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Erfahren neben jung und hungrig auf allen Ebenen

Anhängern anderer Vereine muss das komisch vorkommen, wenn die Verpflichtung eines Pressesprechers mich hinsichtlich der sportlichen Perspektiven des MSV Duisburg zuversichtlich stimmt. So ein Pressesprecher schießt schließlich weder Tore noch verhindert er welche. Ich will das kurz erklären. Seitdem Roland Kentsch als Geschäftsführer beim MSV Duisburg tätig ist, gibt es Anzeichen für eine veränderte Vorstellung von der Verwaltungsarbeit beim MSV Duisburg. Wir Manager sagen ja zu Vorstellung wie die WM-Kahns gerne auch Philosophie. Diese Philosophie hieß bislang, wir haben immer große Ziele und geben dafür Gas. Bei Mitarbeiterverpflichtungen ist nun eine fußballspezifische Perspektive des Berufslebens als Antriebsstoff für das Gasgeben erkennbar, die wahrscheinlich den Kontakten von Roland Kentsch zu verdanken ist. Alleine durch die Ausrichtung auf den Fußball als Geschäft verändert sich die Grundlage für das Arbeiten im gesamten Verein.

Mit Martin Haltermann kommt nun der langjährige Pressesprecher des 1. FC Nürnberg zum MSV Duisburg und bringt seine Erfahrung mit nach Duisburg. Bei seinem Abschied in Nürberg werden Martin Haltermann lobende Abschiedsworte des Geschäftsführers und Vizepräsidenten des 1. FC Nürnberg Ralf Woy hinterhergerufen. Wenn ich in der Nürnberger Zeitung also lese, Martin Haltermann habe den FC Nürnberg „mit seiner Arbeit hervorragend begleitet“, dann freut es mich, so einen Mann in den Reihen meines Vereins zu wissen. Wenn ich mir zudem noch den Online-Auftritt vom 1. FC Nürnberg ansehe, erkenne ich, da hat jemand bis vor kurzem etwas mitverantwortet, was einen deutlich größeren Klassenunterschied aufweist als die eine Liga, die den 1. FC Nürnberg vom MSV Duisburg im sportlichen Bereich trennt.

Ich kenne natürlich die Beharrungskraft des Bestehenden, aber mit Martin Haltermann wird ein Pressesprecher in den Verein geholt, der genügend berufliches Selbstbewusstsein entwickelt haben müsste, eigene Vorstellungen seiner Arbeit in die bestehenden MSV-Machtverhältnisse der Verwaltung einbringen zu können und so die Außendarstellung des MSV Duisburg damit wettbewerbstauglich zu machen.  Als Stellvertreterin wird Ina Bräutigam ihren Dienst antreten, die einen BA-Studienabschluss in Public Relations vorweist und den MSV Duisburg durch ein Praktikum kennt. Diese Personalkonstellation in der Presseabteilung erinnert mit der Kombination von Erfahrung und Jugend an die Mannschaft des MSV Duisburg der nächsten Saison.

Es kommt also ein Pressesprecher mit Renomée aus einem Verein mit einem vergleichbaren Niveau in sportlicher Hinsicht aber mit einem besseren Umfeld. Deshalb berührt in meinen Augen diese Personalfrage auch die sportliche Zukunft des MSV Duisburg. Es zeichnet sich ein höhere Anspruch an die Kompetenzen der Mitarbeiter im Verwaltungsbereich ab. Man kann das als Versuch deuten, den Verein auf der Verwaltungsebene für den Wettbewerb zu stärken. So eine Stärkung auf Verwaltungsebene bleibt aber sinnlos, wenn die sportliche Perspektive nicht stimmt. Deshalb wirken solche Personalfragen auf der Verwaltungsebene auch auf meine Hoffnung, wenn ich an die sportlichen Möglichkeiten der Zukunft denke. Womöglich kristallisiert sich bei allen sonstigen Beweggründen für den Personalwechsel mit solchen Personalentscheidungen der Ehrgeiz von Roland Kentsch heraus. Mir gefiele das.

Doch nicht nur auf Verwaltungsebene geht der Personalwechsel weiter. Auch in Reihen der sportlich Verantwortlichen kommt mit Oliver Reck ein neuer Mann und ersetzt Torwart-Trainer Manfred Gloger. Interessant wäre die Antwort auf die Frage, ob Roland Kentsch mit dieser Entscheidung mehr zu tun hatte, als die finanziellen Modalitäten abzusichern. Das werden wir nicht erfahren, das gäbe aber einen Hinweis darauf, wie die Zusammenarbeit der Führungsebene funktioniert.

