Posts Tagged 'Sascha Dum'

Saisonvorbereitung – Worte über und Tore der Neuzugänge: Thomas Bröker

Immer wieder mal machen Anliegerstädte des Rheins in NRW erste Schritte, um gemeinsam stark zu werden. Die „Rheinschiene“ wird dann beschworen. Die Zusammensetzung dieser „Rheinschiene“ variiert dabei. Mal sind es Köln und Bonn, die irgendetwas gemeinsam entwickeln wollen, mal Duisburg und Düsseldorf, mal gesellt sich Düsseldorf aber auch zu Köln und Bonn. Das Bemühen um diese gemeinsame Stärke ist gar nicht so einfach, weil in den Städten der Konkurrenzgedanke weiterhin recht lebendig bleibt.

Betrachtet man den Werdegang von Thomas Bröker, wüsste ich schon eine Perspektive nach seiner aktiven Zeit. Durch seine Erfahrungen als Fußballer in Köln, Düsseldorf und nunmehr Duisburg bietet er sich als Berater für solche „Rheinschienen“-Projekte geradezu an. Schließlich mögen sich die Fans dieser Vereine nicht besonders. So musste Thomas Bröker durch Leistung und Persönlichkeit überzeugen, womöglich Vorurteile überwinden, grundsätzliche Abneigungen vergessen machen und diplomatisch sein. Beste Beraterqualitäten.

Nimmt man die hochgeladenen Clips bei youtube zum Maßstab, hat Thomas Bröker in Düsseldorf die stärkste Zeit seiner Karriere erlebt. Auch wenn ich vor ein paar Tagen schon an ein Tor von ihm als Spieler des FC gegen den MSV habe erinnert. Es mag allerdings auch damit zusammen hängen, dass er in Düsseldorf zur Zeit des Aufschwungs der Fortuna Richtung Bundesliga spielte und deshalb seine Tore besonders gewürdigt wurden. Andere als Düsseldorfer Tore habe ich jedenfalls nicht gefunden. Verschossene Elfmeter aus der Kölner Zeit wollte ich jedenfalls zu Beginn seiner Saison in Duisburg nicht hier zeigen. Wir haben in Duisburg ja auch recht sichere Elfmeterschützen.

Bei Fortuna Düsseldorf hat er sich anscheinend so große Sympathie erspielt, dass ihm eigene kleine „Specials“ gewidmet wurden. Leider bestehen die vor allem aus dem Aufwärmen und nur aus wenigen Spielszenen. Deshalb habe ich das zweite „Special“ gar nicht erst hierhin geholt. Beim Aufwärmen zeigt sich spielerische Qualität nun doch eher selten.

Allerdings gibt es das ein oder andere Tor von Thomas Bröker im Netz zu finden. Im Juli 2011 verliert er im Spiel von Fortuna Düsseldorf beim VfL Bochum zunächst beim Dribbling den Ball nahe der Torauslinie. Nachdem die Kollegen den Ball sofort zurück erobert haben, erhält er eine zweite Chance. Sascha Dum ist damals im Getümmel auch dabei.

Aus der Zuschauerperspektive hinter dem Tor sieht sein Torschuss gar nicht mal gefährlich aus.

Fortuna Düsseldorf – KSC, September 2011, Thomas Bröker erzielt die Tore zum 3:1 und 4:1 – ab Minute 0.30

Fortuna Düsseldorf – FC Energie Cottbus, 15. November 2011

Dynamo Dresden – Fortuna Düsseldorf, April 2012, Endergebnis 2:1, Thomas Bröker erzielt den zwischenzeitlichen Ausgleich.

Als Höhepunkt dieser Torreihe erweist sich das Relegationsspiel zur Bundesliga Hertha BSC – Fortuna Düsseldorf, das 1:2 endete und in dem Thomas Bröker ein beeindruckendes Tor erzielte. Er zog in den Strafraum, setzte sich wuchtig gegen mehrere Spieler durch und erzielte den Ausgleich, mit dem das Spiel zugunsten von Fortuna kippte.

Saisonabschluss Teil 3 – Die 10 Momente der Drittligazeit, an die mich sofort erinnere

Jede Erinnerung wirkt wie ein neues Erleben. Deshalb sind Erinnerungen mit großer Vorsicht zu genießen. Manches wird dann beim Erinnern hinzugefügt, anderes weggelassen. Erinnerungen sind von Stimmungen abhängig, von dem Geschehen der Gegenwart. So kommt es zu unterschiedlichen Erinnerungen der Menschen an das, was sie erlebt haben. Welche zehn Momente fallen euch als erstes ein, wenn ihr an die letzten zwei Spielzeiten denkt? Natürlich fallen einem eher wichtige, schöne oder begeisternde Momente ein. Doch nicht bei jedem wird das so sein. Sicher ist nur, die zehn Momente sind persönliche Momente, weil die eigene Erinnerung sie – aus welchen Gründen auch immer – hervorgeholt hat.
2015_05_aufstieg_feier

