Posts Tagged 'Sandro Wagner'

Der gute Ruf der Mannschaft und Rabattaktionen in der falschen Stadt

Den Respekt der Gegner hat sich die Mannschaft des MSV Duisburg schon mal erarbeitet. Im Blog der beiden Journalisten von der Berliner Morgenpost sind jedenfalls Trainerworte zu lesen, die wir vor einer Woche schon einmal ähnlich hörten. Wie für Thorsten Lieberknecht ist auch für Jos Luhukay der MSV „ein unangenehmer Gegner und sehr aggressiv“. Allerdings enthält sich Jos Luhukay jeglicher Rechtsdiskussion und veranschaulicht die Gefahr durch den Gegner nicht mit der sprichwörtlichen Randlage der Legalität, die dessen körperlichen Einsatz auszeichne.

Ich kann das gar nicht nachvollziehen. Für mich klingt das mehr nach vorbeugendem Klischeegebrauch für den Fall des eigenen Versagens bei gleichzeitiger PR-Arbeit in Richtung Schiedsrichtergespann. Wirkungsvoll, wie wir im letzten Spiel gesehen haben.

Neben der PR in Sachen Image des Gegners arbeiten andere Mitarbeiter der Hertha auch für einen höheren Zuschauerschnitt. Denn das Berliner Olympiastadion ist ein großes Stadion. 74.064 Sitzplätze bietet es laut Auskunft der Betreiber, und nur nach der auch möglichen Erweiterung gehen die 74.244 Zuschauer hinein, die man bei Wikipedia als Fassungsvermögen lesen kann. Was den Zeigefinger des Medienkompetenzvermittlers mit dem Aufschrei „siehste!“ nach oben zucken lässt. Also, auf dem Merkzettel mal wieder notieren: Leicht prüfbare Wikipedia-Angaben  gegenckecken! Komplizierte Dinge überlesen oder glauben.

Dieses große Stadion wirkt jedenfalls für die Verantwortlichen der Hertha zu oft zu leer in der Zweiten Liga. Deshalb gibt es Heimspielkarten immer wieder als Aktionsangebot. Auch für das Spiel der Hertha gegen den MSV gibt es solche Aktionen. Doch, bitte schön,  wer liebe Hertha kommt nicht in den Genuss einer solchen Rabattaktion und wer, liebe Hertha, hat nach dem letzten Spieltag eine solche Rabattaktion mehr als verdient? Ahnst, du liebe Hertha, wen ich meine? Dank welcher Mannschaft seid ihr nochmal Tabellenführer nach dem letzten Spieltag geblieben, obwohl ihr euer Spiel in Dresden vergeigt habt? Denkt mal kräftig nach. Und überlegt euch dann eine kluge Antwort auf die Frage, wer in den Genuss der Rabattaktion für den Rest der Woche hätte kommen müssen.  Müssen. Es sind nicht die Berliner.

Ich spreche nicht vom Gutschein für 13 Euro, bei dem sich auf der ITB der Partner DB nicht lumpen lässt. 2 Spiele für 1 heißt es da. Doch nicht nur zum MSV sondern auch noch zum Vfl nach Berlin kommen, das mach ich nicht. Aber in Duisburg Karten für 9 Euro unter die Leute bringen wie in den Berliner Media-Märkten, das wäre mal eine Geste gewesen. Liebe Hertha, du wirst schon sehen, was du davon hast. Eigentlich wäre ich ja mit einem Unentschieden zufrieden gewesen, aber wer so undankbar ist, dem wird nichts geschenkt.  Nicht mal ein Punkt. Eure nächst Rabattaktion könnt ihr schon mal planen. Niederlagen gefallen dem Berliner Publikum noch weniger als uns in Duisburg.

Da hilft es auch nicht mehr, wenn ihr Sandro Wagner vorschickt, um schön Wetter zu machen mit seiner guten Zeit in Duisburg. Und sagt hinterher nicht, niemand hätte euch gewarnt.

Ein Ben-Hatira bleibt ein Ben-Hatira

Wenn Zeitungen Fußballer zitieren, bin ich meist vorsichtig und glaube nicht unbedingt, was da als O-Ton geschrieben wird. In dem Fall aber bin ich geneigt,  kein Wort von dem anzuzweifeln, was Änis Ben-Hatira der Berliner Morgenpost gesagt haben soll. In dem Vorbericht zum Spiel des MSV Duisburg gegen Hertha BSC heute Abend wird natürlich kurz auf die beiden Spieler der Berliner ein besonderer Blick geworfen, die vor einiger Zeit beim MSV Duisburg gespielt haben.

Als ich Änis Ben-Hatira im O-Ton las, war ich doch dankbar, dass da einer meine Bilder  der Vergangenheit korrigierte und mich an diese wunderbare Zeit mit ihm in Duisburg erinnerte. So ein versöhnlicher Blick auf die Vergangenheit fühlt sich auch einfach besser an. Mir fiel ja als erstes die Unzufriedenheit mit seinem oft blasierten Auftreten zu Beginn seines Auflaufens für die Zebras ein. Und bei seinem zweiten Engagement erinnere ich mich auch an längere Schattenphasen nach seinen lichten Momenten auf dem Spielfeld. Aber anscheinend war alles doch ganz anders, und ich war gerade immer ein Bier holen, wenn alle vor Begeisterung über ihn von Sinnen waren und unsere jungen weiblichen Zebrafans kreischend in Ohnmacht fielen, sobald er sich an der Eckfahne festdribbelte. Gut, dass er meine Erinnerung korrigiert: „Ich habe mich da mit den Fans richtig gut verstanden und wurde auch schnell Publikumsliebling“, so erzählt Änis Ben-Hatira. Und wenn er es mir noch dreimal erzählt, vergesse ich vielleicht all den anderen Kram endgültig ganz.

