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Ein 3:0 nach dem Zwiebelprinzip: Unter der Souveränität die Lage Glück

Englische Wochen haben es in sich. Große Lust verspüre ich nicht an diesem Donnerstagmorgen, über das gestrige Spiel des MSV Duisburg gegen SV Elversberg zu schreiben, besonders weil der Sieg souverän und gleichzeitig auch glücklich war. Wenn beides zutrifft, muss einiges erklärt werden. Aber wie gesagt, eigentlich ist mein Kopf nicht frei für einen gründlich erklärenden Spielbericht. Eigentlich steht heute Aufbauschreiben für die Wochenendbegegnung an, vielleicht noch ein paar Lockerungsübungen in Sachen Heimatlied – Sektion Duisburg, aber doch nicht Gedanken zu einem Spiel, das mit einem sehr frühen Kopfballtor durch Tanju Öztürk in der 2. Minute begann und dann für ungefähr weitere 55 Minuten  sich so anfühlte, als sei es den Spielern des MSV Duisburg gestern genauso gegangen wie mir heute.

Nach diesem frühen Führungstor wollten die Zebras nicht viel riskieren, sie wollten den Einsatz in Grenzen halten und das Spiel dennoch kontrollieren. Was wirklich nicht schön anzusehen war, weil zu so einer Spielkontrolle die nötige Ballsicherheit beim Spiel nach vorne vollends fehlte. Das führte in der Offensive zu großem Gewurschtel, unpräzisen Pässen, ergebnislosen Einzelaktionen und dem Ball abgeben an den Gegner. Der Elversberger Spielaufbau wurde dann in deren Hälfte halbherzig angelaufen. Mir fehlt gerade das passende Wort. Stören möchte ich das nicht nennen, Pressing darf jeder völlig vergessen. Wie gesagt, das wäre nicht weiter schlimm gewesen, wenn die Defensive in der eigenen Hälfte souverän gestanden hätte. Da aber die Sicherheit der Defensive bei solch einer Spielweise  besonders mit der Qualität der Offensive zusammenhängt, war absehbar, dass die Elversberger zu ihren Chancen kommen würden. Die Mannschaft erwies sich als abschlussschwach, zudem kam bei einem Pfostentreffer in der zweiten Halbzeit Pech dazu. Oder war es die Latte?

Ihr seht, ich knüpfe an die Mannschaftsleistung an, Unsicherheiten und Fehler durchzogen das Spiel. Die Konsequenz war großer Unmut auf den Rängen. Das Pfeifkonzert zur Halbzeitpause trotz Führung machte deutlich, das Duisburger Publikum ist mit Ergebnisfußball momentan nicht zufrieden. Ich machte keine Ausnahme, obgleich ich Pfiffe zu diesem Zeitpunkt für verfehlt hielt. Aber auch Fans sind manchmal hilflos wie die Spieler und greifen auf unpassende alte Schlager des Unmuts zurück wie „Wir woll’n euch kämpfen sehen“. Wenn eines sicher ist, die Spieler kämpfen. Die Schwierigkeiten dieses Mal lagen in dem notwendigen Aufbauspiel bei einer solchen Spielanlage in der Defensive.

Als Karsten Baumann dann in der 60. Minute etwa Patrick Zoundi für Gerrit Wegkamp einwechselte, gab es endlich das Ventil für allen Unmut. Pfiffe, „Baumann raus“ und Sprechchöre für Gerrit Wegkamp. Ein großer Teil des Duisburger Publikums hält Karsten Baumann für den Schuldigen an der Spielweise. Ihr merkt, ich gehöre nicht dazu. Natürlich ist er verantwortlich mit seinen Vorgaben für die Spielweise. Ich ärger mich auch und wenn ich mich beruhigt habe, überlege ich, welche Alternative es gibt. Ich sehe keine. Ich glaube nicht, dass ein anderer Trainer erfolgreicher mit der Mannschaft gewesen wäre. Ich sehe aber auch, solche Überlegungen spielen keine Rolle mehr. Es geht nicht mehr alleine um den Erfolg. Es geht um Spielkultur. Es geht um die Entwicklung der Mannschaft. Wahrscheinlich fehlen  zwei, drei Spieler für diese Entwicklung.

Natürlich hat sich Karsten Baumann bestätigt gefühlt, als Patrick Zoundi nicht nur die Angriffe des MSV Duisburg sofort gefährlicher machte, sondern bald auch durch sein konsequentes Nachgehen das 2:0 erzielte. Andererseits beweist diese Einwechslung gleichzeitig auch nicht viel. Patrick Zoundi kommt meist in dieser Spielphase und nicht immer ist er so erfolgreich. Nicht alles ist eben so eindeutig, wie es auf den ersten Blick scheint, ob nun positiv oder negativ über Karsten Baumann geurteilt wird. Ich vertraue auf Ivo Grlics Urteil über die grundsätzliche Qualität von Karsten Baumanns Arbeit. Es ist aber auch klar, die Mannschaft und damit Karsten Baumanns Arbeit wird von vielen MSV-Zuschauern in den nächsten Spielen nicht nur an den Ergebnissen gemessen.

Das dritte Tor wurde zwar ebenfalls durch Patrick Zoundi erzielt, der Beifall muss aber vor allem Phil Ofosu-Ayeh gelten, der in der 79. Minute bei einem Konter noch einen Sprint samt Ball über das ganze Spielfeld hinlegen konnte, ohne dass ihn ein Gegenspieler einholte. Zudem behielt er an der Strafraumgrenze den Überblick,  um quer auf Zoundi abzulegen. So wirkt der Sieg souveräner, als er war. Glück gehörte besonders zu Beginn der zweiten Halbzeit hinzu, als die Elversberger ihre Abschlussschwäche zu überwinden begannen.

Tanju Öztürk und Phil Ofosu-Ayeh mit Kommentaren nach dem Spiel

 

Prinz Gutti I. macht den Unterschied

Einmal Prinz zu sein, gehörte bislang weder in Duisburg noch in Köln zu meinen vorrangigen Lebenszielen.  Aber wer weiß, welche Zufälle mir noch begegnen? Deshalb habe ich mir nach dem Spiel des MSV Duisburg gegen Rot-Weiß Erfurt erstmal die Kontaktdaten von Prinz Gutti I. rausgesucht und gut beiseite gelegt. Jedem anderen mit Ambitionen zur Narrenregentschaft in Duisburg sei dasselbe empfohlen, um die Pflichtaufgabe des Stadionbesuchs beim Erfahrungsaustausch mit dem diesjährigen Prinzen gut vorzubereiten. Denn es war Prinz Gutti I., der den Fluch des Regentenbesuchs gebannt hat, mehr noch, er wurde zum Glücksbringer. Denn auch wenn der MSV Duisburg viel für den 3:2-Sieg gegen Rot-Weiß Erfurt getan hat, und  „unverdient“ in dem Fall keine Standardkommentar-Karriere machen wird, einiges Glück war dennoch unbedingt notwendige Zutat zur Leistung aller Spieler im Zebra-Trikot.