  1. Michael Gardawski köpft am vorletzten Spieltag zum Ausgleich im entscheidenden Spiel um Platz 2 gegen Holstein Kiel und gibt den Auftakt für sieben Minuten, in denen der Siegeswille von Holstein Kiel zerbröselt wird. (Update: Und schon werde ich darauf hingewiesen, dass natürlich Enis Hajri den Ausgleich erzielt hat und Gardawski die Führung. Ich musste natürlich selbst erstmal beweisen, dass es stimmt, was ich als Einleitung über die Erinnerung gesagt habe.)
  2. Michael Gardawski schießt im Spiel gegen Hansa Rostock, am 31. Spieltag dieser Saison, in der letzten Spielsituation gegen Hansa Rostock freistehend am Tor vorbei. Der Sieg vergeben, es bleibt das Unentschieden. Die Zweifel am Aufstieg sind wieder da.
  3. Im wilden Spiel gegen den 1. FC Heidenheim als erstem Heimspiel in der 3. Liga kennen sich die Spieler gerade erst seit ein paar Tagen. Sie haben ihren Einsatzwillen und das Grundvertrauen eines jeden Fußballers in die Entwicklungsmöglichkeiten eines Spiels. Eine Zusatzdosis Adrenalin ersetzt in großen Teilen taktisches Verhalten. Etwas mehr als 18.000 Zuschauer wollen dabei nicht hinten anstehen, geben wie die Spieler alles und machen auf den Rängen ein Höllenspektakel. Die 1:0-Niederlage verhindert das nicht.
  4. Im Spiel gegen Energie Cottbus, am 33. Spieltag, jagt Martin Dausch auf Torsten Mattuschka in der 8. Minute so zu, dass es aussieht, als befände sich Mattuschka in einem Film, der mit deutlich geringerem Tempo abgespielt wird. Martin Dausch nimmt ihm den Ball ab, zieht Richtung Strafraum, flankt und Kingsley Onuegbu köpft zum Führungstor ein.
  5. Der Heimsig gegen RB Leipzig durch ein Tor von Kingsley Onuegbu kurz vor dem Abpfiff und dem explosionsartigen Jubel im Stadion.
  6. Nicht eine bestimmte Spielsituation habe ich vor Augen, sondern zwei Defensivaktionen, die in dieser Saison öfter zu sehen waren. Zum einen schließt Thomas Meißner mit einem kurzen Schritt zur Seite freien Raum und scheint dann einfach nur dazustehen, um dem Offensivspieler unspektakulär und souverän den Ball abzunehmen. Zum anderen macht Branimir Bajic freien Raum zu, indem er aus dem Zentrum auf die halben Flügel sprintet und spektakulär grätscht.
  7. Die Grätschen von Sascha Dum in der ersten Drittligasaison, wenn er einen Meter hinter seinem Gegenspieler ansetzt, dann am Gegenspieler samt Ball vorbeirutscht und schon wieder steht, um mit dem Ball in die Gegenrichtung zu gehen.
  8. Das Halbfinale im Niederrheinpokal gegen Rot-Weiss Essen. „Championsleague kann jeder“. Wir, auf den Rängen retten uns die Saison.
  9. Michael Ratajczak hält im Spiel gegen Rot-Weiß Erfurt einen Elfmeter und sichert die 1:0-Führung.
  10. Beim Auswärtsspiel gegen Arminia Bielefeld dieser Saison erzielt Zlatko Janjic ein Freistoß-Tor zur 2:0-Führung aus etwa 30 Meter, weil die Zwei-Mann-Mauer sehr viel mehr auseinander als hoch springt. Verloren wird das Spiel dennoch.

2015_05_aufstieg_feier_2

Saisonabschluss Teil 2 – Das Heimspiel mit der langen Anreise

Leicht fällt 2015-05_einlaufes, von anderen etwas zu fordern, was einem selbst schwer von der Hand geht. Noch einmal etwas Gutes schaffen, wenn das eigentliche Ziel schon erreicht ist, ist ein Beispiel dafür. Die einen sollten Fußball spielen und gewinnen, was nur teilweise gelang. Nun will ich noch schreiben über diese Auswärtsniederlage, die wenig Gewicht hat, bei all der Freude über den Aufstieg. Es geht um Konzentration, um eine Aufgabe gut zu erledigen, deren Bedeutung sich bei genauem Hinsehen auflöst.

Die innere Einstellung lässt sich nicht leicht so hinbiegen, wie man sie haben will, so sehr wir uns alle anstrengen – die Fußballer des MSV Duisburg und ich. Das Auswärtsspiel beim SV Wehen Wiesbaden war ein Heimspiel mit langer Anreise. Von 9000 Zuschauern im Stadion kamen 8000, um den Aufsteiger MSV Duisburg zu feiern. Blau-weiß war nicht nur der Gästeblock hinter dem Tor, auch die Geraden, die eine zur Hälfte und die andere komplett, gehörten dem MSV Duisburg. Die Stimmung auf den Rängen war ausgelassen. Sie wurde befeuert durch Spieler in Aufstiegslaune, die mit mehr blau als blauweiß gefärbten Haaren zum Aufwärmen aufliefen. Nur die Bärte von Zlatko Janjic und Sascha Dum kamen farblich perfekt in weiß und blau zur Geltung. Ich wollte mich überraschen lassen, welche Auswirkungen das Feiern zu Beginn der Woche auf das Spiel haben würde.

2015-05_janjicNachteile im Fernduell mit Armina Bielefeld um die Meisterschaft waren nicht zu erwarten, feierten beide Mannschaften doch auf Mallorca sogar gemeinsam den fest stehenden Aufstieg. Doch als ich die Mannschaftsaufstellung sah, vermutete ich bestimmt nicht als einziger, mit dieser bis auf Branimir Bajic neu zusammengestellten Defensive würde ein Tor für einen Sieg nicht reichen. Außerdem erwartete ich ohne Martin Dausch wenig Dynamik beim Spiel nach vorne. Deshalb überraschte mich, wie druckvoll der MSV  die ersten zehn Minuten des Spiels anging. Die Mannschaft verkörpert inzwischen in jeder Besetzung den Geist des Aufstiegs. Wer so auftritt, weiß um die eigene Stärke. Nach vorne ging es schnell. Der Ball sollte rein in dieses Tor vom SV Wehen Wiesbaden. Die Wiesbadener Offensivversuche waren mit einer Ausnahme kurz nach Spielbeginn souverän unterbunden worden.

2015-05_bajicDu warst zu vorschnell, das sieht gut aus“,  so was Ähnliches ging mir durch den Kopf, als etwa in der zehnten Minute ein langer Wiesbadener Ball erneut abgefangen wurde. Halbherzig liefen die Wiesbadener die Duisburger Defensivspieler an, und gerade holte Christopher Schorch aus, um den Ball nach vorne zu schlagen. Stattdessen aber spielte er ihn punktgenau als etwas schwierig zu kontrollierenden Pass auf einen Wiesbadener Mittelfeldspieler. Besser hätten viele Stürmer als klassische Wandspieler den Konter auch nicht eingeleitet. Ich weiß nicht mehr, ob der Wiesbadener Spieler selbst am Flügel entlang marschierte oder einen Mitspieler schickte. Bilderbuchmäßig, sagt der Sportreporter gerne, wenn er von solch einem Konter spricht. Die Flanke kam, und weil Christopher Schorch den Wiesbadener Spieler im Sturmzentrum gut begleitete, übernahm er für ihn höflicherweise den Torschuss. Gelungenes Dreiecksspiel. Es stand 1:0, und ich merkte, ganz so egal war mir das Ergebnis doch nicht.

