Posts Tagged 'Oliver Reck'

Findet Kosta Runjaic auf dem Mittelweg Erfolg?

Gestern ging mir beim Schreiben über Kosta Runjaic zu dessen möglichem Erfolg beim MSV Duisburg ein Gedanke durch den Kopf, den ich für zu banal hielt, um ihn in einem Satz stehen lassen zu können. Viel mehr passte aber erstmal nicht in den Text, vielleicht fiel mir auch nur das passende nicht ein. Heute gibt mir Jürgen Klopp in einem langen und sehr lesenswerten Interview mit dem Tagesspiegel die Gelegenheit doch noch auf diesen Satz zurückzukommen. In einem Teil des Interviews geht es um den Nutzen der immer umfassender erhobenen Daten eines Fußballspiels. Wir steigen ein mit einer Bemerkung der Journalisten Lorenz Maroldt und Norbert Thomma:

Eine Untersuchung aus England sagt, die gefährlichsten Eckbälle sind „inswinger“, also solche auf den kurzen Pfosten.

Schön, das hätte ich Ihnen auch aus dem Bauch raus sagen können. Diese Erkenntnis gibt mir nicht viel. Denn ich muss einen Plan an den Fähigkeiten von Spielern orientieren und nicht an statistischen Gesetzmäßigkeiten.

Gestern ging mir genau diese Zusatzbedingung für den erhofften Erfolg von Kosta Runjaics Arbeit durch den Kopf. Seine unzweifelhaft vorhandene fachliche Kompetenz reicht nur bedingt.  Entscheidend wird sein, wie es ihm gelingt seine Vorstellungen vom Spiel mit den Fähigkeiten der Spieler in Einklang zu bringen.

Rückblickend scheint es mir so, dass Milan Sasics taktische Vorgaben einige Spieler überforderten  und er keinen angemessenen Umgang mit diesem Ungenügen fand. Ich vermute, Oliver Reck fand diesen Umgang, war aber begrenzt in seinen Fähigkeiten, die Spieler in ihren Möglichkeiten über das hinaus zu bringen, was sie im Zusammenspiel können und was für ein Bestehen in der 2. Liga nicht ausreicht.

Es geht also um Entwicklung, die aber nicht überfordert. Es geht für Kosta Runjaic darum, besagten Plan zu finden, der sich an den Fähigkeiten der Spieler orientiert. Das einfache Spiel Fußball ist doch in der Vorbereitung ein äußerst komplexes. Und nun am besten hingeklickt zum oben verlinkten Interview .

Filmtipp – auch für die Spieler vom MSV Duisburg

Eigentlich sollte dieser Kurzfilm Pflichtprogramm für den Kader des MSV Duisburg sein. Beim Mannschaftsabend per Beamer an die Wand geworfen, und wahrscheinlich würde mancher dann erst begreifen, warum da nun neben Ivo Grlic dieser legendäre Bernard Dietz mit auf dem Trainingsplatz steht. Sie werden ihn sicher schon mal flüchtig kennengelernt haben, diesen Bernard Dietz, doch was die Anwesenheit von Bernard Dietz für sie selbst bedeuten müsste, das, so vermute ich, haben die meisten wahrscheinlich noch nicht vollends in sich aufgenommen.

Mit dem sehr gelungenen kurzen Film von Tom Theunissen aus dem Jahr 2008 könnte das gelingen. Die Spieler könnten mit diesem Film noch einmal erfahren, wie sehr die Grundlage für jedes Spielen in Systemen die Einstellung des einzelnen ist. Eigentlich müssten sie dankbar sein, dass sie nun wahrscheinlich 14 Tage lang mit Bernard Dietz trainieren dürfen. Er selbst wird so etwas niemals hören wollen. Die Spieler könnten viele Sympathien zurück gewinnen. Sie bräuchten dazu nicht einmal beim TSV 1860 München gewinnen. Sie müssten nur im Spiel durchweg zum Ausdruck bringen, was Bernard Dietz den Kindern in seiner Fußballschule weitergeben will. „Was ich erreicht habe … Ich habe mir das erarbeitet, durch meine Einstellung. Und das wollte ich den Jungs vermitteln, dass sie heute die Möglichkeit haben, sich im Fußball eine Existenz aufbauen zu können.“ Das sagt er bei Minute 9.25.  Ob diese Pädagogik durch gelebtes Vorbild auch bei mehr oder weniger erwachsenen Spieler wirkt? Ich hoffe es sehr. Der Dank gilt ZebraMoviez fürs Hochladen

Die profane Gegenwart findet sich sowohl für etwas mehr als 2 Minuten auf der Seite des MSV in einem Clip von Studio47 als auch in einem Clip bei Goal.com. Der Tag nach der Entlassung von Oliver Reck auf dem Trainingsgelände mit O-Tönen von Goran Sukalo, Felix Wiedwald und Maurice Exslager.

Halbherziger Boulevard zeigt den Dilettantismus bei der WAZ

Es ist schon schwierig mit den Strukturen. Immerzu gibt es da eine Vergangenheit, die sich in der Gegenwart bemerkbar macht. Bei der WAZ etwa heißt diese Vergangenheit Lokalzeitung für ein sehr gemischtes Lesepublikum, und die schleppt so eine WAZ der Gegenwart immer mit sich, wenn sie es in Krisenzeiten mal so richtig populistisch krachen lässt. Mein Gott, was muss dann da für eine dicke, fette Überschrift noch an Text alles drunter. Die Leser erwarten einfach längere Artikel als in der BILD. Dabei reichen sechs, sieben Sätze für so eine Überschrift: „Der Reck-Rauswurf zeigt den Dilettantismus beim MSV Duisburg“.  Damit wäre die empörte Volksseele auch wunderbar bedient. Daneben das Foto einer nackten Spielerfrau gesetzt, und schon steigen die Klickzahlen ins Unendliche.

