Posts Tagged 'Schiedsrichter'

Dritte Liga testet Regeländerung – Tim Albutat als erster betroffen

Anscheinend ist dem Kicker vertrauliches Material aus der DFB-Schiedsrichterkommission zu einer baldigen Regeländerung zugespielt worden. Das wurde gestern beim Spiel der Dritten Liga zwischen dem KFC Uerdingen und dem VfB Lübeck durch eine unbeabsichtigte Bemerkung im Live-Ticker in der 45. Minute enthüllt. Wahrscheinlich waren die Ticker-Schreiber mit den Gedanken schon in der Halbzeitpause.

Die FIFA hat den DFB mit der Testlaufphase für die Regeländerung beauftragt. Geplant sind Höchstlautstärken bei Fußballspielen. Noch ist nicht entschieden, ob unterschiedliche Spielsituationen auch unterschiedliche Höchstwerte erhalten. Heftig gestritten wird um die Frage, ob ein fünfter Offizieller sich um die Schallwertmessung kümmern soll oder ob auch die die Aufgabe des Vierten Offiziellen wird. Auf jeden Fall sitzt in Zukunft neben dem Videoschiedsrichter ein weiterer Schiri mit einem Phonometer im Kölner Keller.

Wie der anonyme Informant außerdem berichtet, wird die Schiedsrichterkommission durch HNO-Ärzte, Physiker und Hörgeräteakkustiker unterstützt, um ein gerechtes Lautstärkenprofil für alle Spieler zu finden. Chancengleichheit für glaubwürdiges Aufschreien habe höchste Priorität. Corona ist auch hier wieder schuld. Zu viel ist in den leeren Stadien zu hören. Deshalb macht sich die FIFA zunehmend Sorgen um die Glaubwürdigkeit des Fußballs und seinen guten Ruf. Die Kritik der letzten Jahre habe die Funktionäre zum Nachdenken gebracht, sagt ein Insider, der ungenannt bleiben möchte. „Die wollen jetzt wirklich was tun“ fügte er hinzu. Laut Kicker-Chefredakteur hatte er bei diesem Satz Tränen in den Augen.

Fundstück: Schiedsrichter hatten es schon immer schwer

Wenn man die Meldungen der letzten Zeit über die Bundesligaschiedsrichter liest, steht es mit der Stimmung unter ihnen nicht zum Besten. Seit dem Wochenende habe ich einen moderierenenden Vorschlag. Gemeinsames Singen hebt die Laune und stärkt den Zusammenhalt. Das passende Lied gibt es im Antiquariatshandel, etwas teuer beim Erwerb, aber das Binnenklima bei den Spielleitern sollten sich DFB und DFL doch was kosten lassen. Günstiger als ein Coaching ist es allemal. Vielleicht aber besitzt der DFB sogar ein Exemplar des Liederbuchs in seinem großen Archiv.

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Quelle: Die Zeit, Nr. 5, 28. Januar 2016, S. 50

Übermotivierte Vierte Offizielle

 

Übermotivierte Vierte Offizielle

In Liga Zwei, und nur der Vierte Offizielle!
Erinnert irgendwie an Dritter Stand.
Das ganze Spiel steht man fast nur an einer Stelle
und nachher bleibt dein Name unbekannt.

Ich will die Pfeife haben, wenigstens die Fahne halten.
Mir reicht kein Spielernummerntafelheben.
Auch wenn ich noch so helfe bei dem Spielverwalten,
Applaus …? Selbst Pfiffe wird´s für mich nicht geben.

Kein Sportreporter stellt mir eindringliche Fragen
zu einer höchst umstrittenen Entscheidung.
Dabei kann ich durchaus zu allem etwas sagen.
Im Straßeninterview zur Müllvermeidung

bewies ich schon vor Jahren O-Ton-Qualität.
Ich bringe alles mit für die Karriere:
das gute Auge und Autorität.
Mich brächte bei erhitzter Atmosphäre

nicht mal die Weltstar-Rudelbildung aus der Ruhe.
Du bist noch jung
. Ich kann es nicht mehr hören.
Verschwendet bin ich für das Spielfeldrandgetue
von Trainern, Managern, sogar Masseuren.

