nicht einmal ein Glückstor des Gegners.

4. Erst sah es so aus, als wollte der FC Erzgebirge Aue dem MSV Duisburg den Sieg schenken. Fehlpass um Fehlpass in der Nähe des eigenen Strafraum luden die Zebras weniger zum Konter ein als zum direkten Abschluss auf das kaum mehr verteidigte Tor. Aber die Zebras wollten weder das Mitleid der Gäste, noch wollten sie unhöflich sein. Also taten sie so, als ob sie die Gastgeschenke annahmen und vermieden es auf diese geschenkte Weise ein Tor zu erzielen. Ich wäre weniger stolz gewesen und hätte schon in der ersten Halbzeit gerne eine dieser großen Chancen verwandelt gesehen.

5. Solch große Chancen gegen den tief stehenden Gegner Aue aus dem eigenen Aufbauspiel heraus zu entwickeln ist mühsam und verlangt Geduld. Wir hatten die Geduld, weil wir den Anfang der Saison noch lebhaft in Erinnerung hatten. Spannend ist die Frage, wie so ein geduldiges Aufbauspiel ohne Ertrag auf die Stimmung im Stadion wirkt. Anscheinend beruhigte dieses Spiel nicht nur mich. Ist mein Eindruck falsch, dass wir alle freundlich dem Spiel zusahen, aber die Anspannung den Spielern überließen?

6. Nach der Halbzeitpause wollte Aue gerne so weiterspielen wie in den ersten 45 Minuten. Der MSV wollte druckvoller sein. Die Mannschaft stand etwas höher in der Defensive als in der ersten Halbzeit.

7. Der MSV war erfolgreicher bei seinem Vorhaben.

8. Zunächst verlor Stanislav Iljutcenko die Orientierung bei einem Kopfball komplett. Völlig frei stehend köpfte er gut acht Meter am Tor vorbei. Kurz waren wir ratlos bei uns in der Ecke. Wie sollte nur ein Tor fallen, wenn solch große Chancen in diesem Spiel mit dieser so dichten Defensive vergeben wurden? Doch kurz danach hatte Stanislav Iljutcenko beim Kurzpassspiel die Orientierung wieder gefunden. Schnell ging es über halblinks Richtung Strafraum, Iljutcenko wurde angespielt, leitete den Ball per Hacke zur Mitte in den Lauf von Cauly Souza weiter. Ein Abwehrspieler meinte, den Pass noch etwas korrigieren zu müssen. Der Ball kam nun noch genauer in den Lauf, so dass der Abschluss keine Schwierigkeit mehr bereitete. Große Freude über das verdiente 1:0.

9. Aue erinnerte sich, dass ein Ball auch schnell nach vorne gespielt werden kann. Die MSV-Defensive weiß das schon sehr lange und war vorbereitet auf mögliche Gefahren.

10. Cauly Souza wird halbrechts angespielt. Er führt den Ball kurz, stoppt ab und zwei Auer Spieler aus der Defensivkette laufen auf den rechten Flügel raus. Vielleicht wunderte sich Souza genauso wie ich. Ich hatte jedenfalls keine Pass- oder Dribblefinte von Souza in dem Moment gesehen. Lucky-Luke-Cauly, der Mann täuscht schneller als sein Schatten. Souza zieht nicht nach rechts, sondern in die Mitte und sucht den direkten Abschluss. Zwischen Pfosten und Torwarthand passte wahrscheinlich nichts mehr als der Ball. Eine frühe 2:0-Führung machte Hoffnung. Wir gebrannten Späte-Ausgleichs-Kinder wünschten uns ein drittes Tor herbei.

11. Zwei Chancen hatte Aue, bei denen meine Entspannung leicht irritiert wurde.

12. Der MSV hatte weiter deutlich bessere Chancen als Aue. Stanislav Illjutcenko lief in einen abenteuerlichen Querpass an der Strafraumgrenze und hatte nur den Torwart vor sich. Allerdings blieb ihm keine Zeit zum Abschluss, und er vergab den Schuss im Fallen. Moritz Stoppelkamp versuchte einen geschlenzten Ball nach einem Konter statt weiter in die Mitte zu ziehen und hart abzuschließen. Cauly Souza schoss einen zweiten Ball zu flach und traf seinen Mannschaftskollegen Iljutcenko, der Mitleid mit der überforderten Auer Defensive hatte und sie kurz als liegende Mauer verstärkte.