Dann fiele auch nicht weiter auf, dass der Dilettantismus mit nicht einem Satz im Text weiter begründet wird. So aber steht der WAZ-Journalist plötzlich nackt da, denn das jedem sichtbare Geschehen soll schon hinreichend für ein Urteil sein? Nachher ist immer alles leicht bewertbar. Was wäre denn, wenn Jürgen Gjasula gesund geblieben wäre? Ich behaupte, dann könnte man von einem mittelprächtigen Saisonanfang berichten und müsste eigentlich das gleiche Urteil fällen. Lauter Dilettanten beim MSV Duisburg! Können nicht mal verhindern, dass die Spieler erkranken und sich verletzen.

So könnten sich die Journalisten bei der WAZ eigentlich in derselben Situation wie die Verantwortlichen beim MSV Duisburg fühlen. Immerzu müssen sie sich mit alten Strukturen auseinander setzen. Sie sind zwar auf einem guten Weg zum Neuen, dem Boulevard, indem sie die letzten zwei Jahre in diesem Verein unterschiedlos zusammenrühren. Der Rest aber wirkt noch etwas dilettantisch. Doch dafür kann ja der einzelne Journalist nichts. Das sind die Strukturen. Das dauert bis eine Lokalzeitung so verändert ist, dass man nur noch Meinung und keine Analyse mehr erwartet.

An der Analyse versuche also ich mich einmal. Zugegeben auch nur per äußeren Ansehen, doch mit nachvollziehbaren Begründungen, so dass überhaupt irgendetwas argumentativ verhandelt werden kann. Die Strukturen, das ist das entscheidende Stichwort auch beim MSV Duisburg. Da gab es einen Verein, dessen Organisationsstruktur ganz auf die Persönlichkeit Walter Hellmichs abgestellt war. Als Erfolge ausblieben, war sogar Walter Hellmich selbst nicht mehr glücklich damit und meinte, es sei besser, zu gehen. Mitentscheiden über das, was kommt, wollte er aber auch.

Wenn Macht so konzentriert war, wie in seiner Vergangenheit, ist es nicht einfach, das entstehende Vakuum zu füllen, besser noch eine Struktur zu schaffen, die in Zukunft gar nicht erst so ein Vakuum entstehen lässt. Andreas Rüttgers erst versucht das, und er geht dabei mit Menschen um, die schon länger als er im Unternehmen MSV Duisburg, diesem dem Verein ausgelagerten Profi-Betrieb, Verantwortung tragen. Das sind schwierige Konstellation. Denn auch diese Menschen, sagen wir Roland Kentsch,  haben Verträge und Vorstellungen von erfolgreichem Arbeiten. Das ist normal und nicht verwerflich. Niemand kann also einfach daher gehen,  irgendetwas Neues in Gang setzen. Nicht einmal ein Wunderonkel mit viel Geld könnte das, um die Hellmich-Linie mit einem neuem Namen fortzusetzen. Auch er müsste mit vorhandenen Strukturen umgehen. Ihm ginge das leichter von der Hand, weil es auf den ein oder anderen Euro nicht ankäme.

Reden wir also vom Geld. Dieses Geld gibt den Rahmen vor. Bruno Hübner ging, weil er ein attraktiveres Jobangebot bekam. Die Modalitäten seines Wechsels sind fragwürdig, aber von den gegenwärtigen Personen im Verein nicht zu verantworten. Was macht also der Name Bruno Hübner in dem oben genannten Artikel? Er ist einfach ein bisschen Feuermaterial für die Stimmung. Weiter im Text. Der MSV Duisburg hat immer noch zu wenig Geld, auch nach dem Weggang von Bruno Hübner. Milan Sasic fehlt zudem der Konterpart, damit er nicht erneut in alte Fehler seiner Persönlichkeit verfällt. Hat damit irgendeiner der derzeit Verantwortlichen etwas zu tun?

Milan Sasic ist nicht erfolgreich. Als kostengünstigste Lösung tritt Oliver Reck die Nachfolge an. Unterstützt wird er von Uwe Schubert. Es ist ein ungewöhnliches Modell. Die Entscheidung ist nachvollziehbar. Inzwischen ist auch Andreas Rüttgers Vereinspräsident geworden und besitzt im Gegensatz zu seinem Vorgänger Dieter Steffen Vorstellungen darüber, welche Voraussetzungen für die zukünftige Entwicklung des MSV Duisburg geschaffen werden müssen.

Doch bei Entscheidungen in diesem Verein stehen die Verantwortlichen immer vor der Frage, wohin fließt das Geld am besten. Geht das Geld in die Verpflichtung eines neuen Spielers oder bringt es uns stattdessen im Jugendbereich weiter? Verpflichten wir einen externen Sportdirektor, der die Gegebenheiten vor Ort erst kennenlernen muss, so also betriebswirtschafltlich gesehen, zusätzliche Kosten produziert oder nehmen wir jemanden, der sich im Verein auskennt, aber nicht ganz so erfahren ist. Die zweite Variante wurde gewählt. Mit Erfolg! Die Verpflichtungen von Ivica Grlic habe ich nach dem ersten Spieltag gelobt. Und ich bleibe bei meinem Urteil. Er hat mit den vorhandenen finanziellen Möglichkeiten, den Kader nicht schlechter gemacht, eher potentiell verstärkt. Die Ausfälle hat er nicht zu verantworten.

