Posts Tagged 'München'

Großstadtfußball im Podcast – Duisburg, Köln, München

Neulich habe ich schon einmal auf interessante Podcasts hingewiesen, die sich der Fußballhistorie widmen. Nick Kaßner mit seinem Podcast Hörfehler gehörte dazu. Nun sprach er in der letzten Folge seines Podcasts, der Nummer 90, mit seinen drei Gästen aus Duisburg, Köln und München allerdings nur kurz über die Fußballhistorie. Vor allem ging es um die Situation des Amateurfußballs in den drei unterschiedlichen Städten.

Den Duisburger Christian Lenke kenne ich durch sympathische Begegnungen im Stadion. Als gebürtiger Thüringer, der nun auch schon lange in Duisburg lebt, geht er regelmäßig zu den Zebras. Auch wenn er in frühen Jahren sein Herz an den jüngst stark gebeutelten Rot-Weiß Erfurt hängte. Er ist Jugendtrainer beim SV Duissern 1923 und arbeitet zudem auf Verwaltungsebene seines Vereins mit. Er beschreibt den Duisburger Amateurfußball.

Der Autor und Journalist Holger Hoeck gibt die Einblicke in die Kölner Amateurfußballszene. Tim Frohwein lebt in München und arbeitet am Projekt Mikrokosmos Amateurfußball mit, das die gesellschaftliche Perspektive des Amateurfußballs beleuchtet. Unschwer war auch im Gespräch seine soziologische Perspektive beim Blick auf den Amateurfuball Münchens erkennbar.

Alle drei arbeiten an dem von Hardy Grüne ins Leben gerufene Fußballmagazin Zeitspiel mit, der journalistische Ort für einen Fußball abseits der Unterhaltungsindustrie.

In der Folge entwickelte sich schnell ein interessantes Gespräch, das zu einer Bestandsaufnahme des Breitensports Fußball in der Großstadt wurde. Grundlegende Erfahrungen auf dem Bolzplatz wurden beleuchtet. Gemeinsamkeiten und Unterschiede des Fußballs in den so unterschiedlichen Städten wurden deutlich. Schwierigkeiten und Entwicklungen des Amateurfußballs kamen zu Sprache. Der Stadt-Land-Gegensatz war immer wieder Thema. Die Folge macht Lust, sich intensiver mit dem Thema Großstadt-Fußball zu beschäftigen.

Vor 75 Jahren gab es keinen Fußball in Deutschland

Heute vor 75 Jahren trat die bedingslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht in Kraft. Generaloberst Jodl hatte am Tag zuvor die Kapitulationsurkunde in Reims unterzeichnet. Wir sparen uns die Geschichte der Wiederholung in Berlin. Warum schreibe ich heute über dieses Kriegsende, da an Fußball in dieser Zeit niemand dachte?

Mit meinem Gedenken könnte ich erinnern, dass vom Kriegsende an die Verbrechen der Nationalsozialisten auch in Deutschland Verbrechen genannt werden durften. So könnte ich über Fußballer wie den Nationalspieler Julius Hirsch schreiben, der in Auschwitz wegen seines jüdischen Glaubens ermordet wurde. Er steht für viele weniger prominent gewordene Opfer der Nazis in ganz Deutschland, unter denen sicher Menschen waren, die den Fußball liebten und, weil sie Gewerkschafter, Sozialdemokraten oder Kommunisten waren, von den SA-Trupps der Nazis sofort nach der Machterübernahme 1933 ermordet wurden.

Ich könnte über Fußballspieler des MSV Duisburg schreiben, die im Krieg gefallen sind. Ich kenne keine Namen. Überhaupt weiß ich wenig über den MSV Duisburg in der Zeit des Nationalsozialismus. Womöglich gibt es schon Literatur? Womöglich ist da eine Lücke der Historie, die gefüllt werden sollte.