13. Der MSV hielt den Druck auf das Auer Tor hoch. Der Mannschaft gelang die perfekte Balance zwischen Defensive und Offensive.

14. Meine Entspannung war trotz vereinzelter Auer Angriffsbemühungen wieder vollkommen.

15. Das dritte Tor gelang bei einem Angriff im zweiten Anlauf. Moritz Stoppelkamp setzte sich im Strafraum auf engstem Raum wunderbar durch, flankte und Boris Tashchy köpfte perfekt ein.

16. Abstiegszone, die – das Wort muss ich mir aufschreiben, damit ich es nicht vergesse.

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Spieltagslyrik: Der Stoppelkamp

Der Stoppelkamp

Wo Sand aus jedem Boden wächst,
verhungert Mensch und Tier.
Ertrag auf Binnendüne: Null.
Sandhausen heißt das hier.

Der Lichtblick ist ein Stoppelkamp,
dort gibt es Grün fürs Vieh und Beeren.
So können Gäste in Sandhausen
den Stoppelkamp zufrieden ehren.

Mein MSV – Spektakelfußball mit offener rechter Defensivseite

Vor vielen Jahren trainierte ich beim Basketball regelmäßig intensiv die Man-to-Man Defense. Zwei Mann standen dann voreinander, als Verteidiger nahmst du Schrittstellung mit dem Rücken zum Korb ein, den Körperschwerpunkt möglichst weit nach unten verlagert. In dieser Schrittstellung bietest du dem Angreifer immer eine Seite an, auf der du ihn einfacher verteidigen kannst. Als Grundregel gilt dabei, dem Angreifer möglichst nur den Weg zur Seitenlinie zu öffnen. Aber wenn man wagemutig war, zwang man den Angreifer, mit seiner schwachen Hand zu dribbeln, auch wenn ihm dadurch der direkte Weg zum Korb geöffnet wurde.

Dieses individualtaktische Verhalten des Basketballs findet sich in dieser Saison als Teil der Mannschaftstaktik des MSV wieder. Eine Seite, die rechte wird dem Gegner geöffnet, so dass er dort den Durchbruch versucht. Gewollt ist das vermutlich nicht. Die Gegner nehmen diese Einladung zum Durchbruch aber gerne an, und wenn ich heute von einem rabenschwarzen Tag Tugrul Erats lese, kann ich nur sagen, diese Rabenschwärze hat System. Er tut mir leid, weil er in dieser Saison nicht das erste Mal so überfordert war wie gestern im Spiel gegen Fortuna Düsseldorf. Und das hat nichts mit dem Offensivdrang des MSV zu tun. Sein Stellungsspiel ist für sein Grundtempo nicht gut genug. Oder er ist nicht schnell genug für sein Stellungsspiel. Das kann man halten, wie man will.

Mit dieser Lücke auf der rechten Defensivseite wird es auch in der Mitte schwer, schnell genug bei den Gegenspielern zu sein. Der Defensive bleibt einfach zu wenig Zeit, sich zu organisieren, wenn es auf der rechten Seite lichterloh brennt. Wenn der MSV in der 5. Minute 2:0 zurückliegt, könnte man meinen, es wird schwer, die Niederlage zu verhindern. Der MSV spielte aber nun zum wiederholten Mal so, dass wir uns nach dem Spiel sagen können, eigentlich war alles da für einen Erfolg. Und dieses „eigentlich“ muss in den nächsten Wochen sehr genau betrachtet werden. Wir können weiter sagen, die Mannschaft hatte die Chance, diese Niederlage zu verhindern. Das konnten wir aber nun schon mehrmals nach einer Niederlage sagen, und allmählich müssen wir uns damit beschäftigen, Zufall und Pech genauer zu identifizieren, damit von der Spielweise der Zebras übrig beibt, wie diese Mannschaft erfolgreich spielen kann.