Eigentlich ging das Spiel des MSV Duisburg in den ersten zwanzig Minuten gut an. Trotz der erwarteten kompakten Erfurter Defensive ergaben sich für die Zebras Chancen. Vor allem fand das Spiel  fast auschließlich in der Gäste-Hälfte statt. Kevin Wolze schoss nach wenigen Sekunden Spielzeit knapp am Tor vorbei, Tanju Öztürk kam etwas später zum Kopfball und zielte dafür auch etwas weiter daneben. Der Mannschaft gelangen Kombinationen auf engem Raum rund um den Strafraum. Die Hoffnung auf weitere Torchancen hatte durchaus Berechtigung.

Doch bei der Spielvorbereitung muss sich das Trainerteam der Erfurter über eine entscheidende Schwachstelle im Spiel der Zebras intensiv Gedanken gemacht haben. Der MSV braucht bei ruhenden Bällen oft recht lange, um wieder spielbereit zu sein. Eine Mannschaft, die den Ausball schnell einwirft oder den Freistoß im Halbfeld ohne Zögern ausführt, kann sich einige mühselige Angriffsarbeit zur Raumöffnung sparen. Erfurt war die erste Mannschaft, die das konsequent ausnutzte. Die großen Erfurter Chancen der ersten Halbzeit sowie das Führungstor ergaben sich aus schnell ausgeführten Spielaktionen nach Schiedsrichterentscheidungen für die Gäste.

So machten sich die Zebras einmal mehr das Leben selbst schwer. Die Erfurter warteten in der 24. Minute einfach nicht mit dem Einwurf, bis sich alle beim MSV auf die kommende Defensivarbeit gedanklich eingestellt hatten. Der Weg zum Tor von Michael Ratajczak war frei, und schon trudelte der Ball nach einem Lupfer Richtung Torlinie. Kurz keimte Hoffnung auf, der zur Torlinie kommende Christian Eichner könne den Ball noch wegschlagen. Gleichzeitig gab es diesen heransprintende Erfurter Spieler. Hoffen und Bangen!  Die Zeit stand still, damit die ersehnte Rettungstat geschähe. Nur keinen Querschläger! Doch das Rettende blieb fern, Christian Eichner wartete. Worauf, war nicht zu erkennen. So rannte der Erfurter Patrick Göbel kurzerhand mitsamt dem Ball ins Tor am wartenden Eichner vorbei. Ein Schock, der die Zebras völlig aus der Fassung brachte. Es dauerte Minuten, ehe sich die Spieler wieder stabilisierten. Zu unserer großen Erleichterung gelang es den Erfurtern in dieser Zeit nicht, ein weiteres Tor nachzulegen. Zwar entfalteten sie weiterhin Druck, doch dauerhaft präzise im Abschluss waren die Gäste dann doch nicht.

Nachdem im Spiel des MSV zumindest wieder Ansätze von Ordnung zu sehen waren, gelangen auch wieder vereinzelte Angriffsaktionen. Einer dieser Angriffe endete in der 36. Minute mit einem Freistoß zentral vor dem Tor in aussichtsreicher Entfernung. Branimir Bajic lief an und schoss, wie man besser nicht schießen kann, zum Ausgleich ins Tor. Zwingend war ein Tor für den MSV in dieser Spielphase nicht.  Was natürlich niemanden bei uns davon abhielt, darauf zu hoffen, die Sicherheit der ersten Spielminuten könnte zurückkehren. Zunächst musste Michael Ratajczak aber mit einem grandiosen Reflex den erneuten Rückstand verhindern, dann erst entfaltete sich nach der Halbzeitpause eine Ahnung vom möglichen Sieg, ohne dass die Zebras noch einmal so spielbestimmend wie zu Beginn werden konnten.

Mit dem Doppelwechsel, Gerrit Wegkamp und Athanasios Tsourakis für Patrick Zoundi und Deniz Aycicek, wurde die Offensivkraft verstärkt und zugleich das Risiko in der Defensive erhöht. Deniz Aycicek hatte bis dahin solide gespielt, etwas unauffälliger als gegen Leipzig, Patrick Zoundi war gut gewesen, hatte sich viele Bälle erlaufen und oft für Unruhe in der Erfurter Defensive gesorgt.  Viel Spielzeit wurde ohnehin nicht im Mittelfeld verbracht. Dort ging es auf beiden Seiten fast das ganze Spiel mit steilen Pässen schnell vorne. Die Alternative dazu waren halbhohe Bälle steil nach vorne. Gerrit Wegkamp versprach mehr Wucht vor dem Tor. Der Mann gefällt mir. Schnörkellos spielend weiß er jederzeit, wie es Richtung gegnerisches Tor geht. In der Nähe des Strafraums zieht ihn das Tor magnetisch an, ohne dass er den Blick für die Mitspieler verliert. So eine Dynamik bei gleichzeitigem Torinstinkt sowie Auge für die Mitspieler hat es beim MSV lange nicht mehr gegeben.

Spielentscheidend war dann der große Auftritt von Prinz Gutti I. von der 66. bis 67. Minute. Er machte unmissverständlich klar, statt des Niederlagenfluchs hatte er Siegesglück mitgebracht. Defensive und Offensive verstärkte sein mitgebrachtes Glück gleichermaßen. Zunächst lenkte es einen freien Schuss der Erfurter nach großem Strafraumdurcheinander an die Latte. Anschließend machte es sich sofort in der Offensive nach einem Freistoß nützlich. Der hoch herein geschlagene Ball tropfte vom Körper eines stehenden Erfurters zum Führungstreffer ins Tor. Verständlich, dass kein MSV-Spieler nach der langen Prinzenbesuchniederlagenserie an so ein Prinzenglück glauben konnte und stattdessen allesamt Kingsley Onuegbu zum Tor gratulieren wollten.

Gefährlich wurde es danach für den MSV Duisburg erstmal nicht. Im Gegenteil, Prinz Gutti I. wollte die Nerven der MSV-Fans beruhigen. Weil Athanasios Tsourakis mit einem seiner Haken-Dribblings sowie dem passablem anschließenden Schuss gute Vorarbeit leistete, brauchte er dieses Mal nur ein Quentchen Glück hinzufügen und schon hob sich das Bein eines Erfurter Abwehrspielers in die Schußbahn, um den Ball für den Torwart unerreichbar abzulenken. 3:1!

