Posts Tagged 'Rot-Weiß Oberhausen'

Die ganze Region? Aber, Herr Weinzierl!

Wenn ein Bayer der Süddeutschen Zeitung in einem Interview über seinen Eindruck spricht, welche Bedeutung der FC Schalke 04 hat, dann weiß man als Ruhrstädter sofort, der Mann ist noch nicht lange im Ruhrgebiet zu Hause. Schalke-Trainer Markus Weinzierl weiß noch nicht viel über das Ruhrgebiet, wenn er die drei Wörter „ganze Region“ und „Schalke“ in einem Satz unterbringt. Also, Herr Weinzierl, Sie können ja nichts dafür, aber das sollten Sie Herrn Heidel auf jeden Fall  raten, der FC Schalke 04 braucht für seine neuen Mitarbeiter noch eine Einführung in Heimatkunde. Das Ruhrgebiet – eine Region der Fußballstadttteile, oder so ähnlich.

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Gastbeitrag: Klaus Hansen erinnert an Spitzenereignisse vom MSV – II – Wohlfahrt, Worm und Tagliari

Egal ob Wedaustadion, MSV-Arena oder Schauinsland-Reisen-Arena, der Sozialwissenschaftler Klaus Hansen kommt seit der ersten Bundesliga-Saison zu den Spielen des MSV. Letztens schickte er mir noch ein Interview, das er in den 1990ern mit dem legendären Stadionsprecher des Wedaustadions, Gunter Stork, geführt hatte. Nun landete vor ein paar Tagen eine Mail in meinem Posteingang mit einem weiteren seiner Texte.

“Ein verbales Lokalderby mit einseitigem Ausgang – Das große Problem von Oberhausen heißt Duisburg”, hieß der Text. Für das von Sebastian Scharte herausgegebene Buch „Wer ist die Macht vom Niederrhein und vom Ruhrpott sowieso?“ über Rot Weiß Oberhausen hatte Klaus Hansen ihn geschrieben. Die Gelegenheit nutzte er, um mit einer Sammlung von 25 bemerkenswerten Ereignissen rund um den MSV augenzwinkernd darauf hinzuweisen, welcher Verein in der Ruhrstadt im Grunde die einzig wahren Spitzenleistungen aufweisen kann. Ihr könnt euch denken, welcher Verein als unangefochtener Sieger aus dem Buch herauskommt, wenn ein MSV-Anhänger ihn schreibt.

Ich greife mal ein paar Erinnerungssplitter aus seinem Text heraus und stelle sie mit der Zeit online. Wunderbares Nostalgie-Futter. Deshalb bleibt manch Bekanntes dabei. Bitte schön! Und Danke schön, Klaus Hansen.

 

Der allererste brasilianische Bundesliga-Torschütze kommt aus Duisburg. Duisburg ist die Wiege der Brasilianer in der Bundesliga.
Der Brasilianer Raoul Tagliari schoss für den MSV am 21. 11. 1964 in der 34. Minute das zweite Tor beim 2:0-Sieg über den 1. FC Nürnberg. Dies war die Geburtsstunde der brasilianischen Torjäger in der Liga. – Wenn man wissen will, wo alles angefangen hat, muss man, wie so oft, auch in diesem Fall nach Duisburg schauen!

MSV-Spieler wird als Kapitän der Nationalmannschaft Weltmeister.
Bei der Fußball-Militärweltmeisterschaft 1975 holte MSV-Stürmer Ronald Worm als Kapitän der Mannschaft den Titel. Statt einer Medaille gab es noch auf dem Platz die Beförderung zum Hauptgefreiten der Luftwaffe. – Weiß man ähnliche Heldentaten zwischen Oberhausen und Dortmund zu berichten?

Deutscher Rekord-Nationalspieler kommt vom MSV.
Von 1951 bis 1986 gab es neben der A-Nationalmannschaft auch eine B-Nationalmannschaft. Was die Einsätze in der B-Elf angeht, ist MSV-Stürmer Ronald Worm mit 12 Berufungen der deutsche Rekord-Nationalspieler.

