Posts Tagged 'RUHR.2010'

Akzente 2017 inoffiziell – Die Goldenen Zitronen mit Duisburg

Am Freitag sind die  38. Duisburger Akzente eröffnet worden. In diesem Jahr lautet das Motto des Kulturfestivals Umbrüche. Ich begleite die Akzente mit einem inoffiziellen Programm im Zebrastreifenblog nunmehr im dritten Jahr. Ob ich an jedem Tag Zeit und Idee für einen Programmbeitrag habe, weiß ich am offiziellen Eröffnungstag nie. Eine Unwissenheit, die zum Motto der Akzente in diesem Jahr passt. Wenn sich etwas umfassend verändert, eben das geschieht, was gemeinhin mit einem Umbruch einhergeht, dann ist eins gewiss, wie das Leben nach einem solchen Umbruch aussieht, weiß niemand genau. Behauptet wird zumeist etwas anderes.

Seit Jahren möchten das Ruhrgebiet und als ein Stadteil dieser Ruhrstadt auch Duisburg anders wahrgenommen werden. Dahinter steht ein Streben nach großstädtischer Bedeutsamkeit, das in großen Teilen durch ein ökonomisches Bedürfnis angetrieben wird. Das Ruhrgebiet soll als attraktiver Standort für Unternehmen und Arbeitskräfte wahrgenommen werden. Im Kulturhauptstadtjahr 2010 führte dieser Wunsch nach großstädtischer Bedeutsamkeit zum Unglück bei der Loveparade. Die Goldenen Zitronen haben 2013 einen Song über das Unglück gemacht. Zu hören ist zunächst keine eingängige Musik, sondern der Song erinnert an Klangkunstwerke. Erst später entwickelt sich eine Melodie und im Text wird die Kritik an den Organisatoren der Veranstaltung zum Abgesang auf die kulturelle Kraft der Loveparade-Bewegung insgesamt.

 

Hinweise auf weitere online zu findende Duisburg- und Ruhrstadt-Lieder nehme ich gern entgegen. Helft mit die Sammlung wachsen zu lassen.

Mit einem Klick weiter findet ihr Heimatlied – Sektion Duisburg – Alle Folgen

Mit einem Klick weiter zu allen Beiträgen des inoffiziellen Akzente-Programms 2017 im Zebrastreifenblog.

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Nach zehn Tagen Pause fast kein Wort über Fußball

Vor zehn Tagen verabschiedete ich mich in den Urlaub in der Hoffnung, nach der Pause über die abgeschlossene Personalplanung beim MSV Duisburg schreiben zu können. Diesen Faden des Fußballalltags sofort aufzunehmen ist mir nach dem Geschehen am vorletzten Samstag bei der Loveparade unmöglich. Auch wenn ich weiß, dass inzwischen unzählige Worte schon geschrieben sind, und in Duisburg sich sicherlich eine erste Ruhe nach der Katastrophe eingestellt hat, kann ich nicht einfach zur Tagesordnung übergehen in einem Blog, in dem Duisburg auch als Stadt selbst hin und wieder Thema ist.

Nach Katastrophen hilft es den Menschen in unserer durchrationalisierten Gegenwart, die Frage nach Ursachen und Schuld zu stellen. Antworten auf diese Frage suggerieren, wir Menschen haben dieses Leben eigentlich immer im Griff, und es sind immer nur Fehler einzelner, die unsere umfassende Sicherheit im Leben verhindern. Das stimmt natürlich nicht. Wir verdrängen die stets vorhandenen Gefahren in unserem Leben und wenn wir einem Unglück als Vollendung einer Gefahr begegnen, kehren die verdrängten Ängste zurück. Sie verwandeln sich in ungerichtete Aggression und sobald sich jemand als Projektionsfläche für diese Aggression anbietet, wird diese Aggression ausgelebt. Gebt uns einen Sündenbock! Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland sei Dank, war der schnell gefunden.

Adolf Sauerland war nach den ersten Nachrichten von der Katastrophe völlig überfordert und hat nicht die Größe besessen, so zu handeln, wie es sich in so einem Moment der Fassungslosigkeit und wortlos machenden Entsetzens geziemt. Ungeachtet seiner ebenfalls vorhandenen politischen Verantwortung hat er mit dem Verweis auf die Schuld der Opfer an der Katastrophe jegliche Integrität verspielt, um weiterhin Oberbürgermeister der Stadt Duisburg sein zu können. Ärgerlich ist allerdings die Berichterstattung über seine Person. Sie diente zeitweilig allein der Sensationslust eines vom Schrecken faszierten Publikums. Im Gelsenkirchen Blog gibt es dazu einen Text, der für mich das Thema „Ursache, Schuld und Verantwortung“ klug beleuchtet.

Darüber hinaus sind so viele der von den Medien zu Duisburg erzählten Geschichten an der Wirklichkeit vorbei konstruiert, indem die Motivlage um die Loveparade sehr vereinfacht wird. Ich denke, ohne Kulturhauptstadt Ruhr.2010 hätte es die Loveparade in Duisburg nicht gegeben. Fritz Pleitgen bekennt sich zu einer moralischen Schuld, weil die Loveparade in das Programm der Kulturhauptstadt hatte integriert werden sollen. Weitaus mehr in der Verantwortung sehe ich Dieter Gorny mit seinen in den Zeitungen des WAZ-Konzerns strategisch verbreiteten, drängenden Worten, als der Widerstand in Duisburg gegen die Durchführung der Loveparade noch groß war. Er befürchtete eine „Blamage“ für das gesamte Ruhrgebiet, wenn die Loveparade ausfiele. Dagegen gab es in Duisburg selbst keineswegs durchweg die Hoffnung auf einen bleibenden Imagegewinn, wie es als Motivation für die Durchführung so oft hieß. Es gab Stimmen – auch auf Verwaltungsebene und in der Politik- die allenfalls den Wert des punktuellen Ereignisses sahen.

Aber Wahrheit ist nur ein Kriterium für die Berichterstattung von Medien über das Geschehen in Duisburg. Ein anderes Kriterium ist schnelle Verständlichkeit und der eingeräumte Platz für die Berichterstattung – egal in welcher medialen Verbreitungsform. Da wird sich dann auf Duisburg konzentriert. Alte Bilder der Lebenswelt im Ruhrgebiet werden zur Illustration der Berichterstattung genommen und komplexe Prozesse des städtischen Wandels werden auf den einzigen Begriff des Imagegewinns gebracht.

In meinen Augen ist die Katastrophe selbst und die anschließende Berichterstattung über Duisburg ein einziger Beweis dafür, dass die Städte im Ruhrgebiet zusammenrücken müssen. Sollte die Umsiedlung der Loveparade nicht ein Ruhrgebietsprojekt sein? Hieß es nicht so, als an Stelle von Berlin ein neuer Veranstaltungsort gesucht wurde? Hier gibt es einen eindeutigen Beweis für den strukturellen Unterschied zwischen den Möglichkeiten der Ruhrmetropole oder wie auch immer man das nennen soll und den einzelnen Städten. Wer das Ruhrgebiet im Mund führt, muss auch  Organisationsstrukturen schaffen, die dem entsprechen. Das Still-Leben Ruhrschnellweg war auch deshalb ein so großer Erfolg, weil das Ruhrgebiet als Ganzes gemeint war, und es nicht nur beim Lippenbekenntnis zur Einheit der Städtelandschaft blieb.

Wenn nun Trostlosigkeit als Klischee zur Beschreibung Duisburgs eine zeitlang wieder populär sein wird, liegt das an dem sinngebenden Erzählmuster für das Geschehen. Das Klischee zur Loveparade heißt jugendliche Lebensfreude. So lässt sich mit dem Gegensatzpaar eine Geschichte der Selbstüberschätzung erzählen. Diese Trostlosigkeit wird durch die Dramaturgie dieser populären Erzählung verlangt. Natürlich ist die Wirklichkeit umfassender.

Viele Duisburger fühlen ihre Stadt nicht angemessen beschrieben. Und wer sich in Duisburg mit den Funktionsweisen von Kommunikation in medialen Zusammenhängen auskennt, will, wie hier beim Hafenmeister, die eigenen professionellen Möglichkeiten nutzen, diesem öffentlichen Bild Duisburgs in den letzten Tagen etwas entgegenzusetzen. Es soll im Netz Raum geschaffen werden, das Geschehen zu verarbeiten. Skeptisch bin ich allerdings bei dem dort erkennbaren, verständlichen Wunsch, gegenüber den düsteren Bildern von Duisburg eine Öffentlichkeit auch für die andere Lebenswirklichkeit der Stadt zu schaffen. Ohne Anschluss an den Ruhrgebietsgedanken halte ich das Anliegen für einen Kampf gegen Windmühlenflügel. Hätte das gesamte Ruhrgebiet hinter der Loveparade gestanden, wäre die Geschichte vom vergeblichen Versuch, die Trostlosigkeit zu überwinden, schon nicht mehr so einfach zu erzählen gewesen. Mich wird das Spannungsverhältnis zwischen Stadtidentität und Ruhrgebiet weiter beschäftigen. An anderer Stelle.

Irgendwann kehren die Gedanken dann wieder in den Alltag zurück. Beim MSV Duisburg etwa sind die Personalplanungen doch noch nicht abgeschlossen. Auf den Mittelfeldspieler warten wir noch. Stefan Maierhofer lässt mich derweil manchmal an hohe und weite Pässe denken, auch wenn ich von Kennern seiner Spielweise zu lesen bekam, dass er eher ein spielerisch gutes Team braucht, um wirkungsvoll zu sein. Damit kann doch nur ein kontrollierter Ballvortrag gemeint sein? Nur noch eine Woche bis zum ersten Pflichtspiel, und in so vielen Vereinen fehlen noch die gewünschten Spieler für die kommende Spielzeit. Früher war das anders. Ich glaube, das habe ich neulich schon mal geschrieben. Auch dazu an anderer Stelle mehr.

Schon mal kurz und schnell: Großartig! Still-Leben Ruhrschnellweg, Erinnerungen an den MSV

Zum gestrigen Tag auf der A 40 beim Kreuz Kaiserberg gehen mir zu viele Gedanken durch den Kopf. All das zu ordnen braucht Zeit, dabei will ich erst einmal sofort und ganz schnell meine Begeisterung teilen und mich einreihen in den Chor der freudigen O-Töne. Noch immer bin ich beschwingt von diesem Tag. Noch immer bin ich froh, Teil dieses Ganzen gewesen zu sein und die leichte Stimmung beim Still-Leben Ruhrschnellweg genossen zu haben. So vieles hat zu dieser Stimmung beigetragen. Später sammel ich vielleicht an anderer Stelle noch einmal meine Gedanken. Vor allem aber geht es mir heute um etwas, was ich im Ruhrgebiet viel seltener erlebe als in Köln. Das ist die Haltung der Menschen so einem Ereignis gegenüber, ihr Wunsch gemeinsam an einem Ort uneingeschränkt Spaß und Freude zu haben.

Man kann an allem immer etwas finden, was einem nicht gefällt. Das muss nicht verschwiegen werden, ich habe aber den Eindruck, im Ruhrgebiet rückt dieses Missfallen häufiger in den Vordergrund als im rheinischen Köln, wo es dann das andere Extrem zu beklagen gibt – die blind machende Selbstverliebtheit. Gestern fühlte sich das Ruhrgebiet verbunden. Das gilt es weiter zu erzählen. Immer und immer wieder. Neue Geschichten brauchen Zeit, bis sie in den Köpfen der Menschen angekommen sind.

Bei dieser frohen Grundstimmung auf der A 40 war es ein Leichtes mit den Menschen ins Gespräch zu kommen und die Idee vom Fan-Gedächtnis zu verbreiten. Was aber sofort deutlich wurde: Die Menschen konnten nur erst einmal nur einen Vorgeschmack auf ihre Erinnerungen geben. Sie zu dokumentieren, dazu blieb weder die Zeit, noch waren die Bedingungen mit all dem fröhlichen Hintergrundrauschen dazu geeignet. Jetzt besitze ich eine lange Liste mit E-Mail-Adressen und Telefonnummer, die es nach und nach abzuarbeiten gilt.