Ob Oliver Reck bessere Arbeit leisten wird, als es Manfred Gloger bislang gemacht hat, weiß ich nicht zu beurteilen. Dennoch lässt sich auch diese Personalie mit dem Anspruch auf mittelfristigen Erfolg verbinden. Eins ist nämlich gewiss, Oliver Reck hat einen größeren Namen in diesem Geschäft als Manfred Gloger. Er kennt andere Personen und hat deshalb andere Möglichkeiten zu agieren.

Wenn wir demnächst allerdings hören, einer der erfahrensten Gefahrguttransporter-Fahrer Deutschlands werde den MSV-Bus in der nächsten Saison fahren, werden ich zu zweifeln beginnen. Vielleicht steht eigentlich Milan Sasic hinter sämtlichen Personalentscheidungen dieses Vereins? Träfe das zu, bewiese Milan Sasic einen langen Atem und zeigte sich beim Bohren dicker Konfliktbretter als sehr hartnäckig. Was mich andererseits trotz meines Bedauerns über diese Art Konfliktlösung ebenfalls zuversichtlich stimmen würde. Das könnte heißen, stimmen erst einmal alle Bedingungen für Milan Sasic, und das wären nach Entwicklung der Dinge vor allem die zu seiner Persönlichkeit passenden Menschen, dann könnte er sich auf die sportlichen Ziele konzentrieren und nichts würde seine Energie mehr ablenken. Das Leben ist schon ganz schön kompliziert, nicht nur wenn es ans Hoffen geht.

Der Umbruch – Fortsetzung folgt in der Presseabteilung?

Im MSVportal wird es schon weitergesagt, der Pressesprecher des MSV Duisburg Sven Judith wird am 30. Juni zu seinem letzten Arbeitstag für den Verein antreten. Diese Nachricht führt im MSVportal auch zu Überlegungen und Bewertungen der Pressearbeit des MSV Duisburg im Allgemeinen und der von Sven Judith im Besonderen.

Als Grundlage für diese Bewertungen wird allerdings weniger die Pressearbeit selbst genommen als die Öffentlichkeitsarbeit. Das ist verständlich, weil beide Aufgabengebiete nur allzu oft in einer einzigen Organisationseinheit eines Unternehmens zusammen gefasst sind und öffentliche Auftritte von Unternehmensmitarbeitern sehr oft vom Pressesprecher begleitet werden. Dennoch handelt es sich um unterschiedliche Kompetenzbereiche, und ich habe nicht den Eindruck, dass die Presseabteilung des MSV Duisburg in die die Konzeption der Öffentlichkeitsarbeit eingebunden ist. Was direkt die Frage anschließt, wer verantwortet die Öffentlichkeitsarbeit vom MSV Duisburg? Auf mich wirkt es so, als sei diese Verantwortung vor allem in der Marketingabteilung verortet. Was ganz sicher die falsche Stelle wäre, da das Marketing nur Teilaufgaben der Öffentlichkeitsarbeit übernehmen kann. Die Verantwortung für Strategie und  Konzept muss eine Hierarchiestufe höher angesiedelt werden und damit bei der Geschäftsführung. Das wirft sofort die nächste Frage auf. Gibt es dort Zeit und Wissen, sich um ein – so meine ich – weiterhin zu entwerfendes Konzept für die Öffentlichkeitsarbeit zu kümmern? Bis zum Beweis des Gegenteils bleiben mir erst einmal Zweifel. Aber wenn Roland Kentsch morgen die Finanzfragen endgültig geklärt hat, kann er sich ja neuen Aufgaben widmen.

Was die Pressearbeit selbst angeht, so lässt sich aus meinen Erfahrungen sogar schließen, erst seit Sven Judith die Alleinverantwortung für die Pressearbeit des MSV Duisburg übernommen hatte, ist diese Presseabteilung überhaupt erreichbar gewesen. Ich weiß nicht, wofür Tobias Günther sein Geld bekommen hat. Anfragen zu bearbeiten gehörte anscheinend nur dann dazu, wenn diese Anfrage per Mail mehrmals in immer drängenderem Ton gestellt wurde und schließlich in Kopie auch an die Geschäftsführung ging. Telefonisch war er ohnehin so gut wie nie erreichbar. Schlecht für die Außenwirkung des MSV Duisburg, dass Tobias Günther der alleinige Ansprechpartner für diese Anfragen war.

