Posts Tagged 'Patrick Zoundi'



Wenn Überlegenheit nicht mal durch Schwächen gemindert wird

Solch ein 3:1-Auswärtsieg vom MSV Duisburg gegen Rot-Weiß Erfurt lässt sich auch am zweiten Tag nach dem Spiel noch einmal mit Schlaglichtern in Erinnerung rufen. Was für ein überlegen geführtes Spiel! Welch schöne Tore! Welch schnelles, beeindruckendes Kombinationsspiel war in Erfurt vom MSV Duisburg zu sehen. Kein ruckelnder Livestream hat mir das alles vorenthalten. Dafür wuchs mit jeder Spielminute mein Bedauern nicht vor Ort sein zu können.

Noch entsprach der Verlauf dieses Spiels nicht vollends dem, was sich Kevin Wolze in der letzten Woche gewünscht hatte, mehrere Schritte in die erhoffte Richtung wurden aber genommen. Eine klare Führung hatte sich Kevin Wolze ausgemalt, um so „ein Ding“ einfach mal runterspielen zu können und Kräfte zu sparen.  Die klare Führung hatte es zur Halbzeitpause ebenso gegeben wie das überlegene Spiel der Mannschaft. Dennoch ließen sich die Kräfte nicht ganz wie gewünscht sparen, weil die Zebras ab der 33. Minute nur zu zehnt spielten. Markus Bollmann hatte wegen einer Notbremse die rote Karte erhalten. Für diese Überlegenheit musste also etwas mehr getan werden, als es sonst der Fall gewesen wäre.

Diese rote Karte wirkt im Nachhinein wie ein riesiger Hinweispfeil auf Schwächen der Mannschaft, die es bei aller spielerischen Überlegenheit dennoch gegeben hat. Was für ein Luxus, wenn wir uns diesen Schwächen in entspannter Stimmung widmen können. Noch wirkt die Abwehrreihe nicht stabil. wir wissen, Markus Bollmann und Branimir Bajic sind nicht die Schnellsten. Hat der lange Ball erst einmal den sprintenden Stürmer erreicht, ist aber Sprintstärke gefordert.  Das gute Stellungsspiel war dann einen Moment lang wohl doch nicht so gut. Schwierigkeiten sind immer wieder auch dann zu erkennen, wenn gefährliche Angriffssituationen des Gegners eigentlich schon geklärt sind. Ein Defensivspieler erobert den Ball in Strafraumnähe oder ein Querschläger wird vom MSV kontrolliert. Dann ist das Vorhaben deutlich erkennbar, die eroberten Bälle nicht planlos nach vorne zu schlagen. Gleichzeitig ist das Zusammenspiel in Strafraumnähe nicht immer sicher genug, um die dann vielen Gegenspieler in Strafraumnähe ohne erneuten Ballverlust zu überspielen. Manchmal bleibt wohl nur das Abwägen, riskiere ich den Ballverlust in Strafraumnähe oder im gegnerischen Halbfeld. Was ist da nur beruhigender für die Nerven von uns Zuschauern?

Andererseits – und nun lassen wir die Schwächen endlich ganz und gar hinter uns – andererseits wartet da vorne Kingsley Onuegbu. Wahrscheinlich ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis Physiker bei ihm eine neue Form des Magnetismus entdecken. Der starke Onuegbumagnet zieht auch immer wieder weit geschlagene Bälle mit einiger Streubreite in seinen Wirkungsbereich. Solche Bälle blieben aber die Ausnahme im Spiel. Es überwog die planvolle Ballsicherheit. Aber egal, welcher Pass ihn da erreichte, es war wieder fantastisch anzusehen, wie er diese Pässe behauptete. Zudem wird er immer torgefährlicher. Kingsley Onuegbu war aber nur Teil eines sehr überzeugenden Zusammenspiels in der Offensive. Wie lange spielen diese Spieler schon zusammen?  Laufwege werden mit einer Sicherheit erahnt, die sprachlos macht. Die ersten beiden Tore konnten nur deshalb fallen, weil sowohl Pierre De Wit als auch Kingsley Onuegbu darauf vertrauen können, ihre Mitspieler nutzen den freien Raum für ihre Spielideen. Das zweite Tor von Kevin Wolze offenbart zudem seine sehr gute  Schusstechnik. Was will man mehr? Vielleicht den glänzend aufspielenden Michael Gardawski, der am Flügel engste Räume im Zusammenspiel mit Phil Ofosu-Ayeh zu nutzen wusste, um den Ball Richtung Erfurter Tor voranzutreiben? Oder einen eingewechselten Patrick Zoundi, dessen Flügelläufe ihm hoffentlch Selbstvertrauen für die nächsten Spiele geben?

