Posts Tagged 'Ralf Koss'

Signieren und quatschen – Samstag, ab 13 Uhr, Mayersche DU

Samstag bin ich ab 13 Uhr in Duisburgs Mayerschen Buchhandlung im Forum und signiere, was das Zeug hält. Kann auch länger werden. Wer weiß schon, was es alles zu bereden gibt. Das Ruhrgebiet, Duisburg und den MSV natürlich.

Als Schmankerl habe ich ältere Bücher im Gepäck, zum Teil nicht mehr lieferbar wie die 111 Fußballorte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben muss. Sonderpreis natürlich.

Und die Kollegin Halberschmidt hat vielleicht auch eine Stunde Zeit. Schauen wir mal. Wir sehen uns am Samstag.

Entspannt im Studio der Lokalzeit Duisburg

Im Grunde arbeiteten der MSV, ich und auch meine Kollegin Tina Halberschmidt seit dem letzten Herbst an einem ganz neuen Angebot für MSV-Fans. Dabei ging es im weitesten Sinn um etwas Transzendentes, Religiöses. Es ging um das ewige Leben. Wir schrieben zwei Bücher, mit denen wir uns unabhängig von den Aussichten des MSV in der Gegenwart machen wollten.

Sowohl die „Populären Irrtümer und anderen Wahrheiten“ über den MSV im unterhaltsamen Sachbuchsegment als auch die literarisch angelegte „MSV Duisburg Fußballfibel“ mit der Erzählung über ein Leben mit dem MSV in Duisburg setzten ein immer währendes Interesse am MSV Duisburg voraus; ein Interesse, das vom sportlichen Erfolg nicht beeinträchtigt wird, ewig ist und sich dem bedrohlichen Siechen und Sterben vom MSV in einer Liga widersetzt.

Noch braucht unsere Haltung Propheten und Missionare, noch zeigt sich, sportlicher Misserfolg verleidet vielen die Laune so sehr, dass die weitere Beschäftigung mit dem MSV nur alte Wunden wieder aufreißt. Ich kann das verstehen. In gewisser Weise ging es mir ähnlich bei der Berichterstattung über die Fußballfibel. Ein leichtes Gespräch über den MSV angesichts eines drohenden Abstiegs passte nicht.

So führte erst die Erleichterung über den Sieg gegen Freiburg zu jener Entspannung, die den Studiobesuch bei der Lokalzeit Duisburg möglich machte. Beim Dreh für den Beitrag 14 Tage vorher musste ich gerade die Niederlage gegen 1860 verdauen und die wieder real gewordene Abstiegsgefahr verdrängen. Kein angenehmer Zustand. Welch Unterschied zum Montag. Beitrag und Studiogespräch sind noch 5 Tage in der Mediathek online. Ab Minute 9.29, davor gibt es einen Spieltagsbericht ab Minute 6.50.

Wo der MSV mir weiter große Freude macht

Vielleicht sollte ich den wirklichen MSV allmählich gegen den MSV in meinen Büchern und in diesem Blog hier eintauschen. Dieser MSV aus Worten macht mir doch seit geraumer Zeit anhaltender Freude als der des wirklichen Fußballs. Nicht nur dass die MSV Duisburg Fußballfibel morgen dem Wochen-Anzeiger in Duisburg die Titelgeschichte wert ist.

Weil sie heute schon online zu lesen ist, kam ich überhaupt auf die Idee. Denn es gibt eine kleine Fotogalerie dort, und Reiner Terhorst, der Journalist des Wochen-Anzeigers, hat mich mit der Unterzeile des Fotos nebenan zum Träumen gebracht. Das Foto habe ich in der letzten Aufstiegssaison des MSV aufgenommen beim Auswärtsspiel gegen die zweite Mannschaft von Werder. Und bei dem Wort Weserstadion in der Unterzeile entstand in mir eine ganz andere Geschichte der Vergangenheit. Die Fantansie kennt keine Grenzen.

Damit es einfacher für euch ist, zitiere ich den den entscheidenden Satz:

Hier blickt Ralf Koss am Bremer Hauptbahnhof in die Linse, bevor es ins Weserstadion geht.

Ich weiß es noch wie heute. Ich traf mich mit den Hamburger MSV-Auswärtsfreunden am Bahnhof. Wir gingen zu Fuß, erst durch die Stadt, dann an der Weser entlang, bis wir das große Stadion vor uns sahen und es uns wie selbstverständlich schien, dorthin abzubiegen. Die volle Gästekurve im Weserstadion erinnerte uns an das legendäre 5:1, als Ewald Lienens Aufsteiger-Mannschaft die Liga aufmischte. Und nun war der MSV wieder da. Klingt gut, müsst ihr zugeben. Wahrscheinlich versteht ihr jetzt, warum ich bei einem MSV mit Worten gerade deutlich besser klar komme als mit einem MSV der Wirklichkeit.

Falls ihr auch probieren wollt, die Fußballgegenwart des MSV mit einem erfreulicheren Erlebnis zu überbrücken, habe ich da einen Vorschlag. Der Beifall der bisherigen Leserinnen und Leser sagt mir, dass dieser Vorschlag kein leeres Versprechen ist. Leseproben gibt es einmal hier und einmal da.

Ralf Koss alias Kees Jaratz
MSV Duisburg. Fußballfibel
Taschenbuch, ‏ 170 Seiten
ISBN: ‎ 978-3730817926
€ 13,99

Vom Verschwinden der Abstiegsangst

Verdammt hell gerade

Bin ich in Berlin, wohne ich beim Freund im Prenzlauer Berg. Das war schon zu Zweitligazeiten mit Besuchen bei Union und Hertha so. Nun zeigte sich am Samstag, die Wohnung war Mitte der 90er mit großer Voraussicht gewählt. Zum Jahn-Sportplatz sind es von dort aus sieben, acht Minuten zu Fuß. Wenn ich aus dem Fenster sehe, erinnert mich ein Flutlichtmast noch an den erzitterten 1:0-Sieg am Samstag.

Ich hätte nichts dagegen, wenn das der erste und letzte kurze Gang zum Berliner Auswärtsspiel des MSV gewesen wäre. Ich möchte wieder lange S-Bahnfahrten quer durch die Stadt machen, zur einen westlichen oder zur anderen östlichen Seite. Es fällt mit schwer zu beurteilen, wie wahrscheinlich das ist. Dafür, dass es mögich wird, spricht die Veränderung bei den Strukturen des Fußballunternehmens MSV. Dafür sprechen schön anzusehende Minuten der letzten Spiele mit gelungenen Offensivaktionen. Die wirken nicht zufällig. Da lässt sich ein Plan vermuten. Dagegen spricht mein Eindruck, das mögliche Scheitern des Spielaufbaus im Mittelfeld liegt manchmal sehr nahe. In dem Moment ist Holland in Not und nur die Qualität des Gegners bestimmt, wie gefährdet das Tor der Zebras ist.

Ihr seht, ich schreibe schon so, als sei der Klassenerhalt in trockenen Tüchern. Andere sind vorsichtiger. Ich denke, es muss schon sehr, sehr viel zusammenkommen, damit der MSV abstiege. Es gibt nichts, was es nicht gibt. Aber dieses Mal lehne ich mich ganz gegen meine sonstige Vorsicht aus dem Fenster.

Am Samstag haben wir den Sportpark an den anderen Plätzen vorbei verlassen. Dem unbekannten Fußballer war dort ein Denkmal gewidmet. Er hatte eine interessante Körperhaltung, die mich einen heimlichen Turner beim Flankenlauf vermuten lässt. Das müssen noch die Rumpelfußballer-Zeiten gewesen sein. Der Bildhauer hatte offensichtlich nur wenig Ahnung vom Fußball. Nicht nur wegen der Körperhaltung, auch weil er sonst er den nächsten Moment dieser Bewegung für die Skulptur gewählt hätte. Es wäre eine viel eindrucksvollere Skulptur geworden, wenn der Mann mit dem Blick auf den Ball in den Verteidiger reingerannt wäre. Vielleicht war der Bildhauer aber auch von dem sich ergebenden Getümmel handwerklich überfordert.

So ein Getümmel erinnert mich übrigens sofort an John Yeboah, der, technisch sehr viel besser, ebenfalls gerne mal in die Verteidiger läuft. Er ist eine Verstärkung, keine Frage. Er muss seine Dribblings versuchen, aber da ist noch einiger Spielraum fürs Lernen, damit zurechtzukommen, wenn ihm der Weg gleich von zwei oder drei Leuten zugemacht wird.

Merkwürdig übrigens auch, wie auf der anderen Seite des Stadions im Mauerpark so viele Menschen kurz nach dem Spiel des MSV so unberührt in der Sonne herumsaßen.

Wie die Wohnung meines Freundes befindet sich auch die Schank- und Kulturwirtschaft BAIZ nur wenige Gehminuten vom Stadion entfernt. Angesichts der überschaubaren Viktoria-Fans im Stadion habe ich keine Sorge vor unnötigem Reviergehabe bei der Lesung heute Abend. Der Stadionsprecher rief ja die Zahl von 700 Gästefans in die Runde. Es waren deutlich mehr Duisburger da. Ich denke, die Zahl bezog sich auf die Gästekurve. Auf mehr als der Hälfte der Tribüne saßen aber auch Fans des MSV. Da blieb nicht mehr viel Berliner Anhang. Ich freue mich also entspannt darauf, über den MSV, das Ruhrgebiet und mein Leben als Anhänger der Zebras im Kiez der Viktoria sprechen zu können.

Sieg auf ganzer Linie – Koos heißt Koss bei Amazon

Ihr dürft mich master of the amazon finals nennen. Sieg in 3 Runden und vielen, vielen Textnachrichten. Ich gewann durch meine Ausdauer und taktische Klugheit. In der dritten Runde habe ich von Anfang an die Verunsicherung beim Gegner gespürt. Die haben nur noch langsam geantwortet. Anscheinend hatte ich ihre Defensive zermürbt und sie begannen hinzunehmen, dass Ralf Koss tatsächlich Koss heißt und nicht Koos. Das Gaze war die Vorlage zu einer Groteske in einem meiner Programme frei Haus.

Bild 1 ist die Momentaufnahme meiner Beweisführung in der 2. Runde. Nachteil Koss. Mir wurde nicht geglaubt.

Nun wird das Buch auch bei Amazon gelistet, wenn man nur meinen Namen kennt. Nun wird die Welt meine literarisch ambitionierte Erzählung über mein Leben als MSV-Fan auf allen Suchwegen finden können. Meine Messlatte fürs Buch war natürlich die Urgeschichte dieses Schreibens, Fever Pitch von Nick Hornby. So habe ich meine Erfahrungen mit und im Fußball immer wieder ins Allgemein-Menschliche gedeutet. Komik sollte nicht fehlen und natürlich auch all die Emotionen, die die Spiele in Anhängern eines Vereins hervorrufen.

Es bleiben dennoch genügend Argumente sich an die Buchhändler vor Ort zu wenden. In Duisburg und Umgebung sollten sie es vorrätig haben.

Ralf Koss alias Kees Jaratz
MSV Duisburg. Fußballfibel
Taschenbuch, ‏ 170 Seiten
ISBN: ‎ 978-3730817926
€ 13,99

Trend! Wer solche Freunde hat

Der Trend war our friend. Es ging lange Zeit aufwärts und die anderen unten blieben auf ihren Abstiegsplätzen. Aber wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr. Was für ein wankelmütiger Geselle. Bleib mir bloß weg, mein Trend. Verl gewinnt am Samstag, Viktoria Berlin gewinnt gestern – gegen Magdeburg! Gegen den uneinholbar wirkenden Spitzenreiter. Und der MSV verliert so, dass sämtliche weggepackten Abstiegsängste aus ihren Ecken hervorspringen und Party machen. Chancenlos waren die Zebras am Samstag in Kaiserslautern. Als erschreckende Wahrheit sah ich bei diesem Spiel, der MSV trat beim Spielaufbau nicht so viel anders auf als gegen Zwickau.

Der Ball wurde immer wieder beim Spiel nach vorne verloren, weil die meisten Spieler zu wenig Ballkontrolle besitzen in dem geforderten schnellen Offensivspiel oder die Übersicht fehlt, im richtigen Moment abzuspielen. Wieder stehe ich vor der Frage, überfordert diese Taktik die Mannschaft, weil die individuelle Qualiät in Summe nicht ausreicht oder weil nicht genügend Entwicklungszeit beim Training für die nötige Ballsicherheit im Zusammenspiel war. Meine Beunruhigung als Ergebnis entsteht allerdings unabhängig von der Antwort auf die Frage.

Wenn dann ein perfekt eingespielter Gegner nahezu jeden misslungenen Angriff in eine Bedrohung des eigenen Tores verwandelt, erlahmt die Energie bei der Defensive. Ich sehe das Problem also nicht in der letzten Zone der Defensive, sondern sehr viel früher an dieser Schnittstelle von Ballverlust und Gegenpressing. Der Ballverlust ist beim MSV wahrscheinlich und dann fehlt die erste wirksame Gegenmaßnahme. Gegen Zwickau resignierte die Mannschaft angesichts derselben Offensivfehler nur deshalb nicht, weil der Gegner deutlich schwächer war als der 1. FC Kaiserslautern.

Mein unlängst offensiv nach vorne preschender Optimismus in Sachen Klassenerhalt ruft angesichts der Abstiegsangst-Party kleinlaut, ein bisschen Unterstützung von den Kumpels aus der Mannschaft könnte ich gebrauchen. Sonst stehe ich bei dieser Party hier weiter als Mauerblümchen in der Ecke.

Wir denken nur von Spiel zu Spiel. Das ist schon klar. Aber nun weiß ich wieder nicht mehr, was ich denken soll. Das ist ja das Problem. Was werden wir im Spiel gegen Halle sehen? Wie wird die Mannschaft auftreten, damit der unbedingt nötige Sieg gelingt? Und dabei habe ich noch keinen Gedanken an Verletzte verschwendet. Mein Optimismus hat es seit gestern Abend verdammt schwer.

Das mag auch daran liegen, dass mein Denken von Spiel zu Spiel begleitet wird von einem anderen Denken meines Daseins. Ich denke nämlich auch von Lesung zu Lesung, und für meine nächste Lesung am 19. April aus der MSV Duisburg Fußballfibel verläuft die Vorbereitung perfekt, keine Stimmbandverletzung ist zu beklagen. Ich kenne Schwächen und Stärken des Berliner Publikums, fühle mich fit und will beim Auswärtsspiel im BAIZ punkten. Nun könnte der Ausgang der Samstagbegegnung der Zebras bei Viktoria Berlin meine Auswärtsaufgabe schwieriger machen. Ich möchte doch bei einer mir heute möglich vorkommenden Niederlage keinen Mentaltrainer kurzpflichtig verpflichten müssen. Das sprengt meinen Etat. Ihr seht, welche weiten Kreise das letzte Wochenende zieht. Gegen Halle werde ich als Zuschauer auf jeden Fall alles geben, damit mein Leben als Autor zehn Tage drauf etwas einfacher wird.

Vom Pokalaus hin zum Aufstieg – Eine Kostprobe aus der MSV Fußballfibel

Schon 1991 hatte es der MSV als Zweitligist verdient im Pokal gegen den Bundesligisten 1. FC Köln weiterzukommen. Damals wurde der Pokal noch mit Hin- und Rückspiel ausgetragen. Torlos endete das Hinspiel. Anschließend erhöhten am 7. Mai die MSV-Anhänger an einem Dienstagabend das Verkehrsaufkommen auf A57 und A3.

Zwischen 15.000 und 17.000 Duisburger unterstützten die Zebras in Köln. Damals hatte ich keinen Fotoapparat dabei. Smartphone gab es noch nicht. Ohnehin teilt das Foto, 19 Jahre später aufgenommen, eine deutlich bessere Stimmung mit, selbst wenn man kaum was erkennen kann. Dieselbe Konstellation, dieses Mal die Entscheidung in einem Spiel, dieses Mal gewann der MSV 2:1. Die legendäre Pokal-Saison ging weiter.

Unlängst hat der Verlag noch eine Leprobe per Facebook geteilt, die mit dem 91er-Pokalspiel ihren Anfang nimmt. Die will ich euch nicht vorenthalten.

Im Müngersdorfer Stadion saßen Hatte, Spille, Heili, Riesenhatte und ich mit vielen anderen Duisburgern im Unterrang der Nordkurve. In der zweiten Halbzeit füllte sich der Block über uns mit Kölner Hooligans. Als Oberkörper vor- und zurückschwangen, Fäuste drohend geschüttelt wurden sowie unartikuliertes Geschrei die Luft füllte, glich die Szenerie doch sehr dem Ausschnitt einer Dokumentation von Heinz Sielmann, Deutschlands Tierfilmer Nummer eins jener Tage. Weder konnten die einen runter, noch die anderen hoch. Der Flüssigkeitsaustausch hielt sich auch in Grenzen. Mir fehlte nur der oft altväterlich klingende Sielmann-Kommentar zum rituellen Imponiergehabe.

Keine Vereinszeichen und schwarzgraue zivile Kleidung wie in Köln oder grüne Bomberjacken wie andernorts bei einer geschlossen auftretenden Gruppe im Fußballstadion gab es noch nicht lange in Deutschland. Von Großbritannien aus war die Subkultur rübergeschwappt. Die Kölner Hooligans über uns waren irgendwann wieder weg. Wahrscheinlich trafen sie an anderer Stelle noch auf MSV-Anhänger.

Zu Auswärtsspielen fuhren wir als größere Gruppe weiter zusammen. Im Wedaustadion waren Hatte, Spille und Heili auf die Tribüne gezogen, während ich mit Jörg und Reiner, ebenfalls alte Schulfreunde, auf der Geraden neben dem Marathontor in den ehemaligen Mob-Gefilden stand. Ein Fußballspiel kann ich mir nur schlecht im Sitzen ansehen. Ich brauche die ständige Bewegung, selbst wenn ich in drangvoller Enge wie beim Aufstiegsspiel 1991 gegen Blau-Weiß 90 Berlin nur etwas hin- und herrücken kann.

Lange vor Ende des Spiels hatten wir aber wieder mehr Platz. In Scharen strömten die Anhänger des MSV runter zum Rasen. Wie nah konnten Fußballzuschauer ihrer Mannschaft kommen, wenn sie be- geistert waren. Trotz all der Diskussionen um Gewalt von Fußballfans herrschte ein grundsätzliches Vertrauen in die Sicherheit im Innenbereich. Dass jemand dort ernsthaft Schaden nehmen könnte, glaubte niemand. In mehreren Reihen umschloss ein Menschenkarree den Rasen. Nach neun Jahren Abwesenheit nahte die Rückkehr in die Bundesliga. Tore waren noch nicht gefallen. Eins von unzähligen Transistorradios gab es an jenem Tag auch in unserer Nähe. Wir wussten, der Aufstiegskonkurrent Stuttgarter Kickers führte zwar, doch das Torverhältnis des MSV war selbst bei der noch möglichen knappen Niederlage besser geblieben. Noch zügelten wir die Begeisterung, noch ließen wir die Freude nur kurz aufwallen, schrien unkoordiniert EM-ES-VAU, reckten die Arme in die Höhe und sahen uns freudestrahlend in der Menge um.

Dort unten am Rand des Rasens sah der Bundesligist in spe wieder wie der Stadtteilverein der 1950er Jahre aus. Es wirkte, als ob jeder jeden kannte. Als ob die Spieler mit den Zuschauern hinterher einen trinken gehen. Als ob alle nicht Zuschauer und Sportler bei einer wichtigen Begegnung des Fußballs waren, sondern ein weiter reichen- der Sinn alle verband. Die Jahre zuvor wurde der Duisburger Alltag durch Nachrichten über immer größere wirtschaftliche Schwierigkeiten bestimmt. Nun gab der MSV den Bürgern der Stadt ein Beispiel, wie Anstrengungen aus der Stadtgesellschaft heraus zum Erfolg führten. Duisburg hungerte nach guten Nachrichten. Der MSV gab sie.

Die MSV Duisburg Fußballfibel habe ich als literarisch ambitionierte Erzählung angelegt, bei denen Erlebnisse aus meiner Fan-Biografie die Grundlage ausmachen. Meine Messlatte war dabei natürlich die Urgeschichte dieses Schreibens, Fever Pitch von Nick Hornby. So habe ich meine Erfahrungen mit und im Fußball immer wieder ins Allgemein-Menschliche gedeutet. Komik sollte nicht fehlen und natürlich auch all die Emotionen, die die Spiele in Anhängern eines Vereins hervorrufen.

Der anfängliche Fehler bei der Aufnahme des Buchs ins Verzeichnis lieferbarer Bücher ist bei einigen Onlinehändlern immer noch vorhanden. Weiter werde ich bei ihnen statt mit Doppel-s mit Doppel-o gelistet, so dass das Buch dort momentan nur unter Koos und Jaratz zu finden ist. Ein Argument mehr für die findigen Buchhändler vor Ort, denen ihr vertraut.

Ralf Koss alias Kees Jaratz
MSV Duisburg. Fußballfibel
Taschenbuch, ‏ 170 Seiten
ISBN: ‎ 978-3730817926
€ 13,99

Briefe aus Westende – Von Jubelsprints und einer Premiere als Feier

Ein Wochenende zum Einrahmen liegt hinter mir. 2:0 gewinnen die Zebras auch ein Spiel, bei dem die Kräfteverhältnisse nicht so eindeutig durch den Tabellenstand wie gegen Würzburg oder äußere Umstände wie gegen Türkgücü München die Siegeserwartungen bestimmten. Dazu am Vortag meine gelungene Premierenlesung beim Heimspiel im Ruhrorter Plus am Neumarkt vor ausverkauftem Haus. Eine Lesung, die zur Feier wurde.

Bei Funkes WAZ/NRZ findet sich hinter der Pay-Wall ein Artikel, der einen lebendigen Eindruck von Lesung und Buch gibt. Diese Momente der Freude am Wochenende rückten die dunkle Wirklichkeit dieser Tage für einige Stunden in den Hintergrund.

Dass der Sieg gegen Viktoria Köln nötig war, darüber brauchen wir nicht zu sprechen. Im Grunde ist alles zu dem Sieg gesagt. Interessant ist allenfalls die uneinheitliche Bewertung der ersten Halbzeit. Manches Urteil dazu scheint mir geprägt durch die erste Hälfte der zweiten Halbzeit. Ihr seht, für mich lässt sich dieses Spiel im Grunde in klar abgetrennte Phasen einteilen – in vier, um genau zu sein.

Phase 1: Ein bemühtes Spiel von beiden Seiten auf Augenhöhe bis zum Lieblingsfehler von Leo Weinkauf. In der Schule wäre jetzt mal wieder der Elternbesuch fällig. So oft haben wir es ihm doch gesagt, aber manchmal sticht ihn der Hafer, und er vergißt alle Regeln, die bei uns herrschen. Dann sagt ein Lehrer: Das hattest du doch schon zwangigmal abschreiben müssen, lieber Leo. Wann lernst du das? Du darfst bei der ersten Aktion deine Ballsicherheit mit dem Fuß beweisen. Danach geht das Spiel weiter. Tausendenmal habe ich dir das gesagt! Kein Stürmer wirft sich heute verzweifelt auf den Boden, weil er beim Torwart ins Leere gelaufen ist. Bei deinem Opa wäre so einer vielleicht am Boden zerstört gewesen. Doch heute ist ein Stürmer sofort wieder da und versucht weiter sein Tor zu schießen.

Fast wäre dieses Tor nach dem Lieblingsfehler von Leo Weinkauf einmal mehr gelungen. Aber vielleicht wird beim Torwart nur das grundsätzliche Niveau dieser Mannschaft besonders deutlich. Letztlich geht es auch bei den Feldspielern immer wieder um die Anschlussschnelligkeit nach einer ersten gelungenen oder auch missratenen Spielaktion. Und da staune ich auch bei anderen Spielern nicht selten über manches Innehalten, während der Gegner in normaler Geschwindigkeit weiterspielt. Belassen wir es dabei.

In diesem nach dem Weinkauf-Fehler beginnenden Mittelteil des Spiels mit Phase 2 bis zum Halbzeitpfiff – unsicher werdende Zebras, ohne besonderen Vorteil für die Kölner – und Phase 3 nach Wiederbeginn – immer überlegenere Kölner – schien das Tor der Kölner in Halbzeit zwei nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Der Dreifachwechsel markierte den Beginn der vierten Spielphase. Welch wunderbares Tor durch Alaa Bakir. Welch Können zeigte er in dem Moment. Welch Hoffnung machte er mit diesem Tor auf Konstanz der Leistung und gesteigerte Widerstandstandskraft, um nicht mehr wie zu Saisonbeginn an Gegenspielern einfach abzuprallen.

Das 2:0 durch Julian Hettwer trieb mir sogar drei, vier Freudentränen in die Augen. Nicht wegen des dann sicher werdenden Sieges, nicht weil ich diesem jungen Spieler Julian Hettwer das Tor so gönnte, sondern weil im Moment des Torerfolgs alle Spieler von jeder Stelle, wo sie sich gerade befanden, zu dem Torschützen sprinteten. Sie sprinteten alle! Sie konnten nicht schnell genug ihre Freude teilen. Dann kamen die Spieler von der Bank noch dazu. Dieses Bild von der Mannschaft bezeugte nicht nur die Freude, sondern auch die große Erleichterung. Wir sahen Zusammenhalt, Gemeinsamkeit und innere Stärke.

Welch Befreiung war danach auch auf den Rängen zu spüren. So unbelastet freudig fühlten wir uns in dieser Saison nur am ersten Spieltag gegen Havelse. Ehrlich gesagt, kann ich bis Mai noch ein paar solcher Spieltage gut brauchen.

Zurück zum Freitag. Vor der Lesung bin ich noch schnell zum Studio 47. In dem Gespräch dort ging es um die Anfänge meiner Fankarriere, um Fußball zu Coronazeiten im Allgemeinen und um den MSV im Besonderen. Viel Meinung war gefragt. Studio 47 sorgt auch für eine Verlosung bei FB oder per mail, kaum dass das Buch im Handel erhältlich ist. Die Gewinner werden am 11. März um 11 Uhr bestimmt. Mit einem Klick findet sich hier eine Leseprobe aus dem Buch als Vorgeschmack. Und nun Film ab:

Außerdem noch einmal der Hinweis: Bei einigen Online-Händlern, so auch bei dem „Größten“, hat sich in die bibliogafischen Angaben ein Fehler eingeschlichen. Irgendjemand hat für die Onlineverzeichnisse aus dem Doppel-s ein Doppel-o gemacht, so dass das Buch dort momentan nur unter Koos und Jaratz zu finden ist. Wie schon geschrieben: Ein Argument mehr für die findigen Buchhändler vor Ort, denen ihr vertraut.

Ralf Koss alias Kees Jaratz
MSV Duisburg. Fußballfibel
Taschenbuch, ‏ 170 Seiten
ISBN: ‎ 978-3730817926
€ 13,99

Die Fußballfibel MSV Duisburg ist erschienen

Diese Exemplare für mich. Den Rest der Auflage ab heute für euch im Buchhandel. Die Fußballfibel MSV Duisburg ist nun erhältlich. Ich freue mich sehr über das Buch, in dem ich meine Geschichte als Fan seit der Kindheit erzähle.

Ich wollte mich aber nicht auf persönliche Erfahrungen beschränken, sondern mit meinem Erleben zugleich die Geschichte des MSV seit den 60ern sowie in Ausschnitten die des Ruhrgebiets bzw. Duisburgs miterzählen.


Das Buch ist als literarisch ambitionierte Erzählung angelegt, bei denen Erlebnisse aus meiner Fan-Biografie die Grundlage ausmachen. Meine Messlatte war dabei natürlich die Urgeschichte dieses Schreibens, Fever Pitch von Nick Hornby. So habe ich meine Erfahrungen mit und im Fußball immer wieder ins Allgemein-Menschliche gedeutet. Komik sollte nicht fehlen und natürlich auch all die Emotionen, die die Spiele in Anhängern eines Vereins hervorrufen.

Die folgende Leseprobe gibt euch einen Vorgeschmack:

Vor dem Spiel gegen den TSV Havelse gab es für Hatte und mich keine Zweifel. Wir fuhren mit dem Fahrrad. Wir wollten volle Stadionbusse nach dem Spiel vermeiden. Mit seinem Spitznamen folgte Hatte übrigens keineswegs den Spuren des MSV-Verteidigers der 1960er Jahre Hartmut Hatte Heidemann. Der Schweizer Kabarettist Emil mit eigener TV-Sendung sprach in einer seiner Nummern vom imaginären Hardy, ein Name, der von jungen Ruhrgebietsmündern pottgerecht ohne „r“ schnell zum Hatte verschliffen wurde. In unseren ersten gemeinsamen Jahren im Stadion war nicht immer so eindeutig vorherbestimmt, wie wir anreisten. Zumal wir uns mit unseren Klassenkameraden abstimmen mussten.
„Stadionbus oder Straßenbahn?“
„Lass uns früh fahren, und wir steigen in‘er Stadt aus. Von da zum Stadion laufen.“
„Dann Straßenbahn.“
„Elf?“
„Nicht früher?“
Schließlich passte elf Uhr. Ich wohnte 1974 weiter in Beeck, fuhr also als erster mit der Eins los. Umsteigen in den Bus in Laar. Dort kam Hatte dazu. Holger in Berg. Am Meidericher Bahnhof warteten Roland, Heili und Jockel. Manchmal kam André dazu. Wir gingen zusammen in eine Klasse am Max-Planck-Gymnasium und schon lange gemeinsam alle vierzehn Tage ins Stadion. Wir trugen Trikots und brachten die von den Müttern selbst genähten Fahnen mit. Im Winter nur wickelten wir die mindestens zwei Meter langen blauweißen Schals um den Hals, auch die von den Müttern oder deren Freundinnen selbst gestrickt.
Roland schleppte von uns allen die größte Fahne. Schon das Hochhalten beim Laufen strengte ihn so an, dass er sie nach kurzer Zeit wieder auf die Schulter legen musste. Beim Schwenken setzte er seinen ganzen Oberkörper ein. Sie besaß einen Stock, den man für den besseren Transport auseinanderschrauben konnte. Er muss um die drei bis vier Meter lang gewesen sein. Man muss bedenken, wir selbst waren in dem Alter vielleicht gerade mal um die 1,70 groß.
Natürlich fertigten solche Schraubkonstruktionen die Väter an ihrem Arbeitsplatz in einem der Werke an. Auch das gehörte zum Ruhrgebiet der 1970er Jahre. Metallarbeiten erledigte man selbst. Im Zweifel kannte man jemanden, der einem einen Gefallen tat. In den Schränken der Region sammelten sich die selbst gedrehten Vasen, manche sogar auf kurze Ständer geschweißt. Selbst Gebasteltes war im Ruhrgebiet jahrelang auch eine Sache der Männer.
An dem Tag spielte der MSV gegen die Bayern. Deshalb fuhren wir so früh. Es war ein besonderes Spiel. Die Bayern waren Meister gewesen. Wir wussten dennoch, bei uns in Duisburg wird es schwer für die. Wir stiegen am König-Heinrich-Platz aus, rollten unsere Fahnen aus und zogen durch die Innenstadt. Die U-Bahn gab es noch nicht. Die Königstraße war auch keine Fußgängerzone, so dass erst auf dem Sonnenwall, schon ohne Autoverkehr, unsere Gesänge nicht im Straßenlärm untergingen. Heja MSV, heja MSV, heja, heja, heja MSV, das wurde noch außerhalb des Stadions gesungen, ein bald verhallender Nachklang der Fußball-WM 1958.
Wir scheuten auch keine großen Ziele für uns und den Verein.
Wen wollt ihr fressen?
Rot-Weiss Essen!
Wen wollt ihr verschmausen?
Rot-Weiß Oberhausen!
Wenn wollt ihr lynchen?
Bayern München!
Und dann, und dann, und dann?
Kommt Ajax Amsterdam!
Dem Wechselruf folgte der Gesang. Ajax ist zum Putzen da, der Fernsehwerbung für das Putzmittel gleichen Namens eins zu eins entnommen. In den 1970er Jahren fiel es einem Anhänger des MSV leichter, solche Zeilen ironiefrei zu singen. Da hatten wir noch Träume. Und die Bäume wuchsen in den Himmel der Champions League jener Jahre, dem Europapokal der Landesmeister, selbst wenn die Tabellensituation das im WM-Jahr 1974 nicht hergab. Der MSV befand sich im Mittelfeld oder tiefer. Aber als Anhänger eines Vereins, der die Bayern zu Hause auch in deren Meisterschaftsspielzeiten regelmäßig besiegte, durften wir behaupten, Europas damalige Vorzeigemannschaft, Ajax Amsterdam, genauso aus dem Stadion zu jagen. Wir bekamen nur nicht die Chance, das auch zu beweisen.
Die meisten jungen Anhänger von Fußballvereinen neigen heute nicht mehr zu solchen Träumereien. Dazu sind die Erfolge und Niederlagen im Fußball zu erwartbar geworden. Viel zu klar sind die Möglichkeiten des eigenen Vereins auf mittlere Frist inzwischen umrissen. Gleich geblieben ist im Ruhrgebiet aber die tradierte Abneigung gegen den Verein in der Mitte der Stadtlandschaft. Wir sangen auf die Melodie von ‚Hier ist ein Mensch‘, einem 1970 zum Hit gewordenen Schlager von Deutschlands Lieblings-Österreicher Peter Alexander ‚Er ist kein Mensch, er ist kein Tier, er ist ein Fan von S04‘. Die Aussage wirkt zeitlos, wenn man sich bei Anhängern des MSV und bei denen von Rot-Weiss Essen, dem VfL Bochum, Rot- Weiß Oberhausen oder dem BVB umhört.

Am Freitag mache ich in Ruhrort im Plus am Neumarkt ab 19.02 Uhr die Premierenlesung. Hier die Angaben dazu.

Und die bibliogafischen Angaben gibt es inzwischen auch, allerdings hat es irgendwo einen Fehler gegeben und irgendjemand hat für die Onlineverzeichnisse aus dem Doppel-s ein Doppel-o gemacht, so dass das Buch bei Online-Händlern momentan nur unter Koos und Jaratz zu finden ist. Ein Argument mehr für die findigen Buchhändler vor Ort, denen ihr vertraut.

Ralf Koss alias Kees Jaratz
MSV Duisburg. Fußballfibel
Taschenbuch, ‏ 170 Seiten
ISBN: ‎ 978-3730817926
€ 13,99

Premierenlesung – MSV Fußballfibel am 4. März, 19.02 Uhr

Bundesliga,
ich komm‘ aus dir

Geschichten aus einem Leben als Fan

Im Berliner Verlag Culturcon medien erscheint seit 2015 die Bibliothek des Deutschen Fußballs. Damit der MSV in der Reihe vertreten ist, habe ich ein Buch geschrieben. In den nächsten Tagen erscheint es. Ich habe das Buch zu meiner Biografie als Fan gemacht im Spiegel der Geschichte des MSV und des Ruhrgebiets bzw. Duisburgs. Durch meine Erlebnisse mit dem MSV seit der Kinderheit wollte ich zugleich die Wirklichkeit des Ruhrgebiets zeigen. Emotional und inhaltsreich würde ich als Verkaufsclaims aufs Cover packen.

Sicher, man kann sich entscheiden, ob man jetzt jeden [Verwandten, K.J.] unbedingt regelmäßig sehen muss. Mancher bricht ja sogar den Kontakt zu den Eltern ab. Aber sie bleiben deine Eltern. Der du bist, bist du auch durch sie. Neben vielem anderen. So ähnlich geht es mir mit dem MSV.

Was ich mit diesem Verein erlebte, macht mich aus. Daran ist nichts zu ändern. Es schmerzt, wenn ich nicht ins Stadion kann. Es schmerzt, wenn die Zukunft des MSV bedroht ist, und der Montag beginnt mit gehobener Laune, wenn die Zebras am Wochenende erfolgreich waren.

Ralf Koss: Fußballfibel – MSV Duisburg, Culturcon medien, 2022

Die bibliografischen Angaben sind noch nicht online. Dennoch plane ich schon die Premierenlesung.

Sie findet am 4. März um 19.02 Uhr im Plus am Neumarkt statt, Neumarkt 19, Duisburg-Ruhrort. Bei allen Schwierigkeiten des MSV momentan, ich möchte das Erscheinen dieses Buchs feiern. Das Ganze, ohne Eintritt, allenfalls der Hut geht rum fürs Kreativquartier Ruhrort.
Hier der Link zur Veranstaltungsankündigung bei Facebook.


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