Bediene ich damit die Rituale des üblichen Gedenkens, bei dem mancher der Leser hier schon die Augen verdreht? So oft wurde von den Gräuel der Nazis gesprochen. Immer wieder wurde nachdrücklich versucht, die bestehende Verantwortung in der jeweiligen Gegenwart für die gesamte deutsche Geschichte bewusst zu machen. Kann das nicht endlich einmal vorbei sein?

Schon bald nach Kriegsende gab es dieses Aufstöhnen in Deutschland, wenn vom Nationalsozialismus geredet werden sollte. Schon im Mai 1945 waren die Nazis in Deutschland verschwunden. Komplett. Diese Erfahrung machten nicht nur Journalisten aus aller Welt, auch die Deutschen selbst staunten in Tagebüchern und Briefen, wo all die Parteimitglieder geblieben waren. Niemand war wirklich ein Nazi gewesen, außer denen da oben, die jetzt ja, Gott sei Dank, ihre Strafe durch die Alliierten bekommen sollten. Es gab immer harmlose Gründe, um in die Partei eingetreten zu sein. Deshalb war es doch nur zu verständlich, wenn später endlich Schluss sein sollte mit dem Erinnern. Auch von den damaligen Kindern wollten viele als Erwachsene bis in die Gegenwart hinein das Reden von der besonderen Verantwortung beendet wissen. Da wurde es dann auch verständlich für viele, die Helmut Kohls „Gnade der späten Geburt“ erfahren hatten. Das waren prominente Deutsche auf Podien und weniger prominente in privaten Gesprächen.

Doch jedes Gedenken kann lebendige Beschäftigung mit der Vergangenheit sein, um etwas über sich selbst zu begreifen, um das eigene Handeln und dessen mögliche Folgen besser zu verstehen, um die Bedingungen von sozialen Ereignissen zu erkennen. Denn der Wahlerfolg der Nazis war ein soziales Geschehen. Er kam nicht über die deutsche Gesellschaft als plötzliches Schicksal. Die Deutschen handelten. Viele ermöglichten durch Sprechen und Schreiben, das gehandelt werden konnte. Und das hieß, den Nazis die Macht überlassen.

Darum geht es beim Gedenken: wie können wir dazu beitragen, wie können wir verhindern, dass ein demokratisches Land Politikern die Macht ermöglicht, die zuvor schon mit Allmachtsbildern und Gewaltfantasien zur Öffentlichkeit gesprochen haben? Die Nazis hielten sich auch mit Terror an der Macht. Sie wurden aber zugleich von der Zustimmung der deutschen Bevölkerung getragen.

Momentan erleben wir die Diskussion, ob dieser 8. Mai auch in Deutschland Feiertag sein kann. Der AfD-Fraktionschef Alexander Gauland erklärte, er könne so einen Feiertag niemals begehen. In dem Fall zeigt sich Alexander Gauland allerdings nicht sehr klug, weil er doch glauben machen möchte, wie fern nationalsozialistisches Denken seiner Partei sei. Welch einfaches Entlastungszeugnis könnte sich die AfD ausstellen lassen, wenn auch diese Partei sich für den 8. Mai als Tag der Befreiung einsetzte.

Darin zeigt sich das Zwiespältige für jeden Deutschen, wenn er auf den 8. Mai nur als Tag der Befreiung schaut. Ein Tag der Befreiung könnte auch den wahrhaftigen Blick auf die Vergangenheit behindern. Er könnte der alten Erzählung von den Nazis, die immer die anderen waren, neue Kraft geben. Der Nationalsozialismus kam nicht von Außen auf ein unschuldiges Land, das dann von den Guten zum Glück befreit wurde. Der Nationalsozialismus entstand aus der deutschen Gesellschaft heraus. Wähler gaben ihre Stimme den Nationalsozialisten, obwohl Hitler und Goebbels sich zu ihren Absichten gegenüber den politischen Gegnern offen bekannten. An die Macht aber kamen die Nazis erst, weil nationalkonservative Politiker glaubten, mit ihnen für die Durchsetzung ihrer eigenen Interessen paktierten zu können

