Posts Tagged 'Ruhrgebiet'

Heimatlied – Sektion Duisburg – Folge 39: Pilz Herb – Heimspiel MSV Edition

Noch nicht lange her ist meine Frage, ob der Song „Ruhrpott“ von Pilz Herb immer noch einfach „Rock“ heißt. Aufgenommen habe ich den Song in die Heimatliedsammlung auch ohne eindeutige Antwort.

Pilz Herb findet man bei Facebook, wo die Seite aktueller wirkt als deren Webseite.

Dass ich nun so schnell einen zweiten Song von Pilz Herb in die Sammlung aufnehme, versteht sich angesichts des Songinhalts im Zebrastreifenblog von selbst. „Heimspiel“ gehört definitiv zum Rock, auch ohne nähere Spezifierung. Der Song ist neu gestaltet, und Pilz Herb widmen ihn dem MSV Duisburg.

Die Botschaft des Songs stimmt perspektivisch hoffentlich nach dem Auswärtssieg gegen den 1. FC Köln sowohl für uns Anhänger als auch für die Mannschaft. „Wir sind wieder da“. „Mit neuer Energie“. „Gemeinsam durch die Hölle“, dann ist man siegreich. Schließlich jener Vers, der auf den Zwangsabstieg gemünzt scheint, und doch zugleich auch für die Gegenwart gilt: „Wir waren schon am Abgrund, aber jetzt geht’s nur bergauf“. Und, ja, man kann in einem dem MSV gewidmeten Song eine Strophe nur mit der Aufzählung von Namen bestreiten.

Hinweise auf weitere online zu findende Duisburg-Lieder nehme ich gern entgegen. Helft mit die Sammlung wachsen zu lassen.

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Heimatlied – Sektion Duisburg – Folge 38: Max und Florian – Exemplarischer Lebenszyklus eines Duisburgers

Es gibt einen Versuch in Duisburg, meine Sammlung Heimatlied – Sektion Duisburg  institutionell zu unterstützen. Oder sagen wir, ich nehme diesen Musikwettbewerb mal als institutionelle Unterstützung. Ob er nun „Ich bin DU!“  oder „Ich und meine Stadt Duisburg“ heißt, ist auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Die Musik- und Kunstschule der Stadt Duisburg kooperiert jedenfalls mit der Gitarrenschule Peter Bursch, und Lieder über Duisburg sollten eingereicht werden.

Die Zielgruppe des Wettbewerbs hatte sich in diesem Jahr erweitert. Ich meine, es waren zunächst vornehmlich Kinder und Jugendliche angesprochen. Die Teilnehmerliste dieses Jahres aber zeigt, gestandene Musiker der Duisburger Szene haben sich ums Heimatlied – Sektion Duisburg gekümmert. Philipp Eisenblätter war mit seinem auch in meiner Sammlung schon aufgenommen Duisburg-Lied dabei und hat gewonnen. Anna Maria Schroeter hat nach ihrer Duisburg-Hymne eine Ballade zur Stadt aufgenommen und wurde zweite. Das Lied finde ich leider nicht in einer Version im Netz, die ich hier einbinden kann; auf der oben verlinkten Seite ist es zu hören. Die drittplatzierten Die Krauses habe ich bereits vorgestellt.

Auf den vierten Platz wurde Exemplarischer Lebenszyklus eines Duisburgers von Max und Florian gewählt. Zu hören ist ein ungewöhnliches Stück, abseits eines üblichen Besingens der Stadt. Zu elektronischer, langsamer Musik wird der Text gesprochen, zum Ende mündet er in ein Sprechgesang-Finale. Mit dem Text wird eine persönliche, literarisierte Geschichte erzählt, für die Duisburg der Handlungsort ist. Man lernt Duisburg in Ausschnitten kennen, ohne die wertenden Sätze der üblichen Heimatlieder. Der Bezug zu Duisburg ergibt sich aus den besonderen Erfahrungen, die in dieser Stadt gemacht werden. So ein Lied fällt auf. Es ist eigenständig, und Duisburg braucht mehr solcher Blicke. Der Duisburger Lyriker Werner Muth fällt mir dabei ein, von dem es solche Texte über Duisburg von Musik begleitet schon länger gibt. Arbeitsnotiz gemacht. Muss demnächst auch mal drüber geschrieben werden.

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Original und Kopie

Montagabend habe ich in der VHS einen Vortrag über die Identität des Ruhrgebiets gehalten. Ein interessanter Vortrag übrigens, wenn ich das mal so unbescheiden sagen darf. Führte er doch zu einer grundsätzlichen Diskussion über Selbstbewusstsein, Stärken und Schwächen des Ruhrgebiets, wie sie eigentlich in einem ruhrgebietsweiten Debattenforum immerzu geschehen müsste. Dieses Forum gibt es nicht. So ein fortwährendes öffentliches Reden wäre nötig, denn natürlich interessiert die Identität des Ruhrgebiets vor allem deshalb, weil mit ihr ein Image verbunden wird und dieses Image leider immer wieder nicht so ist, wie die Wirtschaftsförderer dieser Region es gerne möchten.

Während der Vorbereitung dieses Vortrags war ich vom täglichen Geschehen etwas abgelenkt. Gestern, sehr spät abends habe ich mir deshalb einen Stapel Zeitungen vorgenommen. Zu meiner großen Überraschung las ich dann in der Süddeutschen Zeitung dieses gestrigen Dienstags einen großen Artikel über das Spiel vom MSV gegen Fürth. Ich konnte das erst nicht glauben. So lange nach dem Spieltag? Aber ich las „Der Mangel an Treffsicherheit ist zur unangenehmen Gewohnheit geworden.“ Ich las vom „Gegentor“, bei dem ein Schulz, den Ball hätte wegschlagen müssen.  Aber das war doch Nauber, dachte ich noch und schimpfte auf die Journalisten, die sich mal wieder überhaupt nicht auskennen. Erst als ich vom „Zufallstor“ las, habe ich noch einmal von vorne angefangen zu lesen. Dieses Zufallstor war ja gegen Fürth eben nicht gefallen. Darauf hatten wir doch nur gehofft.

Natürlich wisst ihr das schon längst, die SZ hatte über das Länderspiel Deutschland gegen Peru berichtet. Sowohl dieses Spiel als auch das gegen Frankreich habe ich nicht gesehen. Das war wohl eine gute Entscheidung. Ich schau mir doch nicht die Kopie an, wenn ich fast jede Woche das Original haben kann. Bleibt die Frage was uns die Erkenntnis verrät, dass Ilia Gruev vor denselben Schwierigkeiten steht wie Joachim Löw.

Heimatlied – Sektion Ruhrstadt – Folge 40: Jo Marie mit Ruhrpott Romantik

Gestern habe ich einen Vortrag zur Identität des Ruhrgebiets gehalten. In der Diskussion nach dem Vortrag wurde deutlich, wie unterschiedlich Kohle und Stahl als Klammer für eine Ruhrgebietsidentität bewertet werden. Für einige war der Bezug auf Kohle und Stahl gleichbedeutend mit Stagnation und einem Denken, das den Verlust beklagt, ohne das Neue anzupacken.

Es mag Menschen im Ruhrgebiet geben, für die diese Bewertung gilt, wenn sie auf die Montanindustrie schauen. Ich selbst glaube dennoch, das Ruhrgebiet kommt an Kohle und Stahl als einigender Klammer nicht vorbei. Denn Kohle und Stahl sind nun einmal der Grund, warum es das Ruhrgebiet überhaupt gibt. Wenn wir nichts mehr von Kohle und Stahl hören wollen, werden wir geschichtslos im Ruhrgebiet.

Gerade die jungen Bewohner des Ruhrgebiets haben ein unbelastetes Verhältnis zu Kohle und Stahl. Junge Menschen kennen die Arbeitswirklichkeit von Kohle und Stahl nicht mehr. Sie nehmen Kohle und Stahl symbolhaft. Sie gehen ironisch damit um. Sie können Kohle und Stahl benutzen, um sich in ihrer Lebenswelt zu positionieren. Damit verlieren sie den Blick für die Zukunft nicht. Sie trauern der Montanindustrie nicht hinterher. Sie schauen nach vorn. Wer im Ruhrgebiet bleibt, will etwas im Ruhrgebiet bewegen, und zwar in Berufen, die zukunftsträchtig sind.

Dennoch kann ich die Sorgen vor einem lähmenden Historienbezug auf Kohle und Stahl verstehen. Ruhrpott Romantik etwa von Jo Marie wirkt mit seiner Popmelodie so, als ob die junge Sängerin aus Lünen den Anschluss an den gegenwärtigen Popmusikbetrieb findet. Im Text aber schleicht sich rückwärtsgewandtes Denken ein, wenn es heißt, „zu verstehen, wie es hier wirklich ist, ist fast unmöglich, wenn du von woanders bist.“ Damit offenbart sich die Kehrseite eines Bezugs auf regionale Identität, die inhaltlich mit Kohle, Fußball und malochen gefüllt wird. Ausschluss liegt jederzeit nahe. Daran denkt Jo Marie wahrscheinlich nicht. Sie will nur die Besonderheit der Ruhrgebietswirklichkeit zum Ausdruck bringen.

Bei dem Lied mit dem zum Teil sinnfreien Text geht es ja ohnehin vor allem um Refrain und Melodie. Deshalb will ich ihre Worte nicht auf die Goldwaage legen. Im alltäglichen Leben mischen sich eben manchmal die Wirkungen beim Bezug auf die Historie des Potts. Mit diesem Bezug auf Kohle und Stahl bei der regionalen Identität ist es wie mit allem im Leben. Es kommt immer auf das Wie an.

 

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Heimatlied – Sektion Ruhrstadt – Folge 39: Horst Rathmann/Norbert van Tiggelen mit Tief im Westen

Der Deutschrock der 1980er, namentlich Klaus Lage, lebt im Heimatlied – Sektion Ruhrstadt weiter. Wenn ich „Tief im Westen“ von Horst Rathmann, Musik, und Norbert van Tiggelen, Text, höre, befinde ich mich jedenfalls zugleich auch im Jahr 1985. „Zahn um Zahn“ , ein Schimanski, läuft im Kino. Klaus Lage röhrt „Faust auf Faust“ als Titellied, und Götz George trifft auf Renan Demirkan.  Der suspendierte Schimanski und die investigative Journalistin Ulli verfolgen denselben Fall. Ich weiß heute noch genau, warum sich Schimanski in jene Journalistin hat verlieben können.

Im Text werden identitätstiftende Schlagwörter zur Ruhrstadt abgearbeitet. Das „Bei uns“ ist besagtes „Tief im Westen“, wo man „dat und wat“ sagt, „gerade heraus“ ist und Pommes rot-weiß ißt. Der Fußball rollt durchs Revier und ist Elixier, allerdings stehen nur drei nicht weiter erwähnenswerte Vereine für alle, was den Song in Duisburg sofort disqualifiert. Ihr könnte euch denken, warum. Das hätte leicht geändert werden können, da dieser Strophenteil sich wiederholt und die drei genannten Vereine durch andere hätten ersetzt werden können. Ihr seht, trotz meiner eigentlich wertungsfrei gedachten Sammlung verweise ich bei entscheidenden Qualitätskriterien auf weniger gelungene Arbeit.

 

Die angestoßene Erinnerung an den Kino-Schimanski hat mich bei Youtube nochmals nachschlagen lassen. Ich hätte gerne eine Szene aus dem Film mit Götz George und Renan Demirkan online gestellt. Die habe ich nicht gefunden. Bleibt „Faust auf Faust“ als Begleitmusik von Standfotos aus sämtlichen Schimanski-Jahrgängen, ohne eins mit Renan Demirkan, zu deren Seite ihr mit dem Link oben kommt.

 

 

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Heimatlied – Sektion Duisburg – Folge 37: Pilz Herb – Ruhrpott

Heißt diese Musik von Pilz Herb immer noch einfach „Rock“? Oder muss für deren Song „Ruhrpott“ heute ein „Melody“ davor? Wenn ich mir solche Fragen stelle, merke ich zum einen, wie fein segmentiert das Unterhaltungsangebot der Musikindustrie ist, zum anderen stelle ich meine Unkenntnis fest, was nichts anderes heißt als ganz schön alt geworden.

Pilz Herb findet man bei Facebook, wo die Seite aktueller wirkt als deren Webseite.

Wenn „Ruhrpott“ beginnt begegnet man in der ersten Strophe zunächst den gängigen Klischees des Heimatliedes, Sektion Ruhrstadt: Zwischen Kohle und Stahl ist jemand geboren, nirgendwo anders will er wohnen, er mag die Menschen im Pott und will das Leben feiern. Doch in der zweiten Strophe geht es ganz konkret um Duisburg, die Heimatstadt von Pilz Herb, und in dieser Strophe erhält der Song einen ironischen Beistrich, weil für den Wandel des Ruhrgebiets als Bild der Abbruch des Mr.-Softy-Gebäudes am Innenhafen gefunden wurde. Das Wahrzeichen wurde genommen und keine neue Milchtüte bestellt. Das Bild gefällt mir.

 

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In eigener Sache: Schmuddelkind Pott – Der Himmel über der Ruhr ist blau

Am Freitag, den 8. Juni, bin ich ab 19.30 Uhr in der Neudorfer Buchhandlung Tausendundein Buch zu Gast. Weil an dem Abend vor allem der Kollege Koss in mir spricht, wird es zwar auch um Fußball gehen, allerdings nur als ein Kapitel der Ruhrgebietsgeschichte. Nach meiner Arbeit an 111 Orte im Ruhrgebiet, die uns Geschichte erzählen gab es noch viel zu erzählen, was im Buch nicht hatte aufgenommen werden können. „Der Himmel über der Ruhr ist  blau“ heißt  das Programm zum Buch. Eintritt 5 Euro, Knabbereien und Getränke inklusive. Wir sehen uns, bei Tausendundein Buch, Oststraße 125, Duisburg.

 

Der Himmel über der Ruhr ist blau

Nein, das Ullige bekommt keinen Namen. Wo kommen wir denn dahin? Nachher stellt es noch Ansprüche. Lange Zeit wusste niemand, wie er das Schmuddelkind von Rheinland und Westfalen nennen sollte. Es war eine stürmische Zeit. Erst die ungeplante Schwangerschaft und dann das wilde Aufwachsen. Doch schließlich ließ sich das Schmuddelkind einfach nicht mehr übersehen. Ruhrgebiet wurde es irgendwann genannt. Zu bedeutend waren Zechen und Stahlwerke geworden. Seinen Ruf hat diese Bedeutung aber nur in einer Hinsicht aufpoliert. Trotz aller Erfolge haben es Schmuddelkinder schwer, wenn bei ihnen vieles nicht so ist, wie es die Menschen gewöhnt sind. Zudem dieser ungeheure Schmutz in der Luft!

Noch in den 1960er Jahren hieß es: Wasch dir bloß auch den Hals! Ohne diese Mahnung wuchs im Ruhrgebiet niemand auf. Heute ist der Dreck auf den Straßen verschwunden, aber auch ein Großteil der Industrie. Der Himmel über der Ruhr ist wieder blau, und die Nachkommen des Schmuddelkinds fragen sich immer wieder, wer sie eigentlich sind.

Ralf Koss lädt ein, sich die Biografie des Schmuddelkindes Ruhrgebiet näher anzusehen. Kleinstädte, Dörfer und Hansestädte wuchsen zusammen, doch der Blick auf die Industrie lässt oft Teile des Lebenslaufs außer Acht, die überraschen. Stadtluft machte in Dortmund, Essen und Duisburg frei. Der Ruhrgebiets-Fußball stellte früh den DFB-Präsidenten. Sinfonien wurden uraufgeführt und Orchestermusikern Zuflucht gewährt.  Ralf Koss geht auf eine Zeitreise durch die Ruhrgebietsgeschichte, die er im Alltag der Ruhrstädter auf berührende und manchmal komische Weise immer auch wiederfindet.


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