Dieses Spiel war bestens geeignet für das Profi-Debut von Fabian Lenz im Tor. Er konnte sich mit der Spielsituation im Ligabetrieb vertraut machen und Sicherheit gewinnen. Bessere Bedingungen fürs learning by doing lassen sich nicht vorstellen. Wenn Tobias Feisthammel, Branimir Bajic, Sascha Dum, Tanju Öztürk und der kurz vor Spielende eingewechselte Matthias Kühne nicht gesondert erwähnt werden, ist das kein Hinweis auf ihre Leistung. Diese Mannschaft bestach durch ihre Geschlossenheit. Diese Mannschaft zwang Rot-Weiß Erfurt in der zweiten Halbzeit zu haarsträubenden Fehlern. Diese Mannschaft hatte ihren Gegner derart verunsichert, dass Rot-Weiß Erfurt nicht einmal mehr die einfachsten Zuspiele gelangen. Die Spieler von Rot-Weiß Erfurt waren frustriert, weil sie keine Mittel fanden, diesem MSV Duisburg stand zu halten. Allenfalls in den allerletzten Minuten war es diesem Gegner möglich, sich daran  zu erinnern, wie Fußball eigentlich gespielt wird. Mein Beifall für diesen Auftritt vom MSV Duisburg will gar nicht enden.

Bleibt noch ein Klickhinweis: Ludger Conrad war in Erfurt und erzählt, bei Nostras Passionem, wie es war. Die Pressekonferenz nach dem Spiel gibt es auch noch, sowie die Kommentare von Kevin Wolze, Tobias Feisthammel und Sascha Dum, dem Ilia Gruevs bei Rot-Weiß Erfurt spielender Sohn mental zur Seite steht.

Bewegtbilder plus ansprechendem Reporterkommentargibt es im Spielbericht vom MDR:

Und wer überhaupt nicht genug bekommen kann, für den gibt es auch noch das gesamte Spiel: die erste Halbzeit mit einem Klick weiter zum MDR.

Und die zweite Halbzeit gibt es natürlich ebenfalls mit einem Klick weiter.

Stimmung, Stimmung … wir brauchen nächstes Heimspiel schlechtere Stimmung!

Nichts gab es für die Journalisten zu deuten. Alle Spielberichte über die Begegnung des MSV Duisburg gegen den 1. FC Heidenheim stimmen darin überein. Neben den Ereignissen des eigentlichen Fußballspiels werden jeweils gleichgewichtig die begeistert anfeuernden Zuschauer erwähnt. Nicht immer entspricht die Medienwirklichkeit so  dem tatsächlichen Geschehen. War diese frenetische Stimmung im Stadion zunächst mehr von der Hoffnung getragen, wir alle auf den Rängen könnten mithelfen, dieser eigentlich noch nicht einsatzbereiten Mannschaft zum Erfolg zu verhelfen, so war das Feiern und Anfeuern nach der 0:1-Niederlage Trost und Anerkennung. Die Spieler hatten alles versucht und waren sichtlich enttäuscht.

