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Heimatlied – Sektion Duisburg – Folge 20: Smoking Wolf mit Born by the river

War Blues eigentlich der Hiphop der 1970er Jahre? Eine Musik, an der man sich als Jugendlicher versuchen konnte, die bei Schulkonzerten zum Standard gehörte. Eine Musik, die eine ferne coole Welt der Straße in Städte jeder Größe nach Deutschland holte. „Cool“ sagte man natürlich damals noch nicht. Das ging mir gestern durch den Kopf, als mir ein großartiges Heimatlied der Sektion Duisburg per Facebook ins Haus gespült wurde.

Born by the river heißt das Stück, und Smoking Wolf spürt diesen Blues immer noch, der in dem Fall Sehnsucht nach Duisburg ist. Mit seiner beeindruckenden Stimme singt er eine ganz reduzierte Geschichte des Verlassens und Zurückkommens. Der Duisburger Musiker Wolfgang Döhr ist Smoking Wolf und „was born 1958“. Bislang kenne ich niemanden seiner Generation im Kulturbetrieb, der so ungebrochen und ohne jegliche Ironie seine Sehnsucht nach Duisburg in künstlerischen Ausdruck verwandelt hat. Vielleicht geht das besser in der anderen Sprache und in dem Rahmen, den der Blues für Gefühle bereit hält.

Mit Born by the river packt Smoking Wolf den Blues bei seinen Ursprüngen, der tiefen Sehnsucht nach einem Anderswo. Er bewegt sich auf dem schmalen Grat von melancholischer Erinnerung an Vergangenes und dem Bereitsein für die Zukunft. Denn nun ist er wieder zurück, weil alle Flüsse nur seine Sehnsucht weckten: „Everytime I saw a river I had Duisburg on my mind“. Schon beim ersten Hören hatte ich den Eindruck, Smoking Wolf singt eine der ganz großen Hymnen auf diese Stadt am Fluss, auf Duisburg.

Hinweise auf weitere online zu findende Duisburg-Lieder nehme ich gern entgegen. Helft mit die Sammlung wachsen zu lassen.

Mit einem Klick weiter findet ihr Heimatlied – Sektion Duisburg – Alle Folgen

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Großer Einsatz für punktlose Überlegenheit

So eine Zugfahrt durch das Mittelrheintal stimmt zuversichtlich. Bewaldete Hänge, Rheininseln und Burgruinen bieten trotz gewachsener Uferorte noch immer oft genug idyllische Momente. Für mich als Ruhrorter Hafenkind gehört sogar die Rheinschifffahrt mit ihren  Dieselmotoren in diese Idylle. Über die vielen Bahnhöfe mit ihren Zeichen des Verfalls habe ich hinweggesehen. Schönes wollte ich sehen, was auch die Mannschaft vom MSV Duisburg mir zunächst im Wiesbadener Stadion ermöglichte. Nicht nur wir auf den Rängen machten dieses Auswärts- zu einem Heimspiel, auch die Mannschaft wollte sofort zeigen, dass sie das Heft in der Hand hält. Auch sie trat mit aller Macht einer Heimmannschaft auf.

Der SV Wehen Wiesbaden schien einen Spieler weniger auf dem Platz zu haben. Mit großem läuferischen Einsatz unterbanden die Zebras nahezu jeden Ballbesitz des Gegnern kurz hinter der Mittellinie. Ein Spiel nach vorne gab es vom SV Wehen Wiesbaden deshalb nicht. Hilflos wirkte der SV Wehen Wiesbaden, wenn ein Spieler den Ball führte. Der MSV Duisburg hingegen zeigte wieder sein schnelles Umschaltspiel, die variablen Angriffszüge, ob über Außen oder in schnellem Kombinationsspiel durch das Mittelfeld. Es gab nur ein Problem. Der letzte öffnende Pass in den Strafraum gelang nicht, und an eine einzige gefährliche Flanke kann ich mich erinnern. Das auch in der Offensive laufintensive Spiel für den MSV Duisburg blieb ohne Torgefahr. Das beunruhigte mich. Wenn trotz dieser deutlichen Überlegenheit des MSV Duisburg keine klaren Torchancen entstanden, konnte ein einmalig immer möglicher Vorstoß des SV Wehen Wiesbaden das Spiel zufällig entscheiden. Zudem war es absehbar, dass in der zweiten Halbzeit diese Intensität nicht aufrecht gehalten werden könnte.

