Posts Tagged 'Ruhrort'

Heimatlied – Sektion Duisburg – Folge 36: Die Krauses – 2 und 32

Meine Sammlung Heimatlied – Sektion Duisburg wird nun im zweiten Jahr institutionell unterstützt, oder sagen wir, ich nehme diesen Musikwettbewerb mal als institutionelle Unterstützung. Ob er nun „Ich bin DU!“  oder „Ich und meine Stadt Duisburg“ heißt, ist auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Die Musik- und Kunstschule der Stadt Duisburg kooperiert jedenfalls mit der Gitarrenschule Peter Bursch, und Lieder über Duisburg sollten eingereicht werden.

Die Zielgruppe des Wettbewerbs hat sich nach meinem Eindruck erweitert. Ich meine, es waren zunächst vornehmlich Kinder und Jugendliche angesprochen. Die Teilnehmerliste dieses Jahres aber zeigt, gestandene Musiker der Duisburger Szene haben sich ums Heimatlied – Sektion Duisburg gekümmert. Philipp Eisenblätter war mit seinem auch in meiner Sammlung schon aufgenommen Duisburg-Lied dabei und hat gewonnen. Nach und nach werde ich andere Teilnehmer hier vorstellen, so sie online präsent sind.

Beginnen will ich mit der Punkband Die Krauses, die in 2 und 32 die abends halbstündig kommende Straßenbahnlinie 901 besingen. Wie so oft darf solch ein Punktext nicht ganz ernst genommen werden. Party in der Bahn, das scheint mir nicht üblich in Duisburg zu sein. Allerdings hätte die DVG mit dem Song einen alternativen Aufruf zur Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs, auch wenn die Ruhrorter wahrscheinlich etwas verschnupft wären, weil vor dem Ausstieg in Ruhrort gewarnt wird.

 

 

Hinweise auf weitere online zu findende Duisburg-Lieder nehme ich gern entgegen. Helft mit die Sammlung wachsen zu lassen.

Mit einem Klick weiter findet ihr Heimatlied – Sektion Duisburg – Alle Folgen

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Halbzeitpausengespräch: Spelunkenspektakel-Energie im Lokal Harmonie

Welch Geschenk für die Stadt, für das westliche Ruhrgebiet, dass es das Spelunken-Spektakel gibt. Eine Konzert-Reihe geht in ihr zweites Jahr, mit der Folk- und Weltmusik nach Ruhrort gebracht wird. Folk- und Weltmusik, wie farblos klingen diese Wörter nach dem Samstagabend im Ruhrorter Lokal Harmonie mit dem Doppelkonzert vom Horst Hansen Trio und dem Pulsar Trio. 

Wie soll ich über eine Veranstaltung schreiben, die schon jetzt so gut besucht wird, dass die Räume zu eng werden? Könnten die Initiatoren der Reihe, Jons Heiner und Folkert Küpers, zu viel Erfolg mit ihrer Konzertreihe haben? Jons Heiner hat die zwei Bands für diesen Samstag eingeladen zu spielen und es waren großartige, kraftvolle, energiegeladene Konzerte.

Den Abend eröffnete das Horst Hansen Trio, das wie immer sich als Quintett entpuppte und bei dem Horst Hansen wie immer was anderes zu tun hatte. Jazz beginnt hier mit ironischem Spiel, und so kommt es zum Crossover mit Klezmer-Klängen durch das Saxofon. So kommt es zum treibenden Rhythmus, der gemeinhin als Weltmusik wahrgenommen wird, dem aber für den Anspruch Welt die Disharmonien des Jazz fehlen. Das Horst Hansen Trio fügt sie kurz hinzu und weiter geht es mit dem treibenden Klang.

Diese energiegeladene Atmosphäre wurde ohne Bruch vom Pulsar Trio gehalten. Was für eine Spielfreude sprühte von der Bühne. Die spannungsgeladene Bewegung zwischen Klavier und Schlagzeug, das gegenseitige Lauern von Beate Wein und Aaron Christ auf das Zusammenfinden, um dem etwas fremderen Klang des Sitarspiels von Matyas Wolter den rhythmischen Rückhalt zu geben. Der Raum füllte sich mit der Energie des Spiels, mit der Freude und dem Spaß am Auftritt, mit der Erfahrung von etwas Neuem, Unbekannten, was sich als bereichernd erwies.