Alexander Gauland kommt sein rechtskonservativer Nationalismus beim Blick auf das Kriegsende in die Quere. Deshalb kann er in dem Fall nicht taktisch handeln. Ihm ist es unmöglich, seine Partei vom rechtsextremen Denken reinzuwaschen, indem er einen Feiertag der Befreiung befürwortet. Ihm ist es unmöglich, weil mit der „absoluten Niederlage“ der deutschen Wehrmacht seiner Meinung nach auch der Verlust deutscher Gestaltungsmöglichkeiten einherging.

Das kommt dabei heraus, wenn man sich wie Alexander Gauland nicht der gesamten historischen Wahrheit stellt. Diese Gestaltungsmöglichkeiten hatten sich trotz der Niederlage nämlich angedeutet. Großadmiral Dönitz als Nachfolger von Adolf Hitler führte nach Kriegsende noch für wenige Tage eine deutsche Regierung weiter an. Es gab Kabinettssitzungen, bei denen die Illusion gelebt wurde, eigenständig verantwortlich für Deutschland zu sein. Heute kurios anmutende Gespräche gab es, bei denen Dönitz keinen Zweifel daran ließ, welche Zukunft er für Deutschland sah. Er brach nicht mit Adolf Hitler. Etwas anderes als einen Führerstaat konnte er sich nicht vorstellen. Parteien hatten laut Dönitz weiter nichts in einem Deutschland der Volksgemeinschaft zu suchen.

Das sind die Handlungsmöglichkeiten, die Alexander Gauland vielleicht nicht im Sinn hatte, die aber nur vorhanden gewesen sind, wenn das Kriegsende nicht grundsätzlich auch als Tag der Befreiung angesehen wird. Wer sich auf Handlungsmöglichkeiten der Deutschen bezieht, kann nur die damaligen Machthaber ohne Macht meinen. Denn wenn es die nicht sein sollen, können es nur die Nazis davor sein. Niemand anders stand für Deutschland 1945. Nur diese Männer hätten Handlungsmöglichkeiten gehabt, wenn der Krieg nicht verloren gegangen wäre. Wer sich also auf den Verlust von Handlungsmöglichkeiten durch das Kriegsende bezieht, greift die Demokratie der Gegenwart an. Er schreibt eine autoritäre Regierungsform in der Gegenwart fort. Weil diese Angriffe momentan aus allen möglichen Ecken geschehen, erinnere auch ich heute in einem Fußballblog an das Ende des Zweiten Weltkriegs.

Am 5. März 1933 stimmten 33,77 Prozent der Duisburger für die NSDAP. Zwölf Jahre später sah Duisburg beim Überflug so aus wie in den folgenden zwei Clips.

Massimo Furlan war Jürgen Sparwasser und wird Sepp Maier sein

In den Räumen des Zebrastreifenblogs hat der französische Kurzfilm Refait einen festen Platz. Mit Refait hatte das Künstlerkollektiv Pied la Biche ein Re-Enactement von Halbfinalszenen zwischen Frankreich und Deutschland der WM 1982 geschaffen, jenem Halbfinale, das Deutschland im Elfmeterschießen gewann und in dem Harald Schumacher meine Loyalität zur deutschen Nationalmannschaft gefährdete. Er sprang ja in Straßenschläger-Manier außerhalb des Strafraums Patrick Battiston an und traf ihn mit Ellbogen und Hüfte im Gesicht. Der Schiedsrichter pfiff kein Foul, und Schumacher zeigte sich von den schweren Verletzungen Battistons ungerührt. Battiston war bewusstlos liegen geblieben, hatte zwei Zähne verloren und ein Halswirbel erwies sich im Krankenhaus als gebrochen.

