Posts Tagged 'Olivier Veigneau'

Wir sind Schmetterlinge, die mit ihren Flügeln schlagen

Auch Nachbetrachtungen zu einem Ligaspiel brauchen einen starken Gedanken, um den herum sich die Beobachtungen zum Spiel anordnen lassen. Den habe ich gestern für das Spiel des MSV Duisburg gegen Hertha BSC Berlin nicht gefunden, und ich bin mir nicht sicher, ob das heute der Fall sein wird. Es gibt zu viel, was mich vom Spiel selbst ablenkt. Unweigerlich bringe ich jedes Geschehen im Spiel mit dem DFB-Pokalfinale in Verbindung. Kaum steht ein Spieler des MSV Duisburg nach einem Foul nicht sofort wieder auf, schon hake ich innerlich den nächsten Ausfall eines Spielers ab. Wenn ich mich etwa an den Einsatz von Olivier Veigneau am Montagabend erinnere und an die Intensität seiner Spielweise, so lautet die beste Nachricht des Abends, es gibt keine weiteren Verletzten.

Es ist mir am Montag nicht mehr gelungen, im Moment des Abends zu bleiben. Ständig irritierten mich abschweifende Gedanken. Ich überlegte, ob auch Olivier Veigneau gehen würde. Wir wussten vor dem Spiel noch nichts von seiner Entscheidung, den Vertrag nicht zu verlängern. Sah ich Olivier Veigneau, sah ich die ungewisse Zukunft des Vereins. Ich dachte an Professionaliät, die ich immer wieder von Fußballern gefordert hatte, und dachte ebenfalls, nun lässt sich diese Professionalität beim MSV Duisburg erkennen. Olcay Sahan geht und versucht bis zum Abschied sein Bestes zu geben. Leihspieler wie Stefan Maierhofer kommen für ein Jahr und treten so auf, dass sie zum Publikumsliebling werden. Die Verantwortlichen des Vereins informieren stilvoll über die Zukunft der Spieler des Vereins, und gleichzeitig wird deutlich, die Mannschaft dieser Saison ist dabei, Vergangenheit zu werden. Da mischte sich Abschiedsmelancholie in die Überlegungen zum DFB-Pokalfinale in Berlin. Da mischte sich in die Überlegungen zum DFB-Pokalfinale eine leichte Unruhe durch die Gedanken an die nächste Saison. Da tauchte in der Unruhe die Verpflichtung von Emil Jula als beflügelnder Gedanke auf, und ach ja, das Spiel auf dem Platz unten lief ja auch noch.

Es war eigentlich ein Spiel, das mit einem Unentschieden hätte enden müssen. Die Berliner wollten eigentlich nicht  mehr als dieses Unentschieden, um danach aufgestiegen zu sein. Als sie aber in der ersten Halbzeit recht unvermittelt die Chance auf ein Tor erhielten, schlugen sie das Angebot nicht aus. So eine Chance kann sich in jedem Spiel ergeben, wenn Verteidiger des Gegners für einen Moment nicht an ihrem Platz sind. So Tore ergeben sich aus Spielsituationen, die wie ein Versuchsballon des Angriffs wirken. Warum nicht mal eine Flanke von rechts auf den hinteren Pfosten schlagen? Vielleicht bleiben die zwei Mann frei?  Und da sie dann frei blieben, wurde das Angebot zu einem Tor angenommen, und die Hertha war des Aufstiegs schon recht früh im Spiel ganz sicher.

Der MSV Duisburg war mit dem Unentschieden zwar nicht zufrieden, und die Mannschaft bemühte sich von Anfang an sehr, den Ball druckvoll in die gegnerische Hälfte zu bringen. Doch meist schon vor dem Strafraum unterband die Hertha jegliche Gefahr verheißende Spielaktion des MSV Duisburg. Spätestens im Strafraum aber war die Defensivleistung der Hertha dann fehlerlos. Nur in den ersten zehn Minuten der zweiten Halbzeit konnte der MSV Duisburg mit sicherem Kombinationsspiel und aggressivem Pressing genügend Druck entwickeln, um die Defensive der Hertha zu verunsichern. Zwei Chancen nach Flanken wurden nicht genutzt. Die gesamte zweite Halbzeit investierte der MSV Duisburg viel. Die Mannschaft wollte den Ausgleich und wurde nicht belohnt, weil sie zwar bis zum Strafraum ansehlich spielte, danach aber keine Torgefahr entwickelte.

Die Mannschaft denkt wahrscheinlich weniger an das DFB-Pokalfinale als wir Fans. Man merkte, diese Mannschaft will auch in Liga-Spielen weiter gewinnen. Ich hingegen versuche aus den restlichen Spiele der Saison vor allem noch die kleinsten guten spielerischen Momente zu sammeln, um angesichts der vielen Ausfälle von Stammspielern nicht nur an ein Wunder von Berlin glauben zu müssen. Was mich am Montagabend erneut zufrieden stimmte, war der sich entwickelnde Kombinationsfußball des MSV Duisburg,  der gegen eine sehr gut deckende Berliner Mannschaft immer wieder ins Rollen kam. Da steht eine Mannschaft auf dem Platz, die mitspielen will und nicht nur auf die eine Chance durch den Standard setzen muss.

Allmählich frage ich mich auch, sollten wir nicht alle beginnen, diese Mannschaft stark zu reden? Da gehen dann weniger Allmachtsphantasien mit mir durch, als dass ich weiß, gerade in Zeiten von Verunsicherung wirkt das Lob als sinnvollstes pädagogische Prinzip der Veränderung. Dann denke ich, die Spieler wissen ohnehin, welche Fehler sie machen und wo ihre Schwächen im Moment immer wieder deutlich werden. Daniel Reiche wird wissen, dass sein Passspiel erneut durch Totalversagen bedroht war. Wie schon im Spiel gegen Aachen schenkte er den Ball zweimal ohne Not her. Ein Sportpsychologe wäre da vielleicht eine Option, aber vielleicht auch die Meinung, dass er eigentlich ballsicher genug ist für den ersten Pass aus der Abwehr heraus. Wenn er zudem Lob für sein eigentlich auch gutes Defensivverhalten erhielte, könnte er an die Leistung vom Beginn der Saison anknüpfen. So Sachen gehen mir durch den Kopf. Oder auch, dass wir uns auf David Yelldells Leistungen auf der Linie verlassen können. Es ist nicht nur zu spät in der Saison für die Einzelkritik, ich stehe auch auf schwankendem Boden und weiß nicht mehr, mit welchem Ziel ich hier schreibe. Wahrscheinlich hat das alles doch mit meinem Wunsch zu tun, an den Aussichten für den MSV Duisburg beim Pokalfinale in Berlin irgendetwas drehen zu können. Ich will beeinflussen – mit welchem Schmetterlingsflügelschlag auch immer.

Die wichtige Nachricht ist nicht die vom Sieg gegen Fortuna Düsseldorf

Was ist der Unterschied zwischen dem gestrigen Spiel des MSV Duisburg gegen Fortuna Düsseldorf und den letzten vier Spielen gegen den 1. FC Union Berlin, gegen Rot-Weiß Oberhausen, gegen Arminia Bielefeld und gegen den Karlsruher SC? Der Unterschied zu torlosen Unentschieden und Niederlagen ist nicht der Sieg mit 1:0. Der entscheidende Unterschied ist, dass ich gestern Abend selbst bei einem Unentschieden oder einer Niederlage zufrieden nach Hause gegangen wäre. Denn der MSV Duisburg hat versucht, das Spiel variabel zu gestalten. Erfolgreich war die Mannschaft in der ersten Halbzeit damit nicht. Die Ansätze des Offensivspiels vom MSV wurden von Fortuna Düsseldorf meist im Keim erstickt. Doch in der zweiten Halbzeit platzte der Knoten. Der Mannschaft vom MSV Duisburg gelang nun der Wechsel zwischen schnellem Kombinationsspiel, den Angriffen im eins gegen eins über die Flügel oder auch den längeren und hohen Bällen, die aber nicht nur Stefan Maierhofer zum Ziel hatten.