Wären die Räume der jeweiligen Konzerte nicht schon jetzt fast zu klein, würde ich schreiben, geht hin, seht euch das an, was das Spelunken-Spektakel zu bieten hat. Muss ich dann immer früher kommen, um noch einen Platz zu finden. Was für Fragen, aber was großartig ist, muss großartig genannt werden. Wie hieß die Reihe nochmal?  Spelunken-Spektakel! (Der Link führt zwar zur Domain der Reihe, momentan wird sie aber auf die Facebook-Seite umgeleitet.)

Und noch etwas: Die Initiatoren der Reihe Jons Heiner und Folkert Küpers verbinden mit den Konzerten kulturelles und soziales Engagement. In einer Stadt mit einer Sozialstruktur wie Duisburg soll freier Eintritt jedem den Konzertbesuch ermöglichen. Der Hut geht an den Abenden herum, so dass die Gäste so viel Eintritt bezahlen, wie sie entbehren können. Das Spelunken-Spektakel kann eigentlich nicht laut genug gelobt und gefeiert werden. Auch auf die Gefahr hin, dass ich demnächst zwei Stunden vor Konzertbeginn in einer Schlange auf den Eintritt warte.

Wer Kostproben der Künstler hören möchte, bitte schön. Das Horst Hansen Trio:

Und das Pulsar Trio live fürs Netzmedium:

In eigener Sache: Akzente 2018 – Unsere geprägten Leben im Ruhrorter Lokal Harmonie

Statt eines weiteren Beitrags im inoffiziellen Akzente-Programm des Zebrastreifenblogs gibt es heute  einen Hinweis in eigener Sache auf das offizielle Programm der Akzente morgen Abend.

In Duisburg leben Menschen unterschiedlicher Generationen und Herkünfte, die den Krieg aus eigener Erfahrung kennen. Die älteren Duisburger haben als Kinder den Zweiten Weltkrieg erlebt. Duisburger im mittleren Alter wissen vom Jugoslawienkrieg der 1990er Jahre zu berichten. Noch jünger sind oft jene Menschen, die vor dem gegenwärtigen Syrienkrieg flohen. Im Ruhrorter „Lokal Harmonie“, Hamorniestraße 41, bringe ich morgen, am Freitag, den 16. März, um 19 Uhr im Rahmen der Duisburger Akzente fünf Duisburger bei einer Lesung aus persönlichen Erinnerungen an den Krieg in einen Dialog.

Eigentlich hatte ich vor, diesen Dialog als von mir geschriebenen Text mit einer szenischen Lesung auf die Bühne zu bringen. Doch während der Gespräche mit den Zeitzeugen veränderte sich das Konzept für den Abend. Denn diese Zeitzeugen haben das Bedürfnis ihre berührenden Erfahrungen im Krieg als eigene geschlossene Geschichte zu erzählen. So wird der Dialog über Haltungen zum und dem Erleben im Krieg live auf der Bühne entstehen – unter uns Auftretenden und mit dem Publikum.

In eigener Sache: Erzählcafé als Erinnerungswerkstatt in Ruhrort – 20. Januar, 15 Uhr

Unsere geprägten Leben

Bei den 39. Duisburger Akzenten möchte ich Kriegserfahrungen von Duisburgern bei einer szenischen Lesung zu einer Art Gespräch werden lassen. Das Ganze findet im Ruhrorter Lokal Harmonie statt. Gespräch nenne ich diese Lesung deshalb, weil Duisburger sehr unterschiedliche Kriege erlebt haben. Die älteren Duisburger kennen den Zweiten Weltkrieg als Kinder und Jugendliche. Duisburger flüchteten aber auch vor den Jugoslawienkriegen der 1990er, vor den Bürgerkriegen Afrikas oder in der Gegenwart vor dem Syrienkrieg. Über die eigenen zum Teil traumatischen Erfahrungen zu sprechen ist nicht leicht. Deshalb möchte ich zur Vorbereitung der Lesung im März am 20. Januar von 15 bis 18 Uhr zu einem Erzählcafé als Erinnerungswerkstatt in das Gemeindehaus Ruhrort, Dr.-Hammacher-Str. 6, einladen. Aufgerufen sind Duisburger aller Generationen und Herkünfte. In dieser Erinnerungswerkstatt wird das persönliche Erleben durch Aufzeichnung zur bleibenden Zeitzeugenschaft.

Wenn an diesem Termin jemand keine Zeit hat oder wenn jemand nur im persönlichen Gespräch von seinen Erfahrungen erzählen will, kann er mich gerne über das Kontaktformular anschreiben, um einen Termin für ein Treffen zu vereinbaren.

