Posts Tagged 'Schauinsland-Reisen-Arena'

Was geschah fünf Monate lang?

Gestern habe ich die Worte von Roland Kentsch nicht wirklich ernst genommen. Offenbar hatte ich ihn nicht richtig verstanden. Das führt nun dazu, dass ich heute etwas anderes noch weniger verstehe. Gestern schien mir die Aufgeregtheit um die mögliche Insolvenz des MSV Duisburg einfach nur die Nebenwirkung des taktischen Handelns von Roland Kentsch zu sein. Heute lese ich bei WAZ/NRZ von Gedankenspielen zum Arena-Erwerb durch die Stadt Duisburg, genauer durch eine Tochter-Gesellschaft der Stadt. Unabhängig davon, ob so eine Lösung überhaupt machbar ist, muss ich erkennen, die Lage scheint  doch recht ernst zu sein.

Ich verstehe deshalb nicht mehr, was nach dem letzten Bedrohungsszenario in den letzten fünf Monaten geschehen ist. War diese Zeit zu knapp, um eine Grundstruktur zur Lösung des Problems zu finden, dass die Stadionmiete viel zu hoch ist. Erinnere ich mich falsch, dass damals die Rettung des MSV Duisburg verkündet wurde und die Zuversicht vorhanden war, eine niedrigere Stadionmiete zu ermöglichen? Wieso gibt es jetzt wieder solch einen Zeitdruck? Folgt das Handeln beim MSV Duisburg dem anthropologischen Grundprinzip, Probleme nur dann richtig anzupacken, wenn die Gefahr am größten ist?  Manchmal gibt es Tage, da möchte ich im vergangenen Alltag dabei gewesen sein. Einfach nur, um zu verstehen, was mir unerklärlich ist.

Was ist nun die Neuigkeit in Sachen Finanzen?

Gestern nun war die Jahreshauptversammlung des MSV Duisburg. Bei dem, was im Live-Ticker des Reviersport und im MSVportal zu lesen ist, wurde die neue Satzung Paragraf für Paragraf verabschiedet.  Sehr umstritten war alleine § 19 der Satzung, der den Einfluss des Vereinsvorstands bei Tochtergesellschaften regelt. In diesem Paragrafen geht es darum, wie weit wird möglichen Investoren ein Mitspracherecht im operativen Geschäft des Wirtschaftsbetriebs MSV Duisburg eingeräumt. Der ursprüngliche Vorschlag des Vorstands erreichte nicht die nötige Zweidrittel-Mehrheit. So weit ich das verstehe, schien der Einflussverlust des Vereins für einige der anwesenden Mitglieder zu groß zu sein. Ohne die Änderung diesese Paragrafs wäre aber nach Ansicht des jetzigen Vorstands der MSV Duisburg auf Dauer nicht überlebensfähig. Denn der Wirtschaftsbetrieb MSV Duisburg braucht neue Investoren. Es wurde ein Kompromiss formuliert, dessen genauen Wortlaut ich noch nicht kenne und der mit der notwendigen Zweidrittel-Mehrheit angenommen wurde. Ob nun also die Rahmenbedingungen so sind, dass neue Investoren demnächst beim MSV Duisburg Schlange stehen? Da stecke ich nicht tief genug im Thema, um das zu bewerten.

Aber sobald es um die Finanzen geht, werde ich auch bei nur halbwegs regelmäßigem Blick auf die Berichterstattung rund um den MSV Duisburg misstrauisch. Fast immer habe ich bei den Aussagen von Verantwortlichen des MSV Duisburg dann das Gefühl, es steckt mehr dahinter, als das was gesagt wird. „Kentsch warnt vor der Insolvenz des MSV Duisburg“, titelt WAZ/NRZ. Bis Donnerstag müsse eine Finanzierungslücke von 2,5 Millionen bis 3 Millionen Euro geschlossen werden. Liest man den Artikel, geht es um nichts Neues. Die Geschichte wandelt sich aber beim Weitererzählen in der Medienlandschaft. Es wirkt mit einem Mal so, als ob nach der Insolvenzgefahr Ende letzten Jahres nun eine weitere neue Schwierigkeit aufgetreten ist. Schon damals aber hieß es, ohne die Senkung der Stadionmiete ist der MSV Duisburg nicht überlebensfähig. An wen richtete sich also die implizite Botschaft in Roland Kentschs Warnung? Sollten die Mitglieder des MSV Duisburg zum Durchwinken der Satzungsänderung überzeugt werden? Oder richtete sie sich an die Stadionbetreibergesellschaft? Druck über die Öffentlichkeit ausüben, um zur Mietsenkung zu gelangen? Fragen über Fragen. Früher ging es mal nur um Sport.