Die grüßen dich und haben dich sofort vergessen.
Als ob nur auf dem Platz entscheidend ist.
Ey! Mehr Respekt vor mir, das wäre angemessen.
Nur dann ertrage ich den ganzen Mist.

Wenn Trainer gleich die Spieler anschreien und dann denken,
ich merke nicht, sie meinen uns, die Referees.
So Psychospielchen mit mir können die sich schenken.
Da lasse ich nichts durchgehn. Da werde ich fies.

Drum lohnt es, Gestik vor dem Spiegel einzuüben.
Das Auf-Tribüne-Schicken sitzt perfekt.
Das Ganze ist nur Vorspiel für den Rasen drüben.
Ich gebe immer alles, damit man mich entdeckt.

Inspiriert wurde das Fußballgedicht durch diesen Teil der Pressekonferenz des MSV Duisburg vor dem Spiel gegen den FC Erzgebirge Aue. Milan Sasic gewährt hier einen Blick hinter die Kulissen des Trainergeschäfts. Er erzählt von Widrigkeiten der alltäglichen Arbeit. Hervorgerufen werden solche Widrigkeiten oft alleine durch die Begegnung mit einem Menschen. Nicht nur er auch andere Fußballtrainer begegnen diesen Menschen anscheinend in letzter Zeit häufiger als Vierte Offizielle.

Meinolf Sprink und Frank Schaefer halten Verantwortung für völlig überbewertet

Ausschreitungen beim Derby zwischen dem 1. FC Köln und Bayer 04 Leverkusen werden keine Folgen haben. Der Trainer des 1. FC Köln Frank Schaefer äußert Verständnis für Wutausbrüche und Ärger nach dem nicht gegebenen regulären Tor von Lukas Podolski. Er sagte, wenn da einer dann einen Gegenstand von Bayer 04 Leverkusen beschädige, werde er denjenigen nicht verurteilen. Da war er sich ganz einig mit dem Leiter Kommunikation und Marketing von Bayer 04 Leverkusen Meinolf Sprink: Bayer 04 Leverkusen werde die Täter nicht weiter behelligen und schon gar nicht Schadensersatzansprüche angesichts der Zerstörungen stellen.

So ähnlich hatte ich heute morgen einen Artikel im Kölner Stadt-Anzeiger verstanden, konnte es aber im Nachhinein nicht mehr recht glauben. Vorhin erst fand ich Zeit, den Nachbericht zum Spiel von Bayer 04 Leverkusen gegen den 1. FC Köln noch einmal in Ruhe zu lesen. Ich hatte alles missverstanden. Es ging in dem Artikel gar nicht um Fans. Es ging um Lukas Podolski. Der hat nach dem Spiel am Sonntag aus Ärger über sein nicht gegebenes reguläres Tor die Plexiglasscheibe einer Tür eingetreten. Allerdings stimmt die launige Einigkeit in beiden Vereinen, dass alles nicht so schlimm sei. Frank Schaefer sagte tatsächlich:  „Wenn er [Lukas Podolski] nach dem Spiel hört, dass das Tor kein Abseits war und er daraufhin einen Gegenstand von Bayer 04 Leverkusen beschädigt, dann werde ich als FC-Trainer darüber bestimmt nicht mit ihm sprechen“. Und auch der Leiter Kommunikation und Marketing bei Bayer 04 Leverkusen Meinolf Sprink wird ihm „keine Rechnung schicken“.

