Posts Tagged 'Sefa Yilmaz'

Klickhinweis: DU schreib(s)t, Scholz und Yilmaz und noch viel mehr

Mit dem Klickhinweis schlage ich heute zwei Fliegen mit einer Klappe. Es geht um die Ex-Zebras Heiko Scholz und Sefa Yilmaz und um etwas, was mir auch als Kees Jaratz neben dem Fußball  sehr am Herzen liegt, das Duisburger Kulturleben im Allgemeinen und das literarische Schreiben von Duisburger Jugendlichen im Besonderen.

Für xtranews – Das Duisburg Magazin hat mein  Autoren-Alter-Ego für die Themen abseits des Fußballs einen Text über besagtes literarische Schreiben von Duisburger Jugendlichen und dessen Stellenwert für Duisburgs Kulturleben geschrieben. Die Online-Ausgabe des Magazin findet ihr mit meinem Text als Eintrittstür einen Klick weiter. Das Literaturprojekt “DU schreib(s)t” blieb bei dem Ganzen natürlich nicht unerwähnt. Erzählt es also weiter. Wer keine Lust und Zeit für den Langtext hat, alle notwendigen Infos zum Projekt finden sich dort auch in komprimierter Form.

Neben diesem einen Herzensthema finden sich im Magazin für uns MSV-Interessierte auch ein Interview mit Sefa Yilmaz sowie ein Portrait über Heiko Scholz. Nicht zu vergessen andere  Texte über Duisburg, die xtranews – Das Duisburg Magazin zu einem lesenwerten unabhängigen Medium machen, in denen immer wieder auch Stimmen außerhalb des Mainstreams Öffentlichkeit finden. Absolut notwendig in der lokalen Presselandschaft.

Kardiologe für Blau-Weiß-Insuffizienz des Herzens gesucht

Das letzte Heimspiel der Saison steht an. Wahrscheinlich war es das Gefühl für für diesen Teil der Saisonanforderungen vor dem Ende zu stehen, warum sich Milan Sasic während der Pressekonferenz vor dem Spiel auf die Frage nach einem Höhepunkt dieser Saison einließ und einen Satz sagte, der als Bonmot in die Vereinshistorie des MSV Duisburg eingehen könnte. Zunächst einmal ist festzuhalten, wie präsent der Verlauf der Saison und die einzelnen Spiele für Milan Sasic ist. Es fällt ihm deshalb schwer, aus den vielen guten Spielen mit ihren Eigentümlichkeiten und eigenen Werten eines besonders hervorzuheben. Wenn er anfängt, sich zu erinnern, fällt ihm immer noch ein weiteres Spiel ein, in dem die Mannschaft auf eine besondere Weise gut gewesen ist. So reiht sich Spiel an Spiel, bis ihm auch das Halbfinalspiel im DFB-Pokal gegen den FC Energie  Cottbus durch den Kopf geht und er diesen einen Satz für den Zitatenschaft des MSV Duisburg sagt:

… die Kulisse, diese Choreografie, endlich die volle Bude gegen…gegen…Cottbus…ja, wenn dann…wenn dann eröffnet nicht Herz, wenn dann nicht Herz ist weiß-blau, dann tut mir Leid, dann muss er irgendwo allerbeste Kardiologe suchen, das irgendwo zu korrigieren.

Zum ersten Teil der Pressekonferenz geht es hier entlang.

Teil 2 der Pressekonferenz fällt wieder in die Rubrik Milan Sasic besser kennenlernen. Wir erleben erfolgreiche Strategien im Umgang mit Journalisten. Mit Ironie und dem steten Wechsel zwischen Distanz und Nähe behält er die Deutungshoheit über das Geschehen beim MSV Duisburg. Und als er jene Fragen abwehrt, die er offensichtlich als unpassend empfindet, nämlich die nach Kontakten mit dem 1. FC Köln, erhält man auch eine Ahnung von seiner Strenge und wie bestimmend er sein kann.

Jeden Spieltag stärker werden für den 21. Mai

Wenn die zwei letzten Spiele der Saison so verlaufen wie die Auswärtsbegegnung gegen den FSV Frankfurt, geht der MSV Duisburg bestens vorbereitet in das DFB-Pokalfinale. Zwar ist diese Meinung  mangels eigener Eindrücke vom Spiel eine aus zweiter Hand, doch durch das Lesen der Spielberichte wohl begründet. Schon als ich am Samstag nur hörte, dass Sefa Yilmaz zweimaliger Torschütze des MSV Duisburg gewesen ist, hellte das meine Stimmung sofort auf. Zum einen vermutete ich, diese zwei Tore waren sehr wahrscheinlich aus dem Spiel heraus gefallen; zum anderen ist anzunehmen, jede besonders gelungene Aktion von Sefa Yilmaz stärkt sein Selbstvertrauen, was wiederum der grundsätzlich vorhandenen Offensivkraft des MSV Duisburg zugute kommt.

Sicher, ich lese und bekomme es vom FSV-Trainer Hans-Jürgen Boysen in der Pressekonferenz nach dem Spiel bestätigt, der FSV Frankfurt hat nicht gut gespielt. Dennoch vermerkt der Spielbericht im Kicker flüssiges Kombinationsspiel der Frankfurter, und es macht mir große Freude von der stabilen Defensive des MSV Duisburg zu lesen, die dieses flüssige Kombinationsspiel am Strafraum beendete. Ich lese auch vom guten Konterspiel des MSV Duisburg, das zu unpräzise im Abschluss war. Das kennen wir aus dem Saisonverlauf. Heute aber vernachlässige ich erst einmal den unpräzisen Abschluss, weil das funktionierende Kontern trotz der bekannten Ausfälle von wichtigen Spielern eine gute Nachricht ist. Die gelungene Rückkehr von Ivica Grlic in die Mannschaft ist die nächste gute Nachricht vom Samstag. Sein Knie ist noch nicht wieder völlig belastbar, aber es deutet sich sein Einsatz in Berlin an, was bei einem wahrscheinlich aggressiven Pressing der Schalker auf jeden Fall eine große Verstärkung der Mannschaft wäre.

