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Wir sind alle keine Beckenbauers – ein großartiger Film aus dem Jahr 1978

Der Verlag heißt „Syndikat – Autoren- und Verlagsgesellschaft“. Dort erscheint 1978 mit „Sind doch nicht alle Beckenbauers“ ein Buch über den Fußball des Ruhrgebiets. Rolf Lindner, ein Soziologe, und Heinrich Th. Breuer, ein Psychologe, versuchen als erste die besondere Bedeutung des Fußballs für die Region zu beschreiben und in ihrem historischen Zusammenhang zu verstehen. Schon der Name des Verlags verweist auf den Zeitgeist, der diese Beschreibung durchdringt. Gesellschaftskritik, Emanzipation der Arbeiterschaft, die Arbeiter-Wirklichkeit wichtig nehmen, das klingt immer wieder an, egal ob die Eltern von Rüdiger Abramczik interviewt werden, über den SV Sodingen geschrieben wird oder über das Leben in der Bergarbeiterstadt Bottrop.

Die Autoren haben nicht nur ein historisches und soziologisches Interesse an ihrem Thema. Sie ziehen Schlüsse aus ihren Beobachtungen, mit denen sie strukturpolitische Entscheidungen nach dem Schließen der Zechen kritisieren. So zeigt das Portrait einer Straßenmannschaft aus Bottrop-Boy eine schon damals untergehende Welt der Arbeiterfamilien. Sie wird bestimmt durch Zusammenhalt und den Stolz auf das eigene Leben.

Wahrscheinlich ist die Dokumentation über diese Straßenmannschaft parallel zur Arbeit an dem Buch entstanden. Wir sind alle keine Beckenbauers ist ein großartiger Film von Lucas Maria Böhmer. Der Autor Rolf Lindner wird als Berater des Filmemachers im Abspann aufgeführt. Diese Dokumentation beschränkt sich nicht auf die Reportage. Lucas Maria Böhmer hat wunderbare Bilder des Ruhrgebiets der 1970er Jahre eingefangen und die Stimmen aus der Robert-Brenner-Straße in Bottrop-Boy zu einer begeisternden Milieustudie zusammengeschnitten – ein Milieu, das es heute mit diesem Stolz und der selbstbewussten Identität nicht mehr gibt.

Hoffen wir mit dem „Dicken“ auf einen neuen Tag, an dem einfach alles passt

Auch wenn es schwer fällt. Schiebt Julian Koch und Fortuna Düsseldorf mal eben kurz zur Seite. Einfach nur, um sich an den kommenden Dienstag, den 8. Mai, zu erinnern. Zwar endet die Liga-Saison am Sonntag, doch am Dienstag findet in der Arena das „Benefizspiel anlässlich Präsentation und Vorstellung des Bundesverband der Organtransplantierten“ (BDO) statt – den einen Klick weiter findet ihr die Seite zu diesem Spiel. 

Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass es in Duisburg noch jemanden gibt, der den Hintergrund dieses Fußballspiels nicht kennt. Den anderen sei erzählt:  die lebensbedrohliche Lungenerkrankung des Rekordtorschützen vom MSV Duisburg Michael Tönnies macht für ihn eine Lungentransplantation notwendig. In so einem Zustand des Wartens auf das passende Spenderorgan braucht ein Mensch nicht nur die ärztliche Versorgung, er braucht auch emotionale Unterstützung und psychische Kraft.

Michael Tönnies hat diese Unterstützung sowohl beim BDO als auch bei den Anhängern des MSV Duisburg gefunden. So ist für Michael Tönnies das Benefizspiel schon jetzt ein Erfolg, weil ihm die Anteilnahme an seinem Schicksal Hoffnung zurück gab. Am Dienstag nun tritt die Traditionsmannschaft des MSV Duisburg in der Schauinsland-Reisen-Arena gegen eine Auswahl ehemaliger Bundesligaprofis und Nationalspieler an.  Die  Namensliste ist lang: Klaus Fischer, Rüdiger Abramczik, Olaf Thon, Dieter Hecking, Andreas Rettig, Ivo Grlic, Uwe Weidemann, Ewald Lienen werden dabei sein, Bachirou Salou, Peter Neururer, Thomas Helmer und Thomas Strunz. Moderiert wird die Veranstaltung von Ulli Potofski, der seinerzeit auch das denkwürdige 6:2 gegen den KSC kommentierte bei dem Michael Tönnies den schnellsten Hattrick der Bundesliga-Geschichte erzielte.

Der Anstoss des Spiels findet um 19:02 Uhr statt. Karten zu Preisen zwischen 6 und 8 Euro sind an den bekannten Vorverkaufsstellen zu haben. Der Veranstalter bittet darum, diesen Vorverkauf auch zu nutzen, weil am Spielabend selbst nur drei Kassen geöffnet werden können. Der Aufwand soll so gering wie möglich gehalten werden, damit die Unkosten möglichst gering sind und der Gewinn möglichst groß. Der Überschuss kommt dem BDO zugute.

Im Spiel gegen den Karlsruher SC am 27. August 1991 passte für den von MSV-Fans „Dicken“ genannten Michael Tönnies alles. Fünf Tore insgesamt erzielte er, drei davon nacheinander innerhalb der ersten fünfzehn Minuten.

Hoffen wir mit Michael Tönnies auf den schnell kommenden nächsten Tag, an dem in seinem Leben wieder alles so gut wird wie damals.


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