Wir gebrannten Duisburger Kinder wussten, so eine Zwei-Tore-Führung verspielen Zebras gerne auch mal kurz vor Abpfiff. Zwar kamen die Erfurter kaum mehr zu kontinuierlichen Angriffen, dennoch überraschte deshalb das zweite Tor der Gäste nach einem Freistoß in der Nachspielzeit wenig. Das kennen wir, so lieben wir unseren MSV Duisburg. Und wenn wir ehrlich sind, schützt so ein spätes Gegentor vor drohender Samstagnachmittagslangweile ohne die Gefahr einer grundsätzlich verdorbenen Laune. Zumal Markus Bollmann anschließend ein breites Repertoire als Eckenherausspieler zeigte. Er nutzte sowohl das gefühlvolle Anspielen der Beine des Gegners als auch den an brachiale Befreiungsschläge erinnernden Schuss aus ein bis zwei Meter Entfernung, der dennoch den Erfurter Spieler berührte, ohne ihn schwerer zu verletzen. Das reichte für den Zeitvertreib bis zum Schlusspfiff.

Gestern Morgen war ich dann übrigens fast versucht, auf der Drittliga-Seite vom Kicker den „Tabellenrechner“ im Menü auch endlich anzuklicken, nachdem ich mehr unbewusst als gezielt meinen Cursor immer mal über den Menüpunkt habe kreisen lassen. Letztlich war mir das dann ein Spieltag zu früh. Das Ergebnis gegen Dortmund wird entscheiden, ob ich uns wie in der Saison 2011/2012 durch meine gar nicht mal allzu optimistische Prognosekraft etwas früher schon zu einem guten Ende der Saison verhelfe.

Bleibt noch die Pressekonferenz sowie die Stimmen von Athanasios Tsourakis, Matthias Kühne und Michael Ratajczak.

Der Spielbericht beim MDR, in dem die Reporter-Sympathie für Rot-Weiß Erfurt die Wertung des Spiels leicht einfärbt.

Radioreporter macht MSV-Aufstieg dringend nötig

Seit gestern weiß ich,  dass ich den MSV Duisburg lieber gestern als heute wieder in der 2. Liga sehen möchte. Vergesst das Geld, was für eine Nebensache gegen die Medienlage. Sehen will ich den MSV, auch wenn ich nicht ins Stadion komme! Dann wäre so eine Radioreportage, wie wir sie uns beim Spiel vom MSV in Chemnitz haben anhören müssen, nur noch der Anlass zur unterhaltsamen Anekdote über eine dunkle Vergangenheit. Wahrscheinlich haben sich die Kollegen vom MDR angesichts akuten Sportjournalistenmangels einfach breit schlagen lassen, auch mal ein Fußballspiel zu kommentieren. Wahrscheinlich sollten wir deshalb mit den gelernten Brauchtumsreportern viel nachsichtiger sein.

Wahrscheinlich sitzen Ronny Maiwald und Alexander Schubert sonst beim „Tag der Sachsen“ in ihrer Sprecherkabine und kommentieren stundenlang vorbeiziehende Fußgruppen in lustigen historischen Verkleidungen. Wahrscheinlich trinken sie sonst beim jährlichen Verbandstreffen der Brauchtumsreporter ihr Bier mit Wicky „De Zoch is ming Ding“ Junggeburth und den SWR-Fassnachtsfachleuten und prahlen damit, wie sie jüngst wieder einen ganzen Tag lang die Zeit kaputtkommentiert haben.  Die haben einfach nicht gewusst, dass selbst ein torloses Fußballspiel eine eigene Spannung mit sich bringt. Wahrscheinlich empfanden sie das Fußballspiel einfach als Brauchtumsumzug ohne festgelegte Wegstrecke und hauten deshalb bei dem Durcheinander vorsichtshalber mal ein paar Dönekes und launige Belanglosigkeiten mehr raus.

Ich habe in diesem dahinplätschernden Dauergeplauder meist nicht mitbekommen, wenn vom Fußballspiel selbst die Rede war. Vorsichtshalber habe ich darum einen Live-Ticker aufgerufen, damit mir wenigstens der aktuelle Spielstand klar war. Als ich die Aufstellung las, kitzelte die Hoffnung auf den Auswärtssieg mächtig. Karsten Baumann wollte der Mannschaft mehr Offensivkraft geben und ließ Gerrit Wegkamp von Anbeginn spielen. Wenn ich nun über das Spiel bei unterschiedlichen Quellen lese, Karsten Baumann auf der Pressekonferenz höre und den dann doch vorhandenen Spielbericht vom MDR sehe, war es mit den Möglichkeiten zum Sieg recht bald schon vorbei. Wir können froh über das Unentschieden sein, und dürfen Michael Ratajcak danken, der einige große Chancen der Chemnitzer zunichte machte. Viel mehr kann ich über das Spiel selbst nicht schreiben.

Es zeigt sich aber einmal mehr, die Mannschaft vom MSV Duisburg kann ihre Leistungen nicht stabil abrufen. Sie spielt nicht sicher genug, um ein Spiel dauerhaft zu gestalten. Darin gleicht sie den meisten Mannschaften der 3. Liga – Heidenheim und Leipzig ausgenommen -, deren spielerische Möglichkeiten vom Spielverlauf abhängig sind.  Tagesform und auch der Zufall entscheiden, welchen Ausgang ein Spiel jeweils nimmt. Deshalb können wir mit diesem Unentschieden zufrieden sein. Zu hoffen ist, dass Christian Eichner sich nicht schwerer verletzt hat. Zu hoffen ist aber auch, dass sich eine Erkenntnis des MDR-Reporters dauerhaft bewahrheitet. Leitmotivisch erkärte er uns ja den entscheidenden Unterschied zwischen der Regensburger und der Duisburger Mannschaft: „Duisburg ist von der Kompaktheit her ein anderes Kaliber.“ Gewonnen hat Regensburg gegen Chemnitz trotzdem, was mich wiederum rätseln lässt, ob wir mit diesem Kaliber nur auf weitere ausbleibende Niederlagen hoffen dürfen oder auf mehr.

Hochgefühle halten lang und länger

Statt fehlender Worte war es fehlende Zeit, die mich heute erst in Erinnerungen an den Samstag schwelgen lassen. Aber so ein Hochgefühl wie nach dem 2:1-Sieg des MSV Duisburg über RB Leipzig lässt sich auch noch einen Tag länger auskosten. Allzu oft war in den letzten Jahren in unserem Stadion so ein ekstatischer Jubel wie nach dem Tor von Kingsley Onuegbu kurz vor Abpfiff nicht zu hören. Was für eine Explosion der Begeisterung! Welch ein Torjubel! Manchmal möchten wir gerne daran glauben, dass irgendjemand die Fäden für so ein Ereignis in der Hand hat. Respekt, würde ich dann sagen, derjenige hat ein hervorragendes Gespür für Dramaturgie und Spannung gewürzt mit einer Prise Moral. An diesem Samstag hatte sich das Geld nicht durchsetzen können.