Den Kurzfilm habe ich mir gerne angesehen. Wie ist es aber, wenn sich ein Künstler mit seinen Re-Enactment-Projekten auf einen oder demnächst zusammen mit einem schauspielenden Partner auf zwei der Fußballer eines Spiels konzentriert und das Spiel in gesamter Länge zur Aufführung bringt? Der Schweizer Künstler Massimo Furlan – hier der Link zu seiner Seite –  wird am 30. April die Public Art Munich mit dem Re-Enactement des Vorrundenspiels der WM 1974 zwischen der BRD und der DDR am Originalschauplatz jenes Spiels, dem Olympiastadion, eröffnen. Zwei Stunden dauert diese Performance.

Schon in Halle und Hamburg hatte Massimo Furlan sich diesem Spiel gewidmet. Seinerzeit war er selbst in die Rolle von Jürgen Sparwasser geschlüpft, der den 1:0-Siegtreffer für die DDR erzielte. Die Fußballspiele, mit denen er sich beschäftigt, müssen eine besondere Bedeutung für das Land haben, in dem er mit seinem Kunstprojekt auftritt. Genauer erläutert Massimo Furlan auf seiner Seite die  Arbeitsweise bei seinen Re-Enactement-Projekten. Zweifellos erfüllt dieses WM-Spiel als ein Wettkampf im damaligen Systemvergleich diese von ihm vorausgesetzte Bedeutung für das kollektive Gedächtnis eines Landes.

Hamburg

Halle

 

 

Vielleicht hat der 1965 geborene Massimo Furlan  – der nur im französischen Wikipedia einen Eintrag hat – nicht mehr die Konditiion früherer Zeiten, so dass er nun das statischere Spiel von Sepp Maier darstellt. Jürgen Sparwasser wird vom Schauspieler Franz Beil dargestellt. Eingespielt werden dazu die Original-Radiokommentare.

Wenn München die Public Art Munich auf der eigenen Seite bewirbt, klingt das so: „Kunstaktionen internationaler Künstler an unterschiedlichen Locations. Unter dem Motto „Game Changers“ thematisieren zahlreiche Performances die Bedeutung historischer und aktueller München-Ereignisse oder Technikentwicklungen für die Menschen.“ Insgesamt „20 sogenannte ‚performative Interventionen‘ werden in einem Zeitraum von drei Monaten“ präsentiert. Welche genau, ist auf der Seite der Public Art Munic zu finden.

Das nun sind die Worte der Kunstwelt, halten wir uns an den Fußball und schauen noch kurz auf Bewegtbilder aus anderen Projekten von Massimo Furlan. Zu den Spielen selbst etwas zu schreiben, führt hier zu weit. Dazu fehlt mir zudem die Zeit. Wer weiter ausholen möchte, gerne im Kommentar.

Als Zbigniew„Zibi“ Boniek war er schon Held des polnischen Fußballs.

 

Er war Enzo Scifo im Spiel zwischen Belgien und der UDSSR bei der Fußballweltmeisterschaft 1986 während einer Perfomance im Stadion von Lüttich.

Das Halbfinale zwischen Frankreich und Deutschland bei der WM 1982 war auch für Massimo Furlan Thema. Er stellte Michelle Platini in dem Spiel dar.

Fundstück: Nicht nur der MSV sucht einen Torwart

Am Samstag fand sich in der Süddeutschen Zeitung eine Stellenanzeige für Torhüter. Allerdigs ist sie in die Rubrik „Vermisches“ gerutscht. Deshalb weise ich hier noch einmal darauf hin. Zwar fischt der MSV bei der Kernkompetenz des Torhüters im selben Gewässer, allerdings brauchen wir die Münchner Vorstadt-Bezirksligakonkurrenz nicht zu fürchten, da Ivo Grlic einen deutlich jüngeren Torhüter als Buffon sucht. Eine Erinnerung an den August 2014 will ich zum Wochenbeginn ebenfalls nicht vergessen: Nürnberg im DFB-Pokal kann der MSV. Ein gutes Los.