Sandro Wagner erinnert sich übrigens auf dieselbe Weise an seine Zeit beim MSV wie ich. Das wäre doch verdammt anstrengend  gewesen, auch das noch über den Haufen zu werfen. Doch „Zeit mit Höhen und Tiefen“ umschreibt meine Erinnerungen an ihn, wenn auch die recht allgemeine Form mir sehr viel Gestaltungsspielraum lässt.

Während meiner Spielvorbereitung habe ich mir zudem am Wochenende ein Bild von meinem Sommer-Zweitverein des letzten Jahres gemacht. In Brighton fliegen die Seemöwen im Moment sehr viel kunstvoller als unsere Zebras traben. Brighton and Hove Albion FC, in England auch „The Seagulls“ genannt, stehen nach acht Spieltagen ganz oben in Liga 2. Dennoch haben sie gerade das Spiel dieses achten Spieltages gegen Birmingham City mit 0:1 verloren,. Was ich nur deshalb erwähne, weil die Mannschaft mit ihren blau-weiß längstgestreiften Trikots mir eine Ahnung davon gegeben hat, wie Hertha BSC heute Abend vom Platz schleichen könnte. Es war schon die richtige Anmutung. Nun müssen Taten folgen. Über die Linie „geprügelte“ Bälle sähe ich dann auch gern und was anderes mag ich mir gar nicht erst vorstellen.

Dann könnten wir im Stadion unserem alten Publikumsliebling Ben-Hatira vielleicht zeigen, dass er damals vielleicht doch was missverstanden hat, als jemand ihm über den Zaun zugerufen hat, er solle dem verlorenen Ball hintergehen. Aber wie ich ihn so kenne, wird er selbst solch möglichen Jubel irgendwie auf sich beziehen. Publikumsliebling halt, dem die Massen zu Füßen liegen, so wie damals als er am Fernseher saß und sogar in Glasgow alle nur für ihn gesungen haben. Unglaublich! Mancher wird´s schon kennen, aber diesen eigentlichen Anlass des anhaltend Celtic-Rock-Gesangs nicht gewusst haben.

Celtic was rocking. Ich hoffe, dass wir es den Celtic-Fans heute Abend wenigsten ein ganz klein wenig gleich tun können. Quergestreift sind sie ja schon mal, da bei Celtic.

Hier diese legendären Minuten in einem TV-Ausschnitt

Das Ganze aus Zuschauerperspektive

Und wer zum Zeitvertreib bis heute Abend den Spielericht sehen möchte, bitte schön!

Entlassene Trainer und die Spielstärke von Fußballern

Manchmal wünsche ich mir von den Menschen mehr Verstand. Ich weiß, ein vergeblicher Wunsch besonders, wenn es um Fußball und um den Erfolg von Mannschaften geht. Gestern war wieder so ein Tag, und dass ich über den 1. FC Kaiserslautern schreibe, hängt mit der Trainerdiskussion um Oliver Reck zusammen. Der Trainer vom 1. FC Kaiserslautern Marco Kurz ist gestern entlassen worden. Die Begründung: „Um aber wirklich jede denkbare Möglichkeit für den Klassenerhalt ausgeschöpft zu haben, müssen wir diesen Weg gehen.“ Nun kann man auch Kerzen anzünden in Kirchen oder Medizinmänner einen Kaiserslautern-Rettungs-Tanz tanzen lassen. Macht man das nicht, hat man schon einiges unterlassen, was vielleicht auch zum Klassenerhalt beigetragen hätte. Das ist doch aus Kaiserslautern eine etwas erbärmliche Erklärung für die Trainer-Entlassung. Wäre es nicht ehrlicher zu sagen, der Druck der Straße war zu groß? In einer idealen Welt müsste so eine Entscheidung doch von klaren Analysen begleitet werden, die sich auch kommunizieren ließen: Nach unserer Überzeugung haben die taktischen Maßnahmen in den letzten sieben Spielen nicht funktioniert. Die Beziehung zwischen entscheidenden Spielern des Kaders und dem Trainer ist gestört.  Die Mannschaft ist in einem konditionell schlechten Zustand. All das wären Erklärungen, die ich akzeptiere. Ich akzeptiere nicht, wir wissen auch nicht mehr, was wir machen sollen, also entlassen wir wenigstens den Trainer.