In der Pressekonferenz nach dem Spiel gehen Milan Sasic und der Trainer des FSV Frankfurt Hans-Jürgen Boysen herzlich miteinander um. Entsprechend des Spielverlaufs und des Ergebnisses zeigt sich Milan Sasic – im Clip bis Minute 1.59 –  zufrieden und merkt leichte Kritik nur für den Anfang der zweiten Halbzeit an. Danach ärgert sich Hans-Jürgen Boysen über das Spiel seiner Mannschaft und „freut sich mehr“ über einen Pokalsieger MSV Duisburg als über den der anderen Mannschaft, die noch teilnimmt.

Wenn ich nun an die beiden letzten Spiel der Saison denke, kommt mir das Heimspiel gegen den SC Paderborn wie eine erneute Möglichkeit vor, der Mannschaft des MSV Duisburg bei nur wenig Druck zu weiterer Sicherheit zu verhelfen. Das Spiel gegen den VfL Bochum aber wird dann wahrscheinlich eine anspruchsvolle Generalprobe für das Finale des DFB-Pokals. Der VfL Bochum wird wohl gewinnen müssen, wenn er den dritten Platz erreichen möchte. So erhält der MSV Duisburg die Möglichkeit, ein Spiel zu spielen, das von der Anlage her, dem Spiel gegen den FC Schalke 04 eine Woche später ähnlich sein wird. Benötigt wird eine sehr stabile Defensive und ein Konterspiel, bei dem mindestens einmal der Abschluss klappt. Besser hätte die Vorbereitung auf das DFB-Pokalfinale durch den Spielplan nicht unterstützt werden können.

Die Phönix-Reportage im Netz: Integration durch Fußball

Mittwoch vor einer Woche hieß es beim öffentlich-rechtlichen Sparten-Fernsehsender Phoenix Themen-Abend „Integration“. Unter anderem wurde in einer 30-minütigen Reportage gezeigt, was Fußball in dem Zusammenhang bedeutet – Fußball in Duisburg. Die Absicht – und damit die Aussage der Reportage – war von vornherein klar, es ging um die vorbildhaften Möglichkeiten und Gedanken, die in unserer Gesellschaft das Zusammenleben fördern können.

In 30 Minuten lässt sich nicht all zu sehr in die Tiefe der Wirklichkeit gehen. Es geht dann um ein Sammeln von positiven Erfahrungen und Meinungen, Schwierigkeiten bleiben außen vor. Das gilt besonders dann, wenn sich der Bogen der Reportage von der Alltagsarbeit in einem kleinen Fußballverein des Breitensports, dem SV Rhenania Hamborn, spannt hin zum professionellen Sport beim MSV Duisburg. Auf der einen Seite geht es um das Weiterleben einer grundlegenden Struktur dieser Gesellschaft in Vierteln mit hohem Migrantenanteil, auf der anderen Seite geht es neben den individuellen Erfahrungen der Berufssportler vor allem um die Möglichkeit zu symbolhafter Identifikation. Das Herausfiltern der entscheidenden Gründe für die Wirkung dieser Integrations-Arbeit muss man selbst vornehmen.

Im Interview erzählt das Vorstandsmitglied des MSV Duisburg, Dr. Stephan Bock, über die Bedeutung des MSV für die Stadt und wo er die integrierende Wirkung des Profisports wahrnimmt. Der Vorsitzende des SV Rhenania Hamborn, Cafer Kaya, erzählt über seinen Verein und dessen Arbeit im Breitensport. Diesem Breitensport im Duisburger Norden geben eine 11-jährige Spielerin der Rhenania-Mädchenfußballmannschaft und deren Trainerin die Gesichter. Der Co-Trainer des MSV Duisburg Fuat Kilic wird über die Bedeutung des Fußballs in seinem Leben befragt, und schließlich sitzen Olcay Sahan, Burakcan Kunt und Sefa Yilmaz zum Gruppeninterview am Tisch.

Ich halte solche Reportagen für wichtig, weil sie die Vielschichtigkeit von kulturellen Identitäten im Alltag zeigen. Wenn in der Öffentlichkeit über Integration diskutiert wird, bleibt das meist abstrakt und es ensteht häufig der Eindruck, Integration sei kein Prozess sondern ein Zustand. Entweder ist jemand integriert, oder er ist es nicht. Das Leben funktioniert anders.  Die Integrationsdebatte ist in großen Teilen eine versteckte Identitätsdebatte. Deshalb ist es tatsächlich wichtig, solche Orte in unserer Gesellschaft öffentlich zu machen, wo kulturelle Identitäten der einzelnen Menschen neu entstehen und sich diese Menschen aber als verantwortlich für die Gesellschaft hier ansehen.

Besonders anschaulich wird dieses Entstehen von Identität als Prozess und als Ergreifen von Möglichkeiten noch einmal am Ende der Reportage, als sich Olcay Sahan und Sefa Yilmaz zum Thema Nationalmannschaft äußern. Für welche Nationalmannschaft entschieden sie sich mit ihren deutsch-türkischen Biografien. Zum einen fällt es Olcay Sahan offensichtlich leichter als Sefa Yilmaz etwas spielerischer mit dem Thema umzugehen. Er löst die sich zwangsläufig ergebenden Widersprüche durch Humor auf. Zum anderen ist es auch eine Frage der Chancen, und das ruft doch sehr die ökonomische Grundlage jedes Ausbilden einer kulturellen Identität in Erinnerung. Sie spielten für die deutsche Nationalmannschaft, sagt Olcay Sahan und bezieht den zurückhaltenden Sefa Yilmaz flapsig mit ein. Wenn sie die Chance erhalten.

Das Video der Reportage stellt Phoenix  hier ins Netz.

Geteilte Meinungen über ein Spiel am frühen Abend

Es gibt noch kein abschließendes Urteil darüber, ob Fußball dieses oft beschworene einfache Spiel ist, von dem meist die Stürmer-O-Töne zeugen, oder ob er als ungeheuer komplexer Sport gelten kann, der selbst von Fachleuten nur unzureichend durchdrungen wird. Diese Meinung verbreiten eher die Trainer und Sachbuchautoren. Nimmt man die Meinungsvielfalt zum Maßstab, kann das Spiel des MSV Duisburg gegen Alemannia Aachen am frühen Freitagabend kann ganz klar als Argument für die Komplexitäts-Theorie gelten.

Ich selbst habe am Freitag ein überaus unterhaltsames und spannendes Spiel zweier guter Mannschaften gesehen, bei dem Spieler beider Mannschaften sich eine überschaubare Zahl von Fehlern erlaubten.  Zu meiner Überraschung las ich sowohl bei Der Westen als auch in der Rheinischen Post Spielberichte, in denen die Fehler anders gewichtet waren. Der Ton der Berichte ließ die Leistung des MSV Duisburg schlechter erscheinen, als ich sie gesehen hatte. In den Spielberichten von Kicker und Reviersport sah das anders aus. Da fand ich mein Urteil bestätigt.  Auch Meinungen im MSVPortal zur Leistung einzelner Spieler gehen weit auseinander.

Im Fokus steht da vor allem Daniel Reiche. Natürlich fiel der Ausgleich zum 1:1 kurz vor dem Halbzeitpfiff nach dem Abspielfehler von Daniel Reiche und auch beim zweiten Tor der Aachener stand er unglücklich zum Gegenspieler und rutschte zudem weg. Doch auf das gesamte Spiel bezogen habe ich ihn als gleichwertigen Ersatz für Bruno Soares gesehen – sogar mit einem kleinen Vorteil für ihn beim Spielaufbau. Da müssen eigentlich Fakten her für ein Urteil und wer Zeit hat, analysiere die „Spiel-Matrix“ bei Bundesliga.de. Nur erinnere man sich dann daran, dass auch diese Daten nur die Interpretation von – wenn auch geschulten – Beobachtern des Spiels sind. Ob etwa ein misslungenes Tackling nur dem Spieler zuzurechnen ist oder in Teilen auch der misslungenen Aktion eines Mitspielers kurz zuvor, das steht nicht in diesen Daten. Deshalb überlasse ich für heute der sportlichen Leitung meines Vertrauens die abschließenden Urteile über die Leistungen der Spieler.

Denn meine Zufriedenheit nach dem Freitagsspiel gegen Aachen beruht nicht nur auf der Leistung der Mannschaft sondern auch auf Entscheidungen der sportlichen Leitung zur Spielweise dieser Mannschaft. Das schnelle Passspiel mit einem kontrollierten Spielaufbau schon aus der Defensive heraus war als taktische Anweisung für die Spieler deutlich zu erkennen. Die bevorzugten Anspielstationen waren die Flügel, doch wurden die Angriffe auch variiert, indem Flügel und Mittelfeldspieler zum Anspiel immer wieder auch mehr nach innen rückten. Die Spieler schienen zu wissen, der Fehler bei diesem Passspiel war eher erlaubt als der lange Pass als Notausstieg. Der unbedingte Versuch, Sicherheit und Vertrauen der Spieler in diese nach dem Ausfall von Stefan Maierhofer notwendige Spielweise zu bringen war für mich ein klares Bekenntnis zur vorhandenen Qualität der Mannschaft. So etwas ist ein Signal an die Spieler auch und gerade im Hinblick auf das Pokalfinale. Diese Spielweise lässt hoffen.

Beim Wechsel von Filip Trojan für Sefa Yilmaz war ich allerdings nicht auf der Seite der sportlichen Leitung meines Vertrauens. Das war ein uninspirierter Standardwechsel. Eigentlich war ich schon im Begriff angenehm überrascht zu sein, als ich Olcay Sahan im Moment des Wechsels zur Seitenlinie gehen sah. Diesen Wechsel hätte ich mutig gefunden, vor allem richtig, weil leistungsgemäß. Vielleicht ist aber auch bei diesem Wechsel alles viel komplexer, und das Verbleiben von Sahan war in einem von mir nicht durchschauten Gesamtsystem notwendiger als das von Sefa Yilmaz. Ausreichend erklären könnte Milan Sasic mit Sicherheit den Wechsel.

Der guten Nachrichten sind noch nicht genug. Srdjan Baljak gewinnt rechtzeitig zum Saisonhöhepunkt seine Klasse zurück. Er erläuft sich die Bälle wieder wie in der Hinrunde, selbst aus härtesten Pässen nimmt er bei der Annahme elegant die Geschwindigkeit, so dass sie ihm nicht mehr verspringen und im Zweikampf gewinnt er seine Durchsetzungsfähigkeit zurück. Die Notlösung Jürgen Säumel auf der linken Seite in der Defensive entpuppte sich vor allem im Spiel nach vorne als folgerichtige Option. Man merkt aber, sein Spielverständnis ist auf einen Platz im Mittelfeld ausgerichtet und ihm mangelt es an Automatismen auf der hintersten Linie der Mannschaft. Aber das hat mit der Sicherheit von Branimir Bajic an seiner Seite im Laufe des Spiels immer besser funktioniert. Auch Maurice Exslager hatte sich offensichtlich vom inneren Druck befreien können. In den Spielen bislang wirkte er schnell etwas übertourig und hastig. Davon war in diesem Spiel nichts mehr zu merken, um so schöner, dass er den Ausgleich erzielen konnte. Das Spiel rundete sich mit dem Siegtreffer durch Goran Sukalo. Er hatte zu Beginn den Elfmeter verschossen und bildete die letzte Anspielstation nach einer Dreierkombination von jeweils steil gespielten Pässen. Gerade diese Kombination mit dem erfolgreichen Abschluss weist in die Zukunft. Sie ist das Ergebnis von vorhandener Sicherheit im Kurzpassspiel und der Möglichkeit zum Tempo bis zum Abpfiff.

Um stärker besetzte Gegner zu schlagen, ist für eine Fußballmannschaft das Gefühl, von einer guten Stimmung getragen zu werden, keineswegs hinderlich. Solche Spiele schaffen diese Stimmung in der Mannschaft und im Umfeld. Dazu tragen dann auch die Momente nach dem Spiel bei. Julian Koch und Stefan Maierhofer waren im Stadion. Sie kamen nach dem Spiel mit ihren Krücken auf das Spielfeld gehumpelt, um sich gemeinsam mit den Kollegen zu freuen. Es war zunächst Julian Koch, den der „Stimmungsblock“ hochleben ließ, so dass er sich mit seinen Krücken auf den Weg Richtung KöPi-Tribüne machte. Kurze Zeit später eilte Stefan Maierhofer hinterher. Am Zaun angekommen boten beide tanzend und hüpfend den Fans nicht nur ein erinnerungswürdiges Bild für die MSV-Historie, sondern lieferten ihnen damit auch die Vorlage für ein witziges Gemeinschaftswerk. Titel des Ganzen: „Wer nicht hüpft, der ist kein Zebra“.

Wer´s verpasst hat, bitte schön …

Die wichtige Nachricht ist nicht die vom Sieg gegen Fortuna Düsseldorf

Was ist der Unterschied zwischen dem gestrigen Spiel des MSV Duisburg gegen Fortuna Düsseldorf und den letzten vier Spielen gegen den 1. FC Union Berlin, gegen Rot-Weiß Oberhausen, gegen Arminia Bielefeld und gegen den Karlsruher SC? Der Unterschied zu torlosen Unentschieden und Niederlagen ist nicht der Sieg mit 1:0. Der entscheidende Unterschied ist, dass ich gestern Abend selbst bei einem Unentschieden oder einer Niederlage zufrieden nach Hause gegangen wäre. Denn der MSV Duisburg hat versucht, das Spiel variabel zu gestalten. Erfolgreich war die Mannschaft in der ersten Halbzeit damit nicht. Die Ansätze des Offensivspiels vom MSV wurden von Fortuna Düsseldorf meist im Keim erstickt. Doch in der zweiten Halbzeit platzte der Knoten. Der Mannschaft vom MSV Duisburg gelang nun der Wechsel zwischen schnellem Kombinationsspiel, den Angriffen im eins gegen eins über die Flügel oder auch den längeren und hohen Bällen, die aber nicht nur Stefan Maierhofer zum Ziel hatten.

Im Spielbericht vom Kicker stimmt ein Satz über die erste Halbzeit nicht, und es ist ein sehr entscheidender Satz: „Die Hausherren probierten es meist mit langen Bällen auf Maierhofer, kamen dabei aber kaum zu Torraumszenen.“ Sie probierten es in der ersten Halbzeit eben nicht nur mit diesen langen Bällen. Die Versuche der Mannschaft auf andere Weise nach vorne zu spielen waren nur nicht erfolgreich. Es gab aber die anderen Angriffsversuche dennoch, und es ist bei allem anfänglichen Misslingen lobend hervorzuheben, dass es sie gab. Die Spieler vom MSV Duisburg waren vorsichtig. Sie wollten kontrolliert spielen und keine Fehler begehen. Sie versuchten ein Flachpassspiel im Mittelfeld aufzuziehen. Das gute Defensivverhalten der Düsseldorfer ließ dazu aber nur wenig Raum. Dennoch war das Flachpassspiel fast immer die erste Wahl für den Angriffsversuch, und nur dazwischen erinnerte ein langer Ball manchmal an die letzten Spiele. Noch einmal: Diese langen Bälle wurden vom MSV Duisburg auch in der ersten Halbzeit keineswegs ununterbrochen geschlagen. Das ist die bedeutsame Nachricht vom gestrigen Abend.

Dieser Hinweis fehlt in den Spielberichten der Print-Kollegen, ob im RevierSport, bei der Der Westen oder eben im Kicker. Dort wird bei der grundsätzlichen Wertung das Augenmerk nur auf das Ergebnis gelegt und darüber lässt sich wenig streiten.  Fortuna Düsseldorf wirkte in der ersten Halbzeit überlegen. Wichtig ist aber der Hinweis auf die Konsequenz, mit der der MSV Duisburg seine Angriffe auf spielerische Weise versuchte. Dieser Hinweis ist deshalb wichtig, weil er auf die wiedergewonnene psychische Stabilität der Mannschaft deutet. Diese Mannschaft hat in der ersten Halbzeit bei aller Vorsicht sehr viele Fehler gemacht. Zögerlichkeit war immer wieder zu merken und bei einigen Spielern drohte Frustration. Anspannung und Konzentration zerfielen oft den einen Spielmoment zu früh. In der Defensive sorgte das für Gefahr, wenn gegnerische Spieler einen Meter zu wenig begleitet wurden. Daniel Reiche und Goran Sukalo etwa luden da gemeinsam und einvernehmlich kurz vor der Pause Fortunas Stürmer zum Schuss ein. Oder Branimir Bajic passte zu Beginn des Spiels den Ball freundlich zum Gegner, Olivier Veigneau nahm dazu den Umweg über das Seitenaus. Auch in der Offensive wirkte es oft so, als würde zu früh abgeschaltet. Düsseldorfs Spieler waren nicht fehlerlos, doch wenn Duisburger Spieler den Blick vom Ball schon im ersten Moment nach der scheinbar misslungenen MSV-Spielaktion abwenden, haben diese Fehler niemals Folgen.

Die erste Halbzeit gehörte also Fortuna Düsseldorf, die zweite Halbzeit aber dem MSV Duisburg. Wobei die Überlegenheit des MSV meiner Meinung nach in der zweiten Halbzeit größer war als die der Fortuna in der ersten. In dieser ersten Halbzeit spielte Fortuna Düsseldorf zunächst das bessere Pressing, stand sicherer in der Abwehr, kombinierte erfolgreicher und erarbeitete sich dadurch die größeren Chancen. Sie brauchten allerdings zu wirklichen Chancen die starke Unterstützung der MSV-Defensive.

In der zweiten Halbzeit war es genau umgekehrt, obgleich die Spielanlage des MSV Duisburg keine andere wurde. Ein wenig wirkte es so, als wäre Fortuna Düsseldorf nach der Halbzeitpause von der Entschlossenheit des MSV Duisburg überrumpelt worden. Die Fortunen schienen nicht darauf eingerichtet zu sein, sehr viel aggressiver als in der ersten Halbzeit attackiert zu werden. Als zudem die Kombinationen des MSV Duisburg sogleich nach dem Wiederanpfiff gelangen, stellte sich die lang vermisste Sicherheit der Mannschaft wieder ein. Abschläge des Düsseldorfer Torhüters Michael Ratajczak wurden abgefangen und sofort zurück Richtung Düsseldorfer Strafraum gespielt. Der Spielaufbau des MSV Duisburg wurde schneller und schneller, die kurzen Pässe kamen an und wenn ein Ball denoch verloren wurde, ward er augenblicklich wieder zurück erobert.

