Posts Tagged 'Ruhrorter Hafen'

Akzente inoffiziell: Der Sportplatz des Ruhrorter TV als Keimzelle vom EuroPortsCup

Wie im letzten Jahr begleite ich die 37. Duisburger Akzente mit einem inoffiziellen Programm. In diesem Jahr lautet das Akzente-Motto „Nah und Fern – 300 Jahre Duisburger Hafen“. Wie das diesjährige AkzenteMotto als gelebte Geschichte erkennbar wird, zeigt sich an einem vielleicht ungewöhnlichen Ort in Ruhrort, dem Sportplatz des Ruhrorter TV. Dieser Sportplatz mit einer seiner Geschichten ist einer der “111 Fußballorte im Ruhrgebiet, die man gesehen haben muss”. Der Text ist diesem 2012 erschienenen Buch entnommen.

Der Sportplatz Ruhrorter TV
Gestern Zeltplatz, heute Festsaal

Der Ruhrorter Verteilerkreis am Rand des Stadtteils liegt in fast jeder Himmelsrichtung nah am nächsten Hafengewässer. Ruhrort besaß nicht viel Platz zur Ausdehnung. Klein blieb so der Stadtteil, dessen Geschichte an vielen Ecken spürbar ist. In der letzten Zeit entdeckten Künstler und Kulturschaffende dessen Reiz. Ob das Hoffnungswort vom Kreativquartier sich weiter mit Leben füllt? Hafen – der weckt Bilder einer intensiven Wirklichkeit, und er könnte Motor dafür sein.
Genauso wie der Hafen auch die Freizeitfußballer im Ruhrorter Turnverein, RTV Staubwolke, und die vom VfvB Ruhrort/Laar, die »Amtsschimmel«, auf eine Idee mit andauernden Folgen brachte. »Hafenturnier« nannten sie die Fußballveranstaltung für Freizeitmannschaften europäischer Hafenstädte zu Pfingsten 1984. Gegner kamen aus Amsterdam, Basel und Bremen, und die Verhältnisse waren bescheiden. Übernachtet wurde in Zelten auf dem Sportplatz.
Inzwischen heißt das jährlich in wechselnden Hafenstädten stattfindende Turnier »EuroPortsCup«, zu dem Bürgermeister vor Ort, ob in Hamburg, Bergen oder Malmö, Eröffnungsreden halten. Es wird mit zwei Jahren Vorlauf geplant, und Festbankette stehen auf dem Programm. 12 bis 14 Mannschaften nehmen in der Regel teil, die Wirtschaftslage bestimmt, welche. Denn fast alle sind nun Betriebsmannschaften von Reedereien oder von Hafenbetreibern wie Duisburgs »duisport« und werden von den Arbeitgebern gesponsert. RTV Staubwolke blieb als einzig unabhängige Freizeitmannschaft übrig, auch weil der Spielergenerationenwechsel meist unproblematisch verlief.
Und warum Staubwolke? Der Ascheplatz des Ruhrorter TV, auf dem sich 1977 die noch jugendlichen Fußballer erstmals trafen, besaß einen Unterboden aus Trümmerschutt des Zweiten Weltkriegs. Der wurde zu einer solch wirksamen Drainage, dass die oft dichten Staubwolken den Ball nicht mehr erkennen ließen – im Pott nicht selten.

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Akzente inoffiziell: MS Franziska bringt 1978 TV-Deutschland die Binnenschifffahrt ins Haus

Wie im letzten Jahr begleite ich die 37. Duisburger Akzente mit einem inoffiziellen Programm. In diesem Jahr lautet das Akzente-Motto „Nah und Fern – 300 Jahre Duisburger Hafen“.

Noch bevor 1981 die erste Schimanski-Folge Ruhrort und damit Duisburg endgültig zum selbstverständlichen Handlungsort eines fiktionalen TV-Geschehens machte, nutzte schon 1978 die TV-Serie MS Franziska das erzählerische Potential von Duisburg und dem Ruhrorter Hafen als Teil der Binnenschifffahrtswelt. Regie führte Wolfgang Staudte, die Bücher hatte Heinz Oskar Wuttig geschrieben. Die ARD richtete mit der Erstausstrahlung der Serie seinerzeit den Montagabend als neuen Seriensendeplatz ein.