So ein Jubel entsteht nur, wenn wir alle um unsere Helden bangen; wenn wir lange spüren, wie gefährdet sie sind, wie sehr sie sich mit allem, was sie können und haben für das einsetzen, was sie erstreben. Unsere Helden wollten den Sieg, keine Frage. Aber die Leipziger Mannschaft spielte sehr gut. Wider Erwarten wurde die Hoffnung auf den Sieg früh schon lebendig. Etwas überraschend erzielte Deniz Aycicek nämlich in der 29. Minute die Führung für den MSV. Das Tor verhalf dem Spiel zudem zu einem Moment der Komik. Während in der Mitte vor dem Leipziger Tor Kingsley Onuegbu und Patrick Zoundi nach vergeblichen Schussversuchen sich als Klageduo versuchten, spielte Aycicek einfach weiter und nahm dem Leipziger Abwehrspieler den eigentlich schon geklärten Ball wieder ab.

Nach vorne ging von beiden Mannschaften danach nicht mehr viel Gefahr aus. Schließlich kam die Halbzeitpause, um Atem zu holen. Nach Wiederanpfiff meinten wir uns für kurze Zeit noch mehr beruhigen zu können, weil sich in das Spiel der Leipziger Mannschaft Fehler einschlichen. Die Zebras schienen nicht mehr nur zu reagieren, sie begannen aktiver zu werden. Und wie es sich für eine perfekte Dramaturgie gehört, kommt in genau diesem Moment der Rückschlag. Der Ausgleich fällt und fortan dreht sich alles in die andere Richtung. Nun erarbeiten sich die Leipziger klarere Chancen, die mit ihrer Torgefahr erst jetzt zu der schon in der ersten Halbzeit gezeigten Spielanlage passten. Vor diesen Chancen hatten wir uns schon in den ersten 45 Minuten gefürchtet. Bei uns herrschte nämlich schnell die Meinung, eine bessere Mannschaft hatten wir in dieser Saison in Duisburg noch nicht gesehen.

Das Pressing der Leipziger beindruckte. Die gesamte Mannschaft bewegte sich gemeinsam so, als ob die Spieler weiterhin durch die Hilfsbänder des Defensivtrainings miteinander verbunden waren. Ein ballführender Duisburger stand sofort drei Gegenspielern gegenüber. Das wiederum verweist aber auch auf die Qualität des Duisburger Spiels. Trotz dieses so gut funktionierenden Pressings wurde kontinuierlich versucht, den Ball im kontrollierten Passspiel aus der eigenen Hälfte in den Angriff zu tragen. Nur selten erfolgte als letztes Rettungsmittel aus der Bedrängnis der Befreiungsschlag als Passversuch in die Weite. Dennoch wirkte im Vergleich die Leipziger Spielanlage überlegen. Die Leipziger Stürmer waren beeindruckend schnell, und es war klar, ein kleinster Fehler auf Zebraseite könnte zu einem Tor führen.

Für Zuschauer ohne spirituelle Neigungen sind es ja die Spieler selbst, die auf dem Feld an der perfekten Dramaturgie arbeiten. Dazu passte die erste Ballberührung von Gerrit Wegkamp nach seiner Einwechslung, die sogleich zu einer Torchance führte. Sein Schussversuch wurde erst im allerletzten Moment geblockt. Der Neuzugang war sofort präsent, wirkte selbstbewusst und zwang die Leipziger Defensive sich mit ihm zu beschäftigen. Freiräume entstanden so für seine Mitspieler, und allmählich geriet das Spiel wieder ins Gleichgewicht. Der MSV reagierte nicht mehr nur und musste aufs Glück setzen. Die Spieler gewannen die Kontrolle über das eigene Schicksal zurück.

Und wer sich als Dramaturgie-Perfektionist so gelungen um den großen Bogen kümmert, lässt sich den kleinen Bogen eines sich steigernden spannenden Finales nicht entgehen. In diesen letzten Minuten des Spiels war das Spiel völlig offen. Es wogte hin und her. Beide Mannschaften wollten den Sieg. Die Zebras aber wirkten mit einem Mal entschlossener. Sie waren zu noch mehr Einsatz bereit. Ganz vorsichtig begann ich meinem Eindruck zu trauen, die Zebras glaubten mehr an den Sieg als die Leipziger. Die endgültige Krönung dieser Dramaturgie wurde dann ein sich steigernder Chancen-Dreischritt.

Das Finale begann mit der Ahnung von Torgefahr durch einen Wegkamp-Kopfball nach weiter Flanke. Im Ansatz war zu sehen, die Defensive hatte viel Zeit sich vorzubereiten. In so einem Fall gelingt ein Tor nur mit viel Glück. Die nächste Chance machte schon mehr Hoffnung. Kingsley Onuegbu wurde im Strafraum angespielt, und er, der das Spiel über immer wieder Schwierigkeiten hatte sich durchzusetzen, tanzte mehrere Leipziger Spieler aus, ohne zum Torschuss zu kommen. Der Übermacht musste er sich schließlich beugen. Dann aber kam die dritte Chance, die Vollendung, der Anfang des allgemeinen Durchdrehens, der so lange vermissten Ekstase. Ein Freistoß fliegt in den Strafraum. Ordnung ist dort nur in Ansätzen noch vorhanden. In dem Strafraum konnte alles möglich werden, wenn nur ein Spieler des MSV Duisburg an dem Ball käme.

Der Abwehrversuch landete in der Nähe des Elfmeterpunktes beim MSV, es folgte ein überlegter Kopfball auf den rechts neben dem Tor frei stehenden Tobias Feisthammel, der zurück passte in die Mitte auf den ebenso frei stehenden Kingsley Onuegbu. Jede Richtungsänderung des Balles begleitet ein immer lauter werdendes bangendes Rufen der Erwartung, das schließlich im besagten Jubel explodiert. Natürlich weiß der perfekte Dramaturg, dass so ein Jubel Ausklang braucht, Raum, um sich zu beruhigen. So ein Dramaturg weiß, ein erneutes Kitzeln des Schicksals ist dafür das beste Mittel. Und so blieb noch ein Torschuss der Leipziger abzuwehren. Tanju Öztürk erledigte das kurz vor der Linie. Erst dann kam der Abpfiff. Erst so blieb Hochgefühl und nicht Erschöpfung durch den Jubel.

Und noch das: Es ist immer wieder schön, wenn während Heimspiel-Pressekonferenzen der gegnerische Trainer  spricht an Karsten Baumanns Gesicht abzulesen, wie es in ihm arbeitet. Dabei stehen die beiden Trainer-Meinungen für mich in keinem Widerspruch.

Beim Rotebrauseblogger das Spiel aus Leipziger Sicht, mit ähnlicher Spielbeobachtung aber natürlich anderer emotionaler Wertung.