Moritz Stoppelkamp hat schon früh mit einem vergebenen Elfmeter, die Chance auf den Anschlusstreffen nicht genutzt. Ja, es gab die Chancen, die Niederlage zu verhindern. Die Fortuna wirkte nicht souverän. Ein Spielaufbau war ihr fast unmöglich. Ballbesitz in der eigenen Hälfte führte oft zum blinden Wegschlagen in der Hoffnung, einer da vorne errennt sich diesen Ball. Die Fortuna brauchte das Konterspiel für die Torgefahr.

Dagegen kombinierte der MSV meist sicher und kam zu torgefährlichen Abschlüssen. Dennoch gab es Ballverluste bei so einer Spielweise. Nachdem Moritz Stoppelkamp der Ball in Strafraumnähe abgenommen wurde, rollte die Kontermaschine an, und schon stand es 3:0 zu Beginn der zweiten Halbzeit. Doch der MSV gab immer noch nicht auf. Die Mannschaft erarbeitete sich weiter Chancen. Knapp gingen Bälle am Tor vorbei. Den Lattentreffer hatte es schon vor dem dritten Tor gegeben. Die Krönung aber war ein viermaliges Pfostenbillard, bei dem ich den Beton unter mir mit meiner Fußramme fast zum Zerspringen gebracht hätte.

Der MSV bietet Fußballspektakel bislang in dieser Saison. Bei Twitter überschlugen sich die unparteiischen Zuschauer mit Beifall angesichts des Unterhaltungswertes dieses Spiels. Ach, wäre ich doch nur ein unparteiischer Zuschauer bei Spielen des MSV. Der bin ich nicht, und zum ersten Mal habe ich für einen kurzen Moment nach der Niederlage diese Bedrückung gespürt angesichts der Tabellensituation, jene Bedrückung, die sich einschleicht, wenn man wieder gut gespielt hat, man dennoch ohne Erfolg nach Hause fährt und man weiß, das könnte am Ende der Saison Folgen haben. Die alten individualtaktische Grundlagen aus dem Basketball gehören jedenfalls zur Mannschaftstaktik dieser Saison. Damit gilt es umzugehen. Entweder müssen Stürmer besser treffen oder die Defensive muss gestärkt werden. Eins von beiden muss sich verändern, sonst wird meine Bedrückung demnächst noch länger anhalten. Das will doch niemand, wenn er Anhänger vom MSV ist.

 

 

Das neue alte Stadiongefühl beim MSV

Auch drei Tage nach der 2:1-Niederlage des MSV Duisburg gegen Darmstadt 98 kitzelt noch die Enttäuschung über das späte Tor der Darmstädter. Die Enttäuschung hält an wie ein anderes Gefühl, dem ich schon Jahre nicht mehr bei einem Spiel des MSV begegnet bin. Ein wenig misstrauisch beäuge ich dieses andere Gefühl. Es geht nämlich darum, wie ich durch dieses Spiel gegangen bin. Es geht dabei um meine Grundhaltung, die zu dieser Saison entstanden ist und die mir nach dem Spiel erst bewusst wurde. Wer jahrelang zum MSV geht, weiß, dass wir auf den Rängen immer mit allem rechnen müssen, nur nicht mit Normalität. Darum geht es.

Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal im Stadion war, dort ein derart spannendes Spiel gesehen habe und ich mir keinen Gedanken über dieses Spiel hinaus gemacht habe. Ich habe nicht an Abstieg verhindern gedacht oder an die Chance auf den Aufstieg. Ich war in diesem Stadion und war Anhänger des MSV als einem etablierten Zweitligisten, der am Ende der Saison im Mittelfeld landen wird, der die Aufstiegsaspiranten jederzeit schlagen kann, der unglückliche Niederlagen gegen gleich starke Mannschaften hinnehmen wird und immer einen sicheren Abstand zu den Abstiegsplätzen halten wird.