Im Spielbericht vom Kicker stimmt ein Satz über die erste Halbzeit nicht, und es ist ein sehr entscheidender Satz: „Die Hausherren probierten es meist mit langen Bällen auf Maierhofer, kamen dabei aber kaum zu Torraumszenen.“ Sie probierten es in der ersten Halbzeit eben nicht nur mit diesen langen Bällen. Die Versuche der Mannschaft auf andere Weise nach vorne zu spielen waren nur nicht erfolgreich. Es gab aber die anderen Angriffsversuche dennoch, und es ist bei allem anfänglichen Misslingen lobend hervorzuheben, dass es sie gab. Die Spieler vom MSV Duisburg waren vorsichtig. Sie wollten kontrolliert spielen und keine Fehler begehen. Sie versuchten ein Flachpassspiel im Mittelfeld aufzuziehen. Das gute Defensivverhalten der Düsseldorfer ließ dazu aber nur wenig Raum. Dennoch war das Flachpassspiel fast immer die erste Wahl für den Angriffsversuch, und nur dazwischen erinnerte ein langer Ball manchmal an die letzten Spiele. Noch einmal: Diese langen Bälle wurden vom MSV Duisburg auch in der ersten Halbzeit keineswegs ununterbrochen geschlagen. Das ist die bedeutsame Nachricht vom gestrigen Abend.

Dieser Hinweis fehlt in den Spielberichten der Print-Kollegen, ob im RevierSport, bei der Der Westen oder eben im Kicker. Dort wird bei der grundsätzlichen Wertung das Augenmerk nur auf das Ergebnis gelegt und darüber lässt sich wenig streiten.  Fortuna Düsseldorf wirkte in der ersten Halbzeit überlegen. Wichtig ist aber der Hinweis auf die Konsequenz, mit der der MSV Duisburg seine Angriffe auf spielerische Weise versuchte. Dieser Hinweis ist deshalb wichtig, weil er auf die wiedergewonnene psychische Stabilität der Mannschaft deutet. Diese Mannschaft hat in der ersten Halbzeit bei aller Vorsicht sehr viele Fehler gemacht. Zögerlichkeit war immer wieder zu merken und bei einigen Spielern drohte Frustration. Anspannung und Konzentration zerfielen oft den einen Spielmoment zu früh. In der Defensive sorgte das für Gefahr, wenn gegnerische Spieler einen Meter zu wenig begleitet wurden. Daniel Reiche und Goran Sukalo etwa luden da gemeinsam und einvernehmlich kurz vor der Pause Fortunas Stürmer zum Schuss ein. Oder Branimir Bajic passte zu Beginn des Spiels den Ball freundlich zum Gegner, Olivier Veigneau nahm dazu den Umweg über das Seitenaus. Auch in der Offensive wirkte es oft so, als würde zu früh abgeschaltet. Düsseldorfs Spieler waren nicht fehlerlos, doch wenn Duisburger Spieler den Blick vom Ball schon im ersten Moment nach der scheinbar misslungenen MSV-Spielaktion abwenden, haben diese Fehler niemals Folgen.

Die erste Halbzeit gehörte also Fortuna Düsseldorf, die zweite Halbzeit aber dem MSV Duisburg. Wobei die Überlegenheit des MSV meiner Meinung nach in der zweiten Halbzeit größer war als die der Fortuna in der ersten. In dieser ersten Halbzeit spielte Fortuna Düsseldorf zunächst das bessere Pressing, stand sicherer in der Abwehr, kombinierte erfolgreicher und erarbeitete sich dadurch die größeren Chancen. Sie brauchten allerdings zu wirklichen Chancen die starke Unterstützung der MSV-Defensive.

In der zweiten Halbzeit war es genau umgekehrt, obgleich die Spielanlage des MSV Duisburg keine andere wurde. Ein wenig wirkte es so, als wäre Fortuna Düsseldorf nach der Halbzeitpause von der Entschlossenheit des MSV Duisburg überrumpelt worden. Die Fortunen schienen nicht darauf eingerichtet zu sein, sehr viel aggressiver als in der ersten Halbzeit attackiert zu werden. Als zudem die Kombinationen des MSV Duisburg sogleich nach dem Wiederanpfiff gelangen, stellte sich die lang vermisste Sicherheit der Mannschaft wieder ein. Abschläge des Düsseldorfer Torhüters Michael Ratajczak wurden abgefangen und sofort zurück Richtung Düsseldorfer Strafraum gespielt. Der Spielaufbau des MSV Duisburg wurde schneller und schneller, die kurzen Pässe kamen an und wenn ein Ball denoch verloren wurde, ward er augenblicklich wieder zurück erobert.

Auch das Tor durch Stefan Maierhofer wirkte erneut wie ein Sinnbild für die Spielweise des MSV Duisburg, die endlich wieder an die Mannschaft der Hinrunde erinnerte. Ja, da kam ein Ball aus dem Mittelfeld mit einem halbhohen Pass geschlagen, doch zuvor hatte es schnelle Kombinationen über die Flügel gegeben. Und nun wurde der Ball hoch ins Zentrum, zehn, fünfzehn Meter vor den  Strafraum gespielt. Doch er wurde auf einen sich bewegenden Spieler geschlagen und nicht auf einen stehenden, zudem war es Sefa Yilmaz und nicht Stefan Maierhofer, der per Kopfball in den Lauf von eben diesem Stefan Maierhofer weiterleitete. Dieser ganze Spielzug entwickelte Gefahr, weil die Spieler in Bewegung waren und nicht aus dem Stand heraus, den Ball erobern mussten. Schon zuvor hatte Stefan Maierhofer angedeutet, dass er sich an dem Tag seiner Schussqualität sicher. Er suchte den Abschluss aus der Distanz, und in dem Fall traf er den Ball perfekt, so dass er nicht nur mit sehr viel Wucht aufs Tor flog, sondern zudem noch einmal im Strafraum aufsetzte.

Wenn die Mannschaft im Finale des DFB-Pokals eine Chance gegen den FC Schalke 04 haben will, muss sie sich, egal mit welcher Taktik sie dieses Finale bestreitet, ihrer variablen Spielweise wieder sicher werden. Diese Mannschaft muss fühlen und erleben, dass jeder der Spieler gegen alle Widrigkeiten gut genug ist, um spielerisch zu bestehen und Fehler im eigenen Spiel hinnehmen zu können. Diese Fehler werden passieren. Sie dürfen aber nicht zu Ärger oder Frustration führen, wie es vor dem Spiel gegen Fortuna Düsseldorf manchmal der Fall gewesen zu sein schien. Am Anfang des Spiels war auch deutlich zu sehen, Daniel Reiche braucht Spielpraxis – mit Blick auf das Finale sogar dann, wenn es gegenüber Bruno Soares ungerecht wäre.  Daniel Reiche muss sich an die Intensität des Wettkampfs erst wieder gewöhnen. So konkurrenzbetont ein Vereinstraining auch sein mag, das Spiel gegen den Gegner ist  immer noch etwas intensiver.

Zu einem kleinen Vorbericht bin ich gestern nicht mehr gekommen, deshalb sei hier auch noch eine Einschätzung zum Verhältnis von Fortuna Düsseldorf zum MSV Duisburg aus dem Blog Fortuna Düsseldorf nachgereicht – ein Text, in dem auch einige Sympathie für die Duisburger Finalteilnahme anklingt.

Alltag kommt von ganz alleine

Den Alltag im Leben einigermaßen gut hinzubekommen und dabei zufrieden zu sein, kostet sehr viel Energie, die wir meist überhaupt nicht wahrnehmen. Die Kraft für die besondere Leistung an einem Tag ist dagegen leicht erkennbar. Diese Kraft aufzubringen ist eine Leichtigkeit. Im gestrigen Spiel vom MSV Duisburg gegen Arminia Bielefeld wurde schnell deutlich, für die Zufriedenheit im Alltag gab es nicht genügend Kraft, um genau diesen Alltag zu bewältigen.

Eine schlechte erste Halbzeit vom MSV Duisburg sahen wir. Sie schloss sich nahtlos an den jüngsten Liga-Alltag an. Die Mannschaft wirkte ideenlos im Spiel nach vorne und leistete sich immer wieder Flüchtigkeitsfehler. Hinzu kamen in diesem Spiel in der Defensive auf den Außenbahnen von Olivier Veigneau und Benjamin Kern immer wieder kleinere Stellungsfehler, die allerdings schnell wieder bereinigt werden konnten. Arminia Bielefeld wirkte wie Rot-Weiß Oberhausen und Union Berlin  in der Offensive schwach, dennoch ließen sie den Ball hin und wieder ansehnlich in den eigenen Reihen wandern, um vor dem Strafraum völlig zu versagen. Einen Konter mit einem Tor abzuschließen gelang ihnen dann aber doch, und so führte die Arminia zur Halbzeit 1:0.