Ich kann nicht beurteilen, ob der Kontakt mit den Journalisten vor Ort besser gewesen ist, ungeachtet dessen gehört auch die sofortige Bearbeitung von auswärtigen Anfragen zur Aufgabe einer Presseabteilung. Erst seit Sven Judith alleine verantwortlich war, funktionierte das reibungslos. Zudem muss man daran erinnern, Sven Judith ist nie offiziell zum Pressesprecher des Vereins gemacht worden. Er war bis zum Weggang von Tobias Günther für die externe Kommunikation nicht verantwortlich, und eigentlich hätte von Seiten des Vereins gehandelt werden müssen. Entweder hätte die offene Position neu besetzt werden müssen, oder Sven Judith hätte eine neue Nummer zwei an der Seite gebraucht.

Was ich somit beurteilen kann, ist die verbesserte Außenwirkung der Pressearbeit seit Sven Judiths Übernahme der Aufgabe. Intern hat es ja anscheinend einen Konflikt mit Milan Sasic gegeben. Dieser reihte sich ein in die vielen anderen Konflikte vom Trainer mit Angestellten in unterschiedlichen Bereichen des Vereins. Ob aus diesem Konflikt Irritationen zurückgeblieben sind, sei dahin gestellt. Beim MSV Duisburg sollte sich die Führungsebene aber bewusst sein, dass die Neubesetzung der Stelle des Pressesprechers eine Gelegenheit wäre, sich noch einmal grundsätzliche Gedanken zur Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Vereins zu machen.

Der Sieg wird eine Familie zusammenführen

Erst verbreitet sich ungläubiges Staunen über die Gesichter, dann ist ein unbändiges Rufen der Freude zu vernehmen, fünf Menschen fallen sich in die Arme und über sämtlich vorhandene Wangen rinnen die Tränen des Glücks. So toll ist es gestern hier noch nicht zugegangen, aber eine Geschichte voll von solchen emotionalen Momenten könnte ich vielleicht erfinden und damit passend zur Vorweihnachtszeit dem MSV Duisburg einen herzenserwärmenden  Auftritt in den menschelnden Ressorts der deutschen Medienlandschaft schenken, eine Geschichte, die diesen Verein in ganz Deutschland in strahlend hellem Licht erscheinen lässt.

Gestern ist nämlich die Entscheidung gefallen. Nach diesem Sieg gegen die SpVgg Greuther Fürth werde ich mir das Auswärtsspiel in Paderborn ansehen. Dort werde ich Schwager und Schwägerin nebst Kindern treffen, die ich zuletzt im Sommer gesehen habe. Was ich aber für die medienwirksame Geschichte tunlichst verschweige. Stattdessen werde ich erzählen, wie uns vor Jahren ein entsetztlicher Stau auf der A2 bei der Rückfahrt von einem Familientreffen in Wolfenbüttel getrennt hat. Das letzte, was ich von dieser Familie damals sah, war das verzweifelte Winken kleiner Kinderhände aus den hinteren Fenstern des Autos, als ich von der A2 abfuhr, um die Umleitungsstrecke zu nehmen, während meine Schwägerin, auf der Mittelspur, abgeschottet von zwei langsam rollenden Lkws neben ihr, nicht mehr die Spur wecheln konnte.

Ich werde Anfang Dezember erzählen, wie dieses Wiedersehen nur deshalb geschah, weil zwei Wochen zuvor, der MSV Duisburg ein Spiel zeigte, wie es in dieser Form nicht zu erwarten gewesen war. So viele Verletzte hatte es gegeben, und ich werde im Nachhinein noch einmal diesem „letzten Aufgebot“ dankbar sein. Ich werde erzählen, dass ich mit einem Unentschieden zufrieden gewesen wäre, auch wenn ich natürlich auf einen Sieg getippt hatte, um die Götter zum Beistand zu zwingen.

Ich werde erzählen, wie meine Fahrt nach Paderborn am seidenen Faden gehangen hat, als ich fassungslos hören musste, dass ein Elfmeter für Fürth gepfiffen wurde – zehn Minuten vor Spielende. Dann dieser erleicherte, freudige Ausruf von Marco Röhling. Über das Tor geschossen! Ja! Und ebenso könnte ich erzählen, wieder einmal schafft es der MSV Duisburg nicht bei all seinen Kontern ein zweites, beruhigendes Tor zu erzielen. Im Gegenteil, eine letzte Fürther Großchance bahnte sich an, so deutlich war es an Marco Röhlings immer hektischerem Sprechen erkennbar. Doch auch dabei erwies sich der Fürther Spieler als Chancentod.