Beim Kaderumbau sind lang laufende Verträge zu berücksichtigen. Wieder stehen die Verantwortlichen vor der Frage, was tun? Versprochen war Kontinuität. Diese Kontinuität wurde zum ersten Mal seit längerem erfüllt. Dass das jetzt nicht funktioniert, wusste vorher niemand. Man muss Pläne erst einmal in die Wirklichkeit umsetzen.

Es bleibt alleine ein möglicher Kritikpunkt, und das ist die Verlängerung des Vertrages von Oliver Reck zu einem Zeitpunkt, in dem er erfolgreich war. Ich finde ihn sympathisch, und er hat mit dazu beigetragen, dass dem MSV Duisburg in der letzten Saison der Klassenerhalt gelang. Dafür gilt ihm unser aller Dank. Nun jedoch wird  Oliver Reck von vielen als ein Opfer angesehen. Aber bitte schön, der Mann ist erwachsen. Er kann frei entscheiden. Trage ich die Gegebenheiten mit. Oder denke ich, das kann eigentlich nicht gelingen. Der Kader ist zu dünn. Die Ausfälle werden uns zu Saisonbeginn chancenlos machen. Außerdem spüre ich das Misstrauen meiner erfahrensten Spieler Bajic und Sukalo – was so kolportiert wird. Das mache ich nicht mit. Da habe ich Gesprächsbedarf mit Ivica Grlic. Da geht es nicht um Loyalität. Da geht es um professionelles Arbeiten.

Also, das wäre eine Aufgabe eines ernst zu nehmenden Journalismus. An der Stelle müsste im Verein und bei Oliver Reck nachgefragt werden. Das müsste eingeordnet werden, denn jeder hat auch eigene Interessen in dieser Branche. Leichter ist es natürlich, in den Chor des tobenden Mobs mit einzustimmen. Wie gesagt, das ist schon mal keineswegs dilettantischer Boulevard. Schließlich eröffnen sich Möglichkeiten, wenn diese Stimmung befeuert wird. Platzsturm! Darüber kann man sich dann auch wieder heillos empören. Mit fetten Schlagzeilen. An der Textlänge und den Fotos der nackten Spielerfrauen muss allerdings noch gearbeitet werden.

Was ist die beste von all den schlechten Lösungen?

Die schreckliche eine Wahrheit: Die Entlassung von einem Trainer führt meist zu nichts. Die schreckliche andere Wahrheit: Es musste nach dem Spiel gegen Dynamo Dresden etwas geschehen. Oliver Reck und Uwe Schubert alleine besaßen keine Mittel, um mit diesem katastrophalen Saisonanfang umzugehen. Diese Branche kennt in so einem Fall nur die Entlassung eines Trainers. Ich hoffe nur, dass bei dieser Entlassung den Verantwortlichen klar ist, welche Defizite von Oliver Reck zu der Situation führten. Offensichtlich ist eines: Oliver Reck glaubte, er befände sich in einer ähnlichen Lage wie bei der Niederlagenserie, kurz nachdem er das Traineramt übernommen hatte. Dieser grundsätzliche Irrtum machte sich besonders in den immergleichen Durchhalteparolen auf den Pressekonferenzen deutlich. Noch enger zusammenrücken als Mittel gegen ein vorübergehendes spielerisches Unvermögen ist vielleicht dann möglich, wenn eine Mannschaft ein Zentrum besitzt, das Orientierung für diese symbolische Bewegung bietet. Diese gegenwärtige Mannschaft besitzt dieses Zentrum nicht. Auf dem Platz stehen Spieler, die unterschiedliche Vorstellungen vom Spiel haben. Und das ist ohne Frage dem Trainer anzulasten.

Oliver Reck hat auf der Pressekonferenz nach dem Spiel gegen Dynamo Dresden nicht ein Wort zur ersten Halbzeit verloren. Wie soll jemand ihm vertrauen, wenn er die Mängel dieses Spiels nicht benennt. Muss man mehr zu dem Spiel schreiben als dieses Zitat des Dresdner Spielers David Solga: „Das war ein wichtiger Dreier für uns. Duisburg war sehr angeschlagen und das haben wir genutzt. Nach dem frühen Tor war uns bald klar, dass wir das hier schaffen würden, die ganze Körpersprache der Duisburger war entsprechend.“  Im Reviersport wird er zitiert. Das Führungstor fiel in der vierten Minute. 86 Minuten blieben, um das Ergebnis zu ändern. Doch erst einmal fügen sich die meisten Spieler in die Niederlage? Vom äußeren Anschein ohne Zweifel, von der inneren Haltung her womöglich auch nicht. Es gab Spieler, die schon in der ersten Halbzeit, das Ergebnis ändern wollten. Es gab aber keine Mannschaft, die das ausstrahlte. Es gab kein einheitliches Bild, wie auf das Tor reagiert werden sollte. Sobald etwa Goran Sukalo den Ball bekam, machte er das Spiel langsam. Er signalisierte, wir müssen kontrolliert angreifen, bedächtig sein. So etwas geht nur, wenn irgendeine Struktur für diese Ballkontrolle vorhanden ist. Die gab es in der ersten Halbzeit nicht. Deshalb wirkte Goran Sukalo so, als überschätze er seine Auswirkung auf das Spiel. Er schien sich als erfahrener Spieler zu begreifen, der die Mannschaft organisieren muss. Wenn es danach aber keinen Plan gibt, scheint die Selbstüberschätzung nahe.

Das Spiel des MSV Duisburg war derart schlecht, dass im Kicker geradezu  Lobeshymnen über die „reifere Spielweise“ der Dresdner zu lesen sind. So eine Wertung kann nur durch den direkten Vergelich entstehen. Denn  auch beim Gast passte  nicht viel zusammen. Wieviele Angriffe hat diese Mannschaft wirklich erfolgreich ausgespielt? Wann war sie gefährlich, wenn sie nicht gerade von den Spielern des MSV Duisburg zum Torschuss eingeladen wurden? Eine Kopfballabwehr zentral vors Tor, knapp außerhalb des 16-Meterraums? Wunderbar, sagen da die Dresdner, da schießen wir doch das zweite Tor.  Wie lange flog die Flanke vor dem Führungstor durch die Luft? Im Ärger zugespitzt war ich der Ansicht, zwei zukünftige Absteiger gesehen zu haben. So weit ist es noch nicht.

Dieser Saisonanfang sollte deutlich gemacht haben, wie sehr die Leistung der Rückrunde in der letzten Saison davon abhing, dass Jürgen Gjasula zu seinem Spiel gefunden hatte. Die  Ausfälle der anderen Spieler kamen hinzu. Es blieben Spieler mit Qualitäten, für die Oliver Reck und Uwe Schubert keine gemeinsame Spielstruktur fanden.  Vielleicht hatten sie eine Vorstellung vom jeweiligen Spiel. Zu erkennen war sie nicht. Dann hätte sie erzählt werden müssen. Das wäre die einzige Alternative zur Entlassung gewesen. Jemand hätte den beiden zur Seite gestellt werden müssen. Es wäre ein ungewöhnlicher Weg gewesen, der finanziellen Situation geschuldet. Denn daran denke ich auch bei dieser Entlassung und an das Vorhaben, in diesem Verein mal etwas auf längere Sicht aufzubauen. Nun stehen die Verantwortlichen wieder vor der Aufgabe aus der Not heraus Entscheidungen zu treffen. Wir sehen, in dieser Situation gibt es keine gute Lösung. Es gibt nur die beste von all den schlechten, bei der aber eines gewiss ist. Es musste gehandelt werden. Hoffen wir auf neue Hoffnung. Mehr als das gibt es im Moment nicht.

Ist ein Elfmeter auch ein Standard?

Dieser Pokalsieg beim Hallescher FC gibt mir zu denken. Doch davon erst später. Gesehen habe ich nur die zweite Halbzeit mit Unterbrechungen und nach dem, was ich gesehen habe, fällt dieser Nachmittag in die Kategorie, das Ergebnis zählt. Manchmal wollte ich aber sogar das ferne Glitzern eines Hoffnungsschimmers erkennen. Ich dachte mir das Spiel als ein großes leeres Meer voller Wellen, die sich mal hier und mal dorthin bewegen. Und auf diesem Meer des Spiels meinte ich doch regelmäßig das Treibholz Einsatz und Kampf zu erkennen. Und ich hoffte, dieses Treibholz könnte irgendwo, noch unabsehbar auf das Ufer eines Festlandes Spielanlage hinweisen.  Eine Seekarte hätte ich gerne wieder gesehen, um zu wissen, ob dieses Festland dort eingetragen ist und welche Untiefen auf dem Weg dorthin noch zu bewältigen sind. Vielleicht deutet das Treibholz aber ja zumindest eine Fahrtrichtung an.

Wenn ich zudem daran denke, wie oft ein klassenniedriger Verein den klassenhöheren in dieser ersten Pokalrunde geschlagen hat, hellt sich meine Stimmung noch mehr auf. Allen voran das Ausscheiden der TSG 1899 Hoffenheim! Die Mannschaft war ohne Chance auf ein Weiterkommen gegen den Berliner Viertligisten. Der Superlativ für dieses Spiel mit seinem Ergebnis fehlt noch. Dieses Ergebnis ist nicht sensationell, es ist hoffenheimesk! Da fällt einem die Hertha aus Berlin erst als zweites ein. Die steht von der Stimmung her dem MSV viel näher. Gerade mal ein Punkt mehr zum Saisonstart, dafür aber jetzt ausgeschieden im Pokal. Wir sehen also, vielleicht müssen wir die gegenwärtige Leistung der Mannschaft unseres MSV Duisburg einfach nur ein wenig mehr mit der von anderen Vereinen vergleichen. Dann wird die eigene Stimmung gleich viel besser.

Dass dieser Sieg gegen Halle aber die Stellung von Oliver Reck noch nicht stärken konnte, war schon vor dem Spiel sicher. Im Grunde hat sich also nichts geändert, es bleibt als einziger Beweis seiner Qualitäten, dass diese Mannschaft nicht nur siegt, sondern dabei ein wenig zusammenspielt. Deshalb kommen wir zum Ausblick auf das Spiel gegen Dresden. Zu denken gibt mir der Sieg des MSV Duisburg in Halle nämlich wegen meines Versuchs vom Samstag, vorbildhaft in Sachen Versprechen zu sein. Mangels Zeit musste ja ein Standard her, und nun hat mich die Mannschaft unter Zugzwang gesetzt. Schließlich hat sie auf die standardhafteste Weise eines Standards ein Tor erzielt. Ein Elfmeter ist so selbstverständlich eine Standardsituation, das er beim Reportergerede von gefährlichen Standards gar nicht mal auftaucht. Die Mannschaft aber hatte mein vorbildhaftes Zeichen anscheinend sehr wohl erkannt. Mein Verein und ich gingen also im Gleichschritt bei der Suche nach dem Mittel für den Erfolg. Schön ist aber anders. Und jetzt stehe ich da mit meiner möglichen Verantwortung für die Spielweise des MSV Duisburg. Hat der Gehalt eines Spielvorberichts tatsächlich spielbestimmende Folgen?

