Posts Tagged 'Offene Lesebühne'

Wenn Pflichtspielsiege Zeit fürs Platzhirsch Festival lassen

Das kennen wir schon aus den anderen zwei Jahren in der 3. Liga. Es gibt zu Beginn der Saison Pflichtspiele des MSV Duisburg, die sich nach Testspielen gegen niederklassige Gegner anfühlen. Die Gegner im Niederrheinpokal der ersten Runden spielen in den unteren Ligen des Fußballverbandes. Der Sieg  des MSV ist sehr viel mehr Pflicht, als es im DFB-Pokal bei Spielen von Erst- oder Zweit- gegen Drittligisten je der Fall sein wird. Das ist die Zeit, in der ich die Nachricht vom 7:0 Sieg wie dem gegen Post SV Solingen beiläufig registriere. Das ist die Zeit, in der Bewegtbilder von Spielen von kleineren Medien ins Netz gestellt werden, manchmal sogar von Privatpersonen.

 

 

Das ist aber auch die Zeit, in der ich mich trotz der Pflichtspiele des MSV Duisburg im selben Text um andere wichtige Angelegenheiten kümmere. In dem Fall ist das die Offene Lesebühne für Kinder und Jugendliche beim Platzhirsch Festival. Der MSV Duisburg hat für diese Lesebühne zusammen mit DU schreib(s)t einen Schreibwettbewerb veranstaltet. Zum ersten Mal konnte ich jenes Angebot, was ich seit vier Jahren in der Bezirksbibliothek Hamborn mache, auf ganz Duisburg ausweiten.

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Foto: Elisabeth Höller

Das Ganze musste recht kurzfristig organisiert werden. Deshalb wurde die Offene Lesebühne eine kleine, aber feine Platzhirsch-Premiere. Wenn junge MSV-Fans über Fußball schreiben, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass bei zeitgleichen Pflichtspielen dann doch der eigentliche Fußball Vorrang besitzt. So verhinderte das Pokalspiel gegen Solingen aber auch der eigene Einsatz bei einem Fußballturnier, dass die Teilnehmer am Schreibwettbewerb persönlich ihre Geschichte vom tollsten Fußballerlebnis vorlasen.

Mit dem Schreibwettbewerb wurde nur ein Teil der Vortragenden ausgewählt. Unabhängig vom Wettbewerb konnten Kinder und Jugendliche ihre Texte, frei in Themenwahl und Form, einsenden. Fantasy und Science-Fiction waren für die Einsender Genrevorbilder. Momentan macht sich die Stadt Duisburg ja mit Hilfe von Bürgerbeteiligung Gedanken um Identität und Image der Stadt. Wenn Sören Link und seine Imagezuarbeiter noch Anregungen brauchen, sollte er bei Sunna Schröter nachfragen. Sie schrieb eine Geschichte, in der junge Duisburger den Untergang der Welt verhindern, indem sie kartoffelförmige, zerstörungswillige Aliens mit einer Tour durch Duisburg in gute Laune versetzen.

Foto: Elisabeth Höller

Foto: Elisabeth Höller

Das Motto dieser Saison des MSV Duisburg gilt auch für die Offene Lesebühne:  „Kommt wieder!“, die Lesebühne beim Platzhirschfestival 2017, aber auch der Schreibwettbewerb. Dazu wird auch im nächsten Jahr wieder zusammen mit dem MSV Duisburg aufgerufen.

Die Offene Lesebühne als Teil des Festivals ist das eine, das andere ist das Platzhirsch Festival als Ganzes. Zum vierten Mal hat es stattgefunden. Dieses Festival bleibt ein Geschenk für die Stadt. Die Atmosphäre dort während der drei Tage wird bestimmt durch gelebtes Miteinander unterschiedlichster Menschen. Rund um den Dellplatz wird kulturelles Geschehen in seinem ureigensten Ziel erfahrbar – als Möglichkeit der bereichernden Begegnung mit Ausdrucksform und Menschen.

Man kann Musik hören, Bekanntes wiederhören, Neues kennen lernen. Man kann sich Kunst ansehen. Hin und wieder gibt es auch Formen der Literatur und des Theaters. Man begegnet Menschen. Die Atmosphäre ist leicht, freundlich und lebendig. Dieses Festival ist mit das Beste, was der Stadt Duisburg in den letzten Jahren passiert ist. Es ist nicht von oben herab organisiert. Die freie Kulturszene verantwortet dieses Festival. Das ist bürgerliches Engagement, das jede Unterstützung verdient hat. Die Duisburger kommen in Scharen. Über die drei Tage hinweg waren das eher Tausende, mehr auf jeden Fall als die Hunderte, die in der Funke-Gruppe als Headline des Platzhirsch-Artikels gefeiert werden.

Akzente inoffiziell: Heimat Duisburg – Jugendliche schreiben über ihre Stadt

Seit einigen Jahren engagiere ich mich im Duisburger Norden  für das literarische Schreiben von Kindern und Jugendlichen. Im Jugendzentrum Zitrone in Obermarxloh habe ich dabei meine Basis. Schreibwerkstätten finden regelmäßig in Kooperation mit umliegenden Schulen und anderen Einrichtungen der Jugendhilfe statt. Am Mittwochnachmittag öffne ich eine Art Literaturbüro im Jugendzentrum. Zudem bieten wir interessierten Jugendlichen im Juni und Dezember die Möglichkeit, auf einer offenen Lesebühne in der Bezirksbücherei Hamborn eigene Texte einem Publikum vorzustellen. Auf der Seite von DU schreib(s)t gibt es die Möglichkeit, Texte online zu veröffentlichen. An anderer Stelle habe ich mich schon einmal ausführlicher mit den Schreibprojekten und deren Bedeutung für die lokale Kultur befasst.