MSV-Spieler wird Weltmeister in Australien.
MSV-Stürmer Roland Wohlfarth, wegen seiner Neigung zum Übergewicht gelegentlich „Prima Tonna“ genannt, wird 1981 mit der U-20-Nationalelf Weltmeister in Australien. Im Endspiel gegen Katar schoss er beim 4:0 der Deutschen ein Tor. Insgesamt war er mit 4 Toren der erfolgreichste deutsche Schütze.

Bundesliga-Torschützenkönige aus den Reihen des MSV.
1984 wurde Roland Wohlfarth mit 30 Toren, 1991 Michael Tönnies mit 29 Toren Torschützenkönig der Zweiten Bundesliga. – Da nehmen sich die 24 Treffer, mit denen Lothar Kobluhn (RWO) 1971 Schützenkönig der ersten Liga wurde, doch recht bescheiden aus.

Gastbeitrag: Klaus Hansen erinnert an Spitzenereignisse rund um den MSV – Folge 1

Egal ob Wedaustadion, MSV-Arena oder Schauinsland-Reisen-Arena, der Sozialwissenschaftler Klaus Hansen kommt seit der ersten Bundesliga-Saison zu den Spielen des MSV. Letztens schickte er mir noch ein Interview, das er in den 1990ern mit dem legendären Stadionsprecher des Wedaustadions, Gunter Stork, geführt hatte. Nun landete vor ein paar Tagen eine Mail in meinen Posteingang mit einem weiteren seiner Texte.

„Ein verbales Lokalderby mit einseitigem Ausgang – Das große Problem von Oberhausen heißt Duisburg“, hieß der Text. Für das von Sebastian Scharte herausgegebene Buch „Wer ist die Macht vom Niederrhein und vom Ruhrpott sowieso?“ über Rot Weiß Oberhausen hatte Klaus Hansen ihn geschrieben. Die Gelegenheit nutzte er, um mit einer Sammlung von 25 bemerkenswerten Ereignissen rund um den MSV augenzwinkernd darauf hinzuweisen, welcher Verein in der Ruhrstadt im Grunde die einzig wahren Spitzenleistungen aufweisen kann. Ihr könnt euch denken, welcher Verein als unangefochtener Sieger aus dem Buch herauskommt, wenn ein MSV-Anhänger ihn schreibt.

Ich greife mal ein paar Erinnerungssplitter aus seinem Text heraus und stelle sie mit der Zeit online. Wunderbares Nostalgie-Futter. Deshalb bleibt manch Bekanntes dabei. Bitte schön! Und danke schön, Klaus Hansen.

 

Der MSV war der erste Tabellenführer in der Geschichte der Bundesliga – wenn alles mit rechten Dingen zugegangen wäre!
Nach dem allerersten Spieltag der Fußballbundesliga, 24. August 1963, sah die Tabelle so aus:

1. 1. FC Köln 2:0 Tore 2:0 Punkte
2. FC Schalke 04 2:0 Tore 2:0 Punkte
3. Meidericher SV 4:1 Tore 2:0 Punkte

Damals entschied nicht die Tordifferenz, sondern der Torquotient über die Platzierung. Nach heutiger Rechenweise, wo die Tordifferenz maßgeblich ist, wäre der MSV der historisch erste Spitzenreiter der Bundesliga gewesen. – Aber der MSV zeigte sich sportlich fair und überließ einer Stadt wie Köln, die ja sonst nichts Vorzeigbares hat, gerne den Vortritt.

Dänen lügen nicht – Vom Doublebind oder Wer B sagt, war bei den letzten Spielen des MSV

„Stig“, sagt Kees gestern zu mir, „du schreibst jetzt aber nicht auch noch was zum Spiel gegen Oberhausen und zu Lettieri. Wir gucken nach vorne. Wir müssen gegen Cottbus gewinnen. Die Stimmung muss dafür überall wieder besser werden.“ Red du mal, hab ich gedacht und „Nein, tut mir leid, Kees“, gesagt, „die Stimmung wird so und so besser. Ich schreibe mit Sicherheit was nach diesem Vorbericht vom MSV zum Spiel gegen Energie Cottbus“. Was raus will, muss raus. Gibt sonst nur irgendwelche Krankheiten, die keiner kennt.

Für alle, die den Vorbericht noch nicht gesehen haben.

