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Aygün Yildirim erscheint der Fußballgott

An diesem Sonntag wurde das Osterfest gefeiert. Wofür der Fußballgott nicht zuständig war. Das gehörte zum Arbeitsbereich seines Kollegen vom christlichen Glauben. Der Fußballgott hatte sich von Anfang an ganz dem Ballspiel gewidmet. Da ließ er sich nicht reinreden. Am Sonntag hatte er also meist kaum Zeit. Dann hatte er nach den Spielen am Vortag zu tun. Meist arbeitete er schnell und konzentriert seine Listen ab. Es waren Folgearbeiten für ihn. Eine Erscheinung hier, ein Zeichen dort. Gehandelt werden musste schließlich nur in den Spielen.

Am liebsten erledigte er alles möglichst sofort, weil er nur zu genau wusste, wie verführerisch Fußballspiele und die Fußballer für seine Kollegen oft waren. Wie gerne griffen sie dort ein, wenn er mal kurz nur unaufmerksam war. Wie oft schon hatten sie hinter seinem Rücken mit einem Spieler Tacheles geredet, wenn er nach einem anstrengenden Spieltag erst einmal entspannen wollte.

Gerade der Kollege vom christlichen Glauben mit seinem Stolz auf den Bohei der Menschen in seinem Namen um die Schuld, mochte den Fußball sehr. Der Fußballgott wusste auch, wer von seinen Kollegen sich grundsätzlich allmächtig vorkam. Gerne wurde das zusammen mit dem Alleinvertretungsanspruch zur Sprache gebracht. Auf so eine Idee waren natürlich zuerst die Menschen gekommen, aber wer gar nicht mehr weiter weiß, greift noch auf den abwägigsten Gedanken zurück. Für Menschen in ihrer Beschränktheit war der ja vielleicht ganz praktisch gewesen, um ihr Leben zu bewältigen oder ihre Interessen durchzusetzen. Aber für Götter? Da musste er doch immer wieder lachen.

Er hatte also heute zu tun. Das war klar. Es ging um keine große Sache. Im menschlichen Maßstab ging es sogar nur um die Dritte Liga. In Deutschland. Aber ihm ging es immer um das Spiel selbst. Um die Werte, die ein Fußballspiel vermitteln konnte. So schaute er deshalb auf diese Geplänkel der großen Vereine nur noch flüchtig. Da konnte er noch so oft eingreifen, dort ging es nicht um Details. Dort ging es um Grundsätzliches. Für diese Arbeit bräuchte er vielleicht Unterstützung. Neulich hatte er zufällig einen germanischen Kollegen getroffen. Thor, Donnergott, der hatte ihn auf eine Idee gebracht. Aber das musste noch warten.

Heute richtete er seinen Blick auf Westfalen. Dort lebte die Familie Yildirim. Aygün Yildirim hatte mit seiner Mannschaft, dem SC Verl am Vortag gegen den MSV Duisburg 2:1 verloren. Der Sieg der Duisburger war nicht unverdient, wenn auch etwas überraschend. Der Fußballgott hatte unauffällig gewirkt. Er hatte auf die eindrucksvolle Leistung der Duisburg kein dunkles Licht werfen wollen. Auf keinen Fall wollte er, dass jemand nach dem Spiel von großem Glück sprach.

Dieser MSV brauchte ihn momentan eigentlich nicht. Im Grunde hatten die Spieler das selbst erledigt mit dem Siegen, welch schöne Tore hatte Moritz Stoppelkamp geschossen. Aber der Fußballgott wollte sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen. Zu sehr hatte er sich über den Verler Spieler Aygün Yildirim geärgert. Zweimal hatte der sich ohne Berührung des Gegners fallen gelassen. Die Absicht einen Elfmeter herauszuholen war so offensichtlich, selbst wenn er sich einmal beim Fallensassen verschätzte und er sich nur am Strafraumrand befand. Über eine gelbe Karte hätte er sich nicht beschweren dürfen. Wenigstens ist der Schiedsrichter auf diese Versuche zu betrügen nicht hereingefallen. Sonst hätte er um der Gerechtigkeit willen für den MSV womöglich tatsächlich eingreifen müssen.