Das Orakel Google weiß in Sachen Reck nicht weiter

Als Orakel macht Google nicht immer eine gute Figur. Vorgestern fiel der Suchmaschine nichts weiter ein, als jemanden zum Zebrastreifenblog zu leiten, der es  ganz genau wissen wollte. „Wann fliegt olli reck beim msv raus“, war da Google gefragt worden, und jetzt sollte ich die Arbeit der Vorhersage übernehmen? Nix da! Diese Frage soll dieses Suchmaschine schön mal alleine versuchen zu beantworten. So richtig nach Augurenart aus den Eingeweiden der eigenen gesammelten Daten lesend, Statistiken deutend und nicht einfach irgendwohin verweisend. Ich halte mich da raus. Mal ganz davon abgesehen, dass ich zu dem Thema im Gegensatz zu so vielen keine entschiedene Meinung habe. Da stecke ich immer noch angesichts der ersten beiden Spiele in einer Art Schockstarre und bin froh, ohne Verantwortung zu sein.

Ganz genau kann ich aber vorhersagen, selbst ein jetzt kaum zu erwartender Sieg im morgigen Pokalspiel gegen Halle wird keine Ruhe bringen. Dazu waren die beiden Punktespiele zu schlecht, dazu müsste erst einmal in drei, vier Punktespielen danach erkennbar werden, dass diese Mannschaft weiß, was und wie sie spielen soll. Dazu müssten Pläne des Trainerteams offenbar werden.

Es gibt doch zwei Stoßrichtungen der Kritik an Oliver Reck und Uwe Schubert. Den Zweifeln am fachlichen Können ließe sich ganz einfach begegnen, indem nach den Spielen die Analyse sehr viel konkreter öffentlich vollzogen wird als es bisher geschieht. Dann ließe sich nach dem Gestümpere auf dem Spielfeld überhaupt erst nachvollziehen, mit welchem Vorhaben jene Spiele hätten gewonnen werden sollen. An der Spielweise selbst war es jedenfalls nicht abzulesen. Da schien fast alles aus der Not heraus geboren zu sein.

Der andere Teil der Kritik zielt auf die Stimmung im Kader. Der ist aber zum großen Teil identisch mit jenem, dem Oliver Reck vor gerade einmal sechs Monaten zu großem Zusammenhalt und Gemeinsamkeit verholfen hat. Kann diese Fähigkeit jetzt schon wieder verloren gegangen sein? Ist der Fußball tatsächlich ein noch irrationaleres Geschäft als ich es bislang angenommen habe? Ich möchte das so gar nicht glauben.

Ich möchte eigentlich glauben, in dem Verein ziehen alle an einem Strang und es gibt keinen Zweifel, dass sich alle für den Erfolg, so gut es geht, einsetzen. Damit ich das glaube, reicht es aber nicht, billige Versprechen abzugeben. Glaubwürdig lassen sich Krisen nur bewältigen, indem die begangenen Fehler konkret benannt werden. Und noch einmal ich denke weniger an die Spieler, von Kevin Wolze etwa war die Einschätzung seiner Leistung während der Woche zu lesen gewesen. Versprechen aber sind billig zu haben. Lässt sich einfach ausprobieren und fühlt sich gut an. Einmal in der Woche so richtig was versprechen.

Ja, gut, in den letzten Tagen hat einiges nicht geklappt. Gestern gab es keinen Text, und davor habe ich auch nicht richtig zu Worten gefunden. Darüber ärger ich mich selbst am meisten, aber ich gebe immer alles für den MSV, auch wenn das manchmal nicht so richtig rüberkommt. Und ich verstehe auch, dass Leser dann unzufrieden sind. Und das dürfen sie auch. Aber ich stehe jetzt schon noch viel früher auf, und wenn wir gemeinsam weiter diesen Weg gehen, wird es auch wieder bessere Zeiten geben. Und morgen schon will ich nur eins, den Erfolg.

Mal sehen, ob mein Verein und ich unseren Versprechen Taten folgen lassen.

Ich mache mir den Hoffnungsschimmer selbst

Es hilft nichts, ich muss mir meine Gedanken zum Saisonverlauf erst einmal unabhängig von Ergebnissen machen. Nicht wegen der 2:0-Niederlage, sondern wegen der Spielweise der Mannschaft des MSV Duisburg beruhigt mich die Unabhängigkeit von dieser Mannschaft ein wenig und gibt mir einen versöhnlichen Ausblick auf diese Saison. Vielleicht passt sich die Mannschaft dem ja nach und nach an. Gedanke für Gedanke mit Rückkopplungseffekten ohne Garantie: Auch eine Welt als Wille und Vorstellung.