Ich kann dagegen nichts machen. Egal in welcher Sportart bei welchem Wettbewerb ich gerade unterwegs bin, egal ob ich selbst aktiv bin oder ob ich nur zuschaue, ich will, dass „meine“ Mannschaft gewinnt. Ich beginne mich zu ärgern, wenn Pässe nicht ankommen. Mich beschleicht Missmut, wenn ein Torschuss wieder daneben geht. Ich begann um meine Aufstiegsparty-Stimmung zu kämpfen. Dabei kam es mir zugute, dass neben mir zufällig ein alter Schulfreund saß. Vor dem Spiel gegen Kiel sind wir uns das erste Mal nach mehr als  30 Jahren über den Weg gelaufen, beim Auswärtsspiel gegen Wiesbaden schon wieder. Ein Zufall, der viel über die Zeit seit der Lizenzverweigerung erzählt. Denn im Netz tauschten wir uns schon seit dem Sommer 2013 wieder aus. So viele Anhänger des MSV Duisburg haben sich in den letzten zwei Jahren näher kennen gelernt, sind sich nach langer Zeit wieder begegnet und sind durch den Fußball beim MSV Duisburg in einem Kontakt, der über den Fußball hinaus wirkt.

2015-05_nach_1Mit der Führung der Wiesbadener verlor das Spiel des MSV Duisburg den kontinuierlichen Druck. Es gab noch zwei, drei Chancen zum Ausgleich. Die größte Chance in der ersten Halbzeit vergab Zlatko Janjic, der schön frei gespielt, halblinks alleine aufs Wiesbadener Tor zulief und sich anscheinend nicht recht entscheiden konnte, ob er schlenzen oder hart schießen sollte. Die Mischung macht´s, heißt es ja gern; in dem Fall machte sie es dem Torwart einfach, den Schuss zu halten.

2015-05_nach_2Die Chancen der Wiesbadener waren klarer, und nach meinem Gefühl waren es auch mehr. Gezählt habe ich sie nicht, und Gefühle können trügen. Sicher bin ich mir aber, dass sich zu Beginn der zweiten Halbzeit an meiner kaum vorhandenen Zuversicht auf den Ausgleichstreffer nichts änderte. Erst als als um die 55. Minute herum Kevin Scheidhauer, Martin Dausch und etwas später Michael Gardawski eingewechselt wurden, entwickelte die Mannschaft noch einmal Zug zum Wiesbadener Tor. Die klare Chance gab es nicht mehr. Kevin Scheidhauer verzog einen recht offenen Schuss  an der Strafraumgrenze. Das war es aber auch.

2015-05_nach_3Die Spieler hatten sich ohne Zweifel angestrengt. Während des Spiels war zu sehen, wie sie sich ärgerten über vergebene Chancen, über Fehler im Zusammenspiel, über slapstickartiges Zusammenprallen, wenn sie sich gegenseitig in den Weg liefen. Dann war die Pflicht erfüllt. Das letzte Spiel der Saison endete mit einer 1:0-Niederlage. An der guten Stimmung auf den Rängen hatte der Rückstand ohnehin nichts geändert. Das Spielfeld war in kurzer Zeit ins Blau der Aufstiegsshirts und in das Blau-Weiß von Schals und Trikots getaucht. Begeisterung gab es letzte Woche. Dieses Mal sah es mehr nach Spaß und Freude aus.

Noch einmal stieg die Mannschaft auf die Tribüne und feierte gemeinsam mit all denen, die ihren Platz auf dem Spielfeld eingenommen hatten. Noch einmal wurde versucht, die Ordnung aufrecht zu erhalten, indem die Anhänger der Zebras zurück auf ihre Plätze gebeten wurden. Noch einmal war das ein vergebliches Unterfangen. Und dieses Mal wurde gemeinsam gefeiert – ein Bild, das wir auch letzte Woche in Duisburg gern gesehen hätten. 2015-05_nach_4Die Wiesbadener Anhänger brauchten den Schutz der Polizeikette nicht. Wer immer auch vor den Wiesbadener Block lief, wollte ein Zeichen setzen – am Ende einer Saison sind wir alle eins, Menschen mit Spaß am Fußball und mit Einsatz für ihren Verein.

In Worten, Bild und Ton – Der MSV ist wieder da

auto_aufstiegVerdrängen oder intensiv bearbeiten – zwei Möglichkeiten, die das Leben bietet, um mit belastenden Erfahrungen umzugehen. Dabei hat das Verdängen nicht den besten Ruf bei den Lebenshilfe-Profis. Doch seitdem am Samstag das Spiel des MSV Duisburg gegen Holstein Kiel abgepfiffen wurde, arbeitet in mir anscheinend einiges daran, die Vergangenheit zu verdrängen. Anscheinend möchte ich mit einem Schlag jeden Fußball der 3. Liga vergesssen. Vielleicht habe ich auch mit dem Schreiben hier in den letzten zwei Jahren  genug bearbeitet von dem, was die Meldung vom Zwangsabstieg und dessen Folgen uns an unangenehmen Gefühlen bereitet hat. Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, seitdem mit dem 3:1-Sieg des MSV der Aufstieg der Mannschaft in die Zweite Liga feststeht, fällt es mir schwer, mich an etwas anderes als an Jubeln und Begeisterung zu erinnern, geschweige denn dass ich über etwas anderes schreiben möchte. Denn dieses Schreiben hieße die Vergangenheit der 3. Liga noch einmal zum Leben erwecken.

Ich sehe einen leeren Rasen im ausverkauften Stadion. Das Spiel findet auf den Rängen statt. Dreimal wissen wir alle nicht wohin mit unserer Freude. Schemenhaft tauchen in diesen Momenten sogar blauweiß gestreifte Fußballspieler auf, die mitjubeln. Die erzielten Tore sind uns so selbstverständlich wie das Atmen. Auch darüber verlieren wir nur selten Worte. Dann wieder sehe ich sofort den Strom der Menschen auf das Spielfeld nach dem Abpfiff. Ich sehe irrwitziges Mienenspiel, ungelenkes Hüpfen und glücksvergessenes Tanzen. Ich höre unverständliches Stammeln und gegrölte Sätze, die Liedtexte sein sollen. Ich sehe Umarmungen, gezückte Handys, die ununterbrochen mitfilmen und mitfotografieren, was gerade geschieht. Sie nehmen Jauchzen und Schreien auf, komische Laute, die pures Glück sind. Raus, raus, raus, immerzu nur raus mit diesen ganzen überschwänglichen Gefühlen. Raus mit diesem Glück. Der MSV Duisburg ist der Grund. Der MSV ist wieder da, von der Elbe bis zur Isar, 2. Liga, wunderbar.