Auch das Tor durch Stefan Maierhofer wirkte erneut wie ein Sinnbild für die Spielweise des MSV Duisburg, die endlich wieder an die Mannschaft der Hinrunde erinnerte. Ja, da kam ein Ball aus dem Mittelfeld mit einem halbhohen Pass geschlagen, doch zuvor hatte es schnelle Kombinationen über die Flügel gegeben. Und nun wurde der Ball hoch ins Zentrum, zehn, fünfzehn Meter vor den  Strafraum gespielt. Doch er wurde auf einen sich bewegenden Spieler geschlagen und nicht auf einen stehenden, zudem war es Sefa Yilmaz und nicht Stefan Maierhofer, der per Kopfball in den Lauf von eben diesem Stefan Maierhofer weiterleitete. Dieser ganze Spielzug entwickelte Gefahr, weil die Spieler in Bewegung waren und nicht aus dem Stand heraus, den Ball erobern mussten. Schon zuvor hatte Stefan Maierhofer angedeutet, dass er sich an dem Tag seiner Schussqualität sicher. Er suchte den Abschluss aus der Distanz, und in dem Fall traf er den Ball perfekt, so dass er nicht nur mit sehr viel Wucht aufs Tor flog, sondern zudem noch einmal im Strafraum aufsetzte.

Wenn die Mannschaft im Finale des DFB-Pokals eine Chance gegen den FC Schalke 04 haben will, muss sie sich, egal mit welcher Taktik sie dieses Finale bestreitet, ihrer variablen Spielweise wieder sicher werden. Diese Mannschaft muss fühlen und erleben, dass jeder der Spieler gegen alle Widrigkeiten gut genug ist, um spielerisch zu bestehen und Fehler im eigenen Spiel hinnehmen zu können. Diese Fehler werden passieren. Sie dürfen aber nicht zu Ärger oder Frustration führen, wie es vor dem Spiel gegen Fortuna Düsseldorf manchmal der Fall gewesen zu sein schien. Am Anfang des Spiels war auch deutlich zu sehen, Daniel Reiche braucht Spielpraxis – mit Blick auf das Finale sogar dann, wenn es gegenüber Bruno Soares ungerecht wäre.  Daniel Reiche muss sich an die Intensität des Wettkampfs erst wieder gewöhnen. So konkurrenzbetont ein Vereinstraining auch sein mag, das Spiel gegen den Gegner ist  immer noch etwas intensiver.

Zu einem kleinen Vorbericht bin ich gestern nicht mehr gekommen, deshalb sei hier auch noch eine Einschätzung zum Verhältnis von Fortuna Düsseldorf zum MSV Duisburg aus dem Blog Fortuna Düsseldorf nachgereicht – ein Text, in dem auch einige Sympathie für die Duisburger Finalteilnahme anklingt.

MSV Duisburg mit Herz für Sportjournalisten

Der MSV Duisburg zeigt Herz für Sportjournalisten. Die bereits geleisteten und noch zu erwartenden Überstunden durch Sonderbeilagen und vermehrter Berichterstattung über den MSV Duisburg im Pokalwettbewerb müssen ja irgendwie abgearbeitet werden. Wahrscheinlich denken sich die Leute im Verein deshalb, da helfen wir, da packen wir mit an. Am besten die Mannschaft tritt in den Meisterschaftsspielen einfach so auf, dass die sympathischen Jungs und Mädchen von der Sportpresse ihre alten Texte immer wieder neu nutzen können.

Ich konnte gestern beim Spiel vom MSV Duisburg gegen den Karlsruher SC nur während der ersten Halbzeit Marco Röhling bei Radio DU zuhören. Er sprach von einer noch schlechteren Leistung des MSV Duisburg als im Spiel gegen Arminia Bielefeld. Wenn ich heute die Berichterstattung in der Printpresse lese, habe ich das Spiel sofort lebendig vor Augen. Im RevierSport wird getitelt „Lust- und ideenlos“, im Kicker lese ich „die ‚Zebras‘ … wirkten recht ideenlos im Spiel nach vorne“, und bei Der Westen wird der bekannte Spielbericht noch mit der Bemerkung „schlichen sich bislang unbekannte Abwehrfehler ein“ variiert.

Wenn ich das lese, bin ich nicht enttäuscht über den „Abschied aus dem Aufstiegsrennen“. Ich habe da keine Erwartungen gehabt. Ich habe zwar auf das Unaussprechliche gehofft, aber den Aufstieg in weiter Ferne gesehen. Ich habe tatsächlich diese Saison der alten Fußballerfloskel gemäß von Spiel zu Spiel gedacht. Deshalb mache ich mir nun einzig und allein Gedanken über Milan Sasics Reaktion in der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen den Karlsruher SC auf die Frage eines Journalisten nach den schlechten Leistungen in den zurückliegenden Meisterschaftsspielen. Milan Sasic wirkte über die Frage nicht erfreut und antwortete nur indirekt. Er wollte nicht die einzelnen Spiele in der Meisterschaft betrachtet sehen, sondern „das Gesamtpaket„, wie es hier auch nochmals bei Der Westen aufgegriffen wird. Dieses Gesamtpaket beinhalte den Sieg im Pokalhalbfinale. Dieser Sieg soll also das Gegengewicht bilden zu den Niederlagen und Unentschieden in den Meisterschaftsspielen. Zu der ideenlose Spielweise sagte Milan Sasic nicht viel.

Ich habe die gleiche Frage an Milan Sasic, und dabei geht es mir gar nicht um die Ergebnisse. Mir geht es um eine ehrliche Analyse der Spielweise des MSV Duisburg in den letzten Spielen. Ich nehme in dieser Saison solche Leistungen auch über einen längeren Zeitraum hin, wenn sie mir erklärt werden. Ich will dann nichts über Schiedsrichterleistungen hören. Ich will nichts über einen kleinen Kader hören. Ich will einzig und allein erklärt bekommen, warum seit einigen Spielen das einzige Mittel des Angriffs der lange Ball auf Stefan Maierhofer ist.

Als Milan Sasic in Duisburg seine Arbeit begann, waren aus Kaiserslautern sehr widersprüchliche Kommentare über ihn zu lesen. Es war schnell klar, der Mann lässt andere Menschen zur sehr entschiedenen und sehr gegensätzlichen Urteilen kommen. Nicht immer ging es dabei um den Fußball, der beim 1. FC Kaiserslautern gespielt wurde. Wenn das aber der Fall war, wurde eins bemängelt, die ideenlose Spielweise der Mannschaft, in der nur lange Bälle nach vorne geschlagen wurden. Das soll nun keine Trainerschelte werden. Wenn ich aber ohne Erklärungen bleibe, gerate ich in dieselbe Lage wie viele Anhänger des 1. FC Kaiserslautern seinerzeit. Ich verstehe die Spielweise meiner Mannschaft nicht mehr.