Halbzeitpausengespräch: Das war Butterwegge und Band in Ruhrort

So ein Musiker beim gemeinsamen Auftritt mit Butterwegge muss warten können. Denn Butterwegge kommt gerne ins Erzählen zwischen den Songs. Das Publikum stört es offensichtlich nicht. Denn es lacht. Dann ruft er sich zur Ordnung. Man sei ja schließlich wegen eines Konzerts beim Hübi in Ruhrort. Und weiter geht es mit einem der Songs, in denen Butterwegge von seinem Leben singt. Er singt vom Lieblingsort Kneipe, vom Lieblingsgetränk Whisky, natürlich von Frauen und der Liebe, und er singt von Duisburg. Mit Deine Wellen hatte ich Butterwegge vor zwei Jahren kennengelernt. Da spielte er solo, und dieser Song gehörte sofort in die Sammlung Heimatlied – Sektion Duisburg.

Solo habe ich ihn danach noch nicht live gehört. Zusammen mit der Band gab er gestern ein beeindruckendes Konzert. Die Songs im Bandarrangement nehmen mit, ohne zu gefällig zu wirken. Nach der Zugabe wusste ich nicht, ob ich Butterwegge lieber noch mehr erzählend oder noch mehr singend gehört hätte. Mir fehlt es schwer, das passende Wort für sein Erzählen voller Komik und Witz zu finden. Stand-up-comedy trifft es nicht, weil die zu sehr auf die Pointe abzielt, Conference ist es auch nicht, weil das nach verbindender Plauderei klingt. Butterwegge macht auf der Bühne etwas sehr eigenes, das am 9. 12. im Meidericher Parkhaus noch ein letztes Mal in diesem Jahr mit Band zu sehen ist. Weitere Konzertermine, solo und mit Band, finden sich auf der Seite von Butterwegge. Ich hatte eigentlich nicht vor, etwas über den Abend zu schreiben. Aber wenn ein Konzert derart unterhaltsam Musik und eine besondere Form der Bühnenkomik zusammenbringt, soll das der Welt erzählt werden.

Der Auftritt von Butterwegge & Band war in diesem Jahr das letzte Konzert der Reihe Spelunken Spektakel. Die Initiatoren der Reihe Jons Heiner und Folkert Küppers hatten viermal Singersongwriting und Weltmusik nach Ruhrort gebracht. Kulturelles und soziales Engagement verbinden sich bei dieser Konzertreihe. Denn der freie Eintritt sollte jedem den Konzertbesuch  ermöglichen. So ging der Hut an den Abenden herum, und jeder konnte so viel Eintritt bezahlen, wie er entbehren konnte. Die Reihe werde im nächsten Jahr fortgesetzt, kündigte Folkert Küppers an.

Und nun noch das Stück der Zugabe, das als einziges derart vom Reggae inspiriert war, in der Clip-Fassung als weitere Kostprobe:

In eigener Sache: Lesung am 18.3. um 20 Uhr in Ruhrorter Galerie RuhrKUNSTort

Welche Texte genau ich am nächsten Samstag für die Lesung in Ruhrort auswählen werde, weiß ich noch nicht. Sicher werden Texte mit dabei sein, in denen es um Fußball geht. Wenn es sich ergibt, werde ich in meine Schreibwerkstatt blicken lassen. Wahrscheinlich wird es dabei dann auch um „Mehr als Fußball“ gehen , dem Buch über die Energie in Duisburg, als im Sommer 2013 die Existenz vom MSV Duisburg bedroht war. An Prosa über Ruhrort denke ich noch, an den Sound und die Komik von Lyrik und an Worte über die Ruhrstadt, also das Ruhrgebiet als identitätsstiftender Bezug für die Menschen der einzelnen Städte in der Region. Und eins ist ebenfalls sicher: Ich freu mich auf euch.

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Akzente inoffiziell: Ruß von Feridun Zaimoglu und die Ruhrstadtidentität

Wie im letzten Jahr begleite ich die 37. Duisburger Akzente mit einem inoffiziellen Programm. In diesem Jahr lautet das Akzente-Motto „Nah und Fern – 300 Jahre Duisburger Hafen“.

russ_zaimogluIn diesem Jahr gehörte zum Akzente-Programm eine Lesung von Feridun Zaimoglu, zu der es in der Rheinischen Post einen kurzen Bericht gibt. Zaimoglu selbst hat anscheinend von „Heimkehr“ gesprochen, wohnte er zur Recherche seines Duisburg-Romans „Ruß“ doch einige Zeit in der Stadt. Dieser Duisburg-Roman hat mich schon mehrmals beschäftigt, weil die Rezeption gerade direkt nach der Veröffentlichung für mich viel über Selbstbild und Selbstbewusstsein der Ruhrstadt verrät.

In der Zeit während der Arbeit am Roman hatte ich ein Interview mit Feridun Zaimoglu gesehen. Er sprach davon, dass ihn  “Revierkitsch” nicht interessierte, sondern “echte Menschengeschichten” in einer Stadt, in der die Epoche der Industriealisierung nicht vollends museal aufbereitet sei. Ihm ginge es um die Gegenwart. So hatte ich ihn verstanden. Er wollte nicht über eine hippe Szene schreiben, sondern eine „deutsche Arbeitersaga“.

Richtig nah ist er diesem „herben“ Arbeitermilieu aber nicht gekommen. Zum einen verknüpft er eine bemühte Kriminalhandlung mit dem Blick auf die Wirklichkeit des Ruhrgebiets. Zum anderen bekam ich bei der Lektüre das Gefühl, in eine Welt der 60er Jahre einzutauchen. Eigentlich waren seine Hauptfiguren Männer meiner Generation, doch wenn er sie sprechen ließ, hatte ich immer das Gefühl, meinen Großeltern zuzuhören.

Das mag für Leser und Kritiker ohne Anbindung ans Ruhrgebiet keine Rolle spielen. Für mich ist es eines von vielen Zeichen, dass Feridun Zaimoglu eine Kunstwelt geschaffen hat, mit der er seine  eigenen formulierten Ansprüche sicher nicht eingelöst hat. Er nimmt seine Wirklichkeit des Ruhrgebiets als Material, um sich vom alltäglichen Sprechen zu entfernen und zu versuchen, eine Kunst-Sprache zum Klingen zu bringen. Das macht die Lektüre stellenweise anstrengend und die Geschichte verschwindet zudem immer wieder hinter dieser Sprache. Der Klang der Sätze schiebt sich in den Vordergrund. Eine bedrückende Atmosphäre gelingt ihm so. Eine Balance zwischen Handlung und einer notwendigen Sprachform entsteht für mich  nicht.

Im Ohr hatte ich immer noch “echte Menschengeschichten” des Interviews, die er hat schreiben wollen. Was die Figuren erleben, wirkt zwar grundsätzlich gegenwärtig, doch gleichzeitig kommt mir die Handlung wie eine manieristische Anstrengung vor. Letztlich lese ich dort nichts über die „raue“ Gegenwartswirklichkeit Duisburgs. Zugespitzt formuliert sehe ich nur den Kunstwillen des Kulturbetriebs in einem Roman, der mir zudem zu oft zu sehr nach Vergangenheit klingt. Kurzum, ich erkenne all das nicht, worauf mich Feridun Zaimoglu neugierig gemacht hat.

Bezeichnenderweise lese ich im oben verlinkten RP-Bericht das klare Urteil vom misslungenen Roman zum ersten Mal. Die überregionalen Medien waren da sehr viel nachsichtiger. Mir geht es aber gar nicht unbedingt um ein klares Urteil. Mir geht es überhaupt um Debatte, die eben nicht stattgefunden hat. Eine Debatte, in der die literarische Wertung ohne den Blick auf die Ruhrstadtidentität nicht ausgekommen wäre. Denn Zaimoglu hatte ja den Anspruch formuliert einen Roman zu schreiben, in dem er sich einer zentralen Identitätsfrage der Region hatte annehmen wollen. Was wird aus der Arbeiterwirklichkeit dieser Region, aus der das Ruhrgebiet seinen Stolz gezogen hat? Wo findet die gegenwärtige Ruhrstadt Identität, wenn diese Arbeiterwirklichkeit untergeht, an den meisten Orten untergegangen ist?

Der Roman bekam seine Geschichte in den Medien des Ruhrgebiets ohne diese Fragen. Schließlich wird die Region nicht oft zum Thema in Romanen bundesweit renomierter Autoren. Es gab Rezension und reportageartige Berichte über den Aufenthalt Zaimoglus im Ruhrgebiet. Man durfte geschmeichelt sein, weil der Autor nicht mit Lob sparte über diese von ihm als untergehend wahrgenommene Arbeiterwirklichkeit. Ob die Imagebeobachter der Ruhrstadt grimmig die Augen gerollt haben? Was für eine Steilvorlage für eine Debatte zur Ruhrgebietsidentät. Sie wurde verpasst.

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