Der erste Sieg der DDR gegen die BRD – Olympische Spiele 1972

Kaum ließ vor ein paar Tagen Uli Hoeneß noch tief in die Widersprüche des Unterhaltungsbetriebs Fußball blicken, schon stoße ich auf einen Clip aus der guten goldenen Zeit des dilletierenden Amateurunterhaltungsbetriebs dieses Sports. Heute betrachtet Uli Hoeneß RB Leipzig als einen Segen für die Bundesliga und den Absturz von Traditionsklubs mit Sorge, gestern noch spielte er mit Fußballern dieser Traditionsvereine in der Olympiaauswahl der BRD. Heute vergisst Uli Hoeneß bei seinen Wertungen strukturelle Gründe des Unterhaltungsbetriebs Fußball für den Aufstieg des einen und den Niedergang der anderen. Gestern noch erzielte er gegen die Staat gewordene Systemkritik ein Tor.

Ich teile den Clip gerne mit euch, erinnert er doch an die gute alte Zeit mit den Bewegtbildern vom Spiel der Oympiaauswahl der BRD gegen die der DDR im Münchner Olympiastadion am 8. September 1972, bei dem auch drei Spieler des Traditionsvereins MSV Duisburg teilnahmen. Der MSV-Stürmer Klaus Wunder spielte von Anpfiff an und erzielte sogar ein Tor mit der Hand, die in diesem Fall vielleicht nicht die „Hand Gottes“ sondern die der „freiheitlich-demokratischen Grundwerte“ genannt worden wäre. Es geht ja immer um ein höheres Ziel bei Regelübertretungen, die ungeahndet bleiben. Doch der Schiedsrichter unterband solch eine mögliche DDR-Kritik mit seinem Pfiff.

Klaus Wunder spielte von 1971 bis 1974 beim MSV und brachte dem Verein bei seinem Wechsel zu Bayern München 1 Millionen D-Mark Ablösesumme in die Kasse. Meiner Erinnerung nach war das damals die erste Millionen die für einen wechselnden Spieler in der Bundesliga gezahlt wurde. Auch damals brauchte der Verein das Geld dringend. Wer es genauer weiß, gerne lese ich erläuternde Kommentare.

In der zweiten Halbzeit wurde ab der 59. Minute der MSV-Stürmer Ronald Worm für Klaus Wunder eingewechselt. Das Spiel gehörte zur zweiten Finalrunde. Um weiterzukommen hätte die BRD gewinnen müssen. Bis zur 68. Minute lag die Olympiaauswahl zurück. Dann erzielte Ottmar Hitzfeld den Ausgleich. Trainer war damals Jupp Derwall, und zum Ende des Spiels hin verstärkte er die Offensivkraft noch. Er wechselte Rudi Seliger für die letzte Viertelstunde ein. Doch statt das Siegtor zu erzielen musste die Mannschaft ein Gegentor hinnehmen. In den Bewegtbildern sehen wir von den MSV-Spielern nur Klaus Wunder in Aktion. Aber auch Uli Hoeneß ist sehenswert, erzielt er doch das sehr schöne Tor zum 1:1-Ausgleich. Weitergekommen ist die BRD dann eben nicht. Die Niederlage der BRD gegen die DDR zwei Jahre später bei der Fußballweltmeisterschaft 1974 hatte dann ja andere Folgen.

Mit einem Klick geht es zur Seite von Detlev Mahnert, wo nebst weiteren einordnenden Worten auch ein paar Dokumente zum Spiel zu finden sind.