Dann können die Geschichten aus den 50ern von Spielen des Meidericher SV gegen Duisburger SV zu Ende erzählt werden. Dann werde ich erfahren, welche Bewandnis es mit den Steinen des alten Wedau-Stadions gehabt hat, wie „Pille“ Gecks zum Meidericher Spielverein kam, und was in Trier beim Halbfinale des DFB-Pokals 1997/98 während des Elfmeterschießens auf dem Stehplatz passiert ist. Und dann wird auch jene Buchhändlerin eigene Worte für die Geschichte gefunden haben, von der ich heute aber schon in aller Kürze erzählen will.

Während ihrer Lehre um 1980 herum bediente sie in der Meidericher Buchhandlung Filthaut einen ihr unbekannten Kunden. Das Buch, das er kaufen wollte, sollte als Geschenk eingepackt werden. Wie es damals üblich war, gehörte es sich, um das Geschenkpapier auch ein Geschenkband zu wickeln. Das feste Verknoten eines Geschenkband aber ist zu zweit einfacher als alleine. So setzte die angehende Buchhändlerin mit einer Frage an. Ob der Kunde mal eben einen Finger auf den Knoten halten könne.  Die Frage war noch gar nicht ganz ausgesprochen, als ihre  Chefin sie an der Schulter packte und nach hinten zog. Sich entschuldigend übernahm die Chefin den Rest des Einpackens. Bernard Dietz beruhigte die Chefin aber. So eine Frage nehme er doch niemandem übel. Nicht jeder kannte damals Ennatz und wusste, dass er als gelernter  Schmied während seiner Gesellenzeit zwei Finger einer Hand verloren hatte.

Diese kleine Anekdote gefällt mir deshalb so gut, weil in ihr nicht nur bekannte Persönlichkeitszüge von Bernard Dietz erkennbar sind, die den damaligen MSV-Star so beliebt gemacht haben. Außerdem steckt trotz der Kürze der Anekdote viel Alltagsgeschichte in ihr. Es scheint eine Zeit auf, die anders war. Kann man sich vorstellen, dass ein prominenter Spieler des MSV Duisburg heute in die immer noch bestehende Meidericher Buchhandlung geht? Ich kann mir das nur schwer vorstellen. Das Trainingsgelände und die Buchhandlung befinden sich immer noch an denselben Orten, doch das Leben an diesen Orten hat sich sehr voneinander entfernt.

Von einer anderen Entwicklung erzählen die noch Älteren, für die das „M“ im Vereinsnamen noch sehr viel lebendiger ist als das Duisburg. Mehrmals wurde mir gestern gesagt, wenn ich das Fan-Gedächtnis wollte, müsste ich auf meiner kleinen improvisierten Ankündigungstafel aber Meidericher SV schreiben und nicht MSV Duisburg.

Es geht bei den Erinnerungen also immer auch um das Aufzeigen von Entwicklungen. Dazu sind viele Erinnerungen notwendig, und dazu müssen die Menschen machmal auch erst überzeugt werden, dass ihre Erinnerungen wertvoll sind. Manchmal kam ich mir ganz plötzlich wie ein Drücker zum Eintreiben von Spenden oder zum Abschluss von Zeitungsabos vor.  Der Schatz der Erinnerung lag vor mir, aber ich musste reden und reden, um diesen mir so kostbar erscheinenden  Schatz Erinnerung zu retten.  Auch das braucht eben Zeit bis die Idee Fan-Gedächtnis Gestalt in fremden Köpfen erhält. Für mich haben sich meine Ziele bei dem Projekt jedenfalls weiter geschärft. Es wird wahrscheinlich tatsächlich sehr viel einfacher werden, Erinnerungen zu erhalten, die an den Fußball gebunden sind. Für alles weitere, den Alltag drumherum, dafür müssen die Blicke der Menschen auf ihre Erinnerungen noch gelenkt werden.

Foto-Shooting, Arena-Tag und Still-Leben Ruhrschnellweg

Früher gab es Mannschaftsfotos und nur in Ausnahmefällen kam noch jemand später dazu. Kicker-Sonderheft und den Merchandising-Notwendigkeiten sei Dank, wird das Mannschaftsfoto heute weiterhin schon lange vor Saisonbeginn gemacht, doch vollzählig sind die Spielerkader nur noch selten. Gibt es eigentlich schon Fußballvereine, die Platzhalter mit aufs Mannschaftsfoto nehmen und später Photoshop bildbearbeitend in die Pflicht? Für die Spieler des MSV Duisburg geht es ab heute jedenfalls Schlag auf Schlag. Erst das Mannschaftsfoto, dann morgen der Arena-Tag und am Sonntag Still-Leben Ruhrschnellweg auf irgendeiner Bühne am Kreuz Duisburg an den Tischen des Stadtsportbundes am Kreuz Kaiserberg.