geschaeft_geschlossenAll das ist die Gegenwart meines Erinnerns. Alles andere ist in dieser Gegenwart schon die Vergangenheit der 3. Liga. Unwichtig geworden. Durchgangsstation. Allenfalls möchte mich ich noch an die erwartungsvolle Stimmung vor dem Spiel erinnern. In der Stadt machte sich wie im Juni 2013 die Bedeutung des Vereins bemerkbar. Nach zwei Jahren geschah das unter ganz anderen Vorzeichen. Wieviel Arbeit auf allen Ebenen steckte dahinter. Welche anders gelagerte Hoffnung konnte sich an diesem Tag zeigen. So früh waren die meisten von uns am Stadion. So früh waren die Stehplätze voll. So laut wie schon lange nicht mehr in diesem Stadion walzte ein Lied schon eine Stunde vor dem Anpfiff über den Rasen: „Werdet zur Legende, kämpfen ohne Ende für die Zweite Liga. EM – ES – VAU!“

Vielleicht ist dieses Fußballspiel aber auch verblasst, weil ich mir des Sieges so sicher war. Wenn ich vom Spiel sprach, erwahnte ich der Pflicht halber noch das Unentschieden als mögliches Ergebnis, das dem MSV auch noch alles offen hielt. Aber das Auftreten der Mannschaft in den letzten Spielen versprach etwas anderes. Diese Spieler hatten sich zu einem Spitzenteam gefunden. Wann haben wir in Duisburg, dieses Wort „Spitzenteam“ einmal ausgesprochen? Ich kann mich nicht daran erinnern, dass die Mannschaften der Zweitligaaufstiegsjahre ein derart großes Selbstbewusstsein ausgestrahlt haben. Wie sehr haben meine Freunde und ich uns in den letzten Jahren eine Mannschaft gewünscht, die das Spiel bestimmt und die ein Rückstand nicht aus der Bahn wirft.

traktor_fansIn den letzten Wochen der Saison konnten wir so eine Mannschaft erleben. Als ob es eines letzten Beweises bedurft hätte, geriet diese Mannschaft in dem entscheidenden Spiel gegen Holstein Kiel tatsächlich nach zehn Minuten in Rückstand. Michael Ratajczak hätte den scharf geschossenen Freistoß normalerweise halten können. Leicht war das nicht, aber auch nicht zu schwierig. Mannschaft und Zuschauer hatten etwas zu verdauen. Für meine Siegesgewissheit kam das Tor früh genug. Viel Zeit blieb, um das Spiel zu drehen. Denn eigentlich bestimmte der MSV in dem Moment dieses Spiel vollkommen. Von Anfang an drang die Mannschaft energisch auf ein Tor. Früh wurden die Kieler angegangen. Aggressiv gingen die Zebras in die Zweikämpfe. Um jeden Ball wurde intensiv gerungen. Jedem Ball wurde nachgegangen, selbst wenn die Chance ihn vor dem Aus zu retten noch so klein war.

Etwa zehn Minuten später war zu merken, der Druck des Anfangs auf das Kieler Tor war wieder vorhanden. Dieses Mal trieb Martin Dausch den Ball nach vorne. Die ganze Kieler Defensive zog er bei diesem beeindruckenden Antritt auf sich, um im perfekten Moment auf den frei gewordenen rechten Flügel zu spielen, wo Enis Hajri nachgerückt war und nun alleine auf das Kieler Tor zumaschieren konnte. Wer im Fußball gerne „ausgerechnet“ sagt, durfte das wieder machen. Ausgerechnet Hajri, den wir in Duisburg nicht als einen der ballsichersten Spieler kennengelernt hatten. Doch alleine aufs Tor zugehen ist etwas anderes als im defensiven Mittelfeld früh gepresst zu werden. Alleine behielt er die Nerven und verwandelte zum Ausgleich.

Begeisterung, die erste. Viel Zeit sich zu beruhigen blieb nicht. Der MSV fing den Angriffsversuch nach dem Wiederanstoß ab. Kingsley Onuegbu erhielt den Ball auf dem linken Flügel und trieb ihn nicht allzu schnell, aber wie in einem Hochsicherheitstrakt abgeschirmt Richtung Torauslinie der Kieler. Waren es vier, fünf, sechs Kieler, die er stehen ließ? Ich weiß es nicht mehr. Jedenfalls erwarteten wir zweimal den Pass in die Mitte, und er ging einfach immer weiter unbeirrt Richtung Kieler Torauslinie. Dort zog er leicht nach innen, flankte genau, und der völlig frei stehende Michael Gardawski nickte per Kopf ein.

Begeisterung, die zweite. Viel Zeit sich zu beruhigen blieb nicht – wenn auch etwas mehr als nach dem Ausgleich. Wir alle spürten, nicht nur auf den Rängen wollte jeder die noch sicherere Führung. Auch die Mannschaft drängte weiter, als ob die Kieler Sparringspartner waren. Doch es war ernst. Es ging um den direkten Aufstieg. Der MSV spielte gegen eine Mannschaft, die in diesem Jahr noch nicht verloren hatte, eine Mannschaft, die viele ihrer Tore in den letzten Minuten erzielte, eine Mannschaft, die sich nicht aufgab. Deshalb war ein drittes Tor kein so schlechter Gedanke. Sechs Minuten dauerte es dieses Mal. Einwurf am linken Flügel durch Kevin Wolze, schneller Rückpass auf ihn, Flanke und dieses Mal macht Michael Gardawski das Tor mit dem Fuß.

12_mannAus Begeisterung wird Ekstase. So ließ sich der Rest des Spiels beruhigt angehen. Der Siegeswille der Kieler war zerbröselt. Kurz lebte er zu Beginn der zweiten Halbzeit noch einmal auf. Was auch daran lag, dass sich der MSV wie gewohnt zu sehr zurückzog und den Kielern die Initiative überließ. Doch in dem Spiel verließ sich der MSV nicht alleine darauf, dass aus dieser tiefer stehenden Defensive irgendwann mal ein Konter gelingt. In dem Spiel begann die Mannschaft nach etwa zehn Minuten der zweiten Halbzeit wieder höher zu verteidigen und vorbei war es mit dem Kieler Druck. Harmlos blieb die Mannschaft. Souverän sicherte der MSV bis zum Abpfiff den Vorsprung. Die bekannte Stärke der Kieler in der Schlussphase kam in Duisburg nicht zum Tragen.

Na, ein paar Erinnerungen an das eigentliche Spiel habe ich ja doch noch hervorkramen können. Manchmal muss man sich selbst ein wenig überlisten, dann klappt das auch mit den Bildern der Vergangenheit. Die Lebenshilfe-Profis nennen das dann Erinnerungsarbeit. Je intensiver diese Arbeit, desto freier für das Neue, Unbelastete, für die Begeisterung, für den Jubel, für die Zweite Liga. Der MSV ist wieder da.