Nach dem Schlusspfiff schließlich wusste ich, dieser Weg nach Paderborn ist mir nicht zu weit. Ich könnte dann von meiner Hoffnung erzählen, neben dem nächsten Auswärtssieg vielleicht auch noch Hinweise auf den Verbleib der so lange vermissten Familienmitglieder zu finden. Was für eine rührende Geschichte! Flankierende Maßnahme wird so etwas  in den Sprachformeln der Politik gerne genannt. Denn Bruno Hübner möchte tatsächlich sehr intensiv an der Außendarstellung des Vereins aller Vereine arbeiten. Auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen SpVgg Greuther Fürth fand er grundsätzliche Worte zum Umgang des Vereins mit den Medien und den Fans. Es bestätigt sich mein Eindruck, der Mann weiß um die Bedeutung von Öffentlichkeitsarbeit. Er braucht Unterstützung!

So kann man sich täuschen

Das sind meine Worte von gestern:

„Heftige Differenzen“. Sind diese Worte wohl gewählt, wird Uwe Speidel wohl nicht mehr allzu lange dem Trainerteam angehören. Zwischen wem sonst als ihm und dem neuen Trainergespann soll es heftige Differenzen gegeben haben? Etwa mit Manfred Gloger, der Tom Starke den Ball anders zuwerfen soll als früher? Wohl kaum.

So kann man sich täuschen. Bei Der Westen lese ich also, Manfred Gloger wurde abgemahnt. Nun kann ich also von einem Bild dieser heftigen Differenzen erzählen, das ich gestern beim Schreiben ständig im Kopf hatte. Gestern schien es mir nur unpassend, dieses Bild öffentlich zu machen. Dieses Bild schien mir wie ein billiger Gag auf Kosten von Manfred Gloger, ein Gag, der nur der Unterhaltung der Leser diente und nicht einem Erkenntnis fördernden Interesse. Das glich mir viel zu sehr jener personenkonzentrierten, stimmungsmachenden und faktenlosen  Berichterstattung des Sportjournalismus, die mir überhaupt nicht gefällt.

Ich sah also gestern beim Stichwort „heftig“, Manfred Gloger mit wüstestem Schimpfen einen Ball in Richtung Milan Sasic schießen. Manchmal kommen solche Gags also der Wirklichkeit nahe. Zunächst aber dachte ich, Uwe Speidel müsse als Co-Trainer mit den größeren Kompetenzen unter den verbliebenen zwei Trainern derjenige sein, der sich am ehesten mit den offensichtlich unterschiedlichen Vorstellungen der neuen Trainer auseinandersetzt. Doch dann kam mir ständig jener Manfred Gloger aus der 10. Folge von „Mitten in Meiderich“ in die Quere. Ihn konnte man dort als einen Menschen erleben, der eine deutliche und, vorsichtig formuliert, rustikale Sprache spricht. Man konnte vermuten, so eine Sprache bringt einen Menschen in Schwierigkeiten, wenn er sie in Konflikten benutzt. Nirgendwo sonst gab es eine Person beim MSV Duisburg, die ich eigentlich mit dieser Sprachformel des Journalismus für ein grundsätzliches Zerwürfnis, den „heftige Differenzen“, in Verbindung bringen konnte.

Ob es nun für diese heftigen Differenzen Meinungsunterschiede inhaltlicher Art gibt, wissen wir noch immer nicht. Bislang wirkt das Ganze eher so, als ob Milan Sasic seit seinem Engagement in Kaiserslautern seine sozialen Fertigkeiten nicht viel verändert hat. Was zu lesen ist, gleicht jenen Streitgeschichten, die die Fans dort in ihrem Forum erzählten. Was mir Sorge bereitet, ist aber außerdem folgende Formulierung im NRZ-Artikel, die die eigentliche Nachricht einleitet: „Wie die Redaktion aus informierten Kreisen des Vereins erfuhr“.