Am Freitagabend standen zwei Mannschaften auf dem Platz, die beide den Sieg wollten. Der MSV war der chancenreiche Underdog und zeigte den Darmstädtern Grenzen auf. Bei den Darmstädtern gab es Spieler, die als Einzelspieler denen des MSV leicht überlegen waren. Das waren nur wenige, aber sie machten den Unterschied in den letzten Minuten aus mit der Folge des Siegtreffers. Demgegenüber fiel das Ausgleichstor der Darmstädter als Folge der mannschaftlichen Stärke. Es war eine Art Lehrgeld, denn dieses Ausgleichstor wurde absehbar, weil es dem MSV nicht gelang, den entstehenden Druck der Darmstädter zu mindern. Die Mannschaft wollte nach jedem abgefangenen Angriff der Darmstädter weiter spielerisch aus der eigenen Hälfte heraus kommen. Wenn das aber viermal in der eigenen Hälfte scheitert, muss der Ball auch mal planlos nach vorne geschlagen werden. Nur dann kann sich die Defensive so organisieren, dass der spielerische Aufbau bei der nächsten Balleroberung wieder gelingt. Dieses Ausgleichstor war Lehrgeld.

Das Spiel war bis dahin ausgeglichen gewesen. Schon vor dem Führungstor durch Moritz Stoppelkamp hatte es auf beiden Seiten erste Chancen gegeben. Beim MSV war Cauli Souza einmal steil in den Strafraum geschickt worden und konnte dort nach artistischer Ballmitnahme nur unpräzise abschließen. Bei Darmstadt erhielt Kevin Großkreutz im Fünfmeterraum nach einem Flankenlauf den Ball und übergab ihn wie bei einem Rückpass Mark Flekken.

Nach dem Ausgleichstor war das Spiel wieder offen. Klare Chancen ergaben sich weder vor der Halbzeitpause noch danach. Dennoch verringerte sich der Offensivdrang beider Mannschaften nicht. Erst Mitte der zweiten Halbzeit wurde es auf beiden Seiten wieder torgefährlich. Der eingewechselte Stanislav Iljutcenko hatte sich bei Kevin Großkreutz abgeschaut, wie man im Fünfmeterraum frei steht und den Ball nicht verarbeiten kann. Sicher, die Flanke von Moritz Stoppelkamp kam zu hoch um zu schießen und zu flach zum köpfen. Am liebsten hätte ich Iljutcenko mitsamt dem in der Körpermitte festgeklemmten Ball ins Tor geschoben. Es sollte nicht sein.

Als der MSV die Führung verpasste, wurde es immer deutlicher, das Unentschieden zu halten würde schwierig werden. Auch wenn die Zebras weiter ihre Chance in der Offensive suchten, spielten die Darmstädter etwas präziser. Ihre Offensivaktionen strahlten mehr Gefahr aus. Die erste große Chance zur Führung ergab sich für den Gast durch einen Elfmeter. Mark Flekken hielt diesen harten Schuss von Tobias Kempe sensationell. Doch die Freude hielt nur kurz. Der Unterschied zwischen beiden Mannschaften war nicht groß in diesen letzten Minuten, aber groß genug, damit Yannick Stark in der 88. Minute den Siegtreffer für die Darmstädter erzielen konnte.

In der Bewertung dieses Spiels gibt es kaum Meinungsverschiedenheiten. Wieder hat der MSV eine sehr gute Leistung gezeigt, bei der in der Offensive vor allem Moritz Stoppelkamp und Cauly Souza im Blickpunkt standen. Simon Brandstetter rieb sich im Sturmzentrum auf. Die Defensive steht grundsätzlich gut. Die Anlage des Spiels ist erfolgsversprechend. Ob meine Haltung der Normalität angemessen ist, wird sich daran erweisen müssen, wie die Mannschaft mit der Enttäuschung umgeht. Diese Mannschaft muss lernen, dass sie trotz sehr guten Spiels nicht unbedingt gewinnt. Das wird schwer werden, denn der Einsatz dieser Mannschaft ist sehr groß. Wenn dann der Ertrag in der Selbstwahrnehmung nicht stimmt, wird es schwierig, diesen Einsatz weiter aufrecht zu halten. Deshalb war der Sieg in Heidenheim sehr wichtig. Diese Belohnung gilt es im Kopf zu behalten, dann werde ich meine Zweitliganormalität immer weniger kritisch beäugen.