Und nun wieder Begeisterung pur: Die sieben Minuten Übermacht MSV Duisburg mit dem sich überschlagenden Kommentar von ZebraFM – Großartig.

Fast ohne Worte – Der MSV ist wieder da

Wie oft werden wir die Geschichten dieses Tages noch erzählen müssen, damit wir das Gefühl haben, nun endlich hätten wir es wirklich geschafft? Wir hätten endlich ganz genaue Wörter gefunden, sie zu Worten gemacht und hätten nun so genau wie möglich beschrieben, wie es sich angefühlt hat in all den fantastischen Momenten dieses Tages, als der MSV Duisburg mit einem 3:1-Sieg gegen Holstein Kiel den Aufstieg besiegelte.

Es war ja nicht nur das Glück beim Schlusspfiff. Es war die sich steigernde Begeisterung, als innerhalb von sieben Minuten der Kieler Siegeswille zerbröselt wurde. Es war diese so klar erkennbare Bedeutung, die der MSV Duisburg an diesem Tag für die Stadt hatte. Es war die erwartungsvolle Spannung auf der Hinfahrt zum Stadion mit all ihren zufälligen Begegnungen zwischen Anhängern dieses MSV Duisburg, die aus ganz Deutschland nach Duisburg gekommen waren. Es ist die anhaltende Freude.

Ein paar Mal werde ich es noch erzählen müssen. Bis dahin sprechen erst einmal die Bilder.

Wenig Worte – viele Fotos

Nach dem 2:0-Sieg gegen Rot-Weiß Erfurt muss ich es anders machen als nach dem Auswärtssieg gegen Dresden. Erst kommen die Fotos und später meine Worte zum Spiel. So ganz habe ich noch nicht zurück gefunden zur Stimmung, die für das Schreiben nötig ist. Ich bin ein wenig erschöpft – sowohl von der Siegesfreude als auch von meiner leichten Nervositätshysterie, die ab etwa der 30. Minute bis zum Moment des zweiten Tores trotz aller zuversichtlichen Konzentriertheit des Morgens bei mir ausgebrochen war. Die Autofahrt als weiterer Grund nicht zu vergessen, mit einem herausfordernden Stau bei Leverkusen kurz vor dem Ziel. Ich lass also erstmal Bilder sprechen und erhole mich weiter. Samstag, so viel ist gewiss, wird alle Kraft wieder nötig sein.

Prüfung Halbfinale bewältigt – Cottbus wartet

Das Leben hält für einen manchmal sogar schöne Prüfungen bereit. Schön sind Prüfungen genau dann, wenn sie dich fordern und du dennoch mit spielerischer Leichtigkeit die nötigen Fähigkeiten zeigen kannst. Das Halbfinalspiel im Niederrheinpokal zwischen Rot-Weiß Oberhausen und dem MSV Duisburg war so eine Prüfung. Nicht für beide Mannschaften. Für mich. Am Morgen hatte ich noch geschrieben, eine Niederlage betrachtete ich nicht einmal mit Bedauern, weil meine ganze Aufmerksamkeit dem Aufstieg gilt. Doch ich wusste auch, ich kann mir keinen Mannschaftssport ansehen, um nicht über kurz oder lang für eine der beiden Mannschaften eines Spiels Partei zu ergreifen und mitzufiebern. Wie oft war ich schon enttäuscht, weil irgendeine Zweitligabasketballlmannschaft meine Sympathie gewann und ihr Spiel verlor.

Ein wenig mulmig war mir also, als ich das Stadion betrat. Schon die erwartungsvolle Atmosphäre im Stadion Niederrhein ließ mir das Herz aufgehen. Das war Sport abseits der Unterhaltungsbranche Fußball, auch wenn der MSV Duisburg sich genau auf der Grenze zu dieser Sphäre des Fußballs bewegt. Ich begann, nicht mehr ganz so offen für eine Niederlage zu werden. Mir gefiel es allmählich doch sehr viel besser, wenn der Verein meiner Zuneigung siegte. Und dieser Verein war der MSV Duisburg. Doch Gino Lettieri half mir mit der Aufstellung, mich an meine Worte des Morgens zu erinnern.

2015-04_rwo_msv1Egal, was auch immer er nach dem Spiel zu der Aufstellung sagte, er ließ eine B-Elf beginnen, zum einen wie im Fall Martin Dausch, war das der Schonung nach leichter Verletzung geschuldet. Was vielleicht auch für Steffen Bohl und Branimir Bajic galt, die nicht im Kader waren. Nico Klotz, Zlatko Janjic, Kingsley Onuegbu und Thomas Meißner blieben auf der Bank, genauso wie Michael Ratajczak, den Marcel Lenz sinnvoller Weise ersetzte, um sich für den Samstag Spielpraxis zu holen. Diese Aufstellung war Risikominimierung und -maximierung zugleich. Stammspieler blieben für den Ligabetrieb unversehrt, was man von den Siegchancen nicht sagen konnte.

Diese Aufstellung verhalf mir zurück zur Gelassenheit. Denn eines war klar, Rot-Weiß Oberhausen spielte seit ein paar Wochen in sehr guter Form eine Liga tiefer, bewegte sich im oberen Tabellenviertel, und wir wissen, die Unterschiede der Spielstärke können sich in einem einzigen Spiel sehr schnell verlieren, selbst wenn eine eingespielte höherklassige Mannschaft auf einen klassenniederigeren Gegner trifft.

2015-04_rwo_msv4Die Mannschaft des MSV hingegen war keineswegs eingespielt. Sie war zudem besetzt mit vielen Spielern, die vielleicht sogar nicht ganz frei aufspielen können. Ich kann mir gut vorstellen, dass etwa Pierre De Wit mit seiner momentanen Stellung im Kader nicht ganz zufrieden ist. Es waren Spieler wie Dennis Grote und Sascha Dum, die auf dem Spielfeld manchmal so wirken, als käme etwas ihrem Spielrhythmus quer. Und es waren Spieler wie Fabian Schnellhardt oder Kevin Scheidhauer, die ehrgeizig sind, sich zeigen wollen und bei denen die Gefahr besteht, dass sie gerade deshalb sich selbst im Weg stehen. Dazu kam eine Abwehrreihe, die völlig neu zusammengestellt war und in der ich niemanden erkannte, der das Offensivspiel nach gewonnenen Bällen hätte einleiten können. Ich war bereit für Überraschungen.