Wie sehr für mich die Welt der Binnenschifffahrt grundsätzlich mit meiner Ruhrorter Hafenwelt verschmolzen war, seht ihr daran, dass in meiner Erinnerung die gesamte Serie ihren Handlungsschwerpunkt in Duisburg besaß. Was nicht stimmt. Zwei Folgen nur spielen in Duisburg. Ein Binnenschiff liegt nun mal nicht vornehmlich vor Anker, sondern es ist in der MS-Franziska-Welt auch mal auf dem gesamten Rhein unterwegs.

Mit dem Anfang der ersten Folge sehen wir die MS Franziska im Mittelrheintal, und ein Grundkonflikt der Serie wird etabliert. Der von Paul Dahlke gespielte Binnenschiffer im Rentenalter Jakob Wilde ist ganz Patriarch alter Schule. Er glaubt weiterhin auf die Anforderungen des Lebens die besseren Antworten zu haben als seine Söhne. In dieser einführenden Szene geht es natürlich um die grundsätzliche Fähigkeit eines Binnenschiffers, das Steuern des Frachtschiffes, das er seinem von Ulrich von Dobschütz gespielten Sohn Paul in einer Gefahrensituation aus der Hand nimmt.

Die Folge 2, Zum Grünen Hahn, spielt vor allem in Ruhort und Homberg. Die MS Franziska liegt in Ruhrort vor Anker. Jakob und Paul warten auf einen lukrativen Frachtauftrag. Das Alltagsleben in der Binnenschifffahrt wird mit Fahrtauglichkeitsprüfung von Jakob und den Begegnungen mit dem Hafenpastor erzählt. Zudem beginnt für den von Jochen Schroeder gespielten Enkel Jakobs, Niko Wilde, ein zehnwöchiger Lehrgang auf dem im Homberger Eisenbahnhafen liegenden Schulschiff Rhein.

In der Folge 4, Probefahrt, liegt die MS Franziska mit einem Motorschaden in Duisburg fest. Dramatik erhält die Folge durch den Blinddarmdurchbruch von Paul. Für ihn muss Jakob einen Ersatz suchen muss, als er für die MS Franziska einen Frachtauftrag erhält.

Bei Wikipedia gibt es hauptsächlich die inhaltliche Zusammenfassung der einzelnen Folgen. Zusammen mit dem Episodenguide bei Fernsehserien.de erhält man ein gutes Bild vom Handlungsgeschehen.

Auf der Seite TV-Nostalgie gibt es Ausschnitte aus einem Interview, das der Seitenbetreiber mit dem Komponisten der Filmmusik, Peter Schirmann, geführt hat.

Sämtliche Folgen finden sich auf YouTube

 

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Akzente inoffiziell: Rheinlied II – Der Rhein und Deutsche Stämme von Kurt Tucholsky

Wie im letzten Jahr begleite ich die 37. Duisburger Akzente mit einem inoffiziellen Programm. In diesem Jahr lautet das Akzente-Motto „Nah und Fern – 300 Jahre Duisburger Hafen“. Eine Gelegenheit zu einem Hafenfilm-Special.

Mir ist gar nicht klar, wie gegenwärtig Kurt Tucholsky bei jüngeren Lesern überhaupt noch ist. Für meine Generation gehörte diese Stimme der Weimarer Republik zum literarischen Kanon. Sein fortwährendes publizistisches Engagement für ein demokratisches Deutschland und gegen den bornierten Nationalismus seiner Gegenwart weckte den Hass der Nazis und machte ihn zum verachteten Linksintellektuellen in ultrakonservativen Kreisen. Er war aber nicht nur Beobachter der politischen Zustände der Weimarer Republik. Ihm ging es immer auch um den gesellschaftlichen Boden für diese Zustände. Als Theobald Tiger hat er im Sommer 1927 die Rheinlied-Begeisterung in Deutschland mit folgendem Liedtext kommentiert.

Der Rhein und Deutsche Stämme

Es fließt ein Strom durch das deutsche Land,
drin spiegeln sich Schlösser und Zinnen;
er ist in den deutschen Gauen bekannt,
kein Refrain kann demselben entrinnen.