Nach der Halbzeitpause war offensichtlich, der MSV wollte das Spiel drehen und gewinnen. Der Druck auf die Defensive der Arminia nahm zu und allmählich keimte in mir der Gedanken, dass der Ausgleich fallen könnte. Doch nachdem Srdjan Baljak genau das tat, was ich erhofft hatte, gelang es dem MSV Duisburg nicht, diesen gewachsenen Druck zu halten. Hohe, lange Bälle flogen nach vorne und es schien Zufall zu sein, ob sie jemanden erreichten und ob dieser Spieler dann auch noch den Ball für einen Moment wenigstens kontrollieren könnte. Ist so ein Spiel nur in meinen interessierten Laienaugen kein kontrolliertes Spiel und für den professionellen Fußballer schon? Ich weiß es nicht. Zwei, drei Chancen hat sich der MSV Duisburg ja dennoch erspielt.

Seit dem Auswärtspiel gegen Rot-Weiß Oberhausen blitzt für mich eine Frage immer wieder auf. Warum ist das Offensivspiel des MSV Duisburg so unflexibel und einfallslos geworden? Ich will das verstehen, um die Arbeit von Trainern und Fußballprofis besser zu verstehen. Da spielte der MSV gegen drei Mannschaften, die den Raum sehr eng gemacht haben und deren Angriffsbemühungen nicht sehr gefährlich wirkten. Dennoch konnten diese Mannschaften hin und wieder den Ball schnell und direkt in den eigenen Reihen nach vorne bringen. Kann der MSV so ein schnelles, direktes Spiel nun nicht zeigen, weil es vom Trainer als taktische Maßgabe nicht gewünscht wird? Kann die Mannschaft es nicht zeigen, weil der Gegner es nicht zulässt? Gibt es so etwas wie eine psychische Verfasstheit, die es schwer macht, einen einmal eingeschlagenen Weg zu verlassen? Damit meine ich, ist Stefan Maierhofer zu dominant geworden als Persönlichkeit und als mögliche Anspielstation in der Offensive? Fehlt im Mittelfeld ein Spieler, der andere Spieloptionen erkennt? Oder soll dieses andauernde und nahezu immer scheiternde hoch und lang, erst die Möglichkeiten für die Direktpassmomente im Spiel eröffnen? Lässt der Kader nach dem Ausfall von Ivo Grlic und Julian Koch keine andere taktische Alternative zu?

Ich frage mich das alles, weil es so offensichtlich ist, dass die hohen, weiten Bälle von der Mannschaft des MSV Duisburg kaum unter Kontrolle gebracht werden. Sie waren in den letzten drei Liga-Spielen für den Gegner immer leicht zu verteidigen. Gefährlich wurde es für den Gegner nur dann, wenn direkt und schnell wurde. Der Ausgleich gegen Arminia Bielefeld fiel als Abfolge schneller Einwurf, schnelles steiles Zuspiel, scharfe Flanke, Baljak steht frei vor dem Tor. Goran Sukalo hatte seine zwei großen Chancen nach schnellen Spiel. Gelingt dieses schnelle Spiel nicht wegen fehlender Aggressivität in der Defensive?

Natürlich hatte Bielefeld in der zweiten Halbzeit Glück bei den zwei großen Chancen von Goran Sukalo. Sein Kopfball an den Pfosten schien mir dabei die klarere Chance. Bei der zweiten Möglichkeit bekam er den Ball von Stefan Maierhofer etwas in den Rücken gespielt, und ich teile Goran Sukalos Meinung nicht, dass er diese Chance hätte verwerten müssen. In so einem Moment führt ihn sein Körper an Grenzen. Wenn er aus so einer Chance ein Tor machen könnte, spielte er nicht beim MSV Duisburg. Natürlich musste es dann auch noch ganz dumm kommen, und die Arminia erzielte nach einem Konter das Siegtor.

Für mich war diese Niederlage nicht enttäuschender als ein Unentschieden mit der letztlich einfallslosen Spielweise in der Offensive. Die Mannschaft hat sich in der Hinrunde viel Nachsicht bei uns Zuschauern erspielt. Diese heute vorhandene Nachsicht ergab sich aus dem schön anzusehenden Fußballspiel der Mannschaft. Ich wünsche mir sehr, dass in den ausbleibenden Liga-Spielen vor dem Pokalfinale die Mannschaft so auftritt, dass wir diese Spielweise wieder klarer vor Augen haben.

Das Unaussprechliche können wir nun auch wieder beim Namen nennen. Es läuft alles nach Plan, an Aufstieg sollte frühestens in der nächsten Spielzeit gedacht werden. Das können wir nach der Niederlage gegen den DSC Arminia Bielefeld tun. Ich werde mir natürlich alten Gepflogenheiten gemäß wider besseren Wissens noch manchmal eine kleine Hoffnung erlauben und bei Gelegenheit die Wirklichkeit per Tabellenrechner zurechtrücken.

Auch ohne das Elfmeterschießen wurde es dramatisch

Nein! Nein! Jaa! Ja. Nein, nicht, nein. Aah. Pfffffff. EM-ES-VAU-EM-ES. Aaaah. Ooooh. Nein. Pfffff. Hhhhhhhhhha. JAAAAAAAAA. So ungefähr muss ich mich angehört haben in den letzten Momenten dieses Halbfinales vom MSV Duisburg gegen den FC Energie Cottbus. Was war das für ein taumelndes Stemmen vom MSV Duisburg gegen den drohenden Ausgleich kurz vor dem Abpfiff im Halbfinales des DFB-Pokals gegen den FC Energie Cottbus. Was war das für eine Energie im Stadion auf den Rängen und auf dem Spielfeld. Diese Energie drohte in den letzten Minuten immer wieder richtungslos zu wabern. Und doch bündelte sie sich auf dem Spielfeld in großartigen Rettungsaktionen, mit denen das Tor der Cottbusser im letzten Moment verhindert wurde. Auf den Rängen verwandelte sich das Aufstöhnen und unartikulierte Schreien in das peitschende EM-ES-VAU, das diese Mannschaft unten auf dem Spielfeld zu dem so nah wirkenden Sieg tragen sollte.

So sicher schien der Sieg für den MSV Duisburg über etwas mehr als 70 Minuten, und so dramatisch wurden die letzten Spielminuten. Viel zu viele Spieler in roten Trikots befanden sich im Strafraum vor dem Tor von David Yelldell. Viel zu viele, um jeden so zu decken, dass er wirkungslos sein würde. Der Angriff kommt über den linken Cottbusser Flügel. Kein Bein eines MSV-Verteidigers verändert die Flugbahn der Flanke, und ich weiß irgendeiner dieser Spieler in den roten Trikots wird an den Ball kommen, schießen und wahrscheinlich treffen. Aber David Yelldell zerstört mit einem beeindruckenden Reflex auf der Linie die dritte Riesenchance zum Ausgleich.

Plötzlich bündelt sich nichts mehr, es wabert nur noch. Plötzlich entsteht ein Teppich an Energie, die nicht weiß, was das nächste Ziel ist, außer dass Schiedsrichter das Spiel abpfeifen soll. Plötzlich scheint das Tempo dem Spiel verloren gegangen zu sein. Sind die meisten Spieler zu weit vom Ball entfernt? Ist es Olcay Sahan, der den Ball in die Cottbusser Hälfte treibt. Schon im Ansatz ist zu sehen, er schafft das mit letzter Kraft und nur um den Ball möglichst weit Richtung Südtribüne zu bringen. Doch auch die Cottbusser Spieler sind so langsam. Wahrscheinlich kommt es mir auch nur so vor, weil  sich die Zeit bei den drei Cottbusser Großchancen kurz hintereinander so sehr verdichtet hatte. Dreimal hatte ich die Schüsse der Stürmer von Cottbus im Tor des MSV Duisburg gesehen. Ich war auf den Sturz in den Abgrund der Enttäuschung schon gefasst, und dann packten David Yelldell, Olivier Veigneau und der lebendig gewordene Pfosten mich bei der Hand. Sie zogen mich auf den schmalen Geröllpfad wieder hoch, der in die Glückseligkeit nach dem Abpfiff führen sollte.

Was waren das für dramatische letzte Minuten. Dabei habe ich selten zuvor ein so entscheidendes Spiel des MSV Duisburg einfach nur genossen. Bis ungefähr zur 75. Minute. Die Mannschaft des MSV Duisburg ließ dem FC Energie Cottbus in der ersten Halbzeit keine Chance. Cottbus wirkte verunsichert und übernervös. Dagegen schien die Mannschaft des MSV Duisburg von der Atmosphäre im Stadion beflügelt.

Diese Zuschauer waren für den MSV Duisburg gekommen und sie glaubten an ihre Mannschaft. In dieser Saison entsteht in Duisburg vielleicht zum ersten Mal eine Kultur des dauerhaften, intensiven Supports durch die Zuschauer. Die Stimmung war leichter als im Spiel gegen den 1. FC Kaiserslautern. Sie war aber selbstbewusster und vielleicht gerade deshalb auch nicht ganz so kraftvoll. Doch diese Stimmung war nahezu durchgehend vorhanden.

Klare Chancen konnte sich die Mannschaft vom MSV Duisburg zunächst nicht erspielen. Aber es war deutlich, solange jeder Cottbusser Angriffsversuch derart konsequent unterbunden wurde, könnte jederzeit ein Fehler in der Cottbusser Verteidigung zum Führungstor des MSV Duisburg werden. Das 1:0 von Stefan Maierhofer wirkte dann auch wie das perfekte Bild für die gesamte Spielweise des MSV Duisburg. Es wirkte wie die Mischung aus geplantem Angriff, dem unentwegten Hinterhergehen bei jedem verlorenen Ball und der in so einem ersten Moment der Balleroberung nicht ganz vorhandenen Ballkontrolle. Die Flanke in den Strafraum konnte Stefan Maierhofer nicht direkt köpfen, sondern der vom Verteidiger abgewehrte Ball prallte dem synchron mitspringenden Maierhofer an den Kopf, um dann erst ins Tor zu gehen.

Die Cottbusser starteten in der zweiten Halbzeit mit einem neuen Spieler, der sehr viel Gefahr verbreitete. Doch nachdem die ersten zwei heftigen Angriffe abgewehrt waren, gewann der MSV Duisburg die Kontrolle über das Spiel zurück. Konter wurden möglich, und so einen Konter schloss Srdjan Baljak nach Pass von Ivica Banovic zum 2:0 ab. Die Cottbusser gaben aber noch nicht auf. Das Anschlusstor durch den Elfmeter hätte mich nicht weiter beunruhigt. Erst die rote Karte gegen Bruno Soares ließ das Spiel noch einmal kippen. Für mich war diese rote Karte eine zu harte Entscheidung. Diese rote Karte brachte zwar zunächst keine Unruhe in der Hintermannschaft, sie brachte aber Zweifel beim Spiel nach vorne. Beeindruckend wie ruhig und abgeklärt in so einer Spielphase Branimir Bajic die Abwehr organisiert. Dieser Mann ist ein Phänomen. Wie kann ein Spieler derart unauffällig präsent sein?

Diese Mannschaft hat als Einheit den Sieg errungen. Eine so konsequentes Agieren wie in der ersten Halbzeit funktioniert nur als sorgsam organisiertes Miteinander. Ein Sinnbild dafür ist für mich auch der Jubel der Ersatzspieler beim zweiten Tor. Sie wollten nicht am Rand stehen bleiben, sondern sich gemeinsam mit David Yelldell über das Baljak-Tor freuen. Berlin, wir kommen. Und egal, was da im Finale passiert, es wird wieder gut werden.

Alle auf den Zaun, alle auf den Zaun … Alle? Alle!

Großartig! Wunderbar! Lasst mich Bilder sehen! Mehr! Noch mehr! Und Clips! Die Stimmen nach dem Spiel hören. Und noch einmal alles von vorne. Noch immer schmecke ich die Begeisterung des gestrigen Abends. Noch einmal packt mich die Stimmung aus dem Stadion. Noch einmal werden einzelne Momente des gestrigen Abends lebendig. Doch beschreibende Worte für das Spiel gehen mir kaum durch den Kopf. Diese Beschreibung verlangt Distanz zum Geschehen, lässt mich Abstand nehmen von der Freude. Das will ich nicht. Diese Gefühle von gestern sollen mich so lange wie möglich durch den Tag begleiten. Alltag ist so viel öfter als Pokalsiege des MSV Duisburg vor Zuschauern, die alle von Anfang an dazu bereit waren, den Abend zu etwas Besonderem zu machen.

Allerhöchstens werde ich zum Spiel einzelne Sätze raushauen. Sätze, wie ich sie gestern dem Freund ins Ohr gebrüllt habe. Selten habe ich eine derart geschlossene Mannschaftsleistung vom MSV Duisburg gesehen, wo alle Spieler auf gleichermaßen hohem Niveau gespielt haben. Da ragte keiner raus, da fiel keiner ab. Alle auf den Zaun, natürlich! Alle verdienten es auf dem Zaun gemeinsam mit den Fans den Sieg zu feiern. Als die Banner-statt-Werbung-Fankurve  „Alle auf den Zaun“ sang, war das nicht nur die überschwappende Freude den höherklassigen Gegner besiegt zu haben, darin drückte sich auch spontan das Empfinden aus, dass der 1. FC Kaiserslautern durch eine von der Mannschaft gemeinsam erbrachten Leistung besiegt werden konnte.

Diese Mannschaft wirkte wie ein einziger Körper, der immer wieder an unterschiedlichen Stellen jeweils besondere Konturen gewann. Diese Konturen zeigten sich, wenn Olcay Sahan zu einem grandiosen Dribbling ansetzte oder er einmal mehr wieder einem Gegner hintersprintete, um ihn noch zu stellen. Das passierte, wenn Stefan Maierhofer sich selbst, die Mitspieler und immer wieder auch das Publikum mit großer Ausdrucksstärke dazu motivierte, auch noch die allerletzte Kraft  für den Sieg aufzubringen. Das passierte, wenn freie Räume durch Ivica Banovic und Goran Sukalo zugestellt wurden, Bruno Soares und Banimir Bajic die langen Bälle klärten oder Benjamin Kern und Olivier Veigneau sich die steilen Pässe auf die Kaiserslautern Flügel erliefen. Dann wiederum zeigte Julian Koch seinen dynamischen Antritt und Filip Trojan seine begnadete Technik. Diese Konturen zeigten sich natürlich, wenn Benjamin Kern mit Ecken und Freistöße für Gefahr im Kaiserslauterner Strafraum sorgte und als Branimir Bajic und Goran Sukalo die Tore für den MSV Duisburg erzielten.  Und es geschah, als in den letzten zwanzig Minuten David Yelldell sicher hielt, nachdem es den Kaiserlauternern bei ihrem vermehrtem Einsatz gelungen war, zweimal frei aufs Tor des MSV zu schießen. Nicht zuletzt zeigte sich die Konturen nach den Einwechslungen, als Sefa Yilmaz den Kontern des MSV Duisburg die notwendige Schnelligkeit gab und als Ivo Grlic souverän im Mittelfeld den Ball gegen jeden heraneilenden Kaiserslauter Spieler behauptete. Im Basketball nennt man so was, die Zeit klug ausspielen.

Wenn man die besondere Qualität dieses Sieges ganz begreifen will, so muss man sich an die ersten zehn Minuten des Spiels erinnern. In dieser Zeit war zu erkennen, dass der 1. FC Kaiserslautern sehr viel besser spielen kann als die sonstigen Gegner des MSV Duisburg aus der 2. Liga. Der MSV Duisburg hat nach kleineren Anpassungsschwierigkeiten bei den jüngeren Spielern problemlos mitgehalten. Olcay Sahan und Julian Koch etwa mussten sich darauf einstellen, dass ihnen vom Gegner mehr Widerstand entgegengebracht wurde, als sie es sonst gewohnt sind. Da blitzte zu Beginn zwei, dreimal der Olcay Sahan der Vergangenheit auf, wenn er beim Versuch des Dribblings am Gegenspieler abprallte und zu Boden ging. Doch zeigte sich schnell, das bleibt Vergangenheit, es war nur das andere Niveau, an das er sich gewöhnen musste. Und auch Julian Koch musste sich an ein anderes Timing für seine dynamischen Läufe mit dem Ball und der sich anschließenden Spielaktion gewöhnen. Auch das geschah schnell und reibungslos.

Knapp 23.000 Zuschauer waren im Stadion. Eine für Duisburger Verhältnisse zufriedenstellende Kulisse. Es war nicht ausverkauft, weil der MSV Duisburg seine Bedeutung für die Stadt erst wieder zurückgewinnen muss. Der Verein ist seit dieser Saison auf einem guten Weg, und nicht nur wegen der guten Leistungen, die die Mannschaft in dieser Saison zeigt. Dieses Mal wird erst an der Basis gearbeitet, und es werden keine unhaltbaren Versprechungen gemacht. Gute Voraussetzugen, um die Zuschauerzahl dauerhaft zu erhöhen. Dann werden Julian Koch und Stefan Maierhofer wie nach diesem Spiel häufiger von der Kulisse schwärmen können.

Dieser Sieg gegen den 1. FC Kaiserslautern war keine Pokalssensation. Die Mannschaft des MSV Duisburg durfte sich Chancen auf den Sieg ausrechnen. Deshalb schrumpft der Sensationsgehalt der Nachricht dieses Sieges doch erheblich zusammen. Der MSV Duisburg und seine Zuschauer brauchen die Überhöhung dieses Sieges nicht, um sich am Weiterkommen zu begeistern. Außerdem behalte ich mir die Sensation als Ausruf der Begeisterung lieber in der Hinterhand. Der Wettbewerb geht weiter, und ich möchte das Wort doch noch für das Geschehen benutzen, für das es dann passt.

Aus zweimal „Schwein gehabt“ wird doch kein Schweinespiel

Glaubt nur nicht, dass ich die ganze Winterpause hindurch auf dem Sofa gelegen habe. Die nahezu täglichen Trainingseinheiten brachten nur nichts Lesenswertes hervor. Ich war unter anderem noch zu sehr mit der Aufarbeitung des Pokalspiels in Köln und der hasserfüllten Atmosphäre dort, direkt neben dem Gästeblock, beschäftigt; vielleicht gibt es dazu in dieser Woche noch ein paar Fragmente. Vor dem gestrigen Spiel des MSV Duisburg gegen den VfL Osnabrück habe ich am Samstag dann noch ein paar Fingerübungen zum Warmmachen unter Ausschluss der Öffentlichkeit absolviert, und schon kann auch ich heute in die Rückrunde starten. Dabei hoffe ich, eine ebenso gute Leistung zeigen zu können, wie ich sie gestern von der Mannschaft des MSV Duisburg gesehen habe. Nicht das ganze Spiel über, das ist schon klar. Es redet niemand drum herum, dass der VfL Osnabrück ab etwa der 20. Minute bis zu den drei, vier Minuten kurz vor der Pause mindestens gleichwertig war und sich sogar Chancen erspielte, um in Führung zu gehen.

Dabei war der MSV Duisburg souverän gestartet. Wir sahen die Mannschaft kombinationssicher im Spiel nach vorne, dazu variabel auch immer wieder mit längeren Bällen den Erfolg suchend. Hinten geschah nicht viel, alleine Julian Koch war anzumerken, dass er sich erst wieder auf der rechten Außenverteider-Position einfinden musste. In den ersten 18 bis 20 Minuten sah es so aus, als ginge es nur um die Höhe Sieges. Schließlich schoss Filip Trojan bereits in der fünften Minute das Führungstor, nachdem er sich mit einer wunderbaren Einzelaktion auf der linken Seite von der Eckfahne aus in den Strafraum ziehend gegen zwei Osnabrücker Spieler durchgesetzt hatte. Doch mit einem Mal reihte sich Fehlpass an Fehlpass, und der Mannschaft gelang es nicht mehr, den Ball sicher über die Mittellinie zu bringen. Als dann auch der lange Ball auf Stefan Maierhofer die Osnabrücker Abwehr vor keine größeren Probleme mehr stellte, wurde das Spiel des VfL Osnabrück immer druckvoller.

Jeder Eckball der Osnabrücker schien Gefahr zu verheißen, und das Tor des VfL Osnabrück war dann nur die Bestätigung einer immer größer gewordenen Befürchtung. Danach hatte der MSV Duisburg noch einmal Glück, dass der Ball nach einer Parade von David Yelldell beim Aufspringen nicht mehr Effet erhielt. Der Ball flog nicht Richtung Tor, sondern Yelldell konnte ihn problemlos aufnehmen. Schwein gehabt, heißt das dann, was aus dem Spiel aber kein Schweinespiel machte, wie es Tobias Willi vor der Begegnung erwartet hatte.

Weder Glücks- noch Schweinespiel wurde die Begegnung deshalb, weil die Mannschaft des MSV Duisburg in der zweiten Halbzeit sich ihrer spielerischen Möglichkeiten wieder sicherer wurde. Dazu trug das frühe Führungstor bei, das nach einem beeindruckenden Flankenlauf von Oliver Veigneau Stefan Maierhofer mit einem Kopfball erzielte. Man merkte, die Verunsicherung durch die Fehlpässe war wieder verschwunden. Das gehemmte Spiel der ersten Halbzeit war vergessen, der unbedingte Siegeswille war wieder da.

So lässt sich das dritte Tor des MSV Duisburg als eine Geschichte dieses unbedingten Willens erzählen. Julian Koch trieb den Ball mit bekannter unbändiger Kraft nach vorne und setzte sich in allerletztem Moment gegen den Versuch des Wegspitzelns durch, um den Ball ein klein wenig zu kurz zum rechts frei stehenden Stefan Maierhofer zu spielen. Doch Maierhofer rutschte mit großem Risiko in diesen Pass hinein, um ihn vor dem Osnabrücker Abwehrspieler in die Mitte zurückzuspitzeln. Dort kann Sefa Yilmaz aus dem Lauf heraus schießen. Sehr fest war der Schuss nicht, doch für den Torwart wurde er unerreichbar abgefälscht.

Mit der Erfahrung aus der ersten Halbzeit wollten wir uns aber dem Siegesgefühl noch nicht ganz anvertrauen. Bei einem vierten Tor erst waren wir bereit, uns zu entspannen. Für einen möglichen Anschlusstreffer war uns die Mannschaft des MSV Duisburg nicht souverän genug. Deshalb schreckte uns noch einmal ein Osnabrücker Eckball, der im Fünfmeterraum aufsprang und am gesamten Tor in einer Höhe vorbeiflog, bei der alle Spieler den Ball knapp verpassten. Bei solchen herrenlosen Bällen wirkt jeder Spieler egal, was er auch tut, unbeholfen. Für uns Zuschauer sehen solche Bälle einfach so aus, als müssten sie getroffen werden können. Noch einmal „Schwein gehabt“.

Kurz danach durften wir uns endgültig entspannen, weil Olcay Sahan das Tor machte, was er inzwischen recht sicher machen kann. Er dribbelt sich so nah wie möglich ans Tor heran und schließt aus etwa fünf Meter vor dem Tor ab. An so einer Spielaktion wird deutlich, wie sehr sich Olcay Sahan weiter entwickelt hat. Vor einem Jahr noch wäre die Wahrscheinlichkeit groß gewesen, dass er diese Chance vergeben hätte. Wenn er einmal ohne vorheriges Dribbling sicher treffen wird und zudem aus größerer Entfernung, muss der MSV Duisburg stabil in der ersten Liga spielen, um ihn halten zu können. Aber Leistungsvermögen des einzelnen und Tabellenstände bedingen sich ja gegenseitig. Deshalb sehe ich der Rückrunde erwartungsfroh entgegen. Ivica Banovic war nicht anzumerken, dass er sein erstes Spiel für den MSV Duisburg nach nur kurzer Eingewöhnungszeit absolvierte. Er passt hervorragend zu der Mannschaft, und wenn seine Schusstechnik auch einmal wieder eine geringere Streuweite seiner Torschüsse möglich macht, wird die Mannschaft immer unberechenbarer. Dann könnten fast alle Spieler der Mannschaft torgefährlich werden, wenn es nötig ist. Dieses erste Spiel der Rückrunde vom MSV Duisburg lässt mich sehr ungeduldig auf das nächste Spiel warten.

Das Duisburger Fußballgesetz: Doppelpack von Spielern über 1,90m Körpergröße

Ich kann mir gut vorstellen, dass die Verleger von Deutschlands Tageszeitungen aus Sorge um die verkaufte Auflage ihrer Zeitung allmählich zu ungewöhnlichen Marketing-Maßnahmen greifen, um die weiterhin vorhandene Relevanz ihres Mediums der Öffentlichkeit zu  verdeutlichen. Möglicherweise hat Alfred Neven DuMont, Verleger des Kölner Stadt-Anzeiger, selbst dafür gesorgt, dass die A3 hinter dem Hildener Kreuz wegen Bauarbeiten am Samstagmittag nur einspurig befahrbar war.  Schließlich widmete sich seine Zeitung am selben Tag als Aufmacherthema dem Verkehrskollaps in NRW. Samstagmittag, ein zehn Kilometer langer Stau, völliger Stillstand auf der A3 anderthalb Stunden vor dem Anpfiff des Spiels vom MSV Duisburg gegen die SpVgg Fürth kurz hinter der Ausfahrt Langenfeld, und die Zukunft der Regionalzeitung scheint wieder etwas gesicherter, denn der Kölner Stadt-Anzeiger berichtet „kritisch“ und kennt die Hintergründe. Wir aber kennen die Ausweichstrecken und kommen etwa drei Minuten nach dem Anpfiff im Stadion an.

So brauchte ich mich nicht vor dem Fürther Abseitstor erschrecken, sondern konnte mich in Ruhe erst einmal orientieren. Erwartungsgemäß spielte Branimir Bajic wieder für Daniel Reiche. Dass Manuel Schäffler nicht spielte, war ebenfalls möglich gewesen, wenn auch der ihn ersetzende Filip Trojan sich offensichtlich auf einer anderen Position wohler fühlt als als Stürmer. Aber wieso spielte Benjamin Kern als rechter Außenverteidiger und Julian Koch im Mittelfeld für Ivica Grlic? Die Frage ging an den Nebenmann, und ich erfuhr, dass Grlic keineswegs verletzt war, sondern aus taktischen Gründen auf der Bank saß. Wenn das klappte, so dachte ich, war es ein Beweis mehr für die Qualität des MSV Duisburg in dieser Saison. Die Mannschaft erwiese sich als  variabler in der Spielanlage, wenn sie auf einen  Spieler verzichten könnte, der zu den ersten Erfolgen dieser Saison entscheidend beigetragen hat. Was von Milan Sasic geplant war, gelang tatsächlich, allerdings nur in der ersten Halbzeit.

Die Mannschaft des MSV Duisburg wirkte schnell leicht überlegen und schien das Spiel im Griff zu haben. Torgefahr ergab sich einmal recht früh durch Stefan Maierhofer und schließlich nach einem von Benjamin Kern geschossenen Freistoß durch einen Kopfball von Goran Sukalo. Den Ball hatte ich schon im Tor gesehen, doch der Fürther Torwart Max Grün zeigte einen glänzenden Reflex und lenkte den Ball noch über die Latte. Während ich noch zum Freund sagte, allmählich schießen sie sich ein, flog der von Filip Trojan getretene Eckball schon in den Strafraum und erneut kam Goran Sukalo zum Kopfball. Dieses Mal hatte Max Grün keine Chance zur Abwehr. Der MSV Duisburg führte 1:0. Ich konnte mich immer wieder an gelungenen Einzelaktionen freuen, sah den erneut beeindruckenden Auftritt von Julian Koch und zwei weitere große Chancen, ein Kopfball durch Koch knapp über das Tor und ein ungemein harter Schuss aus etwa achtzehn Metern durch Olcay Sahan. Erneut zeigte Max Grün seine Klasse und verhinderte ein weiteres Tor des MSV.

Kurz vor der Halbzeitpause blitzte mit einem Mal die Torgefahr der Fürther auf. Die MSV-Abwehr wurde mit einem steilen Pass überspielt, doch David Yeldell konnte den schwachen Schuss des Fürther Stürmers aufnehmen. Dieser Angriff war eine Art Vorausblick auf die zweite Halbzeit. Dass der MSV Duisburg die Führung in dieser zweiten Halbzeit behaupten konnte, war weniger der guten Abwehrleistung zu verdanken als der Abschlussschwäche der Fürther. Zwei sehr, sehr große Fürther Chancen endeten als Schüsse über das Tor. Neben diesen sehr, sehr großen Chancen gab es noch eine Reihe von großen Chancen. Die Mannschaft des MSV Duisburg hatte sich zu weit zurückgezogen und konnte keinen Gegendruck entwickeln, als die Fürther Angriffe erst einmal ins Rollen gekommen waren. Auch David Yelldell erwies sich in dieser Phase als Torwart der guten Reflexe.

Die Spieler des MSV Duisburg kämpften zwar aufopferungsvoll, doch ich fürchtete immer mehr, es könnte nicht reichen, die Führung über die Zeit zu bringen. Eine einzige Chance gab es in diesem Spielabschnitt für den MSV Duisburg. Doch Filip Trojan ist nicht der schussstarke Strafraumstürmer, den es in dieser Situation brauchte. Ab der fünfundsiebzigsten Minute herum keimte meine Hoffnung auf den Sieg wieder auf. Olcay Sahan verhinderte auf seiner Seite kurz nacheinander nicht nur mit eindrucksvollem Einsatz Angriffe der Fürther, sondern die gewonnenen Bälle konnten nun wieder durch kontrollierte Angriffe in die Fürther Hälfte gebracht werden. Schließlich die Erlösung: Goran Sukalo köpfte nach einer Ecke von Benjamin Kern sein zweites Tor. Was für eine Erleichterung! Im Bericht der Sportschau war stellvertretend für unser aller erleichtertes Seufzen nach dem Jubel Milan Sasic bei der gemeinsamen Freude mit Bruno Hübner zu sehen. Auch er seufzte erleichtert aus, auch er hatte offensichtlich um diese Führung gebangt.

In den letzten Minuten wurde deutlich, wie viel Kraft die Spieler des MSV Duisburg in diesem Spiel gelassen hatten. Diese Spieler gingen an ihre Reserven. Dennoch gab es Chancen auf ein drittes Tor. Olcay Sahan war in diesen Minuten weiter unermüdlich in seinem Vorwärtsdrang und in seinem Willen den verlorenen Ball zurück zu erobern. Eigentlich müssten allesamt erwähnt werden. Der eingewechselte Maurice Exslager etwa zeigte ein paar gelungene Aktionen und konnte nach einem Anspiel fast immer etwas Sinnvolles mit dem Ball anfangen.

Stefan Maierhofer will ich trotzdem noch gesondert erwähnen. Einen Spieler dieser Persönlichkeit habe ich beim MSV Duisburg lange vermisst. Dieser Mann verkörpert auf dem Spielfeld den bedingungslosen Siegeswillen. Er braucht anscheinend Reibereien und Aufregung für sein Spiel, ob das nun die Gegenspieler sind oder Balljungen, die den Ball zu schnell dem Gegner geben. So meine ich jedenfalls den leichten Rüffel verstanden zu haben, der da hinter die Bande ging. Eine Mannschaft braucht in solchen Spielen der Bedrängnis solche Typen. Mit seiner Präsenz auf dem Spielfeld entwickelt er nicht nur psychische Energie für das eigene Spiel, sondern die psychische Energie der Mannschaft wächst ebenfalls, was wiederum auf die Zuschauerränge überschlägt und von dort erneut zurückgegeben werden kann.

Dann tragen auch wir Zuschauer zur mannschaftlichen Stärke bei. Als die Führung des MSV Duisburg am gefährdesten schien, war von den Rängen dieses unterstützende „EM-ES-VAU-EM-ES-VAU“ zu hören. Wenn dieser Schlachtruf im ganzen Stadion laut wird, spüren wir, in dem Moment geht es um alles. Mit diesem Rufen soll  in Duisburg seit jeher den Spielern zu allerletzter Kraft verholfen werden. Mit diesem Rufen lösen wir Zuschauer die Grenze zwischen uns und den Spielern auf. Wir verschmelzen mit ihnen und werden zu einem Körper. Das sind die Momente, in denen das Gefühl von uns vollends Besitz ergreift, ein Teil von Sieg oder Niederlage zu sein. Das sind die Momente, in denen wir unsere Mannschaft größer machen können und uns selbst natürlich auch, wenn wir aufgehen in diesem großen Ganzen MSV Duisburg. Deshalb ist Fußball mehr als ein Geschäft. Deshalb überlege ich, ob ich es nicht doch am nächsten Sonntag nach Aachen schaffe.

Und für die Zukunft noch der kurze Hinweis an alle autofernreisenden MSV-Fans: eine erste Orientierung zur Verkehrslag bietet im Netz die Seite Verkehrsinfo.nrw. Und wo wurde die Technik dieser Seite entwickelt? An der Universität Duisburg! Auch wenn ich das aus lokalpatriotischen Überlegungen für eine erwähnenswerte Sache halte, will ich nicht so weit gehen und behaupten, die regelmäßige Anreise von Zuschauern des MSV Duisburg über die A3 war der hauptsächliche Anlass für die Entwicklung dieser Software.

Wer macht die meisten Fehler?

Man konnte mit so einem Gedenkspiel für die letzte Saison rechnen, aber musste der MSV Duisburg es unbedingt in Düsseldorf ausrichten? Zwar ging es gestern Abend von Spielbeginn an mit viel Einsatz zur Sache, doch auf beiden Seiten häuften sich Fehler auf Fehler. Bälle versprangen, Pässe endeten im Nichts, Schüsse auf die Tore gab es so gut wie keine und der Raum über dem Spielfeld war am Ende von Luftlöchern durchsiebt.

Der MSV Duisburg wirkte in dieser Fehlerflut im Laufe der ersten Halbzeit etwas sicherer und selbstbewusster. Die Mannschaft wollte das Spiel kontrolliert gestalten, doch es gelang so gut wie nichts. Der Plan war zu erkennen: Den Ball in den eigenen Reihen halten und aus dem Mittelfeld entweder mit halbhohen und hohen Pässen auf Stefan Maierhofer in den Strafraum gelangen oder im Spiel eins gegen eins über die Flügel die Abwehr überwinden. Für die hohen Bälle gab es zu wenig Platz, die Duelle am Flügel wurden meist verloren oder Flanken kamen zu früh. Ruhende Bälle brachten die Gefahr. So konnten wir fast den Ivica-Grlic-Klassiker Mitte der ersten Halbzeit erleben. Der von ihm getretene Freistoß traf das Lattenkreuz.

Die Spielqualität blieb in der zweiten Halbzeit unverändert miserabel, nur dass das Flügelspiel des MSV Duisburg zugunsten der halbhohen Bälle aus dem Mittelfeld reduziert wurde. Um die siebzigste Minute herum gewann das Spiel für ein paar Minuten an Dynamik. Beide Mannschaften versuchten mehr Druck zu erzeugen. Die Fehlerquote verringerte sich dadurch nicht, die Fehler folgten nur schneller aufeinander. Vielleicht war der kurz zuvor aufbrausende und lang anhaltende Support auf beiden Seiten der Auslöser dieses auf dem Spielfeld weniger lang anhaltenden Hin- und Herwogens.

Ich glaubte nicht mehr an ein Tor. Zufälle gibt es allerdings immer. So ein Zufall war der Versuch, Julian Koch mit einem hohen Pass zu überspielen. Wahrscheinlich wäre auch dieser Ball im Nichts gelandet, hätte Julian Koch ihn nicht per Kopf zu klären versucht. Der Abwehrversuch landete bei Sascha Rösler, der Patrick Zoundi mit einem Steilpass bediente, den dieser wiederum halb hereingibt, halb aufs Tor schießt. Vor der Torlinie rutscht Olvier Veigneau in den Ball und gibt dem Tor für die Fortuna den Rest. Wahrscheinlich wäre der Ball aber ohnehin ins Tor gegangen.

Fortuna Düsseldorf gewann, weil sich die Mannschaft wenig darum scherte, dass sie mit spielerischen Mitteln kaum einmal in Tornähe des MSV Duisburg kam. Brechstange konnte das allerdings auch nicht nennen, was da als letztes taktisches Mittel der Fortunen immer wieder versucht wurde. Vielleicht können wir ja die dillentantisch angesetzte Brechstange einführen, wenn ich an all die Schüsse der Fortuna aus der zweiten Reihe denke, die meterweit am Tor vorbei gingen. Höhepunkt war ein Ball, der im rechten Seitenaus vier, fünf Meter neben der Eckfahne landete. Er kam aus dem linken Halbfeld. Wer so schießt, trifft auch mal einen Körper der MSV-Abwehr, so dass der Ball im Toraus landet. Dann ergibt sich auch dieses Eckenverhältnis. War es 12 oder 13 zu 2?

Auf solche Mittel wollte der MSV Duisburg nicht zurück greifen. Sehen wir das mal positiv angesichts der Fehlerflut. Vielleicht muss man aber an so einem Tag des Fehlers sich frei machen von jeglichem Anspruch an das eigene Spiel? Vielleicht wäre in so einem Spiel ein Maurice Exslager mit seiner Dynamik schon nach der Halbzeitpause die richtige Einwechslung gewesen. Andererseits habe ich auch im Kopf, wie er nach seinen letzten Einwechslungen mit dem Ball immer wieder in den Gegenspieler läuft statt am Gegenspieler vorbei. Schwamm drüber. Wir haben gesehen, wie wichtig Srdjan Baljak für das Spiel des MSV Duisburg ist. Wir hoffen, seine Prellung ist bald ausgeheilt, und wir hoffen ebenfalls, dass dem MSV Duisburg ein 2009/2010-Gedenkspiel pro Saison ausreicht.

Anscheinend vertraue ich noch nicht genug

Wenn ich nach dem gestrigen Spiel des MSV Duisburg gegen den Karlsruher SC die Berichterstattung lese, komme ich ins Grübeln. Ob im Kicker, ob im Reviersport oder im Text des sid-Journalisten, den Der Westen und die Rheinische Post aufgreifen, nirgendwo finden sich Worte, in denen ich meine zeitweilige Unsicherheit über den Ausgang des Spiels gestern wiedererkenne. Vertraue ich der Mannschaft einfach noch nicht genug? Habe ich über die letzten Jahre verlernt, ruhig agierende Duisburger Spieler als souverän wahrzunehmen? Kann ich nur noch in der andauernden Auseinandersetzung mit vielen Zweikämpfen Leistung erkennen?

Es war ein recht emotionsloses Spiel gestern und bei dieser Art Spiel hoch zu gewinnen ist wahrscheinlich die eigentliche Leistung dieser Mannschaft. Das weist darauf hin, dass die Mannschaft den Gegner nicht braucht, um die eigene gute Leistung abzurufen. Die Spieler müssen sich weder in ein Spiel hinein kämpfen noch benötigen sie einen großen Gegner, um wach und konzentriert zu sein. Die Haltung zum Spiel ist von Anfang an vorhanden. Da zeigt sich allmählich anscheinend ein  Selbstbewusstsein, das das eigene spielerische Können kennt. Diese Mannschaft geht auf den Platz und weiß um die Chancen, die sie erspielen kann. Sie hat Geduld. Im MSVportal wird sich über die mangelnde Stimmung im Stadion beklagt. Das Spiel rief diese Stimmung aber auch nicht hervor, weil die Karlsruher nur in der zweiten Halbzeit einmal wirklich gefährlich waren, und der MSV Duisburg das Spiel sehr kontrolliert gestaltete.

Da in der Defensive beide Mannschaften gut agierten, brauchte nahezu jeder Angriff eine Art Vorspiel in der eigenen Hälfte. Gerade die Duisburger Mannschaft musste versuchen, einzelne Karlsruher Spieler aus ihrer kollektiven Defensivbewegung herauszulocken. Während der 1:0-Führung taten die Karlsruher Spieler dem MSV diesen Gefallen aber nicht. Deshalb wurde der MSV Duisburg vor allem dann gefährlich, wenn sie den schon verlorenen Ball durch intensives Laufspiel in der Karlsruher Hälfte sofort wieder eroberten. Bei diesem frühen Attackieren waren Stefan Maierhofer und Srdjan Baljak wieder überaus erfolgreich.

Beim Spielaufbau aus der eigenen Hälfte heraus tat sich besonders Olcay Sahan hervor, dessen Ballsicherheit auf engstem Raum wir ja kennen, dem die Anschlussaktionen an sein Dribbling aber sonst nicht so oft gelingen wie gestern. Oft zog er zwei, manchmal sogar drei Gegenspieler auf sich und schaffte dann noch den dem KSC Gefahr bringenden Pass. Der frühe Ausfall von Ivica Grlic ab etwa der 30. Minute wurde durch das Vorziehen von Julian Koch ins Mittelfeld und die Einwechselung von Benjamin Kern auf Kochs Position gut kompensiert. Allmählich beginnen wir alle uns zu wiederholen, wenn wir die Leistung von Julian Koch rühmen. Es beeindruckt, wie sein Stellungsspiel gegnerische Angriffsbemühungen erstickt und mit welcher Dynamik er den Ball nach vorne treibt. Der Jubel über Tore des MSV Duisburg wird noch schöner, wenn Julian Koch sie erzielt und ich seine Begeisterung über diese Kopfballtor sehe. Und wenn dann Sefa Yilmaz auf seiner Seite zwar dieses Mal nicht ganz so durchsetzungsstark ist, aber dennoch mit einem fulminanten Schuss das 3:0 erzielt, was will man mehr?

Ein wenig Gedanken mache  ich mir über den eingewechselten Filip Trojan. Es wirkt nicht so, als sei er mit seiner derzeitigen Rolle glücklich und wolle sich nach der Einwechslung beweisen. Da muss Milan Sasic etwas im Auge behalten, um die Stimmung bei allen Spielern des Kaders auszubalancieren.

Ich werde also weiter Vertrauen fassen und das Kombinationsspiel des Gegners um die Mittellinie herum nicht weiter beunruhigend finden. Das sieht vielleicht gefällig aus, je näher sie aber dem Strafraum kamen, desto ergebnisloser wurde ihr Zusammenspiel. Ob das nun Olivier Veigneau, Bruno Soares  Branimir Bajic neben Julian Koch oder Benjamin Kern sind oder Goran Sukalo in der Linie davor, die Spieler des MSV Duisburg ließen wenig zu. Ich glaube, ich muss mich tatsächlich erst wieder an so einen selbstverständlich herausgespielten Sieg gewöhnen. Ich muss das Vertrauen gewinnen, dass in den letzten zwanzig Minuten der ersten Halbzeit keineswegs dem Karlsruher SC das Spiel überlassen, sondern sich des eigenen Könnens gewiss, auf das zweite Tor hingearbeitet wurde.