Seitdem ich hier beim Kees mitmache, bin ich wohl zum Mann für grobe Worte geworden. Ich kann auch anders, ich komme nur nicht dazu. Natürlich weiß auch ich, dass das Ziel Aufstieg nur gemeinsam erreicht wird. Aber deshalb zu Gefahren schweigen? Wenn wir alle Samstag im Stadion stehen, wird es ohnehin diesen Zusammenhalt geben. Da bin ich sicher. Das ist Fußball. Es geht immer weiter. Es wird eine andere Mannschaft sein, die antritt und Oberhausen wird vergessen werden.

Nicht vergessen werde ich aber, dass Gino Lettieri und Ivo Grlic große Schwierigkeiten haben sich einzugestehen, dass sie vor dem Spiel gegen Rot-Weiß Oberhausen einen Fehler gemacht haben. Das ist Schnee von gestern, sagen bestimmt schon genügend Leute, sagt Kees ja zähneknirschend auch. Leute, klar, das stimmt. Aber habt ihr euch den Vorbericht jetzt angesehen?

Ich will warnen, vor allem will ich Gino Lettieri und Ivo Grlic helfen. Was die beiden in diesem Vorbericht machen, hat einen Namen in allen Beziehungsratgebern. Das ist der Worst Case aller Krisen. Wer mit zwei widersprüchlichen Botschaften an jemanden appeliert, um ihn emotional zu binden, macht ihn verrückt. Machse etwa wieder „Doublebind“?, sagen wir MSV-Fans zu Lettieri demnächst alle. Wir kennen unsere Beziehungsratgeber und sind alle Fachleute für Kommunikation. Wer sich bei Wikipedia zum „Doublebind“ einlesen will, bitte schön, nur ein Klick.

Man kann nicht den Zusammenhalt beschwören, nachdem man sich als allererstes erneut von den Spielern distanziert hat. Das ist genau das Gegenteil von Zusammenhalt. Wer also mit dem Distanzieren anfängt, gibt den Fans ein Beispiel. Welcher Botschaft sollen wir folgen? Der impliziten? Ich darf sehr wohl sehr sauer über einzelne in unserer MSV-Welt sein und diesen Unmut auch äußern, jeder eben nach seiner Art. Oder der durch Worte transportierten? Wir schaffen den Weg gemeinsam? Dass in Oberhausen genügend Idioten auf den Zebrarängen unterwegs waren, lass ich mal außen vor.

Nun gibts ja ne Menge unter euch, die sagen, Lettieri hat doch recht. Die Spieler spielten schlecht. Wir haben doch ein Recht sauer zu sein. Interessiert an der Stelle aber gar nicht! An der Stelle geht ja es um den Zusammenhalt. Und wer den aufs Schild hebt, muss anders handeln. Und jetzt führe ich euch einen kleinen Zaubertrick vor. Man kann Zusammenhalt beschwören und jemanden in der Gruppe, um die es geht kritisieren, wenn man zuvor den ehrlichen Blick auf sich selbst geworfen hat.

So, und zu diesem ehrlichen Blick gehört eine ganz offensichtliche Aussage, die ich weder von Gino Lettieri noch von Ivo Grlic bislang gehört habe. Beide tragen die Entscheidung für die Aufstellung der Mannschaft des MSV im Spiel gegen Oberhausen. Beide müssten sagen, wir haben nicht erwartet, dass RWO so stark spielt. Das ist unser Fehler gewesen. Erst danach können wir den Zusammenhalt beschwören. Wer die Aufstellung nur damit rechtfertigt, fast alle Spieler der Mannschaft in Oberhausen beanspruchten in der 3. Liga samstags in der ersten Elf zu sein, übertüncht mit dicken Farben die Tatsache, dass diesem Anspruch während der letzten Wochen von den sportlich Verantwortlichen nicht stattgegeben wurde.

Wer Kevin Scheidhauer im Spiel gegen Rostock gesehen hat, kann doch nicht ernsthaft einen überlegen aufspielenden Stürmer erwarten. Wer Michael Gardawski und Dennis Grote in den Punktespielen der letzten Wochen gesehen hat, kann doch nicht ernsthaft erwarten, dass sie sich problemlos gegen sehr motivierte Oberhausener Spieler durchsetzen werden. Dabei hatte ich für die Offensive noch weniger Bedenken als bei der Defensive. RWO hatte in den letzten Wochen einen Lauf. Diese Mannschaft spielte sehr gut zusammen, und das sollte eine Defensive bewältigen, die erstmals in einem Wettbewerb unter Druck geriet? Träumerei!