 

 

BR Deutschland – DDR 2:3 (1:1)

BRD:

Hans-Jürgen Bradler – Heiner Baltes, Reiner Hollmann (75. Rudolf Seliger), Egon Schmitt, Friedhelm Haebermann, Hermann Bitz, Uli Hoeneß, Jürgen Kalb, Ottmar Hitzfeld, Bernd Nickel, Klaus Wunder (59. Ronald Worm)
Trainer: Jupp Derwall

DDR:

Jürgen Croy – Manfred Zapf – Bernd Bransch, Konrad Weise, Frank Ganzera – Jürgen Pommerenke, Wolfgang Seguin, Hans-Jürgen Kreische – Jürgen Sparwasser, Peter Ducke, Joachim Streich (70. Eberhard Vogel)
Trainer: Georg Buschner

Tore:
0:1 Jürgen Pommerenke (12.)
1:1 Uli Hoeneß (31.)
1:2 Joachim Streich (53.)
2:2 Ottmar Hitzfeld (68.)
2:3 Eberhard Vogel (82.)

Das Münchner Olympiastadion versprach Gleichheit

Letzte Woche war ich mit meinem Sohn für zwei Tage in München und als Teil unseres Stadtbesichtigungsprogramms haben wir nicht die Allianz-Arena sondern das Olympiastadion besucht. Mir während einer Führung durch das Fußballstadion der Gegenwart leere Umkleidekabinen anzuschauen halte ich nämlich für weniger attraktiv als ein mich beeindruckendes Baudenkmal der jüngsten deutschen Vergangenheit nach langer Zeit einmal wieder zu sehen und meinem Sohn dabei von meinem ersten Besuch dort vor über dreißig Jahren zu erzählen.

Zur Architektur habe ich das ganz intuitive Verhältnis von jedermann. Ich kenne weder die Sprache der Architekturkritik noch fühle ich mich in der Geschichte der Architektur besonders gebildet. Für Urteilsbegründungen muss ich mühsam und tastend nach Worten suchen. Im Olympiastadion ging mir zwar sofort der Begriff „Harmonie“ durch den Kopf, doch Erkenntnis gewinnt man damit gerade nicht.

Bemerkenswert ist etwas anderes. Als wir oberhalb der Ränge um das Stadion herumgingen, fiel mir plötzlich auf, wie der Zeitgeist der Planungs- und Baujahre sich nicht nur in der äußeren Form mit dem schwungvoll gestalteten Zeltdach wiederfindet, sondern auch in der Anordnung der Zuschauerplätze das damals als notwendig und fortschrittlich empfundene Ideal der Gleichheit seinen Ausdruck findet.

Im Alltag des Fußballbetriebs hat man nach den Olympischen Spielen aus den Vorgaben durch das Bauwerk im Fußball-Alltag dann wahrscheinlich etwas anderes aus dieser gedachten Gleichheit gemacht. Zumal die eine Sitzplatzseite überdacht ist und die andere nicht, und die Sicht selbstverständlich nicht überall gleich gut ist. Doch zur augenscheinlichen Unterteilung der Zuschauer bot das Bauwerk Stadion nur die beiden Kategorien Steh- und Sitzplätze an.

In den Stadien der Gegenwart sieht das inzwischen anders aus. Da erkennt man am Bauwerk selbst eine Vielzahl von Kategorien, in die die Zuschauer verteilt werden und die wegen der Preisgestaltung von der Tendenz her immer auch als soziale Kategorien verstanden werden können. Solche Unterschiede der Preisgestaltung hat es im Olympiastadion natürlich auch gegeben. Gab es dort dann zusätzliche Zeichen für die Zuschauer, um ihnen Unterschiede deutlicher zu machen? Ich kenne den damaligen Fußballbetrieb in München zu wenig. Vielleicht weiß ja jemand, der hier mitliest, die Antwort.


JETZT BESTELLEN
Das Buch über den Sommer 2013 in Duisburg rund um den MSV bis zum Wiederaufstieg zwei Jahre später

Kees Jaratz im Buchhandel

Die Seite zum Buch

Statt 14,95 € nur noch 8,90 €
Hier bestellen

Hier geht es zum Fangedächtnis

Kees Jaratz bei Twitter

Sponsored

Bloglisten


%d Bloggern gefällt das: