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Die Sexbombe entspricht nicht dem Geist des Rasensports

Der Meidericher SV schloss sich bald nach seiner Gründung 1902 nicht nur dem Westdeutschen Spiel-Verband an. 1908 gehörte der Verein zu den 10 Gründungsmitgliedern vom Duisburger Rasensportverband. Zusammen mit BV Beeck, VfvB Ruhrort, BV Laar, Meiderich 06, Preußen Duisburg, Duisburger SV, Duisburg 08, Duisburg 48/99 und Duisburg 88 sollte die „Vereinsmeierei“ in „Nützlichkeitswerte“ umgewandelt werden. So schreibt P. Grandjean in der Festschrift zum 50-jährigen Jubiläum des Verbandes 1958.

Wenn man P. Grandjean so liest, müssen die vielen neuen Sportvereine gegenüber den etablierten gesellschaftlichen Kräften ein starkes Bedürfnis gehabt haben, sich in jenen Anfangsjahren des Fußballs für ihren Sport zu rechtfertigen. Wenn ich die erwähnten Leistungen sehe, so wirken die Aktivitäten des Verbandes auf mich wie Lobbyarbeit. Es ging darum, Rasenplätze anzulegen und Vereinsheime zu bauen. Es ging darum aufzuweisen, dass Sportvereine Jugendlichen in den 20er Jahren eine sittliche Orientierung bieten. Es ging aber auch um Städtespiele, in denen sich Duisburg als „westdeutsche Sporthochburg“ bewies. Fußballmannschaften aus Amsterdam, Antwerpen, Göteborg, Rotterdam, Köln, München, Schalke wurden allesamt besiegt. Nur gegen Wien verlor die Duisburger Stadtauswahl, weiß P. Grandjean zu berichten.

Bis vor kurzem wusste ich nicht, dass es diesen Rasensportverband einmal gab. Im Netz gibt es kaum Zeugnisse über diesen Verband, der aber in vielen deutschen Städten gegründet wurde. Vielleicht liegt dieses Verschwinden und Vergessen auch daran, dass die Festschrift selbst für das Jahr 1958 auf mich wie aus der Zeit gefallen wirkt. Die Sprache klingt sehr nach dem Gründungsjahrzehnt des Verbandes. Auch wenn P. Grandjean das Vaterländische ins Vaterstädtische wandelt, sehe ich das Kaiserreich vor mir und nicht die Bundesrepublik. Das mag allerdings ein Fehlurteil sein. Historiker wissen zu dieser geistigen Strömung für das Ende der 50er Jahre sicher mehr zu sagen.

Mit seiner Kritik an der aufkommenden Jugendkultur seiner Zeit wird P. Grandjean aber nicht alleine gewesen sein. Der Sport stand schon damals in Konkurrenz zu anderen körperbetonten Freizeitaktivitäten. Und wie wir wissen, die Sitten werden in jeder Generation aufs Neue durch die Jugend gefährdet.

Duisburger Heimatkalender 1959, Hrsg. mit Unterstützung des Verkehrsvereins für die Stadt Duisburg, S. 123

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