Wer je über einen längeren Zeitraum Mannschaftssport betrieben hat, wird es kennen, dass selbst bei harter Konkurrenz in der eigenen Mannschaft das Trainingsspiel den einzelnen Spieler weniger beansprucht als das Spiel im Wettbewerb. Das ist normal, denn man spielt mit der eigenen Gruppe. All das sage ich nur noch einmal, weil es mir um den Zusammenhalt geht. Die Leute reden und schreiben sich über die Mannschaftsaufstellung in Rage. Die Meinungsverschiedenheiten haben doch einen Grund, und der ist eine Leerstelle bei den Erklärungen für die Niederlage. Der Zusammenhalt wäre einfacher zu haben, wenn diese Leerstelle durch Selbstkritik von Gino Lettieri und Ivo Grlic gefüllt worden wäre.

Übrigens spielte Cottbus beim Regionalligisten Babelsberg und gewann 2:0. Der Trainer, Stefan Krämer, hat es nach so einem Sieg natürlich einfacher auf der Pressekonferenz. Bei einigen seiner Sätze könnten in Duisburg aber sogar die Ohren klingeln. Er ist sehr froh über den Sieg und ab Minute 2.05 berichtet er, dass sie sich vor dem Länderpokalspiel genauso vorbereitet hätten wie vor einem Drittligaspiel, und dann sagt Stefan Krämer etwas, was in Duisburg jedem, der nur die Spieler kritisiert, aus dem Blick geraten ist: „Es ist nicht selbstverständlich bei einem Regionalligisten 2:0 zu gewinnen.“

Zu Beginn, ab 0.45, spricht Stefan Krämer außerdem zu dem Fußball, der ihm am besten gefällt und gibt einen interessanten Einblick in Mannschaftstaktik.

Prüfung Halbfinale bewältigt – Cottbus wartet

Das Leben hält für einen manchmal sogar schöne Prüfungen bereit. Schön sind Prüfungen genau dann, wenn sie dich fordern und du dennoch mit spielerischer Leichtigkeit die nötigen Fähigkeiten zeigen kannst. Das Halbfinalspiel im Niederrheinpokal zwischen Rot-Weiß Oberhausen und dem MSV Duisburg war so eine Prüfung. Nicht für beide Mannschaften. Für mich. Am Morgen hatte ich noch geschrieben, eine Niederlage betrachtete ich nicht einmal mit Bedauern, weil meine ganze Aufmerksamkeit dem Aufstieg gilt. Doch ich wusste auch, ich kann mir keinen Mannschaftssport ansehen, um nicht über kurz oder lang für eine der beiden Mannschaften eines Spiels Partei zu ergreifen und mitzufiebern. Wie oft war ich schon enttäuscht, weil irgendeine Zweitligabasketballlmannschaft meine Sympathie gewann und ihr Spiel verlor.

Ein wenig mulmig war mir also, als ich das Stadion betrat. Schon die erwartungsvolle Atmosphäre im Stadion Niederrhein ließ mir das Herz aufgehen. Das war Sport abseits der Unterhaltungsbranche Fußball, auch wenn der MSV Duisburg sich genau auf der Grenze zu dieser Sphäre des Fußballs bewegt. Ich begann, nicht mehr ganz so offen für eine Niederlage zu werden. Mir gefiel es allmählich doch sehr viel besser, wenn der Verein meiner Zuneigung siegte. Und dieser Verein war der MSV Duisburg. Doch Gino Lettieri half mir mit der Aufstellung, mich an meine Worte des Morgens zu erinnern.

2015-04_rwo_msv1Egal, was auch immer er nach dem Spiel zu der Aufstellung sagte, er ließ eine B-Elf beginnen, zum einen wie im Fall Martin Dausch, war das der Schonung nach leichter Verletzung geschuldet. Was vielleicht auch für Steffen Bohl und Branimir Bajic galt, die nicht im Kader waren. Nico Klotz, Zlatko Janjic, Kingsley Onuegbu und Thomas Meißner blieben auf der Bank, genauso wie Michael Ratajczak, den Marcel Lenz sinnvoller Weise ersetzte, um sich für den Samstag Spielpraxis zu holen. Diese Aufstellung war Risikominimierung und -maximierung zugleich. Stammspieler blieben für den Ligabetrieb unversehrt, was man von den Siegchancen nicht sagen konnte.