Komisch, warum eigentlich nicht? Manchmal lese ich etwas, was mich so ärgert, dass ich kaum wohl klingende Worte finde, sondern in einem fort nur noch schimpfen könnte. Was glauben Meinolf Sprink und Frank Schaefer eigentlich, wie ihre Worte in der Öffentlichkeit auf Jugendliche wirken? Dass Lukas Podolski da eine Scheibe eintritt, geschenkt,  aber wieso soll das als normal durchgehen? Was sind das für hohle Worte, wenn es um den Nutzen des Fußballs für unsere Gesellschaft geht und diese Worte von Offiziellen des Fußballs gesprochen werden? In solchen Momenten des Alltags könnte es sich zeigen, ob im Fußball  Verantwortung für diese Gesellschaft wirklich gelebt werden soll. Im Alltag müsste sich das beweisen und nicht bei der nächsten Rede auf einer offiziellen Feier.

Der Vorfall muss gar nicht hochgespielt werden, aber er muss doch so behandelt werden, wie es in so vielen anderen Zusammenhängen von den Bewohnern dieses Landes immer wieder gefordert wird. Bitte schön, tragt Verantwortung für euer Handeln. Und das bedeutet sehr wohl, Herr Sprink, eine Rechnung auszustellen über die Reparatur einer Tür und das bedeutet sehr wohl, Herr Schaefer, ihrem Spieler zu sagen, ich verstehe deinen Ärger, doch das geht nicht, was du da machst.

Was nun den Fußballinteressierten und vor allem den für diese Art Aggressionsbewältigung doch sehr empfänglichen jungen, männlichen Jugendlichen als normal hingestellt wird, ist ein Angriff auf jedwedes zivilisiertes Zusammenleben. Vielleicht versteht ihr meinen Ärger besser, wenn ihr wisst, dass ich seit über zwanzig Jahren im Berufsalltag meiner Frau mitbekomme, welch schwieriges Geschäft es ist, Jugendlichen zu verdeutlichen, dass sie Verantwortung für all ihr Verhalten tragen und es nicht auf den nächstbesten abladen können. Vielleicht versteht ihr meinen Ärger besser, wenn ihr zudem wisst, dass auch ich seit ein paar Jahren in Schreibprojekten immer wieder jenen Kindern und Jugendlichen begegne, deren Eltern sich genauso wie Meinolf Sprink und Frank Schaefer verhalten. Mal verhätscheln Sie ihre Kinder, wenn die gerade dem Mitschüler das Nasenbein gebrochen haben; dann hat der andere bestimmt irgendwas gemacht, warum er zurecht die Faust ins Gesicht bekam. Mal strafen sie ihre Kinder wegen nichtigster Anlässe und wollen nichts mit ihnen zu tun haben. Sie verhalten sich unberechenbar und inkonsequent, und ihre Kinder beginnen viel zu früh, sich nur auf sich selbst zu verlassen. Denn von den eigenen Gefühle wissen sie wenigstens, dass sie echt sind; und jedes dieser eigenen Gefühle wollen sie alleine deshalb ausleben. Mit den Folgen dieses Auslebens haben dann Lehrer, Sozialarbeiter, Polizisten und Richter zu tun. Und vielleicht versteht ihr meinen Ärger besser, wenn ihr wisst, dass mir diese Zeigefinger- und Abgrenzungsrhetorik abseits dieser prekären sozialen Lagen ungemein auf die Nerven geht. Es ist so einfach, was schiefläuft dort, in den sozialen Brennpunkten unserer Gesellschaft zu erkennen und jene Verantwortung nur dort einzufordern, wo es einem selbst nicht weh tut.

All das haben Frank Schaefer und Meinolf Sprink sicher nicht bedacht. Sie haben sich verhalten, wie man sich eben so verhält, wenn man keinen zusätzlichen Ärger will und nachbarschaftliche Beziehungen nicht übermäßig strapazieren möchte. Wie gesagt, Verantwortung verbal einfordern lässt sich leicht. Verantwortung tatsächlich zu tragen, das ist anstrengend, weil oft konfliktvoll. Beide sollten sich daran erinnern, dass Verständnis zu haben nicht gleichzeitig bedeutet, jede Regelübertretung zu tolerieren.