Man sehe sich doch bitte einmal diesen Kader vom 1. FC Kaiserslautern an. Vier Spieler dieses Kaders kennen wir aus ihrer Zeit beim MSV Duisburg. Dort haben sie sich in ähnlicher Situation befunden. Nur guckten sie damals von unten nach oben. In Duisburg ging es für sie um den verzweifelten Versuch, den Aufstieg hinzubekommen. Dorge Kouemaha, Christian Tiffert, Sandro Wagner und Olcay Sahan kennen Vorgaben, die nur schwer zu erfüllen sind. Das ist kein Zufall. Es gibt Einsichten, die sind schmerzhaft. Aber es lebt sich am besten mit ihnen, wenn man sie akzeptiert und sein Handeln darauf abstellt. Die Wahrscheinlichkeit für das mittlere Drittel der Vereine von erster und zweiter Liga zwischen den Ligen hin und her zu pendeln ist groß. Leider gibt es kein Kontinuum für die notwendige Finanzstruktur. Das macht den Verbleib in der ersten Liga so schwierig. Neulich habe ich „Why England loose“ angefangenen zu lesen. Der englische Fußballbuchautor Simon Kuper hat es zusammen mit dem Wirtschaftswissenschaftler Stefan Szymanski geschrieben. Sie haben einen einzigen statistisch messbaren Einflussfaktor für sportlichen Erfolg gefunden, und der war die Höhe des Spieleretats einer Mannschaft.

In einer idealen Welt könnte ein Fußballverein sein Publikum damit dauerhaft vertraut machen, was momentane realistische Möglichkeiten des sportlichen Erfolgs der eigenen Mannschaft sind. Für Kaiserslautern gehörte der Abstieg dazu. Und warum kann ein Trainer, der vor vier Monaten noch für gut genug befunden wurde, diese Mannschaft zu trainieren, nicht auch mit dieser Mannschaft in die 2. Liga gehen? Weil das Fußballstadion einer der wenigen Orte in unserer durchrationalisierten Welt ist, in der Emotionen öffentlich ausgelebt werden können? Ich weiß es nicht. Mir ging jedenfalls angesichts von Marco Kurz Entlassung durch den Kopf,  nur gut, dass der Druck zur Trainerentlassung in Duisburg nicht so groß war. Aus welchen Gründen auch immer. Ich hoffe natürlich, der ein oder andere rationale neben dem mangelnden Geld war auch dabei.

Auf wiedersehen und herzlich willkommen

Lange habe ich von den Lobby-Arbeitern der Wirtschaftsverbände keine Klagen mehr über die mangelnde Flexibilität deutscher Arbeitnehmer gehört. Vor zehn Jahren ungefähr war das noch anders. Der unflexible deutsche Arbeitnehmer scheint allmählich in Rente zu gehen. Der Nachwuchs aber ist flexibel bis zum Wanderarbeiterdasein, weil er in diesen letzten Jahren als Fußballfan von Kind auf lernen musste, von jetzt auf gleich mit den veränderten Kaderzusammensetzungen seines Vereins zurecht zu kommen.

Gestern noch ein Lebenszeichen von Sandro Wagner aus der Reha-Maßnahme, morgen schon für den Boulevard zum Fototermin neben dem Roland von Bremen bereit. So geht das heutzutage, und man kann froh sein, dass Bruno Hübner eine Ablösesumme ausgehandelt hat. In Duisburg hoffen wir natürlich, dass die Vertragspartner über die Höhe dieser Summe deshalb schweigen, weil Klaus Allofs in Bremen kein Gerede aufkommen lassen will, viel Geld für einen verletzten Spieler auszugeben, der am Ende der Saison kostenlos gekommen wäre. So viel Geld! Ach, das wäre schön.

Doch nicht nur Geld wird da getauscht sondern auch Fußballer. Im Gegensatz zu Sandro Wagner sind die von Werder Bremen kommenden Kevin Schindler und Dusco Tosic nämlich sofort einsatzbereit. Für Schindler ist der MSV Duisburg  nach Hansa Rostock und dem FC Augsburg ja nun die dritte Ausleihstation. Vielleicht passt es ja in Duisburg für ihn am besten. Im Angriff brauchen wir jedenfalls neben Srdjar Baljak sofort jemanden, der eine Ahnung davon hat, wie es sich anfühlt, torgefährlich zu sein. Und wie ich lese, wollte Sasic Schindler schon in Kaiserslautern gerne in seiner Mannschaft haben.

Und Tosic? Ich weiß es nicht. Allerdings beginnt jetzt auch jene Zeit der Saison für mich, in der ich neben der eigentlichen Leistung der Mannschaft des MSV Duisburg auch auf die Mithilfe anderer Mannschaften zu setzen beginne und sich mein Blick für die Zeichen des Schicksals zu schärfen beginnt. In Köln wird gerade ein Ausleihgeschäft regelrecht gefeiert. Zoran Tosic kommt von Manchester United für den Rest der Saison. Vielleicht wohnt dem Namen Tosic ja so was wie eine Energie des Erfolgs inne. Ich hoffe das natürlich sehr, selbst wenn wir noch nicht recht wissen, wo Zorans Namensvetter Dusco im Mannschaftsgefüge des MSV Duisburg seinen Platz findet.

Fußballspieler wollen gerne spielen, aber die von Fußballwanderarbeitern geforderte Flexibilität ist dennoch nicht naturgegeben. Da kannte sich der deutsche Arbeitnehmer alter Zeiten zur Genüge mit aus. Es lässt sich einfach leichter arbeiten, wenn nicht nur die Bedingungen der Arbeit selbst stimmen, sondern auch nach der Arbeit weiter gute Laune herrscht. Ein paar nette Leute in der Nachbarschaft, die Familie in vertrauter Umgebung, so was hebt die Stimmung. Es sei denn, da bastelt einer noch an der großen Karriere. Dann lässt es sich auch einige Zeit im möblierten Appartement und mit leerem Kühlschrank aushalten. So viel gibt es, was wir nicht wissen bei so einem Ausleihgeschäft, wenn die WM in Südafrika nicht als symbolträchtiger Leistungsanreiz zur Schlagzeile gemacht werden kann.

