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Stark gespielt, nicht belohnt und kein zögerlicher Vorstand

Eigentlich schien das Spiel nach der ersten Halbzeit schon verloren gewesen zu sein. Der Tabellenführer aus dem Süden besaß die bessere Spielanlage und ließ der Mannschaft aus dem Westen des Ruhrgebiets nur wenig Chancen. Ein Abstiegsplatz drohte. Doch nach dem zwischenzeitlichen 15-Punkte-Rückstand kurz nach der Halbzeitpause drehten die Frauen von New Basket 92 Oberhausen im Bundesliga-Spiel gegen USC Eisvögel Freiburg durch eine konzentrierte, aggressive Defense die Begegnung. Mit einem 66:61-Sieg der Oberhausenerinnen endete das begeisternde Spiel in der Willy-Jürrissen-Halle. Ein Ende voll Glück für die Heimmannschaft, was dem Verein meiner Zuneigung im Männerfußballspiel am Tag zuvor in ähnlicher Konstellation nicht vergönnt war.

Auch wenn ich als Zuschauer zum ersten Mal beim Damen-Bundesligabasketball in Oberhausen dabei gewesen bin, ich habe mich mitreißen lassen und ein wenig von dem nachgeholt, was am Freitagabend ebenfalls lange Zeit möglich schien. Begeisterung über einen Sieg gegen den Spitzenreiter. Ein kleiner Trost.

War das am Freitag gar das beste Spiel der Saison vom MSV Duisburg? Zumindest war so eine Spielkultur von der Mannschaft schon lange nicht mehr zu sehen gewesen. Sie bot abwechslungsvolle Kombinationen, variantenreiches Spiel aus dem Mittelfeld heraus und große Einsatzbereitschaft. Ihr gelang es, das Spiel selbst zu gestalten und die offensiv beginnenden Fürther so in Verlegenheit zu bringen, dass sie gezwungen waren, sich weiter zurück zu ziehen. Nach der Halbzeitpause wurden die Fürther für zehn, fünfzehn Minuten geradezu in ihrer Hälfte eingeschnürt.

Dennoch war es ein Spiel mit nur wenigen wirklichen Torchancen und Fürth steht in der Tabelle oben, weil die Mannschaft aus diesen wenigen Chancen ihr Tor machen kann. Der MSV steht am unteren Ende der Tabelle, weil die wenigen Chancen für genau dieses Tor nicht ausreichen. Wäre das Tor für den MSV gefallen, die Mannschaft hätte sich in einen Rausch spielen können.

Jürgen Gjasula zeigte auch unter Druck im Mittelfeld, was der Verein sich von ihm erhofft hatte. Er forderte den Ball, behauptete ihn und spielte jene überraschenden Pässe, die eine Abwehr vor Schwierigkeit stellt. Maurice Exslager zeigte für mich zum ersten Mal neben seinem immer vorhandenen Einsatzwillen und seiner Grundschnelligkeit jenen Mut zum risikoreichen Spielwitz, der einen Stürmer erst unberechenbar macht für seine Gegenspieler. Natürlich war nicht alles rosig, es gab bekannte Schwächen. Emil Jula etwa war eine Art taktischer Kompromiss in diesem schnellen Kombinationsspiel. Es war ein offenes Spiel, und je länger es dauerte, desto mehr fürchtete ich den einen Fehler, der dieses Spiel entscheiden würde – diesen einen Moment zu viel Raum, der einem Fürther Spieler gelassen werden könnte. In der 78. Minute passierte es, und statt der Mannschaft brach ich als Zuschauer danach vollkommen ein. Die Enttäuschung war für mich in dem Moment zu groß. Dagegen versuchten die Spieler vom MSV Duisburg mit letztem Willen in irgendeiner Weise noch ein Tor zu erzielen. Hoffnung hatte ich keine mehr. Wie sollte das bei der enger gewordenen Abwehr möglich sein, wenn es doch schon im offenen Spiel misslungen war.

Einerseits machen mir diese vergeblichen Versuche der Mannschaft Mut. Die Mannschaft brach nicht auseinander. Wenn die Spieler diese Niederlage psychisch aushalten, werden sie schwächere Gegner mit eben dieser Spielweise schlagen können. Andererseits ließen sich aber auch während des Spiels immer wieder Spuren jener Einstellung erkennen, die den Leistungswillen einer Mannschaft torpedieren. Da wird der Ball verloren, und es wird resigniert der Kopf gesenkt oder mit weit ausladenden Armen lamentiert. Das sollte strikt verboten sein. Da brauchen ein paar Leute, ich kann mich jetzt nur an die Kollegen Brosinski und Gjasula erinnern, noch einmal ein paar deutliche Hinweise.

Natürlich fehlt auch nach diesem Spiel die Zeitungskritik nicht. Als ich gestern diesen Artikel bei Der Westen überflog, las ich sofort die vorgefasste Meinung, wie der MSV Duisburg in der Abstiegsregion journalistisch zu begleiten ist. Schon die Überschrift wirkt tendenziös durch den Griff zum Klischee: „MSV Duisburg taumelt dem Abstieg entgegen.“ Gedankenlos? Bewusst? Da taumelte am Freitag nichts beim MSV Duisburg. Wenn wurde da eine Mannschaft gefällt oder was auch immer. Das ist keine beckmesserische Sprachkritik. Wirklichkeit wird auch durch Sprache gemacht. Eine taumelnde Mannschaft ist nicht mehr Gestalter des eigenen Schicksals. Davon konnte am Freitag nicht die Rede sein. Im Text selbst wird zudem am Anfang behauptet, der Vorstand handele zörgerlich. Auch das ist eine Wertung, die an der Wirklichkeit vorbeigeht. Die Wertung erfolgt mit der Begründung, die Grlic-Aussage sei als Ultimatum verstanden worden. Ja, bitte, von wem denn? Doch erst einmal nur von BILD und den Journalisten aus dem WAZ-Konzern, die in dem Absatz des Artikels so tun, als sei das jemand anders gewesen. Sie schufen also die Wirklichkeit erst, mit der sie ihre Wertung begründen. Das scheint mir wenig seriös zu sein.


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