Im Moment kommt von der Mannschaft nämlich nichts. Von den Trainern kommt ebenfalls nichts. Zudem lässt sich Präsident Andreas Rüttgers von Journalisten aufs Glatteis führen, kommentiert die Trainerfrage im allgemeinen und gibt damit die Möglichkeit, irgendetwas zur Situation von Oliver Reck zu schreiben. Da hilft das Statement von Ivo Grlic auch nicht viel weiter, so etwas gehöre nicht in die Öffentlichkeit. Wo er meiner Meinung nach recht hat, war Andreas Rüttgers vielleicht naiv. Andererseits: Vielleicht war Andreas Rüttgers aber auch zeitgeistgemäß transparent, sodass Ivo und ich unrecht haben. Ach ja, worüber man sich alles so seine Gedanken macht, wenn die Mannschaft entsetzlich spielt. Was aber auch nicht weiter stört, da niemand im Verein anscheinend weiß, was gerade notwendig ist.

Es ist aber etwas notwendig. So dramatisch erlebe ich diese zwei Niederlagen, weil nicht zu begreifen ist, wieso ein wenig veränderter Kader, eine derart unzusammenhängende Spielweise abliefert. Das will ich erklärt haben und nicht mit allgemeinem nichtssagenden Trainer-Gerede. Ich will wissen, was sich das Trainergespann zur Spielweise überlegt hat, sonst kann ich nur den Schluss ziehen, sie können es nicht. Was ich aber nicht vermuten will, angesichts des Rückrundenverlaufs. Ich begreife nicht, was in diesem Kader vorgegangen ist. Ich begreife allerdings auch nicht, warum Maurice Exslager im Spiel gegen Regensburg hoch angespielt werden soll. Oder war das aus der Not mangelnder Spielgestaltung heraus geboren und eigentlich nicht so geplant? So etwas braucht längere Erklärungen der Trainer, sonst wird die Stimmung rund um den MSV Duisburg ganz schnell gekippt sein, so sehr, dass nach einem heute mir doch sehr wahrscheinlich vorkommenden Pokal-Aus gegen Halle nichts mehr geht. Darüber müsste sich Ivo Grlic im Klaren sein. Natürlich müssen Probleme intern geklärt werden. Derart schlechte Leistungen brauchen aber eine Erklärung in der Öffentlichkeit.

Selbst der Sportjournalist der Süddeutschen Zeitung Markus Schäflein widmet angesichts dieses Spiels dem MSV Duisburg einen ganzen Abschnitt Fragen. Man muss sich vor Augen führen, eigentlich erfolgt seine Berichterstattung aus eben jener süddeutschen Perspektive und der Schwerpunkt liegt beim Heimverein. Doch die Leistung des MSV Duisburg war zu schlecht, um sie nach einer freundlichen Einleitung zum Regensburger Erfolg unkommentiert zu lassen: „Es ist schade, dass man dieses kleine Märchen mit einigen Fragen an den MSV Duisburg unterbrechen muss. Wieso wirkte die Duisburger Verteidigung nicht nur bei diesem Gegentor so indisponiert? Warum reichte ein einziger Schlag, um Adli Lachheb in die Not zu bringen, den Elfmeter zu verursachen und mit Rot vom Platz zu fliegen? Wieso holte sich eien Viertelstunde vor Schluss Kevin Wolze mit einer unmotivierten Grätsche einen weiteren Platzverweis ab? Was ist überhaupt mit dieser Mannschaft los, die ja zum Auftakt schon 1:4 im Heimspiel gegen den VfR Aalen verloren hatte? Trainer Oliver Reck wählte jedenfalls die in solchen Momenten üblichen Worte. Man werde ‚jetzt noch enger zusammenrücken, kämpfen, beißen, uns wehren.'“ Online ist das noch nicht zu lesen.

Genau solche Worte von Oliver Reck reichen leider nicht aus. Niemand braucht am Anfang einer Saison Durchhalteparolen. Nötig sind Erklärungen zu den Absichten. Wie gesagt, es sind nicht die Ergebnisse dieser zwei Spiele, sondern es ist das völlig hilflose Agieren der Mannschaft. Beim sorgenlosen Blick in die Zukunft muss die Mitwirkung dieser Mannschaft deshalb leider ausgeblendet werden. Wenn die Verantwortlichen beim MSV Duisburg meine Haltung zu diesem Verein kennen würden, müsste dort nicht nur Unzufriedenheit herrschen und die übliche Fehleranalyse betrieben werden. Es müsste Alarm auf allen Vereinsebenen herrschen. Jedem müsste klar sein, die Katastrophe ist nicht mehr unwahrscheinlich, aber wir haben noch Zeit, etwas zu tun. In meinem Leben mit dem MSV Duisburg habe ich bei allen Mannschaften bis zum etwaigen schlechteren Ende immer auch Möglichkeiten erkennen können, wie sie im nächsten Spiel besser hätten spielen können. Wenn ich nun aber nach den ersten zwei Spieltagen an eine nächste Saison mit dem MSV Duisburg in der Zweiten Liga denke, kann ich auf die jetzige Mannschaft nicht zählen. Da muss ich mir meine Mannschaft selbst machen. Als einziger Hoffnungsschimmer mit Bezug zur Realität bleibt die Zeit. Erst der dritte Spieltag steht bevor.

Und wer sich für Oliver Reck im O-Ton nach dem Spiel interessiert:

 

Gute Besserung, Jürgen Gjasula!