Wenn überhaupt, werden die Spieler an Tisch 34, im Block 8,  km 42,2, beim Kreuz Kaiserberg nur zufällig vorbeikommen, und ich werde dann nicht mal jeden erkennen können. Die neuen Gesichter habe ich jedenfalls noch nicht oft genug gesehen. Am Mittwoch hinderten mich auf Straßen herumfliegende Äste und zu viel vom Himmel fallendes Wasser daran, rechtzeitig nach Homberg zum Freundschaftsspiel gegen den SV Mechelen zu kommen. Dort hat der MSV Duisburg es nach dem etwas späterem Anpfiff geschafft, die gute Stimmung aufrecht zu erhalten. Nichts verhindert derzeit fröhliche Gesichter beim heutigen Foto-Shooting. Morgen, beim Arena-Tag werde ich wahrscheinlich nur kurz dabei sein können. Ich brauche noch etwas Vorbereitung für den Sonntag.

Eine Digi-Cam ist schon organisiert. Mikro ist vorhanden. Ich überlege noch, ob ich einen zweiten Laptop mitnehme. Sechs Stunden Akkulaufleistung hat meiner nicht. Vielleicht notiere ich mir aber notfalls irgendwann auch nur noch Namen und Telefonnummern der Besucher, um später in Ruhe an einem anderen Ort jenen MSV-Moment im jeweiligen Leben festzuhalten, den die Besucher für unbedingt erinnerungswürdig halten. Das Fan-Gedächtnis wird wachsen. Da bin ich sicher. Block 8. Tisch 34. Km 42,2. Kreuz Kaiserberg. Wir sehen uns am Sonntag.

Ruhr-Lit-Cup 2010 – Autorennationalmannschaft tritt an

Lesungen in Schulen am Morgen und eine Gala am Abend bilden in Unna den Auftakt zum Ruhr-Lit-Cup 2010, der Fußball-Europameisterschaft der Autoren. Der Sport wird dann das erste Mal in Vorrundenspielen am Freitag betrieben. Samstag finden ab 10 Uhr das Halbfinale und die Platzierungsspiele statt. Am Abend widmen sich einige der Autoren ihrer erweiterten Kernkompetenz und geben literarische Liebeserklärungen per Lesung zum besten. Virginia Jetzt spielen dazu auf, und die Queen of Poppolitics Claudia Roth probiert aus, ob Kulturhauptstadtstalkrundenleiterinnensessel ebenso bequem sind wie RTL-Showgästesofas und Plenarsaalstühle. Das Finale und Spiel um Platz 3 finden am Sonntag ab 10 Uhr statt. Wer also am vorletzten Liga-Wochenende sich im Ruhrgebiet schon von seinem Verein enttäuscht abgewendet hat, erhält Gelegenheit sich an der von Jörg Berger gecoachten deutschen Autorennationalmannschaft zu begeistern.  Wenn ich das nun überblicke, gibt es noch nicht viele Fußballanhänger im Ruhrgebiet, für die der Ruhr-Lit-Cup eine Fußball-Alternative wäre. Und der Weg von Duisburg nach Unna ist einer der längsten, den die Metropole Ruhr zu bieten hat. Da müsste man schon ein sehr großer Crossover-Fan der Popkultur sein, um angesichts der eigenen  Enttäuschung tief im Osten Trost zu finden.

Grafiktalente an die Arbeit – Ein neues Logo für zwanzig10.de

Wer sich einen schnellen Überblick verschaffen will, was der dem Ruhrgebiet zugewandte Teil der Blogwelt rund um die Aktivitäten zur Kulturhauptstadt Ruhr.2010 schreibt, ist gut beraten bei zwanzig10.de reinzuschauen. Die Initiatoren des Projekts möchten der Seite nun ein neues Logo geben und rufen zu einem Logowettbewerb auf. Als Preis ist die Videokamera „Flip MinoHD“ vorgesehen. Bis zum 1. Mai können die Vorschläge eingereicht werden. Die genauen Angaben zu dem Wettbewerb gibt es hier beim Pottblog.