Aber vielleicht unterschätze ich Frank Schaefer und Meinolf Sprink auch. Vielleicht denken beide sehr intensiv über unsere Gesellschaft nach und möchten die BayArena zu einem Zentrum des Aggressionsabbaus machen. Dann lautet die Botschaft ihrer Worte: Besucht die Heimspiele von Bayer Leverkusen, wenn ihr euch über irgendetwas geärgert habt. Reißt Sitzplätze aus der Verankerung, tretet Türen ein und schmeißt Bierbecher in die grün gewordene Imbissbude. Danach geht es euch besser, und die entstehenden Kosten teilen sich Bayer-Stiftung, Bayer AG und Bayer Leverkusen. Deutschland dankt für dieses einzigartige Anti-Gewalt-Projekt!

Die Schiedsrichter – Ein großartiger Film

Gestern Abend habe ich nur zehn Minuten dieses Films mir im WDR ansehen können. Sie waren so beeindruckend, dass ich heute morgen früher aufgestanden bin. „Die Schiedsrichter“, ein Film von Yves Hinant und Jean Libon, hat der WDR ins Netz gestellt.

Die Filmemacher haben während der Fußballeuropameisterschaft 2008 fünf Schiedsricher mit ihrer Kamera begleitet. Gezeigt wird das Schiedsrichterwesen als Sport im Sport. In dem Film voller Emotionen wird ein erhellender Blick hinter die Kulissen gewährt und es wird erkennbar, auch im Schiedsrichtermilieu geht es um die Freude am gelungenen Spiel und die Enttäuschung nach schlechten Spielen. Nur die Blicke der Schiedsrichter und all derer, die mit ihnen verbunden sind, gehen in einem Fußballspiel oft woanders hin, um das Spiel zu bewerten.

Es ist eigentlich selbstverständlich, doch wenn wir es tatsächlich sehen, wirkt es verblüffend und irritierend. Spannung und Freude der Offiziellen in der Schiedsrichterkommission, der Familienangehörigen von Schiedsrichtern und natürlich der Schiedsrichter selbst gelten dem richtigen Pfiff. Die Nähe der Kamera zu der Welt der Schiedsrichter unterstreicht sicher die Fremdheit dieser Erfahrung in dem uns doch so vertrauten Fußballspiel.

Was die meisten von uns zu kennen meinen, ist die Hektik auf dem Spielfeld. Doch sie ist noch viel größer, als wir sie uns vorstellen. Sie erleben wir, wenn die Bilder der Europameisterschaftsspiele unterlegt werden mit den stammelnden Headset-Gesprächen zwischen Schiedsrichter, seinen Assistenten und dem viertem Offiziellen. Die ungeheure Belastung und der psychische Druck für die Schiedsrichter wird auf überwältigende Weise spürbar. Nach dem Spiel, in der Kabine, geht es um die Freude über das perfekt geführte Spiel oder es geht um die Enttäuschung, wenn ein nicht gepfiffenes Abseits wie im im Spiel der Österreicher gegen die Polen zu einem Tor führte.

Die Kamera ist in Umkleidekabinen, in den Hotelzimmern oder in den Heimatstädten bei den zu Hause gebliebenen Familien nah dabei. Einen Kommentar gibt es nicht. Der Film steckt voller kleiner Beobachtungen. Da werden Ehrfurcht und Respekt der Schiedsrichter vor UEFA-Präsident Michel Platini ebenso gezeigt wie die quasitherapeutische Bearbeitung der Gefühle nach begangenen Fehlern.

„Die Schiedsrichter“ ist ein großartiger Film. Wer ihn gestern nicht sehen konnte,  sollte sich schnell ein wenig Zeit nehmen, ihn sich auf der Seite des WDR anzusehen. Denn genau weiß ich nicht, ob diese Wochenfrist für ins Netz gestellte Sendungen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks auch für Autorenfilme der Sender gilt.


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