Sie durften enttäuscht sein, weil die Mannschaft unter den Voraussetzungen beeindruckend stark aufgetreten ist. Aber nicht nur die  Mannschaft musste über den Kampf zu guten Momenten im Spiel finden. Für mich, die Freunde und wahrscheinlich für die meisten im Stadion war es im Grunde genommen ja genauso. Unser Kampf war das Anfeuern und unsere spielerischen Momente waren das Erkennen der einzelnen Spieler. Die Mannschaftsaufstellung diente als Programmzettel in der Hand immer mal wieder der Orientierung, wenn ich den Überblick verloren hatte. Zumal es gerade in der ersten Halbzeit bei diesem Kampfesgetümmel immer so wild durcheinander ging, dass kaum ein  Spieler ein nachdrückliches Bild für mich hinterließ. Mit Ausnahme von Kevin Wolze, der recht schnell immer wieder die Inititative im Spiel ergriff, aber den kannte ich ja auch schon.

Was waren diese Zebras auf Adrenalin. Ich weiß, dieser unbedingte Einsatzwille ist in den ersten Spielen notwendig und eröffnet der Mannschaft ihre Chance. Die Kolletaralschäden sind aber beträchtlich. Tanju Öztürks Verletzung gehört ebenso dazu wie die rote Karte für Kevin Wolze. Der unbedingte Wille ist das eine, das rechte Einschätzen der eigenen Möglichkeiten das andere. Vielleicht müssen auch wir auf den Rängen aus reiner Fürsorgepflicht im nächsten Heimspiel unsere Stimmung etwas mehr dosieren? Schöner wäre es, dieses erste Spiel verhalf zu mehr Erfahrung. Hört man Kevin Wolzes Selbstkritik, so bin ich zuversichtlich, das Spektakel auf den Rängen dürfen wir noch länger veranstalten.

Mich stimmt übrigens weniger die Abwehrleistung für die Zukunft zuversichtlich, sondern die ganz vereinzelt gelingenden Kombinationen im Spiel nach vorne. Da gab es Zusammenspiel. Das ist sensationell, wenn wir uns noch einmal überlegen, wie oft diese Spieler schon gemeinsam aufgelaufen sind. Es gibt Spieler  mit genügend Selbstbewusstsein, den Ball zu behaupten und das Dribbling im eins gegen eins zu suchen, ob das eben Kevin Wolze ist, der von Anfang an zeigte, wie sehr er Verantwortung im Spiel übernehmen will. Ob das in der Offensive Kingsley Onuegbu ist, der drei-, viermal technisch grandios den Ball annahm. Ob das Patrick Zoundi oder Michael Gardawski auf den Außenbahnen mit Zug nach innen sind. Das waren letztlich nur Ansätze, aber gelingende Offensive bei engem Raum ist nun einmal schwieriger zu entwickeln als die Defensive und der Kampf um den Ball. Bei Kontermöglichkeiten in der zweiten Halbzeit war dann schon deutlicher erkennbar, wieviel Qualität die einzelnen Spieler mitbringen.

Das Unentschieden zum Spielende wäre die Krönung dieses Tages gewesen. Es sollte nicht sein, weil aus einer Standardsituation immer mal ein Tor fallen kann. Aus dem Spiel heraus gelang es den Heidenheimern nicht, das Tor des MSV Duisburg in Bedrängnis zu bringen. Warten wir also mal ab, was an der Zuschreibung Aufstiegskandidat dran ist und was dieser Spielverlauf an Aussagekraft für die weiteren Spiele besitzt. Es ist zudem ein gutes Gefühl, dass dieser Gedanke nur am Rande auftaucht, weil ich in der Mannschaft des MSV Duisburg so viel Potenzial gesehen habe, um die alte Fußballerfloskel in den Mund zu nehmen: Wir schauen nicht auf die anderen. Wir vertrauen unseren eigenen Stärken. Denn diese Stärken werden in den nächsten Wochen immer deutlicher erkennbar.

Bleibt noch die Pressekonferenz nach dem Spiel  sowie die O-Töne von Michael Ratajczak, Kevin Wolze und Markus Bollmann.

Außerdem gibt es verschiedene Clips bei youtube, in denen die Stimmung im Stadion mehr als deutlich ist. Hier nehme ich wegen des Zusammenschnitts der unterschiedlichen Momente Marsch zum Stadion, Stimmung vor dem Spiel und Beifall für die Mannschaft nach dem Abpfiff den Clip von MSVsupport hinein.


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