Was haben Straßenfußball, Ausdrucksfähigkeit und Sparen der Kommunen miteinander zu tun?

Straßenfußballer gibt es keine mehr in Deutschland, hieß es vor einigen Jahren. Schon damals war das Unsinn. Die Straße voller Autos statt Fußball spielender Kinder war nur ein medienwirksames Bild für die unzureichenden spielerischen Fähigkeiten deutscher Fußballer bei Länderspielen; ein Bild, das auch deshalb gerne verwendet wurde, weil es beim DFB und den Fußballvereinen des Profibetriebs das sichere Wissen erträglich machte, während der Ausbildung von Nachwuchsfußballern Fehler begangen zu haben.

Straßenfußballer gab es damals, und sie gibt es immer noch. Im Duisburger Norden habe ich im letzten Jahr eine Straßenmannschaft kennengelernt. Das waren fünf Jungen zwischen zwölf und fünfzehn Jahren, die sich im Jugendzentrum „Zitrone“ regelmäßig trafen, sich als Mannschaft verstanden und ihr Fußballspiel untereinander an manchen Tagen Training nannten. Diese Jungen spielten nur nicht auf der Straße sondern im Hof dieses Jugendzentrums. Am Bild vom verschwundenen Straßenfußballer war nämlich eines richtig. Die Straße ist heute nur noch selten organisatorischer Kern eines anarchischeren, vereinsunabhängigen Fußballspiels. In den Städten sind oft die Jugendzentren an die Stelle der Straße gerückt. Denn eines ist für ein Fußballspiel unabdingbar, irgendwo müssen sich Jugendliche zunächst einmal treffen, wenn sie Fußball spielen wollen.

Die Mitarbeiter dieses Jugendzentrums sorgen also für die Möglichkeit zum Fußballspiel von Jugendlichen, für die die Mitgliedschaft in einem Verein fern liegt. Irgendjemand muss sich nämlich um den Eintritt in so einen Sportverein kümmern. Das sollte eigentlich die Aufgabe von Eltern sein, doch es gibt in den Großstädten dieses Landes inzwischen Stadtteile, in denen Kinder schon sehr früh in ihrem Leben sich selbst überlassen werden. Eine größere Öffentlichkeit bemerkt das meist nur dann, wenn Katastrophen wie der Tod eines Kindes geschehen.

Wer sich im Ruhrgebiet auskennt weiß, besonders in den nördlichen Stadtteilen der Region wachsen Kinder unter schwierigen sozialen und ökonomischen Bedingungen auf. In diesen Stadtteilen werden Jugendhilfe-Einrichtungen wie das Jugendzentrum „Zitrone“ schnell zu Familienersatz, Kinderrestaurant, Sportmöglichkeit, Berufsberatung und Nachhilfeinstitut in einem. Ich habe die „Zitrone“ vor fast vier Jahren kennen gelernt, als ich einen vom Jugendzentrum verantworteten Theaterworkshop für ein Buchprojekt beobachtend begleitet habe. So gebe ich gerne zu, wenn ich über dieses Jugendzentrum schreibe und es als Beispiel für die Arbeit von Jugendzentren überhaupt nutze, bin ich Partei. Mit der „Zitrone“ hat sich für mich ein regelmäßiger Kontakt ergeben, und zurzeit führe ich dort eine Schreibwerkstatt durch, in der jener von mir zu Heiligabend veröfffentlichte Liebesbrief an den Fußball entstanden ist. Ohne die Initiative des Jugendzentrums hätte es die Kooperation mit den Schulen nicht gegeben und die Schreibwerkstatt als zensurfreier Raum wäre nicht entstanden. Dort erleben Schüler ihre Sprache nicht mehr als für eine gute Zensur nicht ausreichendes Mittel, sondern als Möglichkeit sich selbst und die eigenen Ideen verständlich zu machen. Wer das möchte, verbessert seine Ausdrucksfähigkeit automatisch.

