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Heimatlied – Sektion Ruhrstadt – Folge 39: Horst Rathmann/Norbert van Tiggelen mit Tief im Westen

Der Deutschrock der 1980er, namentlich Klaus Lage, lebt im Heimatlied – Sektion Ruhrstadt weiter. Wenn ich „Tief im Westen“ von Horst Rathmann, Musik, und Norbert van Tiggelen, Text, höre, befinde ich mich jedenfalls zugleich auch im Jahr 1985. „Zahn um Zahn“ , ein Schimanski, läuft im Kino. Klaus Lage röhrt „Faust auf Faust“ als Titellied, und Götz George trifft auf Renan Demirkan.  Der suspendierte Schimanski und die investigative Journalistin Ulli verfolgen denselben Fall. Ich weiß heute noch genau, warum sich Schimanski in jene Journalistin hat verlieben können.

Im Text werden identitätstiftende Schlagwörter zur Ruhrstadt abgearbeitet. Das „Bei uns“ ist besagtes „Tief im Westen“, wo man „dat und wat“ sagt, „gerade heraus“ ist und Pommes rot-weiß ißt. Der Fußball rollt durchs Revier und ist Elixier, allerdings stehen nur drei nicht weiter erwähnenswerte Vereine für alle, was den Song in Duisburg sofort disqualifiert. Ihr könnte euch denken, warum. Das hätte leicht geändert werden können, da dieser Strophenteil sich wiederholt und die drei genannten Vereine durch andere hätten ersetzt werden können. Ihr seht, trotz meiner eigentlich wertungsfrei gedachten Sammlung verweise ich bei entscheidenden Qualitätskriterien auf weniger gelungene Arbeit.

 

Die angestoßene Erinnerung an den Kino-Schimanski hat mich bei Youtube nochmals nachschlagen lassen. Ich hätte gerne eine Szene aus dem Film mit Götz George und Renan Demirkan online gestellt. Die habe ich nicht gefunden. Bleibt „Faust auf Faust“ als Begleitmusik von Standfotos aus sämtlichen Schimanski-Jahrgängen, ohne eins mit Renan Demirkan, zu deren Seite ihr mit dem Link oben kommt.

 

 

Hinweise auf weitere online zu findende Ruhrstadt-Lieder nehme ich gern entgegen. Helft mit die Sammlung wachsen zu lassen.

Mit einem Klick weiter findet ihr Heimatlied – Sektion Ruhrstadt – Alle Folgen

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Halbzeitpausengespräch: Schimanski ist…ach, Götz George

Es war natürlich ein herber Dialog-Fehler im Drehbuch. Eine Gruppe MSV-Fans in einer Kneipe hebt die Biergläser, um anzustoßen und skandiert: „Zebrastreifen weiß und blau, immer wieder EM-ES-VAU.“ Wenn ich diese Szene zu Beginn des zweiten Clips sehe, komme ich innerlich ins stolpern. Natürlich hören wir Anhänger des MSV alle längst etwas anderes, wenn irgendwo auf dieser Welt „Zebrastreifen weiß und blau“ angestimmt wird. Niemals folgt etwas anderes als „jeder weiß genau, das ist der EM-ES-Vau“. Wir haben es den Machern dieses achten Schimanski-Tatorts Zweierlei Blut durchgehen lassen. Beim „Schimanski“ haben wir, die damals Jugendliche oder junge Erwachsene waren, über solche Kleinigkeiten hinweggesehen.

1984 ist Zweierlei  Blut ausgestrahlt worden. Die Geschichte spielte im MSV-Umfeld, und was wir sehen konnten, wirkte einigermaßen authentisch. Man muss sich dazu noch vergegenwärtigen, das Privatfernsehen hat es noch nicht gegeben. Drei TV-Programme bestimmten die Fernsehwirklichkeit Deutschlands. Die zur Verfügung stehende Zeit, mit der die einzelnen Orte dieses Deutschlands Aufmerksamkeit erhielten, war also sehr begrenzt. Um so bedeutsamer war die Wirkung, wenn dann einmal der große Scheinwerfer auf einen Ort fiel. Duisburg war für Schimanski der Ort, aber das Ruhrgebiet fühlte sich gemeint.

1981 war Götze George zum ersten Mal als Schimanski in den Wohzimmern der BRD zu sehen gewesen. Nun ist Götze George am 19. Juni im Alter von 77 Jahren gestorben. Gestern Abend verbreitete sich die Nachricht. Leise Melancholie begleitet mich, seidem ich es weiß. Denn dieser Schimanski ist ein sympathischer Teil meines Lebens so wie für die meisten Ruhrstädter meiner Generation +/- 10 Jahre. Dieser Schimanski hat zu unserem erwachenden Selbstwert als Ruhrstädter beigetragen. Denn die Arbeitswelt dieser Ruhrstadt versank Anfang der 1980er Jahre schon seit Längerem, und damit verblasste der Stolz dieser Region. Wir mussten etwas anderes finden als die Industriearbeit und zogen in Scharen in die von der SPD geförderten Bildungsinstitutionen. Wir begegneten klassischer bürgerlicher Bildung und fremdelten gegenüber abgehobenen Kulturwelten. Wir wollten am Boden bleiben und doch woanders hin.

Schimanski verlieh dieser diffusen, zum Teil widersprüchlichen Suche einen Ausdruck. Götz George als Schauspieler stand für alle, die diese Figur erschaffen hatten – Drehbuchautoren, Produzenten, Regisseure, die anderen Schauspieler, Kameraleute, die Ausstatter, das ganze Filmteam. Götz George half uns, unsere Ruhrstadtherkunft selbstbewusst in die Welt zu bringen, auch wenn ganz Deutschland weiter seinem Bild vom hässlichen Industriemoloch frönte. Den erwachsenen Verwaltern und Schaltern der Ruhrstadt damals gefiel dieser Schimanski nicht so gut. Wie sehr verkannten sie, dass Götz George als Schimanski mehr zum Selbstbewusstsein der Ruhrstadt beitrug als alle ihre hochglanzgeschönten Imagekampagnen-Bilder zusammen. Als ich das Historienbuch über die Ruhrstadt schrieb, war mir klar, ohne einen Beitrag zu Schimanski ist die jüngste Vergangenheit der Ruhrstadt undenkbar.

Bei youtube gibt es einen Zusammenschnitt von Szenen in zwei Teilen, die in diesen Räumen zum Gedenken an Götz George besonders gut geeignet sind. Meine leise Melancholie verliert sich sogar, wenn ich diese Szenen sehe. Sie kommt zurück. Das weiß ich auch.

Das letzte Wort zum Tod von Götz George lassen wir aber Schimanski sprechen, dem es als älter gewordener Mann mit einer gewissen Lust über die Lippen kommt. Die Jahre gehen ins Land und Menschen sterben. Ihre Bilder bleiben fürs erste.


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