Im Laufe der Zeit haben die jungen Autorinnen und Autoren auch einige Texte über ihre Heimatstadt Duisburg geschrieben, passende inoffizielle Beiträge zum Akzente-Programm dieses Jahres.

Meine Stadt

Von Fatih, 18 Jahre

Oh Duisburg, du bist mir weit weg
die Sonne lacht mir nicht mehr.
Hier am dunklen Pollman-Eck
sieht man nur noch Straßenteer.
Unsre Vorfahren hatten es versäumt
sich gemeinsam bringen zu dem Einklang.
Doch heutzutage hat jeder ’nen Freund,
denn nur paarweise geht man zum Spaziergang
In der Nacht wird es gefährlich,
denn es herrscht Kriminalität.
Sogar die die Beamten sind ängstlich,
was die Migranten angeht.
Dennoch liegt’s mir im Herz,
denn nur du glühst mir als Kerz.

 

DUISBURG …
… Im Herzen des Ruhrgebiets

Von Yasin, 17 Jahre

Mitten im Ruhrgebiet gibt es eine Stadt, die hat ca. 500.000 Einwohner. Diese Stadt ist geprägt durch Industrie, Kultur und Stil. Eine Industriestadt, welche die Kultur und Stil miteinander vermischt. Eine Industrie mit Stil, Licht und Ansehen. Vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang ist der Horizont ein Erlebnis, die Luft anders. Die Industriewolken schweben nur vor sich hin, prägen den Horizont mit und verändern die Atmosphäre. In der Luft riecht man nicht nur Industrie sondern auch Multikulturalität. Menschen verschiedener Herkunft auf einem Haufen versammelt, ergeben eine Gemeinschaft. Die Gemeinschaft „Duisburg“ Hand in Hand. Zusammen schafft man alles, egal ob weiß oder schwarz, ob Christ oder Moslem, was zählt ist der Zusammenhalt, das Verständnis füreinander. So ist Duisburg ein Misch-Masch aus allem. Die Menschen leben miteinander und sind füreinander da, wie man es sich so wünschen mag. Das bedeutet „Duisburg”. Duisburg bedeutet nicht nur Wirtschaft, sondern Sozial. Sozial gehört auch zu Berufen. Berufe? Gibt es genug, Möglichkeiten umso mehr. Möglichkeiten die meist verschenkt oder meist genutzt werden. Jeder hat es selber in der Hand. Vom Bäcker bis zum Konditor, vom Architekt zum Ingenieur ist alles dabei. Duisburg bedeutet „Möglichkeiten“. Nicht nur Möglichkeiten sondern auch Sport und Spaß bietet die stilvolle Industriestadt. Große Parkanlagen, Sportfelder und Plätze zum Toben wo das Auge reicht. So grau der Himmel auch scheint, grün ist es immer noch am Erdboden. Junge Leute die ein breites Grinsen im Gesicht haben, sind jene, die es genießen in dieser Stadt zu leben. In dieser Stadt der Vielfalt. In dieser Grüngrauen Stadt. Vielfalt bedeutet „Duisburg“. Fortschritt, Entwicklung und Potenzial ? Das haben unsere Jungen Duisburger und älteren Unternehmer. Was ein Unternehmer denkt, vorausschaut, dass kann ein junger Duisburger schon längst, falls Menschenverstand vorhanden ist. Bunte Farben im Abendlicht zu sehen in der Industrie, glückliche Gesichter zu sehen in der Gemeinschaft, motivierte Bewegungen zu sehen, bei den jungen und alten Leuten. Nicht nur wissen was ist Duisburg sondern Duisburg erleben, bedeutet „Duisburg“.

Die folgenden zwei kurzen Gedichte sind ebenfalls von Yasin

STILVOLLE INDUSTRIE

Wo gibt es so schöne Lichter wie hier inmitten einer dunklen Industrienacht,
lasst sie einfach reden, ahnungslos wie jeder so über unsere Stadt lacht,
sind wir stolz auf uns trotz kleiner Mängel, was uns zu „Duisburgern“ macht,
denn es reicht keine Beschreibung für die Natur, die dies alles verursacht.

GRAUER HORIZONT, GRÜNE STADT,
WAS UNS SO BESONDERS MACHT,
UNSER NAME UNSER SYMBOL,
FÜR VIELFALT UND GEMEINSCHAFT,
DAS IST DUISBURG, UNSERE KRAFT!

Heimat Hamborn

Von Irem, 12 Jahre

Manchmal gehe ich auch raus, wenn es regnet.
Ich mache einen Spaziergang.
Ich sehe Menschen, die um mich herum sind.
Ich sehe die grüne Döner-Bude.
Ich laufe über die Steine, über die auch die Autos fahren.
Das große Askania-Haus sieht auch im Regen wunderschön aus.

Heimat Hamborn

Von Alina, 13 Jahre

Hier in Hamborn wohnen Affen,
die ihr ganzes Leben lachen.
Ein Ohr hier, ein Ohr dort.
Sie bleiben alle und gehen nicht fort.

Sieht man in den Himmel rauf,
dann fliegt man hoch hinaus.
Niemand läuft wie jede Maus.

Von jedem das schiefe Grinsen.
Es regnet jetzt Linsen.
„Macht den Regenschirm auf!“
Nach Hause, ich lauf’

Alle Affen lachen,
doch ich kann nichts machen.
Niemand hört mehr auf.
Ich gehe schnell nach Haus.

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