Diese Aufstellung verhalf mir zurück zur Gelassenheit. Denn eines war klar, Rot-Weiß Oberhausen spielte seit ein paar Wochen in sehr guter Form eine Liga tiefer, bewegte sich im oberen Tabellenviertel, und wir wissen, die Unterschiede der Spielstärke können sich in einem einzigen Spiel sehr schnell verlieren, selbst wenn eine eingespielte höherklassige Mannschaft auf einen klassenniederigeren Gegner trifft.

2015-04_rwo_msv4Die Mannschaft des MSV hingegen war keineswegs eingespielt. Sie war zudem besetzt mit vielen Spielern, die vielleicht sogar nicht ganz frei aufspielen können. Ich kann mir gut vorstellen, dass etwa Pierre De Wit mit seiner momentanen Stellung im Kader nicht ganz zufrieden ist. Es waren Spieler wie Dennis Grote und Sascha Dum, die auf dem Spielfeld manchmal so wirken, als käme etwas ihrem Spielrhythmus quer. Und es waren Spieler wie Fabian Schnellhardt oder Kevin Scheidhauer, die ehrgeizig sind, sich zeigen wollen und bei denen die Gefahr besteht, dass sie gerade deshalb sich selbst im Weg stehen. Dazu kam eine Abwehrreihe, die völlig neu zusammengestellt war und in der ich niemanden erkannte, der das Offensivspiel nach gewonnenen Bällen hätte einleiten können. Ich war bereit für Überraschungen.

2015-04_rwo_msv6Vielleicht vier, fünf Minuten waren gespielt, und ich fand vollends zu meiner morgendlichen Grundentspannung zurück. Schnell war zu erkennen, die Oberhausener hatten mehr als nur den Kampf zu bieten. Ihr Zusammenspiel funktionierte gut, Laufwege waren erkennbar und ein Steilpass in eine Schnittstelle der Defensivreihe war auch schon fast  torgefährlich geworden. Rot-Weiß Oberhausen zeigte sich sofort als gleichwertiger Gegner, der hervorragend verteidigte und blitzschnell umschaltete.

In der 11. Minute fiel das Führungstor für RWO. Nach einem Eckstoß gab es im Strafraum ähnlich viel Platz für die Oberhausener Spieler wie zuvor beim schnellen Steilpass in die Spitze. Aus dem gleichwertigen Gegner war schnell ein überlegener Gegner geworden. Der MSV mühte sich zwar. Das Angriffsspiel blieb aber zu einfallslos, um die gut gestaffelte Defensive der Oberhausener zu überwinden. Einmal gab es die Chance zum Ausgleich. Nach schnellem Kurzpassspiel kam Fabian Schnellhardt an der Strafraumgrenze zum Abschluss und traf die Latte. Die Oberhausener blieben gefährlicher, weil ihrem Spiel mehr Raum gelassen wurde. Das 2:0 fiel kurz vor der Pause, und sein Entstehen bahnte sich ebenfalls durch einen präzise vorgetragenen Angriff an.

Für einen kurzen Moment spürte ich in der Halbzeitpause so etwas wie einen Phantomschmerz über diesen Rückstand. Das Gegenmittel war kurz aufflackernde Hoffnung, es könne noch der Ausgleich fallen, weil die Oberhausener Mannschaft  mehr in das Spiel investiert hatte. Vielleicht wären die Spieler nicht lange genug so konzentriert wie nötig, weil sie zu früh müde wurden. Dem war nicht so. RWO spielte auf dem Niveau weiter, und auch wenn der MSV nun deutlich mehr Ballbesitz hatte, klare Chancen konnte sich die Mannschaft nicht erspielen. Für mich war das Spiel entschieden, und als in der 71. Minute Kingsley Onuegbu, Zlatko Janjic und Nico Klotz eingewechselt wurden, hoffte ich vor allem auf deren Unversehtheit und glaubte nicht eine Minute, sie könnten an diesem Abend durch Einzelleistungen noch irgendetwas an der Niederlage ändern.