Milan Sasic hat in Duisburg schon einmal Fehler eingesehen und sich öffentlich dazu geäußert. Da ging es um seinen Umgang mit den Mitarbeitern des MSV Duisburg. Es ging um seine direkte Art und seinen Perfektionismus, den er von allen Mitarbeitern des MSV einfordert. Mit dieser öffentlichen Erklärung erschienen auch die Kommentare zu seiner Persönlichkeit aus Kaiserslautern in einem anderen Licht. Nun geht es um sportliche Belange.  Es ist das eine in Zeiten von Erfolgen, eine Einheit mit den Zuschauern herzustellen. Diese Einheit muss sich in Zeiten von Misserfolgen bewähren.

Milan Sasic kann mit zwei Maßnahmen diese neue Einheit des Vereins mit den Zuschauern bewahren und weiter festigen. Er müsste über die Niederlagen genauer auch in der Öffentlichkeit sprechen. Er müsste über misslungene Taktik reden und nicht nur über das misslungene  Bekämpfen des Gegners und den Willen der Mannschaft. Die zweite und sicher schwierigere Maßnahme wären Veränderungen der Spielanlage. Wenn ich allerdings die Einwechselung von Sefa Yilmaz  und Manuel Schäffler sofort zu Beginn der zweiten Halbzeit im Spiel gegen den Karlrsruher SC sehe und den damit verbundenen Versuch, die langen Bälle durch eine variablere Spielweise zu ersetzen, denke ich erleichtert, vielleicht hat Milan Sasic auch in diesem Fall sich gegenüber seiner Zeit beim 1. FC Kaiserslautern längst geändert.

Der Unsinn vom Rückschlag

Manchmal überrasche ich mich doch selbst. Da befürchtete ich vor dem Spiel des MSV Duisburg gegen den TSV 1860 München, nach dem Spiel wäre ich mit dem von mir erhofften Unentschieden dennoch unzufrieden. Stimmt aber gar nicht. Mir langt das 1:1 voll und ganz. Das mag daran liegen, dass ich das Spiel am PC gesehen habe und dabei das Unentschieden dank der Famillje in etwa nachspielen konnte. Beide Tore habe ich nämlich verpasst, weil in den jeweiligen Momenten Frau und Sohn dringender Hilfe bedurften. Das Auswärtsspiel als ausgesprochenes Heim-Spiel birgt manche Ablenkung.

Bis etwa zur 25. Minute war das Spiel ausgeglichen. Danach gelang dem MSV Duisburg kaum mehr etwas Konstruktives nach vorne. Immer öfter musste der lange Pass als Versuch eines Angriffs herhalten. Allerdings war mit der Streuweite selbst ein Kampfsprinter wie Stefan Maierhofer überfordert. Ein paar Steilpässe endeten im Nichts, und die Versuche eines Kurzpassspiels wurden knapp nach der Mittellinie vom TSV 1860 München unterbunden.

Deshalb wirkte der TSV 1860 München immer spielbestimmender,  zunächst noch ohne kontinuierlich Torgefahr auszustrahlen. Aber wenn nahezu jeder Pass in die gegnerische Hälfte fast augenblicklich wieder zurückgespielt wird, dann wissen wir, braucht die verteidigende Mannschaft selbst bei einer sehr guten Abwehrleistung auch viel Glück, um kein Tor hinnehmen zu müssen. Die Führung des TSV 1860 München war nur noch eine Frage der Zeit. Deshalb nahm ich vor der Pause beim kurzzeitigen Verlassen meines Platzes das Gegentor in Gedanken schon einmal vorweg. Ich mag keine unangenehmen Überraschungen. Was ist das Schlimmste, was passieren kann?, frage ich mich. Und wenn ich mir das dann vorstelle und ich sehe, das Leben geht selbst dann in absehbarer Zeit einigermaßen normal weiter, wirkt so ein Rückstand vom MSV Duisburg schon sehr viel verträglicher.

In der zweiten Halbzeit nahm der MSV Duisburg zwar auch im Angriff wieder etwas mehr am Spiel teil. Richtig gefährlich wurde es aber nicht. Die größeren Torchancen hatten die Münchner. Nachdem in der 60. Minute Maurice Exslager, Sefa Yilmaz und wenig später noch Manuel Schäffler eingewechselt wurden, geriet das Spiel des MSV Duisburg noch einmal etwas kraftvoller, aber keineswegs torgefährlicher. Ich begann, mich mit einer Niederlage abzufinden und dann rief mich fünf Minuten vor Spielende mein Sohn. Ich war kurz weg, kam wieder und es stand Unentschieden. Großartig! In diesem Spiel einen Punkt zu gewinnen, das glich einem Sieg.

Auch deshalb ist es völliger Unsinn einen Spielbericht mit der Überschrift „Rückschlag für Duisburg im Aufstiegskampf“ zu betiteln. Diese Überschrift lässt die besonderen Begebenheiten dieses Spieltags außer Acht. Als ich diese Schlagzeile am Samstagabend las, dachte ich sofort auch, hat der Schlagzeilentexter hellseherische Fähigkeiten? Weiß er, wie die anderen Mannschaften spielen? Und siehe da, der FC Energie Cottbus verliert einen Tag später sein Auswärtsspiel beim Karlsruher SC, und wenn sich der FC Augsburg und der VfL Bochum heute Abend Unentschieden trennen sollten, hätte dieser Spieltag nur bei sehr großem Glück besser verlaufen können.

Wer die mitgereisten Fans die Mannschaft unterstützen hörte, erkennt, wie sehr sich dieser Verein MSV Duisburg und sein Umfeld innerhalb kurzer Zeit gewandelt haben. Diese so intensive Unterstützung trägt mit zur Identität des Vereins bei und wirkt auf ein noch zögerndes Fußballpublikum Duisburgs zurück. Zurzeit gehen alle am MSV Interessierten in eine Richtung. Dabei wird es immer schwieriger, das realistische Verhältnis zu den Verheißungen der Zukunft zu finden. Natürlich wird das Halbfinale im DFB-Pokal gegen den FC Energie Cottbus kein Selbstläufer. Die Mannschaft des MSV Duisburg hat sich in den letzten zwei Heimspielen gegen Cottbus schwer getan zu gewinnen. Verloren wurden die Spiele allerdings auch nicht. Wir sind uns einig, diese Auslosung ist die beste aller möglichen Spielpaarungen und ich wünsche mir sehr, Claus-Dieter Wollitz, „Pele“ genannt, ins Schwärmen zu bringen. Über das Spiel des MSV Duisburg und das Duisburger Publikum gleichermaßen.