Und alle Romantik hat hier ihr Revier,
und je lauter das Rheinlied, je kälter das Bier
der kleinen und großen Verdiener.
Zum Beispiel so der Berliner:

»Ein rheinischet Meechen – beim rheinischen Wein –
Ja, Donnerwetter nich noch mal!
Na, det muß ja der Hümmel auf Erdn sein –!
Wat, Lucie –?«

Wer Lieder für Operetten schreibt
aus Prag, aus Wien und aus Bentschen –:
den Rhein möcht ich sehn, der da ungereimt bleibt –
es sind halt geschickte Menschen!

Und was sie dichten, ganz Deutschland grölts,
von Aachen bis Dirschau, von Kiel bis nach Ölz;
wo nur Treue und Weinbrand wachsen.
Zum Beispiel so unsere Sachsen:

»Ein rheinisches Mädchen – beim rheinischen Wein –
Nu heere mal, Agahde, was hasdn dn
Krachenschonr nich midgenomm? ’s is doch
so giehle uffm Wasser?
Diß muß ja der Himmel auf Erden sein!
Eicha … !«

Im Rhein, da quillt unsere Mannesbrust,
da liegen dicke Tantiemen;
und befällt den Deutschen die Sangeslust:
hier kann er das Ding unternehmen.

Es reimt sich der Rhein
auf Schein und auf Sein
und auf mein und auf dein,
auf Jüngferlein, Stelldichein, Gänseklein…

Und ist auch zerklüftet das Deutsche Reich:
im Moorbad der Lyrik verstehn sie sich gleich.
Viel schneller als bei Richard Dehmel.
Zum Beispiel so jener aus Memel:

»Äin rhäinisches Mädchen – bäim rhäinischen Wäin –
äi, das muß ja der Himmel – auf Erden säin –
Wäißt, wenn dir der Wäin nich schmeckt,
jieß noch ’n kläin Schnapsche räin! –
Äi, das muß ja der Himmel auf Erden säin –!
Oder mäinst näin –?«

So ist der Rheinstrom ohne Fehle,
das Familienbad der deutschen Seele.

 

Bei Youtube findet sich mit einem Klick weiter eine mit dem Suchbegriff „Rheinlied“ gefundene Auswahl solcher Rhein-Weib-und-Gesang-Lieder.

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Akzente inoffiziell: Der Ruhrorter Hafen im Bewegtbild

Wie im letzten Jahr begleite ich die 37. Duisburger Akzente mit einem inoffiziellen Programm. In diesem Jahr lautet das Akzente-Motto „Nah und Fern – 300 Jahre Duisburger Hafen“. Eine Gelegenheit zu einem Hafenfilm-Special.

Ein Zusammenschnitt alter Filmaufnahmen aus den 1920er und 1930er Jahre, die dank Wilfried Krüssmanns VideoDu.de bei YouTube zu finden ist.

 

Eine Dokumentation aus dem Jahr 1955

 

Noch einmal öffnet Wilfried Krüssmann sein Archiv mit einem PR-Film des Hafens, der wohl in den 1980er Jahren entstanden ist.

 

Der Gegenwart nähern wir uns mit den Hafenimpressionen von Wilfried Krüssmann.

 

Der WDR hat 2015 die Dokumentation „Geheimnis Duisburger Hafen“ gezeigt. Ich vermute, der Clip war zunächst Programmhinweis.  Die gesamte Doku wurde bei YouTube ebenfalls hochgeladen – nicht vom WDR. Mal sehen, wie lange sie online ist.

 

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Akzente inoffiziell: Von deutsch-französischer Nachkriegsfreundschaft

Wenn etwas zum zweiten Mal im Zebrastreifenblog geschieht, beginnt der Kölner in mir schon von unserer schönen Tradition zu sprechen. Wie im letzten Jahr begleite ich die 37. Duisburger Akzente mit einem inoffiziellen Programm. Ob ich tatsächlich jeden Tag etwas bieten kann, werden wir sehen. In diesem Jahr lautet das Akzente-Motto „Nah und Fern – 300 Jahre Duisburger Hafen“.

Die folgende kurze Erinnerung an die Anfänge des Basketballs in Duisburg ist dem Buch 111 Orte im Ruhrgebiet, die uns Geschichte erzählen entnommen. Im Ruhrorter Hafen arbeiteten kurz nach dem 2. Weltkrieg Männer aus Frankreich und Deutschland in derselben französischen Spedition. Aus Kollegen wurden Freunde. Die jahrzehntelange Feindschaft zwischen beiden Nationen wurde nicht mehr vererbt. Aus Ferne war Nähe geworden. Im Ruhrorter Hafen wurde etwas gelebt, was als Hoffnung für beide Nationen erst später auf politischer Ebene zum Ausdruck gebracht wurde.

Der Basketballfreiplatz am Ruhrdeich
Von deutsch-französischer Nachkriegsfreundschaft

Als 1950 der französische Außenminister Robert Schuman dem Misstrauen zwischen Frankreich und Deutschland mit der Vision eines gemeinsamen Wirtschaftens begegnet, dachte er noch nicht an Freundschaft. In Ruhrort ist das damals schon anders. Jene Freundschaft, die dann 13 Jahre später Konrad Adenauer und Charles De Gaulle mit dem Élysée-Vertrag endgültig vertiefen wollen, ist in dem Hafenstadtteil schon bald nach dem Krieg gelebter Alltag für junge Franzosen und Deutsche.

Der Basketball vereint diese Männer. Bei den Franzosen ist der Sport beliebt, und die jungen Ruhrorter finden das in Deutschland noch exotisch wirkende Mannschaftsspiel interessant. Eine Art Betriebssportgruppe entsteht. Denn alle diese jungen Basketballer arbeiten bei der französischen Staatsspedition Compagnie Générale Du Rhin. Allerdings fehlt ihnen ein richtiges Basketballfeld. An eine Sporthalle ist gar nicht erst zu denken.

Da trifft es sich gut, dass der Platzwart der Tennisanlagen des VfvB Ruhrort/Laar in dem Schifffahrtsunternehmen nach Arbeit fragt. Neben diesen Tennisanlagen am Ruhrdeich gibt es eine Brachfläche. Der Franzose Jean Amiot wird zur treibenden Kraft bei der Anlage des Basketballplatzes. Mit Spaten und anderem Gartenbaugerät wird eine plane Fläche hergerichtet, Sträucher werden gerodet, grobe Steine beiseite geräumt. Die Bretter für die Basketballkörbe werden im Schifffahrtsunternehmen gezimmert. Als zwei Jahre später die jungen Männer Meisterschaftsspiele bestreiten wollen, erhält der VfvB Ruhrort/Laar, vormals nur für Fußball und Tennis eine Adresse, offiziell eine Basketballabteilung.

 

 

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Akzente inoffiziell: Nordseestadt Ruhrort

Wenn etwas zum zweiten Mal im Zebrastreifenblog geschieht, beginnt der Kölner in mir schon von unserer schönen Tradition zu sprechen. Gestern Abend sind im Landschaftspark Nord die  37. Duisburger Akzente eröffnet worden. Wie im letzten Jahr werde ich versuchen, das Kulturfestival mit einem inoffiziellen Programm zu begleiten. Ob ich tatsächlich jeden Tag Programm bieten kann, werden wir sehen. Ich weiß es noch nicht.

In diesem Jahr lautet das Akzente-Motto „Nah und Fern – 300 Jahre Duisburger Hafen“. Duisburg als den Hafen erweiternden Namenszusatz klingt fremd für mich, der ich in Ruhrort die ersten elf Jahre meines Lebens verbracht habe. Der Hafen war meine Welt, und die lag nun einmal in Ruhrort. Bühne frei für den Auftakt des inoffiziellen Akzente-Programms im Zebrastreifenblog.

Nordseestadt Ruhrort

Meine ersten Lebensjahre habe ich in Ruhrort verbracht. Dort bin ich in den Kindergarten gegangen, pumpte im Hafenmund, jedes Mal aufs Neue begeistert, Wasser aus den Handpumpen am Leinpfad und wartete im Hochsommer meist vergebens auf dem Hanielspielplatz, dass das Wasser aus den Spritzdüsen der Klettergerüste spritzte. Von der Geschichte Ruhrorts erfuhr ich in Heimatkunde auf der Grundschule Homberger Straße, und ich habe mir nicht vorstellen können, dass die Kinder anderer Stadtteile etwas wie “Heimatkunde” überhaupt brauchten. Was sollten die lernen, wenn der Stadtteil keinen Hafen hatte? Alles andere war doch uninteressant und ohne besondere Bedeutung. Der Hafen war meine Welt. Wenn ich etwas malte, waren das Schiffe. Immer wieder Schiffe.

Der Blick von der Mühlenweide den Rhein hinunter, das war mein Blick auf die Nordsee. Selbst die größten Dinge wurden rheinabwärts ganz klein. So etwas gab es in keinem anderen Teil von Duisburg, so dachte ich. In anderen Stadtteilen versperrten Häuser die Sicht und alles Große verschwand hinter der nächsten Ecke. Der Zutritt zu den großen Werksgeländen war sogar verboten. Im Ruhrorter Hafen lagen die Dinge offen. Schiffe waren beim An- und Ablegen zu beobachten. Abgedeckte Planken gestatteten Blicke in die Bäuche eines jeden Lastschiffs. Die Kräne als riesige Vögel mit großen gefährlichen Schnäbeln auf der anderen Seite des Hafenbeckens verlangten Respekt. Ich konnte mir selbst ein Bild von ihnen machen anders als von den Hochöfen, die auch gefährlich sein mussten. Der Vater meines Patenonkels war auf der „Hütte“ tödlich verunglückt.

Schon der Wohnort meiner Großeltern, Meiderich, war für mich im Gegensatz zur Nordseestadt Ruhrort ein staubiges Wüstendorf tief im Landesinneren, dessen Einwohner ich bedauerte. Ich fragte mich, wieso das vom Rhein noch entfernter gelegene Oberhausen im Rheinland liegen sollte. Immer wieder las ich dieses Wort rätselnd auf dem Bahnhofsschild im Oberhausener Hauptbahnhof. Als Kind aber nimmt man die verwunderlichsten Aussagen von Erwachsenen einfach hin. Nach dem Essen von Obst darf man nichts trinken etwa. Unzählige Male habe ich mich nicht an diese damalige Grundregel erwachsenen Lebens gehalten und nichts passierte. Da kam es auf eine Ungereimtheit mehr auch nicht an.

Ich selbst wusste es besser. Ruhrort, das war die einzige lichte Welt des Wassers in dieser Gegend.

 

Für die zukünftigen Leser schon der Hinweis: Mit einem Klick weiter zu allen Beiträgen des inoffiziellen Akzente-Programms im Zebrastreifenblog.

Heimatlied – Sektion Duisburg – Folge 2

Heimatlieder über Duisburg gibt es in allen Stilrichtungen, je nachdem in welcher musikalischen Tradition sich die jeweiligen Künstler bewegen.  Wenn jemand dann aus dieser Sicherheit seiner musikalischen Heimat heraus eine spezielle Perspektive für seine Beschäftigung mit Duisburg findet, entstehen Songs wie das vom Soul inspirierte „Duisburg bei Nacht“ von Tacheles.  Das Heimatgefühl wird über Bande gespielt und lässt auf diese Weise Duisburg leuchten.

Wenn ich das Duisburg-Lied von Reina Ilona Vildebrand höre, rückt mir sofort Jacques Brel und sein „Amsterdam“ auf die Pelle. Ich weiß nicht genau, ob das mehr mit ihrer so deutlichen Nähe zum klassischen Chanson zu tun hat oder doch nur meine unaufgeräumte Schublade dieser Liedtradition ist, in die ich von Jugend an vor allem Brel-Vorrat reingeschmissen habe. Der Hafen ist jedenfalls beider Lieder verbindendes Motiv.

„Meine Stadt“ von Marxloh Flowerz & Anja Lerch klingt programmatisch mit der Zeile: „Duisburg, ich bin stolz auf dich“. Richtig rund ist das Stück für mich nicht, aber das ist hier ja nicht der Ort für Detailkritik. Wie ich beim letzten Mal schon sagte, nur eine breite Liedbasis führt zu überdauernden Stücken.

Mit einem Klick weiter findet ihr Heimatlied – Sektion Duisburg – Alle Folgen

 

Ein Wolfsburger Schwede und der Ruhrorter Hafen in den 1920er Jahren

Bei der Verpflichtung von Fußballern ist es nicht viel anders als beim Brötchenkauf. Es gibt schließlich noch für viele Menschen Lieblingsbäckereien neben all den Backwerk-Discountern. Eine Lieblingsbäckerei des MSV Duisburg ist der VfL Wolfsburg geworden, und daran ändert anscheinend auch der Wechsel in der Geschäftsführung nichts.  Felix Magath hat den Fußballerhandel  als ein Kerngeschäft der Marke VfL Wolfsburg wohl nicht dauerhaft beschädigt.