Die Arbeit dieses Jugendzentrums ist nun bedroht durch die finanzielle Situation der Stadt Duisburg. Vor Ort weiß es wahrscheinlich jeder, umfassende Sparmaßnahmen sind notwendig. Zurzeit liegt dem Rat der Stadt Duisburg eine Vorschlagsliste zu diesen Sparmaßnahmen vor. Werden diese Sparpläne in Bezug auf die Jugendhilfe Wirklichkeit, wird die soziale Arbeit mit Jugendlichen dort unmöglich, wo sie am nötigsten ist. Geld das an dieser Stelle gespart wird, kostet die Bürger wenige Jahre später das Doppelte und Dreifache, wenn Jugendliche ihre Zeit ohne Orientierung durch Erwachsene verbringen müssen.

Nun frage ich mich, ob die öffentliche Diskussion in der Stadt über die notwendigen Sparmaßnahmen in Duisburg überhaupt stattfindet. Ich schreibe das allerdings mit Vorbehalt, weil ich mich meist maximal zwei Tage in der Woche in Duisburg aufhalte. Sollte ich also etwas übersehen haben, lasse ich mich nur allzu gerne korrigieren.

Es war im Dezember, als zum ersten Mal eine Zeitungsmeldung zu diesen Sparmaßnahmen veröffentlicht wurde. Damals hatte es eine von der politischen Führung der Stadt einberufene Beratungsrunde gegeben, aus der erste Überlegungen zu den Sparplänen bekannt wurden. Mir fiel damals sofort auf, dass an oberster Stelle der möglichen Sparmaßnahmen die Jugendhilfe und die Kultur standen. Alleine der ehemalige Oberbürgermeister Josef Krings reagierte sofort auf die Bekanntgabe der Sparpläne und blieb aus Protest der VHS-Jubiläumsfeier fern. Andere Reaktionen darauf blieben lange Zeit so gut wie aus. Nun gibt es aktuell ein paar einzelne Stimmen, die sich für einzelne Projekte stark machen, aber ich erlebe das nicht als öffentliche Diskussion um die Bedeutung der Kultur etwa für die Stadt Duisburg.

In Köln hatte ich kurz zuvor etwas anderes erlebt. Dort machte der Stadtkämmerer seine Überlegungen zur Kürzungen des Kulturhaushaltes öffentlich. Sofort ergab sich eine Diskussion im Kölner Stadt-Anzeiger, verschiedene Personen des Kölner Kulturlebens nahmen Stellung, einzelne Bürger schrieben Leserbriefe und schließlich betonte sogar Oberbürgermeister Jürgen Roters die besondere Bedeutung der Kultur für Köln und dass dies bei allen notwendigen Sparmaßnahmen zu berücksichtigen sei.

Gibt es diese besondere Bedeutung der Kultur trotz aller Lippenbekenntnisse der Politiker vor und im Kulturhauptstadtjahr 2010 in Duisburg nicht? Natürlich geht es letztlich um Geld für das einzelne Projekt. Aber vorher geht es darum in der Öffentlichkeit ein Bewusstsein dafür zu wecken, was diese einzelnen Projekte als Teil von Kultur für das Leben in Duisburg bedeuten. Für dieses Leben in Duisburg haben Kultur und Jugendhilfe dabei eine ähnliche Bedeutung. Nicht umsonst wurden beide Bereiche nach jenem ersten Politikergespräch im Dezember in einem Atemzug genannt.

Weiß Duisburg etwa um die Bedeutung jenes Kulturangebots rund um den Dellplatz? Weiß Duisburg als Stadtteil der Kulturhauptstadt RUHR.2010 darum, dass in Jugendzentren Kinder mit grundlegenden Kulturtechniken vertraut gemacht werden? Wenn ich die Reaktion auf diese ersten Gedanken zu den Sparmaßnahmen betrachte, habe ich das Gefühl, selbst die politisch Verantwortlichen der Stadt wissen das nicht.

Was die Sparmaßnahmen in der Jugendhilfe angeht, so haben verschiedene Verbände der Jugendhilfe zu einer Protestkundgebung am morgigen Freitag um 16.30 Uhr vor dem Duisburger Rathaus aufgerufen. Mir ist klar, dass die anvisierte Summe Geld tatsächlich eingespart werden muss. Ich hoffe für Duisburg sehr, dass Kultur und Jugendhilfe so wenig wie möglich zu dieser Summe beitragen werden.


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