Mit diesem Satz wird wieder deutlich, zum einen gibt es innerhalb des Vereins nicht nur informierte Kreise sondern auch interessierte Kreise und zwar mit einem Interesse, das nicht ganz auf der gegenwärtigen vorgegebenen Linie liegt. Damit zusammen hängt der erneute Eindruck, die Verantwortlichen im Verein ergreifen nicht sämtliche notwendigen Maßnahmen, um eine Einheit im Verein selbst herzustellen und eine Einheit mit allen am Verein interessierten Menschen. So eine Einheit, und zwar nicht nur die der Mannschaft, ist erfolgsfördernd! Ich mag naiv sein, aber dennoch sei gesagt, eine Einheit, die dauerhaft sein soll und nicht von jedem kleinen Rückschlag wieder in Frage gestellt wird, so eine Einheit ist nur durch Kommunikation herstellbar. Intern und nach außen! So eine disziplinarische Maßnahme darf nicht als informelle Mitteilung durch irgendwelche nicht genannten Quellen der Redaktion zugespielt werden. So etwas muss von Vereinsseite offensiv vertreten und erklärt werden. Erst dann kann Einheit stehen. In jedem anderem Fall hilft nur dauerhafter Erfolg.

Nachtrag: Gerade erst komme ich zum Lesen dieses Artikels im RevierSport, in dem Bruno Hübner versucht, dem Geschehen die Dramatik zu nehmen. Was er erzählt, klingt tatsächlich weniger spektakulär als die NRZ-Geschichte. So eine Stellungnahme erhoffe ich mir demnächst früher, dann kommt es gar nicht erst zum Wirken von „informierten Kreisen“.

Bündnis „Zukunft durch Vertrauen“ bereits aufgelöst?

Sollte es tatsächlich das Bündnis der Duisburger Sportjournalisten „Zukunft durch Vertrauen“ gegeben haben, hat es sich mit dem heutigen Tag bereits wieder aufgelöst. Heute lese ich bei  Der Westen ein paar Sätze zur Vorbereitung der Mannschaft des MSV Duisburg auf das Spiel gegen Fürth und habe schließlich das altbekannte Gefühl, so richtig rund läuft es beim Verein aller Vereine nicht.

Anscheinend wohnen zwei Seelen in Dirk Retzlaffs Brust. Noch immer möchte er Normalität beschreiben, wenn er darauf hinweist, „dass sich alle Beteiligten naturgemäß erst noch mit den neuen Begebenheiten arrangieren müssen.“ Doch schon im nächsten Satz ziehen ein paar dunkle Wolken auf: “ So etwas geht nicht immer reibungslos über die Bühne.“ Dem können wir uns noch anschließen und denken an sachliche Auseinandersetzungen über jenes Training, das der Mannschaft in den nächsten Wochen zum Erfolg verhelfen soll. Doch der letzte Satz des Artikels entlässt uns einmal mehr in die ohnmächtige Ratlosigkeit: „Dem Vernehmen nach soll es innerhalb des nunmehr neu formierten Trainerteams bereits heftige Differenzen gegeben haben.“

Das klingt beunruhigend.  „Heftige Differenzen“. Sind diese Worte wohl gewählt, wird Uwe Speidel wohl nicht mehr allzu lange dem Trainerteam angehören. Zwischen wem sonst als ihm und dem neuen Trainergespann soll es heftige Differenzen gegeben haben? Etwa mit Manfred Gloger, der Tom Starke den Ball anders zuwerfen soll als früher? Wohl kaum. Nach so einem Satz ist die Presseabteilung des MSV Duisburg sofort gefragt. Solche Worte dürfen nicht nachhallend im Raum stehen bleiben. Das sind Sätze, die gute Stimmungen töten. Solche Differenzen müssen erklärt werden und zwar mit Fakten über die „Differenzen“ und  nicht mit ausweichenden Beschwichtigungen nach dem Motto, wir haben uns in Wirklichkeit alle lieb und es ist überhaupt nicht so schlimm gewesen.

Die Medien und Peter Neururers Drohung

Zeit für ein wenig Medienkritik. Im Verlauf der Woche berichtete die überregionale Presse von Peter Neururers Ankündigung zurückzutreten, falls die Mannschaft des MSV Duisburg gegen den 1. FC Union Berlin erneut keine ausreichende Einsatzbereitschaft zeigt. Sogar kleinere Zeitungen überall in Deutschland griffen die Agenturmeldung zu den Artikeln in Bild-Zeitung und Sport-Bild auf. Überfliegt man diese Berichterstattung in den außerhalb des Ruhrgebiets erscheinenden Medien, kann man sich des Eindrucks fast überall nicht erwehren, die Mannschaft des MSV hat sich etwas schwer zuschulden kommen lassen und der Trainer hat damit nichts zu tun. An dieser Stelle habe ich es schon mehrmals geschrieben. Wie gut Peter Neururer seine Mannschaften trainiert vermag ich weniger genau zu beurteilen als seine PR-Kompetenz. Es gibt in Deutschland nicht viele in der Öffentlichkeit stehende Personen, die Öffentlichkeitsarbeit selbst verantworten und das Metier derart beherrschen. Peter Neururer weiß, was er wem sagen muss, damit öffentliche Meinungen entstehen.