Deshalb können wir uns während der Vorbereitung auf das erste Spiel nach der Winterpause am Freitag auch noch  ein paar Gedanken zur möglichen Verpflichtung des jungen Wolfsburger Stürmers Rasmus Jönsson machen. Ein Spieler der bei youtube mit einem „Dreamgoal“ gelistet ist, freut mich schon mal, ungeachtet aller Fragen zur gegenwärtigen Klasse. Das Tor zeigt jedenfalls, er besitzt eine feine Schusstechnik.

Verabschieden wir also den Gedanken Stoßstürmer mit Brecherqualitäten. Hegen wir andere Hoffnungen und warten mal ab, was daraus wird. Sind ja noch ein paar Tage bis zum Spiel in Dresden. Bis dahin lässt sich auch noch das ein oder andere aus den Halbzeitpausengesprächen veröffentlichen. Schon einmal konnte ich dank Wilfried Krüssmanns VideoDu  einen kurzen Clip über den Ruhrorter Hafen hier einbinden. Damals ging es vornehmlich um die 1950er und 1960er Jahre.  

Dieses Mal geht es um die Zeit zwischen 1920 und 1930. Die Qualität der Bilder hat seit ihrer Entstehung etwas gelitten. Auf die unterlegte Musik könnte man nach meinem Geschmack auch verzichten. Es sind fast ausschließlich Aufnahmen aus einer geschäftigen Arbeitswelt, die bei rund 15 Minuten ohne erklärende Worte manchem vielleicht etwas lang erscheinen.

Nur am Anfang, ab Minute 1.30 etwa, wird auch kurz das städtische Ruhrort jener Zeit erkennbar. An Bilder von der alten Schifferbörse fügen sich Aufnahmen vom Ufer des Hafenmundes, aufgenommen von einem vorbeifahrenden Schiff. Auffallend ist einmal mehr, wie voll damals die Hafenbecken jeweils waren und wie leer sie heute dagegen wirken, wenn die Liegezeit der Schiffe so kurz wie möglich gehalten wird.

Typisch Duisburg – Von Stadtteilfreundschaft und Suche nach dem Selbstbild

Manchmal werden auch in Stadionzeitungen bunte Geschichten erzählt, die nur am Rande mit dem Fußball zu tun haben und mehr mit der Stadt, aus der der Gegner kommt. In Viva St. Pauli, der Stadionzeitung des FC St. Pauli, war anlässlich des Heimspiels am Sonntag gegen die Zebras, jene auch in den Duisburger Lokalmedien immer wieder gern erzählte Geschichte von der Stadtteilfreundschaft zwischen den beiden Hafenstadtteilen zu lesen. Ein freundliches Bild über Duisburg konnten die Zuschauer vom FC St. Pauli mit nach Hause nehmen.

Bei allem kritischen öffentlichen Reden über Duisburg, die Stadt braucht auch solche Geschichten. Das kam mir in den Sinn, weil neulich eine erste von der Bürgerstiftung Duisburg organisierte Diskussionsveranstaltung mit dem Thema „Typisch Duisburg“ die Zukunft Duisburgs zum öffentlichen Thema machen wollte. Es soll weitere Veranstaltungen dieser Art geben. Der Bericht der WAZ über die Veranstaltung findet sich mit einem Klick weiter hier. Im Blog von „Zebras Welt“  – nicht verwandt oder verschwägert –  gibt es Video-Clips von den Statements der Veranstaltungsteilnehmer. Unter anderem ist ein Oberbürgermeister Sören Link zu sehen, der momentan auf mich noch den Eindruck macht, als besäße auch sein Selbstbild von einem obersten Repräsentanten der Stadt Entwicklungspotenzial. Er präsentierte sich – noch – nicht als jemand, der einem Prozess vorangeht. Ich habe den Eindruck, sein Leitbild ist momentan vor allem das Funktionieren der Verwaltung, zum anderen scheint er sich mehr als Moderator in seinem Amt zu sehen. Von daher wird etwa auch verständlich, warum er sich erst relativ spät zur drohenden Insolvenz des MSV Duisburg öffentlich äußerte.