Auch wenn im Moment mir immer wieder nur Seitenblicke zum Verein unserer Zuneigung möglich sind, ein paar Bilder von der neuen Saison hatte ich schon im Kopf. Schöne Bilder! Vorfreude! Denn eigentlich wusste ich seit langer Zeit einmal wieder so ungefähr, was ich von der Mannschaft erwarten durfte. So viele neue Gesichter sind im Kader nicht dabei. Mit der Rückrunde der letzten Saison im Kopf konnte ich mir vorstellen  –  und war damit bestimmt nicht alleine – , das ein oder andere könnte im Spiel der Mannschaft direkt vom ersten Spieltag an klappen.

Und nun diese Nachricht, Jürgen Gjasula fällt wegen einer Herzmuskelentzündung lange Zeit aus. Schublade auf, alte Frage heraus: Wie wird das alles werden? Für mich war er in der ersten Hälfte des Jahres einer der Garanten für die erfolgreiche Spielweise der Zebras. Sein Ausfall rüttelt mit Sicherheit heftig an den Grundlagen, an denen Oliver Reck und Uwe Schubert gerade für die kommende Saison arbeiten.

Zeit, sich zu sammeln und die Frage zu beantworten: Wo bleibt nun das Positive? Ich denke, wir sollten zu schätzen wissen, dass Jürgen Gjasulas Herzmuskelentzündung keinen schleichenden Verlauf genommen hat. Wir kennen alle die anderen Geschichten des Fußballs der Gegenwart, bei denen unerkannte Herzkrankheiten zu Überlastungen der Sportlerherzen führten. Über die Folgen möchte ich gar nicht weiter nachdenken. Jürgen Gjasula braucht nun nur die Zeit, um wieder gesund zu werden. Gute Besserung!

Gleichzeitig muss eine Lücke gefüllt werden. Oliver Reck spricht von Sören Brandy oder Valeri Domovchiyski, die auch die spielerischen Möglichkeiten haben für eine gestaltende Rolle im Mittelfeld. Auch daraus lässt sich Zuversicht ableiten. Da wird einem neuen Spieler im Kader von Anfang viel zugetraut. Zudem überrascht mich Valeri Domovchiyski in der Rolle, was auf Weiterentwicklung hinweisen würde. Auch kein schlechter Gedanke. Natürlich wird sich alles an der Wirklichkeit messen lassen müssen. Aber fürs erste gibt es ein paar Zeichen, die uns die Nachricht von Jürgen Gjasulas Ausfall – nach einem tiefen Durchatmen zugegebenermaßen – etwas erträglicher machen.

Warum mich Dortmunds Pokalsieg auch freut

Über den Pokalsieg von Borussia Dortmund am Samstagabend haben viele vieles gesagt. Mir fiel dabei auf, es ist tatsächlich schwer, bei einer so deutlichen Niederlage wie dem 2:5 das doch gute Offensivspiel des FC Bayern München während der ersten Halbzeit gebührend zu würdigen. Dieses Vorhaben muss nun Jupp Heynkes während der Woche weiter verfolgen. Die Mannschaft braucht das allerdings mehr als die Öffentlichkeit. Mir fiel aber noch etwas anderes auf: Niemand dachte daran, gute Aussichten des MSV Duisburg in der nächsten Saison zu kommentieren. Dabei boten die Bilder nach dem Spiel genügend Möglichkeiten, um auf das Thema einzusteigen. War doch immer wieder ein junger Mann in Trainingshose und Trikot bei den feiernden Dortmundern zu sehen. Koch stand auf dem Trikot mit der Nummer 2. Ins Aktuelle Sportstudio ging er ebenfalls mit, schien sich zu freuen und ob er führend dabei war, jegliche Standard-Sportstudio-Fragen mit Gröhlen oder Singen zu beantworten, konnte ich nicht so genau beobachten. Müsst ihr hier selbst mal nachschauen

Wahrscheinlich braucht es uns Wissende aus Duisburg, denen sich der Zusammenhang zwischen dem sportlichen Erfolg von Borussia Dortmund und den Aussichten des MSV Duisburg in der kommenden Saison beim Blick auf den feiernden Julian Koch sofort erschließt. Wir wissen Julian Koch wird die nächste Saison in Duisburg verbringen. Wir kennen nicht sein derzeitiges Leistungsvermögen, aber dieses Potenzial des Spielers Julian Koch ist es auch nicht, was meinen Glauben an die Zukunft des MSV Duisburg stärkt. Es ist alleine die Entscheidung selbst, die mich sicher macht, der MSV Duisburg ist auf einem guten Weg. Es war war eine Entscheidung von Julian Koch gegen attraktive andere Vereine, für den MSV Duisburg. Und diese Entscheidung traf Julian Koch mit den Erfahrungen eines Fußballspielers, der das anscheinend doch überwiegend vorhandene Wohlfühlklima im Spielerkader von Borussia Dortmund erlebt.

Wenn wir die Bilder nach dem Spiel sehen, wenn wir lesen, wie Spieler dieser Dortmunder Mannschaft mit wenig Spielzeit, sich über diesen Verein äußern, dann ist die Entscheidung von Julian Koch auch ein Zeichen für die Qualität dessen, was er beim MSV Duisburg erwartet. Es ist ein Zeichen für ein erhofftes Gefühl von Zusammenhalt und Gemeinschaft, die Grundlage des Erfolgs in Dortmund, aber auch in Duisburg während der Rückrunde.