Diese außerhalb des Ruhrgebiets stattfindende Berichterstattung wirft kaum die Frage auf, ob Peter Neururer für seine Ankündigung nicht auch weitere Motive gehabt hatte. Gestern habe ich im Tone dieser Sportberichterstattung über Peter Neururer kund getan, dass ich heute Abend nicht ins Stadion gehe und stattdessen ein Konzert besuche. Die von mir vorgebenene Deutung des Konzertbesuchs lässt andere Fragen vergessen. Die andere Wahrheit lautet aber so: Im Juni stand die Frage an, ob ich Konzertkarten für mich und meinen Sohn für den heutige Abend kaufen wollte. Im Juni gab es nicht mal einen Spielplan für diese Saison. Nun kann ich angesichts des Saisonverlaufs dem unter anderen Bedingungen gefassten Vorhaben eine neue Deutung geben. Die ist nun nicht ganz falsch, ganz richtig ist sie aber auch nicht. Vielleicht hätte ich die Karte versucht zu verkaufen, wenn es das Spiel des zweiten gegen den dritten gewesen wäre? Persönliches Interesse besitzt also Entwicklungsfähigkeit. Natürlich geht es Peter Neururer  um den MSV, es geht ihm aber auch verständlicher Weise um sich selbst. In welchem Verhältnis das zueinander steht, ist aber die Frage und die kann nur er selbst beantworten. Erfolg seiner Mannschaft ist wahrscheinlich keine kleine Einflussgröße für seine Haltung.

Wenn Peter Neururers eigene Interessen und die des Vereins aber nicht mehr ganz deckungsgleich sind, wird es schwierig mit seinen Versuchen, sich in den Medien in gutem Licht zu positionieren. Die Journalisten vor Ort haben das ganz gut erkannt. So sieht Thorsten Richter in diesem Kommentar im RevierSport, wie Peter Neururer die erworbenen Sympathien nun verspielt.  Auch Dirk Retzlaff in der NRZ merkt man seine Vorbehalte an, Bernd Bemmann wird in der Rheinischen Post einem Kurzkommentar noch deutlicher, er hält den Trainer für „untragbar“.

Doch die nächste Stufe der Öffentlichkeitsarbeit hat Peter Neururer bereits erklommen. Zum Ende der Woche begann für ihn die Nachbearbeitung der Meldungen zum angekündigten Rücktritt mit Hilfe der überregionalen Sportpresse. Im Interview in 11 Freunde und dem Kicker betont er, seine Worte seien nicht Drohung gewesen sondern Motivationshilfe. Was ich von derartiger Motivation halte, habe ich bereits gesagt. Im Fußball kann dennoch plötzlich alles wieder gut werden. Per SMS werde ich heute Abend auf dem Laufenden gehalten. Die Musik der WDR-Bigband ist laut genug, um leise zu jubeln.

Während PR-Offensiven baut der kluge Trainer vor

In den Sommerwochen zwischen den Spielzeiten sehe ich mich immer wieder gezwungen, für meine Texte Anleihen bei den Kollegen aus dem Wirtschafts- und Politikressort zu nehmen. Auch alle anderen Fans betrachten mit solchen übergreifenden Perspektiven ihren Verein, selbst wenn sie sich darüber nicht im klaren sind. Für Artikel über die zukünftige Wirtschaftslage etwa werden Wirtschaftsdaten mit Expertenstimmen zu einer unterhaltsamen Prognose zusammengemischt, und nichts anderes geschieht, wenn wir uns über die Aussichten des MSV Duisburg in der nächsten Saison Gedanken machen. Bislang erzielte Tore von neu erworbenen Stürmern werden in Bezug gesetzt zu der möglichen Abwehrleistung und Aktivitäten der sportlichen Leitung werden auf ihre den Erfolg unterstützende Wirksamkeit genauestens abgeklopft.