Aus zweimal „Schwein gehabt“ wird doch kein Schweinespiel

Glaubt nur nicht, dass ich die ganze Winterpause hindurch auf dem Sofa gelegen habe. Die nahezu täglichen Trainingseinheiten brachten nur nichts Lesenswertes hervor. Ich war unter anderem noch zu sehr mit der Aufarbeitung des Pokalspiels in Köln und der hasserfüllten Atmosphäre dort, direkt neben dem Gästeblock, beschäftigt; vielleicht gibt es dazu in dieser Woche noch ein paar Fragmente. Vor dem gestrigen Spiel des MSV Duisburg gegen den VfL Osnabrück habe ich am Samstag dann noch ein paar Fingerübungen zum Warmmachen unter Ausschluss der Öffentlichkeit absolviert, und schon kann auch ich heute in die Rückrunde starten. Dabei hoffe ich, eine ebenso gute Leistung zeigen zu können, wie ich sie gestern von der Mannschaft des MSV Duisburg gesehen habe. Nicht das ganze Spiel über, das ist schon klar. Es redet niemand drum herum, dass der VfL Osnabrück ab etwa der 20. Minute bis zu den drei, vier Minuten kurz vor der Pause mindestens gleichwertig war und sich sogar Chancen erspielte, um in Führung zu gehen.

Dabei war der MSV Duisburg souverän gestartet. Wir sahen die Mannschaft kombinationssicher im Spiel nach vorne, dazu variabel auch immer wieder mit längeren Bällen den Erfolg suchend. Hinten geschah nicht viel, alleine Julian Koch war anzumerken, dass er sich erst wieder auf der rechten Außenverteider-Position einfinden musste. In den ersten 18 bis 20 Minuten sah es so aus, als ginge es nur um die Höhe Sieges. Schließlich schoss Filip Trojan bereits in der fünften Minute das Führungstor, nachdem er sich mit einer wunderbaren Einzelaktion auf der linken Seite von der Eckfahne aus in den Strafraum ziehend gegen zwei Osnabrücker Spieler durchgesetzt hatte. Doch mit einem Mal reihte sich Fehlpass an Fehlpass, und der Mannschaft gelang es nicht mehr, den Ball sicher über die Mittellinie zu bringen. Als dann auch der lange Ball auf Stefan Maierhofer die Osnabrücker Abwehr vor keine größeren Probleme mehr stellte, wurde das Spiel des VfL Osnabrück immer druckvoller.

Jeder Eckball der Osnabrücker schien Gefahr zu verheißen, und das Tor des VfL Osnabrück war dann nur die Bestätigung einer immer größer gewordenen Befürchtung. Danach hatte der MSV Duisburg noch einmal Glück, dass der Ball nach einer Parade von David Yelldell beim Aufspringen nicht mehr Effet erhielt. Der Ball flog nicht Richtung Tor, sondern Yelldell konnte ihn problemlos aufnehmen. Schwein gehabt, heißt das dann, was aus dem Spiel aber kein Schweinespiel machte, wie es Tobias Willi vor der Begegnung erwartet hatte.

Weder Glücks- noch Schweinespiel wurde die Begegnung deshalb, weil die Mannschaft des MSV Duisburg in der zweiten Halbzeit sich ihrer spielerischen Möglichkeiten wieder sicherer wurde. Dazu trug das frühe Führungstor bei, das nach einem beeindruckenden Flankenlauf von Oliver Veigneau Stefan Maierhofer mit einem Kopfball erzielte. Man merkte, die Verunsicherung durch die Fehlpässe war wieder verschwunden. Das gehemmte Spiel der ersten Halbzeit war vergessen, der unbedingte Siegeswille war wieder da.

So lässt sich das dritte Tor des MSV Duisburg als eine Geschichte dieses unbedingten Willens erzählen. Julian Koch trieb den Ball mit bekannter unbändiger Kraft nach vorne und setzte sich in allerletztem Moment gegen den Versuch des Wegspitzelns durch, um den Ball ein klein wenig zu kurz zum rechts frei stehenden Stefan Maierhofer zu spielen. Doch Maierhofer rutschte mit großem Risiko in diesen Pass hinein, um ihn vor dem Osnabrücker Abwehrspieler in die Mitte zurückzuspitzeln. Dort kann Sefa Yilmaz aus dem Lauf heraus schießen. Sehr fest war der Schuss nicht, doch für den Torwart wurde er unerreichbar abgefälscht.

Mit der Erfahrung aus der ersten Halbzeit wollten wir uns aber dem Siegesgefühl noch nicht ganz anvertrauen. Bei einem vierten Tor erst waren wir bereit, uns zu entspannen. Für einen möglichen Anschlusstreffer war uns die Mannschaft des MSV Duisburg nicht souverän genug. Deshalb schreckte uns noch einmal ein Osnabrücker Eckball, der im Fünfmeterraum aufsprang und am gesamten Tor in einer Höhe vorbeiflog, bei der alle Spieler den Ball knapp verpassten. Bei solchen herrenlosen Bällen wirkt jeder Spieler egal, was er auch tut, unbeholfen. Für uns Zuschauer sehen solche Bälle einfach so aus, als müssten sie getroffen werden können. Noch einmal „Schwein gehabt“.

Kurz danach durften wir uns endgültig entspannen, weil Olcay Sahan das Tor machte, was er inzwischen recht sicher machen kann. Er dribbelt sich so nah wie möglich ans Tor heran und schließt aus etwa fünf Meter vor dem Tor ab. An so einer Spielaktion wird deutlich, wie sehr sich Olcay Sahan weiter entwickelt hat. Vor einem Jahr noch wäre die Wahrscheinlichkeit groß gewesen, dass er diese Chance vergeben hätte. Wenn er einmal ohne vorheriges Dribbling sicher treffen wird und zudem aus größerer Entfernung, muss der MSV Duisburg stabil in der ersten Liga spielen, um ihn halten zu können. Aber Leistungsvermögen des einzelnen und Tabellenstände bedingen sich ja gegenseitig. Deshalb sehe ich der Rückrunde erwartungsfroh entgegen. Ivica Banovic war nicht anzumerken, dass er sein erstes Spiel für den MSV Duisburg nach nur kurzer Eingewöhnungszeit absolvierte. Er passt hervorragend zu der Mannschaft, und wenn seine Schusstechnik auch einmal wieder eine geringere Streuweite seiner Torschüsse möglich macht, wird die Mannschaft immer unberechenbarer. Dann könnten fast alle Spieler der Mannschaft torgefährlich werden, wenn es nötig ist. Dieses erste Spiel der Rückrunde vom MSV Duisburg lässt mich sehr ungeduldig auf das nächste Spiel warten.