Einen Lichtblick hatte dieser Abend auch auf Seiten des MSV für mich. Dieser Lichtblick war trotz der beiden Gegentore Marcel Lenz. Er wirkte sicher im Strafraum, zeigte einmal auf der Linie einen großartigen Reflex und seine weiten Bälle auf die Flügel waren präzise Vorlagen. Er schießt dorthin, wo er den Ball auf dem Spielfeld platzieren möchte. Fast wäre ich nach dem zweiten dieser Pässe auf Dennis Grote aufgesprungen, um Marcel Lenz begeistert zu feiern. Das wäre aber des Guten etwas zu viel gewesen, auch wenn für uns in Duisburg solche Pässe seltene Schmuckstücke sind.

2015-04_rwo_msvx4Der nochmalige Einzug ins Finale des Niederrheinpokals wäre schön gewesen. Eine bessere Leistung der Mannschaft wäre ebenfalls schön gewesen. Doch ich halte es für völlig unrealistisch zu glauben, dass eine derart aufgestellte Mannschaft des MSV eine gute Viertligamannschaft mal eben besiegen kann. Insofern gefallen mir auch Gino Lettieris „harte Worte“ nicht gut, wie sie Im Reviersport zu lesen sind. Das eine ist die schlechte Leistung der eigenen Spieler, das andere ist der realistische Blick auf die Qualität des Gegners, den wohl der Trainer selbst zu verantworten hat. So ist es vor allem schön gewesen, dass ich meine persönliche Prüfung in diesem Spiel bewältigt habe. Tatsächlich kann ich von mir sagen, ich bedauere diese Niederlage des MSV Duisburg kaum. Allerdings befürchte ich, diese Gelassenheit setzt auf die Zukunft. Sie setzt darauf, dass Samstag das Spiel gegen den FC Energie Cottbus so ausgeht, wie wir es uns wünschen.

Vielleicht stimmt mich außerdem die besondere Atmosphäre im Stadion Niederrhein nachsichtiger mit dem MSV Duisburg,  dieser Charme des Ortes, der sich durch die besondere Mischung von Tradition und Moderne dort ergibt. Wenn der MSV schon ausscheiden muss, dann soll es wenigstens dort gewesen sein. Rot-Weiss Oberhausen hat den Einzug ins Finale verdient. Wie sagt der Kölner, man muss auch jönne könne. Und wo er recht hat, hat er recht.

Ein paar Impressionen vom gestrigen Abend habe ich auch noch.

Niederrheinpokal – Der große Unterschied zum Vorjahr

Heute Abend spielt der MSV Duisburg im Halbfinale des Niederrheinpokals gegen Rot-Weiß Oberhausen. Für Anhänger des Fußballs mit einer Neigung zu symbolhafter Wirklichkeit kommt dieses Spiel eine Runde zu früh. Gibt es einen geeigneteren Ort für ein Finale des Niederrheinpokals als ein „Stadion Niederrhein“? Ich glaube nicht. Nicht nur wegen des Namens, auch weil dieses Stadion noch die Atmosphäre jener Zeiten ausstrahlt, als fast alle wichtigen Spiele einer Saison in einem Umkreis von etwa 60 Kilometern stattfanden, ein Stadion in jeder Hinsicht passend für diesen Wettbewewerb. Ich bin gerne in diesem Stadion – gerade dann, wenn die Ränge wie heute sehr voll sein werden.

Allerdings muss ich gestehen, mit der Bedeutung dieses nächsten Spiels habe ich meine Schwierigkeiten. Gut, dass niemand von mir eine professionelle Zuschauereinstellung erwartet. Professionell müssen nur die Fußballer sein. Für die Fußballer gibt es nur wenige nächste Spiele, die nicht ein wichtiges Spiel sind. Am Ende der Saison vielleicht können Fußballer für die üblichen Vorberichte versprechen, alles zu geben, nicht weil es für Tabelle oder Weiterkommen notwendig und damit wichtig ist, sondern für die Fans und einen guten Abschluss der Saison. Dann verschwindet das kleine Wörtchen „wichtig“ aus der Fußballersprache für die Öffentlichkeit. Bis es so weit ist, verlangen es sowohl die Höflichkeit gegenüber dem Gegner als auch die Erwartungen der eigenen Zuschauer die Bedeutung des nächsten Spiels zu betonen. Dennis Grote wird im Vorbericht von WAZ/NRZ  entsprechend zitiert. Er warnt vor „EX-Klub RWO“ und natürlich ist das Spiel „sehr wichtig“ für die Mannschaft.