Bei Texten über Vereine wie dem MSV Duisburg kommt aber auch noch die Politik ins Spiel. Denn wie in der Großen Koalition geht es innerhalb der sportlichen Führung auch immer um die Frage nach der groben Richtung und der Zuschreibung von Verantwortung. Zurzeit erleben wir eine PR-Offensive der Verwaltungsebene. Bruno Hübner verwandelt nicht nur die PR-Vorlagen der eigenen Leute, er stellt sich wie hier im Reviersport-Interview auch dem halbwegs kritischen Journalismus oder gibt wie hier in der NRZ dem nachfragenden Journalisten Auskunft. Sogar Ivica Grlic erhält einen Interview-Termin mit der Rheinischen Post. Die Grundhaltung allerorten ist Zuversicht. Ich habe es bereits gesagt, solche Aktivitäten kommen ein wenig spät und wirken nachgeschoben. Dadurch erscheint Bruno Hübners Handeln weniger planvoll. Das wäre  sogar dann so, wenn etwas genau so gekommen ist, wie es gewünscht war. Das Misstrauen wird auf diese Weise also nur ein wenig geringer. Wir Fans suchen nach weiteren Zeichen, die uns zuversichtlich stimmen könnten.

Peter Neururer ist da auch keine große Hilfe. Im Netz steht das NRZ-Interview mit Peter Neururer nicht, da gibt es nur den Kommentar zur DFB-Pokalauslosung, die nebenbei gesagt nicht die angenehmste ist. Offline aber habe ich am Samstag ein Interview mit Peter Neururer in der NRZ gelesen, bei dem ich erneut seine Fähigkeit bewundert habe, sich in Szene zu setzen und zu versuchen, das eigene Bild in der Öffentlichkeit zu steuern. Grundsätzlich zeigt er sich loyal gegenüber dem Verein aller Vereine und erklärt mit allgemeinen Worten über finanzschwache Vereine noch einmal die misslungene Weiterverpflichtung von Markus Brzenska. Dann aber geht es um Perspektiven und da geht es natürlich auch um die Verantwortung für den Fall, dass in Zukunft etwas nicht so läuft wie gewünscht. Und was sagt Peter Neurer zu möglichen Spielerverpflichtungen auf die Frage, wer solle denn noch kommen:

Namen will ich in der Öffentlichkeit natürlich nicht diskutieren. Aber vollkommen klar ist, dass wir nach dem Weggang von Cedrick Makiadi noch einen Stürmer brauchen. Andererseits müssen wir noch Transfererlöse erwirtschaften. Aber aus diesen administrativen Dingen halte ich mich raus.

Das steht keineswegs im Widerspruch zu der „engen Abstimmung“, die es zwischen Peter Neururer und Bruno Hübner ja geben soll. Aber so ein Satz gibt Peter Neururer die Möglichkeit, später Verantwortung zurück zu weisen. So ein Satz ist gute Politiker-Tradition, nach dem Motto, wir haben da unsere Vorstellungen, aber das fällt in den Verantwortungsbereich des Koalitionspartners. Deshalb will Peter Neururer auch noch nichts über die Saisonziele sagen. Ob der Aufstieg ein realistisches Ziel sein kann, das weiß er erst Anfang August, wenn der Kader steht. Und damit es auch keiner vergisst: Aus diesen administrativen Dingen hält er sich ja raus. Sportliche Belange finden später statt.

Zu spät, um die Wogen zu glätten?

So könnte das mit der Öffentlichkeitsarbeit funktionieren, wenn jemand beim MSV die Idee früher gehabt hätte, das Geschehen der letzten Zeit sollte doch auch einmal erklärt werden. Bruno Hübner wird dazu vorgeschickt. Was eigentlich sinnvoll ist, aber nur zur halben Wahrheit führt, wenn er über die misslungene Verpflichtung Markus Brzenskas erzählt. Wir kennen eine andere Geschichte zu dem Geschehen und dazu kann er verständlicher Weise keine Stellung beziehen. Sonst müsste er über Machtverhältnisse im Verein reden und über konzeptionelles Arbeiten unter erschwerten Bedingungen. Und so färbt dieser verschwiegene Teil der Wahrheit auf alles andere ab, was Bruno Hübner erzählt. Ohne dieses andere Wissen würde das nämlich sehr vernünftig und überlegt klingen. Erst das nicht Ausgesprochene mindert das Vertrauen in Hübners Worte. Solche Stellungnahmen führen dann zu Zeitungsartikeln bei der NRZ, die die Wogen glätten könnten und verhinderten Artikel wie bei der Rheinischen Post, die den MSV einmal mehr als Verlierer dastehen lassen. Noch ist nämlich alles Meinung, und das Unberechenbare des Fußballs führt immer wieder auch zu zeitweiligem Erfolg trotz der verbesserungswürdigen Arbeit eines Vorstandes.

Mitten in Meiderich – Folge 5

Für „Mitten in Meiderich“ zeichnet sich der stete Wechsel zwischen schlechter und guter Folge ab. Spielt der MSV zu Hause, folgt ein ansehlicher Clip, nach den Auswärtsspielen die Clips konnte man sich bislang schenken. Über die Gründe spekuliere ich gerne, und vielleicht folge ich bei Gelegenheit dem journalistischen Ethos und überprüfe meine Vermutungen ganz einfach durch eine kurze Nachfrage in der Redaktion. Vorher aber genießen wir noch eine Weile die Macht des journalistischen Verdachts.

Ich glaube nämlich, man ist der Ansicht, die Produktionskosten für das Material im Vorfeld der Auswärtsspiele sind zum einen zu hoch für das vorhandene Budget, zum anderen erfordert der Dreh auswärts trotz des leicht handhabbaren Arbeitens mit der Videoausrüstung einen viel höheren logistischen Aufwand als der Dreh auf heimischen Terrain. Da müsste vielleicht recherchiert werden und vor Ort gibt es immer die Gefahr von Unwägbarkeiten, die ohne das Wissen über lokale Gegebenheiten geklärt werden müssen. All das ist in Duisburg unnötig, da gibt es den direkten Draht zum Verein und schnelle Hilfe, wenn etwas für die Produktion erforderlich ist. Deshalb behilft man sich bislang mit Notlösungen nach den Auswärtsspielen.

Aber da der Spielplan am letzten Wochenende ein Heimspiel vorsah, das zudem souverän bestritten wurde, wird dieses Mal der Vorhang wieder etwas beiseite geschoben. Wir sehen 6 Minuten 47 Sekunden, in denen die Stunden vor dem Spiel gegen TSV 1860 München in den Blick genommen werden. Angefangen vom morgendlichen Training am Spieltag über die Frage, was macht Zeugwart Manfred Piwonski in der Umkleidekabine?, bis hin zur flüchtigen Begegnung der Mannschaft mit dem Karneval im Hotel vor dem Mittagessen. Dazu erleben wir eine wenn auch kurze, aber elegante Kommunikationsoffensive für die Fans durch ein Gespräch zwischen Peter Neururer und  Bruno Hübner, das eher Neururer-Monolog ist. Kommunikationsoffensive deshalb, weil sich so ein Gespräch natürlich nicht ergibt, sonder für die Kamera gewollt ist und darum die Inhalte natürlich von besonderer Bedeutung sind, wenn sie sich auf die Situation im MSV beziehen. Deshalb ist diese Art Öffentlichkeitsarbeit auch so elegant, weil hier indirekt die Bedingungen für die Arbeit thematisiert werden und diese in Bezug zu den Erwartungen der Fans gesetzt wird. Ich sagte es schon einmal, in Sachen PR ist Peter Neururer ein Naturtalent. Das meine ich nicht abschätzend. Alles, was er sagt, vermittelt, wir wissen, was wir tun und wir kennen ebenfalls die verständlichen Meinungen und Sehnsüchte der Fans. Was das jetzt für die Arbeit selbst bedeutet, ist schon nicht mehr ganz so verständlich. Wichtig ist aber ohnehin der vermitteltet Eindruck, wir kümmern uns. Da dürfen nach dem 4:1-Sieg auch ein paar abschließende launige Worte von Peter Neururer nicht fehlen.

Nächste Woche geht es nach Aachen. Das ist ja nicht ganz so weit von Duisburg entfernt wie etwa Rostock und vielleicht muss ich meine Vermutungen zur Beziehung zwischen Clip-Qualität und Auswärtsspiel danach dann ändern. Vielleicht, so hoffe ich sogar, gibt es den schlechten Clip ja nur nach Auswärtsspielen ab einer Entfernung von über 150 Kilometern?

Eine Anekdote aus dem Hause Neururer

Wer kennt sie nicht die Geschichten von verlorenen Daten und diesem Gefühl der vergeblichen Arbeit. Auch im Hause Neururer verschwanden sie einst, wie er selbst bei „11 Freunde“ erzählt. Was nicht weiter erwähnenswert wäre, wenn sich hier nicht zudem der akribische Arbeiter und Vordenker öffentlich zeigte. Ein gelungener Dreh, wie mit einem uns allen bekannten Versagen – wenn auch nur in Teilschuld –  zugleich Sympathie und Respekt gewonnen werden kann. Für so was brauchen andere teure PR-Berater. Wenn er beim Training mit dem Verein aller Vereine nur halb so gut ist wie mit der Außendarstellung seiner Person, wird das was  mit der Rückrunde!


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