2015-04_rwo_msv6Vielleicht vier, fünf Minuten waren gespielt, und ich fand vollends zu meiner morgendlichen Grundentspannung zurück. Schnell war zu erkennen, die Oberhausener hatten mehr als nur den Kampf zu bieten. Ihr Zusammenspiel funktionierte gut, Laufwege waren erkennbar und ein Steilpass in eine Schnittstelle der Defensivreihe war auch schon fast  torgefährlich geworden. Rot-Weiß Oberhausen zeigte sich sofort als gleichwertiger Gegner, der hervorragend verteidigte und blitzschnell umschaltete.

In der 11. Minute fiel das Führungstor für RWO. Nach einem Eckstoß gab es im Strafraum ähnlich viel Platz für die Oberhausener Spieler wie zuvor beim schnellen Steilpass in die Spitze. Aus dem gleichwertigen Gegner war schnell ein überlegener Gegner geworden. Der MSV mühte sich zwar. Das Angriffsspiel blieb aber zu einfallslos, um die gut gestaffelte Defensive der Oberhausener zu überwinden. Einmal gab es die Chance zum Ausgleich. Nach schnellem Kurzpassspiel kam Fabian Schnellhardt an der Strafraumgrenze zum Abschluss und traf die Latte. Die Oberhausener blieben gefährlicher, weil ihrem Spiel mehr Raum gelassen wurde. Das 2:0 fiel kurz vor der Pause, und sein Entstehen bahnte sich ebenfalls durch einen präzise vorgetragenen Angriff an.

Für einen kurzen Moment spürte ich in der Halbzeitpause so etwas wie einen Phantomschmerz über diesen Rückstand. Das Gegenmittel war kurz aufflackernde Hoffnung, es könne noch der Ausgleich fallen, weil die Oberhausener Mannschaft  mehr in das Spiel investiert hatte. Vielleicht wären die Spieler nicht lange genug so konzentriert wie nötig, weil sie zu früh müde wurden. Dem war nicht so. RWO spielte auf dem Niveau weiter, und auch wenn der MSV nun deutlich mehr Ballbesitz hatte, klare Chancen konnte sich die Mannschaft nicht erspielen. Für mich war das Spiel entschieden, und als in der 71. Minute Kingsley Onuegbu, Zlatko Janjic und Nico Klotz eingewechselt wurden, hoffte ich vor allem auf deren Unversehtheit und glaubte nicht eine Minute, sie könnten an diesem Abend durch Einzelleistungen noch irgendetwas an der Niederlage ändern.

Einen Lichtblick hatte dieser Abend auch auf Seiten des MSV für mich. Dieser Lichtblick war trotz der beiden Gegentore Marcel Lenz. Er wirkte sicher im Strafraum, zeigte einmal auf der Linie einen großartigen Reflex und seine weiten Bälle auf die Flügel waren präzise Vorlagen. Er schießt dorthin, wo er den Ball auf dem Spielfeld platzieren möchte. Fast wäre ich nach dem zweiten dieser Pässe auf Dennis Grote aufgesprungen, um Marcel Lenz begeistert zu feiern. Das wäre aber des Guten etwas zu viel gewesen, auch wenn für uns in Duisburg solche Pässe seltene Schmuckstücke sind.

2015-04_rwo_msvx4Der nochmalige Einzug ins Finale des Niederrheinpokals wäre schön gewesen. Eine bessere Leistung der Mannschaft wäre ebenfalls schön gewesen. Doch ich halte es für völlig unrealistisch zu glauben, dass eine derart aufgestellte Mannschaft des MSV eine gute Viertligamannschaft mal eben besiegen kann. Insofern gefallen mir auch Gino Lettieris „harte Worte“ nicht gut, wie sie Im Reviersport zu lesen sind. Das eine ist die schlechte Leistung der eigenen Spieler, das andere ist der realistische Blick auf die Qualität des Gegners, den wohl der Trainer selbst zu verantworten hat. So ist es vor allem schön gewesen, dass ich meine persönliche Prüfung in diesem Spiel bewältigt habe. Tatsächlich kann ich von mir sagen, ich bedauere diese Niederlage des MSV Duisburg kaum. Allerdings befürchte ich, diese Gelassenheit setzt auf die Zukunft. Sie setzt darauf, dass Samstag das Spiel gegen den FC Energie Cottbus so ausgeht, wie wir es uns wünschen.

Vielleicht stimmt mich außerdem die besondere Atmosphäre im Stadion Niederrhein nachsichtiger mit dem MSV Duisburg,  dieser Charme des Ortes, der sich durch die besondere Mischung von Tradition und Moderne dort ergibt. Wenn der MSV schon ausscheiden muss, dann soll es wenigstens dort gewesen sein. Rot-Weiss Oberhausen hat den Einzug ins Finale verdient. Wie sagt der Kölner, man muss auch jönne könne. Und wo er recht hat, hat er recht.

Ein paar Impressionen vom gestrigen Abend habe ich auch noch.

Endlich wieder nur noch das nächste Spiel gewinnen

Nach ein paar Tagen Erholungspause mit Abstand vom Schreiben auch in diesen Räumen als erstes ein paar Worte über eine Niederlage des MSV Duisburg schreiben zu müssen, macht keinen richtigen Spaß. Allerdings könnte die Laune noch viel schlechter sein. Denn die 2:0-Auswärtsniederlage beim FC Energie Cottbus am Samstag kam zur rechten Zeit beim passenden Gegner. Der FC Energie Cottbus stand vier Punkte hinter dem MSV und konnte ihn mit dem Sieg nicht überholen. Das hellt die Stimmung schon mal ein wenig auf. Hinzu kommt, alle Vereine, die in der Tabelle vor dem MSV Duisburg platziert waren, haben ebenfalls verloren. Gut, Dynamo Dresden zog am MSV mit einem Punkt vorbei, doch hatte sich Dresden im Heimspiel gegen Fortuna Köln sicher mehr als ein torloses Unentschieden erhofft. Alleine Rot Weiß Erfurt wird den Spieltag als großen Erfolg verbucht haben, zudem schloss Preußen Münster mit dem Heimsieg gegen Arminia Bielefeld auf.