Ein offener Brief an den DFB samt Anmerkungen zum Auswärtsspiel gegen SSV Jahn Regensburg

Sehr geehrte Mitglieder des DFB-Spielausschusses,

um mein Anliegen vorzutragen muss ich ein wenig ausholen, damit Sie sich nicht vorschnell ein Urteil bilden und meinen berechtigten Wunsch als kuriose Anfrage eines Exzentrikers abtun. Sie werden sicher mit mir der Meinung sein, in unserer Gesellschaft hat der Fußball in den letzten Jahren eine große Bedeutung erhalten. Begrüßenswerten gesellschaftlichen Entwicklungen sollte er sich deshalb keineswegs verschließen. Auch darin sind wir uns wahrscheinlich einig. Jeder in Ihrem Kreis wird zudem  hoffentlich in einer Gesellschaft leben wollen, in der Anforderung und Unterstützung den Möglichkeiten eines jeden gemäß angepasst sind. In den Schulen etwa wird dieses so grundlegende soziale Anliegen gerade umgesetzt. Schüler besitzen unterschiedliche Fähigkeiten, und  Lehrer haben die Aufgabe, Lehrpläne auf diese Fähigkeiten hin individuell auszurichten. Auf diese Weise können Schüler sich am besten entwickeln und bleiben nicht unter ihren Möglichkeiten. Nur auf diese Weise kann die allseits geforderte Inklusion gelingen.

Sollte sich der Fußball diese Entwicklung nicht zum Vorbild nehmen? Wäre es nicht eine großartige Sache, wenn Sie sich auf diesem Gebiet sozialen Fortschritts neben die Schulen stellten? Nun wissen Sie vielleicht nicht, wie das im Fußball als traditioneller Form eines Wettbewerbs geschehen kann. Einem Wettbewerb ist ja das Aufteilen der Teilnehmer in Sieger und Verlierer wesenseigen. Am Wettbewerbscharakter des Fußball soll auch keinesfalls gerüttelt werden.

Aber nehmen Sie einen Fußballverein wie den MSV Duisburg. Gestern war im Auswärtsspiel gegen den SSV Jahn Regensburg zu erkennen, selbst wenn vier bis fünf Stammspieler ausfallen, spielt die Mannschaft des Vereins eine Halbzeit lang ganz gut. In der zweiten Halbzeit aber gelang das nicht mehr. Zunächst nur  waren die Zebras lange Zeit spielbestimmend. Sie störten früh in der gegnerischen Hälfte den Spielaufbau von Jahn Regensburg. Die Mannschaft kombinierte sich regelmäßig sicher in Richtung Strafraum, auch wenn die Passgenauigkeit in Tornähe ebenso noch verbessert werden kann wie die Treffsicherheit beim Abschluss. Einen Vorgeschmack auf die zweite Halbzeit gab es kurz vor dem Pausenpfiff. Mit einem Mal wirkte die Defensive unkonzentriert, schien die innere Anspannung abzufallen, wurde den Gegenspielern mehr Raum gegeben. Der gerade eroberte Ball wurde ohne Not dem Gegner zurück gespielt.

Nutzen konnten die Regensburger diese zwei, drei Minuten andauernde Schwäche noch nicht. Im Gegenteil, der MSV Duisburg kam sogar noch zu einem Angriff kurz vor der Halbzeitpause, bei dem Matthias Kühne mit starkem Einsatz einem zweiten Ball im Strafraum hinterherging und  ihn fast schon fallend raus auf den Flügel spielen konnte. Die Flanke kam sofort auf den frei stehenden Patrick Zoundi, der im zweiten Versuch den Ball über die Torlinie zur 1:0-Führung brachte. Branimir Bajic hatte kurz zuvor wegen einer Verletzung ausgewechselt werden müssen. Insgesamt fehlten in der zweiten Halbzeit schon sechs Spieler aus der Anfangsformation.

Eine schwache zweite Halbzeit der Mannschaft hatte ich befürchtet. Im Verlauf der Saison kam es schon oft zu einem Bruch im Spiel der Zebras, wenn die Spieler nach der Pause wieder auf dem Platz standen. Zwar hatte Pierre De Wit noch eine große Chance, die Führung auszubauen. Doch das blieb nur ein Aufflackern. Fortan griff der SSV Jahn Regensburg an und der MSV Duisburg wirkte zu überfordert, um konsequent und sicher die Angriffe zu verteidigen. Der Ausgleich war nur eine Frage der Zeit. Es schien lange so, als ob die Führung folgen könnte. Ihr Ausbleiben war mehr der Abschlussschwäche der Regensburger geschuldet als der Stärke des MSV. Dennoch wurden die Zebras zum Ende des Spiels hin auch selbst noch ein-, zweimal gefährlich. Das half die Regensburger zumindest so sehr zu verunsichern, dass sie nicht mehr mit aller Macht auf die Führung drangen. Das Unentschieden war gerecht. Beide Mannschaften hätten allerdings ebenfalls gewinnen könnnen. Niemand hätte sich darüber beschweren dürfen.

Ahnen Sie vielleicht, worauf ich mit diesem kurzen Rückblick auf das gestrige Spiel hinaus will? Über die gesamte Saison hinweg spielt der MSV Duisburg immer wieder in der zweiten Halbzeit schlechter als in der ersten. Ich gebe zu, der Gedanke ist ungewöhnlich, möglicherweise sogar irritierend. Aber ich bin der Meinung, wenn die Leistung einer Mannschaft so offensichtlich wie  beim MSV Duisburg an die Spieldauer gebunden ist, sollte ihr diese zweite Halbzeit von der Gesamtspieldauer erlassen werden. Der DFB würde damit nur dem sozialen Bildungsideal folgen. Wer nämlich die Spieldauer an die Möglichkeiten der Mannschaft anpasst, ermöglicht den Spielern des MSV Duisburg Erfolgserlebnisse und trägt zu zukünftig besseren Leistungen wesentlich bei. Ich bin nicht allein mit meiner Meinung. Vielen anderen MSV-Beobachtern ist es schon aufgefallen, wie schwer es die Zebras mit jenen Anforderungen durch die so starr festgelegte Spieldauer haben, die einfach nicht zu den momentanen Möglichkeiten der Mannschaft passen. So führt im MSVPortal der User Red Bull sechs Spiele auf, in denen der MSV Duisburg führte und die die Mannschaft letztlich nicht gewann. Mehr als diese aussagekräftige Statistik braucht man eigentlich nicht, um folgerichtige Regeländerungen vorzunehmen.

Ich weiß selbst, letztlich müssen die Verantwortlichen des MSV Duisburg aktiv werden und Anträge stellen. Aber Sie wissen auch, ehe irgendwo auf dieser Welt konkrete Maßnahmen gegen Missstände ergriffen werden, braucht es viele Anstöße von außen. Wir brauchen eine breite Diskussion, in der alle Betroffenen beteiligt werden. Gerade wir Zuschauer sind ja Leidtragende, wenn wir den Verein unserer Zuneingung in den zweiten Halbzeiten jeweils so gebeutelt sehen. Ich hoffe, nach meinen Ausführungen sind auch Sie nun der Ansicht, die Anpassung der Spielzeit an die Spielstärke des MSV Duisburg gehört auf die Agenda des DFB. Ich weiß aber auch, mit Radikalforderungen kommen wir nicht weiter. So kann ich mir als erste Akutmaßnahme auch vorstellen, dass der Verzicht auf die zweite Halbzeit nur beim Ausfall von vier Stammspielern zum Tragen kommt. Das wäre schon mal ein Anfang, der aber deutlich machen würde, einmal mehr trägt der Fußball entscheidend zum gesellschaftlichen Fortschritt bei.