Eine Übung in komplexem Denken

Im Moment fällt es mir schwer, Geschichten zu erzählen. Auch kurze Texte hier sind Geschichten mit Anfang und Ende. Wir machen aus unseren Erfahrungen immerfort Geschichten. Wir meinen Fakten zu erzählen und wollen doch nur deuten. Diese Geschichten halten uns am Leben, sie geben uns Sinn. Manchmal passt wenig zusammen, da bleiben Gedanken vereinzelt, selbst wenn Anfang und Ende der Geschichte wie bei einem Fußballspiel vorgegeben sind.

Ich versuche es trotzdem mal: Der MSV Duisburg hat das letzte Heimspiel gegen den VfL Bochum mit 0:1 verloren, und mir ist nicht ganz klar, welche Schlüsse wir und damit auch die sportlich Verantwortlichen aus  dieser Niederlage ziehen können. Eins ist sicher: Ich bin nicht unzufrieden mit der Entwicklung beim MSV Duisburg. Durch den Verlauf der Hinrunde stellt sich dieses Gefühl aber nicht unmittelbar ein, sondern ich muss es hervorrufen. Zu dieser Zufriedenheit braucht es im Nachgefühl der Niederlage ein wenig den Entschluss. Vor der Saison hatten viele von uns die vorhandenen 30 Punkte und den jetzigen Tabellenstand des MSV Duisburg nicht erwartet.

Wir müssen damit umgehen, dass das Spiel nicht schön anzusehen war.  Die Mannschaft des MSV Duisburg hat im Moment ihren Rhythmus verloren und die Vielfalt ihrer spielerischen Möglichkeiten. Dieses Spiel besteht nicht mehr aus Angriffsversuchen, die sich allmählich aufbauen und im steten Fluss bleiben. Dieses Spiel wirkt stoßweise, egal ob es die wenigen Angriffsversuche über die Flügel sind oder die vielen langen Bälle auf Stefan Maierhofer. Es scheint so, als ob die Mannschaft die Winterpause braucht. Sie muss sich regenerieren. Neue Ideen für das Spiel des MSV Duisburg sind vielleicht nötig.

Die Selbstverständlichkeit und Leichtigkeit des Bemühens ist der Mannschaft abhanden gekommen. So gibt es kaum mehr ein schnelles Kurzpassspiel, weil das Risiko des sofortigen Abspiels vermieden wird. Es ist eine paradoxe Angelegenheit: Anscheinend verhindert die Sorge, dass der Ball nicht ankommt, den notwendigen schnellen Pass. Erst wird der Ball noch ein, zwei Meter zur Sicherheit am Fuß geführt, dann wird abgespielt und in der Zeit sind die ohnehin schon engen Räume für den Pass längst so eng geworden, dass ein Verteidiger mühelos den Ball aufnehmen kann.

Diese Mannschaft besitzt im Moment also nicht mehr die Möglichkeiten aus der Zeit bis vor vier Wochen. Ist dann der so häufig gespielte lange Ball auf Stefan Maierhofer Notlösung oder taktische Vorgabe?  Für mich ist der bei Angriffen inzwischen so häufig erhobene Arm von Stefan Maierhofer ein Symptom der Niederlagen. Ich schreibe es jetzt schon zum dritten Mal. Stefan Maierhofer erhält den Ball ohnehin. Er braucht nichts zu signalisieren. Die Gefahr von Missstimmungen ist einfach zu groß, wenn jemand derart offensichtlich den Ball will und ihn dann nicht bekommt. Da gerät zu schnell etwas aus dem Gleichgewicht.

Dennoch wurden Torchancen mit genau dieser nicht sehr schön anzusehenden Spielweise erspielt. Ins Tor getroffen wurde aber nicht. Welcher Schluss  kann daraus gezogen werden. Ist die Spielweise vom Freitag angesichts des momentanten Leistungsvermögen eine notwendige Taktik? Oder gibt es erfolgreichere taktische Möglichkeiten? Auch Sefa Yilmaz kann sich über den Flügel nicht immer durchsetzen. Wenn er sich am Freitag aber durchsetzte, wurde es sofort im Strafraum gefährlich.  Braucht eine Mannschaft wie der MSV Duisburg den Spielfluss, um die Torchancen auch zu verwerten? Trifft Srdjan Baljak leichter ins Tor, wenn seine Chancen sich aus einer gleichmäßigen Spielbewegung heraus entwickeln und sie nicht aus wuchtigen Einzelangriffen entstehen? Das frühe Attackieren des Gegners brachte stets den Erfolg. Fehlt im Moment dazu die Kraft?

Wenn man erst einmal ins Nachdenken kommt, wird es ganz schnell sehr kompliziert. Im Fußball ist es nämlich wie im richtigen Leben, selbst richtige Entscheidungen führen nicht immer zum Erfolg. Deshalb überlasse ich das mit dem Erkenntnisgewinn jetzt wieder denen, die beim MSV Duisburg in der sportlichen Verantwortung stehen. Sie waren in der Hinrunde mit ihren Entscheidungen erfolgreicher, als es viele erwartet hatten.  Auch ich richte nun meinen Blick auf Mittwoch und suche schon mal die Grundlage für die nächste Geschichte. Der Warnhinweis beim Kartenkauf ist dafür schon mal kein schlechter Anfang. Ich kann also durch die Ordner des Blocks N14 verwiesen werden, wenn ich mich zum MSV bekenne. Mein dreimaliger Jubel mitten im FC-Anhang beim MSV-Auswärtssieg zum Daum-Debut lässt mich solche Warnhinweise aber gelassen lesen. Damals fühlte sich kein Ordner zuständig, und bei diesem Pokalspiel am Mittwoch werde ich außerdem mit Sicherheit nicht der einzige Anhänger des MSV Duisburg im Block N 14 sein.


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