Die ersten neun Mannschaften der 3. Liga bleiben eng beisammen, und das ist für mich der eigentliche Grund für meine halbwegs entspannte Stimmung. In einer so ausgeglichenen Liga können kleine Störungen der inneren Spannung schon Auswirkungen auf die Spielstärke einer Mannschaft haben. Nach meinem Geschmack musste in der letzten Zeit zu oft über die ominöse „Serie“ geredet werden. Zu oft war Gino Lettieri damit beschäftigt, dieses vermeintliche Zeichen der Spielstärke seiner Mannschaft ins rechte Maß zu rücken. Auf eine „Standardgeschichte“ des Sports für die Öffentlichkeit musste reagiert werden, obwohl an der Tabelle ablesbar war, dass diese „Serie“ keineswegs von beeindruckender Überlegenheit des MSV Duisburg zeugte. Es gab ein paar Unentschieden zu viel für eine wirkliche Erfolgsgeschichte. Dennoch ging unweigerlich Aufmerksamkeit hin zu dieser „Serie“ ohne Niederlage. Das ist nur verständlich, weil diese „Serie“ zugleich die Hoffnung auf Dauerhaftigkeit in sich barg. Realistisch betrachtet, hätte selbst das mit gleichbleibender Unentschiedendichte nicht zum erhofften Sasionziel geführt. Mit der Serie ist nun Schluss. Nun kann die ganze Konzentration wieder dem nächsten Spiel gelten.

Vom Spiel selbst habe ich leider nur die erste Halbzeit sehen können. Nach dieser ersten Halbzeit am Bildschirm war nicht vorhersagbar, welche Mannschaft dieses Spiel gewinnen würde. Für mich war das ein offenes Spiel, in dem beide Mannschaften der Offensive gegenüber der Defensive mehr Aufmerksamkeit schenkten. Beide Mannschaften hatte ihre Chancen auf ein Führungstor, Pfostenschüsse inklusive. Die Bewegtbilder des Spielberichts verraten mir für die zweite Halbzeit vom Spiel die Tore und dass der MSV sehr wohl auch noch die Chance auf den Ausgleich gehabt hat.

Wenn ich die Situation vor dem Elfmeterpfiff mir ansehe, sollten die Spieler vom MSV und wir alle nicht über den Schiedsrichter klagen. Nach einem Eckstoß wäre so eine Situation wahrscheinlich nicht abgepfiffen worden, aber wenn Sascha Dum und sein Gegenspieler so alleine stehen, darf man schon fragen, warum Sascha Dum nicht einfach neben seinem Gegenspieler wieder landet, sondern ihm dabei noch einen Schubs geben muss. Die Stoßbewegung ist so deutlich erkennbar, das lässt sich doch kein Schiedsrichter entgehen. So ein Schiedsrichter will auch wenig Fehler machen und gelobt werden. Bei solch freien Situationen greift ein Schiedsrichter in der 3. Liga gerne zu. Das sollte Sascha Dum eigentlich wissen, und wer in dem Fall über den Schiedsrichter schimpft, lernt nichts für die nächsten Spiele.

Anders verhält es sich mit der Harakiri-Grätsche Uwe Möhrles im Cottbusser Strafraum gegen Steffen Bohl. In dem Fall dürfen wir alle wir sehr wohl über den Schiedsrichter schimpfen. Doch hängt der eine Elfmeterpfiff mit dem anderen ausgebliebenen zusammen. Ein Schiedsrichter, der den Elfmeter gegen den MSV gepfiffen hat, wird einen Elfmeter in einer weniger übersichtlichen Spielsituation eben nicht gerne pfeifen. Das sagt mir meine Lebenserfahrung. Dennoch hatte der MSV weitere Chancen auf den Ausgleich. Im MSVPortal lese ich einmal mehr die Klagen über die fehlende Konsequenz der Mannschaft in Strafraumnähe. Das passt zu den Szenen, die ich auch aus der ersten Halbzeit im Kopf habe. Die Mannschaft braucht für den Torerfolg zu viele Chancen, obwohl sie Defensivreihen überspielen kann. Das ist ein Problem. Allerdings haben die anderen Mannschaften mit Ambitionen dasselbe Problem. Hoffen wir auf eine Lösung mit anhaltendem Erfolg, nachdem nun keine Serie mehr gehalten werden muss.

Falls jemand die Zusammenfassung noch nicht gesehen hat:

Ein Sieg ohne Wenn, Dann und Aber

Bislang weiß ich nicht, wieso der MSV Duisburg im Spiel gegen den VfL Osnabrück in Auswärtstrikots gespielt hat. Wenn ich recht überlege, möchte ich eigentlich nur einen Grund hören: Die Mannschaftsbetreuer des VfL waren so schusselig und haben sich beim Griff zum Trikotsatz vertan, die Auswärtstrikots zu heiß gewaschen oder ähnliche auswärtstrikotverhindernde Dinge getan. Dann hätte die 3:0-Niederlage vom Samstag auch eine moralische Seite, und sie könnte erzieherisch wirken. Eine Mannschaft, die sich anmaßt im  Zebraimitat  dort aufzulaufen, wo echte Zebras zu Hause sind, wird unweigerlich verlieren. Das klingt doch besser, als wenn ich von einem Zeichen des Aberglaubens beim MSV Duisburg ausgehe. Endlich mit  jenen Trikots der Saison auch zu Hause schaffen, was auswärts schon gelang? So früh schon in der Saison bei den sportlich Aktiven der Geist von Peter Neururer? Man musste ja zu Spielbeginn fürchten, die vielen schottischen Fans bei uns in der Kurve könnten zur falschen Mannschaft halten.

Diese Sorge wurde uns schnell genommen. Wer in der Heimkurve steht, hält zur richtigen Mannschaft. Auch die Schotten bangten in der ersten Halbzeit bei zwei, drei Angriffen des VfL, auch wenn es dabei aus dem Spiel heraus nur ansatzweise bedrohlich für Michael Ratajczak wurde. Gefährlicher wirkten die Osnabrücker Eckstöße. Das Spiel war zunächst ausgeglichen, und auch der MSV Duisburg erarbeitete sich Torchancen. Ein Pfostenschuss von Michael Gardawski wurde sogar zur größten Möglichkeit des Spiels.

Die Atmosphäre auf dem Spielfeld war von der ersten Minute an hitziger als in anderen Spielen, und der Schiedsrichter Robert Kampka fand keine vernüftige Linie, um diese Grundaggressivität der Spieler ins Fußballerische zu kanalisieren. Er setzte auf die einfachen Pfiffe jeglichen Körperkontakts und der taktischen Fouls. Woraus die Spieler den verständlichen Schluss zogen, sich öfter als sonst fallen zu lassen. Uns nervte das zusehends, und der Schiedsrichter kann sich glücklich schätzen, dass der MSV Duisburg ihn mit dem Sieg vor dem Unmut der Zuschauer bewahrt hat.