Kreuzbandverletzung bei Sandro Wagner

Was für eine weitere unangenehme Nachricht auf der MSV-Seite an diesem Tag.  Sören Larsen muss also weiterhin im Meisterschaftsbetrieb zu seiner Spielstärke finden. Da bekommt er dann ja viele Gelegenheiten, den dänischen Nationaltrainer zu überzeugen – und natürlich uns hoffentlich einmal zu beeindrucken.

Saison 2009/2010 – Fortuna Düsseldorf (H)

Um hier ein wenig Freude über den Sieg gestern Abend zu verbreiten, muss ich erst einmal meine Gedanken ein wenig ordnen. Was schwirrt mir nicht alles noch im Kopf herum? Kouemaha, Hübners Arbeit, Sören Larsen, die Konkurrenz im offensiven Mittelfeld und ein paar Sätze über Fragen der Moral und des Anstands lassen sich auch nicht mehr vermeiden. Die letzten zwei Tage haben mir jedenfalls für die ganze Woche was zum Schreiben gegeben. Denn das will ich doch mal alles schön auseinander halten. Nur dann führen Sätze zu Lesevergnügen und vielleicht sogar zu Erkenntnissen. So kann es heute um nichts anderes gehen als um das Spiel gegen Fortuna Düsseldorf gestern Abend.

In diesem Spiel war es in den ersten 30 Minuten überhaupt nicht abzusehen, wie sicher dieser Sieg in der zweiten Halbzeit schließlich erspielt werden sollte. Mir hat dieses Spiel jedenfalls gezeigt, warum es in der Zweiten Liga so schwer ist, auch mit einer gut besetzten Mannschaft sicher um den Aufstieg mitzuspielen. Der Unterschied zwischen den spielerischen Möglichkeiten der Zweitliga-Mannschaften ist eben nur gering. Was Fortuna Düsseldorf in den ersten 30 Minuten gezeigt hat, war ein konzentriertes Mannschaftsspiel mit sehr gutem frühem Pressing und sehr schnellem Umschalten auf den Angriff nach Ballgewinn. Der letzte Pass vor das Tor war allerdings oft nicht präzise genug und bei den zwei oder drei Chancen der Fortuna fehlte ihnen das Glück. Mich erinnerte das etwas an den MSV der letzten Saison. Der Unterschied, der letztlich zur Platzierung in der Tabelle führt, ist die Dauerhaftigkeit dieses Spielvermögens. Bei den Mannschaften die es dann doch nicht nach oben schaffen, ist dieses Spielvermögen sehr abhängig vom Spielverlauf und der Belohnung des läuferischen Aufwands durch ein Tor in der ersten halben Stunde. Fällt dieses Tor nicht, wird es für solche Mannschaften eng. Fällt gar ein Gegentor, ist die Niederlage nah und das Unentschieden fast immer nur noch eine Frage des Glücks.

Von dieser Abhängigkeit der eigenen Spielanlage vom Spielverlauf scheint sich der MSV inzwischen unabhängiger gemacht zu haben. Das hat man allerdings gestern weniger sehen können als in den anderen bisherigen Spielen. Gestern sorgte ich mich in den ersten 30 Minuten mehr vor dem Rückstand als dass ich Ansätze zu konstruktivem Spiel sehen konnte. Nervosität in Abwehr und Mittelfeld griff fast von Anfang an um sich, als der MSV feststellen musste, dass die Fortuna nicht gewillt war, die Rolle des ängstlichen Aufsteigers beim Auswärtsspiel anzunehmen.  Die Fortuna attackierte den MSV schon in dessen eigener Hälfte sehr früh beim Spielaufbau. Deshalb geriet Adam Bodzek innerhalb kürzester Zeit zweimal so unter Druck, dass er den Ball im Querpass zum Gegner spielte. Es folgten gefährlich Angriffe der Fortuna, denen zu unserer Erleichterung die  Sicherheit beim Abschluss fehlte.

Um mich herum wurde bei solchen Fortuna-Angriffen immer wieder auf Frank Fahrenhorst geschimpft. Dieses Urteil kann ich nicht teilen. Ich habe ihn keineswegs als den Schwachpunkt der Verteidigung gesehen. Da habe ich Olivier Veigneau für deutlich schwächer gehalten. Gestern wurde aber überaus deutlich, dass diese Verteidigung noch kein routiniertes Ineinandergreifen bei der Besetzung der Positionen hat. Es entstehen oft Freiräume für die gegnerischen Stürmer, weil die Innen- und Außenverteidiger noch nicht in idealer Weise aus ihrem Verbund der Raumdeckung ausscheren, um die notwendige Verteidigung im Mann gegen Mann aufzunehmen. Dieses Ausscheren des einen und Nachrücken des anderen funktioniert noch nicht. Einer sieht dann in der konkreten Spielsituation immer dumm aus. Das mag Frank Fahrenhorst manchmal sein, gestern vielleicht auffälliger für manchen Zuschauer, weil er zudem etwas langsamer als sein Düsseldorfer Gegenspieler war. Doch der Fehler geschieht früher. Nämlich während der aufeinander abgestimmten Bewegung der Verteidiger, und wer da nun genau wieviel Schuld hat, ist nicht entscheidbar duch die zeitgleiche Bewertung der aktuellen Spielsituation. Dazu bedarf es tatsächlich der nachträglichen Analyse per Video. Da gibt es also noch viel Arbeit für Peter Neururer.