In Erwartung Ihrer hoffentlich wohl gesonnenen Antwort grüßt Sie freundlich

Ihr Kees Jaratz

Wenige Worte zur stabilen Ergebnisunsicherheit mit besserem Ende

Ein typisches Spiel des MSV Duisburg in dieser Saison macht in der ersten Halbzeit Hoffnung auf den Sieg, hingegen in der zweiten Halbzeit nicht mehr sicher bleibt, ob überhaupt ein Punkt aus dem Spiel gewonnen werden kann. In dieser Hinsicht war das Auswärtsspiel gegen den 1. FC Heidenheim typisch. Aus den letzten Spielen ist uns auch eine frühe Führung bekannt, wie sie dieses Mal Patrick Zoundi mit einem Kopfball gelang, nach einer schönen Flanke von Phil Ofusu-Ayeh, der am Flügel einen seiner unnachahmlichen Sprints ausgepackt hatte. Einen Kevin Wolze, dessen Grätschen übermotiviert wirken, haben wir auch schon oft gesehen. Typisch also auch, dass eben dieser Kevin Wolze im eigenen Strafraum den Heidenheimer Spieler grätschend von den Beinen holt. Der fällige Elfmeter brachte erwartungsgemäß die 2:1-Führung von Heidenheim.

Nicht mehr typisch scheint mir aber, dass Kevin Wolze die selten zu sehende Grätsche aus dem Stand ausprobierte. Und auch der Ausgleichstreffer zum 1:1 fiel ja schon vor dem Halbzeitpfiff. Wenn ich also nachdenke, ist in diesem Spiel zwar ein typischen Spielverlauf der Saison für den MSV Duisburg zu erkennen. Dennoch entwickelte sich die Überlegenheit der Heidenheimer in der zweiten Halbzeit nicht wegen des nachlassenden Spiels vom MSV sondern vor allem aus dem Vertrauen in das eigene Können heraus. Die Zebras spielten so gut, wie es die Heidenheimer noch zuließen. Und weil sie weiterspielten, was sie konnten, fiel der Ausgleich für den MSV Duisburg kurz vor dem Abpfiff. Auch dieses Tor gehört wegen des Torschützen Kingsley Onuegbu einerseits zu den typischen Spielmomenten des MSV Duisburg in dieser Saison, andererseits war der Zeitpunkt ungewöhnlich.

Wir fragen uns inzwischen nach den enttäuschenden Spielen ja immer wieder mal, wo bleibt die Entwicklung dieser Mannschaft des MSV Duisburg. In Heidenheim war beim genauen Hinsehen trotz Wiedererkennungwert des Spielverlaufs Entwicklung erkennbar.

Die Pressekonferenz nach dem Spiel sowie O-Töne von Kevin Wolze und Kingsley Onuegbu

Der Spielbericht vom SWR

Alles hängt mit allem zusammen

2013-12-07_muenster_msv 029b Kurz vor der 56. Minute war es, als ich den Spielstand mit der Führung des MSV Duisburg gegen den SC Preußen Münster fotografierte. Eine Erinnerung wurde dieses Foto, eine Erinnerung daran, was möglich gewesen war. Auf dem Spielfeld sprach gerade immer mehr dafür, dass die 1:0-Führung nach 90 Minuten nicht mehr Bestand haben könnte. Dieses Foto ist eines der Hoffnung wider besseren Wissens, des unangenehmen Gefühls, erneut das andere Gesicht dieser Mannschaft sehen zu müssen. Drei Minuten später fiel der Ausgleich, und als ich die Spieler zur Mittellinie habe gehen gesehen, ahnte ich, nur mit Glück könnte eine Niederlage verhindert werden. Wer es nicht vorher wusste, der sah an den hängenden Schultern der Spieler, an ihrer Erstarrung und der Langsamkeit ihrer Bewegungen, wie zerbrechlich das Selbstbewusstsein dieser Mannschaft ist. Nach einem Gegentor braucht sie Zeit, um überhaupt wieder ins Spiel zu finden. Gegentore lähmen diese Mannschaft, und Energie, die eigentlich ins Spiel fließen sollte, brauchen diese Spieler erst einmal, um mit sich selbst klar zu kommen.

2013-12-07_muenster_msv 013bDas Spiel hatte für den MSV Duisburg gut begonnen. Nicht nur die Mannschaft trat zunächst energisch auf, auch die Anhänger des MSV Duisburg beanspruchten im Münsteraner Stadion die Duisburger Vorherrschaft. Preußen Münster hatte Mühe ins Spiel zu finden, und die Zebras kombinierten sich in die Nähe des Münsteraner Strafraums. Eines deutete sich aber dennoch wieder an, der letzte Pass in die Spitze kam oft nicht präzise genug. Andererseits konnte die Münsteraner Defensive die eroberten Bälle ebenfalls nicht sicher genug verarbeiten, so dass die von Karsten Baumann vorhergesagten Fehler im Spiel von den Zebras bessser genutzt wurden. So war Patrick Zoundi zwar nicht so durchsetzungsstark wie gegen Unterhaching. Dennoch sorgte er für die nötige Unruhe in der Münsteraner Defensive, erzwang Fehlpässe der Münsteraner, selbst wenn dem der Fehlpass der eigenen Mannschaft voraus ging.

Das frühe Führungstor durch den schön geschossenen Freistoß von Pierre De Wit gab weitere Sicherheit. Tanju Öztürk machte ein gutes Spiel in dieser ersten Halbzeit, Angriffsversuche der Preußen wurden fast immer früh unterbunden. Dennoch blitzte die Gefährlichkeit von Preußen Münster zwei-, dreimal auf, wenn mit langem Ball auf den Flügel das Mittelfeld überbrückt wurde und mit anschließender, gut eingespielter Ballstaffette ein Spieler auf dem gegenüberliegenden Flügel im Strafraum nahezu frei gespielt werden konnte.

2013-12-07_muenster_msv 024bZudem beschlich mich ein ungutes Gefühl, wenn ich die eigentlich lobenswerten Versuche der Zebras sah, Drucksituationen in der eigenen Hälfte spielerisch zu lösen. Ich kann das nicht richtig greifen. Ich hatte nur einmal mehr den Eindruck, die Mannschaft ist als Einheit nicht dauerhaft gut genug, für ihre Versuche über das gesamte Spielfeld zu kombinieren. Zu oft geht ein letzter Pass in die Leere, zu oft sieht es so aus, als gelänge der Zug  Richtung gegnerisches Tor zwei, drei Ballkontakte zu spät. Das macht nichts, wenn der Gegner selbst nicht gut genug ist, die gewonnenen Bälle zu verarbeiten, sowie der Druck durch die Offensive der Zebras groß genug ist, um die verlorenen Bälle sofort wieder zurück zu erobern. Das wird aber gefährlich, wenn, wie in der zweiten Halbzeit, es nicht mehr gelingt, den gegnerischen Angriff schon in dessen Hälfte regelmäßig zu stören.