Bei hundert Ecken trifft es einen Verein

Wir Menschen sind für Statistik nicht gemacht. Wir erleben Momente und keine Zahlenverhältnisse. Wirklich ist nun einmal, was wirklich wird, so unwahrscheinlich es auch ist. Nur 1.27 Prozent aller Ecken führen zum Torerfolg. Das las ich letzte Woche noch auf der 11FREUNDE-Seite. Nun hat der MSV gestern im Spiel gegen Dynamo Dresden erst einmal dafür gesorgt, dass die anderen Zweitligavereine ein wenig gelassener bei Eckbällen sein können. Wir ja natürlich auch. Bis wieder ein Tor nach einer Ecke fällt, müssen wieder ein paar getreten werden. Oder wie ist das Verhältnis von Statistik und Wirklichkeit?

Nach einem Eckball in der 88. Minute fiel das 1:0 für Dynamo Dresden in einem Spiel, das auch der MSV Duisburg hätte gewinnen können. Ein Zeitpunkt, der die Enttäuschung größer macht. Ein Unentschieden wäre zumindest sehr verdient gewesen. Die Chancen auf ein Tor waren sogar zuvor für den MSV klarer gewesen als für Dresden. Bei Schüssen von Moritz Stoppelkamp und Simon Brandstetter war ich jeweils schon aufgesprungen. Ich hatte meinen Mund aufgerissen zum Torschrei. Tonlos musste ich mich wieder setzen.

Der MSV Duisburg hat in diesem ersten Punktespiel der Saison 2017/2018 gezeigt, diese Saison in der Zweiten Liga wird eine andere als die vor zwei Jahren. Nicht einen Moment ließ die Mannschaft einen Zweifel daran, dass sie in dieser Liga mithalten kann. Wie schwer der Klassenerhalt wird, ist natürlich immer noch eine offene Frage. Das Spiel war spannend und  abwechslungsreich. Mit dem kombinationsstarken Offensivspiel schaffte es die Mannschaft schon in der ersten Halbzeit, Spieler in aussichtsreiche Schusspositionen zu bringen. Bei dieser guten Offensive stand die Defensive meist sicher, und wenn nicht, gab es Mark Flekken. Bei zwei sehr guten Chancen der Dresdner in der ersten Halbzeit zeigte sich Mark Flekken mit großartigen Reflexen zuständig. Zudem strahlte er große Sicherheit aus, wenn es im Strafraum einmal voller wurde.

Im gesamten Spiel waren beide Mannschaften gewillt, für einen Sieg etwas zu riskieren. Dabei wurde die Defensive nicht vernachlässigt. Das machte das Spiel unterhaltsam. Darüber hinaus wurde sehr deutlich, wie wettbewerbsfähig der MSV in dieser Saison ist. Die Spieler hatten keine Schwierigkeiten mit dem höheren Tempo der Zweiten Liga selbst bei der Hitze. Sie hatten offensiv keine Schwierigkeiten mit den engen Räumen und defensiv nur wenige nach schnellem Umschalten der Dresdner. Das alles stimmt mich zuversichtlich. Das war vor zwei Jahren bis in den Winter nicht gegeben. Nun ist es am ersten Spieltag vorhanden. Nun gilt es die Leistung gegen den VfL Bochum zu bestätigten, damit die leisen Stimmen des Misstrauens in mir endgültig vestummen.

Mit dem Sieg durch das Tor nach dem Eckball ist Dynamo Dresden übrigens wahrscheinlich in Abstiegsgefahr geraten.  Wenn ich Fan von Dynamo Dresden wäre, begänne ich mir jedenfalls Sorgen zu machen. Auf jeden Fall würde ich auf kein weitere Tor nach einem Eckball hoffen. Denn die oben erwähnte Statistik verrät noch eins: Je mehr Tore eine Mannschaft nach Eckbällen erzielt, desto wahrscheinlicher wird diese Mannschaft am Ende der Saison auf einem Abstiegsplatz landen.