So beschlich mich zur Halbzeitpause eine böse Vorstellung, die ich konsequent verdrängte, die aber in den letzten Minuten des Spiels zur Wirklichkeit wurde. Zuvor aber war ich nach dem Anpfiff der zweiten Halbzeit sogar eher erleichtert. Es schien nämlich, als ob die Wiesbadener  nun tatsächlich auch das Spiel mitgestalten wollten. Sie wollten agieren und mitspielen. Für eine kurze Zeit stand die Mannschaft höher, griffen die Wiesbadener die ballbesitzenden Duisburger schon in deren Hälfte an und schufen so in der eigenen Hälfte mehr Raum für das schnelle Umschaltspiel der Zebras. Trotz des höheren Risikos für ein Gegentor hoffte ich, die zuvor gesehenen spielerischen Qualitäten würden sich durchsetzen. Doch dieses frühe Angreifen blieb ein Strohfeuer. Dem MSV Duisburg gelang es sehr schnell, die Wiesbadener erneut in ihre eigene Hälfte zurück zu drängen – mit der aus der ersten Halbzeit bekannten Folge. Es ergab sich in dem engen Raum vor dem Wiesbadener Tor keine klare Torchance. Zudem misslangen sowohl Ecken als auch Freistöße. Glück musste her, zumal die Kräfte der Zebras zum Ende des Spiels hin deutlich nachließen.

Fehlende Kraft begünstigt Fehler, und so reihten sich  gleich zwei Fehler aneinander, Glück kam für die Wiesbadener hinzu und schon war der Führungstreffer für den SV Wehen Wiesbaden gefallen. Pierre De Wit misslang, was von ihm im Spiel unzählige Male schon gefordert war und was ihm vorher immer gelang. Er wurde angespielt, versuchte sich einen Freiraum zu erdribbeln, um in den freien Raum zu passen. Der Raum war nicht mehr frei. Der Ball wurde abgefangen und dieses Mal schnell steil gespielt. Die MSV-Abwehr war in der Vorwärtsbewegung und dennoch gelang es Sascha Dum, sich den Ball zu ergrätschen, verlor ihn aber sofort wieder, so dass der Wehener Spieler am herauseilenden Marcel Lenz vorbei aufs Tor schießen konnte. Der Ball ging zunächst an den Pfosten, doch auch dann stand noch ein Wehener Spieler bereit, den abprallenden Ball problemlos einzuschieben. Mit diesem Tor war das Spiel entschieden. Zu viel hatte der MSV Duisburg investiert. Zu groß war die Enttäuschung nach diesem Tor. Aus dieser Enttäuschung heraus noch einmal Kraft entwickeln schien mir kaum möglich. Natürlich blieb die leise Hoffnung auf Glück und lange Spieler, von deren Köpfen der Ball irgendwie zum Ausgleich ins Tor ginge. Das zweite Tor für Wehen machte auch diese Hoffnung zunichte. Phil Ofusu-Ayeh sollte sich nicht allzu sehr grämen. Es war ein schwieriger Ball, der da weit nach vorne geschlagen kam. Wenn so ein Ball erst einmal aufspringt, wird er unberechenbar. Dann sieht man als Spieler, der so einen Ball nicht kontrolliert bekommt einfach dumm aus. So groß war dieser Fehler jedenfalls nicht.

Es sieht so aus, als ob der MSV Duisburg in der 3. Liga eine der spielstärksten Mannschaften ist. All diese Aufstiegsaspiraten waren keinen Deut besser als die Zebras, eher weitaus schlechter. Dennoch verliert die Mannschaft Spiele, weil trotz dieser Spielstärke nicht genügend Druck entsteht und weil diese Spielstärke gleichzeitig verhindert, dass ganz einfache Lösungen in Spielsituationen versucht werden. Wenn wir die Weiterentwicklung dieser Mannschaft wollen, müssen wir mit solchen Niederlagen leben.

Nachtrag: Der Wiesbadener Blick mit einem Klick weiter.


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