Am Samstagmorgen war in der Printausgabe der Süddeutschen Zeitung ein großes Interview mit Jürgen Klopp zu lesen. SZ-online stellt eine Zusammenfassung ins Netz, bei der die Haltung von Jürgen Klopp zu Erfolg und Gemeinschaft nicht so deutlich wird wie in dessen eigenen Worten. Als ich am Samstag das Interview las, kam mir jedenfalls sofort der Gedanke, ein Spieler, der solche Wertschätzung und eine solche Haltung seines Trainers hat kennengelernt, wird in jedem anderen Verein zu einem Gemeinschaftsgefühl und zu Zusammenhalt beitragen. Natürlich wird in vielen Vereinen dieses Credo von Zusammenhalt und Gemeinsamkeit progpagiert. Die Wirklichkeit sieht aber häufig anders aus. So ein Zusammenhalt stellt sich nicht von alleine ein, ihn herbei zu führen ist eine Aufgabe, und die wird in den letzten Monaten in Duisburg gut bewältigt.  Für mich ist es ein Beleg für das gute Binnenklima im MSV Duisburg, dass sich Julian Koch für diesen Verein entschieden hat. Das wäre mein Kommentar zum Pokalsieg von Borussia Dortmund.

Die Journalisten mit ihren Mikros können nun zum nächsten Interviewpartner marschieren. Doch eins fällt mir noch ein, Julian Koch, das wäre eine gute Geschichte, da hätte ich auch nichts gegen die dann naheliegendste aller Schlagzeilen: Aller guten Dinge sind drei, oder?  Verletzt und traurig.  Ersatzbank und jubelnd. Spielend und siegestrunken.  Schöner Gedanke, willkommen im zweiten Zuhause, Julian Koch.

Ein verdammt gelungener Cliffhanger

Aus dramaturgischer Sicht bedeutet das Spiel des MSV Duisburg gegen Fortuna Düsseldorf das perfekte Ende der Spielzeit 2011/12. Die Mannschaft bot eine überzeugende Vorstellung, in der das Herzblut aller Beteiligten spürbar war. Spielerisch und kämpferisch stellte diese Mannschaft noch einmal uns als ihr Stammpublikum völlig zufrieden. Die Mannschaft wollte dieses Spiel gewinnen. Die Spieler gaben uns als Zuschauern jederzeit das Gefühl, ihnen war die Bedeutung dieses Spiels bewusst und sie wollten dieser Bedeutung gerecht werden.  Gleichzeitig verweisen viele Handlungsfäden dieses Spiels auf zukünftige Begegnungen. Da sind Rechnungen offen geblieben, und da der Aufstieg der Fortuna unwahrscheinlich ist, wird es Gelegenheit geben, auf diese offenen Rechnungen zurück zu kommen.

Allem voran wurde einem unserer Helden übel mitgespielt. Nichts wirkt sympathischer in dieser Welt als die verfolgte Unschuld, auf niemanden fällt ein gerechterer Zorn als auf die arrogante Macht im Fehlurteil. Die Macht Knut Kircher bekam bei erregter Rudelbildung in der 23. Minute nicht allzu viel mit, meinte aber dennoch souverän entscheiden zu müssen und zog eine gelbe Karte auf Verdacht, um Unschuld Maurice Exslager innerhalb von „fünf  Sekunden“ ein zweites Mal zu verwarnen. Gelb-rot, also, und der MSV Duisburg sollte fortan mit nur noch zehn Spielern spielen. Knut Kircher scheint die Rolle des bad guy zu gefallen, schließlich wiesen sogar die Düsseldorfer Spieler ihn darauf hin, nicht Maurice Exslager habe da etwas gesagt sondern Jürgen Gjasula. Aber ein bad guy kann nicht aus seiner Haut. Vielleicht wirkt aber auch eine Unschuld, die als Holligan angefeuert wird, auf bad guys besonders provozierend. Dabei ist ja alles nur ein großes Missverständnis. Nach Selbstauskunft der betreffenden Anhänger wurde Maurice Exslager ja gar nicht „Hooligan“ gerufen, sondern die ihm besonders zugewandten Anhänger riefen „HooliganS„. Ein im Massenruf kaum hörbarer Buchstabe, und schon kann das Leben eines Menschen ungeahnte Wendungen nehmen. Neulich ging durch die Presse, dass alleine das Anziehen  eines Arztkittels medizinischen Laien zu größerer ärztlicher Kompetenz verhelfe. Ich vermute, mit Namen hat es eine ähnliche Bewandnis, und Maurice Exslager muss aufpassen, sonst wird solcher Begleitschutz, wie hier auf dem Foto bei DerWesten zu sehen, noch zur lieben Gewohnheit.

Wie es sich für die endlose Geschichte um den MSV Duisburg gehört, wurde eine der Hauptfrage der Folge zur Zufriedenheit des Publikums geklärt. Der zehnte Platz wurde mit dem 2:2-Unentschieden aus eigener Kraft gesichert. Trotz des so langen Spiels mit einem Mann weniger gab es keine Niederlage. Ein glorreicher Sieg als endgültiger Schlussstrich unter die Saison blieb der Mannschaft aber auch verwehrt, weil das Böse zugeschlagen hatte. So bleibt uns der Glaube an diese Mannschaft. Uns bleibt die Hoffnung auf die Zukunft, in der verdiente Siege des MSV Duisburg jede Ungerechtigkeit der Vergangenheit vergessen machen.  Einen besseren Cliffhanger hätte es nicht geben können. Ich muss gestehen, auf den ersten Spieltag der kommenden Saison zu warten, fällt mir nach diesem Spiel verdammt schwer.


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