Auch wenn die etwas gefährlicher wirkenden Chancen zunächst von der Fortuna erspielt wurden, der MSV kam schon auch vor das gegnerische Tor. Das Spiel des Vereins aller Vereine entfaltete sich nur zu wenig. Es gab in der ersten Halbzeit kaum einmal ein funktionierendes Kurzpassspiel. Deshalb war es beruhigend zu sehen, als wie durchsetzungsfähig sich Caiuby erwies. Technisch auf sehr hohem Niveau behauptete er immer wieder den Ball gegen zwei, drei Gegenspieler und bei seinem Drehschuss knapp am Tor vorbei bewies er eine Körperbeherrschung, die in Duisburg nicht oft zu sehen war. Natürlich ist er bei hohen Flanken in den Strafraum nicht so präsent wie Kouemaha, obgleich er im Mittelfeld hohe Anspiele sehr gut behauptet. Dennoch glaube ich, dass ein Angriffsspiel, das Caiubys Fähigkeiten berücksichtigt ebenso viele Tore zur Folge haben wird jenes, das auf Kouemaha zugeschnitten war. Denn wieviele Tore hat der MSV nach hohen Flanken in den Strafraum erzielt?  Nicht allzu viele, meine ich.

Zum Führungstor des MSV schreibt der „Kicker“ ein „Sonntagsschuss“ habe Duisburg in „Front“  gebracht. Was weder Mihai Tararaches Fähigkeiten noch die Spielsituation richtig beschreibt. Das erste Tor des MSV Duisburg war keineswegs ein „Sonntagsschuss“, weil es erstens eine Vorarbeit gab: Der Ball wurde von Wagner (?) Caiuby nach links abgelegt,  nachdem er Verteidiger ausgespielt hatte. Und zweitens kann Mihai Tararache aus dieser Entfernung und Position sehr platziert schießen. Wenn es in der Mannschaft des MSV Duisburg jemanden mit einem harten Schuss gibt, ist er es. Also, keineswegs ein „Sonntagsschuss“ sondern ein mögliches Ergebnis, wenn Spieler des MSV Duisburg ihre Fähigkeiten und Fehler der gegnerischen Abwehr ausnutzen. Denn die freie Schussbahn wurde Tararache dankenswerter Weise gelassen. Dass eine Führung zu diesem Zeitpunkt keineswegs zwingend erspielt wurde, ist eine andere Frage. Die Führung und nicht der Schuss war zu dem Zeitpunkt also ein wenig glücklich.

In der Zweiten Halbzeit begann der MSV energisch das Spiel und es war eigentlich abzusehen, dass sie das zweite Tor erzielen wollten. Die große Chance zum Ausgleich hatte die Fortuna dennoch. Erst ging der Ball nur an den Pfosten, bei dem eher mäßigen Nachschuss stand zufällig noch Tom Starke anderselben Stelle wie vorher und konnte den Ball aufnehmen. Fast sofort danach war das Spiel gewonnen, weil Christian Tiffert nach einem schnell und präzise vorgetragenen Spielzug über drei (?), auf jeden Fall wenige Stationen mit einem Flugkopfball zum zweiten Tor des MSV verwandelte. Dabei weckt das Wort Flugkopfball eigentlich eine falsche Vorstellung von Dynamik und Härte. Tiffert flog zwar durch die Luft, traf aber den Ball ohne viel Kraft und beförderte ihn ins lange Eck, so dass ich wider besseren Wissens für einen Moment fürchtete irgenwoher könne noch ein Abwehrspieler auftauchen und den Ball von der Linie kratzen. Dem war nicht so. Die Fortuna gab auf und der MSV konnte zu zaubern beginnen. Nun ja, nicht ganz zaubern, aber sehr schöne technische Kabinettstückchen von Sandro Wagner und Caiuby. Oder Chinedu Ede setzte sich mit Stochern, beherztem Antritt und erneutem Stochern gegen die drei Gegenspieler direkt um ihn herum durch.

Vor dem dritten Tor nutzte Wagner einen Fehler im Spielaufbau der Fortuna, nahm den Ball und lief den herbeilenden Verteidigern davon, um souverän zu vollenden. Es ist schon lange her, dass ich in der 70. Minute an einem Sieg des MSV nicht mehr zweifelte. Und auch die sportliche Führung zweifelt nicht mehr – und zwar über die Ziele. Das waren deutliche Worte vor dem Spiel von Bruno Hübner. Wir wollen aufsteigen. Vor der Saison hieß das noch anders. Das hieß „oben mitspielen“. Wie der MSV in den ersten vier Spielen aufgetreten ist, zeigt mir, dieses Mal sind das keine leeren Versprechungen. Bruno Hübner und Peter Neururer meinen es ernst und sie leisten ihren Teil dazu, dass das Vorhaben Wiederaufstieg in dieser Saison gelingen könnte.

Und noch eins, ich habe den Eindruck, das Publikum merkt die Ernsthaftigkeit dieses Bemühens. So viel Vorschussbeifall hat es auch schon sehr lange nicht mehr im Stadion gegeben. Da gab es eine Erwartung auf ein Fußballfest. Und auch das ist neu. In den letzten Jahren wurde solch eine Stimmung immer wieder enttäuscht. Es gab diese Spiele nach überraschenden Auswärtserfolgen und dem allmählichen Herantasten an gute Tabellenpositionen, Spiele, in denen das Stadion wieder voll wurde und jedes Mal wurde im Heimspiel dann eine mäßige bis schlechte Leistung gezeigt. Nach einem Spiel wie gestern werden Zuschauer wieder kommen, die nicht ohnehin jedes Heimspiel kommen. Die Zeichen mehren sich, dass wir diesem MSV allmählich wieder vertrauen können.