Ein Spiel wie eine Karnevalsfeier – Endlich mal wieder was zum deuten

2013-02-09_MSV_1860 034_beabGut, es war Karnevalssamstag, aber es hätte genügt, wenn sich um diesen Karneval, wie auf den Fotos zu sehen, nur wir paar Zuschauer gekümmert hätten. Stattdessen lässt sich auch die Mannschaft dazu hinreißen, ein wenig Karnevalstimmung im Spiel gegen den TSV 1860 München zu verbreiten. Da wirken die Spieler fast eine ganze Halbzeit lang wie eine hoffnungsfrohe Unentschieden-Elf, nur um kurz vor der Halbzeitpause daran zu erinnern, es könnte auch alles nur ein Karnevalsspaß sein. Man weiß in dieser Zeit des Straßenkarnevals eben oft nicht, was ist nur  Verkleidung und was gehört zum wirklichen Leben.  Bei Ranisav Jovanović muss man sich darum im Moment keine Gedanken machen. Er hat sich für dieses Spiel gar nicht erst verkleidet, er ist der Stürmer, der zu sehen ist. Durchsetzungsstark, lauffreudig und dieses Mal mit einer sehr gelungenen Einzelleistung auch Schütze des Führungstreffers vom MSV Duisburg.

Die Spieler legten sich ja in dem Moment sogar für ein paar Minuten ein Superheldensiegercape an, und mir haben sie wirklich gut gefallen, wenn auch für die Defensivabteilung der Zebras das Cape von Anfang an einige Zentimeter zu lang war.2013-02-09_MSV_1860 035_beab Bei den Angriffen des TSV 1860 München war jedenfalls sofort das Kostüm als Kostüm zu erkennen. Benjamin Kern hatte auf seiner Seite einen sehr schlechten Tag. Andreas Ibertsberger passte das Unentschiedenkostüm allerdings schon mal wie angegossen. Er machte einen guten Eindruck. Er wirkte ruhig und sachlich, spielte bis auf seinen Fehlpass in der zweiten Halbzeit solide und war sehr präsent. Gerade seine souveräne Ausstrahlung hilft der Defensive der Zebras weiter, zumal auch die  Innenverteidigung zunächst für das Unentschieden gut genug schien.

Meine Zweifel wuchsen allerdings, als sich ausgerechnet Daniel Brosinski in seinem Elfmeterschützenkostüm tatsächlich auch als Elfmeterschütze fühlte. Da glich er all jenen Piraten und Cowboys, die mit ihrer alkoholgedopten Männlichkeit glauben, das weibliche Begehren konzentriere sich für den Rest des Lebens rund um sie. Aber der Alltag ist nah.2013-02-09_MSV_1860 03_web Die gerade noch wild tanzende Meerjungfrau verschwindet von jetzt auf gleich zu zweijährigem Kind sowie Ehemann, und Daniel Brosinski bleibt der nur manchmal zielsichere Torschütze, selbst wenn er alleine am Elfmeterpunkt frei vor dem Tor steht. Die erneute Chance zur Führung war vergeben. Und dann zerfetzt in der Nachspielzeit dieser ersten Halbzeit der Alltag sogar so richtig das Unentschiedenkostüm.

Das hinterlässt das schale Gefühl, der TSV 1860 München war die bessere Mannschaft und dennoch gab es gute Gründe an den Erfolg des MSV Duisburg zu glauben. Die Münchner kombinierten sicherer, hatten etwa mit Daniel Halfa einen technisch sehr starken Einzelspieler, der, einmal am Ball, kaum zu stoppen war. Frei- und Eckstöße bargen jedes Mal Torgefahr. Und dennoch waren diese Chancen nicht zwingend, dennoch war der MSV Duisburg gut im Spiel. Selbst in der zweiten Halbzeit, als die Zebras die weiter zurück gezogenen Münchner kaum mehr aus ihrem Defensivverband herauslocken konnten, gab es dann doch die eine Riesenchance auf den Ausgleich. Gabor Kiraly wehrte den Torschuss aus kurzer Distanz von Sascha Dum ab. Und es ist bezeichnend, dass im direkten Gegenzug das dritte Tor der Münchner fiel. Alle schon gesehenen Fehler der Zebras in diesem Spiel kamen dabei zusammen.  2013-02-09_MSV_1860 038_beabBeim Umschalten war die Mannschaft einen Tick zu langsam. Das machte sich schon vorher in der Defensive immer wieder bemerkbar. Die Spieler empfinden Spielsituationen oft einen Moment zu früh als beendet. Es war schon in Dresden abzusehen, dass eine bessere Mannschaft als die Dresdner,  „zweite Bälle“ besser nutzen könnte. Hinzu kam ein Roland Müller, der auch nicht seinen besten Tag hatte und bei diesem Konter die eigene  Schnelligkeit beim Herauslaufen über- und die des gegnerischen Stürmers unterschätzte. So machte er unnötigerweise das Tor frei für den Schuss von Moritz Stoppelkamp.