Ich hingegen empfinde dieses Halbfinale als Ablenkung vom eigentlich viel wichtigeren nächsten Spiel gegen den FC Energie Cottbus. Das ist der große Unterschied zum Halbfinale gegen Rot-Weiß Essen in der letzten Saison. Nicht einmal das Wiederaufleben alter Derby-Zeiten im Niederrhein-Stadion lässt mich das Halbfinale im Niederrhein-Pokal dieser Saison wirklich ernst nehmen. Im letzten Jahr hatte das Spiel gegen RWE eine sportliche und emotionale Bedeutung, die in dieser Saison im Spiel gegen RWO für mich nicht mehr erreicht wird. Viel wichtiger sind mir Siege in der 3. Liga. Für das Spiel heute Abend wünsche ich mir vor allem, dass sich kein Spieler des MSV verletzt und dass eine womöglich hitzige Pokalatmosphäre die Mannschaft nicht aus dem Rhythmus für den Ligabetrieb bringt. Das ist der große Unterschied zum letzten Jahr: Wenn ich zu mir ehrlich bin, würde ich eine Niederlage des MSV nicht einmal groß bedauern. Ich komme einfach nicht von dem Gedanken weg, am Abend hoffentlich das letzte Halbfinale im Niederrheinpokal gesehen zu haben, an dem eine Profimannschaft des MSV Duisburg beteiligt ist.

Heimatlied – Sektion Ruhrstadt – Folge 11: Emscherkurve 77 – II –

Neulich habe ich bereits drei Songs von Emscherkurve 77 vorgestellt. Nun gibt es einen Nachtrag, der meinen Eindruck bestätigt, dass diese Band einen großen Teil ihrer kreativen Kraft aus dem Verhältnis zur Ruhrstadt zieht. „Nenn du es Stadt, ich nenne es Heimat, das Fleckchen Erde, das ein jeder gerne hat“, heißt es in: „Wurzeln, Seele, Elternhaus“.

Kurz nochmals die Wikipedia-Stichworte zu Emscherkurve 77: 2000 gegründet, stammt aus dem Ruhrstadt-Stadtteil Oberhausen, steht fest zum Punk sowie zu Rot-Weiß Oberhausen, so dass zwei Band-Songs dem Verein gewidmet sind: Die Macht vom Niederrhein und Rot-Weiß Oberhausen.

„Wurzeln, Seele, Elternhaus“ ist auf einem Sampler erschienen. Der zum Song gehörige Clip zeigt schöne Bewegtbilder eines 50er-Jahre-Ruhrgebiets, in dem die Schwerindustrie noch den Alltag bestimmt und das Leben in den Arbeitersiedlungen sich oft auf der Straße abspielte. Den wunderbaren O-Ton zu Beginn hatte ich noch niemals gehört. Die patriarchische Stimme zeigt sich zufrieden mit der Entwicklung unter den Bergarbeiten. Ich muss mal nachfragen, wer da spricht.

Zusammen mit den Bildern macht dieser Mann jedenfalls Arbeiteralltag auf grandiose Weise lebendig. Man muss sich nur vergegenwärtigen, was sich heute so kurios anhört, war seinerzeit Thema in vielen Familien. Doch kann er der Öffentlichkeit mitteilen: „Der Freitag, der Lohntag, ist für unseren Kumpel kein Sauftag mehr“, denn der „Kumpel sucht heute sein Zuhause“. Das Stück selbst ist dann bester Heimatliedgesang in besagter Punk-Tradition – Ton ab:

Hinweise auf weitere online zu findende Ruhrstadt-Lieder nehme ich gern entgegen. Helft mit die Sammlung wachsen zu lassen.

Mit einem Klick weiter findet ihr Heimatlied – Sektion Ruhrstadt – Alle Folgen


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