Die Einladung auf das Podium der Veranstaltung an den Oberbürgermeister ging zum Teil nach hinten los, weil wegen der Anwesenheit von Sören Link zunächst die Kritik an der Poltitk im Vordergrund stand. Die Konzentration auf die Qualitäten eines zukünftiges Duisburgs verlor sich wohl dabei für einige Zeit. Das passt zu einem Eindruck, bei dem ich mich gerne eines Besseren belehren lassen möchte. Mir geht es tatsächlich auch immer wieder durch den Kopf, neben der Kritik an Duisburg gibt es sowohl beim öffentlichen Reden als auch im Kneipengespräch nicht oft einen stimmigen Ton für Heimatverbundenheit. Neben der Kritik mangelt es an einem stabilen, positiv besetzten öffentlichen Bild von der Stadt, in dem sich Duisburger erkennen und auf das sie sich beziehen können. Wenn Duisburger sich in Duisburg wohl fühlen, dann meist als Ergebnis privaten Wohlgefühls. Das „anderswo ist auch scheiße“ klingt hier weniger selbstbewusst als in Bochum. Wie dieses Selbstbild sich zu einer Ruhrgebiets-Identität verhielte, wäre für mich im Übrigen eine besonders interessante Frage.

So sammel ich Momente wie die Stadtteilfreundschaft zwischen St. Pauli und Ruhrort als Futter für solch  einem stimmigen Ton der Heimatverbundenheit. So eine Stadtteilfreundschaft ist eine bunte Geschichte, die dennoch im Bild von Duisburg ihren Wert hat. Und weil der Hafen so zentral für die Geschichte Duisburgs ist, ist es kein Zufall, dass Ruhrort an einer weiteren Stelle, den Aktivitäten des Kreativkreises Ruhrort, über die Stadtgrenzen hinaus Strahlkraft gewonnen hat. Diese Aktivitäten wurden nicht als Projekt von oben in den Stadtteil hineingepflanzt, sondern ergeben sich aus dem Handeln vieler Einzelpersonen vor Ort. Das öffentliche Bild von Ruhrort und damit Duisburgs formt sich aus durch das Wirken an der Basis der Stadt. Genau das geschah, und es geschieht weiter, was die Veranstaltung der Bürgerstiftung auf anderer Ebene institutionalisieren möchte: bürgerliches Engagement. Es ist ein Balanceakt so etwas immer wieder als Erzählung in die Öffentlichkeit zu bringen und gleichzeitig damit nichts schön zu reden. Probieren wir ihn mal immer wieder.

Und vor dem Spiel noch etwas ganz anderes: Ruhrorter Hafenhistorie – Ein Film

Im Museum der Deutschen Binnenschifffahrt ist man  ins Filmarchiv gegangen und hat Filmaufnahmen vom Hafen der Stadt aneinandergeschnitten. Die Quellen der Ausschnitte wirken auf mich sehr unterschiedlich. Womöglich stammen die Ausschnitte der 1950er und 1960er Jahre aus Industriefilmen. Am Ende des Clips sind Ludwig Erhard und Queen Elisabeth bei ihren Hafenbesuchen zu sehen. Schon Anfang der 1960er Jahre konnte die Queen sehr anmutig von einem Schiff herunterwinken. Anscheinend bereitete sie sich damals schon auf ihre Thronjubiläumsfahrt auf der Themse vor. Die Bilder sind unkommentiert und  musikalisch untermalt. Den typischen Historiendoku-Sound des Anfangs ersetzt später der „Bolero“ von Maurice Ravel. Vom französichen Komponisten Maurice Ravel ist ja ein Besuch Hamborns Anfang des letzten Jahrhunderts verbürgt, bei dem er sich von der Industriekulisse entsprechend beeindruckt gezeigt hat. Eine gerne erzählte Anekdote in Ruhrgebiets-Heimatbüchern und eine Vorgeschichte für ein anderes Spiel. Eine Hafenrundfahrt müsste ich mal wieder machen. Der Besuch des Museums ist natürlich auch zu empfehlen.

Nachtrag: Am Freitag, 23. November, 18.00 Uhr, startet im Restaurant „Schiffchen“, Deichstraße 1, 47119 Duisburg, die „2. Ruhrorter Filmnacht – Alte Filme neu entdecken“, veranstaltet von der Fördergesellschaft Museum der Deutschen Binnenschifffahrt und dem Ruhrorter Bürgerverein.


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