Die Unentschieden-Elf war also am Karnevalssamstag nicht mehr als ein schönes Kostüm der Mannschaft des MSV Duisburg. Aber wir Karnevalsjecken wissen auch, oft steckt in einem Kostüm mehr alltäglicher Mensch als im ersten Moment erkennbar ist. Manchmal ist es nicht das ganz Andere, das in der Verkleidung gesucht wird, sondern nur die ideale Vorstellung von einem selbst. Und so bleibt die Hoffnung, der MSV Duisburg ist auf einem guten Weg. Der Trainer des TSV 1860 München, Alexander Schmidt, ließ sich nach dem gemeinsamen Kostümball jedenfalls zu dem charmanten Kompliment hinreißen, die Mannschaft sei der erwartet schwere Gegner gewesen und es sei kein Vergleich zur Vorrunde, wie  gut sie inzwischen spiele. Kosta Runjaic hat es sich gelassen angehört.

Hier also die Pressekonferenz nach dem Spiel, samt Standard-O-Tönen von Jürgen Gjasula, Andreas Ibertsberger, Ranisav Jovanović und Julian Koch.

Abschlussschwäche von RWO-Abwehr bringt MSV um drei Punkte

Besser konnte die Abwehr des MSV Duisburg es ihren Oberhausener Kollegen nach etwas mehr als einer halben Stunde Spielzeit einfach nicht vormachen. Tatsächlich ins eigene Tor schießen, das geht natürlich nur beim Training. Aber einem Eigentor möglichst nahe kommen, um damit dem Gegner Vorbild zu sein, das muss der MSV Duisburg mit seinen zurzeit nur selten erfolgreichen Stürmern anscheinend einfach riskieren. So kam es zu diesem perfekt vorgetragenen Zusammenspiel von MSV-Abwehr und RWO-Sturm. Über halbrechts drang ein Oberhausener Stürmer bei einem Konter in den Strafraum Richtung Torauslinie ein. Scharf folgte der Pass in die Mitte. Der Ball flog an Tom Starke vorbei. Hinter Starke hätte der halblinks in den Strafraum sprintende Oberhausener Stürmer den Ball möglicherweise ins Tor reingrätschen können. Doch sicherheitshalber wollten zwei Abwehrspieler der Duisburger ihm zuvorkommen. Der erste verpasste den Ball, der zweite aber traf, und am rechten Pfosten rollte der Ball knapp vorbei. Maßarbeit! Selbst die Stadionregie wollte diesen Versuch vorbildhaft zu wirken mit ihren Mitteln unterstützen und blendete einen neuen Spielstand ein: 2:3 stand da auf der Anzeigetafel. Das signalisierte, wenn alles klappt, liebe Oberhausener Verteidiger, wird euer Eigentor sogar hier oben lobend erwähnt. Nach etwa einer Minute wurde das Phantomtor dann wieder gelöscht. Schließlich soll man es nun auch nicht übertreiben mit der freundlichen Zuwendung.