2013-12-07_muenster_msv 025bIch beschreibe das so ausführlich, weil in diesem Spiel so deutlich wurde, wie alles mit allem zusammenhängt. Als mit Tobias Feisthammel ein zweiter Spieler ins Mittelfeld kam, der den Ball nicht sicher in die Offensive bringen kann, begann das Spielgefüge zu kippen. In der zweiten Halbzeit fanden die Spielaktionen immer häufiger in der eigenen Hälfte statt, und die eigentlich gestärkte Defensive hätte nun noch stärker werden müssen. Durch die nun  intensiver vorgetragenen Angriffe der Preußen verlor die Defensive des MSV weiter die Ordnung, die gegnerischen Spieler erhielten zu viel Raum. Die zur Entlastung eigentlich notwendigen Angriffe kamen kaum über die Mittellinie hinaus. Die Bälle wurden schnell wieder verloren. Die Offensive des MSV fand kaum mehr statt. Es gab keine Hoffnung mehr auf das eigene Können, Glück wäre nötig gewesen.

2013-12-07_muenster_msv Dieses Glück hatte sich Preußen Münster erarbeitet. Denn auch wenn diese Mannschaft in der zweiten Halbzeit immer gefährlicher wurde, war nicht zwangsläufig ein zweites Tor zu erwarten gewesen. Auch diese Mannschaft braucht für den Erfolg eine immer gefährdete Mischung aus Glauben an die eigenen Qualitäten, Überlegenheit, die sich erst im Spiel entwickelt, und das entsprechende Glück. Das Glück bekam zudem noch einen Gehilfen in Person des Linienrichters, der den von Karsten Baumann gewünschten Wechsel ignorierte. So konnte Münster den Eckball in der 90. Minute ausführen, die Energie aus dem unbedingten Willen noch zu gewinnen hoch halten und ein weiterer kopfballstarker Spieler des MSV fehlte in der Mitte. Wobei, wenn ich recht überlege, ist selbst das, die mögliche Verbesserung der Lufthoheit im eigenen Strafraum, nicht sicher beim MSV Duisburg. Alles ist möglich. Denn alles hängt zwar mit allem zusammen, doch wie sich das jeweils auswirkt, weiß man immer erst nachher.

Die Pressekonferenz nach dem Spiel mit einem Karsten Baumann, der weniger angefressen wirkt als in Spielen zuvor. Vielleicht hat er sich an diese fehlende Konstanz seiner Mannschaft inzwischen gewöhnt.

Fußballgott und auf den Zaun

Nach dem Abpfiff des gestrigen Spiels vom MSV Duisburg gegen die SpVgg Unterhaching hat mir doch etwas gefehlt. Ich meine, wenn schon Überschwang, dann aber richtig. Wer nach dem 3:0-Sieg der Zebras,“Oh, wie ist das schön, so was hat man lange nicht gesehen“ anstimmte, hätte nach meinem Geschmack danach mal eben auch kräftig „Pa-trick- Zoun-di-Fuß-ball-gott“ schreien können. Meinetwegen auch „Patrick, auf den Zaun“. Doch es blieb nur beim klassischen Schlager des Glücksgefühls, und vielleicht war sogar kein Überschwang mit im Spiel, sondern der Schlager war sehr viel wörtlicher gemeint, als es sonst der Fall ist.

So ein Spiel des MSV Duisburg hatten wir tatsächlich schon lange nicht mehr gesehen. Ein Spiel, in dem ein Plan konsequent umgesetzt wurde und dessen Ergebnis die Dominanz des MSV über die gesamte Spieldauer hinweg widerspiegelt. Ein Spiel, in dem nicht eine der wenigen Chancen Gegners – in diesem Fall ein einziger Konter in der zweiten Halbzeit – zu dessen Führungstor wurde. Ein Spiel, in dem die eigene Führung nicht durch Nachlassen der Konzentration und entsprechende Fehler in der Defensive gefährdet war. Und nicht zuletzt ein Spiel, in dem die Leistung eines einzigen Spielers die gute Leistung seiner Mannschaftskollegen noch übertraf.

Patrick Zoundis Auftritt über die gesamte Spieldauer hinweg hatte ich so nicht erwartet. Sein Tor zur 1:0-Führung kam nicht von ungefähr. Dieses Tor hatte er sich durch eine Stunde Vorarbeit geradezu erschuftet. Solche Fehler, wie sie die zwei Unterhachinger Defensivspieler nach dem weiten Abschlag von Michael Ratajczak machten, geschahen, weil die Unterhachinger Patrick Zoundi als lästigen Störer ihres Aufbauspiels kennengelernt hatten. Aus diesem Wissen heraus entstanden die Unsicherheiten bei der Ballverarbeitung. Patrick Zoundi –  natürlich auch seine Mitspieler – störten schon weit in der gegnerischen Hälfte konsequent den Spielaufbau. Dieses 1:0 war sehr viel mehr, als es die TV-Bilder sehen lassen, Ergebnis des unentwegten Nachgehens durch die vordersten Spitzen beim MSV Duisburg.

Wegen dieser hohen Laufleistung ist es um so bemerkenswerter, wie Patrick Zoundi beim Konter vor dem zweiten Tor des MSV Duisburg zum Sprint auf dem rechten Flügel über das halbe Spielfeld hinweg ansetzen konnte. Die präzise Hereingabe verwandelte Kingsley Onuegbu, der längst schon nicht mehr vollends beweglich war, weil ihm sein rechter Oberschenkel offensichtlich Schmerzen bereitete. Schön auch, dass der nicht ganz souveräne Schuss von Denzi Aycicek nach erneutem Konter und fast geglückter Rettung durch Unterhachings Torhüter Korbinian Müller noch ins Tor trudelte. Ich denke nicht nur ans Torverhältnis in dieser Liga, in der das Mittelfeld momentan ab Platz 3 beginnt. Ich denke auch an individuelle Abschlussstärke der Duisburger Spieler, Selbstbewusstsein und Lernen für die Zukunft.

Ich musste mir das ganze Spiel über nur wenig Sorgen machen. Es gab in der ersten Halbzeite keine Freistöße in den Strafraum aus dem Halbfeld heraus. Als sich die Unterhachinger in der zweiten Halbzeit den Halleschen FC zum Vorbild nahmen, mussten sie feststellen, dass ihre Spieler nicht groß genug waren, um die direkt herein geschlagenen Bälle zu erreichen. Überhaupt fand das Spiel die meiste Zeit in der Hälfte des Gegners statt. Dennoch war der Rückraum gesichert. Zweite Bälle gehörten fast auschließlich dem MSV. Ob wir aus diesem Spiel für die zukünftige Leistung des MSV Duisburg etwas ableiten können, bleibt übrigens offen. Aber wie mich gestern schon der Freund während der ersten Halbzeit zurecht erinnerte, Vertrauen ist nicht teilbar. Entweder es ist da oder es ist nicht da. Ich sage deshalb mal mit einem Gruß nach Münster, ich freue mich aufs nächste Spiel.

