Posts Tagged 'Sergej Karimow'

Berlin, Berlin – zur Vorstadt von Berlin

In Paderborn war es gestern kalt und regnerisch trotz der guten Kontakte von vielen Paderbornern, zu der von ihnen immer noch als väterlich-fürsorglich empfundenen himmlischen Macht. Wir haben Ende Juli, und es ist die Zeit der Libori-Festwoche. Wegen des Wetters ließen sich nicht ganz so viele Menschen wie sonst üblich durch die Straßen treiben, um Bier zu trinken, Live-Musik zu hören und über die Kirmes am Libori-Berg zu gehen. Ich gehörte zu diesen wenigen Menschen, ließ mich nass regnen, trank Bier und hörte eine groovige Soul- und Funk-Band mit einem Sänger, bei dessen Stimme ich unpassender Weise immer wieder mal an die gute alte Blues-Röhre denken musste.

Ich bin auf dem Weg nach Berlin – mit meinem Sohn – und mache eine Zwischenetappe in der angeheirateten Heimat. Damit arbeite ich am Projekt, gelingende Saison 2011/2012 für den MSV Duisburg. Ich denke schon das Pokalspiel gegen den SV Babelsberg 03 am Samstag wird die Laune von Milan Sasic erheblich verbessern. Das hat alles mit meinem Sohn zu tun, der sich für Fußball eigentlich nicht interessiert. Doch im letzten Jahr konnte ich ihn zum Besuch des Auswärtsspiels beim VfL Osnabrück überreden. Wir waren auf dem Weg nach Berlin, und machten die Zwischenetappe in Osnabrück. Wir erinnern uns, welche Saison für den MSV Duisburg nach dem damaligen Auftaktsieg folgte. Die zwei Niederlagen im Liga-Betrieb haben mich nämlich darin bestärkt, die mir zur Verfügung stehenden Maßnahmen zur Situationsverbesserung zu ergreifen. Einen Aufenthalt in Berlin findet mein jugendlicher Sohn immer attraktiv. Der Besuch des Pokalspiels braucht dieses Mal keine Zwischenetappe, sondern ist im Städtereisen-Paket als Vorstadtsausflug mit dabei. Wichtig scheint mir die Anwesenheit des sonst fußballabstinenten Sohnes in einem Wettbewerbsspiel zu Beginn der Saison.

Vor diesem Wettbewerbsspiel interessiert sich die Lokalpresse in Potsdam natürlich für den Pokalgegner. Dass Milan Sasics Laune im Moment nicht die beste ist, merkt man auch in diesem Interview für die Märkische Allgemeine. Er wirkt etwas mürrisch bei seinen Antworten. Ich glaube kaum, dass der gestrige 2:1-Sieg gegen den FC Schalke 04 daran etwas geändert hat. Der längere Ausfall von Emil Jula wird sein Nachdenken über die Mannschaftsaufstellung nun auch um die Positionen für den Sturm erweitern. Und die Frage, in welcher Besetzung die Abwehr am besten spielt, scheint ebenso weiterhin offen zu sein. Wieder spielte Sergej Karimow als Linksverteidiger und Benjamin Kern spielte erst einmal nicht. Beides gefiele mir nur, wenn diese Abwehr die nächsten Spiele sehr schnell sich sehr stabil zeigte. Da bin ich opportunistischer Erfolgs-Fan, auch wenn ich Benjamin Kern lieber von Anfang an in der Mannschaft sähe und Sergej Karimow erst einmal nicht. Doch Milan Sasic wirkt in der Öffentlichkeit sehr verärgert über Benjamin Kern, den er für ein Gegentor im Spiel gegen den FC Energie Cottbus verantwortlich macht. So richtig gefällt mir sein mürrisches Grummeln über den Fehler von Benjamin Kern nicht. Den Beweis der Stabilität müsste diese Abwehrformation aus dem Spiel gegen den FC Schalke 04 aber erst einmal wieder in einem Spiel unter Wettbewerbsbedingungen antreten, einem Spiel wie gegen den SV Babelsberg 03.

Das Spiel gegen den FC Schalke 04 verbucht der MSV Duisburg unter der Rubrik „Selbstvertrauen gewonnen“, doch die Bewertung des Spiels geht bei den Beobachtern sehr auseinander. Ich selbst pflegte ja das Brauchtum in Ost-Westfalen und lese heute je nach Perspektive sehr unterschiedliche Meinungen. Auf der Seite vom MSV Duisburg gibt es die Worte „ansehnlicher und temporeicher Testkick“.  Dagegen schlägt Torsten Wieland im Königsblog den Schalker Anhängern vor, das Eintrittsgeld direkt auf das Spendenkonto zu überweisen, so sehr hat er sich über die „lustlose“ Spielweise der Schalker Mannschaft geärgert. Mit diesen beiden Informationen lassen sich für mich auch Überschrift des Spielberichts und verärgerte Fan-Kommentare bei Der Westen besser einordnen. „MSV Duisburg schlägt Schalkes B-Elf“ erklärt sich vielleicht weniger mit der Klasse der angetretenen Spieler als mit deren anscheinend kaum vorhandener Anstrengungsbereitschaft. Dennoch muss niemand durch so einen Artikel-Titel ein Erfolgserlebnis klein geredet sehen. Ein wenig Einordnung braucht so ein Testspiel-Sieg ja doch, und das gute Gefühl wird nur genommen, wenn Unsicherheit über die eigene Stärke herrscht. Diese Unsicherheit ist im Moment in Duisburg vorhanden. Was hat das Benefizispiel übrigens eigentlich mit dem Pokalfinale sehe zu tun? Ich kann mich gar nicht mehr erinnern, gegen welchen Verein der MSV Duisburg im Mai in Berlin verloren hat. Wir haben das DFB-Pokalfinale nicht gewonnen, das ist richtig. Aber gab es einen Gegner, der DFB-Pokalsieger wurde in der letzten Saison? Ich war in den letzten Minuten dieses Finales so sehr mit dem MSV Duisburg beschäftgt und rätsel immer noch, warum das Spiel gestern eine geglückte „Revanche“ hat sein sollen.

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11 entscheidende Gründe für den Sieg im Pokalfinale

Im Blog Turnhallengeruch schreibt Phil über seinen Verein. Es ist der FC Schalke 04. Letzte Woche schlug er vor, unsere seherischen Qualitäten zum Nutzen unserer Leser mit einem gemeinsamen Text in zwei Waagschalen zu werfen. Elf Gründe sollten her, warum die Vereine unserer Gunst den DFB-Pokal gewinnen werden. Mit der Herdenintelligenz im MSVPortal lassen sich natürlich ganz andere Ziele anstreben.  „1000 gute Gründe …“ für den Sieg des MSV Duisburg am Samstagabend könnten eigentlich schon ein erster Grund in meiner persönlichen Liste von Gründe für eben diesen Sieg sein.
Wollen wir aber erstmal dem Gast den Vortritt lassen und sehen, was für den FC Schalke 04 spricht. Phil schreibt:

Der FC Schalke 04 gewinnt das DFB-Pokalfinale weil, …

  1. skAndy sich unmöglich von einem Affen tätowieren lassen kann.
  2. der Señor seine Karriere nicht ohne einen nationalen Vereinspokal beenden kann, und seinen königlichen Kollegen in nichts nachstehen darf.
  3. sich unsere Freunde von der Hertha sicher fürchterlich über einen königsblauen Pokalsieg in ihrer Stadt freuen würden.
  4. nach sechs Niederlagen in Folge endlich mal wieder ein Sieg her muss.
  5. die Schalker Mannschaft noch unfassbare Kraftreserven aus der Liga übrig haben müsste.
  6. Schalke 04 noch für mindestens ein Spiel den besten Schnapper der Welt zwischen den Pfosten stehen hat.
  7. Ralf Rangnick seine freie Zeit im Winter sicherlich genutzt hat, um mögliche nächste Gegner ausgiebig zu zu bespitzeln.
  8. Ultra Beauty nur durch einen Pokalsieg zum Schlager werden kann.
  9. ein Team, welches Bayern München im Pokal geschlagen hat, eben den Pokal bekommt.
  10. ein Team, welches Cottbus im Pokal geschlagen hat, eben nur Cottbus im Pokal geschlagen hat.
  11. der FC Schalke 04 statistisch gesehen immer den DFB-Pokal gewinnt, wenn der Finalgegner nicht Bayern München heißt.

Auch wenn Phil von Schalker Seite aus den Anstoß zu den Überlegungen gegeben hat, wirklich entscheidende Gründe erkenne ich nur für einen Sieg des MSV Duisburg. Die Zebras gewinnen nämlich, weil …

  1. … die Spielstärken der einzelnen Spieler gegenüber zu stellen eine sehr theoretische Angelegenheit ist. Das unvorhersehbare Ereignis macht den Außenseiter immer stärker als den Favoriten.
  2. … Bruno Hübner schon vor Saisonende den Defensivspieler vom VfL Wolfsburg Sergej Karimow verpflichtet hat und dessen Schalke-Bezwinger-Mentalität bereits in den Kader einsickern konnte. Am 30. Januar 2008 spielte Karimov in seinem ersten Pokalspiel für den VfL Wolfsburg gegen den FC Schalke 04 und erzielte den 1:1-Ausgleichstreffer Sekunden vor dem Abpfiff. Und es war Karimov, der beim Elfmeterschießen das entscheidende fünfte Tor schoss.
  3. … auf der Liste der höchsten Niederlagen des FC Schalke 04 im Pokalwettbewerb als erstes Spiel die 6:0-Niederlage gegen den MSV Duisburg am 19.2. 1966 steht.  Im Pokalwettbewerb ist die Bilanz des MSV Duisburg gegen den FC Schalke 04 seitdem sensationell. In insgesamt einem Spiel gab es einen Sieg, kein Unentschieden und keine Niederlage. Der Sieg gegen den FC Schalke 04 war für den MSV Duisburg ein Erstrunden-Sieg in jenem DFB-Pokalwettbewerb, in dem der Verein das Endspiel zum ersten Mal erreichte. (Siehe auch unter Punkt 8 zum Thema Gestaltpsychologie.)
  4. … die letzte Finalteilnahme 1998 ermöglichte der Sieg gegen Eintracht Trier. Mit dem Sieg gegen Eintracht Trier bezwang der MSV Duisburg jene Mannschaft, die zuvor den FC Schalke 04 und Borussia Dortmund aus dem Pokal geworfen hat. Der vorweggenommene Ruhrpott-Pokalsieg muss endlich mit einem Pokal belohnt werden.
  5. … die Designer von Adidas auch beim Entwurf vom Einmal-Auswärtstrikot in Ultra Beauty an die „großen Erfolge“ vom FC Schalke 04 in den 80ern wie Abstiege und Niederlagenserien gedacht haben.
  6. … weil im Kölner Stadt-Anzeiger auf Fotos zu Jugendspielen des 1. FC Köln seit ein paar Wochen immer nur Spieler des MSV Duisburg auftauchen, auch wenn die Gegner FC Schalke 04 oder Rot-Weiß Ahlen heißen. Wenn schon die Kölner glauben, die Spieler vom MSV Duisburg seien überall, wie wird es erst den Schalker Spielern ergehen?
  7. … auf sechs Niederlagen in Pflichtspielen unweigerlich die siebte Niederlage folgen wird. Die Sechs spielt im Gegensatz zur Sieben in den Mythen unserer Welt nämlich keine Rolle. Sieben auf einen Streich.  Die sieben Weltwunder. Die sieben Zwerge. Sieben-Meilen-Stiefel und so fort.
  8. … Gesetze der Gestaltpsychologie wirken, und der Mensch Vollkommenheit in der Form sucht. Eine Saison, die wie beim FC Schalke 04 für einen Verein schlecht begonnen hat, wird schlecht enden. Eine Saison, die wie beim MSV Duisburg gut begonnen hat, wird gut enden.
  9. … der Duisburger Autokorso im Gegensatz zum Gelsenkirchener nach einem Pokalsieg die Ruhrgebietsidentät voranbringt. Gefeiert wird stadtgrenzenüberschreitend. Die Duisburger Stadtspitze verhält sich keineswegs mutlos, ängstlich oder gar kleingeistig, sondern visionär, indem sie durch Nichtstun den Ruhrstadt-Gedanken unterstützt.
  10. Olcay Sahan nach dem Spiel gegen den VfL Bochum recht hat, wenn er sagt: „Vor den drei letzten Pokalspielen gegen Köln, Kaiserslautern und Cottbus konnten wir unsere Liga-Spiele auch nicht gewinnen. Da wir nun in Bochum verloren haben, werden wir gegen Schalke gewinnen.“
  11. … weil Goran Sukalo dazu bestimmt ist, das Dieter-Hoeneß-Gedächtnis-Tor zum entscheidenden 2:1 in der 84. Minute zu  köpfen. Für die Jüngeren: Ein Kopfballtor von einem Spieler mit Kopfverband nach Platzwunde. Nach diesem Tor werden alle Lahmen des MSV Duisburg wieder gehend, alle Blinden wieder sehend und alle Hörenden werden ob des Lärms von den Tribünen taub werden.

Die Liste lässt sich unten, in den Kommentaren zwanglos fortsetzen. Auch das wirkt schmetterlingsflügelschlaggleich.


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