In der Schauinsland-Reisen-Arena – Eine Home-Story von Trainer Baade

Kurz der Hinweis auf die von Trainer Baade geworfenen Blicke hinter die Kulissen beim Spiel des MSV Duisburg gegen den FC Erzgebirge Aue. Er gibt uns eine sehr detaillierte Beschreibung über die Kabine kurz vor dem Spiel, sammelt Eindrücke am Rand des Geschehens und zur Business-Lounge, Fotos inklusive.

Wer nun zum Trainer Baade klickt, passe aber auf, nicht in einer Endlosschleife des Weiterklickens zwischen hier und dort und hier zu verschwinden. Zwei Links führen nämlich zurück, wovon einer zu jenem hier einst vollzogenen Indizienbeweis führt, wie es zu einer MSV-Hymne gekommen ist, die von Kölner Karnevalshühnern auf Expansionskurs eingespielt wurde. Ich stellte unbescheiden fest, auch nach drei Jahren noch ganz lesenswert.

Ein genialer Stadionname

Ob das beabsichtigt war oder nicht, spielt keine Rolle. Mit der nun vorgenommenen Namensgebung für die MSV-Arena beschreiten der MSV Duisburg und das Duisburger Reiseunternehmen Schauinsland Reisen neue Wege beim Ausgleich zwischen Fan- und Sponsoreninteressen. Die Schauinsland-Reisen-Arena bringt dem MSV Duisburg Geld, dem Unternehmen Aufmerksamkeit und den Fans die Möglichkeit weiterhin das zu sagen, was sie immer schon gesagt haben.

Die DFL mag beim Verkauf der Fernsehrechte auch einen Vertragspassus entworfen haben, der TV-Journalisten zur korrekten Nennung des Stadionnamens wenigstens einmal je zehn Minuten Spielbericht verpflichtet. Für Mitarbeiter und Spieler des MSV Duisburg gibt es vielleicht Glossare für die wichtigsten Namen im Verein. Doch die alltäglich genutzte Sprache wird nicht nur vom Prinzip der Verständlichkeit bestimmt sondern auch von dem der Sprachökonomie. Und wenn etwas auf einfache Weise verständlich ausgedrückt werden kann, wird dieser Ausdruck gegenüber den aufwändigeren Bezeichnungen bevorzugt. Es sei denn, mit der aufwändigeren Bezeichnung erwirbt sich der Sprecher Prestige. Was mit dem Aussprechen von Schauinsland-Reisen-Arena mit großer Sicherheit nicht geschieht, so dass der etablierte Namen mit ebenso großer Sicherheit weiterhin Bestand haben wird.

Diese Art von Ausgleich zwischen Fan- und Sponsoren-Interessen hat es im deutsche Fußball noch nicht gegeben. Mit solchen längeren Namen entwickelt sich ein verträgliches Miteinander von Geschäft und Kultur. Es ist alleine eine offene Frage, ob diese Art der Namensgebung für den deutschen Fußball nicht zu früh kommt. Schon gibt es in der Öffentlichkeit den Reflex, zur einfacheren Handhabung das Wort „Reise“ im Namen des Stadions zu unterschlagen. Google listet heute morgen 1250 Treffer für die „Schauinsland-Arena“ und1420 Treffer  für die „Schauinsland-Reisen-Arena“. Hier muss der Verein Stärke zeigen und nicht der Bequemlichkeit halber einknicken, wenn in Duisburg zukünftig von Heimspielen die Rede sein wird. Sonst war es das nämlich mit dem einverträglichen Nebeneinander der unterschiedlichen Namen.


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