Auswärts beim FC St. Pauli oder Die Spielbewertung herauslesen

So groß ist meine Familie nun auch nicht, und nun kam es schon zum zweiten Mal in diesem Jahr zum Zusammentreffen von bedeutender Familienfeier und Spiel des MSV Duisburg. Alles nur Schuld dieser so kurzfristig terminierten Spieltage, da ich beim Datum der Familienfeier sogar ein wenig Mitspracherecht hatte. Und da das Samstagspiel in dieser Saison zudem so früh stattfindet, gab es nicht einmal die Möglichkeit, eine Radioreportage zu verfolgen. Zu Beginn einer Feier geht das einfach nicht.

Deshalb Meinung bilden wie in alten Zeiten beim Lesen von journalistisch inspirierten Spielberichten bei RevierSport, Kicker, Rheinische Post, Der Westen; von Blogs: Tina oder von Augenzeugenberichten im  MSVPortal. Aus dieser Melange von Fakten und unterschiedlichen Meinungen schließlich Schlüsse ziehen. Das ist in diesem Fall gar nicht so schwierig, weil die Bewertung des Spiels nur in wenigen Fällen auseinander geht. Ein paar Mal lese ich etwas von Enttäuschung, weil aus dem Überzahlspiel bei einer empfundenen Überlegenheit des MSV in der zweiten Halbzeit mehr hätte herausspringen müssen. Lese ich aber gleichzeitig auch von den Chancen St. Paulis in der ersten Halbzeit und der Riesenmöglichkeit zum 3:1, denke ich eher, Leute, seid zufrieden. Das Ergebnis ist genau das vorher Erhoffte. Für mich ist es sogar noch mehr: Es ist erneut ein Beleg dafür, dass die Mannschaft an sich glaubt. Genau das zählt auf die lange Frist der gesamten Saison. Genau das stimmt mich für die nächsten Spieltage zuversichtlich.

Natürlich wirkt die wacklige Defensive weiter bedrohlich, wobei hier unterschiedlich Gewichtungen der Hauptgefahrenquelle gesehen werden. Peter Neururer rückt das defensive Mittelfeld in den Blick, Bodzek und Tararache hätten ihre Arbeit dieses Mal nur unzulänglich erfüllt. Bei seiner Meinung muss man aber auch im Blick halten, er spricht auch als Manipulator der öffentlichen Meinung zum Schutz seiner Spieler. Da möchte er vielleicht Druck von den Abwehrspielern auf jene umverteilen, die ihn dank guter Leistungen in den letzten Spielen besser vertragen können. Liest man die Journalisten, hatte Olivier Veigneau keinen guten Tag. Was ein paar Zuschauerstimmen bestätigen. Frank Fahrenhorst dagegen muss nicht so schlecht gewesen sein wie im Spiel gegen Cottbus, auch wenn erneut manche heftige Kritik von Zuschauern auf ihn niedergeht. Dennoch gibt es zum ersten Mal auch andere Stimmen, die ihm eine eher solide Leistung bescheinigen. Das  scheint mir ein Hinweis darauf, dass es mit seiner Spielqualität in die richtige Richtung geht.

Im Spiel nach vorne wirkt der MSV anscheinend weiter gefestigt und das bei eher mäßigen Leistungen der Einzelspieler. Auch das ist etwas, was mich positiv stimmt. Das Spiel des MSV Duisburg wird durch diese Geschlossenheit weniger anfällig. Selbst ein nicht ganz so guter Sandro Wagner macht dann noch sein Tor. Darauf kommt es an. Und wann hat es zuletzt so viel Spaß gemacht, dem MSV bei seinem Spiel zuzusehen? Denn das ist die übereinstimmende Meinung überall, es war erneut ein Spiel, bei dem beide Mannschaften guten Fußball gezeigt haben.

Wieviel Ballkontakte hatte Starke? – FC Energie Cottbus (H)

Nach dem Spiel gegen den FC Energie Cottbus schillern meine Gefühle zwischen Begeisterung, Zuversicht und einem leisen und deshalb auch immer wieder verschwindenden Hadern. Was für eine Überlegenheit des MSV und dann steht da ein Unentschieden als Ergebnis. Nur oder gerechter Weise? War es erst um die 32. Minute, als Tom Starke das erste Mal den Ball aufnehmen musste? Und hatte er in der ersten Halbzeit fünf oder sechs Ballberührungen? Das hat sehr gut ausgesehen, was der MSV Duisburg gestern Abend gezeigt hat. Was mich daran besonders zuversichtlich stimmt, ist die Entwicklung, die diese Mannschaft genommen hat. Die Startelf kennen wir bis auf zwei Spieler aus der letzten Saison, und es ist tatsächlich so, dass die Sicherheit des Mannschaftsspiel nach vorne die einzelnen Spieler besser macht und natürlich wirkt das Ganze auch umgekehrt. Die besseren einzelnen Spieler machen den Aufbau des Spiels sicherer.

Die Überlegenheit des MSV ergab sich nun nicht, weil der Gegner so schwach war. Cottbus wollte vorsichtig aus sicherer Abwehr heraus beginnen, doch der MSV Duisburg hat die gegnerische Mannschaft von Anfang in die eigene Hälfte gedrängt. Die Überlegenheit wurde gegen gut stehende Gegenspieler erspielt. Kein Gedanke daran, dass Cottbus nur den ersten, meist eine Viertelstunde dauernden Ansturm einer Heimmannschaft überstehen musste. Die Überlegenheit hielt an. Selbst das Gegentor brachte das Spiel des MSV nicht zum Erliegen.

Die Angriffsbemühungen der Cottbusser wurden normalerweise so im Keim erstickt, dass dieser Angriff, der zum Gegentor führte, wie aus dem Nichts kam und so nicht einmal Gelegenheit bot, sich aufzuregen. Dabei war es gekommen, wie wir es die ganze Zeit befürchtet hatten. Auf solch einen Angriff hatten die Cottbusser offensichtlich gewartet. Wahrscheinlich hätten sie gegen ein paar Chancen mehr nichts gehabt. Sie hätten sich aber auch nicht beschweren können, wenn der MSV in Führung gelegen hätte. Die größte Chance war ein Kopfball von Frank Fahrenhorst, der auf der Linie geklärt wurde. Als Abwehrspieler allerdings strahlt Frank Fahrenhorst noch nicht die Sicherheit aus, die Markus Brzenska in der letzten Saison von Anfang an auszeichnete. Natürlich hat die Abwehr in so einem Spiel nicht viel Gelegenheit, sich im eigenen Strafraum auszuzeichnen. Und an solchen Spielsituationen wie vor den zwei Gegentoren gibt es ist nicht sehr viel zu kritisieren. Es sind weniger die Kleinigkeiten im Stellungsspiel als die der Präsenz des Abwehrsspielers, die mich unruhig machen, wenn ich an Gegner denke, die vielleicht einmal häufiger als Cottbus in die Nähe des MSV-Tores kommen. Die Arbeit des Abwehrsspielers muss längst geschehen sein, ehe ein Stürmer im Strafraum an den Ball gelangt. Bei so einem Spiel wie gestern kann es nach einem Konter zu dem Ballkontakt des Stürmers im Strafraum kommen. Verhindern wird der Abwehrspieler den Torschuss dann nicht mehr völlig, aber er kann ihn erschweren und da scheint es mir für Frank Fahrenhorst noch Verbesserungsbedarf zu geben. Weder strahlt er einschüchternde Präsenz noch Ruhe aus.

In der zweiten Hälfte bot sich das selbe Bild wie in den ersten 45 Minuten. Der MSV blieb weiterhin deutlich überlegen, und dennoch musste wieder ein Gegentor aus dem Nichts weggesteckt werden. Erst da, meine ich, war zu erkennen, der Glaube der Mannschaft an sich selbst, begann zu wanken – trotz des weiter erkennbaren Willens den Ausgleich zu erzielen. Denn von dem Moment an gab es einige wenige Versuche den Ball Richtung Tor zu bringen, die zwar noch nicht verzweifelt, aber auch nicht mehr völlig überlegt waren.

Der Ausgleich dann brachte mir zumindest so etwas wie ein Gefühl von Gerechtigkeit zurück. Gerade wie die Tore vom MSV zustandekamen, zeigt die Qualität des Spiels noch einmal in konzentrierter Form. Beide Tore fielen dank einer ausgewogenen Mischung von Einzelleistung und Mannschaftsspiel. Dieses zweite Tor wurde hervorragend vorbereitet durch Sandro Wagner, der sich gegen zwei eng deckende Cottbuser durchsetzte. Als er nach rechts auf Adam Bodzek ablegte, sah man von unserem Platz aus, im Rücken Bodzeks, wie perfekt sich Bodzek zum Ball hin bewegte. Er musste einfach treffen. Das erste Tor wiederum ergab sich aus einem perfekten Abwurf Tom Starkes fast bis an die Mittellinie in den Lauf von Dorge Kouemaha hinein. Kouemaha überdribbelte die herankommenden Cottbusser Verteidiger dank Schnelligkeit und technischen Geschicks, um im richtigen Moment auf den mitgelaufenen und frei stehenden Sandro Wagner zu passen. Der wiederum brachte den Ball sicher ins Tor.

Noch einmal: Auch wenn in manchen Spielberichten heute Sandro Wagner im Mittelpunkt steht, es waren nicht einzelne Spieler sondern die Mannschaft, die sich in der Vorwärtsbewegung sicher war. Immer wieder gab es auf engstem Raum Ballkontrolle dank technischer Sicherheit der einzelnen Spieler und schnellem Kurzpassspiel. Christian Tiffert zeichnete sich da aus. Die Pässe und die Einsatzbereitschaft von Mihai Tararache waren wieder auf einem Niveau, das wir in Duisburg schon nicht mehr geglaubt hatten noch einmal zu sehen. Die Entwicklung von Sandro Wagner ist hervorragend. Endlich behauptet er den Ball nicht nur aufgrund seiner Schnelligkeit. Endlich blitzt seine Technik nicht nur in einigen wenigen Spielsituationen auf, sondern sie ist das ganze Spiel über erkennbar. Sein Kopfballspiel wird zudem immer besser. Chavdar Yankovs spielerische Qualiäten blieben gestern allerdings meist ein Versprechen. Adam Bodzek knüpft an die starken Spiele zum Schluss der letzten Saison nahtlos an.  Zur Verteidigung wird nach anderen Spielen mehr zu schreiben sein. Nachdem Caiuby eingewechselt wurde, war seinem Spiel die noch nicht genügende Bindung ans Mannschaftspiel anzumerken. Als Einzelspieler ist technisch großartig. Seine Pässe finden aber nicht immer die Mitspieler, mehr noch, vor allem seine Querpässe bringen die eigene Mannschaft in Gefahr, einen Konter hinnehmen zu müssen.