Trotz der vorbildhaften Bemühung hat die Oberhausener Abwehr völlig versagt. Sie hat es darauf ankommen lassen, vor allem Srdjan Baljak und Caiuby bei ihren Versuchen ein Tor für den MSV Duisburg zu erzielen, allein zu lassen. Dabei hat die Duisburger Abwehr gerade in der ersten Hälfte nicht nur mit der vorbildhaften Anleitung zum Eigentor sehr viel dafür getan, um ein freundliches Klima zwischen beiden Mannschaften entstehen zu lassen. Das Zusammenspiel von MSV-Abwehr und RWO-Angriff verhalf dem Spiel zu zwei Toren. Früh schon, in der 7. Minute,  erinnerten sich die MSV-Verteidiger nämlich daran, dass die Bewegungen gegnerischer Stürmer dann besonders gut zur Geltung kommen, wenn ihnen viel Raum gelassen wird. Schnelles Eindringen in den Strafraum und ein Torschuss gelingen einfach besser, wenn niemand dabei stört. Das wussten Torschütze Moritz Stoppelkamp und seine Sturmkollegen sehr zu schätzen und versuchten diese Art Angriff deshalb gleich mehrmals. Allerdings muss bei solchen Versuchen das eigene Können auch  jedes Mal vollständig abgerufen werden, sonst braucht es noch mehr Unterstützung. Beim zweiten Stoppelkamp-Tor verhedderten sich die Oberhausener Stürmer nach der ersten Angriffswelle in den Duisburger Strafraum hinein. Sie fanden für ihren stürmerischen Ausdruck keine passenden Positionen mehr, weil der ihnen zur Orientierung dienende Ball von der Duisburger Verteidigung in Besitz genommen war. Es müssen die verloren wirkenden Blicke der Oberhausener Stürmer gewesen sein, die die Duisburger Spieler in dem Moment zutiefst rührten. Sie brachten es nicht über das Herz, den Ball aus dem Strafraum wegzuschlagen, sondern überließen ihn noch zweimal diesen unglücklichen Oberhausener Spielern.  Der Lohn dieser Geste war die Freude sämtlicher Oberhausener über die barmherzige Gabe, die sie selbstlos weiterreichten, um dem großen Ganzen, dem Spiel, ein Tor zu schenken.

An die Leistung ihrer Sturmkollegen reichte die der Oberhausener Verteidigung aber eben nicht heran. Ab Mitte der zweiten Halbzeit schienen die Verteidiger schwer angeschlagen zu sein, so dass niemand mehr ihnen einen kräftigen Schuss aufs eigene Tor hätte zugetraut.  Spätestens da war es an der Zeit, dass der MSV Duisburg so einen Schuss selbst auf  den Fuß nehmen musste. Doch reichten die Mittel der Mannschaft nicht aus, einen Gegner auszuspielen, dessen körperliche Kräfte so deutlich nachließen. Im Gegenteil, mancher von der Oberhausener Abwehr weit nach vorn geschlagene Ball fand häufig genug einen Mitspieler im Mittelfeld, so dass auch zu diesem Zeitpunkt noch der ein oder andere Oberhausener Konter Richtung Duisburger Tor gelaufen wurde.

Einmal mehr spielte die gegnerische Mannschaft bei ihren Angriffszügen präziser. Beim MSV Duisburg gab es zu wenig schnelles Zusammenspiel. Und wenn es denn einmal versucht wurde, gelang oft der letzte Pass nicht oder der Abschluss vor dem Tor blieb viel zu harmlos. Die aussichtsreichste Chance zum dritten Duisburger Tor hatte der eingewechselte Dario Vidosic, dessen Schuss aber so wirkte, als wolle er Christoph Semmler im Oberhausener Tor den Ball präzise in die Arme spielen. Auch Caiuby mit seiner meiner Meinung nach stärksten Saisonleistung kam zum Ende des Spiels hin nicht mehr gefährlich in Strafraumnähe.

Die spielerische Qualität der Mannschaft reicht einfach nicht, um ganz oben mitzuspielen. Es gibt viele kleine Unzulänglichkeiten, die in der Summe jenen Unterschied zu den obersten vier Mannschaften ausmachen. Mit Bielefeld sehe ich den MSV Duisburg auf Augenhöhe. Ich möchte es anders haben.  Aber je länger die Saison andauert, desto anstrengender werden die gedanklichen Konstruktionen, die es mir ermöglichen meine Hoffnungen gegen die Einsicht noch aufrecht zu erhalten.

Liest man die Kommentare nach dem Spiel, scheint die Stimmung in der Mannschaft zu kippen. Eine allgemeine Unzufriedenheit sucht ein Ventil. Diesen Groll in produktive Energie umzuwandeln kommt als weitere Aufgabe auf Milan Sasic und sein Trainerteam zu – neben der weiterhin notwendigen Arbeit, die spielerische Qualität der Mannschaft zu steigern.


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