Ich muss auch weiter daran denken, nicht auszusprechen, was Hertha BSC zurzeit als einziger Verein der Zweiten Liga unbedingt anstrebt. Alle anderen Vereine nehmen erst einmal Abstand vom Unaussprechlichen. Die Vereine, die es wollten, denken erst einmal nicht mehr daran, weil sie unten stehen und die die im Moment oben stehen, haben es nicht im Blick gehabt. Wenn es also keiner so richtig will das Unaussprechliche, dann kann es eigentlich fürs erste ruhig so weiter gehen, bis es zur Überraschung aller dann doch jemanden trifft. Denn neben Hertha BSC muss ein Verein der Zweiten Liga auf jeden Fall das Unaussprechliche wirklich werden lassen. Schließlich berechtigt neben dem ersten Platz noch ein zweiter Platz auf direktem Weg zum Unaussprechlichen. Welcher Platz war das nochmal?

Das Leichte ist häufig das Schwerste

Das sind die Tage, an denen es nicht genug zu lesen gibt über das, was wir erlebt haben. Das sind die  Tage, an denen unser Hunger auf immer neue Bilder und O-Töne kaum zu stillen ist. Wir versuchen alle möglichen Wiederbelebungsmaßnahmen des Gesehenen, denn dieser Sieg gestern gegen den FC Augsburg will ausgekostet werden, so intensiv es geht. Lange klappt das in einer englischen Woche ohnehin nicht. In drei Tage steht das Auswärtsspiel beim FC Union Berlin auf dem Spielplan.

Dieser Sieg war begeisternd, und ihm wohnte gleichzeitig die Bedrohlichkeit einer großen Enttäuschung inne. Der MSV Duisburg ließ dem FC Augsburg nahezu keine Chance, so überlegen war sein Spiel. Schon in den ersten zwanzig Minuten schloss die Mannschaft mehrere ihrer Angriffe gefährlich ab. Srjdan Baljac wäre so früh fast die Führung gelungen, als er eine Hereingabe von der linken Seite kunstvoll Richtung Tor lenkte. Der Reflex des Augsburger Torhüters Mohamed Amsif verwandelte den Jubelschrei ins ungläubige Aufstöhnen.

Erst in der 56. Minute erzielte dann Srjdan Baljac das 1:0. Auch wenn der FC Augsburg keine deutliche, kontinuierliche Gegenwehr zeigte, gab es im Spiel immer wieder Einzelaktionen, in denen die Augsburger Stürmer ihr Potential erahnen ließen. Da blitzte an ungefährlichen, torferneren Orten des Spielfelds die Grundschnelligkeit dieser Stürmer auf, und so blieb die Sorge, dass erneut wie gegen den TSV 1860 München ein kleiner Fehler in den Reihen des MSV Duisburg dem FC Augsburg die Chance auf ein Tor aus dem Nichts ermöglichen könnte.

Der MSV Duisburg störte jeden Spielaufbau der Augsburger auch nach der Führung schon früh. So kam es in der letzten Viertelstunde zu Kontern mit Chancen auf ein zweites Tor im Drei-Minuten-Takt. Doch Konter um Konter wurde vergeben, und dabei hatte ich den Eindruck, die Chancen wurden immer klarer. Sah man in die Gesichter der Duisburger Spieler nach dem dritten oder vierten dieser vergebenen Konter, konnte einem angst und bange werden. Für einen Moment wirkten sie fast traumatisiert darüber, dass ihnen selbst im Spiel mit drei gegen eins kein zweites Tor gelang. Für einen Moment durchzuckte mich die Furcht, die Enttäuschung könne zu groß sein, um konzentriert weiter zu spielen. Dem war nicht so. Der MSV Duisburg ließ in seinen Bemühungen nicht nach. Es blieb in diesen letzten Minuten weniger Bangen als im Spiel gegen München, doch noch genug, um diesen so verdienten Sieg bedroht zu sehen. Das spürte das gesamte Publikum und wollte seinen Teil zum Sieg in diesen letzten Minuten mit anhaltendem Anfeuern auf allen Plätzen beitragen.

Diese Mannschaft des MSV Duisburg erwirbt sich gerade Sympathie und Vertrauen der Zuschauer. Mit dieser Spielweise werden sich die Ränge allmählich füllen. Was zu sehen war, wird weiter erzählt. Auf diese emotionalen Momente wie gestern und im Spiel gegen 1860 München haben wir in Duisburg lange verzichten müssen. Diese Momente sind wieder erlebbar im Stadion, und diese Mannschaft hat es verdient, dass die Zuschauerzahl im Laufe der Saison zu Spielen gegen Spitzenmannschaften auch gerne mal an der 25.000er- Marke kratzen kann.

Nun stehen wir jenen Spielverläufen gegenüber, bei denen Feinanalysen notwendig werden, damit die Mannschaft sich weiter verbessert. Es reicht nicht mehr aus, pauschal mangelnde Laufbereitschaft oder zu geringes Durchsetzungsvermögen zu bemängeln. Letzteres mag es auch in einzelnen Momenten beim Spiel nach vorne geben, aber die Mannschaft spielte so stark, dass solche kleinen Mängel nicht ins Gewicht fielen. Im Gegenteil, es ließe sich sogar als psychische Stärke deuten, dass etwa Sefa Yilmaz unermüdlich seine Gegenspieler zu überspielen versuchte, auch wenn er nicht so erfolgreich war wie noch im Spiel gegen München. Diese innere Stärke führt schließlich zu einem Durchsetzungsvermögen, wie er es bei der Vorarbeit zum Führungstreffer zeigte. Er kam ins Stolpern und es schien schon so, als ob sein Gegenspieler ihn gestoppt hätte. Doch beim Stolpern mit anschließenden Kniefall versuchte er, den Ball weiterhin zu kontrollieren. Dann reaktionsschnell aus dem Sturz auf die Knie wieder auf die Beine kommen und aus dem erneut drohenden Vornüberfallen den Sprint mit Ball schaffen, das braucht nicht nur unbedingten Willen diesen Ball nach vorne zu treiben, sondern auch den Glauben, dass etwas glücken wird in einer Spielsituation, die zunächst nicht klar erkennbar ist.

Dieser Energieleistung von Yilmaz gleicht auch ein Solo-Lauf von Julian Koch, der ungefähr von der Mittellinie aus in eine Lücke gestartet war und eigentlich darauf aus war, abzuspielen. Allerdings stand ihm unablässig ein Augsburger Gegenspieler im Weg, so dass er geradezu gezwungen wurde, den nächsten Spieler zu umkurven. Das geschah insgesamt viermal, oder fünfmal sogar?, so dass er sich schließlich im Strafraum befand und kurz vor der Torauslinie in den Rückraum spielen konnte. Leider wurde dieser Pass abgefangen, und es war beeindruckend, wie Julian Koch augenblicklich zurücksprintete, um die notwendig werdende Defensivarbeit wieder aufnehmen zu können.

Dieser Solo-Lauf kam unerwartet, wahrscheinlich sogar für Julian Koch selbst, aber es macht diese Mannschaft aus, dass ihr planvolles und disziplinierte Spiel immer wieder überraschende Momente zeigt. Es gibt in dieser Mannschaft mehrere Spieler, die machmal etwas anderes machen, als es der Gegner erwartet.

Der MSV Duisburg hat den Druck auf den FC Augsburg nahezu das gesamte Spiel über kontrolliert aufgebaut. Wie oft haben wir eine Mannschaft in den letzten Jahren erlebt, der das nur in Ansätzen gelang. Im Spiel gegen den TSV 1860 München war dieser Mannschaft bereits der unbedingte Wille anzumerken, den Gegner möglichst früh anzugreifen. Doch wirkte dieser frühe Angriff ungestümer als gestern und damit auch abhängiger von der Grundemotion, die sich auf dem Platz entwickelt. Im Spiel gegen den FC Augsburg war dieser Wille zum frühen Angriff ebenfalls jederzeit spürbar, doch das Agieren auf dem Platz schien mir überlegter und weniger abhängig von einer sich notwendiger Weise entfaltenden kämpferischen Energie.

Durch das notwendig gewordene Ersetzen beider Innenverteidiger wurde gestern aber auch deutlich, Milan Sasic hat durch die Zusammenstellung des Kaders Möglichkeiten gewonnen, die Mannschaft unterschiedlich ohne Qualitätsverlust aufzustellen. Auch diese Erkenntnis vermittelt der Mannschaft Sicherheit. Wenn ich an dieser Stelle nun nicht weiter auf die Leistungen der anderen  Spieler der Mannschaft eingehe, bedeutet das keineswegs, deren Leistungen wären nicht erwähnenswert gewesen. Mir geht nur im Gegensatz zu den Spielern gestern die Luft aus. Sie haben wirklich gut gespielt. Alle!


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