Nun also kam der Fußballgott in Westfalen nieder, fand Aygün Yildirim auf seinem Sofa vor und sprach zu ihm: „Aygün Yildirim, hörst du mich, mein Sohn? Wo bist du mit deinen Gedanken? Denkst du an deine Leistung im Spiel deiner Mannschaft gegen den MSV Duisburg? Denkst du an eure Niederlage? Deine Mannschaft hat zurecht 2:1 verloren. Du meinst zu wissen, warum. Aber zwei Tore hat der MSV Duisburg erzielt. Zwei! Tore! Weißt du, Aygün Yildirim, warum zwei Tore? Wie oft, Aygün, hast du dich dort fallengelassen, wo du geglaubt hast, der Schiedsrichter könnte Elfmeter pfeifen. Wie oft, Aygün Yildirim? Wenn du es nicht mehr weißt, ich erinnere mich genau. Zweimal, Aygün Yildirim. Zweimal bist du gefallen. Zweimal zu Unrecht. Vergiss, was dein Trainer über das Spiel gesagt hat. Erst jetzt weißt du, warum deine Mannschaft durch zwei Gegentore verloren hat.“

Ach Gott, ja, der fehlende absolute Wille beim MSV

Der Stig hat hier schon lange nichts mehr geschrieben. Der war mal hier der Mann für zornige Worte. Erst hatte er hospitiert, dann mal übereifrig die Tastatur übernommen. Irgendwann habe ich ich ihm sogar den Vortritt gelassen. Ruhig konnte der nicht. Am Wochenende hat er mir eine Mail aus Dänemark geschrieben, er will sofort den Platz für einen Gastbeitrag bei mir. Ich weiß, ihm liegt der MSV weiter so am Herzen. Aber den Gastbeitrag brauche ich gar nicht. Ich stimme ihm sofort bei, wenn ich nur einen Moment an die Gegenwart des MSV denke. Mein Ärger ist groß. Aber dieser Ärger gilt nicht der Mannschaft.

Ich bin mir nicht sicher, ob es gut oder schlecht ist, dass ich nicht ins Stadion komme, um zu trauern, um zu wüten und meiner anhaltenden Fassungslosigkeit einen Ausdruck zu geben. Ich habe das Spiel gegen Verl nicht gesehen. Das kommt von dieser Mischung aus Corona-Zweifel am TV-Fußball und meiner Enttäuschung über das Handeln beim MSV. Ich brauche mit dem Fußball nur im TV Abstand, weil der MSV Teil meines Lebens ist und ich mit einem Trainer klar kommen muss, dessen Arbeit ich nicht gutheiße.

Es ist nämlich verdammt noch mal nicht schön, wenn Menschen zunächst Schuld bei anderen suchen. Es ist einfach nicht schön, wenn ein neuer Trainer eine Mannschaft innerhalb weniger Tage noch schlechter macht, als sie vor seinem Arbeitsbeginn war. Und es ist einfach schrecklich, die aus der ersten Amtszeit vor fünf Jahren bekannte Haltung dieses Trainers in seinen Kommentaren nach dem Spiel wiederzuerkennen. Da ist Gino Lettieri laut Kicker enttäuscht und sagt, so könne man nicht gewinnen. Der Mannschaft habe der absolute Wille gefehlt.

Ich fasse es nicht. Wenn man eines den Spielern des MSV nicht vorwerfen konnte in der Zeit von Torsten Lieberknecht, dann war es der absolute Wille ein Spiel zu gewinnen. Und nun frage ich, wie kann das sein, dass der auf einmal nicht mehr spürbar ist? Gino Lettieri ist der alte geblieben. Er fragt sich nicht, ob das etwas mit seinen Vorgaben zu tun hat. Nach dem dritten Spiel mit ihm als Trainer distanziert er sich von den Spielern. Unfassbar. Ich lese kopfschüttelnd, die Wirkung des Trainerwechsels sei verpufft und muss bitter lachen. Die Wirkung hat es offensichtlich gegeben. Da ist nicht nichts verpufft. Die Wirkung war nur eine andere als das Fußballklischee vorgibt.

Wer andere, bessere Gründe für die desaströse Spielweise des MSV gegen Verl lesen möchte, der klicke weiter zum MSVPortal, wo der User Schimanski sich seit langer Zeit immer wieder sehr detailliert mit dem Verhältnis von möglichen Taktiken im Zusammenhang mit den spielerischen Möglichkeiten einzelner Spieler auseinandersetzt. Liest man diesen ersten und diesen zweiten Kommentar, wird man eine Erklärung erhalten, warum die Spieler des MSV so unter Druck gerieten und warum es dann so wirkte, als sei ein absoluter Wille nicht vorhanden. Dieser absolute Wille braucht eine Struktur, um sich zu entfalten. Im Fußball nennt man so eine Struktur normalerweise Taktik. Dummerweise sind dafür nicht die Spieler verantwortlich. Gino Lettieri möchte auch fünf Jahre nach seinem ersten Engagement diesen Zusammenhang nach Niederlagen gerne vergessen machen.


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