Posts Tagged 'Pott'

Heimatlied – Sektion Ruhrstadt – Folge 35: Die Dödelsäcke mit Ruhrgebiet

Einmal mehr der Punk als Quelle des Heimatlieds in der Ruhrstadt-Sektion. Aus Mülheim kommt die Punkband Die Dödelsäcke, hier bei Wikipedia und hier mit eigener Seite im Netz. Schon mehrmals sind Punk und Ironie im Ruhrgebiet eine sehr produktive Verbindung eingegangen mit hörenswerten Ergebnissen. Unlängst habe ich hier  auf die Ruhrpott-Rhapsodie von Eisenpimmel hingewiesen. Bei den Dödelsäcken finden sich Dudelsackklänge in ihren Songs. Schon das Instrument alleine wirkt auf mich als ironisches Signal. Diese Neigung zur Ironie setzt sich im Song selbst fort.

Denn in „Ruhrgebiet“ mokieren sich „Die Dödelsäcke“ zunächst über die Volkslied-Heimattümelei und die Überhohung des eigenen Herkunftslandes. Zufällig sei das Geburtsland und zu Hause könne man überall sein. Doch dann mündet diese Strophe in den Refrain:“Ich würde niemals aus dem Ruhrgebiet wegziehen.“ Eine wunderbar ironische Wendung, die die Aussage um so heller strahlen lässt.

Der eigentliche Song beginnt bei 0.51.

 

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Akzente 2017 inoffiziell: Vom Akzente-Vorwort und Ruhr hoch n nebst Spardosen-Terzett sowie Reuter/Eisenberg

Am Freitag sind die  38. Duisburger Akzente eröffnet worden. In diesem Jahr lautet das Motto des Kulturfestivals Umbrüche. Ich begleite die Akzente mit einem inoffiziellen Programm im Zebrastreifenblog nunmehr im dritten Jahr. Ob ich an jedem Tag Zeit und Idee für einen Programmbeitrag habe, weiß ich am offiziellen Eröffnungstag nie. Eine Unwissenheit, die zum Motto der Akzente in diesem Jahr passt. Wenn sich etwas umfassend verändert, eben das geschieht, was gemeinhin mit einem Umbruch einhergeht, dann ist eins gewiss, wie das Leben nach einem solchen Umbruch aussieht, weiß niemand genau. Behauptet wird zumeist etwas anderes.

Im Vorwort des Akzente-Programmhefts spricht Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link mit seinem ersten Satz selbstbewusst davon, die Wirtschaft- und Sozialgeschichte der letzten 150 Jahre habe die Duisburger zu „Fachleuten des Umbruchs“ gemacht. Das klingt sehr technisch. Diese technische Sprache verweist für mich auf ein grundsätzliches Problem Duisburgs, wobei Duisburg nur stellvertretend für das Ruhrgebiet steht.

Es gibt ja eine Wahrheit in diesem Satz, die im Alltag der Bürger dieser Region zu finden ist. Die Bürger des Ruhrgebiets nehmen seit Generationen Wandel sehr bewusst wahr. Denn über Jahre war dieser Wandel ein meist von außen auferlegter Teil ihrer Lebens- und spezieller Arbeitswelt. Im technischen Klang der Sprache nun zeigt sich der Zugang zu diesem Wandel durch die politischen- und ökonomischen Eliten dieser Region. „Fachleute“ haben ihre Angelegenheiten im Griff. Obwohl Sören Link mit seinem Satz die Duisburger gerne alle zu Fachleuten machen möchte, geht dieser Satz an der Lebenswirklichkeit der Duisburger vorbei.

In dem Wort „Fachleute“ scheint ein Selbstbild dieser Region auf, dass diese Bürger nach meinem Eindruck gerade außen vor lässt. Ich vermute, nur wenige Duisburger werden sich als Fachleute des Umbruchs verstehen, auch nicht bildhaft. Die technische Sprache erinnert daran, wie schwer es das Ruhrgebiet mit dem Bild seiner selbst hat.

Andererseits gibt mir dieser Satz die Gelegenheit an einen Song vom Spardosen-Terzett zu erinnern, den ich schon längere Zeit in die Heimatliedsammlung Sektion Ruhrstadt habe aufnehmen wollen. In regelmäßigen Zyklen wird im Ruhrgebiet versucht außerhalb der Region ein gutes Bild abzugeben. Das führt dann schnell dazu, dass „Fachleute“ so ein Bild kommunizierbar machen sollen. Manchmal sind das Imagekampagnen, 2008 aber ging es nur um einen Slogan. Anstatt vor Ort im Ruhrgebiet über solch einen Slogan nachzudenken, wurde eine Düsseldorfer Agentur beauftragt. Ruhr hoch n – Team-Work-Capital war das gut bezahlte Ergebnis. Der  Slogan war zwar ohne große Wirkkraft aber gut geeignet, ihn in die Mangel zu nehmen.

 

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Auch Matthias Reuter und Benjamin Eisenberg hatten sich des Slogans angenommen.

 

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Akzente 2017 inoffiziell – Die Goldenen Zitronen mit Duisburg

Am Freitag sind die  38. Duisburger Akzente eröffnet worden. In diesem Jahr lautet das Motto des Kulturfestivals Umbrüche. Ich begleite die Akzente mit einem inoffiziellen Programm im Zebrastreifenblog nunmehr im dritten Jahr. Ob ich an jedem Tag Zeit und Idee für einen Programmbeitrag habe, weiß ich am offiziellen Eröffnungstag nie. Eine Unwissenheit, die zum Motto der Akzente in diesem Jahr passt. Wenn sich etwas umfassend verändert, eben das geschieht, was gemeinhin mit einem Umbruch einhergeht, dann ist eins gewiss, wie das Leben nach einem solchen Umbruch aussieht, weiß niemand genau. Behauptet wird zumeist etwas anderes.

Seit Jahren möchten das Ruhrgebiet und als ein Stadteil dieser Ruhrstadt auch Duisburg anders wahrgenommen werden. Dahinter steht ein Streben nach großstädtischer Bedeutsamkeit, das in großen Teilen durch ein ökonomisches Bedürfnis angetrieben wird. Das Ruhrgebiet soll als attraktiver Standort für Unternehmen und Arbeitskräfte wahrgenommen werden. Im Kulturhauptstadtjahr 2010 führte dieser Wunsch nach großstädtischer Bedeutsamkeit zum Unglück bei der Loveparade. Die Goldenen Zitronen haben 2013 einen Song über das Unglück gemacht. Zu hören ist zunächst keine eingängige Musik, sondern der Song erinnert an Klangkunstwerke. Erst später entwickelt sich eine Melodie und im Text wird die Kritik an den Organisatoren der Veranstaltung zum Abgesang auf die kulturelle Kraft der Loveparade-Bewegung insgesamt.

 

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Heimatlied – Sektion Ruhrstadt – Folge 34: Detlef Lauster mit Wir im Revier

Schon früh habe ich für meine Ruhrstadt-Sektion des Heimatlieds Die Knappen entdeckt. Die Band versteht sich als Teil der großen Metall-Szene des Potts in einer besonderen Form, kombiniert sie doch den Metal-Sound mit der Schlagerwelt auf textlicher Ebene. An der Gitarre steht für die Band Detlef Lauster, der als Sänger auch solo unterwegs ist.

Detlef Lauster nennt sich dann Magic Lauster. Mit seinem Aussehen und seinem Gesang bemühte er sich anscheinend über die Jahre, den wechselnden Idealbildern eines zeitgenössischen Schlagersängers gerecht zu werden. Vom klassischen 70er-Hitparadenmitklatschpärchenlied bis zum Kneipenfeierautorhythmus der Gegenwart reicht sein Repertoire. Eingestreut in diese Mischung aus Herz-und-Partywelt sind Lieder, in denen vom Stolz auf das Ruhrgebiet gesungen wird.

In seiner von ihm selbst so genanntem Ruhrgebietshymne „Wir im Revier singt er im inbrünstig schmachtenden Stil eines Herz-Schmerz-Schlagers über ein grundlegendes Lebensgefühl im Ruhrgebiet. Das ist die Freundschaft. „Wir im Revier – wir, das heißt Freunde sein im Revier“. Es ist ein Text aus einer längst vergangen Zeit, weil eine alte Frau auftaucht, deren Mann in Kriegsgefangenschaft verschollen ist. Sie wartet immer noch auf seine Briefe. Ebenso wohnt im Revier noch der „kleine Mann, der so hart malochen kann“ – das Ruhrgebiet als eine einzige Herz-Schmerz-Liebesschlagerwelt.

 

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Heimatlied – Sektion Ruhrstadt – Folge 33: Verlorene Jungs mit Ruhrgebiet

Schlager, Hiphop und Punk sind drei stark sprundelnde Quellen des Heimatlieds – Sektion Ruhrstadt. Beim Punk sprudelt es sogar so stark, dass ein stilistisches Quellfeld sich zum Quellbach sammelt. Verlorene Jungs starteten nämlich im Untersegment Oi!-Punk Mitte der 1990er Jahre. Liest man auf den Online-Fachseiten des Punks ein wenig herum, muss die Band die engen Szene-Grenzen hinter sich gelassen haben. Zwar spielt die Band immer noch Punk, doch mit mehr stilistischen Einflüssen. Der letzte von mir gefundene, veröffentlichte Text zur Band stammt aus dem Jahr 2015 auf der Seite Ugly Punk, der als CD-Besprechung beginnt und später überraschend, weil nicht durch Frage-Antwortung-Kennzeichnung ersichtlich in ein Interview übergeht.

In Ruhrgebiet besingt die Band die Folgen der verschwundenen Industriearbeit. Im einst stolzen Landstrich stehen heute Fabriken und Zechen leer. Die Hoffnung ist nicht groß. Es muss endlich was passieren. Ein klassischer Dreisprung des Heimatlieds – Sektion Ruhrstadt.

 

 

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Heimatlied – Sektion Ruhrstadt – Folge 32: Eisenpimmel mit Ruhrpott Rhapsodie

Heute mal eine schnelle Folge der Heimatlied-Sammlung des Potts mit Eisenpimmel, die auch schon früh in der Sektion Duisburg mit einem Song über ihren Herkunfts-Ruhrstadt-Stadteil Duisburg vertreten sind. Für die Ruhrstadt gehört die Band geradezu zur kulturellen Avantgarde, weil sie schon seit Mitte der 1990er die identitätsstiftenden Selbstbeschreibungen der Ruhrstadt und der eigenen Musik in einen ironischen Kontext stellt. Kulturelle Avantgarde deshalb, weil die Band sich von dieser Identität nicht grundsätzlich distanziert. Sie nimmt sie spielerisch. Sie nimmt die Selbst- oder auch Fremdbilder als Material für ihre Songs, ohne einzelne Teile der Identität wie etwa Proletenkult oder den Rückbezug auf Kohle und Industriearbeit zu denunzieren.

Nun haben Eisenpimmelhier der Wikipedia-Eintrag zur Band –  mit Ruhrpott Rhapsodie der gesamten Ruhrstadt ein Lied gewidmet. Entstanden ist eine karikierende Zusammenschau aus Selbst- und Fremdbildern, der man den freundlichen Blick dahinter auf die Ruhrstadt-Wirklichkeit weiter anmerkt.

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Heimatlied – Sektion Ruhrstadt – Folge 31: Matthias Reuter mit Wir ham keine Kohle

Heute gibt es eine schnelle zweite Folge des Ruhrstadt-Heimatlieds, weil ich von den Orten im Ruhrgebiet, die uns Geschichte erzählen einen Beitrag in Teilen übernehmen kann. Mathias Reuter ist Kabarettist aus Oberhausen, über den es bei Wikipedia einen kurzen Eintrag gibt und zu dessen eigener Seite im Netz es mit einem weiteren Klick geht.

Mit „Wir ham keine Kohle“ hatte Matthias Reuter eine alternative Hymne zum Kulturhauptstadtjahr 2010 geschrieben. Hätte ich seine Anmoderation seinerzeit schon gekannt, ich hätte laut „ja“ gerufen: „Wer also vielleicht den Herbert-Grönemeyer-Kulturhauptstadt-Song schon mal gehört hat, der weiß, dass da eine Alternative vonnöten ist.“

Das Lied ist ein wunderbarer Kommentar zur historisch gewordenen Kulturhauptstadt-Verstiegenheit mancher Stadtverantwortlicher  sowie zu deren Erlösungsphantasien in Sachen wirtschaftlicher Schwierigkeiten. Damit ist das Lied nicht nur künstlerischer Ausdruck sondern auch ein aussagestarkes Dokument zum Strukturwandel. Matthias Reuters großartiges Bonmot „Kultur im Ruhrgebiet ist der verzweifelte Versuch ohne Kohle schwarze Zahlen zu schreiben“ gilt auch heute noch.

 

 

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