Nicht oft habe ich ein derart gutes Zweitliga-Spiel vom MSV gesehen. Natürlich kitzelt da ganz kurz ein Gedanke an die letzte Saison, in der auch das erste Heimspiel gegen Rostock mit eines der besten Spiele der Saison überhaupt gewesen ist. Meine heutige Hoffnung auf stabile spielerische Verhältnisse beim MSV Duisburg beruht aber darauf, dass dieses Spielvermögen das Ergebnis einer Entwicklung ist und damit alles andere als ein Augenblicksereignis. Da sollten noch einige gute Spiele mehr drin sein. Ich bin dabei.

Die Hoffnung auf den guten Saisonstart

Als Anfang der 70er Jahre der MSV Duisburg mein Verein wurde, war meine an Fußball interessierte Großtante um die 80 Jahre alt. Sie las nur noch in der Zeitung über den MSV und hörte keinesfalls am Samstagnachmittag Radio. Das war ihr viel zu aufregend. Ich bedauerte sie damals sehr dafür, die in meinem Leben absolut notwendigen Liveübertragungen am Radio zu verpassen. Letzte Saison hatte ich es schon einige Male feststellen müssen. Anscheinend komme ich jetzt allmählich in das Alter, in dem ich anfangen kann, mich selbst zu bedauern.

Ich halte diese Liveberichterstattung in engen Momenten nicht mehr aus. Ich muss weghören, wenn der MSV Duisburg fünf Minuten vor Schluss in Gefahr gerät, den sicher geglaubten Sieg noch aus der Hand zu geben. Was für ein Auftakt, wenn Marco Röhling schon nach vier Minuten das erste Tor vermelden kann. Und wenn kurz vor der Halbzeitpause die 2:0-Führung fällt, beginne ich mich zu entspannen. Sandro Wagner scheint ein wirklich starkes Spiel gemacht zu haben. Wunderbar, dass ihn der Finalsieg bei U-21-Europameisterschaft weiter trägt. So haben wir es gehofft. Schrecklich aber, wenn fünf Minuten vor Abpfiff der Anschlusstreffer fällt und der Kommentar Marco Röhlings immer aufgeregter wird. Dann sehe ich das Gedränge im Strafraum vor mir und das Unberechenbare solcher Spielsituationen macht alles möglich. Das ist dann ein Wanken mit mühsam aufrecht erhaltener Ordnung. Da gehe ich dann lieber erstmal kurz raus und kehre mit banger Erwartung wieder, um am Ton von Marco Röhlings Stimme sofort erleichtert festzustellen, der Ausgleich ist noch nicht gefallen.

Nach den wenigen Tagen Urlaub habe ich gestern ein paar Artikel über den MSV und die Lage in der 2. Liga aus den letzten zwei Wochen noch überflogen. Da scheint mir der MSV aus keiner schlechten Position in die Saison zu starten. Zum Favoritenkreis für den Aufstieg wird der Verein nicht gezählt. Die Sprachregelung in den überregionalen Medien heißt „oben mitspielen“. In Duisburg selbst lese ich mit Freude, dank Peter Neururers Ehrgeiz steht der Aufstieg weiterhin im Fokus. Keine Frage, Aufstieg ist möglich. Da war ich in der Sommerpause alleine schon deshalb optimistischer als sonst, weil die Mannschaft zum großen Teil zusammen blieb. Da in der Zweiten Liga über die Hälfte der antretenden Mannschaften aus den strukturellen Gründen jeweils große Umbrüche zu verkraften hat, gibt es beim MSV deshalb schon mal ein großes Plus auf der Habenseite. Gerade bei der prognostizierten ausgeglichenen Spielstärke in der Zweiten Liga beruht zudem der Erfolg mehr als in Liga 1 auf psychischer Stabilität der Mannschaft. Banal: Siege begründen diese Stabilität mehr als alles andere. Deshalb kann ein gelunger Saisonauftakt eine Dynamik entwickeln, die eine Mannschaft auf den Aufstiegsplätzen hält. Bislang geht das in eine gute Richtung. Und wenn die Abstimmung meiner Gedanken allmählich gelingt, wird sicher auch die Abwehr des MSV nach und nach besser ins Spiel finden. Am Freitag sehen wir weiter – wenn ich mir endlich selbst ein Bild machen kann.

Who the fuck is Wagner? – Erklärungsnotstände!

Wagner is …

… „German´s Emile Heskey“ (guardian.co.uk, Monday 29 June 2009)

… „a one-man Valkyrie“ (telegraph.co.uk,  Monday 29 Jun 2009)

… „music to German Under 21’s ears“ (haveeruonline, 30.6.2009)

Der erste von einigen so getitelten Artikeln. In diesem Fall gefunden in der ältesten Zeitung der Malediven. Wahrscheinlich eine Übernahme der Agenturmeldung von AFP.


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