Die Pressekonferenz nach dem Spiel sowie die Stimmen nach dem Spiel Kevin Wolze, Patrick Zoundi, Michael Ratajczak und Kingsley Onuegbu.

Der Spielbericht vom Bayerischen Rundfunk. Kommentiert hier eigentlich derselbe Reporter wie im Spiel gegen Burghausen? Gefällt mir gut, wie er das macht. Diese Mischung aus sachlicher Analyse und Emotionalität.

Nachtrag 2.12.: Ich vergaß völlig, dass Kevin Wolze zum Schattenmann im TV-Bericht wurde. Sein Name wollte nicht über die Reporterlippen. lieber nahm er wahllos andere Namen. Ernster Fall von Wolze-Phobie.

Pflichtkommentar zum Pflichtsieg

„MSV Duisburg quält sich ins Viertelfinale“. So heißt es in der Rheinischen Post. „Mühsam“ gewann der MSV laut WAZ/NRZ, und auch einige wenige Kommentare im MSVPortal durchzieht eine leichte Unzufriedenheit. Im Niederrheinpokal beginnen nun jene Spiele, in denen der MSV Duisburg viel tun muss, um mehr als zu gewinnen und großen Beifall zu erhalten. Die ganz niederklassigen Gegner sind allesamt ausgeschieden, und  nun kann jederzeit passieren, was auch im DFB-Pokal  möglich ist. Der höherklassige Verein scheidet aus dem Pokalwettbewerb aus. Denn im niederklassigen Verein gibt es auch ein paar Fußballer, die das Spiel beherrschen, hinzu kommen im Spiel dann sehr viel Einsatz  und alle alle zur Verfügung stehenden Mittel. Auch das Foul. Nur der Schiedsrichter setzt dem Grenzen, und gestern zum Beispiel waren diese anscheinend recht weit gefasst. Das wird dann von einigen als robuste Härte abgehakt und hat in diesem Spiel die Verletzung von Patrick Zoundi zur Folge. Das sind die Mittel eines selbstbewussten niederklassigen Gegners, um dennoch mithalten zu können. Deshalb bin ich ganz froh, dass der MSV Duisburg 3:0 gegen TuS Bösinghoven gewonnen hat, auch wenn der Sieg erst in den letzten 20 Minuten gesichert wurde. Undankbare Aufgaben, so heißen solche Spiele im Fußballdeutsch. Wenn der MSV Duisburg sie weiterhin so erledigt und zudem keine Spieler verletzt werden, werde ich bis zum Finale nicht meckern.

Stabile Ergebnisunsicherheit

Über die 1:0-Niederlage des MSV Duisburg beim SV Elversberg ist die Enttäuschung allseits groß. Nicht unbedingt, weil von den Zebras Sieg um Sieg erwartet wird. Das Schielen zu den oberen Tabellenregionen kommt höchstens als heimlicher Grund hinzu. Die Enttäuschung ist vor allem deshalb so groß, weil während der ersten Halbzeit die SV Elversberg sich als fußballerisch sehr begrenzter Gegner präsentierte. Von diesem Gegner schien aus dem Spiel heraus an diesem Tag keinerlei Gefahr zu drohen. Die Spieler vom MSV Duisburg hätten aber auch in derselben Zeit feststellen müssen, dass sie dennoch der SV Elversberg nicht so überlegen sind, um sie im kontrollierten Spiel nach vorne bei gleichzeitigem kontrolliertem Engagement dauerhaft in Bedrängnis zu bringen. Vielleicht haben sie es sogar festgestellt. Schlüsse für die zweite Hälfte wurden jedoch nicht gezogen. Im Gegenteil, das Engagement der Zebras in der zweiten Halbzeit wirkte noch kontrollierter, die Spielweise noch abwartender. An der Offensivkraft der Elversberger änderte sich nichts, die Offensivkraft der Zebras nahm dagegen ab. Was nichts daran ändert, dass in einem Fußballspiel jederzeit ein glückliches Tor fallen kann. Manchmal kommt es dann so, wie befürchtet und dieses glückliche Tor fällt auf der falschen Seite.

Nach dem Spiel kam zu der Enttäuschung für mich auch kurz die Sorge hinzu, Karsten Baumann und ich könnten von nun an unterschiedliche Ansichten zur Mannschaft entwickeln.  Denn seine bei WAZ/NRZ zitierte Spielwertung verstand ich nicht. Ein sehr gutes Auswärtsspiel habe seine Mannschaft in der ersten Halbzeit gezeigt.  Und am Ende hätte sie sich wie in Wehen-Wiesbaden selbst geschlagen. Das klang für mich falsch, weil zu einem sehr guten Spiel für mich auch kontinuierliche Torgefahr durch präzises Angriffsspiel gehört.  Das vornehmliche Sichern des eigenen Tores langt mir dazu nicht, wenn immer wieder Ungenauigkeiten beim Zusammenspiel in Strafraumnähe des Gegners hinzukommen, egal ob es um Flanken oder Pässe ging. Zu meiner Beruhigung stimmt die gesamte Spielbewertung von Karsten Baumann auf der Pressekonferenz dann doch wieder fast mit dem überein, was ich auch gesehen habe. Auch er bemängelt die fehlende Konsequenz im Angriffsspiel schon für die erste Halbzeit und ich vermute, die Wertung „sehr gut“ ist dann doch durch die von uns allen geteilte Enttäuschung befeuert.

Schließlich waren die Schlussminuten des Spiels gerade erst vorüber. In diesen Schlussminuten endlich entstand jener Druck auf das Tor der Elverssberger, den ich mir schon zu Beginn dieser zweiten Halbzeit erhofft hatte. In diesen Schlussminuten stand Patrick Zoundi im Strafraum einschussbereit frei vor dem Torwart. Ein Abwehrspieler grätschte ihn von hinten kommend um. Der  Elfmeterpfiff blieb aus. Wenig später die nächste Großchance: Branimir Bajic kam im Strafraum an den Ball, ließ den ersten Abwehrspieler ins Leere grätschen, spielte den zweiten Abwehrspieler aus und kam beim freien Schuss aufs Tor in Rückenlage. Der Ball ging statt ins Eck hoch über die Latte. Der Ausgleich wäre also noch möglich gewesen. Verloren wurde das Spiel aber zu Beginn der zweiten Halbzeit, als den Zebras offensiv immer weniger gelang und sie dem Gegner nicht deutlicher zeigten, dass sie dieses Spiel auf jeden Fall gewinnen wollen.

Die Pressekonferenz nach dem Spiel und Kevin Wolzes Stellungnahme. Er versucht, Enttäuschung in Worte zu fassen.


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