Trotz der frühen verletzungsbedingten Auswechselung von Steffen Bohl begann ich allmählich auf ein Tor zu hoffen, weil die Zebras für mich etwas besser kombinierten als ihr lilaweißes Imitat. Auch die gefährlichen Eckstöße der Osnabrücker wurden sicherer abgewehrt. Zudem fügte sich Kevin Scheidhauer ins Spiel der Mannschaft bruchlos ein. Immer wieder mal war seine Dynamik zu erkennen, gab es einen Antritt, ohne dass er den Ball erhielt. Aber wir sind ja gewohnt uns die Möglichkeiten auszumalen. Wenn, dann – das Leidmotiv eines Fanlebens.

Doch diese Sprints von Kevin Scheidhauer waren tatsächlich Probeläufe für die Premiere in der 44. Minute, sein erstes Tor für den MSV Duisburg gleich im ersten Spiel. Im Fünfmeterraum stand er dort, wo ein Stürmer stehen muss, wenn über den linken Flügel so gespielt wird, wie es besser nicht gelingen kann. Ein steiler Pass von Zlatko Janjic auf den nach innen ziehenden Sascha Dum, der an der Torauslinie mit dem Ball weiter Richtung Strafraum zog und flach hineingab. Wenn der Durchbruch über den Flügel gelingt, dann ist innen Kevin Scheidhauer zur Stelle. Das war die Wirklichkeit!

So einer 1:0-Halbzeitführung vertraut kein MSV-Anhänger bei normalem Verstand, selbst wenn ein Gegner wie der VfL Osnabrück keinen zusätzlichen Druck entfalten kann und nur weiter spielt wie bis dahin. Misstrauisch beäugten wir daher das Geschehen zu Beginn der zweiten Halbzeit. Eigentlich schien es so, als wolle der MSV dieses Spiel tatsächlich gewinnen. Ich dagegen war mehr damit beschäftigt, mir auszumalen, wie ich den möglichen Ausgleich mit meinen Hoffnungen auf das Unaussprechliche vereinbaren könnte. Irgendwie war mir das Hier und Jetzt abhanden gekommen, und ich bin froh, dass es den Spielern nicht so ging. Die waren ganz und gar im Hier und Jetzt, machten klar, wir bleiben torgefährlich und dämmten so die Angriffsbemühungen des VfL ein.

Ein wenig mehr Sicherheit brachte mir das Kopfballtor von Sascha Dum nach einem Eckstoß in der 66. Minute. Nun begann ich zu rechnen, ab wann ein Anschlusstor allenfalls noch zum Unentschieden reichen würde. Doch erstaunlicherweise fiel dieses Anschlusstor nicht. Natürlich war das eigentlich nicht erstaunlich, weil die Osnabrücker weder aus dem Spiel heraus dem Duisburger Tor nahe kamen, noch dass ihre Eck- und Freistöße weiter torgefährlich waren. Aber ein MSV-Anhänger bei normalem Verstand und einer 2:0-Führung, siehe oben. Die Osnabrücker wirkten schließlich nicht so, als hätten sie aufgegeben, selbst wenn die Räume für Konter deshalb größer waren. So ein Konter führte mein Denken und die Gegenwart des Fußballspiels schließlich wieder endgültig zusammen. Nico Klotz erzielte das 3:0, und diese Führung in der 84. Minute gegen eine Mannschaft wie den VfL Osnabrück brauchte keine Planspiele mehr, wie das Ergebnis mit der Hoffnung auf das Unaussprechliche zusammenpassen könnte. Das passte ohne Wenn, Dann und Aber.

 

Ohne vier – und zusätzlich gespielt drei

Im ersten Spiel des MSV Duisburg nach der Winterpause, auswärts beim SSV Jahn Regensburg, fehlen vier Stammspieler. Michael Gardawski und Phil Ofosu-Ayeh fallen wegen Muskelfaserrisse aus, Sascha Dum plagt sein Rücken und Kevin Wolze kuriert eine Grippe aus. Wirft man einen Blick auf die Sportberichterstattung scheint es gar nicht selten vorzukommen, dass Mannschaften jeglichen Sports ohne vier Stammspieler beim Gegner antreten. 28.000 Fundstellen zeigt Google für „ohne vier“ an. Wie populär ist eigentlich das Skat-Spiel noch? Ich habe es schon lange nicht mehr gespielt. Im Journalismus aber gehört es offensichtlich zum  Schlagzeilen-Standardregister, selbst wenn es nicht jeder mehr in dieser Redewendung erkennen sollte.

Wie risikoreich das Spiel ohne vier letztlich wird, hängt beim Skat vom Beiblatt ab. Stellt sich also die Frage, in welcher Form befinden sich die übrigen Stammspieler des MSV Duisburg? Die Nachrichten über die Mannschaft klingen verhalten zuversichtlich. Kingsley Onuegbu und Patrick Zoundi sollen ihr Zusammenspiel verbessert haben. Bleibt die Frage, wer ihnen aus dem Mittelfeld heraus die Bälle auflegt, wenn beide Spieler nicht gerade jene Konter laufen, die ein Tor nach dem anderen fallen lassen. Deniz Aycicek muss im Trainingslager ja gar nicht schlecht gewesen sein, Pierre De Wit hat sich laut WAZ/NRZ ebenfalls einiges vorgenommen und dazu vielleicht Erdogan Yesilyurt? Zudem sollte nicht vergessen werden, der Vergleich mit dem Skat hinkt natürlich. Schließlich können sich beim Fußball alle vier Spieler, die die Stammspieler ersetzen doch noch als Trümpfe erweisen. Wollen wir das Beste hoffen.

Wollen wir hoffen, dass sich das Spiel des MSV Duisburg so harmonisch entwickelt, wie sich das Stück des Jazztrios Ohne 4 gespielt drei im Folgenden anhört.  „Der Ruhrgebietsler an sich“ ist eines von mehreren Stücken, mit denen das Trio seine Bindung an die Region zum Ausdruck bringt. Wer wissen möchte, aus welchen disharmonischen Klängen das Jazztrio diese Melodie entwickelt, klickt  weiter zu einer anderen Fassung. Für das Spiel des MSV Duisburg gilt also, harmonisches Zusammenspiel kann sich auch ohne vier entwickeln, ich hätte auch nichts dagegen, wenn das ohne disharmonische Anfangsminuten geschieht.

Der Live-Stream zum Spiel mit einem Klick weiter.


JETZT BESTELLEN
Das Buch über den Sommer 2013 in Duisburg rund um den MSV bis zum Wiederaufstieg zwei Jahre später

Kees Jaratz im Buchhandel

Die Seite zum Buch

Statt 14,95 € nur noch 8,90 €
Hier bestellen

Hier geht es zum Fangedächtnis

Kees Jaratz bei Twitter

Sponsored

Bloglisten


%d Bloggern gefällt das: